MIKRONESIEN. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt sich Miriam Pianka, als sie ergriffen von einem Vortrag nach Hause geht. Für den Start eines Bildungsprojekts in Mikronesien sucht die Liebenzeller Mission freiwillige Mitarbeiter. Die Theologiestudentin der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL) spürt: „Das ist die Gelegenheit, mich für Gott zu investieren!“ Sie folgt dem inneren Ruf und unterbricht zehn Monate ihr Studium, um mit Kindern und Jugendlichen auf der Insel Tel zu arbeiten.

Blutrache, Drogenkonsum, niedriges Bildungsniveau und Kleinkinder, die mit Macheten und Steinschleudern spielen – all das gehört auf Tol zur Tagesordnung. Für die Einheimischen gibt es laut den Bewohnern der Hauptinsel Moin keine Hoffnung mehr, doch gerade das motiviert Miriam und ihre Teamkollegen: „Weil sie von der Gesellschaft abgeschrieben sind, möchten wir diesen Menschen helfen und ihnen ein Licht sein.“

Um das Bildungsniveau nachhaltig zu verbessern, setzt sich das deutsche Team vor allem für die jungen Inselbewohner ein. Neben dem Bau eines Kindergartens wollen sie die Lehrer in Grundschulen und Highschools neu anleiten. Anfangs betreut Miriam eine Vorschul- und Grundschulklasse. Schnell merkt sie, dass die Kinder kaum oder gar kein Englisch verstehen. Sie versucht also, die Schüler spielerisch für die Sprache zu begeistern: „Da Musik in ihrer Kultur sehr wichtig ist, haben wir mit den Kindern englische Lieder gelernt“, erzählt Miriam. Nicht nur die Schüler zeigen Lernbereitschaft, auch die Lehrer lassen sich auf die neuen Ideen ein.

Doch gibt es nicht überall Fortschritte. Ab dem dritten Schuljahr aufwärts werden große Defizite deutlich: „Die Lehrer praktizieren bloßes Nachsagen und die Schüler sind mit einfachen Floskeln überfordert“, schildert die Studentin. Also werden die Klassen der Leistungsstärke entsprechend neu gemischt. Obwohl Miriam die Möglichkeit hat, fortgeschrittene Schüler zu unterrichten, entscheidet sie sich für die zwei schwächsten Highschool-Klassen. Dabei trifft sie auf Heimkinder und verhaltensauffällige Teenager. Als gelernte Jugend- und Heimerzieherin weiß sie jedoch, mit diesen umzugehen. Im Team bringt sie den Schülern Holzarbeit und die dafür nötigen Englisch- und Mathematikgrundlagen bei. Die Arbeit trägt Früchte, doch Raum für tiefergehende Beziehungen bleibt keiner: „Musik verbindet uns, doch die Sprachhürden sind zu groß, um Freundschaften zu knüpfen.“

Plötzlich bekommt Miriam eine schwere Magenschleimhautentzündung und muss ins Krankenhaus. Trotz Schmerzen ist das für sie eine geistlich prägende Zeit, denn sie redet viel mit ihrer Zimmergenossin Sarah, die nierenkrank ist. Miriam stellt fest, dass Sarah aus einem christlichen Umfeld stammt und zur Gemeinde geht – jedoch nur, weil ihre Mutter das wünscht. Sie selbst sieht darin keinen Sinn. „Als Gleichaltrige war es für mich eine tolle Chance, Sarah zu einer persönlichen Beziehung mit Jesus einzuladen und für sie zu beten“, sagt Miriam. Ob das Mädchen die Einladung angenommen hat, weiß sie nicht, denn Miriam Zustand verschlechtert sich und so muss sie den Missionseinsatz abbrechen. Sie fliegt zurück – in der Hoffnung, Sarahs Neugierde geweckt und die Menschen auf Tol berührt zu haben. Gleichzeitig hat sie selbst einige wichtige Erkenntnisse gewonnen: „Durch die Tradition der Blutrache habe ich viel über Sünde und Vergebung nachgedacht. Dabei hat Gott mir aufzeigt, wo Neid und Egoismus auch mein Herz öfter beschweren“, sagt Miriam. In dieser Zeit wird ihr neu bewusst, dass sie weder ihren seelischen, noch ihren körperlichen Heilungsprozess beeinflussen kann: „Alles, was mir bleibt, ist, Gott zu vertrauen, dass er mir vergibt und mich heilt.“ Dass das auch die Menschen auf Tel erkennen, ist Miriam Wunsch: „Ich hoffe, dass sie Vergebung durch Jesus verstehen und erleben dürfen und dass sie den Mut haben, die Blutrache aufzuhalten, damit langfristig Segen auf der Insel entstehen kann.“ Die Chance ist da, denn Miriam hat viele Menschen kennengelernt, die trotz Gewalt und Perspektivlosigkeit große Freude im Leben haben und diese vor allem durch ihr musikalisches Talent zum Ausdruck bringen. „Ich freue mich, mit diesen Menschen einmal vor Jesus zu stehen und ihn mit Liedern zu loben“ – dieser Satz eines Teamkollegen hat sich tief in das Gedächtnis der 25-Jährigen eingeprägt und auch sie freut sich auf diesen Moment.

