Seit Januar 2020 arbeitet Anna Marasco in der „Oase“ in Neubrandenburg, einem sozial-missionarischen Projekt der Liebenzeller Mission. Davor hat sie an der Internationalen Hochschule Liebenzell Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext studiert. Seit September ist sie mit Adriano verheiratet, der sich ehrenamtlich in der Oase einbringt. Derzeit ist Anna in Süddeutschland unterwegs, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben ihr einige Fragen gestellt.

Die Arbeit in der Oase ist vor allem Beziehungsarbeit. Was hat sich durch Corona verändert?
Das ist total typabhängig. Manche Mitarbeiter hatten stärker damit zu kämpfen, weil weniger Angebote und Programme möglich waren. Für mich war es nicht so ein Problem. Ich bin dann einfach zu Hause bei den Leuten vorbeigegangen, hab mich quasi bei ihnen eingeladen und konnte so gut Kontakte mit ihnen pflegen.

In deiner Einsatzregion haben viele Menschen gar keinen Zugang zum christlichen Glauben. Wie ist das, wenn sie von Jesus hören. Welche Fragen haben sie?
Auch das ist sehr unterschiedlich. Viele Menschen hier sind areligiös. Sie haben den Gedanken eines höheren Wesens noch nie gehabt oder noch nie gehört. Von daher stellen sie meistens keine Fragen, weil sich keine Fragen ergeben. Sie wissen oft nicht, was sie fragen sollten. Einen Sinn für Spirituelles gibt es oft nicht. Das kommt dann erst nach und nach, wenn sie immer wieder von uns Impulse hören. Viele Menschen haben hier mit Schicksalsschlägen zu kämpfen. Wenn sie Fragen stellen, dann häufig, warum Gott das zulässt.

Was würdest du sagen, ist das Besondere an der Oase?
Das Besondere ist, dass wir mit unserer Gemeindegründung ein Ort sind, an dem alle Menschen zusammenkommen können. Aus DDR-Zeiten waren es die Menschen gewohnt, dass Gemeinschaftsangebote für sie organisiert werden. Sie sind sehr dankbar für Orte, wo sie sich gemeinsam treffen können. Bei uns treffen sich Atheisten, Suchende, Christen. Es gibt kaum Hürden und wir wirken nicht wie eine kirchliche Institution. Jeder kann so kommen, wie er oder sie möchte.

Euer Wunsch ist es, dass aus dem sozialmissionarischen Projekt eine Gemeinde entsteht. Ist es schon so weit oder was ist der aktuelle Stand?
Ich bin davon überzeugt davon, dass wir eine Gemeinde sind. Jesus hat gesagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, da bin ich mitten unter ihnen. Wir leben Gemeinschaft, wir beten gemeinsam, lesen in der Bibel und lernen gemeinsam Jesus kennen. Von daher sind wir doch Gemeinde! Außerdem haben wir mittlerweile auch gemeindliche Strukturen gelegt. Gleichzeitig merken wir schon, dass wir in einem besonderen Milieu unterwegs sind. Gerade in Bezug auf das Thema Verlässlichkeit läuft hier einiges anders. Manche Leute muss man gefühlt regelmäßig dran erinnern, dass Gottesdienst ist, und sie persönlich immer wieder neu einladen. Die Menschen für verantwortliche Aufgaben zu gewinnen, wie z. B. für den Kindergottesdienst, ist noch schwierig. Wir brauchen schon noch Hauptamtliche, damit die Gemeinde-Angebote verlässlich laufen. Es ist ein langer Weg, Menschen zum Dienst in der Gemeinde zu befähigen und trotzdem sind wir dankbar für jeden fleißigen Mitarbeiter. Was uns sehr freut, ist das Potenzial, das wir in den Kindern und Teens sehen, die zu „Oase Kids“ kommen. Wir haben die große Hoffnung, dass sie nach und nach so in die Oase hineinwachsen, dass sie dann auch mit Jesus unterwegs sind und sich selbst in der Gemeinde einbringen.

