Paris, Nantes, Cherbourg. Das waren bisher die Stationen von Miriam und Björn Dehner in Frankreich. Seit einem Jahr sind sie zusammen mit einem Team in Montpellier in Südfrankreich und bereiten die Gründung einer Gemeinde vor. In den letzten Wochen waren sie in Deutschland, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben ihnen ein paar Fragen gestellt.

Euer neuer Einsatzort Montpellier ist eine der am stärksten wachsenden Städte in Frankreich. Was macht Montpellier so attraktiv?
Eigentlich hat Montpellier kaum wirtschaftliche Infrastruktur. Aber die Führenden in der Stadt arbeiten innovativ. Wenn sich eine Stadt neu erfindet, ist das anziehend für die Leute. Es werden zum Beispiel gerade einige Stadtteile neu entwickelt. Das Rathaus wurde aus dem Stadtzentrum bewusst in eines dieser neuen Viertel verlegt. Tradition hinter sich lassen, Neues wagen. Das lebt die Stadt vor. Und so haben sich jetzt einige Start-ups und viele junge Menschen angesiedelt.

Wie sieht eure Wunschvorstellung für eure Gemeinde aus?
Wenn wir Gemeinde träumen, dann ist sie relevant für die Menschen in ihrem Sein und Tun – selbst für diejenigen, die dann nicht in die Gemeinden kommen. Wir wünschen uns, dass Menschen entdecken, was der Glaube heute mit ihrem Leben zu tun. Dass sie Gottes Handeln in ihrem Leben erfahren und für immer verändert werden. So werden sie als „neue“ Menschen an ihrem Platz für Gott scheinen.

Eine Gemeinde zu gründen, besteht aus verschiedenen Schritten. Wo steht ihr gerade?
Wir stehen am Ende der Planungs- und Visionsphase. Wir haben uns gefragt: Wie ticken die Leute hier, was ist ihnen wichtig? Wir haben viel Zeit investiert, um Netzwerke zu schaffen, Beziehungen zu knüpfen und Vertrauen aufzubauen. Jetzt kommen wir in die Umsetzungsphase, wo sicher auch einiges experimentell sein wird.

Welche Menschen ladet ihr ein, wie geht ihr da vor?
Wir haben uns ins Leben der Stadt integriert und versucht, Beziehungen zu bauen. Wir laden die Leute ein, die wir schon kennen und die sich interessieren. Wir starten bewusst nicht mit einem „Knall-Effekt“, sondern auf persönlicher Ebene. Uns ist es wichtig, von den Menschen zu erfahren, was für sie passt und was nicht. Dann können wir uns selbst hinterfragen und unser Konzept anpassen, falls das nötig ist.

Bitte beendet den Satz „2025 ist unsere Gemeinde hoffentlich …“
… soweit, dass viele Menschen ein Leben mit Jesus begonnen haben und Franzosen in der Verantwortung in der Gemeinde sind. Und es wäre genial, wenn wir dann bereits den Raum dafür haben, eine weitere neue Gemeinde zu planen und zu gründen.

Michael und Tina Eckstein leben seit elf Jahren mit ihren Kindern in der Normandie. Sie haben die Menschen in Frankreich in ihr Herz geschlossen und lieben es, ihnen von Jesus weiterzusagen. In Saint-Lô bauen sie eine Gemeinde auf. Michael ist außerdem Teamleiter der Liebenzeller Missionare in Frankreich. In den nächsten Wochen sind sie in Deutschland unterwegs, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben ihnen einige Fragen gestellt.

Mission lag euch schon lange auf dem Herzen. Aber eigentlich sollte euer Weg nicht nach Frankreich führen. Warum seid ihr dann aber doch dort gelandet?
(Tina) Wir waren schon am Kofferpacken für unseren Einsatz in Malawi, die Moskitonetze waren schon gekauft. Dann kam bei mir die plötzliche Diagnose Schilddrüsenkrebs. Das hat unsere Pläne natürlich durcheinandergebracht. Nach den ersten Behandlungen haben wir uns gefragt, ob ein Einsatz in Afrika sinnvoll ist, wenn ich für potenzielle Behandlungen regelmäßig nach Deutschland reisen müsste. Und dann ist Frankreich in den Blick geraten. Wir können unseren Weg absolut als Wegführung Gottes sehen.

