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Ob verwaist oder verstoßen – Gott sorgt für alle Kinder

SAMBIA. „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“ – das besagt ein afrikanisches Sprichwort. Doch was, wenn ein Kind in Ndola, der drittgrößten Stadt Sambias, aufwächst und seine Eltern es sich selbst überlassen oder versterben? „Ohne eine Familie sind Kinder in Afrika arm dran – sie sind auf familiären Zusammenhalt angewiesen“, sagt die LM-Missionarin Cornelia Frey. In Ndola gibt es viele Waisenhäuser, in die Jugendamt und Polizei nicht nur Vollwaisen vermitteln, sondern auch Kinder, deren Mütter in der Psychiatrie sind oder sich nicht mehr um sie kümmern können. „Wir möchten diesen Kindern das Gefühl geben, dass es Menschen gibt, denen sie nicht egal sind, und ihnen vor allem zeigen, dass sie von Gott gewollt und geliebt sind“, sagt Cornelia. Als es in der Frauenstunde von Dawn Trust kürzlich um das Thema ging, sich um andere zu sorgen, beschlossen Cornelia und die anderen Frauen, dies praktisch umzusetzen und verwaiste und verstoßene Kinder zu besuchen: „Wir haben uns für ein kleines Waisenhaus entschieden, das nur wenig Unterstützung bekommt“, erzählt die Missionarin. Zu zwölft machten sich die Frauen mit ein paar Geschenken auf den Weg. Als sie ankamen, sei die Freude bei den Kindern und Betreuern groß gewesen. Es wurden Lieder gesungen und Nancy, eine Mitarbeiterin der Frauengruppe, erzählte den zehn Kindern vom Richter Jephthah aus der Bibel. Dieser sei zwar von seinen Brüdern verstoßen worden, doch Gott sorgte für ihn. Durch diese Geschichte machte sie den Kindern Mut, dass Gott auch sie nicht vergisst. Neben den Kindern wurden auch die Betreuerinnen bedacht: „ Wir ermutigten sie, sich auf Gott zu verlassen, der auch für sie sorgt und ihnen durch seinen Heiligen Geist täglich neue Kraft, Weisheit und Liebe für die Kinder schenken kann“, sagt Cornelia. Dass das nicht ihr letzter Besuch im Waisenhaus war, da ist sich die Frauengruppe sicher.

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„Hast du Zeit für ein Bier?“

SPANIEN. Sechs Monate ist es her, dass Danis Großmutter beerdigt wurde. Nun folgt der nächste schwere Verlust in der Familie des 30-jährigen Spaniers: sein Großvater ist verstorben. In seiner Trauer denkt Dani an viele schöne Erlebnisse mit seinen Großeltern zurück. Immer wieder beschäftigt ihn dabei jedoch die Frage, wo sie nach ihrem Tod wohl hingegangen sind?

Am Tag der Beerdigung ruft Dani seinen Freund Daniel Köhler an und fragt: „Hast du Zeit für ein Bier?“ Der Liebenzeller Missionar weiß um den Verlust und lädt Dani noch am selben Abend zu sich nach Hause ein. Die beiden reden – über Danis Großeltern, den Tod, aber auch den Glauben. „Daniel, meinst du, Petrus hat ihnen die Tür zum Himmel geöffnet?“, fragt Dani. Beide seien schließlich streng katholisch gewesen. „Es geht nicht darum, einer Religion anzugehören, sondern eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus zu haben. Nur durch ihn können wir gerettet werden“, antwortet Daniel und fügt einen Bibelvers aus dem Johannes-Evangelium an: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh. 3,16) Mit diesem Vers möchte Daniel seinem Freund nahebringen, dass nicht wir Menschen über Leben und Tod entscheiden, sondern Gott. Das offene Gespräch tat Dani gut. Auch für Daniel ist der Abend trotz des traurigen Anlasses etwas Besonderes: „Ich freue mich, dass sich Dani mit elementaren Glaubensfragen beschäftigt und hungrig nach Antworten ist.“ Auch habe der Abend die Freundschaft der beiden stärker vertieft und Daniel ist gespannt, was Gott noch in Danis Leben bewirken wird.

