BERLIN. Mit Hashtags wie „I’m yours“ (Ich gehöre dir) oder „child of god“ (Gottes Kind) versieht eine 15-Jährige gerne ihre Fotos auf der Internetplattform Instagram. Dabei spielte Gott lange Zeit keine Rolle in ihrem Leben. Jesus? Wer sollte das sein? Halt? Ein Fremdwort für die Berlinerin. Ihren leiblichen Vater lernte sie nie kennen. Vor zwei Jahren besuchte die Jugendliche dann ein Sommercamp, bei dem sie in die Junge Kirche Berlin  (JKB) eingeladen wurde. Sie entschloss sich, hinzugehen, und lernte dort Jesus kennen und lieben. Als Zeichen, dass sie nicht mehr ohne ihn leben möchte, ließ sie sich im Juni von den Liebenzeller Mitarbeitern Jana Kontermann und Nathanael Bader taufen, und erhielt so, wie es auf ihrem T-Shirt abgedruckt stand, ein „neues Leben“.

Und sie war nicht alleine. Zehn weitere aus dem Kiez, darunter sieben Jugendliche und drei Erwachsene, ließen sich an dem Tag taufen. Und das Beste: Obwohl die meisten die einzigen Christen in ihrer Familie sind, kamen viele Angehörige. „Da einige Besucher noch nie von Jesus gehört oder einen Gottesdienst miterlebt hatten, entschied ich mich, über die Basics des christlichen Glaubens zu predigen“, erzählt Jana. Dass sie auf nichts aufbauen konnte, bestätigte ihr beispielsweise auch der Anruf einer Mutter, die kurz vor der Taufe wissen wollte, wie solch ein Event gefeiert wird, da ihr Sohn der einzige in der Familie sei, der was mit Jesus zu tun hätte. Über das Interesse freute sich Jana sehr. Und tatsächlich kam die gesamte Familie des Jungen – auch wenn sie sich in zwei Lager spaltete, da die Eltern geschieden waren. „Durch das große Picknick im Anschluss fiel das aber nicht auf. Auch, dass mancher Täufling nur wenige Angehörige dabei hatte, blieb unbemerkt. An dem Tag waren wir eine große Gemeinschaft, sozusagen eine Familie“, freut sich Jana. Auch bei den Täuflingen gab es keine Unterschiede, denn sie trugen alle das gleiche Shirt mit der Aufschrift „Mein neues Leben“.

Bewegend sei vor allem gewesen, als die Jugendlichen vor den rund 200 Besuchern darüber sprachen, wieso sie sich taufen lassen. Ein 16-Jähriger hatte beispielsweise einige Monate zuvor von Gott geträumt. An der Taufe erzählte er, dass er nun mutig mit Jesus leben möchte – und das, obwohl er wusste, dass sich die Begeisterung seiner Eltern dabei in Grenzen hielt. „Sie wollten zum Beispiel nicht, dass er einen Glaubenskurs macht. Aber Gott wirkt an der Familie, denn der Sohn entschied sich trotzdem für die Taufe, und seine Eltern waren sogar dabei.“ Aber nicht immer läuft es so wie in seinem Fall, denn viele der Jugendlichen aus dem Kiez haben schwere Rückschläge erlebt. So auch ein Berliner, der seinen Vater verlor. Er selbst leidet oft unter Migräne und kämpft sich durch den Schulalltag. Kurz vor der Taufe entschied er sich, noch zu warten, da ihn viele Fragen beschäftigten. „Es ist gut, dass er so ehrlich zu sich war. Denn es ist keine Entscheidung, die man mal eben fällt“, findet Jana. Wenige Tage vor der Taufe dann der nächste Einschnitt: Der Jugendliche und seine Mutter hatten einen schweren Autounfall, bei dem sie jedoch trotz eines Totalschadens unverletzt blieben. Als er zu Hause dann das lange zuvor bestellte Taufshirt auspackte, sagte er: „Ja, Mama, es stimmt, ich habe ein neues Leben bekommen.“ Jana freut sich, dass er weiter in die JKB kommt und nicht von Jesus ablässt. „Generell bin ich sehr dankbar dafür, wie unsere Jugendlichen auf Jesus vertrauen, und sich vor ihren Familien zu ihm bekennen.“ Sie wünscht sich, dass jeder von ihnen seinen Platz in der Gemeinde findet, wo er Fragen stellen und seine Gaben entfalten kann. Auch hofft sie, dass sich das Bekenntnis der jungen Menschen auf ihre Familien auswirkt, und auch sie anfangen, an Jesus zu glauben.

