BURUNDI. Diagnose Krebs mit 21 Jahren! Vor ziemlich genau einem Jahr sagten ihr das die Ärzte – ein großer Schock für Ella*. Die ersten Monate ging es ihr sehr schlecht. Es wurde vieles ausprobiert, um den Krebs zu besiegen, doch er war nicht mehr aufzuhalten. Deshalb stürzte sie sich ins Leben.

Ella engagierte sich als Mitarbeiterin in der Sonntagsschule. Sie war eine lebensfrohe, aktive junge Frau, die sich in den letzten Monaten voll in die Gemeinde eingebracht hat – wohlwissend, dass ihre Zeit begrenzt ist.

Zwei Wünsche hatte sie noch. Zum einen wollte sie so gerne bei der Weihnachts-Aufführung mitmachen, und zum anderen war es ihr ein Anliegen, getauft zu werden. Beide Wünsche erfüllte ihr Gott. Mit Begeisterung erlebte sie ihren Auftritt beim Theaterstück in der Gemeinde, und am gleichen Tag wurde sie im Anschluss an den Gottesdienst getauft. Den Nachmittag verbrachte sie bei uns, um zu feiern. Schon am nächsten Tag verlor Ella das Bewusstsein, und in der Nacht auf Dienstag starb sie.

Jeder von uns wurde herausgefordert zu überlegen, was im Leben wirklich wichtig ist. Auch wenn wir nicht verstehen, warum Ella so früh gehen musste, haben wir als Gemeinde Gott gedankt und gefeiert, dass sie nun bei ihm sein darf. Viele waren berührt von dem Zeugnis, das sie hinterlassen hat.
Als Missionare teilen wir Freude und Leid mit den Menschen – eine nicht immer leichte Aufgabe. Deshalb sind wir dankbar für alle Unterstützung und jedes Gebet.
Alex und Tabea Biskup

Bitte unterstützt unsere Arbeit in Burundi und vielen weiteren Ländern mit einer Spende. Herzlichen Dank!

 

*Name geändert

Liebenzeller Missionare bringen Gottes Liebe zu den Menschen in alle Welt – und setzen sich aktiv für Völkerfreundschaft ein, so wie Albrecht und Annegret Hengerer in Burundi. Das Ehepaar ist seit über 30 Jahren für die Liebenzeller Mission im Einsatz, zunächst in der Gemeindegründungsarbeit in der Normandie und seit Sommer 2017 im ostafrikanischen Burundi. Sie unterstützen die einheimische Kirche durch Predigten und Schulungen sowie administrative und geistliche Begleitung. Vor seiner Ausbildung am Theologischen Seminar der Liebenzeller Mission war Albrecht als Diplom-Verwaltungswirt (FH) tätig. Annegret ist gelernte Krankenschwester.

Albrecht, wie kam es zu eurem Engagement im Deutsch-Burundischen Freundschaftsverein?
Ich bin einfaches Mitglied, werde aber immer wieder als Verwaltungsfachmann zur Beratung herangezogen, da ich in Frankreich fünf Vereine mitgegründet habe und das Rechtssystem in Burundi sehr ähnlich ist. Ich übersetzte oft für die deutschen Besucher. Annegret ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

Seit wann gibt es den Verein und wie viele Mitglieder habt ihr?
Der Verein wurde 1987 von 15 Burundiern und acht Deutschen gegründet. Es gab zehn Ehrenmitglieder, darunter vier burundische Minister und weitere Volksvertreter. Heute sind wir etwa 30 Mitglieder, Tendenz steigend. Mit dabei sind vor allem junge Menschen, die Deutsch lernen bzw. studieren oder junge Ärzte vom deutschsprachigen Ärzteverein. Dem Verein gehören auch einige Deutsche an, die hier in Entwicklungshilfe-Organisationen oder ähnlichen Einrichtungen arbeiten oder ihren Ruhestand verbringen. Mit dabei sind auch einige Burundier, die in Deutschland studiert haben und nun in ihrem Heimatland arbeiten.