Du bist Teamleiter der Missionare in Frankreich. Was beinhaltet diese Aufgabe für dich?
(Michael) Ich begleite die Missionare und unterstütze sie in ihren Aufgaben. Wir reden gemeinsam über die Ziele des Missionsdienstes und ich bin Bindeglied zwischen der Arbeit in Frankreich und der Zentrale in Deutschland. Ein wichtiges Anliegen ist mir die Zusammenarbeit mit unserem Partnergemeindeverband. Partnerschaft leben und ausbauen: Das ist mein Wunsch.

Welche Begegnung hat euch in den letzten Monaten am meisten bewegt?
(Tina) Ich musste so über Gottes Timing staunen. Eigentlich war ich unter Zeitdruck und wollte meiner Bekannten Tabitha nur kurz Batterien vorbeibringen. Dann haben wir aber miteinander geredet, gebetet und ich habe sie noch zum Bahnhof gefahren. Als ich dann in der Gemeinde eintraf, klopfte es gleich an der Tür. Es war eine befreundete Ärztin aus dem Kongo. Sie war nur einen Tag im Ort. Wäre es mit Tabitha nicht länger gegangen, hätte ich meine Freundin aus dem Kongo nicht getroffen. Es war Gottes Timing!

(Michael) Ich hatte schon vor längerer Zeit eine Ausbildung zum Jugenddirektor gemacht. Damit kann ich Schulungen für neue Jugendleiter anbieten. Das Ganze ist kein christliches Programm, sondern rein säkular. Beim letzten Kurs bestand das Leitungsteams aus insgesamt vier Christen mit der Intention, praktisch Glauben zu teilen. Was für eine riesige Chance! Bei diesem Kurs war ein Teilnehmer dabei, der zwar einen traditionell protestantischen Hintergrund hat, aber keine lebendige Beziehung zu Jesus. Wir hatten viele intensive Gespräche – auch über den Glauben – und manche Teilnehmer haben gemeinsam Bibel gelesen. Diese Woche hat ihn total verändert. Am Ende sagte er: „Ich bin ohne Bibel und ohne Gott hier angekommen. Jetzt gehe ich mit der Bibel im Koffer und mit Gott im Herzen.“ Was für eine geniale Sache!

Wenn ihr die Franzosen in drei Eigenschaftswörtern beschreiben müsstet: Welche wären das?
Genießend, gelassen, respektvoll.

Was ist euer Wunsch für Frankreich?
Dass es in der „geistlichen Wüste“ wieder blüht! Wir wünschen uns, dass Franzosen erleben, dass es sich lohnt, Jesus ganz und gar zu vertrauen.

Ohne Missionare, die sich Jahrzehnte in ihrem Einsatzland investieren, könnte Missionsarbeit nicht funktionieren. Als Liebenzeller Mission profitieren wir sehr von unseren Langzeitmissionaren. Wie zum Beispiel von Norbert und Susanne Laffin. Sie leben und arbeiten seit 29 Jahren in der Normandie in Frankreich. In Coutances haben sie eine Gemeinde gegründet und sind nun seit 2017 in Alençon im Einsatz. Ihre Leidenschaft für die Menschen im Land ihrer Berufung ist immer noch sehr groß. In den nächsten Wochen ist Norbert zusammen mit Tochter Anna-Lena in Deutschland, um über seine Arbeit zu berichten. Wir haben ihm einige Fragen gestellt.

Bei euch in der Gemeinde sind auch immer wieder Kurzzeitmitarbeiter von „impact“ im Einsatz. Wie machen sie sich?
impactler sind toll! Sie sind eine echte Verstärkung. Ich stelle in Frankreich immer wieder fest: Je jünger die Leute sind, desto weniger wissen sie über den christlichen Glauben. Aber auch desto weniger voreingenommen sind sie. Gerade die impactler kommen mit jungen Menschen gut ins Gespräch. Natürlich müssen wir auch in sie investieren, aber das machen wir gerne!

Was ist die größte Herausforderung für Mission in der Normandie?
Es gibt in der Normandie und in Frankreich insgesamt wenige Christen, die ihren Glauben praktizieren. Es gibt viel mehr offene Türen als wir nutzen können. Wir sind zu wenige Mitarbeiter, um allen Möglichkeiten nachzukommen, die sich bieten. Und gerade auf dem Land merken wir: Es dauert lange, bis Beziehungen gewachsen und Vertrauen aufgebaut ist.