DEUTSCHLAND. Sieben Jahre lang haben sie ihr Herzblut in die Oase, ein sozialmissionarisches Gemeindegründungsprojekt der Liebenzeller Mission im Neubrandenburger Reitbahnviertel, gesteckt. Ende April hieß es für unsere Mitarbeiter Claudia und Nikolai Bolanz mit ihren beiden Kindern, die Zelte abzubrechen, um ab Juli im französischen Montpellier eine Gemeinde zu gründen. Bis dahin sind sie in Deutschland unterwegs und berichten von ihrer Arbeit. Wir haben ihnen vier Fragen gestellt.

Wie kam es zu dem Wechsel von Neubrandenburg nach Montpellier?
Nun, die Oase ist gegründet. Das Baby ist sozusagen geboren. Es finden regelmäßig Gottesdienste statt, und so lag ein Wechsel auf der Hand. Wir wurden gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, gemeinsam mit Lisa Kimpel und Familie Dehner eine Gemeinde in Frankreich zu gründen. Wo, das war noch unklar. Und so sind wir mit ihnen betend und überlegend einige Großstädte in Frankreich abgefahren. Unabhängig voneinander kamen wir alle zu dem Schluss, dass es Montpellier sein soll – eine dynamische Großstadt mit rund 250.000 Einwohnern und nur wenigen christlichen Gemeinden.

Was werden eure Aufgaben sein?
Zunächst ist es wichtig, dass Gott uns zeigt, in welchem Stadtteil wir eine Gemeinde gründen sollen, und dass wir eine Wohnung finden. Dafür könnt ihr gerne mitbeten. Und dann natürlich die Sprache zu lernen, sich als Team zu finden, eine Vision zu entwickeln und uns mit der Frage zu beschäftigen, wie Gemeinde in Montpellier konkret aussehen muss.

Was vermisst ihr an der Oase und worauf freut ihr euch in Frankreich?
Uns fehlen die Leute, die vielen Beziehungen, die wir geknüpft hatten. Der Abschied war sehr traurig, denn das Reitbahnviertel war unser Zuhause. Dort haben wir geheiratet, unsere Kinder bekommen und viele Freunde gewonnen. Auch den kindlichen Glauben der Leute werden wir vermissen. Als es zum Beispiel einmal darum ging, dass Jesus Menschen heilte, versammelten sich unsere Oase-Ladies um eine kranke Frau, legten ihr, so wie wir es zuvor in der Bibel zusammen gelesen hatten, die Hände auf – und Gott erhörte wirklich unsere Gebete, indem er ihren Rücken heilte. Wir sind gespannt, wie es in Frankreich sein wird. Dort freuen wir uns besonders auf die Sonne, das Land, die Kultur, die Menschen – und natürlich schon jetzt auf die ersten Taufen im Mittelmeer.

Was war eines eurer schönsten Erlebnisse in letzter Zeit?
Wir bekamen ein Abschiedsbuch geschenkt, in das auch eine Jugendliche schrieb, die wir über Jahre hinweg begleitet hatten. Gerade kommt sie nur noch selten in die Oase, weil sie einen Freund hat. Sie stammt aus schwierigen Verhältnissen, hat viele Geschwister, ihre Eltern sind im Heim groß geworden, und sie hat weder eine Ausbildung noch einen Job. Sie schrieb: „Vielen Dank, dass ihr da wart. Durch euch und die Oase habe ich Gott kennengelernt. Ihr habt so viel für mich gebetet, und das werde ich auch für euch tun, wenn ihr jetzt nach Frankreich geht.“ Das war ergreifend, weil wir nicht damit rechneten, dass von ihr so etwas tief Geistliches kommen würde. Es ist schön, zu erleben, dass bei ihr die Saat aufgegangen ist.

