DEUTSCHLAND. „Ostdeutschland ist für den christlichen Glauben gar kein so hartes Pflaster, wie gemeinhin angenommen wird.“ Das sagt der 22-jährige Samuel Voigt, der selbst in Stendal (Sachsen-Anhalt), rund 50 Kilometer nördlich von Magdeburg, aufgewachsen ist. Er studiert seit 2015 Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext an der Internationalen Hochschule (IHL) in Bad Liebenzell. Von Februar bis Juli absolvierte er ein Praktikum in der „Oase“, einem sozialmissionarischen Gemeindegründungsprojekt der Liebenzeller Mission in Neubrandenburg – und das hinterließ bei ihm segensreiche Spuren.

Studium hinterfragt hilfreich den christlichen Glauben

Voigt wuchs mit fünf Geschwistern in einer gläubigen Familie auf, die sich in der evangelischen Landeskirche engagiert. Da seinen Eltern der Glaube auch im Urlaub sehr wichtig ist, besuchten sie mehrere Familienfreizeiten in den Christlichen Gästehäusern im Monbachtal bei Bad Liebenzell, die zur Liebenzeller Mission gehören. So kam es zu ersten Begegnungen mit dem Missionswerk. Daneben lernte Voigt auch die Freikirchen wie Baptisten kennen und schätzen. Er absolvierte nach seinem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr beim deutschen Sitz der Missionsgemeinschaft „Fackelträger“ in Obernhof bei Limburg (Lahn). Dort wuchs bei ihm der Wunsch, Soziale Arbeit zu studieren. Zuerst dachte er daran, das an einer staatlichen Universität zu belegen. Da ihm aber der theologische Schwerpunkt dabei sehr wichtig war und nachdem ihm ein Student von seinem Studium an der IHL vorschwärmte, entschloss er sich, 2015 in den Nordschwarzwald zu ziehen und dort auch zu studieren. Der an IHL der Liebenzeller Mission angebotene Studiengang verbindet theologische, interkulturelle, missionswissenschaftliche, humanwissenschaftliche und sozialarbeiterische Kompetenzen. „Das Gesamtpaket passt einfach“, so Voigt auf die Frage, was ihm an dem Studium besonders gefällt. Hier bekomme man nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch neue Denkanstöße. „Mein Glaube wird immer wieder hilfreich hinterfragt und ich schätze es, mich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.“ An der IHL gefällt ihm auch die Gemeinschaft mit den anderen rund 250 Mitstudenten: „Die Freunde befinden sich quasi direkt vor der Haustür“, so Voigt. Und das kommt ihm sehr entgegen, schließlich liebt er es, Freundschaften zu leben. Außerdem ist er leidenschaftlicher Mannschaftssportler; er spielt gerne Fußball. Und auch der Lobpreis ist dem Klavierspieler eine Herzenssache und kommt in Bad Liebenzell nicht zu kurz.