Was begeistert dich an deinem Job und was fordert dich heraus?
Ich liebe die Arbeit mit den Menschen. Sie zu begleiten und zu unterstützen, begeistert mich. Wir wohnen hier ja in der Platte. Es ist schon cool, mit den Leuten hier Tür an Tür zu leben. Ich darf in die Welt der Menschen eintauchen, mit ihnen leben und ihnen dabei von Jesus weitersagen.
Gleichzeitig ist das auch die Herausforderung: Es ist nicht immer leicht, eine gute Balance im Nähe-Distanz-Verhältnis zu halten. Da bin ich noch am Lernen.
Manchmal schmerzt es auch zu sehen, wenn Leute wieder in alte Muster zurückfallen und ich mir so sehr wünsche, dass sie ihr Leben so gestalten, dass es gelingt. Da erinnere ich mich immer wieder selbst an den gnädigen Blick von Jesus auf mich selbst. Es gibt hier einfach eine riesige Chance, Menschen zu prägen und Gutes in ihr Leben reinzusprechen.

Was wünscht du den Menschen im Reitbahnviertel?
Ich wünsche mir natürlich, dass Jesus in ihr Leben kommt. Dass sie so vom Heiligen Geist geleitet werden, dass es ihrer Seele guttut. Heilung für seelische Belastungen ist ein großes Thema und ein großer Wunsch von uns als Team für sie. Und wenn ich was für mich wünschen darf: Dass manche Prozesse mit den Menschen vor Ort und in der Gemeinde etwas schneller gehen, auch wenn ich weiß, dass Wachstum seine Zeit braucht.

Du willst die Missionsarbeit von Anna Marasco mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Ermutigung, wer kann die nicht gebrauchen – gerade in der dunklen Jahreszeit, die von der Corona-Pandemie zusätzlich bestimmt ist? Frauen aus dem Umfeld der Jungen Kirche Berlin-Treptow erhielten nun in der Adventszeit Ermutigungspost. Jede, die sich meldete, bekam eine Ermutigungspartnerin zugelost. Im Gegenzug ermutigte dann die Empfängerin eine andere Frau, der sie zugelost wurde. So erhielt im Laufe des Advents jede Teilnehmerin eine Überraschungs-Ermutigung.
Miriam Kost, Mitarbeiterin der Jungen Kirche Berlin-Treptow, übernahm die Koordination. Die Frauen meldeten sich bei ihr an und sandten ihre Adresse zu. Sie schrieb daraufhin alle Namen auf Kärtchen und zog für jede eine Ermutigungspartnerin.

An der Aktion beteiligten sich rund zehn Frauen. „Das klingt erst mal nicht viel, aber in meinen Augen ist das Tolle an der Aktion gerade, dass es nicht darauf ankommt, wie viele mitmachen. Denn ab nur einer Anmeldung kann die Aktion stattfinden und für jede Teilnehmerin ist es vollkommen unerheblich, wie viele andere noch teilnehmen“, erklärt Miriam Kost. Das entlastet bei der Organisation sehr, weil die Aktion unabhängig von einer „quantitativen Zielgröße“ immer ein Erfolg ist.

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Junge Kirche Berlin-Treptow ist dabei immer wichtig, Aktionen möglichst niedrigschwellig zu halten, sodass sich viele darauf einlassen und beschenkt werden können. Deswegen geben die Organisatoren auch nicht vor, wie die Ermutigung aussehen soll – ob eine Karte, ein Brief, ein kleines Geschenk – alles ist großartig.
Gerade im vergangenen Jahr, bei dem viele von der Corona-Pandemie sehr gebeutelt waren, war der Jungen Kirche Berlin-Treptow auch die Botschaft wichtig: „Egal, wie es dir geht und wie leer du dich vielleicht fühlst – du hast immer etwas zu geben und kannst andere ermutigen. Und: Du darfst dir Ermutigung wünschen!“

Die Aktion stieß auf sehr positive Resonanz: So schrieb eine Teilnehmerin: „In Zeiten der Digitalisierung einen handschriftlichen Brief per Post zu erhalten, ist schon an sich ein Highlight. Wenn sich daraus dann auch noch eine Brieffreundschaft entwickelt, ist das ein ganz besonderes Geschenk. Durch diese Aktion hat sich ein spannender Kontakt zu einer jungen Frau entwickelt und so sind wir auch über diese Aktion hinaus im Gespräch, berichten uns von unserem Ergehen, können füreinander beten und uns ermutigen.“

Und Miriam Kost als Organisatorin wurde ebenfalls reich beschenkt: „Ich selbst hatte einen Brief bekommen, der mich so sehr ermutigt hat, dass ich ihn das Jahr über immer wieder rausgeholt und gelesen habe.“

Kirche in einer stark säkularisierten Umgebung dynamisch und lebensnah zu gestalten – aus diesem Traum entstand 2006 die „Junge Kirche Berlin-Treptow“. In der pulsierenden deutschen Hauptstadtmetropole können Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen entdecken, wie kraftvoll und lebendig der christliche Glaube ist. Im Filmpalast Astra feiern die Besucherinnen und Besucher die wöchentlichen Gottesdienste. Unter der Woche gibt es Angebote für Teenager, Kleingruppen und Schulungen, die helfen, den Glauben mutig zu leben und ihn anziehend in den Großstadtalltag zu transportieren.

