DEUTSCHLAND. „Unglaublich“ war dieses Jahr das Thema von ProChrist. Und unglaublich war auch die Zeit in Tauberbischofsheim. Nachdem die kleine, aber unglaublich hochmotivierte Liebenzeller Gemeinschaft in Tauberbischofsheim schon einiges vorbereitet hatte, konnte es am Sonntagabend losgehen.

Jeden Abend – von Sonntag bis Samstag – gab es ein tolles Begrüßungsteam, gute Musik, ein Zeugnis vom Wirken Gottes im Leben verschiedener Personen, eine Predigt und viel Gemeinschaft. Nach den Predigten unseres Rektors Gustavo Victoria gab es an fast jedem Abend eine Einladung, ans Kreuz vorzukommen und sich auf Gott einzulassen. Dieser Einladung sind so einige gefolgt – das ist nicht nur ein unglaubliches Wunder, sondern hat für so manche „Party im Himmel“ gesorgt.

Ein weiterer unglaublicher Teil der Abende waren die Gemeinschaft und das unglaublich tolle Buffet am Ende des Programms. So hat es nach dem Segen nicht lange gedauert, bis der Raum mit vielen Gesprächen gefüllt war.

Für uns als Klasse der Interkulturellen Theologischen Akademie (ITA) war es ein unglaubliches Privileg, Teil dieser Woche zu sein und dabei Gottes Wirken zu erleben. Im Laufe der Woche konnten wir in der Innenstadt und Nachbarschaft viele Leute einladen und es war schön, den einen oder anderen dann tatsächlich am Abend begrüßen zu dürfen.

Auch die Gespräche mit verschiedenen Leuten aus der Gemeinde waren eine Bereicherung und sehr prägend. Diese Woche werden wir nicht so schnell vergessen. Gott sei alle Ehre dafür!

BANGLADESCH. Es ist heiß und staubig, von allen Seiten erklingt wildes Gehupe und Geklingel, und kreuz und quer fädeln sich Rickshas, rostige Lastwagen und überladene Busse ein. In der dicht besiedelten Millionenmetropole Dhaka wird der Kampf ums tägliche Überleben überall geführt – auch auf den Straßen. Der Verkehr dort zählt zu den schlimmsten weltweit und bringt jährlich zehntausende Todesopfer mit sich. Welche Mutter würde ihr Kind da schon gerne alleine losschicken?

„Meine Tochter Emma wurde von einer Freundin zum Geburtstag eingeladen. Weil der Verkehr hier so gefährlich ist, gehört es zu einem Kindergeburtstag dazu, dass die Mütter mit dabei sind“, erklärt die Liebenzeller Missionarin Anne Strauß, die seit sechs Jahren mit ihrem Mann Samuel und ihren drei Kindern in der Millionenstadt lebt. Anders als alle anderen Kinder wurde Tasneem, ein Mädchen aus Emmas Klasse, nicht von ihrer Mutter, sondern von ihrer Großmutter zur Feier begleitet. Das sorgte bei einigen für Verwunderung und fiel auch Anne auf. Sie setzte sich zu der 58-Jährigen und kam mit ihr ins Gespräch. Dabei erzählte die Frau, dass ihre Tochter an Lungenkrebs starb als Tasneem drei Jahre alt war und sie sich seitdem viel um ihre Enkelin kümmert. Anne war kurz sprachlos. Sie drückte ihr Mitgefühl aus und fragte später, ob sie Telefonnummern austauschen wollten. Seither haben sich die beiden schon öfter in der Stadt oder bei Schulveranstaltungen getroffen.

Dann ging es für die Missionarsfamilie einige Zeit in den Heimataufenthalt nach Deutschland. Als sie anschließend wieder nach Dhaka zurückkehrten, freute sich Anne sehr, Tasneems Großmutter bei einem Schulsportfest wiederzusehen. Während die Kinder auf dem Sportplatz tobten, suchten sich die beiden Frauen ein schattiges Plätzchen, um sich auszutauschen. Erneut stand Anne der Schock ins Gesicht geschrieben, als sie erfuhr, dass bei Tasneems Vater Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wurde und er nur noch wenige Wochen zu leben hat. Obwohl die Familie wohlhabend ist und ihr Schwiegersohn öfter zur Chemotherapie in das 4000 Kilometer entfernte Singapur reisen kann, hat Tasneems Großmutter Angst vor der Zukunft. Die heute 62-Jährige und ihr Mann sind für die bangladeschische Lebenserwartung von 72 Jahren schon sehr alt und es gibt sonst keinen Verwandten in der Stadt, der sich um ihre Enkelin kümmern könnte.