Eure Tochter Debora studiert an der Interkulturellen Theologischen Akademie (ITA) in Bad Liebenzell, eure anderen Kinder bringen sich in der Arbeit vor Ort ein. Bist du froh, dass auch eure Kinder so motiviert für Mission im Einsatz sind?
Das ist für uns ein großes Geschenk. Eigentlich sind unsere Kinder für die Missionsarbeit unverzichtbar. Sie setzen sich alle gerne ein. In der Gemeinde können sie sich auch gut entfalten. Es ist fast so, wie wenn wir in einem Team arbeiten würden. Und besonders schön ist auch, dass sie viele Kontakte zu Menschen außerhalb unserer Gemeinde haben und mit ihnen ins Gespräch über Jesus kommen.

Welche Eigenschaft schätzt ihr an den Menschen in Frankreich besonders?
Man nimmt sich Zeit, nicht nur beim Essen. Auch bei Behördengängen ist nach anfänglichem Misstrauen die Bereitschaft zur Hilfe bezeichnend. Was unsere Gemeinde angeht: Da geht es sehr herzlich zu. Das schätzen wir, und natürlich neue Besucher, sehr.

FRANKREICH. Der christliche Glaube bringt Menschen verschiedener Nationalitäten zusammen und hilft, falsche religiöse Vorstellungen zu überwinden. Das hat Evelyn Theurer bei einem Frauennachmittag erlebt, zu dem rund 30 Besucherinnen kamen. „Wir waren eine bunte Truppe aus weißen und schwarzen Frauen – das ist bemerkenswert, weil sie sich immer mehr annähern, bewusst den Kontakt suchen und Vertrauen aufbauen.“ Der Nachmittag beschäftigte sich mit den Segnungen Gottes. „Für uns ist Jesus Licht, Segen und Ermutigung. Das ermutigt uns wiederum, das auch für die Menschen unserer Zeit zu sein“, so die Liebenzeller Missionarin. Die Frauen hätten die Zeit sehr miteinander genossen und drei berichteten, was Jesus für sie getan habe. Evelyn Theurer möchte nun ein Team für die Frauenarbeit heranbilden und mit anderen Themen und Schwerpunkten auch neue Frauen einladen. So wollen sich die Besucherinnen beim nächsten Mal an einem Samstag um 18 Uhr treffen und jede Nationalität will etwas beitragen. „Das ist ein weiterer Schritt, um gemeinsam unterwegs zu sein!“

Die Liebenzeller Mission ist seit 1987 in Frankreich tätig und hat dabei in der Normandie mehrere Gemeinden gegründet. Auf rund 30.000 Einwohner kommt dort nur etwa eine Gemeinde, die bis zu 50 Kilometer von der nächsten entfernt liegt. Evelyn Theurer ist seit 2008 in der Gemeindearbeit tätig, zunächst in Alençon und Mortagne und seit vergangenem Jahr in La Roche-sur-Yon (nördlich von La Rochelle).

FRANKREICH. Auch in Frankreich gedachte man am Volkstrauertag den Opfern der beiden Weltkriege. Im Mittelpunkt stand dieses Jahr die Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Die Gedenkfeier auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Huisnes-sur-Mer (Normandie) organisierte der deutscher Missionar Peter Rapp maßgeblich mit. Dabei las er auch einen Psalm und sprach ein Gebet. An der Feier nahmen neben hochrangigen Vertretern des lokalen Militärs und der örtlichen Behörden auch Schüler aus Frankreich und Deutschland teil.
Im vergangenen Jahr hatte Rapp erstmalig die Gedenkfeier vorbereitet, zusammen mit der Deutschen Botschaft in Paris, dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge und den hiesigen Lehrern, die ihn kennen und schätzen. Diese Feier enthält von ihrer Ursprungsidee auch eine geistliche Ansprache und Gebet. „2017 ich war als einziger kirchlicher Vertreter dabei“, sagte Rapp, der seit 1991 mit seiner Frau Sigrun in Frankreich unter anderem christliche Gemeinden gründet. In diesem Jahr wollte er die Gedenkfeier auch im geistlichen Bereich auf breitere Basis stellen. Dazu lud er einen befreundeten katholischen Priester ein, der in der Nähe der Gedenkstätte wohnt. Zusammen übernahmen sie die Schriftlesung, die geistliche Ansprache und das Gebet. Dabei erinnerte Rapp in seinem Gebet dabei daran, dass Gott die Versöhnung der Völker ermögliche. Er habe durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes Jesu die Menschen mit ihm versöhnt.