„Überwältigt waren wir diese Woche, als ein Paket der Liebenzeller Mission vor unserer Haustür lag. Mit so vielen Leckereien, Nützlichem und ganz lieben Worten und Grüßen von Euch. Wie schön, ein paar Bilder von jenen zu haben, die tatsächlich bei uns tätig waren.“ So heißt es in einem bewegenden Dankesbrief, den die Flut-Aufräumhelfer der Liebenzeller Mission von einer betroffenen Familie aus Erftstadt-Blessem erhalten haben.

Rund 15 Freunde und Unterstützer der Liebenzeller Mission hatten unmittelbar nach der verheerenden Flutkatastrophe im Juli mitangepackt. In Gemünd, Iversheim und Blessem räumten sie viele Keller aus und entkernten sie teilweise. Dabei trugen die Helferinnen und Helfer Unmengen Müll und Schutt auf die Straßen. Sie hatten dazu die eigene Ausrüstung wie Hochdruckreiniger, Pumpen und Notstromaggregate mitgebracht.

Dabei kam es zu bewegenden Begegnungen: „Liebes Team der Liebenzeller Mission, wir waren schon beeindruckt von euch, als ihr am Sonntagmorgen vor unserer Tür standet und ganz unkompliziert, mit Sachverstand und ganz viel Respekt, die Regie übernommen habt. Seitdem denken und erzählen auch wir ganz viel von Euch“, heißt es in dem Brief weiter.

Die Freiwilligen konnten oft auch von ihrem christlichen Glauben berichten und was ihnen Trost und Halt gibt. Immer wieder wurde ihr Angebot, für einen zu beten, sehr dankbar angenommen: „Wir bedanken uns von ganzem Herzen, für alles (und das ist nicht wenig). Es war tröstend und hat uns über das Chaos, das herrschte, hinweggeholfen. Wir wünschen der Liebenzeller Mission ganz viel Kraft und Energie für die Zukunft für all die zukünftigen Projekte. Ihr seid super!“

Hinweis: Für die Fluthilfe können wir keine Spenden mehr annehmen, freuen uns aber für Spenden für unsere Arbeit weltweit und in Deutschland, damit wir auch zukünftig schnell reagieren und Menschen helfen können.

www.liebenzell.org/spenden

Jedes Steinchen eines Mosaiks ist anders und einzigartig. Es gibt keine zwei, die gleich sind. Genauso einzigartig sind die Menschen. Das haben die Bewohnerinnen und Bewohner des Hoffnungshauses in Bad Liebenzell eindrucksvoll auch bildlich dargestellt. Zurzeit leben in den zwei Häusern rund 50 Menschen aus neun Nationen: Afghanistan, Albanien, Äthiopien, Deutschland, Eritrea, Gambia, Kamerun, Pakistan und Somalia. Das Zusammenleben mit den Studenten und Studentinnen der Internationalen Hochschule Liebenzell und Interkulturellen Theologischen Akademie hilft ihnen, in die deutsche Kultur hineinzufinden. Als internationale Hausgemeinschaft möchten sie den Alltag miteinander teilen und sich in den täglichen Herausforderungen unterstützen. Dabei arbeitet die Einrichtung eng mit den örtlichen Behörden und Hilfeeinrichtungen zusammen.

