Markus und Regine Gommel leben seit 2004 mit ihren Kindern in Toronto (Kanada). Dort setzen sie sich besonders für Einwanderer aus Bangladesch ein – und für Flüchtlinge aus der ganzen Welt. Sie helfen ihnen praktisch und laden sie zum Glauben ein. Davor war Markus Orgel- und Harmoniumbauer und studierte anschließend Theologie. Regine ist gelernte Einzelhandelskauffrau. Vor ihrer Zeit in Kanada lebten sie gemeinsam zwei Jahre in Bangladesch. In den nächsten Wochen sind Markus und Regine in Deutschland unterwegs, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben ihnen einige kurze Fragen gestellt.

Wie wird man vom Orgel- und Harmoniumbauer zum Theologen und dann Missionar?

Regine: Ich kenne Markus nur als einen, der Jesus bekannt macht. Schon bevor er Orgel- und Harmoniumbauer wurde, war er als Botschafter von Jesus unterwegs. In der Schule, mit den Nachbarn, einfach überall. Und dann ist er vollzeitlicher Missionar geworden.
Markus: Alles ist Berufung. Jeder Mensch ist von Gott durch und durch geliebt. Das will ich weitergeben. Mein Leben soll Anbetung Gottes sein.

Ihr leitet die „Isa-Fellowship“ in Toronto. Was ist das?

Markus: Das ist unser monatliches Treffen als Hausgemeinde mit Bibelarbeit, Spielen, Singen, Essen und vielem mehr. Eigentlich gehört auch dazu, dass wir ständig Leute besuchen und eingeladen werden. Es ist unser Lebensstil, Gemeinschaft mit anderen zu teilen. Isa ist der Name für Jesus im Koran. Eingeladen sind zur Isa-Fellowship aber alle, die daran Interesse haben. Am Anfang waren es hauptsächlich Menschen aus Bangladesch. Heute kommen z. B. auch Japaner und Chinesen dazu.
Regine: Ich arbeite in einem Coffee Shop mit einer Japanerin zusammen. Ich lud sie zur Isa-Fellowship ein. Über sie kamen fünf weitere Japanerinnen dazu, die Jesus bei uns kennenlernen.

Woher kommt eure Liebe zu Menschen aus Bangladesch?

Markus: Ich habe schon in der Jugend viele Beziehungen zu Menschen aus anderen Nationen gepflegt. Für mich gilt: Jeder Mensch ist Mensch! Menschen kennenlernen, finde ich spannend. Wenn man Leute näher kennt, verliert sich die Fremdheit.

Wie lebt es sich als Deutsche in Toronto?

Regine: Inzwischen gut. Am Anfang hatte ich viel Heimweh. Aber als Ausländer zwischen Ausländern zu arbeiten, ist sehr spannend. Es ist herausfordernd, aber bereichernd. Irgendwie hat jeder Mensch einen gewissen Stolz in sich, der in einem anderen Land erst einmal zusammengedrückt wird. Durch unsere Erfahrungen verstehen wir nun Menschen besser, die in ein anderes Land umziehen – egal ob sie sich das Land vorher aussuchten oder dorthin geflüchtet sind.

Seit 2010 leben und arbeiten Frank und Julia Wittmann in Sambia. Frank ist der Verwaltungsleiter an der Amano-Schule und unterrichtet genauso wie seine Frau Julia. Sie begleitet außerdem Kurzzeitmitarbeiter und hilft beim Schuleinkauf. Vor ihrer Zeit in Sambia waren sie mit Christliche Fachkräfte International in Sierra Leone. In den nächsten Wochen sind Frank und Julia in Deutschland unterwegs, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben ihnen einige kurze Fragen gestellt.

Wenn ihr an Heimat denkt: Kommt euch Afrika oder Deutschland in den Sinn?

Ganz klar Afrika. Dort sind wir zu Hause. Wir haben auch keinen festen Wohnsitz in Deutschland, sondern sind dann immer nur bei Verwandten oder Freunden zu Besuch.

Was ist das Besondere an der Amano-Schule?

Der vielfältige Mix an sozialen Hintergründen der Kinder ist schon besonders. Genauso wie die Mischung an Mitarbeitern aus vielen Ländern. Insgesamt leben und lernen an der Amano-Schule Menschen aus 30 verschiedenen Nationen zusammen. Die Schule mit diesem hohen Bildungsniveau in einem Land wie Sambia am Laufen halten zu können, ist für mich manchmal ein Wunder. Aber uns geht es um mehr als um gute Schulbildung. Uns geht es vor allem darum, Kinder mit Jesus bekannt zu machen. Das wollen wir uns bewahren.