Was bietet ihr als Deutsch-Burundischer Freundschaftsverein an?
Wir haben folgende Ziele: Wir wollen die Beziehungen zwischen beiden Völkern vertiefen und die freundschaftlichen Kontakte intensivieren (Es gibt bereits einige gemischte Ehen 😉 … und viele freundschaftliche Beziehungen). Wir ermöglichen auch das Kennenlernen der Kunst und der Kultur des anderen. Ebenso setzen wir uns dafür ein, dass der Austausch auf sozio-kultureller, wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und kommerzieller Ebene verstärkt wird. Dazu bieten wir Deutschunterricht zusammen mit einem Deutschlehrer der Universität an. Es gibt außerdem (Diskussions-)gruppen in deutscher Sprache – bei uns zu Hause oder im Vereinszentrum. Außerdem gibt es jährlich einen deutschen Weihnachtsgottesdienst, eine „Offene Tür“ für jedermann mit Bewirtung am Donnerstagabend und die Aktion „Wir sprechen Deutsch“ mit Schuhplattler, Bier und Sauerkraut. Dabei sind auch immer der deutsche Botschafter und Diplomaten aus anderen europäischen Ländern dabei. Und es gibt als Projekt eine deutsche Bibliothek, die rund 10.000 deutsche Romane, Sach- und Kinderbücher umfassen soll. 8.000 Bücher haben wir bereits erhalten. Dabei waren wir dankbar für die Kurzzeitmitarbeiter von „impact Move“, die uns neben ihren anderen Aufgaben auch bei der Aufnahme der Buchtitel sehr geholfen haben.

Was ist eure Motivation, in dem Verein mitzuarbeiten?
Wir schätzen den Austausch mit anderen Volksgruppen und finden das spannend. Außerdem wollen wir das Vorwärtskommen der Burundier unterstützten (Deutschlernen, Studieren in Deutschland, kulturelles Verständnis). Und schließlich: Jeder weiß, dass wir Missionare sind und so kommen wir oft dazu, über unsere Leidenschaft zu reden: Die rettende Liebe Jesu. Viele Burundier sind praktizierende Christen. Ich werde immer wieder gebeten, ein Tischgebet zu sprechen oder einen Weihnachtsgottesdienst zu gestalten. Durch die vielen unterschiedlichen Begegnungen verlassen wir letztlich unsere Komfortzone und lernen andere Menschen, Einstellungen und Überzeugungen kennen.

Was für Rückmeldungen habt ihr hinsichtlich eures Engagements erhalten?
Viele freuen sich, dass wir ohne Scheu und Vorurteile mit allen reden und versuchen, sie zu ermutigen, im Verein mitzuarbeiten. In einer spannungsgeladenen Zeit der Umstrukturierung des Vereins konnten wir helfen, dass das Freundschaftsgefühl wieder Einzug gehalten hat. Manche haben uns danach als „Engel“ bezeichnet. Annegret wollten sie aufgrund ihrer kritisch-positiven Art unbedingt wieder als Vize-Präsidentin haben.

Informationen, Bilder und Videos zum Engagement und der Arbeit von Ehepaar Hengerer finden sich auch bei Facebook (www.facebook.com/hengerer), Instagram (www.instagram.com/nitramhenger) oder auf dem Blog newsburundi.blogspot.com.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Liebenzeller Mission gehen seit über 120 Jahre in alle Welt, um Menschen Gottes Liebe zu bringen und ihnen zu dienen. Esther Stoll, die seit Februar 2021 mit ihrem Mann Manuel in der Gemeindegründungsarbeit in Burundi tätig ist, machte nun eine verblüffende und berührende Erfahrung: Sie stand unter einer Kochbananenstaude – und eine Burundierin wäscht ihr die Füße.