Mit Hämmern ausgestattet, haben Kinder um Projektleiterin Sarah Zinser Fliesen zerschlagen und die Mauer zum Nachbargrundstück zusammen mit Besuchern beim Nachbarschaftsfest mit einem wunderschönen Mosaik verschönert. Zu dem Fest kamen viele ehemalige Bewohner und einige Nachbarn. Es gab Kaffee und Kuchen, Spielstationen für die Kinder – und die Mosaikwand: 10 bis 15 Kinder und Erwachsene arbeiteten gleichzeitig an der Wand und klebten mit viel Geduld die bunten Fliesen. Auch ein Bewohner, der erst am Tag zuvor eingezogen war, war mit viel Elan dabei. Ein Nachbarskind blieb noch bis abends da und wollte gar nicht mehr aufhören, an der Wand zu arbeiten. Ein Mädchen fragte: „Arbeitet ihr morgen weiter? Darf ich wiederkommen?“
Alles in allem war es ein gelungenes Fest und die Mauer ein Zeichen dafür, welche Schönheit entsteht, wenn unterschiedliche Menschen zusammenarbeiten und -leben.
Die Mauer ist nicht das einzige Mosaikelement im Hoffnungshaus: „Mosaik begeistert uns, weil damit ganz unterschiedliche Aspekte verdeutlicht werden können“, sagte Sarah Zinser. Jeder Bewohner des Hoffnungshauses ist ein Unikat. „Und alle zusammen bilden wir eine wunderschöne Hausgemeinschaft.“ In den vergangenen 18 Monaten konnten sie sich nicht alle zusammentreffen. „Umso mehr genossen wir es, das wieder tun zu können.“ Im vergangenen Jahr gab es viele Ein- und Auszüge. „Dass wir uns jetzt wieder treffen konnten, hilft beim Kennenlernen und Freundschaften knüpfen.“

Mosaik – Schönheit durch Zerbruch

Mosaik hat aber auch etwas mit Zerbruch zu tun. So wie die Fliesen zerbrochen werden, so gibt es im Leben viel Zerbruch. Ereignisse, die erschüttern und aus der Bahn werfen. Aber Gott kann diese Teile benutzen, um etwas ganz Neues entstehen zu lassen.
Im Sommer konnte Tobias Zinser mit einem kleinen Team in Griechenland Geflüchteten helfen. Fast täglich halfen sie bei der Essensausgabe mit. Dort lernten sie Noorulah* kennen, der ihnen seine bewegende Geschichte von der Flucht aus Afghanistan erzählte. Nun lebt er bereits einige Zeit in Griechenland. Aber seine Frau ist krank und leidet unter den Erlebnissen. Wie ein Hammer haben diese Ereignisse in ihr Leben geschlagen und es scheinbar zerstört. Bewegt hört Noorulah zu, als das Team von Jesus erzählt und lädt sie zu sich nach Hause ein. Seine Frau soll das auch hören. Zu Hause reden sie noch lange und beten für seiner Frau. Einige Tage später erzählt Noorulah, dass es seine Frau sichtlich besser geht. Fängt Gott hier an, das Zerbrochene zu etwas Neuem, Schönem zusammenzufügen?

* Name wurde geändert

Tobias und Sarah Zinser waren von 2012 bis 2015 als Entwicklungshelfer in Afghanistan tätig. Sie leiten die Hoffnungshäuser in Bad Liebenzell, die 2018 eingeweiht wurden.

Rund 15 Freunde und Unterstützer der Liebenzeller Mission haben unmittelbar nach der verheerenden Flutkatastrophe im Juli bei den Aufräumungsarbeiten geholfen. Dort kam es zu bewegenden Begegnungen, berichtet der technische Leiter der Hilfsaktion und Leiter der Männerarbeit „Stronger“, Steffen Cramer.
An dieser Stelle sagen wir nochmals herzlich Danke für alle Spenden für die Fluthilfe-Opfer. Mittlerweile können wir keine projektbezogenen Spenden mehr annehmen, da der Einsatz beendet ist. Wir freuen uns über aber über allgemeine Spenden für unsere Nothilfe weltweit.

Steffen, wie kam es zu diesem Hilfseinsatz?
Wir waren gerade fertig mit dem Dreh für einen Videoclip, der für den Männeraktionstag wirbt, bei dem wir Männer aufrufen, im September andere praktisch zu unterstützen. Da erreichte uns die Nachricht von der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Ich sagte sofort zu meiner Frau: „Hier müssen wir helfen. Denn wir können nicht andere Männer zu Helferaktionen aufrufen und selbst nichts aktiv tun.“ Genau in diese Überlegungen hinein erreichte mich ein Anruf von Missionsdirektor Dave Jarsetz, ob wir nicht eine Hilfsaktion starten sollten. Wir fanden dann eine Übernachtungsmöglichkeit bei der Freien Christengemeinde in Euskirchen. Auf unseren Aufruf meldeten sich rund 15 Männer, die mehrere Tage in dem Überflutungsgebiet halfen.

Wie habt ihr geholfen?
Wir haben in Gemünd, Iversheim und Blessem viele Keller ausgeräumt und teilweise auch schon entkernt. Dabei trugen wir Unmengen Müll und Schutt auf die Straßen. Es war sehr hilfreich, dass wir unsere Ausrüstung wie Hochdruckreiniger, Pumpen und Notstromaggregate dabei hatten. Dabei konnten wir viele Sachen direkt von unseren befreundeten Handwerkern um Bad Liebenzell mitbringen. Dazu erhielten wir eine große Spende von Niklaus Baugeräte aus Gomaringen wie Gummistiefel, Schaufeln, Besen, Handschuhe und Pumpen.

Kamt ihr mit den Menschen auch ins Gespräch, warum ihr da seid?
Ja, denn allein aufgrund unseres süddeutschen Dialektes fielen wir sofort auf. Das war unser „Türöffner“. Wiederholt sagten uns Flutopfer, wie krass es sei, dass wir extra aus dem Schwarzwald zum Helfen gekommen sind. Und wir konnten immer wieder berichten, dass wir von der Liebenzeller Mission hier sind, um anzupacken.

Wie wurdet ihr versorgt?
Die Versorgung war perfekt. Es gab viele Verpflegungsstationen, die Bundeswehr hatte Gulaschkanonen aufgebaut. Ehrenamtliche liefen mit Getränken und Kuchen durch die Straßen. Du musstest dich nur umdrehen und hattest Essen vor Ort. Die Helfer verbreiteten eine sehr gute Stimmung – und das hat auch den Flutopfern enorm geholfen.

Was bleibt dir vom Einsatz im Gedächtnis?
Drei Dinge: Zum einen der große Gestank durch Öl, Schlamm und Fäkalien aufgrund der zerstörten Abwasserkanäle. Und vor allem die Dankbarkeit! Die Menschen freuten sich so über unsere Hilfe. Und zum dritten der große Bedarf, über der Flut und die Erlebnisse zu reden. Und so waren wir einfach da und hörten zu, was die Flutopfer sehr schätzten.

Und was bleibt dir besonders haften?
Die Menschen kamen durch die Flutkatastrophe sehr ins Fragen, wo Gott geblieben sei. So hat mich ein Landwirt, der durch die Erft den halben Hof verlor, gefragt, welche Rolle Gott da gespielt hat. Wir sprachen lange darüber und haben auch gemeinsam gebetet. Immer wieder wurde unser Angebot, für einen zu beten, sehr dankbar angenommen. So brachte ein Mann, den die Flut schwer getroffen hatte, zum Ausdruck, dass für ihn der Höhepunkt des Tages gewesen sei, dass wir für ihn gebetet hatten.

NEUBRANDENBURG / BAD LIEBENZELL. Ein echter Grund zum Feiern: Seit 15 Jahren besteht das sozialmissionarische Projekt „Oase im Reitbahnviertel“ der Liebenzeller Mission in Neubrandenburg. Bei einem Fest am 7. August wurde Mitgründerin Elisabeth Walter-Fischer in den Ruhestand verabschiedet.

Ziel des Projekts ist es, Menschen im Reitbahnviertel praktisch zu helfen, ihnen eine Anlaufstelle zu bieten, wo Mitarbeitende ein offenes Ohr für Nöte und Alltagsfragen haben, und eine neue, frische Kirchengemeinde zu gründen, die „ein Kind des Viertels ist“, wie es Bettina Heckh erläutert. Sie ist Fachbereichsleiterin für Projekte und Finanzen in der Zentrale des Missionswerks im Schwarzwald und fuhr gerne die knapp 800 Kilometer zur Feier nach Mecklenburg-Vorpommern. „Es ist uns wichtig, dass die Oase zu den Leuten aus der Neubrandenburger Nordstadt passt“, so Bettina Heckh. „Ich staune, wie viel Vertrauen gewachsen ist. Die Menschen kommen gerne in die Oase und Gemeinschaft ist gerade in diesen Zeiten sehr wichtig und wertvoll.“

In dem Plattenbaugebiet wohnen rund 4500 Einwohner. Es ist das jüngste Viertel der Stadt. Viele Familien müssen mit wenig Geld auskommen. „Die Angebote in der Oase sind ganz verschieden, jeder kann so kommen wie er ist. Die Oase ist ein Ort für Suchende, Atheisten, Christen. Alle sind willkommen“, sagt Bettina Heckh. Die Projektarbeit läuft in Zusammenarbeit mit dem Mecklenburgischen Gemeinschaftsverband.

