NEUBRANDENBURG / BAD LIEBENZELL. Ein echter Grund zum Feiern: Seit 15 Jahren besteht das sozialmissionarische Projekt „Oase im Reitbahnviertel“ der Liebenzeller Mission in Neubrandenburg. Bei einem Fest am 7. August wurde Mitgründerin Elisabeth Walter-Fischer in den Ruhestand verabschiedet.

Ziel des Projekts ist es, Menschen im Reitbahnviertel praktisch zu helfen, ihnen eine Anlaufstelle zu bieten, wo Mitarbeitende ein offenes Ohr für Nöte und Alltagsfragen haben, und eine neue, frische Kirchengemeinde zu gründen, die „ein Kind des Viertels ist“, wie es Bettina Heckh erläutert. Sie ist Fachbereichsleiterin für Projekte und Finanzen in der Zentrale des Missionswerks im Schwarzwald und fuhr gerne die knapp 800 Kilometer zur Feier nach Mecklenburg-Vorpommern. „Es ist uns wichtig, dass die Oase zu den Leuten aus der Neubrandenburger Nordstadt passt“, so Bettina Heckh. „Ich staune, wie viel Vertrauen gewachsen ist. Die Menschen kommen gerne in die Oase und Gemeinschaft ist gerade in diesen Zeiten sehr wichtig und wertvoll.“

In dem Plattenbaugebiet wohnen rund 4500 Einwohner. Es ist das jüngste Viertel der Stadt. Viele Familien müssen mit wenig Geld auskommen. „Die Angebote in der Oase sind ganz verschieden, jeder kann so kommen wie er ist. Die Oase ist ein Ort für Suchende, Atheisten, Christen. Alle sind willkommen“, sagt Bettina Heckh. Die Projektarbeit läuft in Zusammenarbeit mit dem Mecklenburgischen Gemeinschaftsverband.

Wehmütig wurde es bei der Jubiläumsfeier, als Elisabeth Walter-Fischer verabschiedet wurde. Mit ihrem ersten Mann Jakob gründete sie die Oase. Zusammen mit ihm und ihren drei Kindern lebte sie von 1979 bis 2000 in Papua-Neuguinea und war dort als Missionarin im Einsatz. Jakob starb 2008 nach schwerer Krankheit. Elisabeth blieb in Neubrandenburg und lernte hier den ebenfalls verwitweten ehrenamtlichen Mitarbeiter Herbert Fischer aus Heilbronn kennen. Die beiden heirateten 2015. Doch nun ist Loslassen angesagt. Elisabeth lässt viele Menschen zurück, die ihr lieb geworden sind: Kolleginnen und Kollegen aus ihrem Team und natürlich die Neubrandenburger, die ihr ans Herz gewachsen sind. Zusammen mit Herbert zieht sie in seine Heimat in Baden-Württemberg zurück, um dort den Ruhestand zu verbringen. Zum Abschied gab es einen Luftballonstart. „Er sollte das Loslassen symbolisieren und dass die Menschen im Reitbahnviertel die Oase zu einem bunten und lebendigen Zuhause machen“, erklärt Bettina Heckh. Die regelmäßigen Oase-Besucherinnen und –Besucher werden Elli, wie sie meistens genannt wurde, vermissen. „Sie war das Herz der Oase“, so Bettina Heckh. Zum Abschied predigte Dirk Farr, Gemeindegründer aus Berlin, über den biblischen Psalm 27. Es lohne sich, nah am Herzen Gottes zu sein, um nah bei den Menschen sein zu können. Ein Prinzip, das Elisabeth und Herbert Tag für Tag lebten.

Auch wenn sie zukünftig im Süden Deutschlands leben werden, bleiben Elisabeth und Herbert mit den Neubrandenburgern in Kontakt. Sicherlich wird es den ein oder anderen Besuch geben. Und über Gebete haben sie nicht nur einen direkten Draht nach oben, sondern sind auch mit den Menschen vor Ort verbunden.