„Ich sagte ihr, wie leid es mir tut, weil ich ja wusste, wie sehr sie bereits darunter leidet, dass ihre Enkelin ohne Mutter aufwachsen muss“, erzählt Anne. Auch sagte die Missionarin ihr zu, dass sie weiterhin viel zu Jesus für sie und ihre Familie beten werde. „Tasneems Großmutter ist zwar Muslimin und glaubt so fest an Allah, wie ich an Jesus glaube. Doch sie reagierte nicht abweisend. Im Gegenteil. Sie bedankte sich von Herzen für die Gebete und nannte mich ihre Tochter“, freut sich Anne. Obwohl sie von dem Schicksal der Familie sehr betroffen ist, weiß Anne auch, dass Jesus aus dieser Situation etwas Gutes entstehen lassen kann. Sie wünscht sich, diese Hoffnung auch der Familie weitergeben zu können.

SAMBIA. Gemeindeleiter schulen und in verschiedenen Gemeinden mitarbeiten: Dafür schlägt das Herz der Liebenzeller Missionare Britta und Hans-Peter Hertler. Seit sieben Jahren leben sie im Norden des Landes und sind seit 2015 rund um die Großstadt Kasama im Einsatz. Gemeinsam mit ihren drei Kindern sind sie derzeit in Deutschland, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben Hans-Peter drei Fragen gestellt.

Wie kommen eure Kinder mit dem Wechsel von Sambia nach Deutschland zurecht?

Zunächst war ihre Freude riesig, nach Deutschland zu kommen. Sie freuten sich auf unsere Familie, deutsche Brezeln und vieles mehr. Aber jetzt, da wir seit einigen Wochen hier sind, merken unsere Kinder, dass Sambia ihr Zuhause ist. Trotzdem fanden sie alle schnell Anschluss im Kindergarten oder in der Schule und auch in der Gemeinde. Nach drei Wochen sagte unser Sohn Noah zu Britta: „Es ist unglaublich, wie viele sich bemühen, mir etwas Gutes zu tun.“ In Kasama erleben wir das oft anders. Dort müssen Kinder ruhig sein und dürfen nicht auffallen. Noahs Klassenkameraden werden zum Beispiel mit Smartphones oder Tablets ruhiggestellt. Ihre Eltern, die meist zur Oberschicht gehören, gehen oft beide arbeiten. Also kümmert sich ein Kindermädchen oder ein älteres Geschwisterkind um die Kleineren – beziehungsweise schaltet das Fernsehen an. Obwohl unsere Kinder Kasama vermissen, sehen sie auch, was Deutschland alles zu bieten hat. Es ist ein komisches „Dazwischensein“.

Welche Herausforderungen erlebt ihr in der Missionsarbeit rund um Kasama?

Die größte Herausforderung ist es, nachhaltige Veränderung zu erreichen. Obwohl die Liebenzeller Mission seit über 30 Jahren von Kasama aus im Norden des Landes arbeitet, habe ich oft den Eindruck, dass wir noch Grundlagenarbeit leisten müssen. Viele Menschen werden geprägt und leben ihren Glauben leidenschaftlich, doch ist es weiterhin eine große Herausforderung, dass es zu dauerhaften Veränderungen kommt. Nichtsdestotrotz bereitet es mir viel Freude, Kontakte zu Einheimischen aufzubauen, und sie in ihrem Glauben und im Alltag zu unterstützen. Stelle ich bei Einzelnen dann eine positive Veränderung fest, ist es mir ein großes Anliegen, ihnen den Rücken zu stärken. Denn viele von ihnen schwimmen in ihrem oft nichtchristlichen Umfeld gegen den Strom und sind froh über jeden, der an ihrer Seite steht. Das Zeugnis dieser sambischen Christen ist dann für ihre Mitmenschen meist viel eindrücklicher und wertvoller, weil es ihnen kein Ausländer, sondern einer von ihnen bringt.

