BAD LIEBENZELL. Bangladesch ist ein Land mit vielen fröhlichen Menschen. Aber auch ein Land, das immer wieder für negative Schlagzeilen sorgt. Viele Menschen leiden an Krankheit, Armut und mangelnder Schulbildung. Um diesen Menschen zu helfen, hat die Liebenzeller Mission die Initiative „Weltweit Hoffnung schenken“ gestartet. Mit der Aktion sollen Menschen in aller Welt neue Hoffnung schöpfen. Schwerpunkt der Initiative sind besonders Regionen, die nicht im Fokus der Weltöffentlichkeit stehen. Seit 13 Jahren gibt es die Aktion „Weltweit Hoffnung schenken“.

Kaum ein Land auf der Welt sei von Überschwemmungen so stark betroffen wie Bangladesch, berichtet Projektkoordinatorin Bettina Heckh. Bei Naturkatastrophen würden die Mitarbeiter der Liebenzeller Mission schnell und unbürokratisch helfen, versichert sie.

Ein Schwerpunkt der Hilfsmaßnahmen kommt Kindern zugute. „Sie leiden unter den schwierigen Lebensbedingungen besonders. Eine unbeschwerte Kindheit haben in Bangladesch nur wenige. Häufig müssen sie hart arbeiten, anstatt zur Schule gehen zu können.“ Offiziell besteht in Bangladesch Schulpflicht, doch Millionen von Kindern besuchen trotzdem keine Schule. Besonders in ländlichen Gegenden stellt die schulische Ausbildung ein großes Problem dar. „Es gibt schlicht zu wenig Lehrer und Schulgebäude“, so Bettina Heckh.

Um den Kindern zu helfen, unterstützt die Liebenzeller Mission unter anderem mehrere Kinderdörfer. Hier erhalten Kinder aus benachteiligten Familien eine qualifizierte Schulbildung und ein neues Zuhause. „Viele haben durch die Kinderdörfer eine neue Perspektive für ihr Leben erhalten“, freut sich Bettina Heckh. Sie berichtet von der Situation im Kinderdorf in der Stadt Khulna, in dem derzeit etwa 50 Kinder leben. „Aufgenommen werden Waisen, Halbwaisen und Kinder aus sehr armen Familien. Die ersten Jahre werden die Kinder im Kinderdorf unterrichtet. Danach gehen sie in eine öffentliche Schule. Nach dem Schulabschluss werden sie bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz oder beim Start ins Berufsleben unterstützt.“

In Bangladesch engagiert sich die Liebenzeller Mission schon seit rund 45 Jahren. „Eine langfristige Zusammenarbeit mit unseren Partnern vor Ort ist uns wichtig. Nur so wird eine nachhaltige Hilfe möglich“, erklärt Bettina Heckh.

Unterstützen kann man die Aktion nicht nur mit einer Spende, sondern auch mit aktiver Mitarbeit, sagt Bettina Heckh: „Die Initiative ereignet sich gut als Projekt für eine Betriebsfeier oder einen Weihnachtsmarkt.“ Für Kinder hat sich die Projektkoordinatorin eine besondere Aktion ausgedacht: „Viele Kinder in Bangladesch haben keine eigene Zahnbürste. Deshalb ist unsere Idee, dass Kinder aus Deutschland originalverpackte Zahnbürsten und Zahnpasta-Tuben besorgen und kreativ gestalten.“ Die Zahnbürsten-Sets werden in der Zentrale der Liebenzeller Mission gesammelt und dann nach Bangladesch gebracht.

Weitere Informationen zu den Projekten und ein Projektvideo gibt es im Internet unter www.weltweit-hoffnung-schenken.de oder direkt bei Bettina Heckh unter Telefon 07052 17-7128 oder E-Mail gro.l1574314850lezne1574314850beil@1574314850gnunf1574314850foh1574314850. Dort können auch Materialien zu der Aktion wie Plakate, Handzettel, Fotos oder Spendendosen angefordert werden.