Sie war einen Tag lang bei ihrer Familie mit dabei und arbeitete gemeinsam mit ihr und ihrer Mutter barfuß auf dem Acker. „Natürlich kamen wir alle mit dreckigen Füßen heim. Sie hatte mir für den Weg noch ihre Flipflops geliehen und ist selbst barfuß gegangen.“ Als Esther Stoll sich am Ende des Tages verabschieden wollte, ging es noch ans Füßewaschen. „Und natürlich wollten sie mich erst nach Hause gehen lassen, als sie mit dem Zustand meiner Füße und Schuhe zufrieden waren.“

Die Missionarin wusch also ihre Füße und wollte ihre Schuhe wieder anziehen. Aber ihre burundische Freundin entdeckte noch Schmutz an ihren Zehennägeln. Mit dem kostbaren Wasser, das sie zuvor auf dem Kopf vom Fluss hergetragen hatte, schrubbte sie nun selbst an ihren Zehen herum: „Wir mussten beide auch darüber lachen, aber es war wirklich eindrücklich für mich. Sie war sich absolut nicht zu schade dafür, mir die Füße zu waschen.“

Esther Stolls eindrückliches Fazit: „Wir sind hierhergekommen, um den Menschen mit Gottes Liebe und Freundlichkeit zu begegnen und ihnen zu dienen. Diese Erfahrung hat mir sehr deutlich gemacht, dass es keine Einbahnstraße ist, in der nur wir die Gebenden sind. Im Gegenteil. Wir erleben hier oft, wie hilfsbereit, dienstbereit und großzügig Burundier uns gegenüber sind. Da zeigt sich für uns oft ganz viel von Gottes Wesen.“

Seit Sommer 2019 ist Angelika Süsskoch in Burundi tätig. Sie arbeitet in der englischsprachigen internationalen Gemeinde in Bujumbura (Christian Life Ministries) mit. Wir haben sie nach ihren Eindrücken befragt.

Angelika, auch dein Einsatz ist stark von Corona überschattet. Wie sehr bestimmt die Pandemie Burundi?
Wenn man bei uns Corona hat, spricht man wenig darüber – tendenziell wird eher darüber geschwiegen. Ein Aspekt ist Scham, weil diese Erkrankung als Makel empfunden werden kann. Deshalb erzählen auch viele nicht, wenn sie eine Corona-Infektion überstanden haben. Ich nehme wahr, dass die Burundier weniger Angst haben vor der Infektion als vor den wirtschaftlichen Folgen. Dass die Grenzen geschlossen sind, spüren viele. Die ärztliche Versorgung sieht auch ganz anders aus. Hier gibt es so gut wie keine Beatmungsmöglichkeiten im Gegensatz zu Deutschland. Aber die Menschen tragen immer mehr Masken, auch wenn der Prozentsatz relativ gering ist. Es gibt in bestimmten Stadtteilen einfach wenig Möglichkeiten, den nötigen Mindestabstand einzuhalten. Mich tröstet über allem der Bibelvers aus Römer 14,8: „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ Ich habe keine Grundangst. Natürlich ist man sensibel, wenn man Grippesymptome hat. Allerdings frage ich mich, ob die Ansteckungsmöglichkeiten bei einem Corona-Test hier aufgrund von beengten Situationen an der Teststation nicht höher ist.

Was bildet der Schwerpunkt deiner Arbeit?
In Beziehungen leben, das ist das Kernstück meiner Arbeit. Dabei ermutige ich Menschen beispielsweise, ihre Ressourcen zu entdecken. Allerdings verstehen viele unter Ressourcen ausschließlich Geld: Wie kann ich mein eigenes Geschäft aufbauen, wie kann ich zu Wohlstand kommen? Mir geht es aber darum, dass die Menschen ihre von Gott geschenkten Gaben entdecken. Also zu entdecken, was jemand kann – unabhängig davon, ob jemand viel Geld hat. Im kleinen Team haben wir uns zum Beispiel getroffen, um die Burundier zu unterstützen, wie sie ihre eigene Geschäftsidee weiterverfolgen oder ein Stipendium erhalten können. In allem ermutige ich sie immer wieder, Gott zuerst zu suchen. Außerdem treffe ich mich mit Burundiern, um über die geistlichen Gaben zu sprechen.

Welche Erfahrungen hast du bislang persönlich mit Gott in Burundi gemacht?