Mittlerweile ist Miriam wieder gesund und führt ihr Studium weiter. Sie hofft, dass viele Menschen von ihren Erfahrungen in Mikronesien profitieren können – ob im Alltag oder im späteren Beruf.

SÜDOSTASIEN. Geduldig sitzt eine Schwangere nachmittags im Wartezimmer. Sie freut sich riesig auf das erste Ultraschallbild ihres ungeborenen Kindes. Sie wartet – stundenlang. Inzwischen ist es Abend geworden und ihr Mann kommt hinzu. Gegen 22 Uhr wird sie als letzte Patientin in den Untersuchungsraum gerufen. So erging es kürzlich einem Liebenzeller Missionarsehepaar in Südostasien. Dass ihnen dieser Arztbesuch nicht nur wegen des Ultraschallbildes nicht mehr aus dem Kopf gehen würde, ahnten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Im Untersuchungsraum fällt den beiden die Ärztin auf, die einen gedrückten und müden Eindruck macht. Freundlich grüßen sie sie, doch die Ärztin starrt wortlos in ihren Computer und beginnt wenig später mit dem Ultraschall. Unsere Missionarin packt ihren Mut zusammen und fragt nach dem Befinden der Frau. „Nicht gerade gut, oder?“, fügt sie hinzu, damit sie die Frage nicht als kulturelle Höflichkeitsformel versteht. Skeptisch fragt diese: „Was sind Sie?“ „Physiotherapeutin“, antwortet die Missionarin. Langsam öffnet sich die Ärztin gegenüber dem Paar und schildert ihre Beschwerden. Während das Ungeborene zum ersten Mal auf dem Ultraschall erscheint, beginnt die Missionarin von der Liege aus den Nacken der Frau abzutasten und bietet ihr an, sie im Anschluss zu behandeln. Gesagt, getan – sie tauschen die Rollen. Nach der Behandlung verspürt die Missionarin plötzlich einen starken inneren Drang, für die Ärztin zu beten. „Ach was, man braucht nicht für jeden zu beten“, denkt sie sich dann jedoch. Die innere Stimme wird lauter und sie merkt, dass diese Gedanken nicht von ihr, sondern von Gott kommen. Also sagt sie: „Ich konnte Ihnen nur wenig behilflich sein, aber der, der uns Menschen gemacht hat, ist der beste Arzt. Darf ich im Namen Jesu für Sie beten?“ Überraschenderweise stimmt die Ärztin zu und so kniet sich unsere Mitarbeiterin vor sie nieder und beginnt, Gott um Gesundheit zu bitten. Als sie ihre Augen öffnet, nimmt die Ärztin sie in die Arme und ruft: „Danke!“ Dann geht sie aus der Tür und sagt zu dem Personal auf dem Gang: „Hört, was diese Frau für mich getan hat!“ Eine andere Ärztin ist beeindruckt und sagt, dass in diesem Land nur wenige bekennende Christen leben. Spät abends fährt das Ehepaar voller Freude nach Hause: „Wir können uns nun besser vorstellen, wie es damals war, als die Menschen, die von Jesus berührt wurden, völlig aus dem Häuschen waren.“