In den vergangenen Monaten waren wir viel zu Missionsvorträgen unterwegs. Mal durften wir in Kirchen oder Gemeindehäusern über unsere Arbeit in Papua-Neuguinea berichten, mal in Sporthallen oder sogar im Kino. Doch es geht noch spezieller: Kürzlich wurden wir von einer Apotheke eingeladen. Sowas haben wir noch nie erlebt. Also waren wir mächtig gespannt, was uns erwarten würde.

Matthias Bareiß heißt der junge Apotheker, der uns eingeladen hatte. Er erzählte uns schon im Vorfeld, wie wichtig es für ihn ist, nicht nur Tabletten, Salben und Tinkturen zu verkaufen, sondern Menschen auch von Jesus weiterzusagen, der ihr Herz und ihre Seele heilen kann. Mit Flyern wurde fleißig zum Vortragsabend eingeladen und so machten wir uns freitagabends auf den Weg nach Sugenheim in Franken. Dort wurden wir schon erwartet und herzlich begrüßt.

Die Apotheke wurde extra etwas umgestaltet, Regale und Schränke mit bunten Vorhängen abgedeckt und der Verkaufstisch zum Rednerpult umfunktioniert. Dann waren wir an der Reihe: Mit einem Grasrock, bunten Kleidern, Trommeln, Kokoshäuschen und einer großen Neuguinea-Fahne, die wir vor der Eingangstür aufhängten, gaben wir der Apotheke eine typisch neuguineische Note.

Am Abend kamen dann viele Besucher. Jeder Gast wurde persönlich von Matthias begrüßt und bekam ein Liedblatt, ein Kärtchen mit einem Bibelwort und eine kleine Schokolade – natürlich hergestellt aus Kakao aus Papua-Neuguinea. Jedes Kärtchen trug zudem eine Nummer und so gab es zu unserer Überraschung gleich zu Beginn des Abends eine Verlosung, bei der der Gewinner eine englische Bibel und ein Parfüm geschenkt bekam. Nun konnte die Veranstaltung beginnen. Nachdem unser Gastgeber ein Lied angesagt hatte, setzte er sich an die Eingangstür, denn der Raum war so voll, dass keiner mehr hineinpasste.

Dann hatten wir das Wort. Zuerst stellten wir die Liebenzeller Mission vor, erzählten, warum wir in die Mission gegangen sind, und am Ende konnten wir noch einige Bilder aus unserer Arbeit zeigen. Bei der anschließenden Fragerunde merkten wir, dass unsere Zuhörer richtig bei der Sache waren und noch viel erfahren wollten. Den Abschluss bildete ein Abendessen, das Matthias gekocht hatte. Der ganze Abend war spürbar von der Liebe zu Jesus und der Sache Gottes geprägt. Wir beide fuhren reich beschenkt nach Hause und waren uns einig: Diese Idee muss weitergesagt werden.

Danke an Matthias Bareiß, der sich so von Gott gebrauchen lässt und seinen Platz als Arbeitsfeld für das Reich Gottes einsetzt. Auch so kann man Missionar in Deutschland sein!

Wollen Sie auch Missionare der Liebenzeller Mission zu sich einladen? Sie kommen auch, wenn Sie keine Apotheke haben! Schreiben Sie uns unter reisedienst@liebenzell.org.

DEUTSCHLAND. Premiere in Neubrandenburg: Als erster Student der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL) absolviert Samuel Voigt ein Praxissemester in der Oase, einem sozialmissionarischen Projekt der Liebenzeller Mission. Seit Februar lebt der 22-Jährige im Reitbahnviertel und hilft bei verschiedenen Angeboten mit. So auch beim „Jesus Café“, einem Treff für junge Erwachsene. Dort kam er schnell mit einem 19-Jährigen ins Gespräch, mit dem er sich bald darauf zum Kicken auf dem Sportplatz verabredete. Auch ein 21-Jähriger kam dazu. Gerade als Samuel den Eindruck hatte, er solle mehr mit den beiden unternehmen, kam es zu einem Unfall: Samuel brach sich den Arm und das gemeinsame Hobby wurde gekappt.