Ich rede immer wieder mit Gott, dass er mir zeigt, wen ich auf ihn ansprechen kann. Und ich erlebe, wie Gott mich mit Menschen zusammenführt. So habe ich einmal einen Jogger angesprochen, weil ich den Eindruck hatte, ich sollte mit ihm über Gott reden. Und er war tatsächlich am Evangelium interessiert und hat sich kurz darauf für Jesus entschieden. Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott uns viel mehr in Beziehungen stellt, damit wir Menschen mit Jesus bekannt machen. Dabei geht es nicht darum, Beziehungen unter dem Nützlichkeitsaspekt zu sehen.

Über was warst du am meisten überrascht?
Hier gibt es sehr viele „Zwischenkulturen“. Es spielt eine große Rolle, wo jemand wohnt: Auf dem Land, in der Großstadt, welche Kirche er besucht. Und ich bin überrascht, wie ausgeprägt das Hierarchiedenken ist. Das lehrt mich viel über Stolz und Demut. Die Burundier in der Stadt achten auch stark auf das Äußere, also, was man sieht, wie jemand gekleidet ist. Und oft sehen die Menschen sehr schick aus – und haben vielleicht doch den ganzen Tag nichts zu essen gehabt.

Was würdest du aus Burundi gerne nach Deutschland übernehmen?
Das sind verschiedene Dinge: Ich mag ihre feine Art. Dadurch können sie sehr schnell wahrnehmen, wie es dir geht und welche Atmosphäre herrscht. Burundier haben eine große Feinheit für Zwischentöne. Auch wird hier anders getrauert: In einem Trauerfall wurde ein Zelt im Garten aufgestellt und etwa eine Woche kamen an jedem Abend Menschen zur Familie, waren einfach da, haben sich unterhalten und Anbetungslieder gesungen. So möchte ich auch einmal meine Beerdigung haben. Sich richtig zu begrüßen, ist hier wichtig. Burundier freuen sich riesig, wenn du ihnen „richtig“ auf Kirundi antwortest. Mit der Begrüßung bringen sie Wertschätzung und Wahrnehmung des anderen zum Ausdruck. Im Westen verlassen wir uns zudem sehr stark auf uns selbst. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir Gott nicht mehr suchen. Wir suchen unsere Sicherheiten woanders.

Was ist eine der Herausforderungen, vor denen die Christen in Burundi stehen?
Viele Christen gehen sonntags in den Gottesdienst, aber das hat keine Relevanz für den Alltag. Sie glauben zwar an Gott, leben den Glauben aber nicht. Einüben und bibelfundierte Lehre sind sehr wichtig. Die große Frage bleibt jedoch: Wie bekomme ich das Gehörte in der Woche gelebt?

Du willst die Missionsarbeit von Angelika Süsskoch mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Albrecht und Annegret Hengerer sind seit mehr als 30 Jahren mit der Liebenzeller Mission im Einsatz, zunächst von 1989 an in der Gemeindegründung in der Normandie/Frankreich und seit Sommer 2017 in Burundi. Sie unterstützen die einheimische Kirche durch Predigten und Schulungen sowie administrative und geistliche Begleitung. Derzeit sind Annegret und Albrecht in Deutschland. Wir haben Albrecht einige Fragen gestellt.

Ihr kommt aus Baden-Württemberg, habt viele Jahre in Frankreich gelebt und seid nun seit ein paar Jahren in Afrika. Was ist für euch eigentlich Heimat, wo fühlt ihr euch zu Hause?
Bevor wir nach Afrika gingen, war Frankreich unsere Heimat. Seit wir in Burundi sind, wissen wir es nicht mehr richtig. Auf jeden Fall haben wir uns in Afrika sehr gut eingelebt und haben viele Freunde dort. Wir waren ja 27 Jahre in der Gemeindegründung in Frankreich und waren dort immer gerne im Einsatz. Wenn wir in Deutschland waren, hatten wir aber nie Heimweh nach Frankreich. Das war schon nach einem Jahr Burundi anders. Als wir für einige Monate nach Deutschland gingen, hatten wir bereits da Heimweh nach Afrika.