Gedenkfeier bringt Menschen zusammen
Rapp ist sehr dankbar, dass er an den Gedenkveranstaltung mitwirken konnte: „Ich erlebe, dass durch die Vorbereitungen und der Durchführung Verbindungen zwischen Menschen aufgebaut werden, die sich vorher nicht kannten. Eines der Vorbereitungstreffen fand in unserem neuen Gemeindesaal statt.“ Nach der Zeremonie konnte er beim Umtrunk auch mit führenden Militärangehörigen und Behördenvertretern sprechen. Die Beteiligung von Rapp wurde sehr geschätzt. So wurde er gebeten, im Kreis mitzuarbeiten, der die Gedenkfeierlichkeiten zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges im nächsten Jahr vorbereitet.

Seit 27 Jahren leben und arbeiten Hiltrud und Uwe Vogel in der Normandie in Frankreich. Sie haben die Gemeinde in Carentan gegründet und das Missionszentrum in Saint Aubin aufgebaut. Ihre Gemeinde ist gerade dabei, „erwachsen“ zu werden. Die Leidenschaft von Uwe und Hiltrud ist immer noch sehr groß, Menschen in Frankreich von Jesus weiterzusagen. Wir haben ihnen ein paar kurze Fragen gestellt.

Ihr seid echte „Missionars-Urgesteine“. Was motiviert euch jeden Tag neu, anderen von Jesus weiterzusagen?
Hiltrud: Die persönliche Stille Zeit. Wenn ich Jesus begegne, motiviert mich das sehr und ich schöpfe dann aus dem Vollen.
Uwe: Motivation kann man sich nicht selbst machen. Motivation kommt für mich nur aus der Begegnung mit Jesus. Ich bin der Meinung: Ich kann der Welt nichts Besseres tun, als sie mit Jesus in Verbindung zu bringen. Und deshalb setze ich mich für Gemeinde ein. Gemeinde ist das Wertvollste, was es auf der Welt gibt.

Eure Kinder waren immer mit euch missionarisch aktiv und haben sich zum Beispiel in der Jugendarbeit eingebracht. Jetzt sind sie erwachsen und aus dem Haus. Was fehlt euch?
Am deutlichsten in der Gemeindearbeit merken wir das an der Musik, denn da haben sich alle unsere Kinder engagiert. Andere steigen zwar ein, aber es fehlt bei uns an Musikern. Unsere Kinder haben uns persönlich sehr viel geholfen, dass unser eigenes Leben „upgedatet“ wird. Horizonterweiterung haben wir durch sie nicht nur bei den Musikstilen bekommen. Ohne sie wäre ich ein alter, verknöcherter Mann geworden (Uwe, schmunzelt). Auf der anderen Seite hat es natürlich auch etwas Positives, dass die Kinder aus dem Haus sind. Das „Geschmäckle“ eines Familien-Betriebs in der Gemeinde ist jetzt weg.

Was macht Missionsarbeit in Frankreich so besonders?
Als laizistisches Land sind in Frankreich Staat und Kirche getrennt. Dadurch müssen Kräfte gebündelt werden. Wir erleben zum Beispiel, dass die evangelikalen Werke in Frankreich sehr die Zusammenarbeit suchen. Wir wollen gemeinsam eine Größe bilden, um so gegenüber dem Staat auch etwas überschaubarer und stärker auftreten zu können. Im Miteinander mit anderen Werken erleben wir echte Bruderschaft und Ermutigung im Glauben, ohne eine persönliche Gemeinde-Identität aufgeben zu müssen.

Welche Eigenschaft schätzt ihr an den Menschen in Frankreich am meisten?
Die Lebensnähe. Den Menschen sind Beziehungen sehr wichtig. Es stört sie weniger, wenn als Lichtquelle eine einsame Lichtbirne an der Decke baumelt. Aber wenn man zu Besuch kommt, ist man überrascht über ihre Großzügigkeit und bewegt, wieviel Mühe sie sich mit der Bewirtung geben.