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Wer sucht, der findet

ECUADOR. 25 Prozent der Bevölkerung in Ecuador sind Quichua-Indianer. Einer davon ist Edison – ein junger Mann, der lange Zeit viel Alkohol getrunken und seine Familie vernachlässigt hat. Eines Tages stürzt er bei der Arbeit fünf Meter in die Tiefe. Einige Operationen und mehrere Wochen Bettruhe folgen. Die Tage ziehen an ihm vorbei. Er hat viel Zeit – Zeit, sein Leben zu reflektieren. Doch umso länger er nachdenkt, desto stärker umgibt ihn eine tiefe innere Leere. Um diese zu überwinden, macht sich Edison nach seiner Genesung auf die Suche nach dem Sinn seines Lebens. Zunächst beschäftigt er sich mit dem Volksglauben. Er betet zu Naturgottheiten und besucht den Schamanen, doch all dies stillt seine Sehnsucht nicht. Auch als er sich dem Katholizismus zuwendet, besteht die Leere weiterhin. Ratlosigkeit macht sich bei Edison breit.

Als er einige Tage später im Haus seiner Schwester auf Ramona Rudolph trifft, berichtet er von seinen Bemühungen und sagt: „Ramona, erzähl mir von deinem Gott!“ Die Liebenzeller Missionarin willigt ein. Von nun an treffen sich die beiden wöchentlich, um Bibel zu lesen. Bereits nach kurzer Zeit stellt Edisons Frau eine Veränderung bei ihrem Mann fest. Das macht sie neugierig und so beginnt auch sie, Bibel zu lesen. „Es war toll zu sehen, wie Gott die Herzen der beiden angerührt und verändert hat“, freut sich Ramona. Kurz bevor die Missionarin nach Deutschland fliegt, lässt sich das Ehepaar im Freibad taufen. Ramona ist glücklich, dass die beiden nun den Sinn ihres Lebens erkannt haben.

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„Wenn Gott dich in die Mission ruft, musst du gehorchen!“

Der Zweite Weltkrieg ist am Toben. Brandbomben stürzen auf Karlsruhe herab. Besonders hart trifft es die Station des Badischen Roten Kreuzes. Obwohl im Sekundentakt Geschosse in das Gebäude einschlagen, rennen die Krankenschwestern durch die Zimmer, um die Patienten in Sicherheit zu bringen. Unter ihnen ist auch die 16-jährige Elsbeth Reumann. Als die Station in den frühen Morgenstunden geräumt und bis in den ersten Stock niedergebrannt ist, geht das junge Mädchen erschöpft nach Hause. Am Wohnheim angekommen, folgt der nächste Schock: Wo einst ihr Zimmer war, ist nur noch Schutt und Asche. Elsbeth bleibt nichts, außer den Klamotten, die sie trägt.

Alles war verbrannt

Sie nimmt die Situation an und vertraut darauf, dass Gott ihr hilft. Nach dem Anschlag geht die Auszubildende wieder ihrer Arbeit auf der Chirurgie-Station nach, die in ein altes Schulgebäude verlegt wurde. In einem der Klassenzimmer findet sie Bücher – darunter auch eine Bibel. „Nachdem all meine Sachen verbrannt waren, war ich froh, wieder eine Bibel zu haben“, freut sich Elsbeth. Beim Lesen stößt sie auf Jesaja 42,12: „Lasset sie dem HERRN die Ehre geben und seinen Ruhm in den Inseln verkündigen.“ Was das junge Mädchen damals noch nicht weiß – dieser Bibelvers wird ausschlaggebend für ihr Leben sein. Zu jener Zeit bekommt Elsbeth Briefe von einer Freundin, mit der sie im Vorjahr auf einem Bauernhof bei Schorndorf ihren Arbeitsdienst leistete. Wegen der andauernden Kämpfe im Westen konnte das Mädchen anschließend nicht direkt nach Hause, sodass sie in die Liebenzeller Gegend mitgenommen wurde und auf dem Missionsberg Arbeit fand. Dort lernt sie Jesus Christus kennen und berichtet Elsbeth von ihren ersten Glaubenserfahrungen. Diese wird neugierig und macht sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf, ihre Freundin in Bad Liebenzell zu besuchen. Als Elsbeth den Missionsberg wieder verlässt, hat sie das Gefühl: „Gott möchte, dass ich in die Mission gehe.“ Zurück in Karlsruhe erzählt sie ihren Eltern von ihrem Vorhaben, doch diese raten ihr, die Krankenpflegeschule zunächst zu beenden. Fortan arbeitet die 19-Jährige in der Zentrale des Roten Kreuzes. Eines Tages putzt sie im Flur die Fenster und singt dabei christliche Lieder, als plötzlich eine Bürotür aufgeht. Elsbeth schreckt zusammen, doch die Schwester, die herauskommt, sagt: „Was bin ich so froh, dass hier jemand diese Lieder singt.“ Damit hat Elsbeth nicht gerechnet. „Seit dieser Begegnung hat mir diese Schwester geholfen, Jesus zu finden und anzunehmen“, erzählt die heute 90-Jährige.