Gibt es ein Erlebnis mit Einheimischen, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Kurz vor unserer Reise nach Deutschland haben wir unser Haus gesäubert. Dabei brachte ich einige Abfälle zu den Mülltonnen am Marktplatz. Als ich die Müllbeutel gerade in den Container werfen wollte, schaute mich ein alter Mann an, der in der Tonne saß und sich vom Abfall ernährte. Mir ist die Armut und die Not der Menschen in Sambia zwar bewusst, und ich verschließe meine Augen nicht davor, sondern versuche den Menschen in meinem Umfeld langfristig zu helfen, aber dieses Bild der äußeren Not – das auch auf eine innere Not hinweist – hat mich wie ein Faustschlag getroffen. Wir als Christen haben einen doppelten Auftrag, diesen Menschen zu helfen.

DEUTSCHLAND. Mit gepackten Koffern und dem Bachelor in der Tasche brach Hannah Kaiser im Oktober auf nach Frankfurt. Dort hieß es für die gebürtige Kaiserstühlerin zunächst Fuß fassen – in einer fremden Stadt und in zwei Gemeinden. Denn Hannah begann sowohl bei der Stadtmission in Niederrad als auch in einer chinesischen Gemeinde zu arbeiten.

Der Jugend den Rücken stärken

„In vielfältige Bereiche hineinfinden und ein neues Umfeld aufbauen – das galt es zunächst zu meistern“, schildert Hannah, die gerade ihr Studium an der Internationalen Hochschule Liebenzell absolviert hatte und durch die Liebenzeller Mission Kontakt zu den beiden Gemeinden bekam. Der Einstieg fiel der Absolventin überraschend leicht. Herzlich wurde sie von den Mitgliedern aufgenommen und rasch integriert. In der chinesischen Gemeinde begann Hannah die Jugendarbeit zu leiten und neu zu beleben. „Für viele Jugendliche konnte die Gemeinde bisher kein Zuhause sein, weil sie viel stärker ‚deutsch ticken‘ als ihre Eltern.“ Das hätte zur Folge, dass einige mit Identitäts- und Zugehörigkeitsproblemen kämpften. Hannah möchte die junge Generation in ihrem Glauben stärken und ihr einen neuen Zugang zu ihrer Gemeinde verschaffen: „Ich merke, dass es vielen gut tut, eine Bezugsperson zu haben, die ihnen ihren Platz freiräumt.“ Trotz kultureller und sprachlicher Hürden fühlt sich Hannah dort am richtigen Platz.

Andere Kulturen, andere Sitten

So auch bei der Stadtmission, wo sie ebenfalls den Gemeindenachwuchs fördert. Die 23-Jährige hilft dort bei drei Kindergruppen und in der Sonntagsschule, gibt Nachhilfe sowie Gitarrenunterricht, und baut die Gebetsarbeit aus. Die verschiedenen Aufgaben machen ihr Spaß und lassen Hannah das anwenden, was sie in ihrem Studiengang „Theologie/Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext“ gelernt hat. „Zwar habe ich nicht auf alles eine Antwort, doch bekam ich viel Handwerkszeug für meine jetzigen Aufgaben mit auf den Weg.“ Auch von den Professoren und Missionaren konnte Hannah manches für sich mitnehmen: „Aus ihren Erfahrungen mit anderen Kulturen und Meinungen kann ich nun profitieren.“ Zudem habe ihr das Zusammenleben auf dem Missionsberg mit Gleichaltrigen aus verschiedenen Kontexten geholfen, einen Weitblick für andere Einstellungen zu bekommen.

