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Gemeinsam lernen, voneinander profitieren – Internationale Partner zu Gast bei der Liebenzeller Mission

BAD LIEBENZELL. Weltmission heute lebt vom gemeinsamen Lernen, wo Erfahrungen, gelungene Konzepte und auch Rückschläge offen ausgetauscht werden und wir gemeinsam beten, sowie Gott um Wegweisung bitten. Die Liebenzeller Mission ist mit einem Reichtum an internationalen Partnerschaften beschenkt und so nutzten wir die Gelegenheit, anlässlich des Direktorenwechsels, uns über praktische Missionsfragen auszutauschen. Wer in Partnerschaften unterwegs sein möchte, muss Lernender sein – als Liebenzeller Mission wollen wir auf diesem Weg bleiben und dadurch wachsen.

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(K)eine Hoffnung zu Weihnachten

PAPUA-NEUGUINEA. „Morgen ist Heiligabend und in diesem Lager leben Christen, die nicht auf den Weihnachtsgottesdienst verzichten sollten“, sagt der Liebenzeller Missionar Simon Herrmann zu dem Verwalter eines Flüchtlingslagers in Lorengau am Telefon. Es ist nicht sein erster Versuch, eine Genehmigung zu bekommen, damit er die geflüchteten Männer besuchen darf. Sie alle riskierten einst ihr Leben, als sie mit Booten über den Pazifik flohen, um in Australien die Chance auf ein besseres Leben zu bekommen. Da sie dort aber nicht willkommen waren, wurden sie auf die Insel Manus verfrachtet.

Schon lange leben sie dort in Flüchtlingsunterkünften, die normalerweise niemand besuchen darf. Diesmal erlebt Simon jedoch eine Überraschung: „Ich habe nichts dagegen, wenn ihr am ersten Weihnachtsfeiertag kommt, um einen Gottesdienst zu gestalten“, sagt der Verwalter am Telefon. Simon freut sich und macht sich an die Vorbereitungen. Am nächsten Tag bekommt seine Familie Besuch von drei sri-lankischen Geflüchteten. Simons Frau Yvonne hat seit einiger Zeit Kontakt zu diesen. Sie sind der Einladung gerne gefolgt, gemeinsam mit der Missionarsfamilie Heiligabend zu verbringen. Seit fast fünf Jahren leben die drei Männer nun auf Manus – ohne eine Perspektive für ihre Zukunft. Zunächst lesen sie gemeinsam die Weihnachtsgeschichte und essen zu Abend. Danach besuchen sie den Gottesdienst. Zwar ist einer der Männer kein Christ, doch er entschließt sich, mitzukommen. Überraschend verabschiedet er sich später mit dem Wunsch „God bless you“ (Gott segne euch).

Am nächsten Morgen machen sich Simon, Yvonne, deren drei Kinder und zwei Kurzzeitmitarbeiterinnen auf den Weg in das sieben Kilometer entfernte Flüchtlingslager. „Dort spielten wir zwischen den Wohncontainern Trompete, um die Männer auf uns aufmerksam zu machen“, erzählt Simon. Nach kurzer Zeit folgen rund 20 Männer den Klängen. Viele bringen Stühle und Betten mit, auf die sie sich setzen. Auch einige Aufseher und Wärter kommen hinzu. „Ich predigte über Freude, die Gott uns Menschen schenkt, selbst wenn die äußeren Umstände schwierig sind“, sagt der Missionar. Später erzählt er den Männern von einer syrischen Frau, die während ihrer Flucht zum Glauben an Jesus Christus kam und dadurch Freude in ihrer bedrohlichen Situation fand. Dankbar für den Besuch beschenken die Männer ihre Gäste anschließend mit Keksen und Äpfeln. „Ich hoffe, dass dieser Vormittag nicht nur abwechslungsreich für sie war, sondern vor allem Hoffnung und Licht in ihre Situation gebracht hat“, wünscht sich Simon.