Welches Erlebnis mit einem Schüler oder einer Schülerin hat euch in den letzten Monaten besonders bewegt?

Ich denke an einen Schüler, bei dem es Schwierigkeiten gab. Wir mussten ihn vorübergehend suspendieren. Ich konnte zwar gut mit dem Schüler reden und wir wollten ihm unbedingt eine zweite Chance geben. Aber er sagte: „Ich komme nicht mehr zurück.“ Er hatte einfach Angst, sein Gesicht zu verlieren. Ich sagte ihm, dass es echte Größe ist, wenn er zu seinen Fehlern stehen würde und wieder kommt. Jetzt habe ich gehört, dass er tatsächlich wieder an der Schule ist. Er hat seinen Stolz überwunden und macht weiter. Das war für mich ein sehr schönes Erlebnis, auch wenn es mit einer Suspendierung begonnen hatte.

Ihr ward in Sierra Leone und seid jetzt in Sambia: Wie unterscheiden sich die beiden Länder?

Sambia ist viel größer und vom Klima viel angenehmer. Aber vor allem ist das Land nicht so gebeutelt. Sierra Leone ist ein gebeuteltes Land. Dort waren Bürgerkrieg und Verstümmelungen jahrelang an der Tagesordnung. Es ist eine traumatisierte Nation. Es gibt niemanden im Land, der nicht etwas Schlimmes erlebt hat. Sambia ist dagegen ein sehr friedliches und friedliebendes Land. Gastfreundlich sind die Menschen in beiden Ländern. Aber durch den unterschiedlichen Hintergrund äußert sich das dann natürlich auch auf unterschiedliche Weise.

Was braucht Sambia aus eurer Sicht am meisten?

Auf dem Papier nennt sich Sambia eine christliche Nation. Aber der Animismus, also der Glaube an Ahnen und Geister, ist selbst unter Christen weit verbreitet. Auch in den Kirchen wird das immer wieder vermischt. Viele Menschen leben in ständiger Angst vor Zauberei und Geistern. Wir wünschen uns, dass noch mehr Menschen Jesus als den starken und mächtigen Heiland kennenlernen. Wer erfährt, dass man in Jesus alles hat, erlebt auch, dass andere Mächte keine Wirkung mehr haben.

BERLIN. Mit Hashtags wie „I’m yours“ (Ich gehöre dir) oder „child of god“ (Gottes Kind) versieht eine 15-Jährige gerne ihre Fotos auf der Internetplattform Instagram. Dabei spielte Gott lange Zeit keine Rolle in ihrem Leben. Jesus? Wer sollte das sein? Halt? Ein Fremdwort für die Berlinerin. Ihren leiblichen Vater lernte sie nie kennen. Vor zwei Jahren besuchte die Jugendliche dann ein Sommercamp, bei dem sie in die Junge Kirche Berlin  (JKB) eingeladen wurde. Sie entschloss sich, hinzugehen, und lernte dort Jesus kennen und lieben. Als Zeichen, dass sie nicht mehr ohne ihn leben möchte, ließ sie sich im Juni von den Liebenzeller Mitarbeitern Jana Kontermann und Nathanael Bader taufen, und erhielt so, wie es auf ihrem T-Shirt abgedruckt stand, ein „neues Leben“.

Und sie war nicht alleine. Zehn weitere aus dem Kiez, darunter sieben Jugendliche und drei Erwachsene, ließen sich an dem Tag taufen. Und das Beste: Obwohl die meisten die einzigen Christen in ihrer Familie sind, kamen viele Angehörige. „Da einige Besucher noch nie von Jesus gehört oder einen Gottesdienst miterlebt hatten, entschied ich mich, über die Basics des christlichen Glaubens zu predigen“, erzählt Jana. Dass sie auf nichts aufbauen konnte, bestätigte ihr beispielsweise auch der Anruf einer Mutter, die kurz vor der Taufe wissen wollte, wie solch ein Event gefeiert wird, da ihr Sohn der einzige in der Familie sei, der was mit Jesus zu tun hätte. Über das Interesse freute sich Jana sehr. Und tatsächlich kam die gesamte Familie des Jungen – auch wenn sie sich in zwei Lager spaltete, da die Eltern geschieden waren. „Durch das große Picknick im Anschluss fiel das aber nicht auf. Auch, dass mancher Täufling nur wenige Angehörige dabei hatte, blieb unbemerkt. An dem Tag waren wir eine große Gemeinschaft, sozusagen eine Familie“, freut sich Jana. Auch bei den Täuflingen gab es keine Unterschiede, denn sie trugen alle das gleiche Shirt mit der Aufschrift „Mein neues Leben“.