Gott greift ein

Dass es neben solchen Fähigkeiten aber vor allem auf Gottes Handeln ankommt, das durfte Hannah erst kürzlich wieder erleben. Eine alleinerziehende Mutter und ihr zehnjähriger Sohn kommen regelmäßig zum Gottesdienst der Stadtmission. Der Junge ist sehr intelligent, kann seine Emotionen aber schlecht kontrollieren. Die Mutter, die seit dem Tod ihres Mannes zwei Jobs nachgeht, wirkt abgekämpft und tut sich schwer, ihren Sohn zu bändigen. Das fiel neben Hannah auch einer Kollegin auf, und die beiden fingen an, für den Jungen zu beten. Weitere aus der Gemeinde schlossen sich ihnen an. Dass viele für das Kind beteten, spürte die Mutter bald. Sogar seine Lehrerin stellte eine Veränderung fest. „Wir sind dankbar, dass Gott an dem Jungen wirkt, er gerne kommt und Jesus wirklich lieb hat“, freut sich Hannah. Er könne sich schon besser kontrollieren und höre bei den biblischen Geschichten viel aufmerksamer zu.

PAPUA-NEUGUINEA. Nach drei Monaten auf hoher See fiel im Sommer 1914 der Anker vor Manus. Die Liebenzeller Missionare Friedrich Doepke und Hermann Kraft waren am Ziel ihrer Reise. Hier also wollten sie das Evangelium verkünden. Viel wussten sie nicht über die mit Urwald bedeckte Vulkaninsel, außer: „Dort herrscht die Menschenfresserei“, wie Friedrich Doepke in seinen Aufzeichnungen festhielt. Vom Hafen aus fuhren sie mit einem Kanu die Küste entlang.

Wo die beiden auch anlegten, signalisierten ihnen die Insulaner, dass sie nicht willkommen waren. Sie fuhren weiter und entdeckten erneut eine günstige Stelle für eine Missionsstation: „Dieser Platz sah genauso aus, wie ich ihn kurz vorher im Traum hatte sehen dürfen“, schrieb Friedrich Doepke. An Land trafen sie auf einige Männer, die mit Speeren bewaffnet waren. Durch Handzeichen versuchten die Missionare, mit ihnen zu kommunizieren. Überraschend bekamen sie das gewünschte Land. Unter neugierigen Blicken machten sich Friedrich Doepke und Hermann Kraft an den Aufbau der Station. Obwohl sie einen schweren Rückschlag durch einen Brand erlebten, waren die Aufbauarbeiten viel einfacher als der innere Aufbau – die Arbeit an den Seelen der Menschen. Nur langsam konnten die Missionare die Sprache der Einheimischen erforschen. Es dauerte lange, bis diese Vertrauen schöpften und ihre Kinder in die Schule der beiden Deutschen schickten. Dafür verlangten die Familien ein Geschenk. So auch, wenn die Missionare Kranke pflegten: Sie forderten eine Entlohnung, selbst wenn ihnen geholfen wurde. „Es brauchte viel Gnade und Liebe“, notierte der Missionar. Auch sie selbst wurden häufig von Malaria und Schwarzfieber heimgesucht. Nach sechs Jahren musste Hermann Kraft die Insel krankheitsbedingt verlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich kein einziger Insulaner für Jesus Christus entschieden.

Zwei Jahre später kam Maria Imberger, die Verlobte Friedrich Doepkes, auf die Insel. Sie heirateten und führten die Missionsarbeit auf Manus gemeinsam fort. Ein weiteres Jahr verging, bis ein lang erhofftes Wunder geschah: Polokes ließ sich als erster Einheimischer taufen. Mit ihm an seiner Seite zog Friedrich Doepke fortan durch den Busch, um auch Menschen in bisher unerreichten Dörfern die gute Botschaft von Jesus Christus zu bringen. Nach und nach entstanden in den Inselbezirken viele Kirchen, und es brauchte weitere Missionare auf Manus.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, verkündeten dort neben Friedrich und Maria Doepke auch die ungarische Missionsschwester Mária Molnár sowie Familie Julius und Leni Gareis das Evangelium. Bald besetzten die Japaner Manus und verbreiteten Angst und Schrecken. Sie ließen die Insulaner Zwangsarbeiten verrichten und beorderten alle anwesenden Liebenzeller Missionare im März 1943 auf das Kriegsschiff „Akikaze“. Dort wurden sie am 17. März mit rund 60 weiteren Europäern erschossen. Der kleine Erich Gareis wurde, wie die anderen Kinder, ins Meer geworfen. Die Wirren des Krieges setzten dem Leben der Missionare ein Ende – nicht aber der Missionsarbeit in Papua-Neuguinea.

