BAD LIEBENZELL. Als Kind reißt ihn eine starke Strömung mit, in Kabul entgeht er nur knapp einem Raketenangriff und bei einem Attentat auf eine christliche Schule in Pakistan bleiben er und seine Mitschüler verschont – Benjamin durfte schon oft erleben, wie Gott ihn in der Not bewahrt. Als Missionarskind größtenteils in Süd- und Zentralasien aufgewachsen, führte ihn sein Weg mit 23 Jahren an die Interkulturelle Theologische Akademie (ITA) nach Bad Liebenzell. Er verrät uns, wie es dazu kam und wie ihn Leben und Studium auf dem Missionsberg geprägt haben.

Das Thema „Mission“ wurde Benjamin bereits in die Wiege gelegt: „Schon als Kind hatte ich das Anliegen, Menschen vom Glauben an Jesus zu erzählen“, sagt der heute 26-Jährige. Ebenso träumte er davon, Missionsarzt zu werden. Als er mit 18 Jahren von Pakistan nach Deutschland zurückkam und gerade sein Abitur in der Tasche hatte, begann er zwar kein Medizinstudium, dafür eine Ausbildung zum Krankenpfleger in Stuttgart. „Die Arbeit dort machte mir viel Spaß, aber der Wunsch, Menschen für Jesus zu begeistern, war größer.“ Er fühlte sich von Gott berufen, für einen Missionseinsatz nach Kambodscha zu reisen. Zwei Jahre arbeitete er in verschiedenen Slums und erzählte den Menschen die gute Botschaft von Jesus Christus.

Mit der Frage im Gepäck, wie es für ihn nach Kambodscha weitergehen sollte, flog Benjamin nach seiner ersten Einsatzhälfte für einen kurzen Aufenthalt zurück nach Deutschland. Während dieser Zeit erzählte ihm seine Mutter von den Studienmöglichkeiten in Bad Liebenzell. Diese Stadt war ihm ein Begriff, hat Benjamin doch während seiner Ausbildung die Biografie von Ernst Vatter gelesen. Er entschied sich kurzerhand, den Missionsberg als Gasthörer zu besuchen: „Vor allem das interkulturelle Konzept der ITA mit dem Auslandssemester in Kanada sprach mich Weltenbummler sofort an.“ Es dauerte nicht lange, da bekam Benjamin nach seinem zweiten Einsatzjahr die Zusage für sein Studium an der ITA.

„Nach meiner Zeit in Kambodscha freute ich mich besonders auf das Zusammenleben mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten“, erzählt er. Heute weiß Benjamin, dass die Gemeinschaft mit seinen Glaubensgeschwistern maßgeblich zu seinem geistlichen Wachstum beigetragen hat. Und so wuchs er nicht nur an den gemeinsamen Predigtdiensten und der Wohngemeinschaft auf dem Missionsberg, sondern er lernte auch seine persönlichen Grenzen kennen: „Meinen Tiefpunkt erlebte ich in Toronto – gerade in der Stadt, auf die ich mich so gefreut hatte“, erzählt er. Drei Monate lang plagten ihn starke Kopfschmerzen und er fühlte sich schwach. Die Ärzte waren ratlos. Niedergeschlagen saß der Student eines Tages in einem kleinen Park und rief: „Gott, ich kann nicht mehr!“ Gottes Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Zurück in Bad Liebenzell wurde Benjamin vom damaligen Leiter der Studien- und Lebensgemeinschaft, Klaus-Dieter Mauer, angesprochen, ob er eine Brille bräuchte. Es stellte sich heraus, dass er tatsächlich eine Brille benötigte und, dass diese ein wichtiger Schritt hin zur Lösung seiner Beschwerden war: „Es ist wunderbar, wie Gott durch den Kommentar von Klaus-Dieter geführt hat“, freut sich Benjamin. Einmal mehr erlebte er, dass Gott die Fäden seines Lebens in der Hand hält.