FRANKREICH. Hiltrud und Uwe Vogel zogen vor rund 20 Jahren nach Frankreich, um ein Missions- und Freizeitheim in St. Aubin du Perron aufzubauen, zu leiten und parallel dazu eine Gemeinde in dem ländlichen Carentan zu gründen. Beides konnte inzwischen entstehen. Und es ist ermutigend zu sehen, wie immer mehr Menschen bereit sind, diese Aufgabe mitzutragen. Vogels wollen 2020 in die 50 Kilometer entfernte Hafenstadt Cherbourg weiterziehen, um in einem Team noch einmal eine neue Gemeinde zu gründen. Für die kleine Gemeinde in Carentan ist das eine große Herausforderung. „Wir benötigen viel Weisheit, um sie auf diese Situation vorzubereiten“, sagen Hiltrud und Uwe Vogel. „Die geplante Vergrößerung des Gebäudes können wir nun leider nicht mehr angehen. In der verbleibenden Zeit ist es jetzt wichtiger, zu schulen, zu strukturieren und den Verantwortlichen Sicherheit zu geben.“
Durch die Veränderung der Infrastruktur, neue Straßen und den jüngst gebauten, enormen Kreisverkehr direkt vor dem 2001 eingeweihten Gemeindegebäude, ist die Gemeinde schnell erreichbar und sie hat viel Parkfläche. Für die Gemeinde, die aus zwölf verschiedenen Ortschaften zusammenkommt und in der bis zehn verschiedene Länder repräsentiert sind, ist das ideal. „Wie können wir eine solche Lage für Gottes Pläne besser benutzen?“, fragen die Gemeindemitglieder. Gott antwortete und berief Familie Guillaumain.

Hoffnung auf junge französische Mitarbeiter

So sind Johan und Carine Guillaumain mit ihren beiden Kindern 2017 nach Carentan gezogen. Sie fühlen sich in die Normandie gerufen. Dazu haben sie ihren Beruf, sie als Ergotherapeutin und er als Landschaftsgärtner, aufgegeben. Nach einem Jahr Bibelschule in Genf folgen nun zwei Jahre Praktikum in Carentan. Im Jahr muss Johan für acht Wochen zurück auf die Schulbank. 2019 endet das zweijährige Praktikum bei Vogels. Dann beginnt das Abschlussjahr ihrer theologischen Ausbildung. Ausnahmsweise erlaubt ihnen die Bibelschule, es an demselben Ort zu machen. Voraussichtlich wird Michael Eckstein nach Vogels Umzug für diese Zeit ihr Leiter sein.
Bislang haben die kleinen, von Liebenzeller Missionaren gegründeten Gemeinden, von Vollzeit-Missionaren profitiert. Nun unterstützen sie gemeinsam die ersten französischen Mitarbeiter. „Für die Arbeit in der Normandie wagen wir uns damit auf ‚Neuland‘ und wir sind dankbar für alle Gebete“, schreiben Vogels. Guillaumains können sich vorstellen, nach Abschluss ihrer Ausbildung in Carentan zu bleiben und im Netzwerk mit den Gemeinden in der Gegend zusammen zu arbeiten. Sie hoffen mit Vogels, dass Gott ihre Berufung bestätigt und auch finanziell den Weg dazu ebnet.

Die Liebenzeller Mission ist 1987 in Frankreich tätig und hat dabei in der Normandie mehrere Gemeinden gegründet. Auf rund 30.000 Einwohner kommt dort nur etwa eine Gemeinde, die bis zu 50 Kilometer von der nächsten entfernt liegt.

FRANKREICH. Die von der Liebenzeller Mission 1991 gegründete Gemeinde in Avranches (Normandie) feierte am 15. September die Einweihung ihres neuen Gemeindehauses – und das Haus platzte dabei aus allen Nähten. Das berichtet der Liebenzeller Missionar Peter Rapp. Die 80 Stühle reichten nicht aus und viele Besucher, die zum Teil weit angereist waren, mussten sogar stehen. Sieben Firmen erstellten in einem Jahr das 200 Quadratmeter große Gebäude. Die Gemeindeglieder strichen die Wände und innerhalb einer Woche haben Mitglieder einer russlanddeutschen Gemeinde aus Herford die 200 Quadratmeter Teppichboden und PVC-Beläge verlegt.  Das Gemeindehaus konnte nicht zuletzt aufgrund vieler Spenden aus Deutschland errichtet werden. So schenkten zwei Firmen Teppichböden und PVC-Beläge.