Heute, 75 Jahre später, ist die Evangelische Kirche von Manus selbstständig. Auch die 1987 entstandene Bibelschule (BTC) soll im Juni 2018 in die Hände Einheimischer übergehen.

Der Film „Aufbruch ins Unbekannte“ nimmt Sie hinein in die Höhen und Tiefen der Pioniermission in Manus. Und in das Leben von Friedrich Doepke. Bestellen Sie die DVD (Spieldauer: 50 Min.) zum Sonderpreis von 8 € unter Telefon 07052 17-296.

Hintergrundinfos, Trailer und Bestellung: www.aufbruch-ins-unbekannte.de

MALAWI. Gemeinsam Gutes tun – das haben sich 50 Pastoren rund um Chilonga vorgenommen. Unter ihnen ist auch der Liebenzeller Missionar Tobias Müller, der gemeinsam mit seiner Frau Sarah das christliche Dorfentwicklungsprojekt „Ubwenzi“ leitet. Ende Dezember unterstützte die Gruppe die Witwe eines verstorbenen Häuptlings. Sie bauten ihr eine Feuerstelle, gruben eine Toilette aus und bearbeiteten das Maisfeld. Auch acht Mitglieder der Liebenzeller Gemeinschaft Ihringen kamen an diesem Tag hinzu und griffen den Pastoren unter die Arme.

„Mehr über die Arbeit von Sarah und Tobias erfahren, Land und Leute kennenlernen und selbst mit anpacken – das war unser Ziel. Dass wir all das direkt am ersten Tag umsetzen konnten, war einfach genial“, schildert der Ihringer Pastor Frank Claus. Tatkräftig ging es in den nächsten Tagen weiter. Gemeinsam mit den Missionaren errichtete die Gruppe drei Schranken auf dem Gelände. Nachdem 2016 ein Wärter bei einem Überfall ums Leben kam, sollen diese dazu beitragen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Auch eröffneten sie einen von zwei Brunnen, die die Gemeinschaft finanziert hatte. „Es war schön zu sehen, dass der Name unserer Gemeinde einen Brunnen tief im malawischen Busch ziert“, freut sich der Ihringer Pastor. Anschließend zeigte Tobias ihm und den anderen Mitgliedern seiner Heimatgemeinschaft die „Ubwenzi“-Schule mit dem neuen Anbau, bei dem die umliegenden Dörfer integriert werden: „Tobias erklärte, wie wichtig es sei, den Menschen nicht alles bereitzustellen oder zu schenken, sondern sie einzubinden, damit sie selbstständig werden. Um sich zu beteiligen, verpflichtete sich jedes Dorf, Ziegelsteine für den Schulbau zu brennen.“ Dieser Ansatz begeisterte Claus, der in einem Dorf Überreste der Ziegelsteinfertigung entdeckte.

Es folgten weitere faszinierende und abenteuerliche Momente. Mehrmals fuhr die Gruppe in einem offenen Pickup durch den Busch, um abgelegene Gemeinden zu besuchen. „Immer wieder planten die Leiter den Gottesdienst erst kurz vor Beginn“, berichtet der langjährige Pastor. Nicht nur das erstaunte ihn: „Die Afrikaner singen und lachen viel, und sie lieben gute Geschichten, die die biblischen Botschaften veranschaulichen.“ Gerade Letzteres forderte Claus bei seiner ersten Predigt an Silvester heraus. „Ich war zum ersten Mal und erst seit vier Tagen im Land. Daher war es für mich nicht leicht, alltägliche Beispiele aus dem fremden Kontextes zu wählen.“ Doch bekräftigten ihn die strahlenden Gesichter, in die er schaute.