Seit seinem Studienbeginn wurde Benjamin vor allem ein Bibelvers wichtig, der ihn bis heute begleitet und trägt. Er steht in Jeremia 17, 7-8: Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte. Wann immer sich der Lernstoff ballte oder die Zeit fehlte, sich intensiv auf die Jugendarbeit oder Predigtdienste vorzubereiten, gab dieser Vers ihm Zuversicht: „Ich bin dankbar, dass meine Aufgabe nicht die Frucht ist, sondern, fest in Jesus verankert zu bleiben.“ Damit ihm das gelingt, hat Benjamin gelernt, sich Freiräume für seine persönliche Zeit mit Gott zu schaffen: „Die Stille Zeit am Morgen und bei Spaziergängen ist mir sehr wichtig, um aufzutanken. Auch lobe ich Gott gerne mit Liedern und spiele dazu Gitarre“, erzählt er. Solche festen Rituale und Zeiten möchte sich der ITA-Absolvent beibehalten, auch wenn er sein Studium nun abgeschlossen hat und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Am letzten Wochenende hat er seine Frau Rebecca geheiratet. Gemeinsam mit ihr wird er für ein Jahr nach Korntal ziehen, um wieder als Krankenpfleger zu arbeiten und sich mit Rebecca in der Evangelischen Brüdergemeinde zu engagieren. Korntal wird voraussichtlich nur eine Zwischenstation sein. In Zukunft können sich die beiden eine internationale Gemeindearbeit oder einen Missionseinsatz vorstellen. „Durch das Studium in Bad Liebenzell fühlen wir uns gut ausgerüstet für den Dienst. Wir sind gespannt, was unser fürsorgender Vater für uns bereithält.“

BURUNDI. Mit Mitte zwanzig gelten Menschen in Europa längst als erwachsen. In Afrika ist das anders: Wer in diesem Alter unverheiratet und kinderlos ist, hat in der afrikanischen Gesellschaft noch lange keine Stimme. In dieser Lebensphase hungern viele junge Menschen nach Orientierung und Vorbildern. So auch in einer Gemeinde in Kinindo: „Ihr dürft machen was, wo, wie lange und welche Themen ihr wollt, aber bitte macht etwas mit unseren Jugendlichen“, bittet der Pastor der Gemeinde die LM-Missionare Tabea und Alex Biskup, die noch bis vor vier Jahren den Gemeindenachwuchs dort betreuten. Nach ihnen habe sich niemand mehr gefunden, der die Arbeit fortführen konnte.

Obwohl Freizeiten in Burundi nicht auf der Tagesordnung stehen, organisierten die Missionare für rund 50 Jugendliche ein Wochenende in Buta: „Unsere Bibelarbeit dort drehte sich vor allem um Timotheus. Einerseits, weil er in Paulus ein Vorbild fand, an dem er sich orientieren konnte, andererseits, weil er trotz seines jungen Alters viel bewegte“, sagt Alex Biskup. Nicht nur das Leben des Timotheus, auch der zentrale Bibelvers der Freizeit, in 1. Timotheus 4,12, sollte die Jugendlichen ermutigen: „Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit“ – Ein Vers, der für die jungen Menschen Zuspruch und Anspruch zugleich sein sollte. Auch identitätsstiftende Fragen wie „Wer bin ich und wie sieht mich Gott?“ wurden während der Bibelarbeit anhand von Psalm 139 beantwortet. Ebenso wie das Programm wurde auch der Ort der Freizeit nicht zufällig ausgewählt: „Vor 20 Jahren gab es an der Schule in Buta ein großes Massaker“, erzählt der LM-Missionar. 40 junge Menschen wurden ermordet, weil sie zusammenhielten und sich nicht in ihre ethnischen Gruppen aufteilen wollten. Die Jugendgruppe aus Kinindo erlebte in Buta, wohin Gewalt führen kann und wie wichtig Vergebung ist: „Buta ist ein Ort der Versöhnung. Trotz allem haben die Menschen dort gelernt, zu vergeben“, sagt Alex Biskup.

Er und sein Team wünschen sich, dass die Teilnehmer etwas für ihr Leben mitnehmen konnten: „Wir haben hungrige Jugendliche erlebt. Wie sie ihren Glauben leben, Gott mit Hingabe ehren und im Lobpreis ihren Dank zum Ausdruck bringen, hat uns sehr bewegt. Wir hoffen, dass sie das nicht tun, um die Anerkennung anderer zu bekommen, sondern, um ihren Glauben auf einem festen Fundament zu gründen.“

