Ein Bericht von ITA-Student Sebastian Schneider.

Der 3. Jahrgang der Interkulturellen Theologische Akademie (ITA) war vom 10 bis 17. März mit ITA-Rektor Gustavo Victoria zu einer Evangelisationswoche in Reichenbach im Vogtland in Sachsen.
Seit einigen Jahren besteht zur LKG Reichenbach ein guter Kontakt, was sich z. B. auch darin äußert, dass die ITA jedes Jahr einen Praktikanten für vier Monate von September bis Dezember dort einsetzt. Daraus entstand der Wunsch, ob Gustavo Victoria nicht mal mit einer ganzen Klasse kommen könnte, um eine Evangelisationswoche zu gestalten. Dies hat nun geklappt und es war für beide Seiten eine bereichernde und gesegnete Erfahrung.

Das duale Konzept der ITA (Theorie + Praxis) wurde auch in Reichenbach gelebt. Am Vormittag stand Unterricht auf dem Plan. Gustavo vermittelte im Modul „Öffentliches Reden“ wertvolle Inhalte, die bei den Abenden der Themenwoche gleich angewandt werden konnten. Die sehr lebensnahen Vorträge umrahmten die Studenten musikalisch und mit persönlichen Glaubenszeugnissen.

Jeden Abend wurden die Zuhörer zu einem Leben mit Jesus Christus eingeladen. Und tatsächlich folgten manche diesem Aufruf. So auch eine Frau Mitte fünfzig. Ihre Wurzeln hat sie in Reichenbach, wohnt jedoch seit vielen Jahren in Bayern. Ihre Mutter lud sie zu den Themenabenden ein, worauf sie sich eine Woche freinahm, um zu kommen. Nachdem sie jeden Abend gekommen war, kam sie am letzten Abend nach vorne zum Kreuz und begann ein Leben mit Jesus. Ist es nicht wunderbar, wenn man sagen kann, dass man zweimal in Sachsen geboren wurde?

Die Gemeinde selbst freute sich riesig über die Unterstützung durch Gustavo Victoria mit seinen Studenten. Die Studenten freuten sich wiederum über die liebevolle Betreuung durch die Gemeinde. Durch eine tägliche „Gourmet-Versorgung“ und der Unterbringung bei lieben Gasteltern war für die Gruppe aus dem Schwarzwald bestens gesorgt.

DEUTSCHLAND. „Ich stand vor der Tür, hörte zu – und ging wieder. Was Sie tun, ist viel wichtiger als das, was ich mache.“ Das sagte ein Arzt in einem Hospiz zu Schwester Hilde Häckel, die dort mit ihrer Veeh-Harfe immer wieder singt. „Dankbar bin ich, dass ich im vergangenen Jahr einigen Menschen erklären durfte, wie sie ihr Leben in Jesu Hände legen können.“ Viel Freude bereitet es ihr, wenn sie mit ihrem Instrument neben dem Hospiz unter anderem in einer Krebstherapie-Klinik, einem Wohnheim für Menschen mit psychischer Behinderung, in Senioren- und Pflegeheimen sowie bei vielen „ganz normalen Besuchen“ singen und spielen darf.

Seit Februar 2014 unterstützt Ruhestandsschwester Hilde Häckel die Gemeindeaufarbeit in Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern). In der 13.000 Einwohner großen Stadt, zu dem das berühmte ostdeutsche Seebad Heiligendamm gehört, bauten Christoph und Inka Scharf innerhalb des Mecklenburgischen Gemeinschaftsverbandes zusammen mit einem engagierten Team vor Ort eine Gemeinde auf. Sie riefen eine evangelistische Jugendarbeit ins Leben und sind auf Straßen und in Schulen aktiv. Das „Haus Gottesfrieden“ bietet den Besucher eine geistliche Heimat.