Spendenkonto:
Liebenzeller Mission
Sparkasse Pforzheim Calw
IBAN: DE27 6665 0085 0003 3002 34
Vermerk: Weltweit Hoffnung schenken

BANGLADESCH. Der Liebenzeller Missionar Benedikt Tschauner hat im Fastenmonat Ramadan sehr gute und bewegende Gespräche mit anderen Männern führen können. So lud ihn der Besitzer eines Baumarkts zum Fastenbrechen ein. „Bei meinem nächsten Einkauf erhielt ich daraufhin eine Einladung des Geschäftsmannes zu einem Tee. Dabei sagte er mir, dass er Christen sehr beeindruckende Menschen finde – weil sie das tun, an was sie glauben. Weiter machte er deutlich, dass die Muslime eine Veränderung des Herzens nötig haben.“

Wenn sich Christen aufgrund fehlender Gebäude auf der Veranda treffen

Benedikt Tschauner erlebte auch einen großen geistlichen Aufbruch unter Jugendlichen bei einer Jugendkonferenz und zwei geistlichen Erneuerungsveranstaltungen, bei denen er predigte. Zwölf junge Menschen bekundeten öffentlich ihr neues Leben, indem sie sich taufen ließen: „Der Wunsch nach geistlicher Erneuerung in den Gemeinden und ein Hunger nach Jesus war spürbar.“
Fast alle Gemeinden wurden erst vor rund 25 Jahren durch die Arbeit eines gläubigen Mannes gegründet. Sie gehören dem Ureinwohner-Stamm der Santal an. Dadurch bilden sie, sowohl als Christen wie auch als Stammesleute, gleich doppelt eine Minderheit. Das wirkt sich auf ihren sozialen Stand in der Gesellschaft aus. So werden sie beim Studieren und bei der Suche nach einem Arbeitsplatz benachteiligt. Etliche Gemeinden konnten außerdem noch kein Kirchengebäude errichten. Sie treffen sich deshalb bei einem Gemeindemitglied auf der Veranda. „Trotz ihrer eigenen Nöte waren sie überwältigend gastfreundlich“, berichtet Benedikt Tschauner.

Christen feiern zweimal Erntedank

Der Missionar ist auch berührt, dass manche trotz ihrer Armut nicht an der Kollekte sparen: „Da sie kein Geld geben können, bringen sie etwas von dem Reis, den sie täglich essen, in einem kleinen Tuch mit in den Gottesdienst und geben es Gott.“ Und in Bangladesch wird nicht nur einmal im Jahr Erntedank gefeiert, denn im Norden wird zweimal im Jahr Reis geerntet. „Darum begehen die Christen auch zweimal im Jahr Erntedank, um so ihre Dankbarkeit gegenüber Gott auszudrücken.“

Die Liebenzeller Mission ist seit 1974 in Bangladesch aktiv. Um den Kindern zu helfen, unterstützen die Missionare unter anderem zwei Gästehäuser, eine Schule und Gemeinden in Dinajpur, das rund 350 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Dhaka liegt. Benedikt und Verena sind seit Anfang 2018 in Bangladesch tätig.

KANADA. Menschen aus Bangladesch, die in Toronto leben, haben großes Interesse an Gemeinschaft und hören das Evangelium. Das berichtet Markus Gommel. Die Hälfte der Teilnehmer am „Isa Fellowship-Wochenende“ hat wenig oder kaum Berührung mit der Bibel. Sie erlebten eine sehr gute Gemeinschaft und hörten biblische Impulse zum Thema Frieden mit Gott und in der Familie. Ein Ehepaar, das aus Bangladesch zu Besuch war, nahm eine Bibel mit. „Wir beten, dass sie regelmäßig darin lesen und zum Glauben kommen“, so Markus Gommel. Er ist auch dankbar, dass sich viele Kirchen im „Adam House“ (betreutes Wohnen für neuangekommene Flüchtlinge aus der ganzen Welt) engagieren. Sie arbeiten bei den Bibelstunden mit Abendessen mit, helfen bei Sport- und Spielabenden und organisieren ein Fußball-Angebot sowie ein Jogging-Programm mit anschließendem Brunch. Viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen sich hier ein. „Wir beten, dass sie zu den Flüchtlingen tiefe Freundschaften aufbauen und Glaubensgespräche führen können.“
 
Markus und Regine Gommel lebten zwei Jahre in Bangladesch und arbeiten seit 2004 in Toronto vor allem unter Einwanderern aus Bangladesch. Allein im Großraum Toronto wohnen rund 25.000 Menschen, die aus Bangladesch stammen. In der multikulturellsten Stadt der Welt leiten Markus und Regine das „Isa Fellowship“ („Isa“ ist der Name für Jesus im Koran.). Im Mittelpunkt stehen die Beziehungspflege, biblische Vorträge, Seelsorge, Besuchsdienste und Gastfreundschaft sowie Angebote zur Gemeinschaft wie Badmintonspielen und Ausflüge.

