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Britta und Hans-Peter Hertler: Der doppelte Auftrag

SAMBIA. Gemeindeleiter schulen und in verschiedenen Gemeinden mitarbeiten: Dafür schlägt das Herz der Liebenzeller Missionare Britta und Hans-Peter Hertler. Seit sieben Jahren leben sie im Norden des Landes und sind seit 2015 rund um die Großstadt Kasama im Einsatz. Gemeinsam mit ihren drei Kindern sind sie derzeit in Deutschland, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben Hans-Peter drei Fragen gestellt.

Wie kommen eure Kinder mit dem Wechsel von Sambia nach Deutschland zurecht?

Zunächst war ihre Freude riesig, nach Deutschland zu kommen. Sie freuten sich auf unsere Familie, deutsche Brezeln und vieles mehr. Aber jetzt, da wir seit einigen Wochen hier sind, merken unsere Kinder, dass Sambia ihr Zuhause ist. Trotzdem fanden sie alle schnell Anschluss im Kindergarten oder in der Schule und auch in der Gemeinde. Nach drei Wochen sagte unser Sohn Noah zu Britta: „Es ist unglaublich, wie viele sich bemühen, mir etwas Gutes zu tun.“ In Kasama erleben wir das oft anders. Dort müssen Kinder ruhig sein und dürfen nicht auffallen. Noahs Klassenkameraden werden zum Beispiel mit Smartphones oder Tablets ruhiggestellt. Ihre Eltern, die meist zur Oberschicht gehören, gehen oft beide arbeiten. Also kümmert sich ein Kindermädchen oder ein älteres Geschwisterkind um die Kleineren – beziehungsweise schaltet das Fernsehen an. Obwohl unsere Kinder Kasama vermissen, sehen sie auch, was Deutschland alles zu bieten hat. Es ist ein komisches „Dazwischensein“.

Welche Herausforderungen erlebt ihr in der Missionsarbeit rund um Kasama?

Die größte Herausforderung ist es, nachhaltige Veränderung zu erreichen. Obwohl die Liebenzeller Mission seit über 30 Jahren von Kasama aus im Norden des Landes arbeitet, habe ich oft den Eindruck, dass wir noch Grundlagenarbeit leisten müssen. Viele Menschen werden geprägt und leben ihren Glauben leidenschaftlich, doch ist es weiterhin eine große Herausforderung, dass es zu dauerhaften Veränderungen kommt. Nichtsdestotrotz bereitet es mir viel Freude, Kontakte zu Einheimischen aufzubauen, und sie in ihrem Glauben und im Alltag zu unterstützen. Stelle ich bei Einzelnen dann eine positive Veränderung fest, ist es mir ein großes Anliegen, ihnen den Rücken zu stärken. Denn viele von ihnen schwimmen in ihrem oft nichtchristlichen Umfeld gegen den Strom und sind froh über jeden, der an ihrer Seite steht. Das Zeugnis dieser sambischen Christen ist dann für ihre Mitmenschen meist viel eindrücklicher und wertvoller, weil es ihnen kein Ausländer, sondern einer von ihnen bringt.

Gibt es ein Erlebnis mit Einheimischen, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Kurz vor unserer Reise nach Deutschland haben wir unser Haus gesäubert. Dabei brachte ich einige Abfälle zu den Mülltonnen am Marktplatz. Als ich die Müllbeutel gerade in den Container werfen wollte, schaute mich ein alter Mann an, der in der Tonne saß und sich vom Abfall ernährte. Mir ist die Armut und die Not der Menschen in Sambia zwar bewusst, und ich verschließe meine Augen nicht davor, sondern versuche den Menschen in meinem Umfeld langfristig zu helfen, aber dieses Bild der äußeren Not – das auch auf eine innere Not hinweist – hat mich wie ein Faustschlag getroffen. Wir als Christen haben einen doppelten Auftrag, diesen Menschen zu helfen.