DEUTSCHLAND. Ein junger Mann fährt mit seinem neuen Fahrrad zum Gebetsabend der „Jungen Kirche Berlin-Treptow (JKB)“, schließt es gewissenhaft ab – und danach ist es gestohlen. Bei über 27.000 jährlich angezeigten geklauten Fahrrädern in der deutschen Hauptstadt leider keine Seltenheit. Nur knapp vier Prozent tauchen wieder auf – also keine Chance, es wieder zubekommen? Nicht so bei Gott! Das hat Jana Kontermann erfahren. Sie leitet den Kinder- und Jugendbereich der JKB, eine missionarische Arbeit der Liebenzeller Mission. Zunächst war sie von Gott enttäuscht, dass er den Diebstahl nicht verhinderte, während der junge Mann betet. Einige Tage später fragte ihre Schwester sie während eines Telefonats: „Hast du schon dafür gebetet, dass Gott das Fahrrad wieder auftauchen lässt? Rechnest du noch mit Gott in deinem Alltag – und dass er noch Wunder tut?“ Jana Kontermann bat daraufhin intensiv Gott um sein Eingreifen: Und dann erhielt der junge Mann plötzlich einen Anruf der Polizei: Er solle umgehend vorbeikommen, sein Fahrrad sei gefunden worden. Die Behörden hatten einen Transporter mit über 20 Fahrrädern gestoppt – darunter war das des jungen Mannes. „Das war mein persönliches Weihnachtswunder“, so Jana Kontermann.

Kirche in einer stark säkularisierten Umgebung dynamisch und lebensnah zu gestalten – aus diesem Traum entstand 2006 die „Junge Kirche Berlin-Treptow“. In der pulsierenden deutschen Hauptstadtmetropole können Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund entdecken, wie kraftvoll und lebendig der christliche Glaube ist. Im Filmpalast Astra feiern die Besucher die wöchentlichen Gottesdienste. Unter der Woche gibt es Angebote für Teenager, Kleingruppen und Schulungen, die helfen, den Glauben mutig zu leben und ihn lebendig in den Großstadtalltag zu transportieren.

RENNINGEN / BAD LIEBENZELL / SAMBIA. Von den Weihnachtsbäumen aus dem schwäbischen Renningen profitieren jetzt die Kinder der Amano-Schule in Sambia. Neun Helfer aus der Sportgruppe des CVJM Renningen sammelten gegen Spenden ausgediente Christbäume in ihrem Heimatort. Insgesamt kamen rund 1.000 Euro zusammen, von denen die CVJMler die Hälfte für die Amano-Schule spendeten. Wir sagen ganz herzlichen Dank für die tolle Aktion und die Spende!

An der Amano-Schule bekommen Kinder eine qualifizierte Schulbildung mit internationalem Abschluss. Kinder von Missionaren und sambischen Geschäftsleuten leben und lernen zusammen mit Waisen und benachteiligten Kindern, deren Freiplätze über Schulgelder und Patenschaften finanziert werden.

WART. Eine absolut gelungene Aktion hat sich die Mädchenjungschar aus Altensteig-Wart (Landkreis Calw) ausgedacht. Im Sommer war Missionarin Ina Schütte aus Burundi zu Besuch in der Jungschar und berichtete aus ihrer Arbeit. Dieser Besuch hat die Mädchen beeindruckt. „Sie wollten irgendwie helfen“, erzählt Kristina Ziegler, die als Jugendreferentin im Liebenzeller Gemeinschaftsverband in Wart im Einsatz ist. „Wir haben uns dann überlegt, wie wir gemeinsam Geld sammeln könnten.“ Unterstützung bekam die Mädchenjungschar vom Hofladen Schlayer aus Bondorf (www.hof-schlayer.de). „Sie haben uns unglaublich viel Gemüse geschenkt, was wir dann gegen eine Spende verteilt haben“, erzählt Kristina Ziegler. Auch die Bubenjungschar half eine Woche später mit und verteilte Kartoffeln, Zwiebeln, Kohl und Karotten.

Insgesamt kamen rund 700 Euro zusammen, die unserer Missionsarbeit in Burundi zugute kommen. „Die Mädels waren richtig begeistert und wollen so eine Aktion nächstes Jahr wieder machen“, zieht Kristina Ziegler ein positives Fazit.

Begeistert sind auch wir über diese klasse Aktion. Ganz herzlichen Dank den Jungscharen und dem Hofladen für die geniale Unterstützung!

DEUTSCHLAND. Junge Menschen, die dem christlichen Glauben fernstehen, lassen sich nur schwer zu christlichen Veranstaltungen einladen. Eine ungewöhnliche Idee hatte nun die Junge Kirche Berlin-Treptow (JKB), eine missionarische Arbeit der Liebenzeller Mission: Sie lud zusammen mit der evangelischen Gemeindearbeit Oderin in Brandenburg zu einem Freiluft-Gottesdienst ein – mit Freibier. An den Vorbereitungen beteiligten sich auch viele Bürger aus Oderin, die bis dahin keinen Kontakt zu Kirche hatten, berichtet Dirk Farr. Er engagiert sich seit 2006 mit seiner Frau Angelika in Berlin in der missionarischen Gemeindeaufbauarbeit.