Bürgermeister begrüßt neue Gemeinde

Avranches Bürgermeister David Nicolas begrüßte bei der Einweihung, dass es eine neue christliche Gemeinde gebe.  Er freue sich, dass die Gemeinde zum guten Zusammenleben beitrage. Er durchschnitt zusammen mit Michael Eckstein und Reinhold Frasch, Referatsleiter Globaler Norden bei der Liebenzeller Mission, symbolisch ein Band. Bei der Feier dabei waren neben Vertretern von französischen Gemeindeverbänden auch Gäste aus Herford-Stedefreund, der Heimatgemeinde von Sigrun Rapp. Die Kinder konnten im sogenannten „Aquarium“ spielen und die Eltern ungestört über Lautsprecher zuhören. Die Teenager freuten sich, dass für sie Computerspiele im Jugendraum vorhanden waren. Bei einem Stehempfang kamen die Gäste ins Gespräch und genossen die Grillwürste und Crêpes. Der Erlös kommt dem Neubau zugute. Das anschließende Konzert mit Sängerin Abbie aus Saint-Malo und ihr Lebenszeugnis hat viele berührt und zum Nachdenken gebracht. Sie berichtete,  wie sie von Gott einen Sinn in ihrem Leben erhielt und seelische Verletzungen und Minderwertigkeitsgefühle geheilt wurden. Sie konnte eine tiefsitzende Schüchternheit überwinden, weil sie sich von Gott in Jesus Christus angenommen fand. Etliche Personen sind nach dem Konzert im Gespräch mit ihr ermutigt worden, sagte Peter Rapp.

Die Liebenzeller Mission ist seit 1987 in Frankreich aktiv und hat dabei in der Normandie mehrere Gemeinden gegründet. Auf rund 30.000 Einwohner kommt dort nur etwa eine Gemeinde, die bis zu 50 Kilometer von der nächsten entfernt liegt. Peter und Sigrun Rapp sind seit 1991 in Frankreich tätig, seit 2012 arbeiten sie in Avranches. Der Liebenzeller Missionar ist auch als evangelischer Gefängnis-Seelsorger im rund 50 Kilometer entfernten Coutances im Einsatz.

FRANKREICH. Viele Jahre war die Gemeinde in Avranches auf der Suche nach größeren Räumen. Vor zwei Jahren wurde sie dann fündig, und vor wenigen Tagen fand der erste Gottesdienst im neuen Gemeindehaus statt. Ein großer Grund zur Freude für die 40 Gemeindemitglieder und die Liebenzeller Missionare Sigrun und Peter Rapp, die die Gemeinde seit sechs Jahren betreuen.

„Der erste Gottesdienst war von großen Emotionen geprägt. Vor allem auch, weil viele Menschen dabei waren, die vor 23 Jahren die Geburtsstunde der Gemeinde miterlebt hatten“, berichtet Peter. Insgesamt 200 Quadratmeter bietet das neue Gebäude. Genug Platz also für einen großen Gottesdienstsaal, Kinder- und Jugendräume oder auch einen Eingangsbereich mit Stehküche. Schon zu Beginn des Gottesdienstes war spürbar, dass sich etwas verändert hatte. Die Jugend breitete sich mit ihren Instrumenten begeistert im Raum aus, während sie den Lobpreis musikalisch leitete. Und nicht nur die Band entfaltete sich: „In unserer Gemeinde gibt es viele Afrikaner, die auf einmal anfingen, zu tanzen und dadurch andere Besucher mitrissen“, erzählt Peter. Nach dem Lobpreis gab es dann eine Zeit des Austausches und des Gebets, bevor Peter die Predigt hielt.

Überraschend war der Besuch eines jungen Mannes, der erstmals am Gottesdienst teilnahm. Seine Eltern besuchen schon seit einiger Zeit die Gemeinde, doch mit ihnen hatte er sich zerstritten. „Er hat kaum christlichen Hintergrund und ist in der Stadt eher dafür bekannt, dass er viel Alkohol trinkt und in falschen Kreisen verkehrt“, erzählt Peter. Umso größer war die Freude über den Besuch des 23-Jährigen, der beim Aufräumen im Anschluss an den Gottesdienst sogar freiwillig Hand anlegte und fragte, was er noch Gutes tun könne? „Er hat auch schon tolle Ideen, wie wir das Außengelände gestalten können“, freut sich Peter. Der junge Franzose verstehe zwar einiges noch nicht, fühle sich aber angenommen und sagte, er komme nun jeden Sonntag. Darüber freut sich die Gemeinde sehr, und sie beten, dass er den Kontakt halten kann und sich nicht weiter von seinem Umfeld zu Dummheiten hinreißen lässt.