BANGLADESCH. Weltweit sorgt das Schicksal der Rohingya, einer unterdrückten und verfolgten muslimischen Minderheit in Myanmar, für Aufsehen. Rund eine Million von ihnen floh vor allem in das benachbarte Bangladesch. Dort half Steffi Stauß, die als Tochter der Liebenzeller Missionare Wolfgang und Dorothea Stauß in dem Land aufwuchs, bei verschiedenen Organisationen mit, die sich für die Geflüchteten engagieren.

Steffi Stauß beendete im vergangenen Jahr ihr Studium der Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt interkulturelle Beziehungen in Fulda erfolgreich. Ihre Bachelor-Arbeit schrieb sie über die Rohingyas. Steffi Stauß engagierte sich nach der kurzzeitigen Rückkehr in Bangladesch unter anderem in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Verwaltung der Organisationen. So half sie mit, bei einem Video die bengalischen Interviews zu übersetzen und übernahm die Moderation. „Ich fand es einen sehr beeindruckenden und erschreckenden Moment, als ich mitten im Camp stand und man weit und breit nur das Lager gesehen hat – es macht einem die Komplexität der Situation klar. Es ist unglaublich, wie viele Menschen aus Myanmar vertrieben wurden.“

Für Steffi Stauß war es aber auch ermutigend zu sehen, dass mittlerweile – über ein Jahr nach der großen Fluchtwelle – das Camp relativ gut organisiert scheint. So gibt einige Sanitätsanlagen sowie Wege und Abwasserkanäle zwischen den Hütten hindurch. Ebenso ist sie dankbar für die Kinderzentren: „Ich fand es sehr schön, die glücklichen Kinder zu sehen. Sie haben so viele schlimme Sachen erlebt. Aber sie haben jetzt einen Raum, in dem sie einfach wieder Kind sein und vor allem auch etwas lernen können.“ Das sei umso wichtiger, da 80 Prozent der Rohingyas nicht Lesen und Schreiben können. Auch Partner der Liebenzeller Mission in Bangladesch beteiligen sich an den Hilfsmaßnahmen für die Rohingya.

BANGLADESCH. Fast 8.000 Studenten wurden für ihre Arbeit als Pastoren und kirchliche Mitarbeitern am „College of Christian Theology“ (CCTB) aus- und weitergebildet, das im vergangenen Jahr das 50-jährige Jubiläum feierte. Die christliche Hochschule ist bewusst interkonfessionell ausgerichtet und wird von rund 25 Kirchen, Missionen oder Entwicklungshilfe-Organisationen als Mitglieder getragen.

„Viele der Absolventen arbeiten im höheren kirchlichen Dienst und in der Leitung von christlichen Hilfsorganisationen“, berichtete Wolfgang Stauß. Laut dem Liebenzeller Missionar besteht eine besondere Stärke von CCTB in der Kombination von inner- und außerschulischer Ausbildung. „Wir möchte Christen dabei helfen, in biblischen Werten ihre Identität zu finden, um dann als Zeugen und Multiplikatoren in ihrem Umfeld ein Stück Himmel auf Erden zu schaffen“.

Zurzeit belegen über 1.400 Frauen und Männer jährlich Kurse der außerschulischen theologischen Ausbildung. Dieses Programm ist unter dem Kürzel „TEE“ (theological educaction by extension) weltweit bekannt. Ein TEE-Kurs dauert regulär zehn Wochen. Dabei arbeiten die Studenten wöchentlich eines von zehn Kapiteln zu Hause durch und treffen sich dann zur regelmäßigen TEE-Gruppe, um den erarbeiteten Stoff unter Anleitung eines Tutors zu besprechen. Eine TEE-Stunde enthält eine kurze Prüfung des Erlernten und bietet dann ausgiebig Zeit, das Gelernten zu vertiefen und darüber zu diskutieren, wie das in der Gemeinde angewendet werden kann. Eine weitere Stärke dieser Art von Ausbildung ist, dass sie im gewohnten Umfeld mit allen Herausforderungen des Alltags geschieht, so Wolfgang Stauß. Das Programm wurde entwickelt, um auch Menschen in finanziell schwachen Regionen einen Zugang zur theologischer Ausbildung zu ermöglichen.