Von der Schwesternschaft in die weite Welt?

Ein Jahr vergeht und Elsbeth steht kurz vor ihrem Examen. Als sie eines Abends mit ihren Eltern am Tisch sitzt, holt sie die Anmeldung für die Liebenzeller Schwesternschule hervor und ihr Vater unterzeichnet bereitwillig. Als sie kurz darauf der Oberschwester von ihren Plänen berichtet, sagt diese: „Wenn Gott dich in die Mission ruft, musst du gehorchen!“ In diesen Reaktionen spürt Elsbeth Gottes Bestätigung und so tritt sie 1947 in die Schwesternschaft der Liebenzeller Mission ein. Es dauert nicht lange, da erkrankt die junge Schwester an Diphtherie, die eine Herzmuskelentzündung nach sich zieht. Sie wird nach Hause geschickt und die Ärzte raten ihr, sich beruflich neu zu orientieren. Es scheint, als sei der Traum von einem Missionseinsatz geplatzt. Nachdem Schwester Elsbeth 16 Monate ein nervenkrankes Mädchen pflegt, kann sie jedoch an die Schwesternschule zurückkehren. Die nächste Unterbrechung folgt bald, denn sie wird zum Dienst in ein Krankenhaus nach Hagen bestellt, später nach Calw. In dieser Zeit fragt sich Schwester Elsbeth, was Gott wirklich mit ihr vorhat. In der Stille öffnet sie ihr Herz: „Herr, ich nehme an Jahren zu, jetzt musst du mir bald zeigen, was du mit meinem Leben vor hast. Du hast mich in die Mission gerufen, aber soll ich wirklich gehen, oder doch hier bleiben?“ Die Antwort kommt prompt per Post: Schwester Elsbeth wird zum Gemeindedienst nach Leinfelden gerufen.

Das Blatt wendet sich erneut

Kaum hat sie angenommen, dass Gott sie in Deutschland behalten möchte, wendet sich das Blatt erneut. Bei einer Sitzung auf dem Missionsberg wird sie von Pfarrer Hertel gefragt: „Schwester Elsbeth, wärst du bereit, Amerikanerin zu werden? Wir wollen dich nach Palau schicken.“ „Wenn ich an die Himmelspforte komme, wird Petrus sicher nicht fragen, ob ich einen deutschen oder einen amerikanischen Pass habe“, gibt sie zur Antwort und willigt voller Freude ein. Noch im selben Jahr geht die Reise los: Schwester Elsbeth besucht zunächst ein christliches College in New Jersey und reist von dort aus weiter Richtung Palau. Und so kommt sie – wie im Jesaja-Vers geschrieben steht – wahrhaftig auf eine Insel, um Gott zu dienen. 26 Jahre arbeitet sie auf Palau in einem Mädcheninternat, bevor sie in ihr Elternhaus zurückkehrt, um ihre Schwester zu betreuen.

70 Jahre bei der Liebenzeller Mission

Mit 86 Jahren zieht Schwester Elsbeth dann in das Feierabendhaus der Liebenzeller Mission, wo sie bis heute lebt. Vor wenigen Tagen feierte sie ihr 70-jähriges Jubiläum bei der Liebenzeller Mission und schaut dankbar auf Gottes Führung in all den Jahren zurück: „Ich kann nur staunen, dass Gott mich hier her rief und so lange Geduld mit mir hatte.“ Besonders denkt sie dieser Tage an ihren Arztbesuch vor ihrer Ausreise: „Wegen meines Herzmuskelschadens sagten mir einige, ich solle mir keine großen Hoffnungen machen, ausreisen du dürfen. Doch der Chefarzt teilte mir überraschend mit, dass er nichts an meinem Herzen finden und ich die Tropen aufbrechen kann.“ Dieser großartige Moment sei einer von vielen in ihrem Leben gewesen, in denen Schwester Elsbeth Gottes Bestätigung erleben durfte.

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Eine Insel im Pazifik – gefährlich, geächtet und gemieden?

MIKRONESIEN. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt sich Miriam Pianka, als sie ergriffen von einem Vortrag nach Hause geht. Für den Start eines Bildungsprojekts in Mikronesien sucht die Liebenzeller Mission freiwillige Mitarbeiter. Die Theologiestudentin der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL) spürt: „Das ist die Gelegenheit, mich für Gott zu investieren!“ Sie folgt dem inneren Ruf und unterbricht zehn Monate ihr Studium, um mit Kindern und Jugendlichen auf der Insel Tel zu arbeiten.

Blutrache, Drogenkonsum, niedriges Bildungsniveau und Kleinkinder, die mit Macheten und Steinschleudern spielen – all das gehört auf Tol zur Tagesordnung. Für die Einheimischen gibt es laut den Bewohnern der Hauptinsel Moin keine Hoffnung mehr, doch gerade das motiviert Miriam und ihre Teamkollegen: „Weil sie von der Gesellschaft abgeschrieben sind, möchten wir diesen Menschen helfen und ihnen ein Licht sein.“

Um das Bildungsniveau nachhaltig zu verbessern, setzt sich das deutsche Team vor allem für die jungen Inselbewohner ein. Neben dem Bau eines Kindergartens wollen sie die Lehrer in Grundschulen und Highschools neu anleiten. Anfangs betreut Miriam eine Vorschul- und Grundschulklasse. Schnell merkt sie, dass die Kinder kaum oder gar kein Englisch verstehen. Sie versucht also, die Schüler spielerisch für die Sprache zu begeistern: „Da Musik in ihrer Kultur sehr wichtig ist, haben wir mit den Kindern englische Lieder gelernt“, erzählt Miriam. Nicht nur die Schüler zeigen Lernbereitschaft, auch die Lehrer lassen sich auf die neuen Ideen ein.

Doch gibt es nicht überall Fortschritte. Ab dem dritten Schuljahr aufwärts werden große Defizite deutlich: „Die Lehrer praktizieren bloßes Nachsagen und die Schüler sind mit einfachen Floskeln überfordert“, schildert die Studentin. Also werden die Klassen der Leistungsstärke entsprechend neu gemischt. Obwohl Miriam die Möglichkeit hat, fortgeschrittene Schüler zu unterrichten, entscheidet sie sich für die zwei schwächsten Highschool-Klassen. Dabei trifft sie auf Heimkinder und verhaltensauffällige Teenager. Als gelernte Jugend- und Heimerzieherin weiß sie jedoch, mit diesen umzugehen. Im Team bringt sie den Schülern Holzarbeit und die dafür nötigen Englisch- und Mathematikgrundlagen bei. Die Arbeit trägt Früchte, doch Raum für tiefergehende Beziehungen bleibt keiner: „Musik verbindet uns, doch die Sprachhürden sind zu groß, um Freundschaften zu knüpfen.“