Dass ihr mal in Afrika im Einsatz sein werdet, hättet ihr vor zehn Jahren vermutlich für unmöglich gehalten. Was hat euch an Burundi positiv überrascht und was fordert euch heraus?
Nachdem ich das Abitur bestanden hatte, war meine erste Bitte an Gott, dass ich nie wieder etwas mit der französischen Sprache zu tun haben muss. Dann lebten wir 27 Jahre in Frankreich und heute finde ich Französisch eine der schönsten Sprachen. Als ich meine Frau Annegret heiratete und wir in die Mission wollten, sagte ich zu ihr: Ich gehe überall hin, nur nicht nach Afrika.
Die letzten vier Jahre unserer Zeit in Frankreich hatten wir die Gemeinde in Alençon übernommen. 80 Prozent der Gottesdienstbesucher waren Afrika-Stämmige. Im ersten Jahr hatten wir riesige Probleme miteinander, danach waren wir wie eine Familie und hatten drei super Jahre zusammen. Nach den vielen Jahren in Frankreich hatten wir das Gefühl, dass etwas Anderes dran war. Als dann von der Leitung der Mission die Anfrage für Burundi kam, waren wir durch die drei guten Jahre in Alençon vorbereitet.
Herausfordernd in Burundi war für uns zu Beginn zu lernen, wie man dort lebt – gerade auch im Umgang mit Kriminalität und der Instabilität im Land. Wir haben aber eine ganz tolle Einführung von unserem Teamleiter Alexander Biskup bekommen, das war sehr wertvoll für uns. Das Wichtigste in Afrika sind die Kontakte. Genial ist, dass die Leute einen mit offenen Armen empfangen. So eine Herzlichkeit wie die der Menschen in Burundi, habe ich zuvor noch nie erlebt. Die Burundier sind ein Volk, das lächelt. Und das, obwohl es vielen Menschen nicht gut geht.

Burundi taucht regelmäßig in der Liste der ärmsten Länder weltweit auf. Wie nehmt ihr die Armut im Land war und wie geht ihr damit um?
Armut ist immer schwierig. Als Europäer könntest du in Burundi alles Geld, das du besitzt, an einem Tag den Armen geben. Die Not ist groß. Überall im Land sieht man arme Menschen. 80 Prozent leben unter der Armutsgrenze. Dazu ist Burundi eines der geburtenreichsten Länder der Welt. Aber natürlich gibt es auch Reiche im Land – wie überall auf der Welt. Als Liebenzeller Mission haben wir Projekte, die gezielt armen Menschen helfen, zum Beispiel BAHO – ein Programm, das den Kindern ermöglicht, zur Schule zu gehen und den Eltern, mit dem vorhandenen Geld verantwortlich umzugehen. Aber es ist uns bewusst, dass wir nicht allen Menschen helfen können.

Was sind eure Pläne, wenn ihr wieder zurück in Burundi seid?
Wir bekamen eine Anfrage vom Bischof in Bujumbura, in die „TEE-Arbeit“ (außerschulische theologische Ausbildung) einzusteigen. Ziel soll sein, einheimische Mitarbeiter zu schulen. Gemeinsam in Partnerschaft zu arbeiten, ist uns wichtig.
Außerdem werden wir wieder viel zu Wochenendschulungen von Jugendleitern unterwegs sein. Ältere Menschen werden in Burundi sehr geehrt. Wir liegen mit unserem Alter über der durchschnittlichen Lebenserwartung in Burundi. Junge Menschen fragen uns nach Beratung und sagen: „Ihr habt so viel Lebenserfahrung.“ Manchmal werden wir liebevoll Omi und Opi genannt. Vor einiger Zeit kam ein junger Mann auf mich zu, der gerade eine Ausbildung zum Pastor machte. „Darf ich Papa zu dir sagen?“, fragte er mich. Er fühlte sich unsicher, hatte viele Fragen und bat mich, ihm zu helfen. Zeit für die Menschen zu haben, ist etwas sehr Wertvolles. Deswegen besuchen wir viele Menschen und nehmen uns Zeit für Gespräche – vom kleinen Angestellten bis zum Bischof. Wenn man dann wieder geht, ist ein anderes Verhältnis entstanden.