„Mir liegen Beziehungen und Freundschaften am Herzen“

In der wöchentlichen „Chapel Hour“ für alle Mitarbeiter und Studenten der Liebenzeller Mission berichten Missionare immer wieder von ihrer Arbeit und stellten sie vor. Und hier lernte Voigt auch die „Oase“ kennen. Die Liebenzeller Mission startete 2006 das Projekt im „Reitbahnviertel“ in Neubrandenburg. Die meisten Kindern und Jugendliche wachsen in dem Plattenbauviertel in armen Verhältnissen auf. Es gibt viele Patchwork-Familien. Gewalt, Drogen und Alkohol sind keine Seltenheit. Die Oase bietet konkrete (Lebens-)Hilfe und die Mitarbeiter der Liebenzeller Mission leben vor, wie eine lebendige Beziehung zu Gott Sinn und Hoffnung gibt. Ihr Angebot umfasst Begegnungsfrühstücke für jedermann, Jungscharen, Abende für Teenager im Jesus-Café, Glaubenskurse und Lobpreis- und Gebetsabende. Außerdem gibt es Kochkurse und Hausaufgabenbetreuung sowie Freizeiten für Kinder und Teenager. Und die Mitarbeiter besuchen Menschen, die in Not sind, um ihnen praktisch zu helfen. Denn jeder soll Gottes Liebe erleben. Da für alle Studenten von „Theologie und Sozialer Arbeit“ ein sechsmonatiges Praktikum verpflichtend ist, entschloss sich Voigt, dieses in Brandenburg zu absolvieren: „Mir ist die Beziehungsarbeit sehr wichtig und das reizte mich.“ Von Februar bis Juli konnte Voigt dabei ausprobieren, welche Altersgruppe ihm am meisten liegt und so verbrachte er die meiste Zeit mit Jugendlichen, trieb mit ihnen Sport und lud sie zu Spiel- und Gesprächsabende zu sich ein. Gefallen hat ihm an der „Oase“, dass sie viele offene Angebote macht, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tiefgehende Beziehungen zu den Jugendlichen aufbauen und ihnen Jesus Christus näherbringen. „Immer wieder wurde ich von unterschiedlichen Menschen eingeladen und konnte neben der Arbeit auch teilhaben an ihrem persönlichen Leben. Ich fühlte mich von Anfang an als Teil des Ganzen, als Teil einer großen Familie, die hier ihren Dienst für die Menschen und Jesus tut.“ Das Vertrauen von und zu den Menschen wuchs in einer Geschwindigkeit, die er sich niemals hätte ausmalen können. Besonders im direkten Kontakt mit den Menschen spürte er, wie sein Herz für diese Arbeit schlug. „Treffen mit jungen Erwachsenen oder Jugendlichen häuften sich mit der Zeit und begannen mit zu meinen liebsten ‚Arbeitszeiten‘ zu gehören.“ An den Mitarbeitern beeindruckte ihn ihre Hingabe im Glauben und ihr Vertrauen auf Gott. „Das sind Punkte, die ich mir für mein eigenes Leben mitnehmen und aneignen will. Sie haben mir einen neuen Blick darauf gegeben, nicht nur, was es heißt Jünger Jesu zu sein, sondern ebenso, was es heißt Menschen zu Jüngern und Nachfolgern Jesu zu machen. Ich kam, um Menschen etwas zu geben, aber gehe aus der Zeit in der Oase selbst als ein Beschenkter heraus.“

Getrost die Zukunft angehen

Im Sommer ist Voigt mit seinem Studium dann fertig. Und was kommt danach? „Ich überlege zurzeit stark, noch ein Theologie-Studium draufzusetzen, gerne auch in Bad Liebenzell“. Denn ihm ist die Mission immer mehr ans Herzen gewachsen. „Dabei benötige ich ein gutes theologisches Fundament, um die existentiellen Lebensfragen meiner Mitmenschen gut beantworten zu können.“ Später möchte Voigt gerne in christlichen Gemeinden in Deutschland sozialmissionarisch arbeiten. „Mir liegt die Arbeit mit Menschen, die nicht im christlichen Glauben stehen, sehr am Herzen“. Dabei schaut er getrost in die Zukunft, schließlich ist ihm der Zuspruch Gottes aus Josua 1,9 sehr wichtig geworden: „Ich sage dir: Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ („Neues Leben“ Bibelübersetzung) Über diesen Vers ist er in den vergangenen Jahren immer wieder „gestolpert“ und er hat ihn geprägt: „Ich kann meine Zukunft gelassen angehen. Gottes Zuspruch und Ermutigung tun gut, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht.“

MALAWI. Einen großen Zulauf verzeichnen der Kindergarten und die Schule der Liebenzeller Mission im Chilonga-Gebiet in Malawi: Voraussichtlich 62 Kinder werden künftig im Kindergarten betreut; 240 Schüler in den Klassen 1 bis 6 starten ins neue Schuljahr, teilen die Missionare Veronika und Johannes Urschitz mit. Für die Schule mussten noch drei neue Lehrer gefunden und angestellt werden. Nach mehreren Gesprächen und Tagen Probeunterricht waren die Missionare sehr dankbar, dass sie drei neue Lehrer für das kommende Schuljahr unter Vertrag nehmen konnten. „Leider hat uns im August die Nachricht erreicht, dass zwei der neuen Lehrer, obwohl sie bereits die Verträge unterschrieben hatten, vom Bildungsministerium Platzzuteilungen bei staatlichen Schulen bekommen haben und dort zusagen möchten. Zusätzlich hat ein langjähriger Lehrer auf Ende September gekündigt, da er eine Weiterbildung im theologischen Bereich absolvieren möchte. Wir sind sehr dankbar, dass wir alle drei Plätze gerade noch rechtzeitig vor Schulbeginn am 10. September neu besetzen konnten.

