Albrecht und Annegret Hengerer sind seit mehr als 30 Jahren mit der Liebenzeller Mission im Einsatz, zunächst von 1989 an in der Gemeindegründung in der Normandie/Frankreich und seit Sommer 2017 in Burundi. Sie unterstützen die einheimische Kirche durch Predigten und Schulungen sowie administrative und geistliche Begleitung. Derzeit sind Annegret und Albrecht in Deutschland. Wir haben Albrecht einige Fragen gestellt.

Ihr kommt aus Baden-Württemberg, habt viele Jahre in Frankreich gelebt und seid nun seit ein paar Jahren in Afrika. Was ist für euch eigentlich Heimat, wo fühlt ihr euch zu Hause?
Bevor wir nach Afrika gingen, war Frankreich unsere Heimat. Seit wir in Burundi sind, wissen wir es nicht mehr richtig. Auf jeden Fall haben wir uns in Afrika sehr gut eingelebt und haben viele Freunde dort. Wir waren ja 27 Jahre in der Gemeindegründung in Frankreich und waren dort immer gerne im Einsatz. Wenn wir in Deutschland waren, hatten wir aber nie Heimweh nach Frankreich. Das war schon nach einem Jahr Burundi anders. Als wir für einige Monate nach Deutschland gingen, hatten wir bereits da Heimweh nach Afrika.

Dass ihr mal in Afrika im Einsatz sein werdet, hättet ihr vor zehn Jahren vermutlich für unmöglich gehalten. Was hat euch an Burundi positiv überrascht und was fordert euch heraus?
Nachdem ich das Abitur bestanden hatte, war meine erste Bitte an Gott, dass ich nie wieder etwas mit der französischen Sprache zu tun haben muss. Dann lebten wir 27 Jahre in Frankreich und heute finde ich Französisch eine der schönsten Sprachen. Als ich meine Frau Annegret heiratete und wir in die Mission wollten, sagte ich zu ihr: Ich gehe überall hin, nur nicht nach Afrika.
Die letzten vier Jahre unserer Zeit in Frankreich hatten wir die Gemeinde in Alençon übernommen. 80 Prozent der Gottesdienstbesucher waren Afrika-Stämmige. Im ersten Jahr hatten wir riesige Probleme miteinander, danach waren wir wie eine Familie und hatten drei super Jahre zusammen. Nach den vielen Jahren in Frankreich hatten wir das Gefühl, dass etwas Anderes dran war. Als dann von der Leitung der Mission die Anfrage für Burundi kam, waren wir durch die drei guten Jahre in Alençon vorbereitet.
Herausfordernd in Burundi war für uns zu Beginn zu lernen, wie man dort lebt – gerade auch im Umgang mit Kriminalität und der Instabilität im Land. Wir haben aber eine ganz tolle Einführung von unserem Teamleiter Alexander Biskup bekommen, das war sehr wertvoll für uns. Das Wichtigste in Afrika sind die Kontakte. Genial ist, dass die Leute einen mit offenen Armen empfangen. So eine Herzlichkeit wie die der Menschen in Burundi, habe ich zuvor noch nie erlebt. Die Burundier sind ein Volk, das lächelt. Und das, obwohl es vielen Menschen nicht gut geht.

Burundi taucht regelmäßig in der Liste der ärmsten Länder weltweit auf. Wie nehmt ihr die Armut im Land war und wie geht ihr damit um?
Armut ist immer schwierig. Als Europäer könntest du in Burundi alles Geld, das du besitzt, an einem Tag den Armen geben. Die Not ist groß. Überall im Land sieht man arme Menschen. 80 Prozent leben unter der Armutsgrenze. Dazu ist Burundi eines der geburtenreichsten Länder der Welt. Aber natürlich gibt es auch Reiche im Land – wie überall auf der Welt. Als Liebenzeller Mission haben wir Projekte, die gezielt armen Menschen helfen, zum Beispiel BAHO – ein Programm, das den Kindern ermöglicht, zur Schule zu gehen und den Eltern, mit dem vorhandenen Geld verantwortlich umzugehen. Aber es ist uns bewusst, dass wir nicht allen Menschen helfen können.

Was sind eure Pläne, wenn ihr wieder zurück in Burundi seid?
Wir bekamen eine Anfrage vom Bischof in Bujumbura, in die „TEE-Arbeit“ (außerschulische theologische Ausbildung) einzusteigen. Ziel soll sein, einheimische Mitarbeiter zu schulen. Gemeinsam in Partnerschaft zu arbeiten, ist uns wichtig.
Außerdem werden wir wieder viel zu Wochenendschulungen von Jugendleitern unterwegs sein. Ältere Menschen werden in Burundi sehr geehrt. Wir liegen mit unserem Alter über der durchschnittlichen Lebenserwartung in Burundi. Junge Menschen fragen uns nach Beratung und sagen: „Ihr habt so viel Lebenserfahrung.“ Manchmal werden wir liebevoll Omi und Opi genannt. Vor einiger Zeit kam ein junger Mann auf mich zu, der gerade eine Ausbildung zum Pastor machte. „Darf ich Papa zu dir sagen?“, fragte er mich. Er fühlte sich unsicher, hatte viele Fragen und bat mich, ihm zu helfen. Zeit für die Menschen zu haben, ist etwas sehr Wertvolles. Deswegen besuchen wir viele Menschen und nehmen uns Zeit für Gespräche – vom kleinen Angestellten bis zum Bischof. Wenn man dann wieder geht, ist ein anderes Verhältnis entstanden.

Gibt es eine Begegnung in den letzten Monaten, die euch besonders bewegt hat?
Wir haben über eine Bekannte eine Frau kennengelernt, die häufig zu Annegret kam, um Deutsch zu lernen. Da ergaben sich immer gute Gespräche. Als wir dann in Deutschland waren, haben wir erfahren, dass sie eine Entscheidung für Jesus getroffen hat. Unsere Kollegin Angelika Süsskoch hatte sich in den letzten Wochen viel um sie gekümmert. Das hat uns sehr bewegt. So sehen wir auch unsere Aufgabe in Afrika: Helfen, dass Menschen zu Jesus finden.

Du willst die Missionsarbeit von Annegret und Albrecht mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Alexander und Tabea Biskup leben mit ihren drei Kindern seit 2010 in Burundi. Sie waren in der Jugend- und Gemeindearbeit sowie an der Bibelschule in Muramvya tätig. Heute setzen sie sich in der Gemeindegründung unserer Partnerorganisation „Christian Life Ministries“ ein. Außerdem leiten sie das Team der Liebenzeller Missionare in Burundi. Ende letzten Jahres waren sie für einige Wochen in Deutschland, in dieser Zeit haben wir Alexander einige Fragen gestellt.

In Europa hört man wenig von der Corona-Situation in Afrika. Wie ist die Lage in Burundi?
In Burundi gibt es weniger als 800 Corona-Fälle. Auf Hygiene-Maßnahme wie Händewaschen wird an offiziellen Stellen geachtet. Durch die Ebola-Krisen in Afrika in den vergangenen Jahren sind die Menschen hier sensibilisiert. Trotzdem sind die Leute verunsichert. In den Kirchen bleiben zum Beispiel manche Menschen weg.

Und wie ist die politische und gesellschaftliche Situation derzeit? Burundi ist ja ein krisengeschütteltes Land.
Im Mai wurde ein neuer Präsident gewählt, im Juni ist der vorherige verstorben. Die Lage ist derzeit recht stabil. Wir sind nicht mehr im Krisenmodus wie in den Jahren zuvor. Vor der Wahl war die Unsicherheit im Land schon sehr groß, denn 2015 kam es zu schweren Ausschreitungen und Unruhen nach der Wahl. Von daher sind wir sehr dankbar, dass die Lage diesmal so ruhig blieb. Die neue Regierung bemüht sich, internationale Kontakte wiederaufzubauen.

Regelmäßig taucht Burundi in der Liste der ärmsten Länder weltweit auf. Wie erlebst du die Armut in Burundi und wie gehst du damit um?
Armut in Burundi ist sehr vielschichtig. Ein Mangel an Kleidung und Nahrung geht oft einher mit einem Mangel an Liebe und Anerkennung. Der Umgang mit der Armut ist eine tägliche Herausforderung. Wir wollen mit unserer Hilfe keine Abhängigkeit schaffen, aber gleichzeitig Barmherzigkeit leben. Deshalb helfen wir Einzelnen ganz bewusst und wollen auf Gottes Stimme hören, wie wir Jesu Liebe weitergeben können.

In eurem Gemeindegründungsprojekt wollt ihr besonders die junge, aufstrebende Generation erreichen. Was ist euer Ansatz?
Wir machen ansprechende, niederschwellige, englischsprachige, moderne Gottesdienste mit fetziger Musik. Außerdem gibt es Hauskreise, Studentenbibelkreise und Worship Nights. Was uns ganz wichtig ist: Wir wollen den jungen Leuten schnell Verantwortung geben und ihnen ermöglichen, ihre Begabungen einzubringen. Das motiviert sie. Wir geben ihnen eine Chance. Sie werden nicht künstlich klein gehalten.

Gibt es eine Begegnung in den letzten Monaten, die dich besonders bewegt hat?
Da denke ich an Moses. Er kommt aus Uganda und hat die Basiskurse unserer Gemeinde besucht. Er war einer der ersten, die dort zum Glauben kamen. Moses ging sein ganzes Leben in die Kirche, aber war nie mit dem Herzen dabei. Er kennt vermutlich mehr Bibelstellen als ich, aber er hat den Glauben nie gelebt. Jetzt ist er total verändert.
Beeindruckt bin ich auch von Parfait. Er ist der junge Tontechniker bei uns in der Gemeinde. Parfait ist ein zurückhaltender, schüchterner Mann, der aber in der Gemeinde richtig aufblüht und jetzt einen Hauskreis leitet. Jeden Sonntag ist er der erste, der zum Gottesdienst kommt, und der letzte, der geht. Er tut seinen Dienst treu, still, verlässlich und ist eine echte Stütze für uns.

Du willst die Missionsarbeit von Alexander und Tabea Biskup mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

In Burundi hat es sehr viel geregnet, an manchen Orten zu viel. In Gatumba, nördlich von Bujumbura, steht ein Dorf unter Wasser. Ein Fluss ist über die Ufer getreten und hat Felder und Häuser knietief mit Wasser bedeckt. Auf den Dreckstraßen „fahren“ Boote, das stehende Wasser hat die Lehmziegel aufgeweicht und Häuser einstürzen lassen. Manche Menschen schlafen auf der Hauptstraße, da sie höher liegt. Es mangelt an allem, vor allem an Essen und Decken.


Unsere Partner, die anglikanische Kirche Bujumbura und Christian Life Ministries (CLM) helfen in dem Gebiet Betroffenen. Als Liebenzeller Mission unterstützen wir sie dabei, damit den Menschen in Gatumba schnell und direkt geholfen werden kann.


Wir bitten um Spenden für die notleidenden Menschen in Burundi:
Liebenzeller Mission
Sparkasse Pforzheim Calw
IBAN:DE27 6665 0085 0003 3002 34
BIC: PZHSDE66
Verwendungszweck: Fluthilfe Burundi


Hier geht es zur Online-Spende.


Ein Video unseres Partners CLM gibt einen Einblick in die aktuelle Lage vor Ort.


Vielen Dank für alle Unterstützung!