Gott belässt es nicht oberflächlich

„Man, jetzt wollte ich mich gerade mehr investieren und dann macht mir mein Arm einen Strich durch die Rechnung“, dachte Samuel sofort. Ihm war klar, dass der Bruch ihn an vielem hindern würde. Doch anstatt dass er ihm Steine in den Weg warf, war er vielmehr ein Gesprächsöffner: „Ich spüre, wie Gott ihn nutzt. Viele aus der Oase kommen auf mich zu und beten für mich. Es ist viel einfacher, Kontakte zu knüpfen und auch zu den zwei Jungs hab ich seitdem noch mehr Kontakt“, freut sich Samuel. Erst kürzlich traf er sich mit einem der beiden in einer Cocktailbar. Dabei kamen sie schnell über tiefgehende Themen ins Gespräch. Als es um Beziehungen ging, konnte Samuel seinen christlichen Glauben einbringen, weil beides für ihn eng verbunden ist. Der junge Mann hörte interessiert zu. „An dem Abend wurde mir wieder bewusst, dass wenn ich mich öffne und bereit bin, mich zu investieren, Gott es nicht oberflächlich belässt, sondern Menschen sich mir ebenso öffnen und es schnell in die Tiefe geht.“

Angekommen und angenommen

Das  erlebt der Stendaler auch im Männerhauskreis. „Trotz großer Altersunterschiede ist schnell Vertrauen gewachsen und wir können offen über biblische Themen und Persönliches sprechen.“ Auch im Team fühlt er sich wohl: „Mit offenen Armen wurde ich empfangen und sofort in den Leitungskreis integriert. Die Wertschätzung der Mitarbeiter hat mir geholfen, anzukommen, und ich fühle mich echt angenommen.“ Neben dem „Jesus Café“ und dem Hauskreis arbeitet der Praktikant auch beim „Oase-Frühstück“ und bei „Oase Kids“ mit. Für die Erwachsenen bereiten er und das Team immer einen geistlichen Impuls vor, für die Kleineren ein Anspiel, um ihnen geistliche Werte und biblische Themen näherzubringen.

Nah an den Menschen dran

Seine Aufgaben machen Samuel viel Spaß und er ist bereits jetzt ein großer Fan des Projekts: „Da ich ‚Theologie/ Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext‘ studiere, hat mich das Konzept der Oase sofort überzeugt. Nun selbst hier zu arbeiten und nah an Menschen in einem Brennpunktviertel zu sein, ist für mich eine Chance, Gelerntes anzuwenden und herauszufinden, ob ich mir das künftig vorstellen kann.“ Auch geistlich bringt ihn das Semester voran: „Ich habe das Gefühl, dass ich hier wachsen kann. Gerade durch Situationen, auf die ich mich nicht vorbereiten kann, wie etwa in Gesprächen.“ Bis Juli wird Samuel in der Oase mitarbeiten, und er ist gespannt, was Gott im Reitbahnviertel noch alles für ihn bereithält.

Am 2. Januar hatte Johannes Luithle seinen ersten Arbeitstag als Direktor der Liebenzeller Mission. 100 Tage sind seither vergangen. Zu früh, um zu bilanzieren, aber spät genug, um den 49-Jährigen nach seinem Einstieg, Herausforderungen und bewegenden Momenten zu fragen.

Du hattest im Vorfeld deines Amtsantritts sicher eine gewisse Vorstellung von der Liebenzeller Mission. Gibt es etwas, das dich besonders überrascht hat?
Am meisten hat mich überrascht, wie hingebungsvoll die Mitarbeiter ihre Arbeit verrichten. Mit wie viel Ausdauer, Herzblut und Verstand.

Welche Aufgabe macht dir in deinem Amt am meisten Spaß?
Ganz klar: die Verkündigung. Daneben bereitet es mir aber auch viel Freude, gemeinsam mit Kollegen zu planen, Prozesse zu gestalten und miteinander zu überlegen, was für das Werk in nächster Zeit dran ist. Ich bin gerne mit Menschen zusammen und liebe die Vielseitigkeit auf dem Missionsberg.

Was war dein schönstes Erlebnis in den ersten drei Monaten?
Da fallen mir viele schöne Momente ein. Besonders ist es für mich zu wissen und zu erleben, dass Menschen für mich beten.

Was steht in den nächsten 100 Tagen auf deiner Agenda?
Ein Höhepunkt ist zweifellos das Pfingstmissionsfest, wo ich mit meiner Frau Gottes Segen für das Amt des Direktors zugesprochen bekomme. Auch ist es mir wichtig, weiterhin die Menschen, die mit der Liebenzeller Mission verbunden sind und die Mitarbeiter weltweit kennenzulernen. Doch bis ich den vollen Durchblick habe, müssen wahrscheinlich nochmal 100 Tage vergehen – oder mehr.

DEUTSCHLAND. „Unglaublich“ war dieses Jahr das Thema von ProChrist. Und unglaublich war auch die Zeit in Tauberbischofsheim. Nachdem die kleine, aber unglaublich hochmotivierte Liebenzeller Gemeinschaft in Tauberbischofsheim schon einiges vorbereitet hatte, konnte es am Sonntagabend losgehen.

Jeden Abend – von Sonntag bis Samstag – gab es ein tolles Begrüßungsteam, gute Musik, ein Zeugnis vom Wirken Gottes im Leben verschiedener Personen, eine Predigt und viel Gemeinschaft. Nach den Predigten unseres Rektors Gustavo Victoria gab es an fast jedem Abend eine Einladung, ans Kreuz vorzukommen und sich auf Gott einzulassen. Dieser Einladung sind so einige gefolgt – das ist nicht nur ein unglaubliches Wunder, sondern hat für so manche „Party im Himmel“ gesorgt.

Ein weiterer unglaublicher Teil der Abende waren die Gemeinschaft und das unglaublich tolle Buffet am Ende des Programms. So hat es nach dem Segen nicht lange gedauert, bis der Raum mit vielen Gesprächen gefüllt war.

Für uns als Klasse der Interkulturellen Theologischen Akademie (ITA) war es ein unglaubliches Privileg, Teil dieser Woche zu sein und dabei Gottes Wirken zu erleben. Im Laufe der Woche konnten wir in der Innenstadt und Nachbarschaft viele Leute einladen und es war schön, den einen oder anderen dann tatsächlich am Abend begrüßen zu dürfen.

Auch die Gespräche mit verschiedenen Leuten aus der Gemeinde waren eine Bereicherung und sehr prägend. Diese Woche werden wir nicht so schnell vergessen. Gott sei alle Ehre dafür!

DEUTSCHLAND. Mit gepackten Koffern und dem Bachelor in der Tasche brach Hannah Kaiser im Oktober auf nach Frankfurt. Dort hieß es für die gebürtige Kaiserstühlerin zunächst Fuß fassen – in einer fremden Stadt und in zwei Gemeinden. Denn Hannah begann sowohl bei der Stadtmission in Niederrad als auch in einer chinesischen Gemeinde zu arbeiten.

Der Jugend den Rücken stärken

„In vielfältige Bereiche hineinfinden und ein neues Umfeld aufbauen – das galt es zunächst zu meistern“, schildert Hannah, die gerade ihr Studium an der Internationalen Hochschule Liebenzell absolviert hatte und durch die Liebenzeller Mission Kontakt zu den beiden Gemeinden bekam. Der Einstieg fiel der Absolventin überraschend leicht. Herzlich wurde sie von den Mitgliedern aufgenommen und rasch integriert. In der chinesischen Gemeinde begann Hannah die Jugendarbeit zu leiten und neu zu beleben. „Für viele Jugendliche konnte die Gemeinde bisher kein Zuhause sein, weil sie viel stärker ‚deutsch ticken‘ als ihre Eltern.“ Das hätte zur Folge, dass einige mit Identitäts- und Zugehörigkeitsproblemen kämpften. Hannah möchte die junge Generation in ihrem Glauben stärken und ihr einen neuen Zugang zu ihrer Gemeinde verschaffen: „Ich merke, dass es vielen gut tut, eine Bezugsperson zu haben, die ihnen ihren Platz freiräumt.“ Trotz kultureller und sprachlicher Hürden fühlt sich Hannah dort am richtigen Platz.

Andere Kulturen, andere Sitten

So auch bei der Stadtmission, wo sie ebenfalls den Gemeindenachwuchs fördert. Die 23-Jährige hilft dort bei drei Kindergruppen und in der Sonntagsschule, gibt Nachhilfe sowie Gitarrenunterricht, und baut die Gebetsarbeit aus. Die verschiedenen Aufgaben machen ihr Spaß und lassen Hannah das anwenden, was sie in ihrem Studiengang „Theologie/Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext“ gelernt hat. „Zwar habe ich nicht auf alles eine Antwort, doch bekam ich viel Handwerkszeug für meine jetzigen Aufgaben mit auf den Weg.“ Auch von den Professoren und Missionaren konnte Hannah manches für sich mitnehmen: „Aus ihren Erfahrungen mit anderen Kulturen und Meinungen kann ich nun profitieren.“ Zudem habe ihr das Zusammenleben auf dem Missionsberg mit Gleichaltrigen aus verschiedenen Kontexten geholfen, einen Weitblick für andere Einstellungen zu bekommen.

Gott greift ein

Dass es neben solchen Fähigkeiten aber vor allem auf Gottes Handeln ankommt, das durfte Hannah erst kürzlich wieder erleben. Eine alleinerziehende Mutter und ihr zehnjähriger Sohn kommen regelmäßig zum Gottesdienst der Stadtmission. Der Junge ist sehr intelligent, kann seine Emotionen aber schlecht kontrollieren. Die Mutter, die seit dem Tod ihres Mannes zwei Jobs nachgeht, wirkt abgekämpft und tut sich schwer, ihren Sohn zu bändigen. Das fiel neben Hannah auch einer Kollegin auf, und die beiden fingen an, für den Jungen zu beten. Weitere aus der Gemeinde schlossen sich ihnen an. Dass viele für das Kind beteten, spürte die Mutter bald. Sogar seine Lehrerin stellte eine Veränderung fest. „Wir sind dankbar, dass Gott an dem Jungen wirkt, er gerne kommt und Jesus wirklich lieb hat“, freut sich Hannah. Er könne sich schon besser kontrollieren und höre bei den biblischen Geschichten viel aufmerksamer zu.

NEUBRANDENBURG. Mit 21 Jahren heiratete Matze. Früh stand die junge Ehe vor Herausforderungen, doch die größte war sein Alkoholproblem. Phasenweise war er trocken, doch immer wieder erlebte er Rückfälle. Als Matze dann nach der Wende in der Montage arbeitete, hatte er sich nicht mehr unter Kontrolle. Oft trank er einfach mal so eine Kiste Bier. Über 30 Jahre hielt die Ehe den Schwierigkeiten stand, dann folgte die Scheidung. Grund Nummer eins: Matzes Alkoholsucht.

Inzwischen ist der 58-Jährige über diesen Schmerz hinweg und hat eine neue Partnerin, die – wie er auch – im Neubrandenburger Reitbahnviertel wohnt. Beide, Gabi und er, kochen leidenschaftlich gerne. Durch Zufall erfuhren sie vor drei Jahren von einem Kochprojekt in der “Oase”, einem sozial-missionarischen Gemeindegründungsprojekt der Liebenzeller Mission in ihrer Nachbarschaft. Sie gingen dorthin und fanden schnell Anschluss an die Gruppe. Von da an kamen sie regelmäßig zu den Treffen. “Zunächst war die ‚Oase' für beide ein Anlaufpunkt, wo sie Gemeinschaft mit netten Menschen haben konnten”, sagt Claudia Bolanz, deren Mann Nick die “Oase” leitet.