Bei dem Gottesdienst mit über 100 Besuchern trat eine Band aus Berlin auf. Der Evangelist und Gemeindegründer der Liebenzeller Mission, Jan Edler (Frankfurt), predigte über „Jesus, was ist das denn für ein Typ?“. Dabei zeigte der Theologe auf, wie Gottes Sohn das Leben jedes Menschen zum Guten verändern kann und er Sinn und Hoffnung gebe. Die JKB-Mitarbeiterin Jana Kontermann berichtete, wie Gott ihr Leben veränderte. Niemand dachte je, dass aus ihr etwas werden würde. Aus der schüchternen, ehemaligen Hauptschülerin sei eine Frau geworden, die in einer Leitungsposition nun arbeite und es liebe, auf der Bühne zu stehen. Im Anschluss gab es für die Gäste Freibier und Gegrilltes, Kaffee und Kuchen. Parallel gab es für Kinder ein gesondertes Programm.
Laut Dirk Farr stieß das ungewöhnliche Angebot auf positive Reaktionen: „Viele waren begeistert, dass man Gottesdienst so mit moderner Musik und lebensnaher Predigt feiern und erleben kann.“ Es lohne sich, Gott zu vertrauen und in persönliche Beziehungen investieren, so der Theologe. „Es war herrlich zu sehen, wie gewinnend ein Gottesdienst sein kann, wenn Jesus im Zentrum steht und er gleichzeitig nah bei den Menschen ist.“

Nun planen die Verantwortlichen einen weiteren Gottesdienst in ähnlicher Form. Weiterhin gibt es einmal im Monat eine offene Bibelgruppe, in der die Teilnehmer gemeinsam in der Bibel lesen und sich darüber austauschen.

BAD LIEBENZELL. Weg von Hotel Mama, weg von Deutschland. Ein Auslandsjahr nach dem Abi oder der Ausbildung gehört für viele junge Menschen heute einfach dazu. Seit zehn Jahren gibt es bei der Liebenzeller Mission das Kurzeinsatzprogramm „impact“. Rund 1200 junge Frauen und Männer haben das Programm in dieser Zeit durchlaufen. Alle kommen verändert zurück.

„Natürlich gewinnt jeder durch so ein Jahr an Lebenserfahrung dazu“, sagt Stephan Trick, der impact seit acht Jahren leitet. „Manche waschen zum ersten Mal in ihrem Leben ihre Wäsche selbst. Für andere ist es eine neue Erfahrung, selbst Entscheidungen zu treffen.“ Für viele sei es etwas ganz Neues, selbst zu arbeiten. „Auf einmal steht nicht mehr das Lernen im Vordergrund, sondern selbst aktiv zu werden.“ Aber gelernt wird durch den Auslandseinsatz, der bei impact zwischen einigen Wochen und elf Monaten dauern kann, trotzdem viel – nur eben anders. Neue Kulturen, andere Religionen und Lebensweisen kennenzulernen, erweitert den Horizont. „Wer im Ausland gelebt hat, versteht auch in Deutschland besser, warum Menschen aus anderen Ländern auch etwas anders sind“, sagt Stephan Trick.
Er muss es wissen, schließlich lebte er zusammen mit seiner Familie selbst einige Zeit im Ausland. Vor einigen Jahren leitete er eines der impact-Teams in Kanada. Einsatz-Teams gibt es in vielen verschiedenen Ländern – von Sambia in Afrika über Japan bis hin nach Ecuador in Südamerika. Von Zeit zu Zeit besucht Stephan Trick die Teams vor Ort, um die Teamleiter und Teilnehmer zu ermutigen und Tipps zu geben.