Gibt es eine Begegnung in den letzten Monaten, die euch besonders bewegt hat?
Wir haben über eine Bekannte eine Frau kennengelernt, die häufig zu Annegret kam, um Deutsch zu lernen. Da ergaben sich immer gute Gespräche. Als wir dann in Deutschland waren, haben wir erfahren, dass sie eine Entscheidung für Jesus getroffen hat. Unsere Kollegin Angelika Süsskoch hatte sich in den letzten Wochen viel um sie gekümmert. Das hat uns sehr bewegt. So sehen wir auch unsere Aufgabe in Afrika: Helfen, dass Menschen zu Jesus finden.

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Alexander und Tabea Biskup leben mit ihren drei Kindern seit 2010 in Burundi. Sie waren in der Jugend- und Gemeindearbeit sowie an der Bibelschule in Muramvya tätig. Heute setzen sie sich in der Gemeindegründung unserer Partnerorganisation „Christian Life Ministries“ ein. Außerdem leiten sie das Team der Liebenzeller Missionare in Burundi. Ende letzten Jahres waren sie für einige Wochen in Deutschland, in dieser Zeit haben wir Alexander einige Fragen gestellt.

In Europa hört man wenig von der Corona-Situation in Afrika. Wie ist die Lage in Burundi?
In Burundi gibt es weniger als 800 Corona-Fälle. Auf Hygiene-Maßnahme wie Händewaschen wird an offiziellen Stellen geachtet. Durch die Ebola-Krisen in Afrika in den vergangenen Jahren sind die Menschen hier sensibilisiert. Trotzdem sind die Leute verunsichert. In den Kirchen bleiben zum Beispiel manche Menschen weg.

Und wie ist die politische und gesellschaftliche Situation derzeit? Burundi ist ja ein krisengeschütteltes Land.
Im Mai wurde ein neuer Präsident gewählt, im Juni ist der vorherige verstorben. Die Lage ist derzeit recht stabil. Wir sind nicht mehr im Krisenmodus wie in den Jahren zuvor. Vor der Wahl war die Unsicherheit im Land schon sehr groß, denn 2015 kam es zu schweren Ausschreitungen und Unruhen nach der Wahl. Von daher sind wir sehr dankbar, dass die Lage diesmal so ruhig blieb. Die neue Regierung bemüht sich, internationale Kontakte wiederaufzubauen.

Regelmäßig taucht Burundi in der Liste der ärmsten Länder weltweit auf. Wie erlebst du die Armut in Burundi und wie gehst du damit um?
Armut in Burundi ist sehr vielschichtig. Ein Mangel an Kleidung und Nahrung geht oft einher mit einem Mangel an Liebe und Anerkennung. Der Umgang mit der Armut ist eine tägliche Herausforderung. Wir wollen mit unserer Hilfe keine Abhängigkeit schaffen, aber gleichzeitig Barmherzigkeit leben. Deshalb helfen wir Einzelnen ganz bewusst und wollen auf Gottes Stimme hören, wie wir Jesu Liebe weitergeben können.

In eurem Gemeindegründungsprojekt wollt ihr besonders die junge, aufstrebende Generation erreichen. Was ist euer Ansatz?
Wir machen ansprechende, niederschwellige, englischsprachige, moderne Gottesdienste mit fetziger Musik. Außerdem gibt es Hauskreise, Studentenbibelkreise und Worship Nights. Was uns ganz wichtig ist: Wir wollen den jungen Leuten schnell Verantwortung geben und ihnen ermöglichen, ihre Begabungen einzubringen. Das motiviert sie. Wir geben ihnen eine Chance. Sie werden nicht künstlich klein gehalten.