Bewegend sei vor allem gewesen, als die Jugendlichen vor den rund 200 Besuchern darüber sprachen, wieso sie sich taufen lassen. Ein 16-Jähriger hatte beispielsweise einige Monate zuvor von Gott geträumt. An der Taufe erzählte er, dass er nun mutig mit Jesus leben möchte – und das, obwohl er wusste, dass sich die Begeisterung seiner Eltern dabei in Grenzen hielt. „Sie wollten zum Beispiel nicht, dass er einen Glaubenskurs macht. Aber Gott wirkt an der Familie, denn der Sohn entschied sich trotzdem für die Taufe, und seine Eltern waren sogar dabei.“ Aber nicht immer läuft es so wie in seinem Fall, denn viele der Jugendlichen aus dem Kiez haben schwere Rückschläge erlebt. So auch ein Berliner, der seinen Vater verlor. Er selbst leidet oft unter Migräne und kämpft sich durch den Schulalltag. Kurz vor der Taufe entschied er sich, noch zu warten, da ihn viele Fragen beschäftigten. „Es ist gut, dass er so ehrlich zu sich war. Denn es ist keine Entscheidung, die man mal eben fällt“, findet Jana. Wenige Tage vor der Taufe dann der nächste Einschnitt: Der Jugendliche und seine Mutter hatten einen schweren Autounfall, bei dem sie jedoch trotz eines Totalschadens unverletzt blieben. Als er zu Hause dann das lange zuvor bestellte Taufshirt auspackte, sagte er: „Ja, Mama, es stimmt, ich habe ein neues Leben bekommen.“ Jana freut sich, dass er weiter in die JKB kommt und nicht von Jesus ablässt. „Generell bin ich sehr dankbar dafür, wie unsere Jugendlichen auf Jesus vertrauen, und sich vor ihren Familien zu ihm bekennen.“ Sie wünscht sich, dass jeder von ihnen seinen Platz in der Gemeinde findet, wo er Fragen stellen und seine Gaben entfalten kann. Auch hofft sie, dass sich das Bekenntnis der jungen Menschen auf ihre Familien auswirkt, und auch sie anfangen, an Jesus zu glauben.

MALAWI. Im Sommer 1993 wurde in dem kleinen malawischen Dorf Mbere der Grundstein für eine theologische und handwerkliche Ausbildungsstätte, das sogenannte Chisomo-Zentrum, gelegt. Dieses wurde seit jeher von Liebenzeller Missionaren geleitet. Doch bereits beim Bau hatten die Liebenzeller Mission und deren einheimischer Partnerverband, die Evangelikale Baptistenkirche von Malawi (EBCM), den Wunsch, dass das Zentrum eines Tages in einheimische Hände übergeht. Nun, nach 25 Jahren, ist es soweit: der malawische Pastor Edward Kandoje löst den Liebenzeller Missionar Joachim Berger ab, der die Bibelschule zuletzt seit 2011 geleitet hat. Damit bricht für das Chisomo-Zentrum eine neue Ära an.

Edward und seine Frau Agnes leben mit ihren sechs Kindern seit zweieinhalb Jahren in Chisomo. Nachdem er viele Jahre als Pastor im Süden des Landes und als Finanzverwalter der EBCM tätig war, kam Edward als Lehrer an die Bibelschule. „Schnell fiel auf, dass er nicht nur über die nötige theologische Kompetenz verfügt und als Pastor sehr geschätzt wird, sondern auch, dass er eine ausgeprägte Leitergabe hat und andere auf ihn hören“, berichtet Joachim. Das blieb auch der Kirchenleitung nicht verborgen. Es war also soweit: Die Kirche konnte sich vorstellen, dass Edward die Bibelschule als erster Malawier leiten würde. Das sah auch Joachim so, und sie berichteten Pastor Kandoje von ihren Überlegungen. Dieser zog sich mit seiner Frau zurück, um darüber zu beten. Denn er hatte große Angst, dass die Schule unter ihm zugrunde gehen könnte. Das Chisomo-Zentrum sei fortan schließlich ganz in malawischer Hand und in jeder Hinsicht selbstständig. Vor seiner Zusage stellte er daher klare Forderungen an die Kirche: „Edward weiß, dass die Schulleitung keine One-Man-Show ist, und er neben der Unterstützung durch seine Familie auch die der Kirche benötigt. Er möchte das Zentrum gemeinsam mit der Kirche vorwärtsbringen und Gutes tun“, ist sich Joachim sicher. Der Missionar freut sich, dass Edward zugesagt hat und er ihn seit einem Jahr in all seine Aufgabenbereiche einarbeiten darf. „Man kann sich das Amt des Schulleiters hier nicht wie in Deutschland vorstellen. Hier braucht es einen guten Überblick, denn neben fachbezogenen Aufgaben fällt auch viel nebenher an, wie etwa der Kauf von Nahrung oder Holz für die Werkstatt. Es braucht Zeit, bis man in allem drin ist“, erklärt Joachim.