Auch der Glaube der jungen Menschen verändere sich häufig während ihrer Auslandszeit. Er werde tiefgründiger, weil die „impactler“ sehen und erleben, was Gott auf der ganzen Welt tut, sagt Stephan Trick. „Für viele wird nicht nur ihr Glaube intensiver, sondern auch ihr Gebetsleben. Das freut uns natürlich.“ Einige der Kurzmitarbeiter setzen ihre Zeit bei der Liebenzeller Mission im Anschluss an ihren Einsatz fort: „Jedes Jahr haben wir mehrere Teilnehmer, die anschließend Pastor oder Missionar werden wollen. Einige davon studieren dann an der Internationalen Hochschule Liebenzell oder an der Interkulturellen Theologischen Akademie.“

Selbst geprägt zu werden und andere zu prägen: So formuliert der impact-Leiter das Ziel des Programms. Missionsarbeit könne nicht funktionieren ohne Missionare, die viele Jahre im Land sind und sehr nachhaltig arbeiten. Aber Kurzeinsätze könnten die Missionsarbeit ergänzen und bereichern, ist sich Stephan Trick sicher. „Ein Blick von außen ist für eine Arbeit vor Ort auch ganz hilfreich. Und 18-Jährige haben manchmal in der Jugendarbeit einen anderen Zugang zu den Menschen als langjährige Missionare.“
Die Aufgaben der Kurzmitarbeiter sind dabei ganz unterschiedlich: Kinderprogramme veranstalten, Straßeneinsätze, Speisungen für Obdachlose, Gemeindearbeit unterstützen oder auch mal ein Baueinsatz. Man kann auf vielfältige Weise den eigenen Horizont erweitern und anderen Gutes tun.

Besonders gefragt seien afrikanische und südamerikanische Einsatzländer, erzählt Stephan Trick. Aber auch Kanada sei immer ein Renner. Wildnis und weites Land sei für manche einfach ein Jugendtraum. Weit weg von zu Hause zu sein, sei für viele junge Erwachsene eine große Sehnsucht. Probleme mit Heimweh hätten die wenigsten. „Aber an Weihnachten werden die meisten dann doch emotional und vermissen ihr gewohntes Umfeld“, sagt Stephan Trick. Dann hilft es, mit Gleichgesinnten vor Ort zu sein: Denn gemeinsam geht bekanntlich vieles besser.

DEUTSCHLAND. „Ostdeutschland ist für den christlichen Glauben gar kein so hartes Pflaster, wie gemeinhin angenommen wird.“ Das sagt der 22-jährige Samuel Voigt, der selbst in Stendal (Sachsen-Anhalt), rund 50 Kilometer nördlich von Magdeburg, aufgewachsen ist. Er studiert seit 2015 Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext an der Internationalen Hochschule (IHL) in Bad Liebenzell. Von Februar bis Juli absolvierte er ein Praktikum in der „Oase“, einem sozialmissionarischen Gemeindegründungsprojekt der Liebenzeller Mission in Neubrandenburg – und das hinterließ bei ihm segensreiche Spuren.

Studium hinterfragt hilfreich den christlichen Glauben

Voigt wuchs mit fünf Geschwistern in einer gläubigen Familie auf, die sich in der evangelischen Landeskirche engagiert. Da seinen Eltern der Glaube auch im Urlaub sehr wichtig ist, besuchten sie mehrere Familienfreizeiten in den Christlichen Gästehäusern im Monbachtal bei Bad Liebenzell, die zur Liebenzeller Mission gehören. So kam es zu ersten Begegnungen mit dem Missionswerk. Daneben lernte Voigt auch die Freikirchen wie Baptisten kennen und schätzen. Er absolvierte nach seinem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr beim deutschen Sitz der Missionsgemeinschaft „Fackelträger“ in Obernhof bei Limburg (Lahn). Dort wuchs bei ihm der Wunsch, Soziale Arbeit zu studieren. Zuerst dachte er daran, das an einer staatlichen Universität zu belegen. Da ihm aber der theologische Schwerpunkt dabei sehr wichtig war und nachdem ihm ein Student von seinem Studium an der IHL vorschwärmte, entschloss er sich, 2015 in den Nordschwarzwald zu ziehen und dort auch zu studieren. Der an IHL der Liebenzeller Mission angebotene Studiengang verbindet theologische, interkulturelle, missionswissenschaftliche, humanwissenschaftliche und sozialarbeiterische Kompetenzen. „Das Gesamtpaket passt einfach“, so Voigt auf die Frage, was ihm an dem Studium besonders gefällt. Hier bekomme man nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch neue Denkanstöße. „Mein Glaube wird immer wieder hilfreich hinterfragt und ich schätze es, mich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.“ An der IHL gefällt ihm auch die Gemeinschaft mit den anderen rund 250 Mitstudenten: „Die Freunde befinden sich quasi direkt vor der Haustür“, so Voigt. Und das kommt ihm sehr entgegen, schließlich liebt er es, Freundschaften zu leben. Außerdem ist er leidenschaftlicher Mannschaftssportler; er spielt gerne Fußball. Und auch der Lobpreis ist dem Klavierspieler eine Herzenssache und kommt in Bad Liebenzell nicht zu kurz.