Dankbar sind Sigrun und Peter auch dafür, dass sich durch das neue Gebäude das Denken einiger Gemeindemitglieder verändert hat: „Zuvor fielen uns als Ehepaar alle Aufgaben zu. Nun sehen viele, dass es Unterstützung und Verantwortliche in verschiedenen Bereichen braucht.“ Der wachsende Zusammenhalt sei schon jetzt spürbar. Vier Mütter helfen nun im Kinderclub mit und ein junger Mann investiert sich stark in die Jugendarbeit. Ziel der Missionare ist es, dass die Gemeinde in wenigen Jahren auf eigenen Füßen steht. Und diesem sind sie durch die räumlichen Veränderungen wieder ein Stück nähergekommen. Auch wünschen sie sich, dass die Gemeinde weiter wächst und sich gute Kontakte im neuen Viertel ergeben.

FRANKREICH. Seit zehn Jahren lebt die Liebenzeller Missionarin Evelyn Theurer in Frankreich. Nach langer Zeit in Alençon geht es für sie im Sommer weiter nach La Roche-sur-Yon, um auch dort Menschen den christlichen Glauben näherzubringen und ihnen Gottes Liebe weiterzugeben. Bis Juli ist Evelyn noch in Deutschland, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben ihr drei Fragen gestellt.

Wie kam es zu dem Wechsel von Alençon nach La Roche-sur-Yon?
Ich bin ein Mensch, dem es nach einer gewissen Zeit gut tut, wieder etwas Neues zu beginnen. Dann habe ich alles gegeben, was ich geben konnte. Natürlich kann man immer noch weitermachen, aber andere und ich hatten den Eindruck, es könnte für mich an der Zeit sein, weiterzuziehen. Überraschend kam dann die Anfrage von einer französischen Gemeinde aus dem einheimischen Partnergemeindeverband in La Roche-sur-Yon, ob ich diese unterstützen wollen würde. Ich kannte den zuständigen Pastor dort durch verschiedene Sitzungen, wo wir uns schon mal über Visionen unterhalten hatten. Er meinte, meine Gedanken und die Visionen seiner Gemeinde würden sich decken. Hinzu kam auch, dass wir uns als Liebenzeller Mission missionarischen Gemeindebau in einer multikulturellen Gesellschaft auf die Fahnen geschrieben haben, und dies bewusst in Partnerschaft mit einheimischen Gemeinden tun möchten. Das Ganze war für mich außergewöhnlich, weil ich nichts dazu beigetragen hatte und dann kam auf einmal etwas ins Rollen.

Was werden deine Aufgaben am neuen Einsatzort sein?
Zunächst werde ich drei Monate mit dem dortigen Pastor unterwegs sein und wir werden gemeinsam schauen, was wir konkret anpacken wollen. Die Gemeinde hat mir jetzt schon eine Bedürfnisliste mit zehn Punkten vorgestellt. Neue Gemeinden zu gründen und offensiv nach außen zu gehen, werden auf jeden Fall zwei meiner Schwerpunkte sein. Alles andere wird sich noch ergeben. Die Arbeitsbeschreibung wird also erst nach dem dreimonatigen Kennenlernen wirklich festgelegt. Das finde ich sehr interessant, denn das kannte ich so auch noch nicht. Vielleicht ist das einfach die französische Art, wie die Gemeindeleitung dort tickt.

Was wirst du an Alençon vermissen und worauf freust du dich besonders in La Roche-sur-Yon?
Vermissen werde ich sicher meine Freunde und Bekannten. Einfach all das, was sich dort in den sieben Jahren ergeben hat. Dazu zählen auch die Kontakte im ökumenischen Bereich. Man hat sich gegenseitig schätzen und respektieren gelernt. In La Roche-sur-Yon freue ich mich vor allem darauf, Neues zu entdecken. Zu erfahren, wie es woanders funktioniert, was man machen und wie man Mitarbeiter fördern kann. Ich freue mich, das Team zu unterstützen. Viele der Mitarbeiter scheinen stark ausgelastet. Ich hoffe, dass ich ihnen was abnehmen kann, sodass sie wieder Kapazitäten frei haben, um ihre Gaben auch in anderen Bereichen der Gemeinde einzubringen. Als eine der Mitarbeiterinnen neulich erfuhr, dass ich auch gerne Menschen zum Kaffee einlade, sagte sie, dass das schon lange ihr Wunsch sei. