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Geistliches Wachstum – ein nie endender Prozess

KANADA. Wie fühlt sich ein Mensch, wenn die Tochter eines Freundes an Krebs erkrankt? Reza kennt dieses Gefühl. Was soll er tun? In seiner Hilflosigkeit redet er zu dem, für den er sich sein ganzes Leben nie interessiert hat: nämlich zu Gott. Immer wieder betet er für das Mädchen. Es ist das erste Mal, dass sich der bekennende Atheist für den christlichen Glauben öffnet. Seither sind eineinhalb Jahre vergangen. Mittlerweile arbeitet der Iraner im Starterteam der interkulturellen Gemeindegründung in Toronto und möchte Pastor werden. Seit Juli führt er gemeinsam mit dem Liebenzeller Missionar Jörg Wacker einen Glaubensgrundkurs durch, um diesen künftig in Gruppen anzuleiten. Bei der Einheit zum Thema „Vergebung“ erlebte Reza dabei einen erneuten Durchbruch in seinem Leben als Christ: „Er erkannte, dass es ihm schwer fällt, anderen Menschen zu vergeben. Doch möchte er lernen, Vergebung zu üben, weil auch er Vergebung durch Jesus erfahren durfte“, sagt Jörg. Für den Missionar war es großartig zu sehen, dass sein Teamkollege durch diese Erkenntnis wieder einen Schritt auf seinem Weg mit Gott vorankam. Beiden wurde zudem bewusst, dass geistliches Wachstum ein nie endender Prozess ist – ganz egal, wie lange man bereits mit Jesus unterwegs ist.

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Rita und Daniel Mattmüller: Weil Jesus Menschen verbindet

Junge Menschen prägen und sie für den Dienst in der Weltmission vorbereiten: Das ist die Leidenschaft von Rita und Daniel Mattmüller. Seit fünf Jahren leben sie mit ihren vier Kindern in Toronto, der vermutlich multikulturellsten Stadt der Welt. Dort leiten sie das Trainingsprogramm für angehende Missionare und das Auslandssemester der Studenten der Interkulturellen Theologischen Akademie (ITA). Davor arbeiteten sie acht Jahre lang in Malawi und leiteten das handwerklich-theologische Ausbildungszentrum „Chisomo“. In den nächsten Wochen sind sie in Deutschland, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben Daniel und Rita drei Fragen gestellt.

Ihr habt auf drei verschiedenen Kontinenten gelebt. Was bedeutet für euch Heimat?
Heimat bedeutet für uns schon irgendwie: Heimkommen nach Bahlingen am Kaiserstuhl, wo wir aufgewachsen sind und wo wir in den nächsten Wochen wohnen werden. Dort leben unsere Eltern, viele Verwandte und Freunde. Im engeren Sinne ist unsere Familie mit unseren vier Kindern Heimat für uns. Wir genießen es, durch unsere Arbeit in unterschiedlichen Ländern viele verschiedene Menschen kennengelernt zu haben. Oft kennt man diese Menschen aber erst seit ein paar Jahren. Es ist wohltuend, immer mal wieder auch Leute zu treffen, die man von klein auf kennt. Es ist wertvoll, Wurzeln zu haben.

Gibt es etwas, das Menschen in aller Welt verbindet?
(Daniel): Geistlich gesehen als Christ natürlich zu Jesus zu gehören. Wir haben es immer wieder erlebt, dass wir fremde Menschen kennengelernt haben und uns gleich mit ihnen verbunden gefühlt haben. Wenn man dann erfährt, dass das Gegenüber auch Christ ist, dann ist schnell eine gefühlte Nähe da. Man könnte vor anderen Menschen Angst haben, aber innerhalb der weltweiten Gemeinde Jesu ist irgendwie ein grundlegendes Vertrauen da. Jesus verbindet Menschen.
(Rita): In den letzten Jahren ist mir die Scheu vor Menschen etwas abhanden gekommen. Am Anfang unserer Zeit in Kanada habe ich mich nicht in allen Milieus wohlgefühlt. Ich habe gemerkt, wie viele Vorurteile ich selbst hatte. Menschen sind Menschen – egal wie erfolgreich oder arm sie sind. Menschen verbindet mehr als man denkt: Zum Beispiel die Sehnsucht nach Tieferem oder der Wunsch, eigene Verwundungen zu überwinden.

Ihr bereitet junge Menschen für ihren Dienst in der Weltmission vor. Was ist euer Wunsch für sie?
Wir wollen junge Menschen motivieren, ihr Leben selbst zu „durchsuchen“, wo es Bereiche gibt, die sie Gott vorenthalten wollen. In dieser Gefahr stehen wir alle. Aber es ist wichtig, alles vor Gott zu bringen. Es ist herausfordernd, aber es bringt uns auch weiter, die eigene „comfort zone“ zu verlassen. Wir wollen angehende Missionare ermutigen, sich von Gott auch an einen Platz führen zu lassen, an den sie zunächst nicht unbedingt wollen. Und es ist uns wichtig, dass sie auch eigene Vorurteile gegenüber sich selbst ablegen. Wir wünschen uns, dass viele Missionare lange im Missionsdienst bleiben und dass sie offen sind für junge Menschen, die einen Kurzeinsatz machen. Denn für viele ist das der Einstieg in einen langjährigen Einsatz als Missionare.

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Wenn Gott Menschen begenet

Zur praktisch-kulturellen Vorbereitung auf ihren baldigen Einsatz in Papua-Neuguinea lebten und arbeiteten die Liebenzeller Missionare Katharina und Sebastian Proß die vergangenen vier Monate als Hauseltern im Adam House in Toronto. Das Adam House bietet seit 2002 Flüchtlingen aus aller Welt eine Heimat. Auch wenn ein solch intensives Zusammenleben mit den unterschiedlichsten Nationalitäten herausfordernd sein kann, erlebte das junge Missionarsehepaar, wie Gott die Zeit im Adam-House für viele Flüchtlinge nutzte, um ihnen zu begegnen. So berichten sie von einem syrischen Flüchtling, der mit dem christlichen Glauben zu Beginn nichts zu tun haben wollte. Einige Zeit nachdem er das Adam House verlassen hatte, kam er wieder, weil er sowohl seine Wohnung als auch seine Freundin verloren hatte und hilflos zurückblieb. In dieser Lebenssituation wurde er nun offen für den Glauben. Auch wenn er in Gesprächen betonte, dass seine muslimischen Freunde nichts von seinem Interesse an Jesus Christus mitbekommen sollten, wendete Gott das Blatt, als er gemeinsam mit anderen Flüchtlingen am Karfreitag ein Passionsspiel besuchte. „Als zum Glauben an Jesus aufgerufen wurde, ging er an anderen muslimischen Flüchtlingen vorbei nach vorne und gab sein Leben Jesus“, berichten Katharina und Sebastian Proß.