„Mir liegen Beziehungen und Freundschaften am Herzen“

In der wöchentlichen „Chapel Hour“ für alle Mitarbeiter und Studenten der Liebenzeller Mission berichten Missionare immer wieder von ihrer Arbeit und stellten sie vor. Und hier lernte Voigt auch die „Oase“ kennen. Die Liebenzeller Mission startete 2006 das Projekt im „Reitbahnviertel“ in Neubrandenburg. Die meisten Kindern und Jugendliche wachsen in dem Plattenbauviertel in armen Verhältnissen auf. Es gibt viele Patchwork-Familien. Gewalt, Drogen und Alkohol sind keine Seltenheit. Die Oase bietet konkrete (Lebens-)Hilfe und die Mitarbeiter der Liebenzeller Mission leben vor, wie eine lebendige Beziehung zu Gott Sinn und Hoffnung gibt. Ihr Angebot umfasst Begegnungsfrühstücke für jedermann, Jungscharen, Abende für Teenager im Jesus-Café, Glaubenskurse und Lobpreis- und Gebetsabende. Außerdem gibt es Kochkurse und Hausaufgabenbetreuung sowie Freizeiten für Kinder und Teenager. Und die Mitarbeiter besuchen Menschen, die in Not sind, um ihnen praktisch zu helfen. Denn jeder soll Gottes Liebe erleben. Da für alle Studenten von „Theologie und Sozialer Arbeit“ ein sechsmonatiges Praktikum verpflichtend ist, entschloss sich Voigt, dieses in Brandenburg zu absolvieren: „Mir ist die Beziehungsarbeit sehr wichtig und das reizte mich.“ Von Februar bis Juli konnte Voigt dabei ausprobieren, welche Altersgruppe ihm am meisten liegt und so verbrachte er die meiste Zeit mit Jugendlichen, trieb mit ihnen Sport und lud sie zu Spiel- und Gesprächsabende zu sich ein. Gefallen hat ihm an der „Oase“, dass sie viele offene Angebote macht, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tiefgehende Beziehungen zu den Jugendlichen aufbauen und ihnen Jesus Christus näherbringen. „Immer wieder wurde ich von unterschiedlichen Menschen eingeladen und konnte neben der Arbeit auch teilhaben an ihrem persönlichen Leben. Ich fühlte mich von Anfang an als Teil des Ganzen, als Teil einer großen Familie, die hier ihren Dienst für die Menschen und Jesus tut.“ Das Vertrauen von und zu den Menschen wuchs in einer Geschwindigkeit, die er sich niemals hätte ausmalen können. Besonders im direkten Kontakt mit den Menschen spürte er, wie sein Herz für diese Arbeit schlug. „Treffen mit jungen Erwachsenen oder Jugendlichen häuften sich mit der Zeit und begannen mit zu meinen liebsten ‚Arbeitszeiten‘ zu gehören.“ An den Mitarbeitern beeindruckte ihn ihre Hingabe im Glauben und ihr Vertrauen auf Gott. „Das sind Punkte, die ich mir für mein eigenes Leben mitnehmen und aneignen will. Sie haben mir einen neuen Blick darauf gegeben, nicht nur, was es heißt Jünger Jesu zu sein, sondern ebenso, was es heißt Menschen zu Jüngern und Nachfolgern Jesu zu machen. Ich kam, um Menschen etwas zu geben, aber gehe aus der Zeit in der Oase selbst als ein Beschenkter heraus.“

Getrost die Zukunft angehen

Im Sommer ist Voigt mit seinem Studium dann fertig. Und was kommt danach? „Ich überlege zurzeit stark, noch ein Theologie-Studium draufzusetzen, gerne auch in Bad Liebenzell“. Denn ihm ist die Mission immer mehr ans Herzen gewachsen. „Dabei benötige ich ein gutes theologisches Fundament, um die existentiellen Lebensfragen meiner Mitmenschen gut beantworten zu können.“ Später möchte Voigt gerne in christlichen Gemeinden in Deutschland sozialmissionarisch arbeiten. „Mir liegt die Arbeit mit Menschen, die nicht im christlichen Glauben stehen, sehr am Herzen“. Dabei schaut er getrost in die Zukunft, schließlich ist ihm der Zuspruch Gottes aus Josua 1,9 sehr wichtig geworden: „Ich sage dir: Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ („Neues Leben“ Bibelübersetzung) Über diesen Vers ist er in den vergangenen Jahren immer wieder „gestolpert“ und er hat ihn geprägt: „Ich kann meine Zukunft gelassen angehen. Gottes Zuspruch und Ermutigung tun gut, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht.“

