BURUNDI. Mit Mitte zwanzig gelten Menschen in Europa längst als erwachsen. In Afrika ist das anders: Wer in diesem Alter unverheiratet und kinderlos ist, hat in der afrikanischen Gesellschaft noch lange keine Stimme. In dieser Lebensphase hungern viele junge Menschen nach Orientierung und Vorbildern. So auch in einer Gemeinde in Kinindo: „Ihr dürft machen was, wo, wie lange und welche Themen ihr wollt, aber bitte macht etwas mit unseren Jugendlichen“, bittet der Pastor der Gemeinde die LM-Missionare Tabea und Alex Biskup, die noch bis vor vier Jahren den Gemeindenachwuchs dort betreuten. Nach ihnen habe sich niemand mehr gefunden, der die Arbeit fortführen konnte.

Obwohl Freizeiten in Burundi nicht auf der Tagesordnung stehen, organisierten die Missionare für rund 50 Jugendliche ein Wochenende in Buta: „Unsere Bibelarbeit dort drehte sich vor allem um Timotheus. Einerseits, weil er in Paulus ein Vorbild fand, an dem er sich orientieren konnte, andererseits, weil er trotz seines jungen Alters viel bewegte“, sagt Alex Biskup. Nicht nur das Leben des Timotheus, auch der zentrale Bibelvers der Freizeit, in 1. Timotheus 4,12, sollte die Jugendlichen ermutigen: „Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit“ – Ein Vers, der für die jungen Menschen Zuspruch und Anspruch zugleich sein sollte. Auch identitätsstiftende Fragen wie „Wer bin ich und wie sieht mich Gott?“ wurden während der Bibelarbeit anhand von Psalm 139 beantwortet. Ebenso wie das Programm wurde auch der Ort der Freizeit nicht zufällig ausgewählt: „Vor 20 Jahren gab es an der Schule in Buta ein großes Massaker“, erzählt der LM-Missionar. 40 junge Menschen wurden ermordet, weil sie zusammenhielten und sich nicht in ihre ethnischen Gruppen aufteilen wollten. Die Jugendgruppe aus Kinindo erlebte in Buta, wohin Gewalt führen kann und wie wichtig Vergebung ist: „Buta ist ein Ort der Versöhnung. Trotz allem haben die Menschen dort gelernt, zu vergeben“, sagt Alex Biskup.

Er und sein Team wünschen sich, dass die Teilnehmer etwas für ihr Leben mitnehmen konnten: „Wir haben hungrige Jugendliche erlebt. Wie sie ihren Glauben leben, Gott mit Hingabe ehren und im Lobpreis ihren Dank zum Ausdruck bringen, hat uns sehr bewegt. Wir hoffen, dass sie das nicht tun, um die Anerkennung anderer zu bekommen, sondern, um ihren Glauben auf einem festen Fundament zu gründen.“

Albrecht und Annegret Hengerer: Von Frankreich nach Burundi.

Manchmal kommt es anders als man denkt. Die französische Sprache mochte Albrecht Hengerer nicht und war froh, nach dem Abitur nie mehr Französisch sprechen zu müssen. Zusammen mit seiner Frau Annegret war er dann aber 27 Jahre lang als Missionar in der Normandie in Frankreich im Einsatz. Dort haben die beiden evangelische Gemeinden gegründet und Menschen zu einem Leben mit Jesus Christus eingeladen. Viele Jahre lang waren sie Teamleiter der Liebenzeller Missionare in Frankreich. Vor ihrer ersten Ausreise als Missionare hatten sich Annegret und Albrecht eigentlich gesagt: „Wir werden niemals nach Afrika gehen.“ Anfang Juli reisen sie nach Burundi! Das afrikanische Land wird ihr nächster Einsatzort sein. Grund für uns, ihnen drei kurze Fragen zu stellen.

Was werden eure Aufgaben in Burundi sein?
Seelsorge, Schulung, Administration. Mit welchen Schwerpunkten wird sich noch zeigen. Annegret wird sich in der Frauenarbeit engagieren.

Hat euch die Arbeit in Frankreich für die Arbeit in Afrika vorbereitet?
Die letzten vier Jahre arbeiteten wir in der Gemeindegründung in Alençon. 70 Prozent der Menschen in unserer Gemeinde kamen aus Afrika. Auch im Ältestenskreis waren die meisten Personen Afrikaner. Wir konnten ein Gespür dafür entwickeln, wie Menschen aus Afrika denken, handeln, reden. Das hat uns sehr angesprochen. Im Rückblick sagen wir heute: Das hat Gott sehr gut so gefügt.

Was werdet ihr an Frankreich vermissen und worauf freut ihr euch in Burundi?
An Frankreich werden wir natürlich das Baguette vermissen. Und die Frische der Natur. Auch die Lebensart der Franzosen hat uns schon sehr zugesagt. In Burundi freuen wir uns auf die unwahrscheinliche Herzlichkeit der Menschen, die Schönheit des Landes und die enge Zusammenarbeit im Missionarsteam.

BURUNDI. Burundi leidet trotz Friedensschluss mit der letzten Rebellengruppe immer noch stark an den Folgen des Bürgerkriegs. Unter den einzelnen Volksstämmen herrschen Misstrauen und Vorbehalte. Deshalb braucht das Land dringend Menschen, die Christen theologisch ausbilden, damit sie Hoffnungsträger und Friedensstifter sein können. Die Liebenzeller Mission unterstützt die Bibelschule in Muramvya. Neben der Theorie sollen auf der Bibelschule auch praktische Kurse belegt werden können. Konzipiert ist die Bibelschule für Laienmitarbeiter aus dem ländlichen Bereich, da gerade die Gemeinden dort wachsen und der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern groß ist. Die LM arbeitet seit 1992 in Burundi.

BURUNDI. Die Liebenzeller Missionarsfamilie Alex und Tabea Biskup arbeitet in ihrem Missionsdienst in Bujumbura mit der einheimischen Anglikanischen Kirche zusammen. So war Alex Biskup auch Teil der zuletzt stattfindenden alljährlichen Pastorenkonferenz der Anglikanischen Kirche, bei der er gebeten wurde „eine Einheit zum Thema ‚Versöhnung‘ zu halten“.

„Versöhnung“ – ein nicht gerade einfaches und selbstverständliches Thema in einem Land, das noch immer die Spuren des damaligen Bürgerkrieges in sich trägt, und gerade erneut von Gewaltwellen und politischen Unruhen heimgesucht wird. Inmitten dieser Situation stellten sich die etwa 40 Pastoren der herausfordernden Einheit und erlebten die Bedeutsamkeit von Versöhnung ganz persönlich, als ein Pastor anschließend vor den Teilnehmern und dem Bischof Schuld bekannte und um Vergebung bat. „Das hat einige Anwesenden zu Tränen gerührt. Das war gelebte Versöhnung: ein Bruder wurde wieder herzlich in die Gemeinschaft aufgenommen.“