Durch das Projekt BAHO („Leben“) haben schon mehr als 600 bedürftigen Kinder und Familien Hilfe bekommen. Mit einem Drei-Jahres-Programm bekommen Kinder eine gute Schul- oder Berufsausbildung. Anfangs übernimmt die LM komplett die Kosten für die Schulausbildung. Nach und nach bezahlen die Familien einen Eigenanteil, damit sie von unserer Hilfe unabhängig werden. Bitte helfen Sie mit und unterstützen Sie unsere Arbeit weltweit: www.liebenzell.org/spenden

Burundi ist ein gebeuteltes Land. Krisen gibt es immer wieder. Mal flammen sie stärker auf, mal ist es etwas ruhiger. Die Folgen des Bürgerkriegs zwischen Hutu und Tutsi sind immer noch zu spüren. Und auch die politische Lage ist instabil. 2015 flohen nach einem Putschversuch fast eine Viertelmillion Menschen. Unsere Missionare halten auch in den schwierigen Zeiten durch. Seit 26 Jahren sind wir in Burundi im Einsatz. Vor Kurzem besuchten Missionsdirektor Martin Auch und Daniel Mattmüller (Referatsleiter Globaler Süden) das ostafrikanische Land. Unter anderem standen Gespräche mit zwei neuen Partnerorganisationen auf dem Programm. „The Cries of a Child“ (Hilferuf eines Kindes) ist ein sozialmissionarisches Projekt mit Kinderdorf, Kindergarten, Schule und einer Klinik. „Christian Life Ministries“ erreicht als internationale Gemeindegründung in der Hauptstadt Bujumbura vor allem die junge Generation. Weiterhin ist auch die Anglikanische Kirche einer unserer Partner in Burundi. „Wir brauchen dringend Verstärkung in Burundi“, sagte Daniel Mattmüller. „Es ist unser Ziel, Menschen dort zu helfen, Jesus Christus zu finden und aus der Armut gute Wege in ein nachhaltiges Leben zu finden.“

Seit letztem Jahr bin ich für das Projekt „BAHO – Hilfe für benachteiligte Kinder und Familien“ in Burundi zuständig. Nach meinem Heimataufenthalt kam ich im Juni 2018 zurück nach Afrika.

Während des Sommers besuchte ich jede der sieben Gemeinden, mit denen wir im BAHO-Projekt zusammenarbeiten. Ich wollte sie besser kennenlernen und mit den Mitarbeitern eine Bestandsaufnahme machen. Dabei stellte ich fest, dass viele BAHO-Gruppen sehr innovativ sind und viele Ideen haben, aber Schulungs-Material oder die Mittel oft fehlen.
Ich fragte mich, wie wir ihnen helfen könnten. Im September kam eine Freundin auf mich zu, die bei der afrikanischen Organisation „HigherLife“ hier in Burundi arbeitet. Sie geben Stipendien für Schulgelder an bedürftige Kinder aus. Meine Freundin erklärte mir, dass ihr Team jedes Jahr eine „Dankesaktion“ macht und mit eigenen Geldern bedürftige Kinder und Familien unterstützt und damit ein Segen sein wollen. Sie bat mich, ob ich ihr aufschreiben könnte, was wir bei BAHO machen, denn sie wollte vorschlagen, dass ihr Team einer unserer BAHO-Gruppen helfen könnte.

Ende Oktober hörte ich dann wieder von ihr. Ihr Team hatte entschieden, unsere Gruppe in Gatumba (nahe der kongolesischen Grenze) zu unterstützen. Wir planten ihren Besuch für den 10. November. Drei Tage vorher rief sie mich aufgeregt an und erzählte mir, dass auch der große Telefonanbieter „Econet-Leo“ davon gehört hatte und anfragte, ob dieser auch ein Team zu unserer Gruppe schicken könnte. Am 10. November fuhren wir mit mehreren Autos frühmorgens los Richtung Gatumba.
Als wir dort ankamen, war der Raum, in dem die Feier stattfinden sollte, schon schön dekoriert und die Kinder warteten aufgeregt, dass es losging. Sie begrüßten uns fröhlich mit Liedern in der Landessprache „Kirundi“, während wir noch unsere mitgebrachten Geschenke aus den Autos entluden.