Kinder und ältere Menschen sind von der Corona-Pandemie besonders betroffen, vor allem, wenn sie unter schwierigen sozialen Bedingungen aufwachsen wie im Reitbahnviertel in Neubrandenburg. Bei einer Arbeitslosenquote von über zwanzig Prozent müssen viele Familien mit wenig Geld auskommen.

Aber nicht nur finanzielle Not macht den Menschen hier zu schaffen. In dem sozial-missionarischen Projekt „Oase“ der Liebenzeller Mission bringen die Mitarbeitenden auf kreative Weise Gottes Liebe zu den rund 4.500 Bewohnerinnen und Bewohnern. So boten sie während der Corona-Pandemie ein „Frühstück to go“ an. Rund 25 Vesper zum Mitnehmen haben täglich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerichtet und zwischen 9 und 10:30 Uhr ausgegeben. Für einen kleinen Unkostenbeitrag von zwei Euro gab es am Küchenfenster der Oase einen Kaffee, ein bis zwei Brötchen (wobei man noch welche kostenlos nachholen konnte), eine Banane, ein Ei, Tomaten und/oder Radieschen. Alles wurde in Papiertüten eingepackt. In jede Tüte haben die Mitarbeitenden einen kleinen Input bzw. Hinweis über Jesus aufgenommen. Wer sein Frühstück geholt hatte, konnte sich – mit Abstand – zunächst auf den Vorplatz setzen. Mittlerweile können die Besucherinnen und Besucher auf dem Innenhof draußen auf den Sofas sitzen. Selbstverständlich beachtete man dabei die geltenden Hygiene-Regeln.

Das Angebot nahmen viele Mütter und Senioren dankbar an, berichtet Anna Kölbel: „Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Es war das Erste, was wieder unkompliziert Gemeinschaft ermöglicht hat.“ So gab es guten Austausch bei den Gesprächen. Die Liebenzeller Missionarin ermutigt, auch andernorts solche Aktionen anzubieten: Am besten eignet sich ein Begegnungsort wie ein Vorplatz, vorzugsweise mit Sitzmöglichkeit.

Wir sind froh und dankbar für 17 neue Missionarinnen und Missionare, die sich in die Missionsarbeit weltweit senden lassen – nach Papua-Neuguinea, Kanada, Burundi, Spanien, Deutschland, Japan, Frankreich und Sambia. Zur Begegnung und zum Kennenlernen gab es ein Treffen in Dobel. Jetzt gehen unsere Neuen ermutigt den nächsten Schritt im Vorbereitungsprogramm. Wir wünschen ihnen, dass sie gesegnet sind und selbst ein Segen für viele Menschen werden.

Du überlegst, selbst Missionarin oder Missionar zu werden? Dann findest du hier weitere Infos: https://www.liebenzell.org/mitmachen/mitarbeiten/missionar-werden/

Sven und Mareike Mitschele lebten zusammen mit ihren drei Kindern vier Jahre lang in Sambia und setzten sich an der Amano-Schule ein. Zuvor unterstützten sie bei einem einjährigen Kurzeinsatz unser Team in Papua-Neuguinea. Mareike ist Fachlehrerin für musisch-technische Fächer, Sven ist Kaufmann und Sozialarbeiter von Beruf. Zum Herbst wechseln sie in unser sozialmissionarisches Projekt „Oase“ in Neubrandenburg. Wir haben ihnen ein paar Fragen gestellt.

Nach vier Jahren in Sambia seid ihr nun wieder in Deutschland. Was vermisst ihr an Afrika?
So kurz nach der Rückkehr im April fehlten uns die warmen Temperaturen, aber auch die Wärme, wenn wir Menschen begegnen. In Afrika macht man gleich mit jedem Smalltalk, auch mit Fremden. Hier liegt der Schwerpunkt viel mehr auf Zeit und Terminen und weniger auf Menschen. Unseren Kindern fehlt der Nshima, der Maisbrei, der das Grundnahrungsmittel in Sambia ist.