Plötzlich bekommt Miriam eine schwere Magenschleimhautentzündung und muss ins Krankenhaus. Trotz Schmerzen ist das für sie eine geistlich prägende Zeit, denn sie redet viel mit ihrer Zimmergenossin Sarah, die nierenkrank ist. Miriam stellt fest, dass Sarah aus einem christlichen Umfeld stammt und zur Gemeinde geht – jedoch nur, weil ihre Mutter das wünscht. Sie selbst sieht darin keinen Sinn. „Als Gleichaltrige war es für mich eine tolle Chance, Sarah zu einer persönlichen Beziehung mit Jesus einzuladen und für sie zu beten“, sagt Miriam. Ob das Mädchen die Einladung angenommen hat, weiß sie nicht, denn Miriam Zustand verschlechtert sich und so muss sie den Missionseinsatz abbrechen. Sie fliegt zurück – in der Hoffnung, Sarahs Neugierde geweckt und die Menschen auf Tol berührt zu haben. Gleichzeitig hat sie selbst einige wichtige Erkenntnisse gewonnen: „Durch die Tradition der Blutrache habe ich viel über Sünde und Vergebung nachgedacht. Dabei hat Gott mir aufzeigt, wo Neid und Egoismus auch mein Herz öfter beschweren“, sagt Miriam. In dieser Zeit wird ihr neu bewusst, dass sie weder ihren seelischen, noch ihren körperlichen Heilungsprozess beeinflussen kann: „Alles, was mir bleibt, ist, Gott zu vertrauen, dass er mir vergibt und mich heilt.“ Dass das auch die Menschen auf Tel erkennen, ist Miriam Wunsch: „Ich hoffe, dass sie Vergebung durch Jesus verstehen und erleben dürfen und dass sie den Mut haben, die Blutrache aufzuhalten, damit langfristig Segen auf der Insel entstehen kann.“ Die Chance ist da, denn Miriam hat viele Menschen kennengelernt, die trotz Gewalt und Perspektivlosigkeit große Freude im Leben haben und diese vor allem durch ihr musikalisches Talent zum Ausdruck bringen. „Ich freue mich, mit diesen Menschen einmal vor Jesus zu stehen und ihn mit Liedern zu loben“ – dieser Satz eines Teamkollegen hat sich tief in das Gedächtnis der 25-Jährigen eingeprägt und auch sie freut sich auf diesen Moment.

Mittlerweile ist Miriam wieder gesund und führt ihr Studium weiter. Sie hofft, dass viele Menschen von ihren Erfahrungen in Mikronesien profitieren können – ob im Alltag oder im späteren Beruf.

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Geistliches Wachstum – ein nie endender Prozess

KANADA. Wie fühlt sich ein Mensch, wenn die Tochter eines Freundes an Krebs erkrankt? Reza kennt dieses Gefühl. Was soll er tun? In seiner Hilflosigkeit redet er zu dem, für den er sich sein ganzes Leben nie interessiert hat: nämlich zu Gott. Immer wieder betet er für das Mädchen. Es ist das erste Mal, dass sich der bekennende Atheist für den christlichen Glauben öffnet. Seither sind eineinhalb Jahre vergangen. Mittlerweile arbeitet der Iraner im Starterteam der interkulturellen Gemeindegründung in Toronto und möchte Pastor werden. Seit Juli führt er gemeinsam mit dem Liebenzeller Missionar Jörg Wacker einen Glaubensgrundkurs durch, um diesen künftig in Gruppen anzuleiten. Bei der Einheit zum Thema „Vergebung“ erlebte Reza dabei einen erneuten Durchbruch in seinem Leben als Christ: „Er erkannte, dass es ihm schwer fällt, anderen Menschen zu vergeben. Doch möchte er lernen, Vergebung zu üben, weil auch er Vergebung durch Jesus erfahren durfte“, sagt Jörg. Für den Missionar war es großartig zu sehen, dass sein Teamkollege durch diese Erkenntnis wieder einen Schritt auf seinem Weg mit Gott vorankam. Beiden wurde zudem bewusst, dass geistliches Wachstum ein nie endender Prozess ist – ganz egal, wie lange man bereits mit Jesus unterwegs ist.

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Den Schatz der Gemeinde wiederentdeckt

FRANKREICH. Immer seltener besucht eine ältere Dame ihre Gemeinde in Montagen. Eines Tages kommt sie gar nicht mehr. Warum, das weiß keines der acht Gemeindeglieder. Einige vermuten, es läge an den Problemen, die sie mit Einzelnen hatte. Es vergehen mehrere Wochen bis die Französin eines Sonntags überraschend wieder am Gottesdienst teilnimmt. Die Dame, die häufig nur Kritik äußerte, hat sich verändert. Sie bringt sich plötzlich positiv ein und betont immer wieder, wie wichtig es sei, gemeinsam neue Wege zu gehen, um Menschen auf die Gemeinde aufmerksam zu machen. Obwohl nach wie vor niemand weiß, wieso sie lange Zeit fernblieb, ist sich die Liebenzeller Missionarin Evelyn Theurer sicher: „Sie hat den Schatz der Gemeinde wiederentdeckt.“