Ende Juni wurde es dann offiziell: Pastor Kandoje erhielt im Rahmen der Absolvierungsfeier von 20 Schülern das Amt des Direktors. Bei den Feierlichkeiten hielt Joachim eine kurze Ansprache. Auch der Bischof kam zu Wort, und der Liebenzeller Missionar Michael Volz betete für die Familie. Den Abschluss bildete ein Lied der Schüler. „Es war ein schönes Fest und wir sind wirklich dankbar, dass mit Edward ein fähiger Leiter gefunden wurde und die Übergabe so gut verläuft. Auch freuen wir uns, dass er von den anderen Lehrern, die größtenteils schon viel länger hier sind, akzeptiert wird, und hoffen, dass sie auch bei unbequemen Entscheidungen hinter ihm stehen.“ Für Joachim und seine Familie geht die Zeit am Chisomo-Zentrum nun zu Ende, und sie kommen im September in den Heimataufenthalt nach Deutschland.

FRANKREICH. Viele Jahre war die Gemeinde in Avranches auf der Suche nach größeren Räumen. Vor zwei Jahren wurde sie dann fündig, und vor wenigen Tagen fand der erste Gottesdienst im neuen Gemeindehaus statt. Ein großer Grund zur Freude für die 40 Gemeindemitglieder und die Liebenzeller Missionare Sigrun und Peter Rapp, die die Gemeinde seit sechs Jahren betreuen.

„Der erste Gottesdienst war von großen Emotionen geprägt. Vor allem auch, weil viele Menschen dabei waren, die vor 23 Jahren die Geburtsstunde der Gemeinde miterlebt hatten“, berichtet Peter. Insgesamt 200 Quadratmeter bietet das neue Gebäude. Genug Platz also für einen großen Gottesdienstsaal, Kinder- und Jugendräume oder auch einen Eingangsbereich mit Stehküche. Schon zu Beginn des Gottesdienstes war spürbar, dass sich etwas verändert hatte. Die Jugend breitete sich mit ihren Instrumenten begeistert im Raum aus, während sie den Lobpreis musikalisch leitete. Und nicht nur die Band entfaltete sich: „In unserer Gemeinde gibt es viele Afrikaner, die auf einmal anfingen, zu tanzen und dadurch andere Besucher mitrissen“, erzählt Peter. Nach dem Lobpreis gab es dann eine Zeit des Austausches und des Gebets, bevor Peter die Predigt hielt.

Überraschend war der Besuch eines jungen Mannes, der erstmals am Gottesdienst teilnahm. Seine Eltern besuchen schon seit einiger Zeit die Gemeinde, doch mit ihnen hatte er sich zerstritten. „Er hat kaum christlichen Hintergrund und ist in der Stadt eher dafür bekannt, dass er viel Alkohol trinkt und in falschen Kreisen verkehrt“, erzählt Peter. Umso größer war die Freude über den Besuch des 23-Jährigen, der beim Aufräumen im Anschluss an den Gottesdienst sogar freiwillig Hand anlegte und fragte, was er noch Gutes tun könne? „Er hat auch schon tolle Ideen, wie wir das Außengelände gestalten können“, freut sich Peter. Der junge Franzose verstehe zwar einiges noch nicht, fühle sich aber angenommen und sagte, er komme nun jeden Sonntag. Darüber freut sich die Gemeinde sehr, und sie beten, dass er den Kontakt halten kann und sich nicht weiter von seinem Umfeld zu Dummheiten hinreißen lässt.