BERLIN. Mit Hashtags wie „I’m yours“ (Ich gehöre dir) oder „child of god“ (Gottes Kind) versieht eine 15-Jährige gerne ihre Fotos auf der Internetplattform Instagram. Dabei spielte Gott lange Zeit keine Rolle in ihrem Leben. Jesus? Wer sollte das sein? Halt? Ein Fremdwort für die Berlinerin. Ihren leiblichen Vater lernte sie nie kennen. Vor zwei Jahren besuchte die Jugendliche dann ein Sommercamp, bei dem sie in die Junge Kirche Berlin  (JKB) eingeladen wurde. Sie entschloss sich, hinzugehen, und lernte dort Jesus kennen und lieben. Als Zeichen, dass sie nicht mehr ohne ihn leben möchte, ließ sie sich im Juni von den Liebenzeller Mitarbeitern Jana Kontermann und Nathanael Bader taufen, und erhielt so, wie es auf ihrem T-Shirt abgedruckt stand, ein „neues Leben“.

Und sie war nicht alleine. Zehn weitere aus dem Kiez, darunter sieben Jugendliche und drei Erwachsene, ließen sich an dem Tag taufen. Und das Beste: Obwohl die meisten die einzigen Christen in ihrer Familie sind, kamen viele Angehörige. „Da einige Besucher noch nie von Jesus gehört oder einen Gottesdienst miterlebt hatten, entschied ich mich, über die Basics des christlichen Glaubens zu predigen“, erzählt Jana. Dass sie auf nichts aufbauen konnte, bestätigte ihr beispielsweise auch der Anruf einer Mutter, die kurz vor der Taufe wissen wollte, wie solch ein Event gefeiert wird, da ihr Sohn der einzige in der Familie sei, der was mit Jesus zu tun hätte. Über das Interesse freute sich Jana sehr. Und tatsächlich kam die gesamte Familie des Jungen – auch wenn sie sich in zwei Lager spaltete, da die Eltern geschieden waren. „Durch das große Picknick im Anschluss fiel das aber nicht auf. Auch, dass mancher Täufling nur wenige Angehörige dabei hatte, blieb unbemerkt. An dem Tag waren wir eine große Gemeinschaft, sozusagen eine Familie“, freut sich Jana. Auch bei den Täuflingen gab es keine Unterschiede, denn sie trugen alle das gleiche Shirt mit der Aufschrift „Mein neues Leben“.

Bewegend sei vor allem gewesen, als die Jugendlichen vor den rund 200 Besuchern darüber sprachen, wieso sie sich taufen lassen. Ein 16-Jähriger hatte beispielsweise einige Monate zuvor von Gott geträumt. An der Taufe erzählte er, dass er nun mutig mit Jesus leben möchte – und das, obwohl er wusste, dass sich die Begeisterung seiner Eltern dabei in Grenzen hielt. „Sie wollten zum Beispiel nicht, dass er einen Glaubenskurs macht. Aber Gott wirkt an der Familie, denn der Sohn entschied sich trotzdem für die Taufe, und seine Eltern waren sogar dabei.“ Aber nicht immer läuft es so wie in seinem Fall, denn viele der Jugendlichen aus dem Kiez haben schwere Rückschläge erlebt. So auch ein Berliner, der seinen Vater verlor. Er selbst leidet oft unter Migräne und kämpft sich durch den Schulalltag. Kurz vor der Taufe entschied er sich, noch zu warten, da ihn viele Fragen beschäftigten. „Es ist gut, dass er so ehrlich zu sich war. Denn es ist keine Entscheidung, die man mal eben fällt“, findet Jana. Wenige Tage vor der Taufe dann der nächste Einschnitt: Der Jugendliche und seine Mutter hatten einen schweren Autounfall, bei dem sie jedoch trotz eines Totalschadens unverletzt blieben. Als er zu Hause dann das lange zuvor bestellte Taufshirt auspackte, sagte er: „Ja, Mama, es stimmt, ich habe ein neues Leben bekommen.“ Jana freut sich, dass er weiter in die JKB kommt und nicht von Jesus ablässt. „Generell bin ich sehr dankbar dafür, wie unsere Jugendlichen auf Jesus vertrauen, und sich vor ihren Familien zu ihm bekennen.“ Sie wünscht sich, dass jeder von ihnen seinen Platz in der Gemeinde findet, wo er Fragen stellen und seine Gaben entfalten kann. Auch hofft sie, dass sich das Bekenntnis der jungen Menschen auf ihre Familien auswirkt, und auch sie anfangen, an Jesus zu glauben.