Eure Leidenschaft in den letzten Jahren galt den Kindern und Jugendlichen an der Amano-Schule. Was macht die Schule so besonders?
Sicherlich die bunte Mitarbeiterschaft. Trotz großer Unterschiedlichkeit hat jeder ein Herz für Jesus und für die Kinder. Der Wunsch von allen ist, dass die Kinder Jesus kennenlernen. Es ist faszinierend, wie viele Kulturen auf Amano zusammenleben. Weil es eine Internatsschule ist, hat man die Chance, in das Leben der Kinder hineinzuwirken und etwas zu verändern.

Gibt es ein Erlebnis aus eurer Zeit in „Amano“, das euch in besonderer Erinnerung ist?
Die Highlights waren die Veranstaltungen am Wochenende, bei denen man die Kinder mehr privat kennengelernt hat und Zeit mit ihnen verbringen konnte: Geländespiele, Ausflüge zu einem Pool, Koch- oder Grillaktionen. Hühnchen grillen in einem Erdbackofen war zum Beispiel eine coole Sache.
Wir waren ja die Hauseltern des Jungeninternats. Besonders viel Freude hat es mir (Sven) gemacht, mit einzelnen Jungs ein Jüngerschaftsprogramm durchzuführen. Es war genial, sie im Glauben wachsen zu sehen. Einmal hatte ich das Gefühl, einen Jungen ansprechen zu müssen, ob wir uns nicht ab und zu treffen sollten. Er erklärte mit, dass er mich das auch schon fragen wollte. Dann haben wir uns regelmäßig einmal die Woche getroffen, um gemeinsam Bibel zu lesen und über Lebens- und Glaubensfragen zu sprechen.

Im Herbst beginnt für euch mit der Oase in Neubrandenburg etwas Neues. Was wisst ihr bereits über euer neues Projekt?
Dass wir in der „Platte“ wohnen werden. Wir wissen, dass dort auch viele Menschen mit sozial schwachem Hintergrund leben. Viele sind einkommensschwach mit allerhand Problemen. Welche konkreten Aufgaben wir haben werden, ist aber noch nicht klar.
Die meisten sind areligiös geprägt, deshalb freuen wir uns auf die Arbeit im Team und wollen den Menschen Jesus liebmachen. Übrigens: Im Reitbahnviertel leben auf engem Raum mehr Menschen als in unserem Heimatdorf!

Und auf was freut ihr euch?
Auf die Begegnung mit den Menschen.
Unsere Mädchen freuen sich auf den Kindergarten und die Schule. Sie vermissen Sambia, haben hier aber auch mehr Möglichkeiten, wie Musikunterricht, Vereine usw. Ich freue mich auf die sozialmissionarische Gemeindegründungsarbeit.
Gott hat uns auch schon mit einer genialen Wohnungslösung versorgt. Wir spüren, dass Gott die Türen öffnet. Auch die Kindergarten- und Schulplätze haben sich ungewöhnlich schnell geklärt. Gott hat alles innerhalb von zwei Wochen geregelt, solange wir noch in Sambia waren. Das war eine Bestätigung für uns.

Du willst die Missionsarbeit von Mareike und Sven Mitschele mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Verrückte Welt! Als wir – ein buntes Team aus Studierenden, quer durch die Jahr- und Studiengänge der IHL und ITA – am Montagmorgen um fünf Uhr in Bad Liebenzell in die Autos stiegen, wusste wohl keiner, was wirklich auf uns zukommen würde. Wir hatten uns zu dieser Missionsreise entschlossen und wussten, dass wir in einem Flüchtlingslager in Serbien mitarbeiten würden. Vor allem junge männliche Afghanen sind vor Ort. Tee ausschenken und Wäsche waschen. So viel war uns bekannt. Doch wir merkten schnell, dass alles ganz anders war als gedacht. Denn nach einer gut zwölfstündigen Autofahrt, bei der wir die Grenzen zu Österreich, Slowenien, Kroatien und schließlich Serbien überquerten, fanden wir uns am Dienstagmorgen in diesem Flüchtlingscamp wieder – in einer völlig anderen Welt.