Doch dabei blieb es nicht: Gabi und Matze wurden neugierig, was es mit dem christlichen Glauben auf sich hat. Beide wollten mehr darüber erfahren und nahmen an einem Glaubenskurs teil. Dabei trafen sie die Entscheidung, Jesus Christus nachzufolgen. Seither verspüren sie die Sehnsucht, noch mehr über ihn zu lernen und mit ihm zu leben. “Auch wenn Matze oftmals wenig Geduld mit sich hat, sehen wir ‚Oase'-Mitarbeiter viele Fortschritte bei ihm”, erzählt Claudia. Seit acht Monaten ist er trockener Alkoholiker und sagt selbst, dass Jesus ihn von dieser Last befreit hat. Doch nicht nur das: Matze bringt sich auch in der Gemeinde ein. “Motiviert besucht und bereichert er den Männerhauskreis und hält einmal im Monat die Schriftlesung im Gottesdienst. Darüber hinaus kocht er für die Gemeinde – so auch vor Kurzem, als junge Leute aus Bad Liebenzell zu einem Einsatz da waren”, freut sich Claudia. Um ihren Glauben öffentlich zu bekunden, wollen sich Gabi und Matze Mitte Februar taufen lassen.

BURUNDI. Seit 2014 lebt die Liebenzeller Missionarin Ina Schütte in Burundi. Dort arbeitet sie bei verschiedenen Projekten für benachteiligte Kinder und Familien mit. Zuvor hat sie das Theologische Seminar der Liebenzeller Mission absolviert. Seit Dezember ist Ina in Deutschland, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben ihr drei Fragen gestellt.

Wie ist es für dich, als Single-Frau in Afrika zu leben?
In der afrikanischen Kultur zählt die Ehe zu den höchsten Prioritäten. Ich bin sehr dankbar, dass ich in Burundi als unverheiratete Frau dennoch ernst genommen werde und keine erheblichen Nachteile habe. Durch meinen großen Freundeskreis und meine Gemeinde bin ich sozial gut vernetzt und integriert. Schön ist es auch, dass meine afrikanischen Freunde sehr auf meine Sicherheit bedacht sind – vor allem, wenn ich unterwegs bin. Sie warten beispielsweise mit mir bei Polizeikontrollen, oder erkundigen sich, ob ich gut Zuhause angekommen bin. Da mich ständig Menschen umgeben, fühle ich mich nie alleine.

Wofür schlägt dein Herz in Burundi besonders?
Es schlägt für Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. Diejenigen, die gebrochene Herzen haben oder materiell benachteiligt sind. Menschen, die es bedürfen, dass sich jemand für sie stark macht und mit ihnen ein Stück ihres Weges geht. Natürlich gibt es in diesem Land viele Menschen, die Hilfe brauchen. Der Bedarf ist durch die Krise sogar noch viel größer geworden. Mir ist bewusst, dass ich an der Regierung und der Armut nichts verändern kann. Ebenso wenig ist es mir möglich, allen Menschen zu helfen. Aber ich kann für Einzelne einen Unterschied machen. Ich sehe sie in ihrer Not, stehe ihnen bei und helfe ihnen, wieder neuen Mut zu fassen.

Was sind deine Wünsche für das Land?
Viele Burundier haben in Folge der politischen und wirtschaftlichen Krise ihre Perspektive verloren und die Hoffnung aufgegeben. Auch wenn in diesem Land kein äußerer Frieden herrscht, so wünsche ich mir, dass die Menschen wieder inneren Frieden finden.

BAD LIEBENZELL. Weltmission heute lebt vom gemeinsamen Lernen, wo Erfahrungen, gelungene Konzepte und auch Rückschläge offen ausgetauscht werden und wir gemeinsam beten, sowie Gott um Wegweisung bitten. Die Liebenzeller Mission ist mit einem Reichtum an internationalen Partnerschaften beschenkt und so nutzten wir die Gelegenheit, anlässlich des Direktorenwechsels, uns über praktische Missionsfragen auszutauschen. Wer in Partnerschaften unterwegs sein möchte, muss Lernender sein – als Liebenzeller Mission wollen wir auf diesem Weg bleiben und dadurch wachsen.