BAD DOBERAN. Zum 18. Mal gab es das Abenteuerland für Kinder in Bad Doberan. Vor der Sommerpause ging es um die Josia-Geschichte aus der Bibel. Viereinhalb Stunden gab es ein spannendes Programm, natürlich auch mit jeder Menge Action und Spaß. Christoph Scharf, Mitarbeiter der Liebenzeller Mission und Pastor der Gemeinde in Bad Doberan freute sich, dass dieses Mal sogar Gäste aus einem anderen Bundesland mit dabei waren: „Zwei Kinder aus Hessen, die mit ihrer Mutter zurzeit in Kühlungsborn auf einer Mutter-Kind-Kur sind, kamen auch zum Programm. Die Mutter hatte uns per E-Mail angeschrieben, dass sie auf der Suche nach ‚Gemeindeanschluss’ während ihrer Zeit in der Kur sind. Eine Familie aus unserer Gemeinde hat extra einen Fahrdienst organisiert, damit die Gäste auch am Sonntag zum Gottesdienst kommen konnten.“ Beim Abenteuerland waren natürlich viele Kinder aus Bad Doberan und Umgebung dabei. Jetzt ist Abenteuerland-Sommerpause, im September geht’s dann weiter.

RUSSLAND. Eine russische Ärztin ist tief berührt von dem, was sie kürzlich in ihrem Behandlungszimmer erlebt hat: „Viele erkältete Kinder kamen zu mir und sagten, dass sie sicherlich kein zweites Mal behandelt werden müssen, denn sie wollen dafür beten, dass sie gesund werden und sie glauben fest daran.“ Dieses große Gottvertrauen auf einer christlichen Sommerfreizeit im Ural beeindruckte die Ärztin sehr. Wie jedes Jahr wurde das Sommerlager von den LM-Missionaren Katharina und Waldemar Jesse organisiert. 49 Kinder und Jugendliche haben daran teilgenommen. Darunter nicht nur der eigene Gemeindenachwuchs, sondern auch Freunde von außerhalb, die noch nie von Jesus gehört haben. Umso größer war die Verantwortung der Mitarbeiter, den Teilnehmern die gute Nachricht von Jesus Christus weiterzugeben. Damit die Kinder Zugang zum Thema „Auf den Spuren Luthers“ bekamen, kombinierten die Mitarbeiter Sport und Spiel mit geistlichen Impulsen. „Uns fiel auf, dass viele der Kinder die Bibel mit Martin Luther verbinden. Umso mehr haben sie sich gefreut, als wir Bibeln verteilt haben“, erzählt Waldemar Jesse. Neben Volleyball, Basteln und Schwimmen im See kamen daher vor allem die täglichen Bibelarbeiten gut bei den Teilnehmern an. Auch haben sich die Mitarbeiter viel Zeit dafür genommen, mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen und für sie zu beten. Dass ihre Arbeit Frucht trägt, hat besonders die Reaktion eines Kindes gezeigt, das beim Stehlen erwischt wurde: „In einem Gespräch mit uns Mitarbeitern gestand das Kind, was es getan hatte und bat Jesus um Vergebung. Das war ergreifend“, erinnert sich Waldemar Jesse. Um die Teilnehmer auch über die Freizeit hinaus dabei zu unterstützen, im Glauben zu wachsen, möchte die Gemeinde den Kontakt zu ihnen halten. Daher haben die Mitarbeiter eine Gruppe in den sozialen Netzwerken erstellt und ein Freizeitnachtreffen im Herbst geplant. Natürlich wünschen sie sich auch, dass viele Teilnehmer die Kinder- und Jugendveranstaltungen der Gemeinde besuchen.

Junge Menschen prägen und sie für den Dienst in der Weltmission vorbereiten: Das ist die Leidenschaft von Rita und Daniel Mattmüller. Seit fünf Jahren leben sie mit ihren vier Kindern in Toronto, der vermutlich multikulturellsten Stadt der Welt. Dort leiten sie das Trainingsprogramm für angehende Missionare und das Auslandssemester der Studenten der Interkulturellen Theologischen Akademie (ITA). Davor arbeiteten sie acht Jahre lang in Malawi und leiteten das handwerklich-theologische Ausbildungszentrum „Chisomo“. In den nächsten Wochen sind sie in Deutschland, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben Daniel und Rita drei Fragen gestellt.

Ihr habt auf drei verschiedenen Kontinenten gelebt. Was bedeutet für euch Heimat?
Heimat bedeutet für uns schon irgendwie: Heimkommen nach Bahlingen am Kaiserstuhl, wo wir aufgewachsen sind und wo wir in den nächsten Wochen wohnen werden. Dort leben unsere Eltern, viele Verwandte und Freunde. Im engeren Sinne ist unsere Familie mit unseren vier Kindern Heimat für uns. Wir genießen es, durch unsere Arbeit in unterschiedlichen Ländern viele verschiedene Menschen kennengelernt zu haben. Oft kennt man diese Menschen aber erst seit ein paar Jahren. Es ist wohltuend, immer mal wieder auch Leute zu treffen, die man von klein auf kennt. Es ist wertvoll, Wurzeln zu haben.