Bausteine für neues Lehrerhaus reichen nicht aus

Für den Schulausbau war ein dringend benötigtes Lehrerhaus geplant, das nach Möglichkeit zum Schulbeginn Anfang September zur Verfügung stehen sollte. Es musste Baumaterial besorgt, der Grundriss vermessen, ein Bauteam zusammengestellt und Absprachen getroffen werden, um möglichst schnell mit dem Bau beginnen zu können. Inzwischen ist das Lehrerhaus halb fertig. „Wir haben nun keine Bauziegel mehr, da im vergangenen Jahr keine Ziegel hergestellt wurden und die Bausteine von 2016 nun aufgebraucht sind.“ Auch wenn jetzt die Dorfbevölkerung mit der Produktion der von neuen Ziegeln begonnen hat, wird das Lehrerhaus nicht bis zum Schulbeginn fertig. Nun sollen Häuser für zwei neue Lehrer im Dorf gemietet werden. Ein geeignetes Haus konnte inzwischen gefunden werden, für den zweiten Lehrer sind die Missionare noch auf der Suche nach einem passenden Haus.

Die Liebenzeller Mission ist seit 1992 in Malawi tätig, unter anderem im Chilonga-Gebiet, das sich selbst für afrikanische Verhältnisse jenseits der Zivilisation befindet. Schlechte Bildung, mangelnde medizinische Versorgung und eine unzureichende Ernährungssituation prägen den Alltag. Die Liebenzeller Mission eröffnete 2011 den Kindergarten „Madalitso“ (= Segen). Im September 2013 startete die Grundschule mit zunächst 40 Schülern. Veronika und Johannes Urschitz arbeiten seit 1996 in Malawi.

PAPUA-NEUGUNIEA. Unter den Insassen des Gefängnisses in Wewak herrscht eine große Offenheit für das Evangelium. Von den rund 300 Gefangenen kommen rund 60 sonntags zum Gottesdienst, rund 25 jugendliche Insassen im Alter von 15 bis 21 Jahren nehmen an einem wöchentlichen Bibelstudienkreis teil. Außerdem besuchen acht Männer zurzeit die Taufklasse. Das berichtet Johannes Wälde. Seine Frau Carolin besucht zudem wöchentlich die acht weiblichen Gefangenen, um mit ihnen in der Bibel zu lesen oder zu nähen.

Dauerhaft mit Jesus Christus leben

Große Probleme bereitet den Missionaren die Gewalt unter den Gefangenen. So kann es sein, dass die Gefängnisleitung Schlägereien dadurch bestraft, dass das geplante Programm abgesagt wird. Hinzu kommt, dass sich die Gefangenen in zwei verfeindeten Lagern gegenüberstehen. Einer der Gefangenen wurde von seinen Mithäftlingen fast totgeschlagen. „Falls der Mann nun sterben sollte, könnte das noch mehr Probleme hinter sich herziehen.“ Außerdem wechseln die Insassen sehr stark, da viele in Untersuchungshaft sitzen und nur für ein paar Tage oder Wochen da sind. „Somit hat man in der Regel jede Woche neue Personen in der Gruppe“, so Johannes Wälde. Er hofft, dass die Gefangenen durch ihre Angebote Jesus Christus dauerhaft in ihr Leben aufnehmen: „Im Gefängnis sind sie recht offen, da es ihnen dort schlecht geht und der Glaube ein letzter Strohhalm bildet, an den sie sich klammern können.“ Während einige nach der Entlassung als Christen weiterleben, fallen andere in ihr altes Leben zurück.

Kids Club macht Hoffnung für neues Projekt

Familie Wälder ist froh, dass sie für das neue Community Development Programm nun eine Kirche gefunden haben, die mit ihnen das Projekt starten will. Dabei sollen die Menschen in den Armensiedlungen lernen, sich den Problemen in der Siedlung zu stellen und selbst an einer Lösung mitzuarbeiten. „Der Grundgedanke dabei ist, dass Gott jedem Menschen Talente, Fähigkeiten und Gaben gegeben hat, die er einsetzen soll, um sich und den Menschen um ihn herum zu helfen“, sagte Johannes Wälde. Das Projekt soll vor allem von einheimischen Kirchenmitarbeitern in Zusammenarbeit mit den Menschen in den Siedlungen umgesetzt werden. Die Liebenzeller Mission will im Hintergrund die Kirchenmitarbeiter schulen und mit Rat zur Seite zu stehen. „Wir sind gespannt, was Gott mit uns und der Arbeit vorhat. Durch den Kids Club haben wir bereits einen guten Ruf bei den Menschen erworben und wir hoffen, dass sie dadurch offen für ein weiteres Projekt wie das Community Development Programm sind“, sagte Johannes Wälde. Er ist sehr dankbar, dass sich die einheimische Kirche von Gott rufen ließ, um ein Projekt dieser Art zu starten.

Die Liebenzeller Mission ist seit über 100 Jahren in Papua-Neuguinea tätig. Johannes und Carolin Wälde arbeiten seit 2015 unter Kinder und Jugendlichen und im Gefängnis.

JAPAN. Ein ungewöhnliches Konzert stieß in Chikusei auf positive Resonanz bei nicht zuletzt vielen kirchenfernen Besuchern: Auf Einladung der Kirche Chikusei, in der Missionarsehepaar Peter und Susanne Schlotz und Schwester Priscilla Kunz arbeiten, spielten Yuzo Narumiya (Saxophon) und Junichiro Suematsu (Klavier) zur Freude von über 50 Gästen. Dabei stellte bei einem Jazz-Café Narumiya die Entstehungsgeschichte der Musikstücke vor. Er berichtete auch, warum er Christ ist. Da es in Japan sehr schwer ist, seinen Lebensunterhalt als christlicher Musiker zu verdienen, arbeitet er jetzt als Koch an einer Bibelschule. Suematsu ist seit einigen Jahren Besitzer eines Secondhandladens. „Als kleine ländliche Gemeinde haben wir um 50 Teilnehmer gebetet und Gott hat dies erhört“, sagte Schlotz. Er freut sich, dass acht Besucher darunter waren, die zum ersten Mal in der Kirche waren und viele mit nur sehr losem Kontakten zur Gemeinde. Besonders gefreut hat ihn, dass vier Nachbarn da waren, darunter zwei zum ersten Mal. „Wir wurden von Gott positiv überrascht und ermutigt. Für unsere Kirchengemeinde gab diese Veranstaltung wieder neuen Mut und Energie für die evangelistische Arbeit.“

Besucher loben Atmosphäre und vergeben Bestnoten

Die entspannte und formlose Atmosphäre haben viele als sehr wohltuend empfunden, berichtet Peter Schlotz weiter. Auch die Musikqualität und die gute Verköstigung zu günstigen Preisen wurden gelobt. In einer Umfrage nach dem Konzert vergaben alle Besucher beste Bewertungen. Um den neuen Kontakten nachzugehen, will die Gemeinde im kommenden Jahr wieder ein Konzert im Café-Stil anbieten. Nun hofft Peter Schlotz, dass zum „Open Christmas Day“ Anfang Dezember bei vielen Stationen und Aktionen wie Café, Plätzchenbacken für Kinder, Basteln, Zauberkünsten, Weihnachtssingen und Diashow viele Kirchenfremde den Schritt in die Gemeinde wagen.

Seit fast 100 Jahren sind Liebenzeller Missionare im Ballungszentrum in und um Tokio tätig, um die frohe Botschaft von Jesus Christen zu den über 30 Millionen Menschen im Großraum Tokio zu bringen. Kinder- und Jugendarbeit, Sprach- und Bibelklassen sowie Kreativworkshops bilden Schwerpunkte neben der pastoral-seelsorgerlichen Missionsarbeit unter Erwachsenen. In den vergangenen 60 Jahren sind rund 50 solcher Gemeinden entstanden. Peter Schlotz arbeitet mit seiner Frau Susanne seit 1992 in Japan, seit 2012 sind sie in der Gemeindearbeit in Chikusei tätig. Dort leben rund 80 Kilometer nördlich von Tokio mehr als 100.000 Einwohner. Unterstützt werden sie von Schwester Priscilla Kunz, die seit 1995 in Japan ist und seit 2017 ebenfalls in der Gemeindeaufbauarbeit in Chikusei tätig ist.

ECUADOR. Wenn Missionare auf mehrmonatigem Reisedienst in Deutschland sind, um über ihre Arbeit zu berichten, dann stehen sie auch immer wieder in der Spannung: Wie geht es währenddessen mit der Missionsarbeit in dem Land weiter? Ramona Rudolph hat in Ecuador die Erfahrung gemacht, dass die Einheimischen die Arbeit sehr gut weitergeführt haben. So leiteten Alfonso, seine Frau Surley und Emilia den Kinderkreis und die Bibel-Hauskreise, die sie in dem Quichua-Dorf Calera begonnen hatte, schreibt sie. „Ich war so gespannt, wie es den einzelnen wohl geht und so begleitete ich meine einheimischen Mitarbeiter in den Bibel-Hauskreis.“ Keiner der Quichuas wusste, dass sie kommen würde und so war die Überraschung groß: „Als die Kinder mich sahen, schauten sie mich freudestrahlend mit ihren großen schwarzen Augen an, rannten auf mich zu und umarmten mich ganz fest. Viele Frauen luden mich gleich zu sich nach Hause ein.“

Kinder in Ecuador sammeln für Missionsarbeit in Bangladesch

Sie traf dabei auch die 19-jährige Yomayra. Sie war zum ersten Mal im Hauskreis dabei. Alfonso und Surley hatten sie diesen Sommer zum Jugendcamp der Gemeinde eingeladen, welches ihr Leben völlig veränderte. Sie wolle nicht so wie viele Jugendliche in ihrem Dorf leben, die bereits in ihrem Alter ein Kind haben und deswegen die Schule abbrechen müssen. „Meine Prioritäten liegen wo anders; auf meinem bevorstehenden Studium und meiner Beziehung zu Jesus. Ich möchte die Bibel noch viel besser kennenlernen“, sagte Yomayra. Ramona Rudolph beeindruckte auch, dass beim jährlichen Missionsfest Kinder Geld für die Arbeit der Liebenzeller Mission in Bangladesch gesammelt hatten.

Missionare und Pastoren wollen sich weltweit in ihrem Dienst unterstützen

Ramona Rudolph nahm auch an einer Konferenz für Missionare und Pastoren in Quito teil. Auf diesem Treffen tauschten sich die Mitarbeiter aus allen Kontinenten darüber aus, wie sie Missionare körperlich, psychologisch und geistlich für ihren Dienst vorbereiten und begleiten können. Dabei wollen sie eng zusammenarbeiten. „Unser ecuadorianisches Mitarbeiterteam mit Ehrenamtlichen wächst stetig. Dabei ist es uns wichtig, dass sie in ihrem Dienst ganzheitliche Unterstützung, Begleitung und Wertschätzung erhalten.“

Die Liebenzeller Mission ist seit 1989 in Ecuador tätig. Die Missionare betreuen Patenschaftsprogramme und Studenten, gründen Gemeinden und schulen einheimische christliche Mitarbeiter. Ramona Rudolph arbeitet seit 2012 unter Kindern, Jugendlichen und Frauen in verschiedenen Quichua-Dörfern.

ECUADOR. Eine Wochenendkurzfreizeit in Ecuador stößt auf positive Resonanz: Sehr viele gute Gespräche und eine tiefe Gemeinschaft – das erlebten 34 Jugendliche und junge Erwachsene von 17 bis 28 Jahren in Lita. Die Missionare Andreas und Donata Schiller stellten dabei drei große Herausforderungen für Christen vor: Echte Gemeinschaft, Gebet (praktisch gemacht anhand einer Gebetsnacht zu Stationen des Vaterunsers) und Integrität in (Liebes-)Beziehungen. Außerdem unternahmen die Teilnehmer einen Ausflug zum Baden im (kalten) Fluss, trugen ein Fußballturnier aus und genossen ein abendliches Lagerfeuer. Bei der Freizeit waren auch zwei Absolventen des Kurzzeiteinsatzprogramms „Impact“ dabei, die gerade in Ecuador zu Besuch waren. „Wir sind sehr dankbar für die sehr gute Atmosphäre und das tolle Küchenteam von jungen Erwachsenen aus der Gemeinde“, sagte Donata Schiller. Die Missionare freuen sich besonders, dass ein junges Ehepaar, das in der Küche mithalf, nun als Mitarbeiter in den Jungen-Erwachsenen-Hauskreis einsteigt. „Das ist echt super, denn bisher fehlten weitere Mitarbeiter“, so Andreas Schiller.

Hoffnung, dass das Gehörte im Leben der Teilnehmer Wurzeln schlägt

Die Liebenzeller Missionare hoffen, dass die Teilnehmer das Gehörte umsetzen. So beten sie, dass eine Studentin an ihrem Studienort Kontakt zu anderen Christen aufnimmt und sich einer Gemeinde anschließt. Schillers stellten dazu den Kontakt zu Freunden her, die dort einen christlichen Studentenkreis leiten und die junge Frau auch mit in die Gemeinde nehmen würden. Ebenso hoffen sie, dass ein kolumbianischer Teilnehmer nach seiner Rückkehr in seiner Heimat nicht durch seine dortigen Freunde in das alte Leben ohne Jesus Christus zurückfällt. Dazu wollen sie ihm helfen, eine christliche Gemeinde zu finden.  Donata und Andreas Schiller wollen auch in Zukunft möglichst einmal im Jahr solch eine Kurzfreizeit anbieten.