Nach der offiziellen Begrüßung des Pastors präsentierten uns die Kinder einstudierte Tänze und ein kleines Theaterstück. Nun gab es die offizielle Überreichung der Geschenke an den Pastor und die BAHO-Verantwortlichen von Gatumba. Als die Kinder sahen, dass unter den Geschenken auch Fußbälle, Trikots für die Jungs und traditionelle Stoffe für die Mädchen waren, gab es aufgeregte und freudige Zwischenrufe von den Kindern. Man konnte ihnen förmlich ihre Aufregung und Freude abspüren.
So lange schon hatte die Fußballgruppe ohne einen Ball trainiert und nun kam endlich die große Überraschung und Antwort auf ihre Kindergebete.

Doch das Team war nicht nur gekommen, um den Kindern Geschenke zu überreichen, sondern auch um sie besser kennenzulernen und Zeit mit ihnen zu verbringen. So gab es Snacks und eine Limo für alle und einige gemeinsame Gruppenspiele, die allen viel Freude bereitete.

Als das Team hörte, dass einer unserer Jungs Vollwaise ist, waren sie bewegt und entschieden, sich von nun an alle seine Schulkosten zu übernehmen. Da war auch die Überraschung bei uns als BAHO-Team groß. Mit so etwas hatten wir nicht gerechnet.

Wir sind sehr dankbar für diesen Tag und den Segen, den Gott diesen Kindern durch das Team von „HigherLife“ und „Econet-Leo“ gebracht hat.

Ich staune immer wieder, welche Möglichkeiten Gott hat und wie er unterschiedliche Menschen und Beziehungen nutzt, um das Leben von unseren BAHO-Kindern zu verändern.
Es ist wunderbar, sehen zu dürfen, wie Gott sich um diese Kinder sorgt und Möglichkeiten hat, um ihnen eine Freude zu machen.
Mein persönliches Highlight war, dass Burundier Burundiern halfen.

BURUNDI. Damit möglichst viele unterschiedliche Alters- und Bevölkerungsgruppen das Evangelium hören und Jesus Christus kennenlernen, lassen sich die Missionare der Liebenzeller Mission weltweit viele Aktionen einfallen. Um im ostafrikanischen Burundi die gebildete Schicht zu erreichen, arbeiten die Missionare unter anderem mit einer englischsprachigen Gemeinde in der Hauptstadt Bujumbura zusammen. Sie bietet unter anderem modern gestaltete Gottesdienste an: „Die Musikband besteht aus völlig unterschiedlichen Musikern und Sängern und der Chor ist unglaublich toll und begeistert sonntags in zwei Gottesdiensten die rund 1.000 Besucher“, schreibt Prisca Totzeck. Sie macht zurzeit im Rahmen des „impact-Programms“ einen Kurzeinsatz in Afrika. Dabei ist sie in verschiedene Arbeiten eingebunden, unter anderem in die Sonntagsschule. Diese besuchen viele Kinder unterschiedlichen Alters.

200 Jugendliche finden durch evangelistisches Theaterstück zum Glauben

Bei einer Strandparty mit 300 Jugendlichen feierten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass ein zuvor aufgeführtes evangelistisches Theaterstück 200 junge Zuschauer dazu bewegte, nun ein Leben mit Jesus Christus zu führen. In der „Discovery School“, die von befreundeten amerikanischen Missionaren gegründet wurde und geleitet wird, versuchen die Mitarbeiter rund 1.300 Kindern eine möglichst umfangreiche, aber günstige Schulbildung zu ermöglichen, in der sie auch von Gott hören können. Dabei wurde Prisca Totzeck kurzfristig gebeten, im angeschlossenen Kindergarten eine kurze Lerneinheit mit 25 Kindern zu leiten. „Das war ziemlich lustig, weil mir erst eine Minute vorher mitgeteilt wurde, dass ich den Kindern das Kneten näherbringen soll. Das Ergebnis, dass genau ein Kind das ihm zugeteilte Tier halbwegs erkennbar zustande bekommen hat, sagt hoffentlich nichts über meine Fähigkeiten als Lehrerin aus …“

Die Liebenzeller Mission arbeitet seit 1992 in Burundi. Sie ermöglicht Kindern eine Schulausbildung und unterstützt benachteiligte Familien mit Sparprogrammen, denn viele Burunder haben keinen Zugang zu Banken. Sie trägt ebenso dazu bei, dass Menschen sich in dem Land nach vielen Jahren Bürgerkrieg versöhnen können, indem sie einheimische Christen im Glauben stärkt und Pastoren ausbildet.