Dankbar sind Sigrun und Peter auch dafür, dass sich durch das neue Gebäude das Denken einiger Gemeindemitglieder verändert hat: „Zuvor fielen uns als Ehepaar alle Aufgaben zu. Nun sehen viele, dass es Unterstützung und Verantwortliche in verschiedenen Bereichen braucht.“ Der wachsende Zusammenhalt sei schon jetzt spürbar. Vier Mütter helfen nun im Kinderclub mit und ein junger Mann investiert sich stark in die Jugendarbeit. Ziel der Missionare ist es, dass die Gemeinde in wenigen Jahren auf eigenen Füßen steht. Und diesem sind sie durch die räumlichen Veränderungen wieder ein Stück nähergekommen. Auch wünschen sie sich, dass die Gemeinde weiter wächst und sich gute Kontakte im neuen Viertel ergeben.

Sie sind ganz schön in Afrika rumgekommen und gehören zu den langjährigsten Missionaren der Liebenzeller Mission. Paul und Dorothe Kränzler waren von 1988 bis 1990 in Liberia, von 1991 bis 1992 in Guinea und von 1993 bis 2006 in Malawi. Nach einer Zeit im Gemeindedienst in Österreich reisten sie 2016 erneut nach Malawi aus. Zurzeit sind sie im Heimataufenthalt in Deutschland und berichten von ihrer Arbeit in Malawi. Wir haben ihnen drei Fragen gestellt.

Was hat sich aus eurer Sicht in den zehn Jahren in Malawi verändert?

Wir haben wahrgenommen, dass sich in dieser Zeit eine etwas stärkere Mittelschicht gebildet hat, sogenannte Young-Urban-Professionals (beruflich Qualifizierte). Diese Mittelschicht ist mit ca. 10 – 15 Prozent der Gesamtbevölkerung immer noch vergleichsweise gering. Aber es gibt zum Beispiel spürbar mehr Autos in den beiden größten Städten und auch Bildung ist gefragter.

Im Vergleich zu unserem Beginn in Malawi 1993 hat sich die Gesamtbevölkerung mehr als verdoppelt. Damals lebten in Malawi acht Millionen Menschen, heute sind es circa 17 Millionen. Bisher hatte eine malawische Frau durchschnittlich fünf Kinder. In der Mittelschicht wird eine bewusstere Familienplanung betrieben.

Bei unserem ersten Aufenthalt in Malawi war das Thema Aids auf dem Höhepunkt. Man sah vielen Menschen auf der Straße direkt an, dass sie Aids hatten, und wir waren viel auf Beerdigungen. Inzwischen kann durch Medikamente die Aids-Erkrankung im Griff gehalten werden. Aids-Infizierte haben eine höhere Lebenserwartung und es ist auch nicht mehr so erkennbar. Der Nachteil ist, dass es den Menschen weniger Sorge bereitet, sich mit Aids anstecken zu können, was ihren Umgang in diesem Bereich nicht nur positiv beeinflusst.

Der Islam ist auf dem Vormarsch. Seit den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 ist ein Selbst- und Sendungsbewusstsein der Muslime erwacht. Es sind viele Moscheen und auch große Schulen entstanden; teilweise allgemeine Schulen, teilweise Koranschulen. Der „Volksislam“ in Malawi war stark in die Gesellschaft integriert, die unterschiedlichen Religionen wurden toleriert. Der Islam, der von außen ins Land dringt, ist offensiver.

Ihr betreibt nun einen Radiosender für den Volksstamm der Yao. Welche Ziele verfolgt ihr mit diesem Sender?

Wir möchten den Yao Lebenshilfe geben mit lebensnahen Sendungen, Tipps für das tägliche Leben und Bildungs- und Erziehungsprogrammen. Außerdem möchten wir ihnen die gute Nachricht von Jesus Christus weitergeben.

Wie reagieren die Zuhörer auf dieses Programm?

Sie nehmen gerne daran teil. Sie können zum Beispiel anrufen und sich Musik wünschen oder Bekannte grüßen. Oder sie stellen Rückfragen zu unseren Themen, wie zum Beispiel über Cholera. Sie schätzen es sehr, dass wir in der Sprache der Yao senden und sie sagen: „Das muslimische Radio sendet für die Muslime. Das katholische Radio sendet für die Katholiken. Aber ihr seid für alle da. Ihr seid zwar christlich, aber ihr seid für alle da.“ Dass sie uns so offen wahrnehmen, freut uns.