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Einsatz in einem vergessenen Land

In der mehr als hundertjährigen Geschichte der Liebenzeller Missionsarbeit in Papua-Neuguinea (PNG) sind sie die Missionare, die am längsten vor Ort waren: Bernd und Irmgard Mortsiefer. 33 Jahre lang lebten und arbeiteten sie am anderen Ende der Erde. Von der Weltöffentlichkeit scheint Papua-Neuguinea oft vergessen zu sein. Gott hat die Menschen aber nicht vergessen. Das weiterzugeben, war Bernd und Irmgard Mortsiefer wichtig. Jetzt sind sie nach Deutschland zurückgekehrt. Wir haben Bernd drei kurze Fragen gestellt.

Gibt es eine Begegnung in eurer Zeit PNG, die euch in besonderer Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es natürlich viele. Aber die erste Begegnung mit Matthew Top ist mir besonders in Erinnerung. Mit wenig Ausbildung, nur einem T-Shirt und einer Hose kam er an der Bibelschule auf der Insel Manus an. Als Buschmann aus dem Sepia-Gebiet war er nicht angesehen. Aber er fühlte sich von Gott berufen. Und Gott hat diese Berufung bestätigt. Matthew lernte viel, war sehr engagiert und hielt das Studium durch. Heute leitet er die Bibelschule in Manus. Und dann denke ich an die vielen Begegnungen mit Flüchtlingen in den letzten Monaten. Sie machten sich überwiegend aus dem Mittleren Osten auf den Weg nach Australien, wurden abgefangen und in Lager auf Manus gebracht. Ich wurde gebeten, diesen Menschen kulturelle Orientierung zu bieten. Gott schenkte es, dass viele der Flüchtlinge Interesse am christlichen Glauben hatten. Einige ließen sich taufen. Über Internet und Handy bin ich immer noch mit manchen verbunden.

Der Glaube an Geister prägt das Leben der Menschen in PNG. Wie können Menschen hier „Befreiung“ erleben?
In Deutschland kann man sich das kaum vorstellen, aber noch heute werden in PNG zum Beispiel Frauen verbrannt, weil sie für Hexen gehalten werden. Menschen aus dieser Not herauszuholen, geschieht meistens nicht ad hoc. Es ist wie beim Alkohol, die wenigsten werden sofort trocken. Viele gehen hier einen Weg mit Stufen. Letztendlich ist es eine tief geistliche Sache. Nur wo die Kraft des Heiligen Geistes der alten Kraft entgegensteht, kann Veränderung geschehen.

Jetzt seid Ihr seit einigen Wochen in Deutschland. Habt Ihr schon Heimweh nach PNG?
Wenn man 33 Jahre in einem Land lebt, ist schon ein bisschen Wehmut dabei. Aber wir sind froh über das ausgezeichnete Gesundheitssystem in Deutschland und genießen die hohen Standards hier. In Neuguinea hatten wir ja viele Jahre ohne elektrisches Licht gelebt. Mit vielen Menschen vor Ort sind wir über Internet und Handy verbunden. Es ist schon ein bisschen verrückt: Manche haben nur ein Hemd, aber ein Smartphone hat fast jeder. Mit den Menschen in Kontakt zu sein, ist uns wichtig. Denn eines muss ich sagen: Während unserer Zeit in Papua-Neuguinea haben wir mindestens so viel von den Menschen gelernt, wie wir ihnen geben konnten.

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Furcht vor der Freiheit

PAPUA-NEUGUINEA. Mit einer kleinen Gruppe von Strafgefangenen konnte Johannes Wälde, der als Liebenzeller Missionar in Papua-Neuguinea arbeitet, eine Bibelstunde im Gefängnis durchführen. Drei der Teilnehmer suchten danach noch das Gespräch mit ihm, erzählten von ihrer Vergangenheit und schließlich auch von ihren Ängsten vor der Zukunft: „Alle drei werden im nächsten halben Jahr entlassen und wissen nicht genau, wie es weitergehen soll. Sie waren nun jahrelang im Gefängnis und haben etwas Angst vor der Freiheit und dem Zurückkehren in ihr Heimatdorf“, schrieb Johannes Wälde. Trotz aller Ängste sind die Männer gewiss, dass sie nicht alleine zurück in ihre Dörfer gehen müssen: Gott wird ihr Begleiter sein und ihnen in dieser schwierigen Lebenssituation helfen.