BURUNDI. Mit 400 Gästen und einer Taufe mit 21 Täuflingen weihten Christen in Gitega, der zweitgrößten Stadt in Burundi, die neue Kirche von „Christian Life Ministries“ (CLM) ein. Die Liebenzeller Mission arbeitet in dem ostafrikanischen Land unter anderem mit dieser Gemeinde zusammen. CLM möchte ganz bewusst die junge, aufstrebende Generation Burundis erreichen. Neben modernen, ansprechenden Gottesdiensten gibt es viele Hauskreise, in denen die jungen Menschen lernen, Jesus von ganzem Herzen nachzufolgen und in ihm zu wachsen. „Der Saal war vollgepackt, einige mussten stehen, da die Stühle nicht gereicht haben“, schreibt Alexander Biskup. In dem Taufgottesdienst erklärten auch 21 Täuflinge öffentlich, dass sie mit Jesus Christus leben wollen. „Wir waren tief bewegt, was Jesus an und in ihnen verändert hat.“ Pünktlich zum Mittagessen machte sich etwas Hektik breit: Man hatte nur 300 Teller und das Essen war auch nicht für die 400 Gäste ausgerichtet … „Aber mit Gebet und Gottes Gnade hat es gereicht, dass alle satt werden konnten.“ Beim anschließenden Weihegottesdienst wiesen mehrere Redner klar darauf hin, dass es nun nicht um ein Gebäude gehe, oder darum, was einzelne Menschen geleistet haben, damit es nun stehe. Vielmehr gelte es, Gott zu ehren und dieses Gebäude ihm und seiner Anbetung zu widmen.

Die Liebenzeller Mission arbeitet seit 1992 in Burundi. Sie ermöglicht Kindern eine Schulausbildung und unterstützt benachteiligte Familien mit Sparprogrammen, denn viele Burunder haben keinen Zugang zu Banken. Und die Liebenzeller Mission trägt dazu, dass Menschen sich in dem Land nach vielen Jahren Bürgerkrieg versöhnen können, indem sie einheimische Christen im Glauben stärkt und Pastoren ausbildet. Alexander und Tabea Biskup leben in der Hauptstadt Bujumbura. Ihre Hauptaufgabe seit 2010 ist es, Christen in dem ostafrikanischen Land zu schulen und zu fördern.

BURUNDI. Seit 2010 leben Alex und Tabea Biskup mit ihren Kindern in Burundi. Alex ist Teamleiter der Liebenzeller Missionare in dem afrikanischen Land, unterrichtet an einer Bibelschule, koordiniert die Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen und ist zu Predigtdiensten im Land unterwegs. Tabea schult Mitarbeiter für die Sonntagsschule. Burundi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. In den 1990er Jahren starben schätzungsweise 300.000 Menschen durch den Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi. 2015 kam es zu politischen Unruhen, in deren Folge einige Organisationen ihre Mitarbeiter aus Burundi abgezogen haben. Familie Biskup ist in den nächsten Monaten in Deutschland unterwegs, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben Alex drei Fragen gestellt.

Nach den Unruhen in der Vergangenheit: Wie ist die aktuelle Lage in Burundi?

Im Vergleich zu 2015 ist die Situation jetzt viel stabiler. Man hört keine Schießereien und Explosionen mehr. Es findet mittlerweile auch wieder in der Hauptstadt Bujumbura öffentliches Leben statt. Trotzdem leben die Menschen in Angst, keiner weiß, was die Zukunft bringt. Hilfszahlungen aus dem Ausland wurden teilweise ausgesetzt. Darüber hinaus ist die wirtschaftliche Situation ist nach wie vor sehr angespannt. Es ist schwer, an Devisen zu kommen. Wir können aber wieder ohne Probleme in Gemeinden gehen und auch unsere Projekte laufen ohne Einschränkungen.