Die Liebenzeller Mission ist seit 1989 in Ecuador tätig. Die Missionare betreuen Patenschaftsprogramme und Studenten, gründen Gemeinden und schulen einheimische christliche Mitarbeiter. Andreas und Donata Schiller wohnen seit 2012 in der rund 130.000 Einwohner großen Stadt Ibarra und arbeiten vor allem unter Studenten.

ECUADOR. Auch wenn Missionarskinder mit vielen Schwierigkeiten wie Umzügen mit Ein- und Auspacken sowie Loslassen konfrontiert sind, kann die Zeit im Ausland für sie zum Segen werden. Diese Erfahrung machte Ecuador-Missionarin Kathy Bruce nach rund 25 Jahren mit ihren drei Kindern, die nun alle in den Vereinigten Staaten leben. Sehr offen schildert sie die Herausforderungen, vor denen Missionarskinder oft stehen. Ihre Kinder hätten sich aber sehr wertschätzend über ihre Zeit in den Anden geäußert, bei der sie von ihren Eltern zuhause unterrichtet wurden, eng miteinander als Familie lebten und in der alle mehr oder weniger in der Missionsarbeit miteingebunden waren. „Im Laufe der Jahre haben wir gelernt, zusammen das Gute zu schätzen, dass Gott uns versorgt und haben ihm vertraut, dass wir auch im ‚Schlechten‘ seine Gnade erleben“, sagte Kathy Bruce.

Gott ganz konkret bei einem Felsbrocken auf der Straße erfahren

Die Familie sei reich gesegnet worden: Sie konnten bei der Arbeit Gott ganz konkret als lebendig erfahren, gemeinsam als Familie beten und erleben, wie er Gebete erhört. Oft schwitzte man zusammen bei der Arbeit und das schweißte zusammen. Auch als Familie unternahmen sie viel, sie wanderten zusammen, lernten gemeinsam naturwissenschaftliche Fächer und Mathematik, bauten ein Haus und schwammen in Flüssen. „Aber natürlich haben wir manchmal zusammen gelitten: bei Krankheitszeiten, Stress, Enttäuschungen und Sorgen. Besonders eindrücklich war für sie als Familie das Erlebnis, wie durch starke Regenfälle ein riesiger Felsbrocken einmal eine Straße versperrte, den sie nicht wegbewegen konnten. Genau in diesem Moment kam ein Fahrzeug mit mehreren Männern um die Ecke und diese halfen ihnen, den Weg frei zu machen.

Wenn man Freunde und Verwandte zurücklassen muss

Kathy Bruce verschweigt nicht, wie sehr ihren Kindern nach Heimatbesuchen zunehmend schwerfiel, Freunde, Großeltern, Tanten und Onkeln immer wieder loszulassen und sich wieder an das Leben in Ecuador anzupassen. Ihrem ältesten Sohn Kenny half dabei ein Buch über das Leben der Missionarskinder, in dem geschildert wurde, dass Umzüge, Packen und sich auf Neues einzulassen zum Leben eines Missionars gehört. Als er das akzeptierte, konnte er besser damit leben. Er wollte weniger das Schlechte daran sehen, sondern sich mehr auf die neuen Abenteuer freuen, die Gott für sie bereithielt. „Im Rückblick sind wir als Familie dankbar, dass Gott mit uns als Familie durch ‚gute‘ und ‚schlechte‘ Zeiten gegangen ist. Wir sind dankbar für seine Kreativität, uns zu helfen, gute Lösungen und Wege zu finden, um seine Güte auch mitten in Schlamm, Chaos und sogar im Packen regelrecht zu feiern. Durch seine Gnade wurden wir durchgetragen.“

Kathy Bruce arbeitet mit ihrem Mann Kevin seit 1995 in Ecuador unter Awa-Indianern. Sie sind vom US-amerikanischen Zweig der Liebenzeller Mission nach Ecuador ausgesandt. Kevin und Kathy bieten Kurse für Analphabeten an, halfen mit, das Alte Testament zu übersetzen und schulen einheimische Christen.