Das Camp ist einfach nur eine umfunktionierte Autobahnraststätte mit dazu aufgeschlagenen 100-Mann-Zelten. Als wir das erste Mal hineingingen, strömten die Menschen aus allen Ecken und Enden, um uns zu sehen. Wir waren die ersten Volontäre seit längerer Zeit, und so war unser Team DIE Attraktion. Waren zu Beginn noch all die Gesichter fremd, so änderte sich dies doch schnell in den folgenden zwei Wochen.

Jeden Tag gingen wir in zwei Schichten ins Lager, um Tee auszuschenken und die Wäsche zu waschen. Doch viel mehr geschah darüber hinaus. Wir spielten verschiedene Spiele – UNO kann man übrigens locker über Stunden hinweg spielen ;), malten mit ihnen, führten Englisch-Kurse durch und sangen gemeinsam Lieder. Und obwohl sich so manches Mal die Verständigung schwierig gestaltete, konnten wir viel gemeinsam lachen und Beziehungen aufbauen. Es wurde schnell klar, dass wir es hier nicht mit irgendwelchen Fanatikern oder Gewalttätigen zu tun hatten, sondern einfach nur mit Menschen in unserem Alter: junge Männern, die das Pech hatten, in einem anderen Land geboren zu sein. Nun sind sie auf der Suche nach einem Leben fernab von Gewalt und Chaos und erhoffen sich dies in Europa.

Was hier jetzt richtig und falsch ist, diese Frage stellte sich dort oftmals nicht mehr. Wenn man diese Menschen sieht, bewegt das zuallererst das Herz. Und dieses war auch schwer, als wir am Ende der zwei Wochen wieder nach Deutschland zurückgefahren sind. An den Grenzen, die diese Männer von ihrem Traum trennen, zückten wir einfach unsere Pässe und konnten ohne Probleme passieren. So sind wir nun wieder zurück mit viel Stoff zum Nachdenken.

Wir sind froh, dass wir bei alldem auch Gottes große Hand am Wirken gesehen haben. Auch in diesem Chaos ist er lebendig und spricht. Manchmal konnten wir es deutlich sehen, vieles bleibt uns aber auch verborgen. Doch wir wollen darauf vertrauen: Er ist derjenige, der diese Welt in seiner Hand hält. Und er möchte in Beziehung zu jedem Einzelnen treten. Deswegen hoffen wir, dass diese Botschaft bei den Männern angekommen ist und sie ein Leben mit ihm beginnen.

Text: Marco Anhorn, Foto: Martin Kocher

Aaron und Ilonka Köpke leben mit ihren drei Kindern in Neubrandenburg. Mit dem Team der „Oase im Reitbahnviertel“ gründen sie eine Gemeinde mit Leuten aus dem Viertel für das Viertel. Aaron ist seit 2012 Sozialarbeiter in der Oase, seit April 2018 leitet er das Oase-Team. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Warum ist euer Projekt eine Oase für die Leute in eurem Viertel?
Eine Oase ist wichtig in Wüsten-Zeiten, wenn das Leben viel von einem fordert, ein Quellort für neue Kraft. Eine Oase ist ein Ort der Gemeinschaft. Menschen schätzen Gemeinschaft. Das versuchen wir zu leben.

Wie ist die Situation der Kinder und Jugendlichen bei euch derzeit: Trifft Corona sie mehr als Kinder in anderen Vierteln oder Gegenden?
Ein großer Anteil unserer Kinder und Jugendlichen ist bei Bildung ohnehin schon benachteiligt. Durch Corona hat sich die Lage noch verschlechtert. Da muss man schauen, dass sie den Anschluss nicht verlieren. Durch die Wohnverhältnisse sind die Kinder bei gutem Wetter derzeit viel draußen. Das ist ihre „Überlebensstrategie“.