KANADA. Wie fühlt sich ein Mensch, wenn die Tochter eines Freundes an Krebs erkrankt? Reza kennt dieses Gefühl. Was soll er tun? In seiner Hilflosigkeit redet er zu dem, für den er sich sein ganzes Leben nie interessiert hat: nämlich zu Gott. Immer wieder betet er für das Mädchen. Es ist das erste Mal, dass sich der bekennende Atheist für den christlichen Glauben öffnet. Seither sind eineinhalb Jahre vergangen. Mittlerweile arbeitet der Iraner im Starterteam der interkulturellen Gemeindegründung in Toronto und möchte Pastor werden. Seit Juli führt er gemeinsam mit dem Liebenzeller Missionar Jörg Wacker einen Glaubensgrundkurs durch, um diesen künftig in Gruppen anzuleiten. Bei der Einheit zum Thema „Vergebung“ erlebte Reza dabei einen erneuten Durchbruch in seinem Leben als Christ: „Er erkannte, dass es ihm schwer fällt, anderen Menschen zu vergeben. Doch möchte er lernen, Vergebung zu üben, weil auch er Vergebung durch Jesus erfahren durfte“, sagt Jörg. Für den Missionar war es großartig zu sehen, dass sein Teamkollege durch diese Erkenntnis wieder einen Schritt auf seinem Weg mit Gott vorankam. Beiden wurde zudem bewusst, dass geistliches Wachstum ein nie endender Prozess ist – ganz egal, wie lange man bereits mit Jesus unterwegs ist.

FRANKREICH. Immer seltener besucht eine ältere Dame ihre Gemeinde in Montagen. Eines Tages kommt sie gar nicht mehr. Warum, das weiß keines der acht Gemeindeglieder. Einige vermuten, es läge an den Problemen, die sie mit Einzelnen hatte. Es vergehen mehrere Wochen bis die Französin eines Sonntags überraschend wieder am Gottesdienst teilnimmt. Die Dame, die häufig nur Kritik äußerte, hat sich verändert. Sie bringt sich plötzlich positiv ein und betont immer wieder, wie wichtig es sei, gemeinsam neue Wege zu gehen, um Menschen auf die Gemeinde aufmerksam zu machen. Obwohl nach wie vor niemand weiß, wieso sie lange Zeit fernblieb, ist sich die Liebenzeller Missionarin Evelyn Theurer sicher: „Sie hat den Schatz der Gemeinde wiederentdeckt.“

AUSTRALIEN. Ein junger Backpacker steht in Queensland am Straßenrand und hält ein großes Pappschild in die Höhe. Doch halt! Ist in diesem Bundesstaat das Trampen nicht verboten? Auf den zweiten Blick fällt noch etwas Seltsames auf: Anstelle seines Reiseziels ist ein groß gezeichnetes Herz mit der Inschrift „Love“ zu erkennen – „Was möchte der junge Mann damit sagen?“, fragt sich die LM-Missionarin Evelyne Breuninger, die mit dem Fahrrad unterwegs zu einer Gebetsversammlung ist. Obwohl sie den Backpacker bereits passiert hat, entschließt sie sich kurzerhand, umzukehren und ihn zu fragen, wieso er dieses Schild hochhält? „Weil Liebe das Wichtigste ist“, antwortet er. Evelyne schließt sich ihm an: „Auch für mich ist es das Wichtigste, dass Gott uns liebt.“ Zur Freude der Missionarin stimmt der junge Mann ihr sofort zu. Die beiden wechseln einige wenige Worte miteinander, dann muss Evelyne weiter. Auf der Fahrt ruft der Backpacker ihr nach: „Nimm von der Liebe, so viel du kannst und gib, so viel du hast!“ „Das mache ich“, sagt Evelyne. Dann betet sie für den jungen Mann und dankt Gott für seine bedingungslose Liebe. Auch in der anschließenden Versammlung beten die Teilnehmer für den Backpacker, den seither niemand mehr gesehen hat. „Vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen im Himmel?“, hofft Evelyne.

Bildnachweis: istockphoto.com/cosmity

Die Liebenzeller Missionarin Ramona Rudolph aus Fraureuth (Sachsen) war am vergangenen Freitag zu Gast beim Bürgerfest von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Park von Schloss Bellevue in Berlin. Mit dem Bürgerfest würdigt der Bundespräsident Menschen in Deutschland, die gesellschaftliche Herausforderungen angehen und sich für andere Menschen einsetzen. Der Bundespräsident bezeichnete die eingeladenen Gäste als „Helden unseres Alltags“ und dankte ihnen für die vielen Stunden, die sie sich für das Gemeinwesen einsetzen.

Ramona Rudolph, die in Ecuador arbeitet und seit Juli für ein Jahr in Deutschland ist, wurde von Mitbürgern aus ihrer Heimatstadt Fraureuth für die Teilnahme am Bürgerfest vorgeschlagen. Über die Einladung war die Missionarin sehr überrascht: „Es war für mich Überraschung und Privileg zugleich, beim Bürgerfest des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue eingeladen zu sein. Hier konnte man Menschen aus ganz Deutschland begegnen, die auch ein Herzensanliegen haben und sich auf beeindruckende Weise engagieren“, sagte Ramona Rudolph. Im Park Bellevue feierte sie zusammen mit rund 4000 eingeladenen Gästen. „Ich erlebte ein fröhliches, buntes, aber auch anspruchsvolles Programm bei kulinarischen Köstlichkeiten. Es war ein Abend zum Genießen und gerne Verweilen. Die Wertschätzung war sehr schön und ich bin beschenkt nach Hause gegangen“, beschrieb die Missionarin ihre Eindrücke.

Seit fünf Jahren arbeitet Ramona Rudolph in Ecuador unter der Quechua-Bevölkerung. Sie setzt sich vor allem für Kinder, Jugendliche und Frauen ein. Familien liegen ihr besonders am Herzen, da viele von ihnen in schwierigen Situationen seien: „Ich sah viel Zerbrach und Hoffnungslosigkeit in den Familien. Es kommt in Ecuador häufig vor, dass Männer ihre Frauen schlagen und sich kaum um die Familie kümmern. Nach der Arbeit treffen sich die Männer gerne mit ihren Freunden und geben ihr Geld für Alkohol aus. Das führt wiederum zu Geldnöten bis hin zu Schulden in den Familien.“ Zusammen mit einheimischen Mitarbeitern will sie dort der nächsten Generation eine Zukunftsperspektive geben, Beziehungen aufbauen und sie zu einem Leben mit Jesus Christus einladen. Der christliche Glaube gebe den Menschen Hoffnung: „Als die Menschen anfingen, auf Gott zu vertrauen, gab es positive Veränderungen in ihrem Leben. Einige begannen, anderen zu vergeben, weil sie persönlich Vergebung durch Jesus erfahren hatten. Andere besiegten ihre Alkoholsucht und fingen an, sich um ihre Familie zu sorgen.“ Neben der persönlichen Fürsorge und Begleitung von Familien gibt Ramona Rudolph auch Englischunterricht und Werkunterricht an Schulen.

Noch bis Sommer nächstes Jahr wird Ramona Rudolph in Deutschland sein und über ihre Arbeit berichten.

Gemeinsam mit acht Geschwistern ist sie in Offenburg aufgewachsen, seit September 2014 studiert die 24-Jährige „Theologie/ Soziale Arbeit im Interkulturellen Kontext“ an der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL): Anna-Sophie durchlebte in den vergangenen drei Jahren einige Höhen und Tiefen, doch gerade die schweren Momente stärkten ihr Vertrauen in Gott. Wir haben der Studentin zwei Fragen gestellt.

Du kennst das Leben in einer Großfamilie. Durch die Studien- und Lebensgemeinschaft (SLG) lebst du auch auf dem Missionsberg mit vielen Menschen zusammen. Wie wirkt sich die Gemeinschaft auf dein geistliches Leben aus?

Auch die SLG ist ein Stück weit eine große Familie für mich. Geistlich durfte ich vor allem durch Zeugnisse meiner Kommilitonen, Andachten oder auch durch enge Freundschaften wachsen. Da wir hier nicht nur gemeinsam studieren, sondern auch zusammen wohnen, kennen wir uns alle sehr gut und bekommen viel voneinander mit. Erlebt jemand etwas Gutes, freuen wir uns gemeinsam. Andersrum hören wir einander zu und beten miteinander, wenn es jemandem schlecht geht. Auch diese Momente haben schon viel zu meinem geistlichen Wachstum beigetragen. Obwohl die Gemeinschaft auf dem Missionsberg viele Vorteile hat, fordert sie mich auch ab und zu heraus, da ich kaum Privatsphäre habe. Dennoch schätze ich sie sehr, da ich gemeinsam mit meinen Geschwistern im Glauben wachsen kann und gute Freunde fürs Leben gefunden habe. Ich bin dankbar, dass wir alle – egal wie unterschiedlich wir auch sind – eine große Gemeinsamkeit haben, nämlich Jesus Christus, der uns verbindet.