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Wenn Gott Menschen begenet

Zur praktisch-kulturellen Vorbereitung auf ihren baldigen Einsatz in Papua-Neuguinea lebten und arbeiteten die Liebenzeller Missionare Katharina und Sebastian Proß die vergangenen vier Monate als Hauseltern im Adam House in Toronto. Das Adam House bietet seit 2002 Flüchtlingen aus aller Welt eine Heimat. Auch wenn ein solch intensives Zusammenleben mit den unterschiedlichsten Nationalitäten herausfordernd sein kann, erlebte das junge Missionarsehepaar, wie Gott die Zeit im Adam-House für viele Flüchtlinge nutzte, um ihnen zu begegnen. So berichten sie von einem syrischen Flüchtling, der mit dem christlichen Glauben zu Beginn nichts zu tun haben wollte. Einige Zeit nachdem er das Adam House verlassen hatte, kam er wieder, weil er sowohl seine Wohnung als auch seine Freundin verloren hatte und hilflos zurückblieb. In dieser Lebenssituation wurde er nun offen für den Glauben. Auch wenn er in Gesprächen betonte, dass seine muslimischen Freunde nichts von seinem Interesse an Jesus Christus mitbekommen sollten, wendete Gott das Blatt, als er gemeinsam mit anderen Flüchtlingen am Karfreitag ein Passionsspiel besuchte. „Als zum Glauben an Jesus aufgerufen wurde, ging er an anderen muslimischen Flüchtlingen vorbei nach vorne und gab sein Leben Jesus“, berichten Katharina und Sebastian Proß.

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…wie auch wir vergeben…

… unseren Schuldigern. In ihrem Dorfalltag werden Gerhard und Brigitte Stamm immer wieder mit Enttäuschungen, Diebstahl, Betrug oder einfach nur Unzuverlässigkeit konfrontiert. So wurden kürzlich zum Beispiel aus ihrem Ententeich mehrere Enten gestohlen. Um die Bibelschule zu versorgen, brauchen die Missionare das Geld aus der Kleintierhaltung aber dringend. „Man muss immer wieder bereit sein, Menschen, die Fehler gemacht haben, zu vergeben“, schreiben die beiden zu diesem Vorfall. Um immer wieder geduldig vergeben zu können, hilft es ihnen, sich bewusst zu machen, wie oft Gott uns Menschen vergibt: „Wie oft muss er uns – für uns oft auch unbewusst – vergeben und wie unendlich viel mehr Geduld braucht er für uns.“

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Etwas, das bleibt

PAPUA-NEUGUINEA. Nach 26 Jahren besuchten Irmgard und Ernst Schülein die Insel, die für viele Jahre ihre Heimat war: Auf Manus fand die Hochzeit der beiden statt und auch ihre Kinder wuchsen dort auf. Die Begegnungen mit ihren ehemaligen Nachbarn, Mitarbeitern und Gemeindemitgliedern waren von vielen Emotionen begleitet. So schön es für die beiden Missionare war, sich an die vergangenen Tage zu erinnern, müssen sie auch sehen, dass „an vielem Materiellen der Zahn der Zeit nagt.“ Doch auch wenn Materielles vergangen ist, gibt es doch etwas, das die Jahre überstanden hat: „Die Menschen leben mit Jesus und versuchen, ihren Alltag mit Gott zu meistern“.

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Wenn Gott schweigt

Es gibt Lebensphasen, in denen wir Gott inständig um etwas bitten: um eine Arbeitsstelle, die Heilung von Krankheit, dass ein Mensch zum Glauben kommt, dass sich der ersehnte Kinderwunsch erfüllt. Aber wie gehen wir damit um, wenn Gott schweigt?