Neun Studenten streben zurzeit den Bachelor-Abschluss in Theologie an, sieben den Master. Darüber hinaus bietet die christliche Hochschule ein bislang noch nicht akkreditiertes „Master of Divinity“-Programm an. Dieses findet zweiwöchentlich am Wochenende statt und wird von rund 20 Studenten besucht. Sie alle werden von sieben einheimischen und vier ausländischen Hochschullehrern unterrichtet, dazu kommen noch einige Gastdozenten.

Die Liebenzeller Mission ist seit 1974 in Bangladesch aktiv. Zusammen mit ihren einheimischen Partnern will sie den Einwohnern Hoffnung vermitteln. So sind unter anderem Kliniken und Waisenhäuser entstanden. Als eine ihrer Hauptaufgaben unterstützen die Missionare die christlichen Gemeinden. Sie schulen, ermutigen und motivieren Gemeindeglieder, damit sie ein Leben als bewusste Christen in einer Minderheitensituation führen können. Wolfgang Stauß ist mit seiner Familie seit 1996 in Bangladesch und heute vor allem als Dozent am CCTB tätig. Er schreibt zurzeit parallel seine Doktorarbeit.

BANGLADESCH. Feiern gehört zum Leben – auch und gerade für Kinder in Kinderheimen in Bangladesch. Einen unvergesslichen Kindergeburtstag erlebten Benedikt und Verena Tschauner, die für die Liebenzeller Mission in dem Kinderdorf arbeiten. Dort gibt es die Tradition, dass einmal im Jahr eine große Geburtstagsfeier organisiert wird. Denn es ist nicht möglich, für jeden Jungen eine Feier zu auszurichten. Bei 60 Kindern käme man nicht mehr aus dem Feiern heraus. Für die Jungen ist diese jährliche Geburtstagsfeier ein großes Ereignis, eine riesige Freude. Weil Tschauners Sohn William für die Jungen im Kinderdorf wie ein Bruder ist, fragten sie die Missionare, ob sie nicht an seinem ersten Geburtstag die jährliche Geburtstagsfeier organisieren und alle zusammen feiern könnten. „Diesen Wunsch konnten wir ihnen nicht abschlagen“, schreibt Benedikt Tschauner. „Für uns war die jährliche Geburtstagsfeier die erste große Aktivität, die wir hier im Kinderdorf in der einheimischen Sprache Bangla planten und moderierten.“

„Ihr seid wichtig!“

Der Einsatz und die vielen Schweißtropfen vor und während der Feier haben sich gelohnt: „Es war ein Fest der Freude“, so Benedikt Tschauer. Er organisierte eine Spielstraße mit vielen verschiedenen Stationen. Die Kinder falteten Papierflieger und ließen sie fliegen. Der weitest geflogene Papierflieger gewann einen Preis. Die Jungen führten außerdem einstudierte Tänze und Anspiele vor. Benedikt sang zusammen mit seiner Frau Verena für die Jungen zudem ein deutsches Geburtstagslied. Sie sangen auch gemeinsam, hörten eine Geschichte aus der Bibel und aßen leckeren Kuchen. „Die Hauptbotschaft, die wir den Jungen an diesem besonderen Tag verkündigten war: ‚Ihr seid wichtig.‘ So wie es in Psalm 139,14 geschrieben steht: ‚Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.‘“ Die Geburtstagsfeier war eine sehr gesegnete Zeit und ein ganz besonderer erster Geburtstag für William mit all seinen „Brüdern“, so Tschauners.

Die Liebenzeller Mission ist seit 1974 in Bangladesch aktiv. Um den Kindern zu helfen, unterstützen die Missionare unter anderem das Kinderdorf in Khulna (rund 240 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Dhaka). Hier erhalten die Kinder aus benachteiligten Familien eine qualifizierte Schulbildung, können mit ihren Freunden spielen und lernen den Glauben an Jesus Christus kennen. Im Kinderdorf in Khulna leben derzeit 65 Kinder. Aufgenommen werden Waisen, Halbwaisen und Kinder aus sehr armen Familien (die die Schulkosten für die Kinder nicht aufbringen können) oder Kinder aus schwierigen Verhältnissen. Benedikt und Verena Tschauner arbeiten seit Anfang 2018 in dem Kinderdorf mit.