Gibt es eine Begegnung in den letzten Monaten, die dich besonders bewegt hat?
Da denke ich an Moses. Er kommt aus Uganda und hat die Basiskurse unserer Gemeinde besucht. Er war einer der ersten, die dort zum Glauben kamen. Moses ging sein ganzes Leben in die Kirche, aber war nie mit dem Herzen dabei. Er kennt vermutlich mehr Bibelstellen als ich, aber er hat den Glauben nie gelebt. Jetzt ist er total verändert.
Beeindruckt bin ich auch von Parfait. Er ist der junge Tontechniker bei uns in der Gemeinde. Parfait ist ein zurückhaltender, schüchterner Mann, der aber in der Gemeinde richtig aufblüht und jetzt einen Hauskreis leitet. Jeden Sonntag ist er der erste, der zum Gottesdienst kommt, und der letzte, der geht. Er tut seinen Dienst treu, still, verlässlich und ist eine echte Stütze für uns.

Du willst die Missionsarbeit von Alexander und Tabea Biskup mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

In Burundi hat es sehr viel geregnet, an manchen Orten zu viel. In Gatumba, nördlich von Bujumbura, steht ein Dorf unter Wasser. Ein Fluss ist über die Ufer getreten und hat Felder und Häuser knietief mit Wasser bedeckt. Auf den Dreckstraßen „fahren“ Boote, das stehende Wasser hat die Lehmziegel aufgeweicht und Häuser einstürzen lassen. Manche Menschen schlafen auf der Hauptstraße, da sie höher liegt. Es mangelt an allem, vor allem an Essen und Decken.


Unsere Partner, die anglikanische Kirche Bujumbura und Christian Life Ministries (CLM) helfen in dem Gebiet Betroffenen. Als Liebenzeller Mission unterstützen wir sie dabei, damit den Menschen in Gatumba schnell und direkt geholfen werden kann.


Wir bitten um Spenden für die notleidenden Menschen in Burundi:
Liebenzeller Mission
Sparkasse Pforzheim Calw
IBAN:DE27 6665 0085 0003 3002 34
BIC: PZHSDE66
Verwendungszweck: Fluthilfe Burundi


Hier geht es zur Online-Spende.


Ein Video unseres Partners CLM gibt einen Einblick in die aktuelle Lage vor Ort.


Vielen Dank für alle Unterstützung!

Durch das Projekt BAHO („Leben“) haben schon mehr als 600 bedürftigen Kinder und Familien Hilfe bekommen. Mit einem Drei-Jahres-Programm bekommen Kinder eine gute Schul- oder Berufsausbildung. Anfangs übernimmt die LM komplett die Kosten für die Schulausbildung. Nach und nach bezahlen die Familien einen Eigenanteil, damit sie von unserer Hilfe unabhängig werden. Bitte helfen Sie mit und unterstützen Sie unsere Arbeit weltweit: www.liebenzell.org/spenden

Burundi ist ein gebeuteltes Land. Krisen gibt es immer wieder. Mal flammen sie stärker auf, mal ist es etwas ruhiger. Die Folgen des Bürgerkriegs zwischen Hutu und Tutsi sind immer noch zu spüren. Und auch die politische Lage ist instabil. 2015 flohen nach einem Putschversuch fast eine Viertelmillion Menschen. Unsere Missionare halten auch in den schwierigen Zeiten durch. Seit 26 Jahren sind wir in Burundi im Einsatz. Vor Kurzem besuchten Missionsdirektor Martin Auch und Daniel Mattmüller (Referatsleiter Globaler Süden) das ostafrikanische Land. Unter anderem standen Gespräche mit zwei neuen Partnerorganisationen auf dem Programm. „The Cries of a Child“ (Hilferuf eines Kindes) ist ein sozialmissionarisches Projekt mit Kinderdorf, Kindergarten, Schule und einer Klinik. „Christian Life Ministries“ erreicht als internationale Gemeindegründung in der Hauptstadt Bujumbura vor allem die junge Generation. Weiterhin ist auch die Anglikanische Kirche einer unserer Partner in Burundi. „Wir brauchen dringend Verstärkung in Burundi“, sagte Daniel Mattmüller. „Es ist unser Ziel, Menschen dort zu helfen, Jesus Christus zu finden und aus der Armut gute Wege in ein nachhaltiges Leben zu finden.“

Seit letztem Jahr bin ich für das Projekt „BAHO – Hilfe für benachteiligte Kinder und Familien“ in Burundi zuständig. Nach meinem Heimataufenthalt kam ich im Juni 2018 zurück nach Afrika.