Ihr lebt mit euren drei Kindern in Burundi. Jetzt seid ihr für ein knappes Jahr in Deutschland. Wie gehen eure Kinder damit um?

Am liebsten würden unsere Kinder gleich wieder zurück nach Burundi. Das ist ihr Zuhause. Die Umgewöhnung auf die Schule in Deutschland ist für unsere große Tochter eine Herausforderung. Aber sie wurde sehr herzlich von ihren Mitschülern und Lehrern empfangen. Und sie kann nun zu Fuß zur Schule gehen und auch mal ohne Mama und Papa unterwegs sein. Das genießt sie sehr. Und doch kommt immer mal wieder bei unseren Kindern Heimweh nach Burundi hoch.

Was braucht Afrika am dringendsten?

Afrika braucht noch mehr Menschen, die sich für ihr Land und ihre Bevölkerung einsetzen. Gerade junge Menschen brauchen eine Perspektive in ihrem Land. Es gibt viele Leute, die etwas bewegen wollen – für ihr Land und in den christlichen Gemeinden. Sie brauchen Chancen, ihr Potenzial zu entfalten.
Was ich vor allem unter den Jugendlichen sehe, ist der Mangel an guten Vorbildern. Sie fühlen sich von den Älteren im Stich gelassen und sehnen sich nach Vorbildern, an denen sie sich orientieren können. Also Einheimische, die Hoffnung geben, die mutig vorangehen und die Probleme der Bevölkerung ernst nehmen und angehen.

BURUNDI. Seit 2014 lebt die Liebenzeller Missionarin Ina Schütte in Burundi. Dort arbeitet sie bei verschiedenen Projekten für benachteiligte Kinder und Familien mit. Zuvor hat sie das Theologische Seminar der Liebenzeller Mission absolviert. Seit Dezember ist Ina in Deutschland, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben ihr drei Fragen gestellt.

Wie ist es für dich, als Single-Frau in Afrika zu leben?
In der afrikanischen Kultur zählt die Ehe zu den höchsten Prioritäten. Ich bin sehr dankbar, dass ich in Burundi als unverheiratete Frau dennoch ernst genommen werde und keine erheblichen Nachteile habe. Durch meinen großen Freundeskreis und meine Gemeinde bin ich sozial gut vernetzt und integriert. Schön ist es auch, dass meine afrikanischen Freunde sehr auf meine Sicherheit bedacht sind – vor allem, wenn ich unterwegs bin. Sie warten beispielsweise mit mir bei Polizeikontrollen, oder erkundigen sich, ob ich gut Zuhause angekommen bin. Da mich ständig Menschen umgeben, fühle ich mich nie alleine.

Wofür schlägt dein Herz in Burundi besonders?
Es schlägt für Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. Diejenigen, die gebrochene Herzen haben oder materiell benachteiligt sind. Menschen, die es bedürfen, dass sich jemand für sie stark macht und mit ihnen ein Stück ihres Weges geht. Natürlich gibt es in diesem Land viele Menschen, die Hilfe brauchen. Der Bedarf ist durch die Krise sogar noch viel größer geworden. Mir ist bewusst, dass ich an der Regierung und der Armut nichts verändern kann. Ebenso wenig ist es mir möglich, allen Menschen zu helfen. Aber ich kann für Einzelne einen Unterschied machen. Ich sehe sie in ihrer Not, stehe ihnen bei und helfe ihnen, wieder neuen Mut zu fassen.

Was sind deine Wünsche für das Land?
Viele Burundier haben in Folge der politischen und wirtschaftlichen Krise ihre Perspektive verloren und die Hoffnung aufgegeben. Auch wenn in diesem Land kein äußerer Frieden herrscht, so wünsche ich mir, dass die Menschen wieder inneren Frieden finden.