Wehmütig wurde es bei der Jubiläumsfeier, als Elisabeth Walter-Fischer verabschiedet wurde. Mit ihrem ersten Mann Jakob gründete sie die Oase. Zusammen mit ihm und ihren drei Kindern lebte sie von 1979 bis 2000 in Papua-Neuguinea und war dort als Missionarin im Einsatz. Jakob starb 2008 nach schwerer Krankheit. Elisabeth blieb in Neubrandenburg und lernte hier den ebenfalls verwitweten ehrenamtlichen Mitarbeiter Herbert Fischer aus Heilbronn kennen. Die beiden heirateten 2015. Doch nun ist Loslassen angesagt. Elisabeth lässt viele Menschen zurück, die ihr lieb geworden sind: Kolleginnen und Kollegen aus ihrem Team und natürlich die Neubrandenburger, die ihr ans Herz gewachsen sind. Zusammen mit Herbert zieht sie in seine Heimat in Baden-Württemberg zurück, um dort den Ruhestand zu verbringen. Zum Abschied gab es einen Luftballonstart. „Er sollte das Loslassen symbolisieren und dass die Menschen im Reitbahnviertel die Oase zu einem bunten und lebendigen Zuhause machen“, erklärt Bettina Heckh. Die regelmäßigen Oase-Besucherinnen und –Besucher werden Elli, wie sie meistens genannt wurde, vermissen. „Sie war das Herz der Oase“, so Bettina Heckh. Zum Abschied predigte Dirk Farr, Gemeindegründer aus Berlin, über den biblischen Psalm 27. Es lohne sich, nah am Herzen Gottes zu sein, um nah bei den Menschen sein zu können. Ein Prinzip, das Elisabeth und Herbert Tag für Tag lebten.

Auch wenn sie zukünftig im Süden Deutschlands leben werden, bleiben Elisabeth und Herbert mit den Neubrandenburgern in Kontakt. Sicherlich wird es den ein oder anderen Besuch geben. Und über Gebete haben sie nicht nur einen direkten Draht nach oben, sondern sind auch mit den Menschen vor Ort verbunden.

Kinder und ältere Menschen sind von der Corona-Pandemie besonders betroffen, vor allem, wenn sie unter schwierigen sozialen Bedingungen aufwachsen wie im Reitbahnviertel in Neubrandenburg. Bei einer Arbeitslosenquote von über zwanzig Prozent müssen viele Familien mit wenig Geld auskommen.

Aber nicht nur finanzielle Not macht den Menschen hier zu schaffen. In dem sozial-missionarischen Projekt „Oase“ der Liebenzeller Mission bringen die Mitarbeitenden auf kreative Weise Gottes Liebe zu den rund 4.500 Bewohnerinnen und Bewohnern. So boten sie während der Corona-Pandemie ein „Frühstück to go“ an. Rund 25 Vesper zum Mitnehmen haben täglich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerichtet und zwischen 9 und 10:30 Uhr ausgegeben. Für einen kleinen Unkostenbeitrag von zwei Euro gab es am Küchenfenster der Oase einen Kaffee, ein bis zwei Brötchen (wobei man noch welche kostenlos nachholen konnte), eine Banane, ein Ei, Tomaten und/oder Radieschen. Alles wurde in Papiertüten eingepackt. In jede Tüte haben die Mitarbeitenden einen kleinen Input bzw. Hinweis über Jesus aufgenommen. Wer sein Frühstück geholt hatte, konnte sich – mit Abstand – zunächst auf den Vorplatz setzen. Mittlerweile können die Besucherinnen und Besucher auf dem Innenhof draußen auf den Sofas sitzen. Selbstverständlich beachtete man dabei die geltenden Hygiene-Regeln.

Das Angebot nahmen viele Mütter und Senioren dankbar an, berichtet Anna Kölbel: „Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Es war das Erste, was wieder unkompliziert Gemeinschaft ermöglicht hat.“ So gab es guten Austausch bei den Gesprächen. Die Liebenzeller Missionarin ermutigt, auch andernorts solche Aktionen anzubieten: Am besten eignet sich ein Begegnungsort wie ein Vorplatz, vorzugsweise mit Sitzmöglichkeit.

