BURUNDI. Seit 2010 leben Alex und Tabea Biskup mit ihren Kindern in Burundi. Alex ist Teamleiter der Liebenzeller Missionare in dem afrikanischen Land, unterrichtet an einer Bibelschule, koordiniert die Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen und ist zu Predigtdiensten im Land unterwegs. Tabea schult Mitarbeiter für die Sonntagsschule. Burundi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. In den 1990er Jahren starben schätzungsweise 300.000 Menschen durch den Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi. 2015 kam es zu politischen Unruhen, in deren Folge einige Organisationen ihre Mitarbeiter aus Burundi abgezogen haben. Familie Biskup ist in den nächsten Monaten in Deutschland unterwegs, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben Alex drei Fragen gestellt.

Nach den Unruhen in der Vergangenheit: Wie ist die aktuelle Lage in Burundi?

Im Vergleich zu 2015 ist die Situation jetzt viel stabiler. Man hört keine Schießereien und Explosionen mehr. Es findet mittlerweile auch wieder in der Hauptstadt Bujumbura öffentliches Leben statt. Trotzdem leben die Menschen in Angst, keiner weiß, was die Zukunft bringt. Hilfszahlungen aus dem Ausland wurden teilweise ausgesetzt. Darüber hinaus ist die wirtschaftliche Situation ist nach wie vor sehr angespannt. Es ist schwer, an Devisen zu kommen. Wir können aber wieder ohne Probleme in Gemeinden gehen und auch unsere Projekte laufen ohne Einschränkungen.

Ihr lebt mit euren drei Kindern in Burundi. Jetzt seid ihr für ein knappes Jahr in Deutschland. Wie gehen eure Kinder damit um?

Am liebsten würden unsere Kinder gleich wieder zurück nach Burundi. Das ist ihr Zuhause. Die Umgewöhnung auf die Schule in Deutschland ist für unsere große Tochter eine Herausforderung. Aber sie wurde sehr herzlich von ihren Mitschülern und Lehrern empfangen. Und sie kann nun zu Fuß zur Schule gehen und auch mal ohne Mama und Papa unterwegs sein. Das genießt sie sehr. Und doch kommt immer mal wieder bei unseren Kindern Heimweh nach Burundi hoch.

Was braucht Afrika am dringendsten?

Afrika braucht noch mehr Menschen, die sich für ihr Land und ihre Bevölkerung einsetzen. Gerade junge Menschen brauchen eine Perspektive in ihrem Land. Es gibt viele Leute, die etwas bewegen wollen – für ihr Land und in den christlichen Gemeinden. Sie brauchen Chancen, ihr Potenzial zu entfalten.
Was ich vor allem unter den Jugendlichen sehe, ist der Mangel an guten Vorbildern. Sie fühlen sich von den Älteren im Stich gelassen und sehnen sich nach Vorbildern, an denen sie sich orientieren können. Also Einheimische, die Hoffnung geben, die mutig vorangehen und die Probleme der Bevölkerung ernst nehmen und angehen.