FRANKREICH. Die von der Liebenzeller Mission 1991 gegründete Gemeinde in Avranches (Normandie) feierte am 15. September die Einweihung ihres neuen Gemeindehauses – und das Haus platzte dabei aus allen Nähten. Das berichtet der Liebenzeller Missionar Peter Rapp. Die 80 Stühle reichten nicht aus und viele Besucher, die zum Teil weit angereist waren, mussten sogar stehen. Sieben Firmen erstellten in einem Jahr das 200 Quadratmeter große Gebäude. Die Gemeindeglieder strichen die Wände und innerhalb einer Woche haben Mitglieder einer russlanddeutschen Gemeinde aus Herford die 200 Quadratmeter Teppichboden und PVC-Beläge verlegt.  Das Gemeindehaus konnte nicht zuletzt aufgrund vieler Spenden aus Deutschland errichtet werden. So schenkten zwei Firmen Teppichböden und PVC-Beläge.

Bürgermeister begrüßt neue Gemeinde

Avranches Bürgermeister David Nicolas begrüßte bei der Einweihung, dass es eine neue christliche Gemeinde gebe.  Er freue sich, dass die Gemeinde zum guten Zusammenleben beitrage. Er durchschnitt zusammen mit Michael Eckstein und Reinhold Frasch, Referatsleiter Globaler Norden bei der Liebenzeller Mission, symbolisch ein Band. Bei der Feier dabei waren neben Vertretern von französischen Gemeindeverbänden auch Gäste aus Herford-Stedefreund, der Heimatgemeinde von Sigrun Rapp. Die Kinder konnten im sogenannten „Aquarium“ spielen und die Eltern ungestört über Lautsprecher zuhören. Die Teenager freuten sich, dass für sie Computerspiele im Jugendraum vorhanden waren. Bei einem Stehempfang kamen die Gäste ins Gespräch und genossen die Grillwürste und Crêpes. Der Erlös kommt dem Neubau zugute. Das anschließende Konzert mit Sängerin Abbie aus Saint-Malo und ihr Lebenszeugnis hat viele berührt und zum Nachdenken gebracht. Sie berichtete,  wie sie von Gott einen Sinn in ihrem Leben erhielt und seelische Verletzungen und Minderwertigkeitsgefühle geheilt wurden. Sie konnte eine tiefsitzende Schüchternheit überwinden, weil sie sich von Gott in Jesus Christus angenommen fand. Etliche Personen sind nach dem Konzert im Gespräch mit ihr ermutigt worden, sagte Peter Rapp.

Die Liebenzeller Mission ist seit 1987 in Frankreich aktiv und hat dabei in der Normandie mehrere Gemeinden gegründet. Auf rund 30.000 Einwohner kommt dort nur etwa eine Gemeinde, die bis zu 50 Kilometer von der nächsten entfernt liegt. Peter und Sigrun Rapp sind seit 1991 in Frankreich tätig, seit 2012 arbeiten sie in Avranches. Der Liebenzeller Missionar ist auch als evangelischer Gefängnis-Seelsorger im rund 50 Kilometer entfernten Coutances im Einsatz.

SAMBIA. Probleme bei der Arbeit möchte niemand und auch Missionare stehen immer wieder vor Herausforderungen, die sie mit viel Einsatz, Kreativität und natürlich Gottes Hilfe rasch zu lösen versuchen. Mit einem „guten“ Problem ist nun Missionarin Margit Schwemmle in Sambia konfrontiert: Im Mai startete der erste zweijährige Bibelkurs für Frauen an der „Evangelical University“ in Ndola. Margit Schwemmle unterrichtet seit 2014 an der Universität und leitet seit Juni 2016 die Studienabteilung. Dazu hatten sich 17 Frauen (14 Ehefrauen, zwei Singles und eine Witwe) angemeldet. Sie kommen aus sieben unterschiedlichen Gemeinderichtungen, haben aber alle das gleiche Anliegen: „Ich will die Bibel besser kennenlernen, damit ich andere Frauen besser helfen kann.“ Das Angebot stößt nun auf so große Nachfrage, dass bereits jetzt Anmeldungen für das nächste Jahr eintreffen. „Aber wir haben nicht genug Klassenzimmer, um alle unterzubringen“, berichtet Margit Schwemmle. Inzwischen liegen nicht nur Material zur Unterrichtsvorbereitung auf ihrem Schreibtisch, sondern auch Baupläne und Kostenvoranschläge für ein neues Gebäude auf dem Universitätsgelände in Ndola. „Wie wir das finanziell schaffen sollen, wissen wir nicht so genau, aber wir vertrauen darauf, dass Gott Möglichkeiten und Platz schafft, damit wir den Frauen einen guten Unterricht anbieten können.“