Neben den Predigtdiensten blieb dem 45-Jährigen vor allem das Pastorentreffen in guter Erinnerung. Viele der Pastoren, die er am ersten Tag kennenlernte, waren dabei. Wie sie über biblische Aussagen und theologische Fragen diskutierten, und sich dabei trotz der unterschiedlichen Denominationen gut verstanden, beeindruckte Claus. Einen der Pastoren besuchte er anschließend mit den Eltern von Tobias, die auch zu Besuch waren. Voller Freude zeigte der Pastor sein Land und bedankte sich, denn das Saatgut bekam er von Tobias. „Die Zeit in Malawi war sehr bereichernd. Vor allem beeindruckte mich, mit wie viel Hingabe und Opferbereitschaft die Pastoren ihren Dienst tun, obwohl sie täglich selbst um ihre Existenz kämpfen müssen“, sagt Claus. Darüber hinaus habe der Einsatz auch den Zusammenhalt untereinander gestärkt: „Wir teilen viele neue Erfahrungen und konnten diese abends gemeinsam reflektieren. Das tat gut.“ Mit den gewonnen Eindrücken im Gepäck ging es nach 16 Tagen zurück nach Ihringen, wo die Gruppe in ihrer Gemeinde von den Erlebnissen in Malawi berichten konnte.

BURUNDI. Seit 2010 leben Alex und Tabea Biskup mit ihren Kindern in Burundi. Alex ist Teamleiter der Liebenzeller Missionare in dem afrikanischen Land, unterrichtet an einer Bibelschule, koordiniert die Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen und ist zu Predigtdiensten im Land unterwegs. Tabea schult Mitarbeiter für die Sonntagsschule. Burundi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. In den 1990er Jahren starben schätzungsweise 300.000 Menschen durch den Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi. 2015 kam es zu politischen Unruhen, in deren Folge einige Organisationen ihre Mitarbeiter aus Burundi abgezogen haben. Familie Biskup ist in den nächsten Monaten in Deutschland unterwegs, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben Alex drei Fragen gestellt.

Nach den Unruhen in der Vergangenheit: Wie ist die aktuelle Lage in Burundi?

Im Vergleich zu 2015 ist die Situation jetzt viel stabiler. Man hört keine Schießereien und Explosionen mehr. Es findet mittlerweile auch wieder in der Hauptstadt Bujumbura öffentliches Leben statt. Trotzdem leben die Menschen in Angst, keiner weiß, was die Zukunft bringt. Hilfszahlungen aus dem Ausland wurden teilweise ausgesetzt. Darüber hinaus ist die wirtschaftliche Situation ist nach wie vor sehr angespannt. Es ist schwer, an Devisen zu kommen. Wir können aber wieder ohne Probleme in Gemeinden gehen und auch unsere Projekte laufen ohne Einschränkungen.

Ihr lebt mit euren drei Kindern in Burundi. Jetzt seid ihr für ein knappes Jahr in Deutschland. Wie gehen eure Kinder damit um?

Am liebsten würden unsere Kinder gleich wieder zurück nach Burundi. Das ist ihr Zuhause. Die Umgewöhnung auf die Schule in Deutschland ist für unsere große Tochter eine Herausforderung. Aber sie wurde sehr herzlich von ihren Mitschülern und Lehrern empfangen. Und sie kann nun zu Fuß zur Schule gehen und auch mal ohne Mama und Papa unterwegs sein. Das genießt sie sehr. Und doch kommt immer mal wieder bei unseren Kindern Heimweh nach Burundi hoch.

Was braucht Afrika am dringendsten?

Afrika braucht noch mehr Menschen, die sich für ihr Land und ihre Bevölkerung einsetzen. Gerade junge Menschen brauchen eine Perspektive in ihrem Land. Es gibt viele Leute, die etwas bewegen wollen – für ihr Land und in den christlichen Gemeinden. Sie brauchen Chancen, ihr Potenzial zu entfalten.
Was ich vor allem unter den Jugendlichen sehe, ist der Mangel an guten Vorbildern. Sie fühlen sich von den Älteren im Stich gelassen und sehnen sich nach Vorbildern, an denen sie sich orientieren können. Also Einheimische, die Hoffnung geben, die mutig vorangehen und die Probleme der Bevölkerung ernst nehmen und angehen.