BANGLADESCH. Seit 33 Jahren leben die Liebenzeller Missionare Regine und Michael Kestner in Bangladesch, um Menschen von Jesus Christus weiterzusagen. In den letzten zehn Jahren haben sie das vor allem in Khulna getan, wo sie in einem Kinderdorf mit rund 60 teilweise verwaisten und minderbemittelten Jungen mitarbeiten. Im Dezember gab es dort großen Grund zur Freude: Ein neues Gebäude wurde eingeweiht. Darüber und über ihre Arbeit wollten wir mehr erfahren. Da sie derzeit in Deutschland sind, haben wir ihnen drei Fragen gestellt.

Was hat sich durch den Neubau im Kinderdorf verändert?

Durch die Landerhöhung, die wir im selben Zug vorgenommen haben, wird das Kinderdorf nicht mehr überflutet. Die Jungen freuen sich, dass sie dadurch ganzjährig ein Spielfeld zur Verfügung haben. Gerade in der Regenzeit standen die Betten der Jungen häufig im Wasser, und auch wenn die Kinder nachts im Trockenen lagen, standen sie spätestens beim Gang raus auf die Toilette kniehoch im Nassen. Zudem drang das Wasser durch die Kanalisation auf das Gelände und so ergab sich ein hygienischer Zustand, der nicht mehr tragbar war. Durch das erhöhte Gebäude werden die Kinder nun besser vor Krankheiten geschützt, und sie haben eine ganz neue Lebensqualität. Auch der Sicherheitsfaktor ist nun dank einer verschließbaren Eingangstür höher. Zuvor gab es nur eine einfache Holztür, die leicht zu öffnen war – und das, obwohl es in der Nachbarschaft oft zu Einbrüchen kommt. Alle Kinder freuen sich sehr, in so einem schönen, hellen Gebäude zu leben, das uns noch Platz für weitere Kinder bietet.

Könnt ihr uns von einem besonderen Erlebnis im Kinderdorf erzählen?

Wir erinnern uns noch gut, wie Philip vor fünf Jahren ins Kinderdorf kam. Er stammt aus einer kaputten Familie und erlebte dort viel Negatives. Immer wieder redeten ihm seine Eltern ein, dass er nichts kann und nichts wert sei. Als er zu uns kam, hatte er kein Selbstvertrauen, und wenn wir ihm eine Aufgabe erteilten, sagte er, er könne das nicht und verzog sich ängstlich in eine Ecke. Also fingen wir an, ihn einfache Motive ausschneiden oder Seil hüpfen zu lassen, um Sicherheit zu gewinnen. Eines seiner ersten Bilder haben wir an die Wand gehängt und ihm gesagt, dass er jedes Mal, wenn er es ansieht, zu sich sagen soll: „Ich kann das!“ Seither hat sich schon einiges verändert. Zuletzt machte Philip sogar beim Sportfest mit. Trotz dieser Erfolge wird der Teenager in der Schule oft aufgezogen, weil er noch die fünfte Klasse besucht. Das wirft ihn häufig zurück. Wir wollen Philip weiter begleiten und beten, dass er seinen Wert und seine Kraft aus Gott schöpfen kann, und den Mut hat, weiter in die Schule zu gehen.

Was sind eure Wünsche für Bangladesch?

Unser Wunsch ist es, dass wir Christen die Arbeitsmöglichkeiten, die wir in Bangladesch haben, nutzen, damit noch viele Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden. Und, dass Gottes Wort noch stärker in den Alltag hineingelebt wird, sich dort niederschlägt und veränderte Lebensweisen sichtbar werden. Und natürlich auch, dass neue Mitarbeiter und Missionare heranwachsen, die sich in diesem Land einbringen wollen.

BANGLADESCH. Es ist heiß und staubig, von allen Seiten erklingt wildes Gehupe und Geklingel, und kreuz und quer fädeln sich Rickshas, rostige Lastwagen und überladene Busse ein. In der dicht besiedelten Millionenmetropole Dhaka wird der Kampf ums tägliche Überleben überall geführt – auch auf den Straßen. Der Verkehr dort zählt zu den schlimmsten weltweit und bringt jährlich zehntausende Todesopfer mit sich. Welche Mutter würde ihr Kind da schon gerne alleine losschicken?