Wir sind froh und dankbar für 17 neue Missionarinnen und Missionare, die sich in die Missionsarbeit weltweit senden lassen – nach Papua-Neuguinea, Kanada, Burundi, Spanien, Deutschland, Japan, Frankreich und Sambia. Zur Begegnung und zum Kennenlernen gab es ein Treffen in Dobel. Jetzt gehen unsere Neuen ermutigt den nächsten Schritt im Vorbereitungsprogramm. Wir wünschen ihnen, dass sie gesegnet sind und selbst ein Segen für viele Menschen werden.

Du überlegst, selbst Missionarin oder Missionar zu werden? Dann findest du hier weitere Infos: https://www.liebenzell.org/mitmachen/mitarbeiten/missionar-werden/

Sven und Mareike Mitschele lebten zusammen mit ihren drei Kindern vier Jahre lang in Sambia und setzten sich an der Amano-Schule ein. Zuvor unterstützten sie bei einem einjährigen Kurzeinsatz unser Team in Papua-Neuguinea. Mareike ist Fachlehrerin für musisch-technische Fächer, Sven ist Kaufmann und Sozialarbeiter von Beruf. Zum Herbst wechseln sie in unser sozialmissionarisches Projekt „Oase“ in Neubrandenburg. Wir haben ihnen ein paar Fragen gestellt.

Nach vier Jahren in Sambia seid ihr nun wieder in Deutschland. Was vermisst ihr an Afrika?
So kurz nach der Rückkehr im April fehlten uns die warmen Temperaturen, aber auch die Wärme, wenn wir Menschen begegnen. In Afrika macht man gleich mit jedem Smalltalk, auch mit Fremden. Hier liegt der Schwerpunkt viel mehr auf Zeit und Terminen und weniger auf Menschen. Unseren Kindern fehlt der Nshima, der Maisbrei, der das Grundnahrungsmittel in Sambia ist.

Eure Leidenschaft in den letzten Jahren galt den Kindern und Jugendlichen an der Amano-Schule. Was macht die Schule so besonders?
Sicherlich die bunte Mitarbeiterschaft. Trotz großer Unterschiedlichkeit hat jeder ein Herz für Jesus und für die Kinder. Der Wunsch von allen ist, dass die Kinder Jesus kennenlernen. Es ist faszinierend, wie viele Kulturen auf Amano zusammenleben. Weil es eine Internatsschule ist, hat man die Chance, in das Leben der Kinder hineinzuwirken und etwas zu verändern.

Gibt es ein Erlebnis aus eurer Zeit in „Amano“, das euch in besonderer Erinnerung ist?
Die Highlights waren die Veranstaltungen am Wochenende, bei denen man die Kinder mehr privat kennengelernt hat und Zeit mit ihnen verbringen konnte: Geländespiele, Ausflüge zu einem Pool, Koch- oder Grillaktionen. Hühnchen grillen in einem Erdbackofen war zum Beispiel eine coole Sache.
Wir waren ja die Hauseltern des Jungeninternats. Besonders viel Freude hat es mir (Sven) gemacht, mit einzelnen Jungs ein Jüngerschaftsprogramm durchzuführen. Es war genial, sie im Glauben wachsen zu sehen. Einmal hatte ich das Gefühl, einen Jungen ansprechen zu müssen, ob wir uns nicht ab und zu treffen sollten. Er erklärte mit, dass er mich das auch schon fragen wollte. Dann haben wir uns regelmäßig einmal die Woche getroffen, um gemeinsam Bibel zu lesen und über Lebens- und Glaubensfragen zu sprechen.

Im Herbst beginnt für euch mit der Oase in Neubrandenburg etwas Neues. Was wisst ihr bereits über euer neues Projekt?
Dass wir in der „Platte“ wohnen werden. Wir wissen, dass dort auch viele Menschen mit sozial schwachem Hintergrund leben. Viele sind einkommensschwach mit allerhand Problemen. Welche konkreten Aufgaben wir haben werden, ist aber noch nicht klar.
Die meisten sind areligiös geprägt, deshalb freuen wir uns auf die Arbeit im Team und wollen den Menschen Jesus liebmachen. Übrigens: Im Reitbahnviertel leben auf engem Raum mehr Menschen als in unserem Heimatdorf!