Wir sind auch begeistert, zu erleben, wie Gott vieles schon lange vorbereitet und geplant hat. Zum Beispiel bei unserem Mitarbeiter Kondwani. Er ist Waise. Als er vier Jahre alt war, sind seine Eltern in kürzester Zeit gestorben. Zuerst war er bei seiner Oma, dann wurde er weiter durch die Verwandtschaft gereicht. Er hat seinen Lebenswillen nicht verloren, wollte sogar eine kombinierte Bibelschule- und Berufsausbildung machen. Um diese zu finanzieren, hat er währenddessen auch noch gearbeitet, zum Beispiel als Nachtwächter. Irgendwann hat er ein Stipendium bekommen und es wurde einfacher. Er hat TV- und Radiokommunikation studiert und abgeschlossen. Gott ließ ihn das passende Studium wählen, und dann haben wir Kontakt mit ihm bekommen. Inzwischen ist er ein sehr guter und wichtiger Mitarbeiter. Diese Maßarbeit Gottes lässt uns Staunen.

BANGLADESCH. Seit 33 Jahren leben die Liebenzeller Missionare Regine und Michael Kestner in Bangladesch, um Menschen von Jesus Christus weiterzusagen. In den letzten zehn Jahren haben sie das vor allem in Khulna getan, wo sie in einem Kinderdorf mit rund 60 teilweise verwaisten und minderbemittelten Jungen mitarbeiten. Im Dezember gab es dort großen Grund zur Freude: Ein neues Gebäude wurde eingeweiht. Darüber und über ihre Arbeit wollten wir mehr erfahren. Da sie derzeit in Deutschland sind, haben wir ihnen drei Fragen gestellt.

Was hat sich durch den Neubau im Kinderdorf verändert?

Durch die Landerhöhung, die wir im selben Zug vorgenommen haben, wird das Kinderdorf nicht mehr überflutet. Die Jungen freuen sich, dass sie dadurch ganzjährig ein Spielfeld zur Verfügung haben. Gerade in der Regenzeit standen die Betten der Jungen häufig im Wasser, und auch wenn die Kinder nachts im Trockenen lagen, standen sie spätestens beim Gang raus auf die Toilette kniehoch im Nassen. Zudem drang das Wasser durch die Kanalisation auf das Gelände und so ergab sich ein hygienischer Zustand, der nicht mehr tragbar war. Durch das erhöhte Gebäude werden die Kinder nun besser vor Krankheiten geschützt, und sie haben eine ganz neue Lebensqualität. Auch der Sicherheitsfaktor ist nun dank einer verschließbaren Eingangstür höher. Zuvor gab es nur eine einfache Holztür, die leicht zu öffnen war – und das, obwohl es in der Nachbarschaft oft zu Einbrüchen kommt. Alle Kinder freuen sich sehr, in so einem schönen, hellen Gebäude zu leben, das uns noch Platz für weitere Kinder bietet.

Könnt ihr uns von einem besonderen Erlebnis im Kinderdorf erzählen?

Wir erinnern uns noch gut, wie Philip vor fünf Jahren ins Kinderdorf kam. Er stammt aus einer kaputten Familie und erlebte dort viel Negatives. Immer wieder redeten ihm seine Eltern ein, dass er nichts kann und nichts wert sei. Als er zu uns kam, hatte er kein Selbstvertrauen, und wenn wir ihm eine Aufgabe erteilten, sagte er, er könne das nicht und verzog sich ängstlich in eine Ecke. Also fingen wir an, ihn einfache Motive ausschneiden oder Seil hüpfen zu lassen, um Sicherheit zu gewinnen. Eines seiner ersten Bilder haben wir an die Wand gehängt und ihm gesagt, dass er jedes Mal, wenn er es ansieht, zu sich sagen soll: „Ich kann das!“ Seither hat sich schon einiges verändert. Zuletzt machte Philip sogar beim Sportfest mit. Trotz dieser Erfolge wird der Teenager in der Schule oft aufgezogen, weil er noch die fünfte Klasse besucht. Das wirft ihn häufig zurück. Wir wollen Philip weiter begleiten und beten, dass er seinen Wert und seine Kraft aus Gott schöpfen kann, und den Mut hat, weiter in die Schule zu gehen.

Was sind eure Wünsche für Bangladesch?