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„Nimm, so viel du kannst – Gib, so viel du hast“

AUSTRALIEN. Ein junger Backpacker steht in Queensland am Straßenrand und hält ein großes Pappschild in die Höhe. Doch halt! Ist in diesem Bundesstaat das Trampen nicht verboten? Auf den zweiten Blick fällt noch etwas Seltsames auf: Anstelle seines Reiseziels ist ein groß gezeichnetes Herz mit der Inschrift „Love“ zu erkennen – „Was möchte der junge Mann damit sagen?“, fragt sich die LM-Missionarin Evelyne Breuninger, die mit dem Fahrrad unterwegs zu einer Gebetsversammlung ist. Obwohl sie den Backpacker bereits passiert hat, entschließt sie sich kurzerhand, umzukehren und ihn zu fragen, wieso er dieses Schild hochhält? „Weil Liebe das Wichtigste ist“, antwortet er. Evelyne schließt sich ihm an: „Auch für mich ist es das Wichtigste, dass Gott uns liebt.“ Zur Freude der Missionarin stimmt der junge Mann ihr sofort zu. Die beiden wechseln einige wenige Worte miteinander, dann muss Evelyne weiter. Auf der Fahrt ruft der Backpacker ihr nach: „Nimm von der Liebe, so viel du kannst und gib, so viel du hast!“ „Das mache ich“, sagt Evelyne. Dann betet sie für den jungen Mann und dankt Gott für seine bedingungslose Liebe. Auch in der anschließenden Versammlung beten die Teilnehmer für den Backpacker, den seither niemand mehr gesehen hat. „Vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen im Himmel?“, hofft Evelyne.

Bildnachweis: istockphoto.com/cosmity

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Liebenzeller Missionarin beim Bundespräsidenten

Die Liebenzeller Missionarin Ramona Rudolph aus Fraureuth (Sachsen) war am vergangenen Freitag zu Gast beim Bürgerfest von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Park von Schloss Bellevue in Berlin. Mit dem Bürgerfest würdigt der Bundespräsident Menschen in Deutschland, die gesellschaftliche Herausforderungen angehen und sich für andere Menschen einsetzen. Der Bundespräsident bezeichnete die eingeladenen Gäste als „Helden unseres Alltags“ und dankte ihnen für die vielen Stunden, die sie sich für das Gemeinwesen einsetzen.

Ramona Rudolph, die in Ecuador arbeitet und seit Juli für ein Jahr in Deutschland ist, wurde von Mitbürgern aus ihrer Heimatstadt Fraureuth für die Teilnahme am Bürgerfest vorgeschlagen. Über die Einladung war die Missionarin sehr überrascht: „Es war für mich Überraschung und Privileg zugleich, beim Bürgerfest des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue eingeladen zu sein. Hier konnte man Menschen aus ganz Deutschland begegnen, die auch ein Herzensanliegen haben und sich auf beeindruckende Weise engagieren“, sagte Ramona Rudolph. Im Park Bellevue feierte sie zusammen mit rund 4000 eingeladenen Gästen. „Ich erlebte ein fröhliches, buntes, aber auch anspruchsvolles Programm bei kulinarischen Köstlichkeiten. Es war ein Abend zum Genießen und gerne Verweilen. Die Wertschätzung war sehr schön und ich bin beschenkt nach Hause gegangen“, beschrieb die Missionarin ihre Eindrücke.

Seit fünf Jahren arbeitet Ramona Rudolph in Ecuador unter der Quechua-Bevölkerung. Sie setzt sich vor allem für Kinder, Jugendliche und Frauen ein. Familien liegen ihr besonders am Herzen, da viele von ihnen in schwierigen Situationen seien: „Ich sah viel Zerbrach und Hoffnungslosigkeit in den Familien. Es kommt in Ecuador häufig vor, dass Männer ihre Frauen schlagen und sich kaum um die Familie kümmern. Nach der Arbeit treffen sich die Männer gerne mit ihren Freunden und geben ihr Geld für Alkohol aus. Das führt wiederum zu Geldnöten bis hin zu Schulden in den Familien.“ Zusammen mit einheimischen Mitarbeitern will sie dort der nächsten Generation eine Zukunftsperspektive geben, Beziehungen aufbauen und sie zu einem Leben mit Jesus Christus einladen. Der christliche Glaube gebe den Menschen Hoffnung: „Als die Menschen anfingen, auf Gott zu vertrauen, gab es positive Veränderungen in ihrem Leben. Einige begannen, anderen zu vergeben, weil sie persönlich Vergebung durch Jesus erfahren hatten. Andere besiegten ihre Alkoholsucht und fingen an, sich um ihre Familie zu sorgen.“ Neben der persönlichen Fürsorge und Begleitung von Familien gibt Ramona Rudolph auch Englischunterricht und Werkunterricht an Schulen.