Und auf was freut ihr euch?
Auf die Begegnung mit den Menschen.
Unsere Mädchen freuen sich auf den Kindergarten und die Schule. Sie vermissen Sambia, haben hier aber auch mehr Möglichkeiten, wie Musikunterricht, Vereine usw. Ich freue mich auf die sozialmissionarische Gemeindegründungsarbeit.
Gott hat uns auch schon mit einer genialen Wohnungslösung versorgt. Wir spüren, dass Gott die Türen öffnet. Auch die Kindergarten- und Schulplätze haben sich ungewöhnlich schnell geklärt. Gott hat alles innerhalb von zwei Wochen geregelt, solange wir noch in Sambia waren. Das war eine Bestätigung für uns.

Du willst die Missionsarbeit von Mareike und Sven Mitschele mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Verrückte Welt! Als wir – ein buntes Team aus Studierenden, quer durch die Jahr- und Studiengänge der IHL und ITA – am Montagmorgen um fünf Uhr in Bad Liebenzell in die Autos stiegen, wusste wohl keiner, was wirklich auf uns zukommen würde. Wir hatten uns zu dieser Missionsreise entschlossen und wussten, dass wir in einem Flüchtlingslager in Serbien mitarbeiten würden. Vor allem junge männliche Afghanen sind vor Ort. Tee ausschenken und Wäsche waschen. So viel war uns bekannt. Doch wir merkten schnell, dass alles ganz anders war als gedacht. Denn nach einer gut zwölfstündigen Autofahrt, bei der wir die Grenzen zu Österreich, Slowenien, Kroatien und schließlich Serbien überquerten, fanden wir uns am Dienstagmorgen in diesem Flüchtlingscamp wieder – in einer völlig anderen Welt.

Das Camp ist einfach nur eine umfunktionierte Autobahnraststätte mit dazu aufgeschlagenen 100-Mann-Zelten. Als wir das erste Mal hineingingen, strömten die Menschen aus allen Ecken und Enden, um uns zu sehen. Wir waren die ersten Volontäre seit längerer Zeit, und so war unser Team DIE Attraktion. Waren zu Beginn noch all die Gesichter fremd, so änderte sich dies doch schnell in den folgenden zwei Wochen.

Jeden Tag gingen wir in zwei Schichten ins Lager, um Tee auszuschenken und die Wäsche zu waschen. Doch viel mehr geschah darüber hinaus. Wir spielten verschiedene Spiele – UNO kann man übrigens locker über Stunden hinweg spielen ;), malten mit ihnen, führten Englisch-Kurse durch und sangen gemeinsam Lieder. Und obwohl sich so manches Mal die Verständigung schwierig gestaltete, konnten wir viel gemeinsam lachen und Beziehungen aufbauen. Es wurde schnell klar, dass wir es hier nicht mit irgendwelchen Fanatikern oder Gewalttätigen zu tun hatten, sondern einfach nur mit Menschen in unserem Alter: junge Männern, die das Pech hatten, in einem anderen Land geboren zu sein. Nun sind sie auf der Suche nach einem Leben fernab von Gewalt und Chaos und erhoffen sich dies in Europa.

Was hier jetzt richtig und falsch ist, diese Frage stellte sich dort oftmals nicht mehr. Wenn man diese Menschen sieht, bewegt das zuallererst das Herz. Und dieses war auch schwer, als wir am Ende der zwei Wochen wieder nach Deutschland zurückgefahren sind. An den Grenzen, die diese Männer von ihrem Traum trennen, zückten wir einfach unsere Pässe und konnten ohne Probleme passieren. So sind wir nun wieder zurück mit viel Stoff zum Nachdenken.

Wir sind froh, dass wir bei alldem auch Gottes große Hand am Wirken gesehen haben. Auch in diesem Chaos ist er lebendig und spricht. Manchmal konnten wir es deutlich sehen, vieles bleibt uns aber auch verborgen. Doch wir wollen darauf vertrauen: Er ist derjenige, der diese Welt in seiner Hand hält. Und er möchte in Beziehung zu jedem Einzelnen treten. Deswegen hoffen wir, dass diese Botschaft bei den Männern angekommen ist und sie ein Leben mit ihm beginnen.

Text: Marco Anhorn, Foto: Martin Kocher