Euer Ziel ist, dass aus der Oase eine Gemeinde entsteht: Wie ist der aktuelle Stand oder fühlt ihr euch bereits als Gemeinde?
Gottesdienste konnten auch während Corona weitgehend stattfinden. 25 Personen gehören zu unserer Kerngruppe, die regelmäßig zu Abendandachten und Kleingruppen kommen. Zu unseren offenen Programmen wie Frühstücksangeboten kamen auch Menschen, die kein Interesse an der Gemeinde haben. Sie bleiben jetzt eher weg, da diese Angebote derzeit wegen der Coronamaßnahmen nicht stattfinden können.
Der nächste Schritt für uns ist, Leitungsstrukturen zu schaffen, die so partizipativ sind, dass Leute aus dem Viertel integriert sind. Zum Beispiel durch kleine Teams, in denen die Menschen Verantwortung übernehmen können. Aber Zeit wird das natürlich benötigen.

Was begeistert dich an deinem Job und was fordert dich heraus?
Mich begeistert, dass wir das Reitbahnviertel als Heimat und Zuhause sehen. Wir haben das Gefühl, dass wir wirklich angekommen sind. Wir kennen viele Menschen und sind gut vernetzt. Die Nähe zueinander in so einem Wohngebiet erleben wir als sehr positiv.
Herausfordernd finde ich, dass ich mein inneres Bild von Gemeinde nicht auf sie projiziere. Die Gemeinde soll so werden, dass sie für das Viertel passt. Die Gefahr besteht immer, dass wir etwas gestalten, was unseren eigenen Vorstellungen entspricht. Wir haben eine Berufung und eine große Leidenschaft für unsere Arbeit. Aber nicht alles passt automatisch, wie wir es uns so überlegen.
Für uns wird die zweite Generation an Menschen in der Gemeinde spannend. Ihre Chance, ihr Leben mit Jesus zu gehen, ist viel größer als bei der ersten Generation, die komplett atheistisch aufgewachsen ist.

Was sind deine Wünsche für die Menschen im Reitbahnviertel?
Dass sie die Oase als Stadtteiltreff kennenlernen und erfahren, was Gemeinde bedeuten kann. Für diejenigen, die bereits zu uns in die Gemeinde kommen, wünsche ich mir, dass sie füreinander da sind und treu zusammenhalten.

Du willst die Missionsarbeit Ilonka und Aaron Köpke mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Mein Handy vibriert. Ich nehme es in die Hand und lese die verzweifelte Nachricht von Akram (Name geändert), einem Geflüchteten aus Afghanistan. Er hat nur eine Duldung erhalten, dabei hatte er so sehr auf eine Anerkennung gehofft. Meine Gedanken sind hin- und hergerissen. Akram tut mir leid, denn mit einer Duldung hat er es sehr schwer. Seine innere Zerrissenheit wird sich nicht bessern. Denn er weiß nicht, wie lange er bleiben kann. Wieder wurden seine Hoffnungen zerschlagen und er hat keine Perspektive für sein Leben hier in Deutschland.

Auf der anderen Seite denke ich: „Selbst Schuld. Warum hast du auch den Anwalt nicht bezahlt?“ So hätte er höchstwahrscheinlich eine Anerkennung als Asylberechtigter bekommen. Aber so einfach ist das dann auch wieder nicht. Akram und viele andere junge Männer, mit denen ich zu tun habe, haben den Umgang mit Geld nie gelernt. Sie schließen Verträge ab, die regelmäßige Kosten mit sich bringen. Aber sie können sie auf die Dauer nicht bezahlen. Dann kommen Mahnungsgebühren hinzu und in kürzester Zeit haben junge Männer Schulden in Höhe von 1.000 Euro. Wenn man mit 320 Euro im Monat auskommen muss, ist das eine enorme Summe. Wie soll man aus dieser Schuldenfalle je herauskommen? Immer wieder helfe ich den Männern, abgeschlossene Verträge zu kündigen und unterstütze sie im Umgang mit den Inkassofirmen.