Während des Sommers besuchte ich jede der sieben Gemeinden, mit denen wir im BAHO-Projekt zusammenarbeiten. Ich wollte sie besser kennenlernen und mit den Mitarbeitern eine Bestandsaufnahme machen. Dabei stellte ich fest, dass viele BAHO-Gruppen sehr innovativ sind und viele Ideen haben, aber Schulungs-Material oder die Mittel oft fehlen.
Ich fragte mich, wie wir ihnen helfen könnten. Im September kam eine Freundin auf mich zu, die bei der afrikanischen Organisation „HigherLife“ hier in Burundi arbeitet. Sie geben Stipendien für Schulgelder an bedürftige Kinder aus. Meine Freundin erklärte mir, dass ihr Team jedes Jahr eine „Dankesaktion“ macht und mit eigenen Geldern bedürftige Kinder und Familien unterstützt und damit ein Segen sein wollen. Sie bat mich, ob ich ihr aufschreiben könnte, was wir bei BAHO machen, denn sie wollte vorschlagen, dass ihr Team einer unserer BAHO-Gruppen helfen könnte.

Ende Oktober hörte ich dann wieder von ihr. Ihr Team hatte entschieden, unsere Gruppe in Gatumba (nahe der kongolesischen Grenze) zu unterstützen. Wir planten ihren Besuch für den 10. November. Drei Tage vorher rief sie mich aufgeregt an und erzählte mir, dass auch der große Telefonanbieter „Econet-Leo“ davon gehört hatte und anfragte, ob dieser auch ein Team zu unserer Gruppe schicken könnte. Am 10. November fuhren wir mit mehreren Autos frühmorgens los Richtung Gatumba.
Als wir dort ankamen, war der Raum, in dem die Feier stattfinden sollte, schon schön dekoriert und die Kinder warteten aufgeregt, dass es losging. Sie begrüßten uns fröhlich mit Liedern in der Landessprache „Kirundi“, während wir noch unsere mitgebrachten Geschenke aus den Autos entluden.

Nach der offiziellen Begrüßung des Pastors präsentierten uns die Kinder einstudierte Tänze und ein kleines Theaterstück. Nun gab es die offizielle Überreichung der Geschenke an den Pastor und die BAHO-Verantwortlichen von Gatumba. Als die Kinder sahen, dass unter den Geschenken auch Fußbälle, Trikots für die Jungs und traditionelle Stoffe für die Mädchen waren, gab es aufgeregte und freudige Zwischenrufe von den Kindern. Man konnte ihnen förmlich ihre Aufregung und Freude abspüren.
So lange schon hatte die Fußballgruppe ohne einen Ball trainiert und nun kam endlich die große Überraschung und Antwort auf ihre Kindergebete.

Doch das Team war nicht nur gekommen, um den Kindern Geschenke zu überreichen, sondern auch um sie besser kennenzulernen und Zeit mit ihnen zu verbringen. So gab es Snacks und eine Limo für alle und einige gemeinsame Gruppenspiele, die allen viel Freude bereitete.

Als das Team hörte, dass einer unserer Jungs Vollwaise ist, waren sie bewegt und entschieden, sich von nun an alle seine Schulkosten zu übernehmen. Da war auch die Überraschung bei uns als BAHO-Team groß. Mit so etwas hatten wir nicht gerechnet.

Wir sind sehr dankbar für diesen Tag und den Segen, den Gott diesen Kindern durch das Team von „HigherLife“ und „Econet-Leo“ gebracht hat.

Ich staune immer wieder, welche Möglichkeiten Gott hat und wie er unterschiedliche Menschen und Beziehungen nutzt, um das Leben von unseren BAHO-Kindern zu verändern.
Es ist wunderbar, sehen zu dürfen, wie Gott sich um diese Kinder sorgt und Möglichkeiten hat, um ihnen eine Freude zu machen.
Mein persönliches Highlight war, dass Burundier Burundiern halfen.