KANADA. Bei minus 25 Grad auf der Straße leben: Das ist für viele unvorstellbar, doch für tausende Menschen in Toronto eiskalte Realität. Auch der gebürtige Italiener Ernesto zählt zu den sozial Schwächsten in der Millionenmetropole. Obwohl er einst als Koch gearbeitet und später sogar ein Baugeschäft geleitet hatte, lebt der 75-Jährige heute in großer Armut. Doch kann seine Lebensfreude nichts trüben, denn er hat etwas, das ihm viel mehr Sicherheit gibt als Geld: Er trägt Jesus Christus in seinem Herzen.

Jeden Montag geht Ernesto ins Dale – eine Kirchengemeinde ohne festen Sitz, die sich regelmäßig in verschiedenen Räumen im Künstlerviertel der Stadt trifft. Dort lernte er im Herbst die impactlerin Debora Kümmel kennen. Die 18-Jährige, die als Missionarskind in Kanada aufwuchs und nun einen Kurzeinsatz bei der Liebenzeller Missionarsfamilie Mattmüller absolviert, hilft ab und zu beim Mittagessen im Dale. Ohne Berührungsängste setzt sie sich zu den Obdachlosen an den Tisch und unterhält sich mit ihnen. Auf diesem Weg lernten sich auch Debora und Ernesto kennen.

Wenige Wochen später fand eine große Weihnachtsfeier statt. Dabei kamen die beiden erneut ins Gespräch – diesmal über Weihnachten. Obwohl Debora Ernesto als einen lebensfrohen Mann kennenlernte, hielt sie bei diesem Thema die Luft an: “Ich ging davon aus, dass Weihnachten keine einfache Zeit für ihn ist”, schildert die 18-Jährige. Eisige Kälte, Einsamkeit und finanzielle Not – all das ging ihr durch den Kopf. Umso mehr überraschte sie Ernestos Reaktion. Mit leuchtenden Augen sagte er: “Weißt du, für mich passiert Weihnachten in meinem Herzen. Ich laufe die Straßen entlang, aber niemals alleine. Jesus ist an meiner Seite. Ich brauche keinen Raum, keine Kirche, um zu beten. Ich bete einfach an der Straßenecke zu Gott und er hört mich trotzdem.” So wurde Debora neu bewusst: “Gott ist das Licht in der Dunkelheit. Seine Liebe und Hoffnung, die wir in Jesus finden, offenbart sich auch in den Menschen, die uns oft so hilflos erscheinen.” Als sie spät abends nach Hause lief, richtete sie ihren Blick nicht mehr auf die auffälligen Straßenlichter und Dekorationen, sondern auf die Menschen, denen sie begegnete.

SAMBIA. Es herrscht Regenzeit im Land. Gerade im Norden regnet es von Oktober bis April viel und heftig. So auch an jenem Samstag, an dem die Liebenzeller Missionare Carmen und Manuel Sept gemeinsam mit ihrer sambischen Gastgeberfamilie im Haus saßen. Sie beteten für besseres Wetter, denn Manuel und der Gemeindeälteste Mulenga wollten am nächsten Tag eine 30 Kilometer entfernte Gemeinde besuchen. Da nur eine schlechte Straße dorthin führte, entschlossen sich die beiden, mit dem Fahrrad zu fahren.

Am nächsten Morgen gab es Grund zur Freude: “Wir baten Gott um gutes Wetter und er schenkte es. Kein Tropfen kam vom Himmel herab und die Sonne schien”, berichtet Manuel. Und so ging es für ihn und Mulenga drei Stunden über Stock und Stein durch die sambische Buschlandschaft. Als die beiden das kleine Dorf erreichten, wurden sie von den Bewohnern freudig empfangen. Bald darauf begann der Gottesdienst, bei dem Mulenga eine Bibelarbeit hielt und Manuel predigte. Rund 60 Kinder und Erwachsene kamen und hörten aufmerksam zu. Manuel war begeistert: “Obwohl die Dorfbewohner abgeschirmt von der Zivilisation in kleinen Lehmhütten ohne Strom und fließendes Wasser leben, ist es vielen wichtig, ihren Alltag mit Jesus zu leben.”