Und dann sind da noch die Erwartungen der Verwandten im Heimatland. Plötzlich wird die Mutter krank. Man kann doch seiner eigenen Mutter die Hilfe nicht verwehren! Dann werden schnell einmal 100 Euro nach Afghanistan geschickt und am Ende bleibt kein Geld mehr übrig für Essen, Busfahrkarten oder ein neues Shampoo. Erstaunlich, dass sie es doch irgendwie schaffen, über die Runden zu kommen.

Ich nehme das Handy und spreche Akram eine Nachricht auf. Ich versuche ihm Mut zu machen. Einige Tage später ermutige ich ihn, die Hilfe einer Psychologin in Anspruch zu nehmen. Seine innere Zerrissenheit und Verzweiflung ist groß. Fünf Jahre in Deutschland – keine Arbeit, keine Perspektive, keine Familie … Auch ich bin innerlich zerrissen. Tobias Zinser

Tobias Zinser war von 2012 bis 2015 als Entwicklungshelfer in Afghanistan tätig. Seit 2016 arbeitet er unter Geflüchteten in Bad Liebenzell. Seit 2018 ist er mit seiner Frau Sarah Projektleiter des Hoffnungshauses Bad Liebenzell.

Durch die Corona-Pandemie ist die Kinder- und Jugendarbeit aktuell sehr eingeschränkt. Und doch lassen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Liebenzeller Mission immer wieder kreative Angebote einfallen – wie in der „Oase“ in Neubrandenburg. Einige Mitarbeitende produzierten Videos für die Kinder. Sie stellten nun einen Fernseher ins Bürofenster und ließen nachmittags die Videos in Dauerschleife laufen, damit sich die Kinder auch auf dem Spielplatz unkompliziert die Videos von „Fischlein Rosi“ anschauen konnten, berichteten Jonathan und Melanie Nill. „Unsere Erfahrung ist aber auch: Digitale Medien können zwar eine Hilfe sein, aber der persönliche Kontakt ist und bleibt gerade auch in diesen Zeiten besonders wichtig und praktisch unersetzlich. Deshalb sind wir als Team dankbar, dass wir Menschen durch Gottesdienste, 1:1-Treffen und Streetwork erreichen können.“

Klaus-Dieter und Erika Volz waren von 1993 bis 2009 Missionare in Taiwan und arbeiten seit 2009 unter Chinesen in Deutschland. Klaus-Dieter leitete viele Jahre die Interkulturellen Teams der Liebenzeller Mission und ist jetzt Teil des Teams „Mission und Integration”. Wir haben Erika und Klaus-Dieter einige Fragen gestellt.

Wie ist aktuell die Lage für Christen in China: Von Religionsfreiheit kann nach wie vor keine Rede sein?
Man muss das differenziert sehen. Viele der unterdrückenden Maßnahmen richten sich nicht explizit gegen Christen, sondern gegen die gesamte Bevölkerung. Es gibt eigentlich zwei Grundsätze, die die Regierung einfordert und gegen die man nicht verstoßen sollte: Erstens: Keine negativen Äußerungen über die Regierung. Zweitens: Nicht in Massen treffen. Wer das berücksichtigt, kann relativ offen Jesus verkündigen. Aber natürlich muss jedem bewusst sein, dass es in China keine Meinungsfreiheit gibt und Überwachung allgegenwärtig ist. Da sind die Kirchen nicht ausgenommen. Viele Chinesen sehen die Überwachung aber gar nicht so negativ. Sie sind so geprägt, dass sie das oft als Schutz und Sicherheit empfinden.
Was die Corona-Pandemie angeht: Da sind die Christen in China selbstverständlich genauso von den strengen Maßnahmen der Behörden betroffen wie alle anderen Menschen in China. Chatgruppen und digitale Gebetstreffen haben dazu geführt, dass mehr Leute an christlichen Angeboten teilgenommen haben. Viele Menschen waren vom Lockdown genervt und haben sich daher recht leicht zu digitalen Treffen einladen lassen. Ein Pastor aus Wuhan hatte einen bewegenden Brief an die Christen in China geschrieben. Er forderte sie auf, zuerst ihre eigene Hoffnung zu stärken, dann aber die Hoffnung durch Jesus in ganz China rauszutragen. Dieser Brief hatte eine enorme Wirkung.