Noch bis Sommer nächstes Jahr wird Ramona Rudolph in Deutschland sein und über ihre Arbeit berichten.

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Anna-Sophie Henßler: Mit Gott an meiner Seite kann ich alles schaffen

Gemeinsam mit acht Geschwistern ist sie in Offenburg aufgewachsen, seit September 2014 studiert die 24-Jährige „Theologie/ Soziale Arbeit im Interkulturellen Kontext“ an der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL): Anna-Sophie durchlebte in den vergangenen drei Jahren einige Höhen und Tiefen, doch gerade die schweren Momente stärkten ihr Vertrauen in Gott. Wir haben der Studentin zwei Fragen gestellt.

Du kennst das Leben in einer Großfamilie. Durch die Studien- und Lebensgemeinschaft (SLG) lebst du auch auf dem Missionsberg mit vielen Menschen zusammen. Wie wirkt sich die Gemeinschaft auf dein geistliches Leben aus?

Auch die SLG ist ein Stück weit eine große Familie für mich. Geistlich durfte ich vor allem durch Zeugnisse meiner Kommilitonen, Andachten oder auch durch enge Freundschaften wachsen. Da wir hier nicht nur gemeinsam studieren, sondern auch zusammen wohnen, kennen wir uns alle sehr gut und bekommen viel voneinander mit. Erlebt jemand etwas Gutes, freuen wir uns gemeinsam. Andersrum hören wir einander zu und beten miteinander, wenn es jemandem schlecht geht. Auch diese Momente haben schon viel zu meinem geistlichen Wachstum beigetragen. Obwohl die Gemeinschaft auf dem Missionsberg viele Vorteile hat, fordert sie mich auch ab und zu heraus, da ich kaum Privatsphäre habe. Dennoch schätze ich sie sehr, da ich gemeinsam mit meinen Geschwistern im Glauben wachsen kann und gute Freunde fürs Leben gefunden habe. Ich bin dankbar, dass wir alle – egal wie unterschiedlich wir auch sind – eine große Gemeinsamkeit haben, nämlich Jesus Christus, der uns verbindet.

Erinnerst du dich an ein besonderes Erlebnis mit Gott während deines Studiums?

Es gab eine Zeit, in der mir der Lernstoff über den Kopf gewachsen ist und mich private Dinge beschäftigt haben. Weil ich nicht weiter wusste, fing ich an, mir bewusst mehr Zeit für Jesus zu nehmen, um in seiner Gegenwart aufzutanken. Ich stand also jeden Morgen eine Stunde früher auf, um Bibel zu lesen und anschließend mit Jesus spazieren zu gehen. Dabei brachte ich all meine Gedanken, Bitten und meinen Dank vor ihn. Wie wichtig es ist, Jesus bewusst in den Mittelpunkt meines Lebens zu rücken, wurde mir während dieser Zeit neu bewusst. Jeden Morgen durfte ich erleben, wie er mir Kraft und gute Gedanken für den Tag geschenkt hat. Bis heute gehen wir spazieren und ich genieße es immer wieder aufs Neue, seine Gegenwart in der Stille zu spüren. Natürlich heißt das nicht, dass nach jedem Spaziergang alles wieder gut ist, aber ich weiß, Gott hilft mir Schritt für Schritt durch alle schweren Zeiten hindurch und gemeinsam mit ihm kann ich alles schaffen. Durch die Spaziergänge bekam auch das Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“ eine ganz neue Bedeutung für mich. In der heutigen Zeit, wo vieles stressig und hektisch ist, ist es mir wichtig geworden, Gottes Gegenwart so oft es geht in der Stille zu suchen. Jesus selbst hat sich einen ruhigen Ort gesucht, um zu beten.