„Meine Tochter Emma wurde von einer Freundin zum Geburtstag eingeladen. Weil der Verkehr hier so gefährlich ist, gehört es zu einem Kindergeburtstag dazu, dass die Mütter mit dabei sind“, erklärt die Liebenzeller Missionarin Anne Strauß, die seit sechs Jahren mit ihrem Mann Samuel und ihren drei Kindern in der Millionenstadt lebt. Anders als alle anderen Kinder wurde Tasneem, ein Mädchen aus Emmas Klasse, nicht von ihrer Mutter, sondern von ihrer Großmutter zur Feier begleitet. Das sorgte bei einigen für Verwunderung und fiel auch Anne auf. Sie setzte sich zu der 58-Jährigen und kam mit ihr ins Gespräch. Dabei erzählte die Frau, dass ihre Tochter an Lungenkrebs starb als Tasneem drei Jahre alt war und sie sich seitdem viel um ihre Enkelin kümmert. Anne war kurz sprachlos. Sie drückte ihr Mitgefühl aus und fragte später, ob sie Telefonnummern austauschen wollten. Seither haben sich die beiden schon öfter in der Stadt oder bei Schulveranstaltungen getroffen.

Dann ging es für die Missionarsfamilie einige Zeit in den Heimataufenthalt nach Deutschland. Als sie anschließend wieder nach Dhaka zurückkehrten, freute sich Anne sehr, Tasneems Großmutter bei einem Schulsportfest wiederzusehen. Während die Kinder auf dem Sportplatz tobten, suchten sich die beiden Frauen ein schattiges Plätzchen, um sich auszutauschen. Erneut stand Anne der Schock ins Gesicht geschrieben, als sie erfuhr, dass bei Tasneems Vater Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wurde und er nur noch wenige Wochen zu leben hat. Obwohl die Familie wohlhabend ist und ihr Schwiegersohn öfter zur Chemotherapie in das 4000 Kilometer entfernte Singapur reisen kann, hat Tasneems Großmutter Angst vor der Zukunft. Die heute 62-Jährige und ihr Mann sind für die bangladeschische Lebenserwartung von 72 Jahren schon sehr alt und es gibt sonst keinen Verwandten in der Stadt, der sich um ihre Enkelin kümmern könnte.

„Ich sagte ihr, wie leid es mir tut, weil ich ja wusste, wie sehr sie bereits darunter leidet, dass ihre Enkelin ohne Mutter aufwachsen muss“, erzählt Anne. Auch sagte die Missionarin ihr zu, dass sie weiterhin viel zu Jesus für sie und ihre Familie beten werde. „Tasneems Großmutter ist zwar Muslimin und glaubt so fest an Allah, wie ich an Jesus glaube. Doch sie reagierte nicht abweisend. Im Gegenteil. Sie bedankte sich von Herzen für die Gebete und nannte mich ihre Tochter“, freut sich Anne. Obwohl sie von dem Schicksal der Familie sehr betroffen ist, weiß Anne auch, dass Jesus aus dieser Situation etwas Gutes entstehen lassen kann. Sie wünscht sich, diese Hoffnung auch der Familie weitergeben zu können.

BANGLADESCH. Am 4. Dezember konnte der Neubau des Kinderdorfs in Khulna (Bangladesch) eingeweiht werden. Für die Menschen dort war das eine riesige Freude. Der Neubau wurde durch die Unterstützung verschiedener Organisationen und vor allem des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung möglich, das den Großteil der finanziellen Mittel für den Bau zur Verfügung stellte. Das alte Gebäude wurde regelmäßig in der Monsunzeit überschwemmt, so dass die Betten der Kinder immer wieder im Wasser standen. Das hat nun ein Ende. Derzeit leben im Kinderdorf in Khulna 50 Kinder. Viele von ihnen sind Waisen oder Halbwaisen. Die ersten Jahre werden die Kinder im Kinderdorf unterrichtet. Danach gehen sie in eine öffentliche Schule. Nach dem Schulabschluss bekommen die Kinder Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz oder beim Start ins Berufsleben.