Unser Wunsch ist es, dass wir Christen die Arbeitsmöglichkeiten, die wir in Bangladesch haben, nutzen, damit noch viele Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden. Und, dass Gottes Wort noch stärker in den Alltag hineingelebt wird, sich dort niederschlägt und veränderte Lebensweisen sichtbar werden. Und natürlich auch, dass neue Mitarbeiter und Missionare heranwachsen, die sich in diesem Land einbringen wollen.

KANADA. 48 Stunden verbringt eine Reisegruppe durchschnittlich im „Pioneer Camp“, einem christlichen Outdoorzentrum für Freizeitgruppen und Schulklassen in Ontario. Ein knappes Zeitfenster, um als Mitarbeiter tiefer mit den Gruppenleitern und Teilnehmern über den christlichen Glauben ins Gespräch zu kommen oder eine Beziehung aufzubauen. Trotzdem versucht das Team dies tagtäglich, was bei allem Spaß und Abenteuer auch mal kräftezehrend sein kann: „Das Harte an unserem Job ist, dass wir nur säen, aber so gut wie nie die Frucht sehen“, sagte sein Anleiter einmal zu Clemens Jaeckel, der seit Februar einen impact-Kurzeinsatz im Camp absolviert.

„Im Team beten wir jeden Morgen, dass Gott uns Möglichkeiten schenkt, ihm Ehre zu erweisen und sein Evangelium weiterzugeben“, berichtet der 19-Jährige. Manchmal sei es nur ein kurzer Satz wie „Gott liebt jeden Einzelnen von uns“, den Clemens in die Runde wirft – in der Zuversicht, dass Gott an den Gruppen wirkt und sie mehr über ihn erfahren möchten.

Zudem bietet das Camp selbst einige Möglichkeiten, Alltägliches mit einer christlichen Botschaft zu verpacken. Erst kürzlich betreute Clemens eine junge Gruppe beim Klettern. Dabei sagte er zu einem Kind, dass er so sehr auf Gott vertraut, wie es auf sein Seil. Auch hängen im Camp viele Bibelverse aus, die Mitarbeiter beten vor den gemeinsamen Mahlzeiten und jeden Morgen gibt es eine Art Andacht, den sogenannten „Jump Start“. Dabei nehmen Clemens und sein Team öfter einen 20-Dollar-Schein, treten auf ihm herum und tauchen ihn in eine Tasse Kaffee. Aber warum? „Wir veranschaulichen den Gruppen dadurch, dass der Schein nie seinen Wert verliert – genauso wenig, wie ein Mensch in Gottes Augen je seinen Wert verlieren kann, weil Gott uns so sehr liebt“, erklärt der Bad Dürrheimer.

Auch wenn sie bei den christlichen Botschaften häufig auf unangenehmes Schweigen innerhalb der Gruppen stoßen, gibt es zwischendurch auch immer wieder Lichtblicke, die sie motivieren. Das Kind beim Klettern antwortete Clemens beispielsweise, dass es auch auf Gott vertraut. Und als er kürzlich von zwei Mädchen gefragt wurde, wieso er das Jahr in Kanada verbringt, freute er sich und sagte, dass er mit Gott unterwegs ist und er es für ihn geben und für ihn arbeiten möchte. „Von ihnen kam eine nette Reaktion und es schien, als hätte ich sie neugierig gemacht“, freut sich Clemens, der noch bis Juli im Camp mitarbeiten wird.

RUSSLAND. Bei der Einweihung der neuen Gemeinderäume in Jekaterinburg rechneten die Liebenzeller Missionare Uta und Raikin Dürr mit vielen Gästen. Anlässlich der Feierlichkeiten bereiteten Uta und einige Frauen aus der Gemeinde ein Essen vor. Sie fühlten sich für den Ansturm gut gewappnet, doch was dann geschah, sprengte ihre Vorstellungen: Dutzende Menschen strömten in das neue Gebäude hinein. Die Frauen beobachteten das Geschehen von der Küche aus und waren ratlos.