Schätzungen sprechen von rund 100 Millionen Christen in China. Haltet ihr das für realistisch?
Das kommt vermutlich schon hin. Man spricht von 8 bis 10 Prozent Christen in China. Sicherlich gibt es in China mehr Christen als in Deutschland.

Ihr bietet Bibelkreise für chinesische Studierende an und engagiert euch in der chinesischen Gemeinde in Karlsruhe. Wie bekommt ihr Kontakt zu den Menschen?
Durch die Corona-Maßnahmen sind wir derzeit in Vielem eingeschränkt. Dass wir in chinesischen Restaurants evangelistische Verteilschriften an die Angestellten weitergeben, ist derzeit zum Beispiel nicht möglich. Aber das meiste geht ohnehin über Kontakte zu anderen Chinesen in Deutschland. Chinesische Christen laden ihre Freunde ein. Feste sind bei Chinesen besonders beliebt: Weihnachten, das chinesische Neujahrsfest etc.: Da lassen sich Chinesen gerne in die Gemeinden einladen. Sie kommen da auch ganz unvoreingenommen. Und wenn es ein gutes chinesisches Essen gibt, dann sind sie natürlich besonders gerne dabei.
Die chinesischen Gemeinden bieten zum Semesterbeginn auch Kulturabende über Deutschland an. Und da sprechen wir dann auch gerne über unseren Glauben.

Gibt es etwas, was Chinesen am christlichen Glauben besonders überrascht?
Die Offenheit und Hilfsbereitschaft von Christen beeindruckt sie. Chinesen sind sehr familienorientiert. Man hilft sich eigentlich nur innerhalb der Familie. Wenn es jemanden gibt, der sich darüber hinaus engagiert und ihnen hilft, dann freuen sie sich sehr darüber.
Was sie auch überrascht: Viele Chinesen verknüpfen Kultur und Religion. Sie wollen die deutsche Kultur kennenlernen, da gehört Religion für sie selbstverständlich dazu. Irgendwann stellen sie fest, dass Jesus Christus etwas mit einem persönlich zu tun hat. Damit hätten sie nicht gerechnet. Klar, nicht alle machen dann den Schritt im Glauben. Aber wir freuen uns über jede Einzelne und jeden Einzelnen.

Du willst die Missionsarbeit von Klaus-Dieter und Erika mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Die Corona-Pandemie erfordert, dass die Gottesdienstbesucher Abstand halten. Doch was tun, wenn man viele Besucher in einem kleinen Versammlungsraum zählt? Die Gemeinde in Bad Doberan des Liebenzeller Missionars Christoph Scharf feiert nun seit zehn Wochen sonntags in der größten Sporthalle der Stadt an der Ostsee: „Die Stadt hat uns hierzu einen sehr fairer Nutzungsvertrag gegeben.“

Ab nächster Woche verteilen sie zudem an der Krippe im Gemeindegarten Kalender. Täglich sind sechs Mal die Weihnachtsgeschichte mit Musik zu hören. An Heiligabend gibt es außerdem einen kurzen Open-Air-Gottesdienst an der Krippe mit einer Kurzpredigt von Christoph Scharf.

Christoph und Inka Scharf sind seit Sommer 2010 in der Gemeindeaufbauarbeit in Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern) engagiert. In der 13.000 Einwohner zählenden Stadt bauten sie innerhalb des Mecklenburgischen Gemeinschaftsverbandes zusammen mit einem engagierten Team vor Ort eine Gemeinde auf. Dabei bieten sie viele missionarische Aktionen an wie zum Beispiel Stände auf Märkten und ein Weihnachtsfest für Alleinstehende.