Erste Studenten aus Deutschland

Dankbar blickt Margit Schwemmle auf die Absolvierungsfeier der Universität zurück. 15 Absolventen sind nun in ganz Sambia unterwegs, manche mit einer festen Anstellung, andere noch auf der Suche nach dem Platz, an dem Gott sie mit dem, was sie gelernt haben, gebrauchen kann und will. In diesen Tagen treffen nun die ersten drei Studenten der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL) ein. Da die „Evangelical University“ inzwischen die volle Akkreditierung als private Universität erhalten hat, ist ein solcher Studentenaustausch möglich. Wann die ersten Studenten aus Sambia nach Deutschland kommen, hängt davon ab, wie viel Deutsch sie lernen. „Einfach wird es nicht, aber einer meiner Studenten will es auf jeden Fall versuchen. In welchen Bereichen wir sonst noch mit der IHL zusammenarbeiten können, muss noch geklärt werden“, sagte Margit Schwemmle.

In Sambia unterrichten Liebenzeller Missionare an verschiedenen theologischen Ausbildungsstätten. Die „Evangelical University“ befindet sich in Ndola im Herzen des „Kupfergürtel“, der Industrieregion des Landes. Sie wird von der evangelischen Allianz getragen. Die 70 Studenten kommen aus verschiedenen Gemeindeverbänden und können vier verschiedene Abschlüsse erwerben. Durch das an die Schule angegliederte Studentenwohnheim haben die Mitarbeiter viel persönlichen Kontakt zu den Studierenden.

SAMBIA. Sauberes Trinkwasser ist in vielen Ländern ein rares Gut, gerade in afrikanischen Staaten wie Sambia. Deshalb versorgt die Liebenzeller Mission unter anderem in Mushili die Menschen durch einen Brunnen mit dem lebensnotwendigen Nass. Auch der deutsche Staat schätzt den Einsatz der Missionare. Die deutsche Botschaft hat nun für eine solarbetriebene Pumpe rund 4.000 Euro gespendet, worüber sich Missionar Benjamin Wagner sehr freut. Damit werde man unabhängig von den Stromausfällen, die in dem afrikanischen Land öfter auftreten. Außerdem spare man Stromkosten ein. Die Pumpe demonstriere auch den Bauern, wie sie unabhängiger vom unsicheren und teuren Stromanbieter werden können. Sie gewährleistet, dass Wasser immer zur Verfügung steht. Mit dem rund 80 Meter tiefen Bohrloch werden zurzeit rund 5.000 Liter Wasser gefördert. Davon profitieren neben den Missionaren und den einheimischen Mitarbeitern mit deren Familien auch die Sambier in der Umgebung des Projektgeländes in Mushili. „Ich schätze, dass jeden Tag rund 30 Menschen zum Wasser holen kommen.“

Deutscher Staat unterstützt Projekte, die allen Sambiern zugutekommen

Benjamin Wagner hatte erfahren, dass die Deutsche Botschaft Projekte von gemeinnützigen Organisationen mit Geldern unterstützt, die direkt den Menschen vor Ort zugutekommen. „Wir freuen uns sehr, dass wir bedacht wurden und dass der deutsche Staat solche Projekte fördert, denn diese Wasserpumpe hilft uns und den Menschen vor Ort enorm.“

Die Liebenzeller Mission arbeitet seit 1985 in Sambia, unter anderem in Mushili, einer Stadtrandsiedlung von Ndola mitten im „Kupfergürtel“ Sambias. Dort leben rund 80.000 Menschen in sehr einfachen Verhältnissen. In Zusammenarbeit mit der Partnerkirche entstand dort 2003 das Projekt „Dawn Trust Community Care (DTCC)“. Ein Schwerpunkt ist die Ausbildung in alternativem Feldbau – „Farming God’s Way“. Die Kleinbauern lernen auf Musterfeldern, wie sie durch die Verwendung von Kompost und Mulchen den Ertrag ihrer Felder steigern und ihre Familie besser ernähren können. Auch einige Heilpflanzen werden hier angebaut. Gleichzeitig werden biblische Prinzipien gelehrt – zum Beispiel der Wert der Treue. Wer treu den Acker anbaut und pflegt, erzielt auch eine größere Ernte. So konnten die Bauern, die sich an dem landwirtschaftlichen Projekt beteiligen, ihre Erträge um bis zu 50 Prozent steigern.