Gibt es etwas, das Menschen in aller Welt verbindet?
(Daniel): Geistlich gesehen als Christ natürlich zu Jesus zu gehören. Wir haben es immer wieder erlebt, dass wir fremde Menschen kennengelernt haben und uns gleich mit ihnen verbunden gefühlt haben. Wenn man dann erfährt, dass das Gegenüber auch Christ ist, dann ist schnell eine gefühlte Nähe da. Man könnte vor anderen Menschen Angst haben, aber innerhalb der weltweiten Gemeinde Jesu ist irgendwie ein grundlegendes Vertrauen da. Jesus verbindet Menschen.
(Rita): In den letzten Jahren ist mir die Scheu vor Menschen etwas abhanden gekommen. Am Anfang unserer Zeit in Kanada habe ich mich nicht in allen Milieus wohlgefühlt. Ich habe gemerkt, wie viele Vorurteile ich selbst hatte. Menschen sind Menschen – egal wie erfolgreich oder arm sie sind. Menschen verbindet mehr als man denkt: Zum Beispiel die Sehnsucht nach Tieferem oder der Wunsch, eigene Verwundungen zu überwinden.

Ihr bereitet junge Menschen für ihren Dienst in der Weltmission vor. Was ist euer Wunsch für sie?
Wir wollen junge Menschen motivieren, ihr Leben selbst zu „durchsuchen“, wo es Bereiche gibt, die sie Gott vorenthalten wollen. In dieser Gefahr stehen wir alle. Aber es ist wichtig, alles vor Gott zu bringen. Es ist herausfordernd, aber es bringt uns auch weiter, die eigene „comfort zone“ zu verlassen. Wir wollen angehende Missionare ermutigen, sich von Gott auch an einen Platz führen zu lassen, an den sie zunächst nicht unbedingt wollen. Und es ist uns wichtig, dass sie auch eigene Vorurteile gegenüber sich selbst ablegen. Wir wünschen uns, dass viele Missionare lange im Missionsdienst bleiben und dass sie offen sind für junge Menschen, die einen Kurzeinsatz machen. Denn für viele ist das der Einstieg in einen langjährigen Einsatz als Missionare.

FRANKREICH. Es war eine bewegende Abschiedsfeier für Familie Laffin in Coutances in der Normandie. Nach 27 Jahren Einsatz ist die Gemeinde nun so gefestigt, dass die Missionare weiterziehen können. Ab September arbeiten Norbert und Susanne Laffin in der Gemeinde in Alençon. In Coutances übernimmt ein kollegiales Leitungsteam aus „gestandenen Gemeindegliedern“ die Verantwortung, wie Norbert Laffin erzählt: „Das sind alles fähige Leute, die jetzt richtig gut mitanpacken.“ Eine evangelische Gemeinde aufzubauen in einer stark traditionell katholisch geprägten Region im laizistischen Frankreich – das war eine große Herausforderung. „Am Anfang waren die Menschen sehr misstrauisch“, erinnert sich Norbert Laffin. „Aber nach und nach ist viel Vertrauen gewachsen.“ Familie Laffin ging die Aufgabe mit viel Leidenschaft und der nötigen Portion an kreativen Ideen an. So entstand der jährliche „Gottesdienst für die Obrigkeit“, zu dem sich regelmäßig der Bürgermeister einladen ließ – gewiss keine Selbstverständlichkeit in Frankreich. Als 2005 das neue Gemeindezentrum gebaut wurde, entschied sich Norbert Laffin bewusst für ein Baugrundstück in einem Industriegebiet – zur Verwunderung der Stadtverwaltung. Doch das sollte sich auszahlen. Das Gemeindezentrum bekam genügend Parkplätze, was in der Innenstadt nicht möglich gewesen wäre. Das Gebäude wurde hell und einladend gestaltet. „Wir wollten die Menschen bewusst in einer modernen Form erreichen“, erzählt Norbert Laffin. Zur Verabschiedung am 2. Juli kamen rund 100 Personen. Auch die Presse war mit dabei und brachte einen schönen Artikel in der Zeitung. Das sprach sich auch in Alençon herum, so dass Norbert gleich einen Anruf von der dortigen Zeitung bekam: „Über ihre Begrüßung in Alençon werden wir selbstverständlich berichten!“