„Wie soll das Essen nur für alle reichen?“, fragten sie sich. Für Uta gab es nur eine Lösung: „Jetzt müssen wir beten, dass Gott es vermehrt!“ Gesagt, getan. Kurz nachdem sie gebetet hatten, trat eine Frau mit zwei großen Taschen in die Küche, die mit reichlich Wurst, Käse und Brot gefüllt waren. Alle starrten sie an und Uta fragte, was sie damit vorhabe? „Auf dem Weg zur Kirche hatte ich plötzlich den Eindruck, dass ich diese Sachen noch schnell einkaufen sollte. Als ich dann hier ankam und die vielen Menschen sah, war ich froh, dass ich doch so viel gekauft hatte“, antwortete sie. Die Frauen waren fassungslos: „Gerade haben wir noch gebetet, dass Gott das Essen vermehrt und nun kommst du.“

Später erzählte die Frau dann, dass sie beim Einkauf sogar Schulden auf ihrer Kreditkarte gemacht hatte, Gott ihr das Geld aber zurückgab, indem jemand uralte Schulden, die sie längst abgeschrieben hatte, überraschend bei ihr beglich. Als Uta das hörte, konnte sie nur staunen: „Gott tut Wunder über Wunder.“

FRANKREICH. Seit zehn Jahren lebt die Liebenzeller Missionarin Evelyn Theurer in Frankreich. Nach langer Zeit in Alençon geht es für sie im Sommer weiter nach La Roche-sur-Yon, um auch dort Menschen den christlichen Glauben näherzubringen und ihnen Gottes Liebe weiterzugeben. Bis Juli ist Evelyn noch in Deutschland, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben ihr drei Fragen gestellt.

Wie kam es zu dem Wechsel von Alençon nach La Roche-sur-Yon?
Ich bin ein Mensch, dem es nach einer gewissen Zeit gut tut, wieder etwas Neues zu beginnen. Dann habe ich alles gegeben, was ich geben konnte. Natürlich kann man immer noch weitermachen, aber andere und ich hatten den Eindruck, es könnte für mich an der Zeit sein, weiterzuziehen. Überraschend kam dann die Anfrage von einer französischen Gemeinde aus dem einheimischen Partnergemeindeverband in La Roche-sur-Yon, ob ich diese unterstützen wollen würde. Ich kannte den zuständigen Pastor dort durch verschiedene Sitzungen, wo wir uns schon mal über Visionen unterhalten hatten. Er meinte, meine Gedanken und die Visionen seiner Gemeinde würden sich decken. Hinzu kam auch, dass wir uns als Liebenzeller Mission missionarischen Gemeindebau in einer multikulturellen Gesellschaft auf die Fahnen geschrieben haben, und dies bewusst in Partnerschaft mit einheimischen Gemeinden tun möchten. Das Ganze war für mich außergewöhnlich, weil ich nichts dazu beigetragen hatte und dann kam auf einmal etwas ins Rollen.

Was werden deine Aufgaben am neuen Einsatzort sein?
Zunächst werde ich drei Monate mit dem dortigen Pastor unterwegs sein und wir werden gemeinsam schauen, was wir konkret anpacken wollen. Die Gemeinde hat mir jetzt schon eine Bedürfnisliste mit zehn Punkten vorgestellt. Neue Gemeinden zu gründen und offensiv nach außen zu gehen, werden auf jeden Fall zwei meiner Schwerpunkte sein. Alles andere wird sich noch ergeben. Die Arbeitsbeschreibung wird also erst nach dem dreimonatigen Kennenlernen wirklich festgelegt. Das finde ich sehr interessant, denn das kannte ich so auch noch nicht. Vielleicht ist das einfach die französische Art, wie die Gemeindeleitung dort tickt.

Was wirst du an Alençon vermissen und worauf freust du dich besonders in La Roche-sur-Yon?
Vermissen werde ich sicher meine Freunde und Bekannten. Einfach all das, was sich dort in den sieben Jahren ergeben hat. Dazu zählen auch die Kontakte im ökumenischen Bereich. Man hat sich gegenseitig schätzen und respektieren gelernt. In La Roche-sur-Yon freue ich mich vor allem darauf, Neues zu entdecken. Zu erfahren, wie es woanders funktioniert, was man machen und wie man Mitarbeiter fördern kann. Ich freue mich, das Team zu unterstützen. Viele der Mitarbeiter scheinen stark ausgelastet. Ich hoffe, dass ich ihnen was abnehmen kann, sodass sie wieder Kapazitäten frei haben, um ihre Gaben auch in anderen Bereichen der Gemeinde einzubringen. Als eine der Mitarbeiterinnen neulich erfuhr, dass ich auch gerne Menschen zum Kaffee einlade, sagte sie, dass das schon lange ihr Wunsch sei. Doch er wurde bislang nicht mitgetragen. Sie hofft, in mir eine Verbündete gefunden zu haben. Das freut mich. Es ist so viel Positives vorhanden, dass ich in dem Wechsel vor allem die Chancen sehe.