Im Anschluss an den Gottesdienst besuchten die beiden ein junges Ehepaar im Dorf. Justin, ein 30-Jähriger Sambier, erlitt vor kurzem einen schweren Schlaganfall. “Da er seither weder laufen noch eigenständig sitzen kann, liegt er die meiste Zeit im Bett”, schildert Manuel. Dennoch lächelte er, denn er freute sich über den Besuch der beiden Männer und ihre ermutigenden Worte. Sie überreichten Justin eine Hörbibel auf einem solarbetriebenen MP3-Player und beteten für ihn und seine Frau. Dann brachen sie wieder auf, um vor Sonnenuntergang zurück in Mpika zu sein. Nach ihrer Rückkehr waren sich Manuel und Mulenga sicher: “Wir werden weitere abgelegene Dörfer besuchen, um noch mehr Menschen durch Gottes Wort zu ermutigen. In wenigen Tagen machen wir uns wieder mit dem Rad auf den Weg.”

MONACO. Mit einer kleinen Gruppe Grundschüler saß die Liebenzeller Missionarin Vroni Urschitz im Laderaum eines Kleinbusses. Sie zeigte ein Bild von einer Wasserstelle in Malawi und fragte: “Würdet ihr davon trinken oder euch damit waschen?” Niemals, das sei doch viel zu schmutzig. Ein Junge wunderte sich, warum die Menschen nicht einfach zum Wasserhahn gingen? Dann erzählte Vroni, dass Kinder in Afrika oft viele Kilometer zur Schule laufen und wollte von der Gruppe wissen, wie ihr Schulweg aussieht? “Das hängt davon ab, ob wir im Sommer- oder im Winterhaus wohnen”, sagte ein Mädchen. Ein anderer berichtete stolz, dass er schon mal in Afrika war – zum Jachturlaub mit seiner Familie. Kulturschock in Monaco – nicht nur für die Schüler, sondern auch für Vroni und ihren Mann Johannes, die bei einer Messe am Hafen das christliche Dorfentwicklungsprojekt “Ubwenzi” vorstellten.

Zu der Ausstellung hatte sie der Solarfachmann und langjährige Projektunterstützer Harald Leitl eingeladen. Dieser präsentierte einen solarbetriebenen Ambulanz-Wagen, der viele Neugierige an den gemeinsamen Stand lockte. In den fünf Ausstellungstagen konnten Vroni und Johannes rund 130 Schülern von der Missionsarbeit in Malawi erzählen. “Da die meisten aus wohlhabenden Familien kamen und teilweise noch nie mit Armut konfrontiert wurden, fiel es den Schülern schwer, sich in die Lage eines gleichaltrigen Kindes in Afrika zu versetzen”, stellte Vroni fest. Desto mehr die Schüler von dem Leben in Malawi erfuhren, desto mehr Entsetzen machte sich breit: “Was ist, wenn die Kinder krank sind und keinen Arzt haben? Das geht doch nicht!” Im gleichen Zug wurde Vroni gefragt, wieso sie und ihre Familie freiwillig in Malawi leben? Sie erklärte, dass ihr Glaube an Gott sie dazu motiviert. “Welcher Gott?” oder “Es gibt doch gar keinen Gott” bekam sie dann zu hören. Vroni erklärte den Schüler, was ein Missionar ist und macht, und dass es einen Gott gibt, der alle Menschen liebt, und mit dem sie jeden Tag redet. Das sei für viele Kinder etwas völlig Neues gewesen und hätte einige zum Nachdenken gebracht.

Am letzten Ausstellungstag besuchte Fürst Albert von Monaco überraschend den Stand der Missionare. Er erkundigte sich nach dem “Ubwenzi”-Projekt und erzählte, er wäre schon in Malawi gewesen und habe dort eine Schule eröffnet. Nach der Messe bekamen Vroni und Johannes eine Nachricht von der Grundschule in Monaco. Da ihre Schüler den Kindern in Malawi helfen wollten, könne sich die Schule vorstellen, Bücher oder Möbel für die “Ubwenzi”-Grundschule zu finanzieren. Darüber freuten sich die Missionare sehr, doch bleibt ihnen eines besonders in Erinnerung: “Obwohl sie nicht unterschiedlicher sein könnten, verbindet Malawi und Monaco, dass viele Menschen, die dort leben, Gott nicht kennen und dringend das Evangelium brauchen.”