Erinnerst du dich an ein besonderes Erlebnis mit Gott während deines Studiums?

Es gab eine Zeit, in der mir der Lernstoff über den Kopf gewachsen ist und mich private Dinge beschäftigt haben. Weil ich nicht weiter wusste, fing ich an, mir bewusst mehr Zeit für Jesus zu nehmen, um in seiner Gegenwart aufzutanken. Ich stand also jeden Morgen eine Stunde früher auf, um Bibel zu lesen und anschließend mit Jesus spazieren zu gehen. Dabei brachte ich all meine Gedanken, Bitten und meinen Dank vor ihn. Wie wichtig es ist, Jesus bewusst in den Mittelpunkt meines Lebens zu rücken, wurde mir während dieser Zeit neu bewusst. Jeden Morgen durfte ich erleben, wie er mir Kraft und gute Gedanken für den Tag geschenkt hat. Bis heute gehen wir spazieren und ich genieße es immer wieder aufs Neue, seine Gegenwart in der Stille zu spüren. Natürlich heißt das nicht, dass nach jedem Spaziergang alles wieder gut ist, aber ich weiß, Gott hilft mir Schritt für Schritt durch alle schweren Zeiten hindurch und gemeinsam mit ihm kann ich alles schaffen. Durch die Spaziergänge bekam auch das Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“ eine ganz neue Bedeutung für mich. In der heutigen Zeit, wo vieles stressig und hektisch ist, ist es mir wichtig geworden, Gottes Gegenwart so oft es geht in der Stille zu suchen. Jesus selbst hat sich einen ruhigen Ort gesucht, um zu beten.

JAPAN. Mit jeder Menge Gemeindeflyern und liebevoll verpackten Hefezöpfen im Gepäck stehen zwei Studentinnen der Internationalen Hochschule Bad Liebenzell (IHL) an einem Montagnachmittag vor dem Gemeindehaus in Chikusei. Rund 200 japanische Oberstufenschüler kreuzen nach Schulschluss ihren Weg. Herzlich gehen die deutschen Studentinnen auf die jungen Menschen zu und laden sie zu einem evangelistischen Nachmittag in die Gemeinde ein. 100 Flyer sind es, die die IHL-Studentinnen verteilen können – ganz zur Freude der 20-köpfigen Gemeinde, die seit Längerem auf mehr Gemeindenachwuchs hofft: „Nach der Verteilaktion waren wir glücklich und haben Gott gedankt, dass er uns Mut und Gelingen geschenkt hat“, sagt Schwester Priscilla Kunz, die die Studentinnen während ihres Missionspraktikums in Japan begleitet hat.

Am darauffolgenden Sonntag war es dann soweit. Alle waren gespannt, wie viele Schüler der Einladung folgen würden. Das Ergebnis war jedoch ernüchternd: „Es kam kein einziger Oberstufenschüler. Das war enttäuschend, doch sagten wir uns, dass Gott trotzdem etwas Gutes aus der Verteilaktion entstehen lassen kann“, berichtet Schwester Priscilla. Und so wurde auch der ansprechend gestaltete Nachmittag doch noch zu einem vollen Erfolg, denn neben den Gemeindegliedern kamen auch fünf Interessierte von außerhalb, die von der Flyeraktion mitbekommen haben und laut Schwester Priscilla noch keine Christen waren. Neben dem gemeinsamen Backen und Basteln wurden einige von ihnen vor allem durch die Andacht einer der deutschen Gaststudentinnen angesprochen, die über Gottes Treue in ihrem Leben berichtete: „Eine Frau war von dem Glaubenszeugnis so berührt, dass sie anfing, zu weinen“, erzählt Schwester Priscilla. An diesem Tag sei den Gemeindegliedern wieder bewusst geworden, wie wichtig jeder Einzelne ist, der zu Jesus findet.

Die Gemeinde möchte zudem weiterhin dafür beten, Kontakt zu den Oberstufenschülern zu bekommen und plant, gemeinsam mit einer japanischen Jugendorganisation um die Weihnachtszeit erneut eine Verteilaktion zu starten.