DEUTSCHLAND. Sieben Jahre lang haben sie ihr Herzblut in die Oase, ein sozialmissionarisches Gemeindegründungsprojekt der Liebenzeller Mission im Neubrandenburger Reitbahnviertel, gesteckt. Ende April hieß es für unsere Mitarbeiter Claudia und Nikolai Bolanz mit ihren beiden Kindern, die Zelte abzubrechen, um ab Juli im französischen Montpellier eine Gemeinde zu gründen. Bis dahin sind sie in Deutschland unterwegs und berichten von ihrer Arbeit. Wir haben ihnen vier Fragen gestellt.

Wie kam es zu dem Wechsel von Neubrandenburg nach Montpellier?
Nun, die Oase ist gegründet. Das Baby ist sozusagen geboren. Es finden regelmäßig Gottesdienste statt, und so lag ein Wechsel auf der Hand. Wir wurden gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, gemeinsam mit Lisa Kimpel und Familie Dehner eine Gemeinde in Frankreich zu gründen. Wo, das war noch unklar. Und so sind wir mit ihnen betend und überlegend einige Großstädte in Frankreich abgefahren. Unabhängig voneinander kamen wir alle zu dem Schluss, dass es Montpellier sein soll – eine dynamische Großstadt mit rund 250.000 Einwohnern und nur wenigen christlichen Gemeinden.

Was werden eure Aufgaben sein?
Zunächst ist es wichtig, dass Gott uns zeigt, in welchem Stadtteil wir eine Gemeinde gründen sollen, und dass wir eine Wohnung finden. Dafür könnt ihr gerne mitbeten. Und dann natürlich die Sprache zu lernen, sich als Team zu finden, eine Vision zu entwickeln und uns mit der Frage zu beschäftigen, wie Gemeinde in Montpellier konkret aussehen muss.

Was vermisst ihr an der Oase und worauf freut ihr euch in Frankreich?
Uns fehlen die Leute, die vielen Beziehungen, die wir geknüpft hatten. Der Abschied war sehr traurig, denn das Reitbahnviertel war unser Zuhause. Dort haben wir geheiratet, unsere Kinder bekommen und viele Freunde gewonnen. Auch den kindlichen Glauben der Leute werden wir vermissen. Als es zum Beispiel einmal darum ging, dass Jesus Menschen heilte, versammelten sich unsere Oase-Ladies um eine kranke Frau, legten ihr, so wie wir es zuvor in der Bibel zusammen gelesen hatten, die Hände auf – und Gott erhörte wirklich unsere Gebete, indem er ihren Rücken heilte. Wir sind gespannt, wie es in Frankreich sein wird. Dort freuen wir uns besonders auf die Sonne, das Land, die Kultur, die Menschen – und natürlich schon jetzt auf die ersten Taufen im Mittelmeer.

Was war eines eurer schönsten Erlebnisse in letzter Zeit?
Wir bekamen ein Abschiedsbuch geschenkt, in das auch eine Jugendliche schrieb, die wir über Jahre hinweg begleitet hatten. Gerade kommt sie nur noch selten in die Oase, weil sie einen Freund hat. Sie stammt aus schwierigen Verhältnissen, hat viele Geschwister, ihre Eltern sind im Heim groß geworden, und sie hat weder eine Ausbildung noch einen Job. Sie schrieb: „Vielen Dank, dass ihr da wart. Durch euch und die Oase habe ich Gott kennengelernt. Ihr habt so viel für mich gebetet, und das werde ich auch für euch tun, wenn ihr jetzt nach Frankreich geht.“ Das war ergreifend, weil wir nicht damit rechneten, dass von ihr so etwas tief Geistliches kommen würde. Es ist schön, zu erleben, dass bei ihr die Saat aufgegangen ist.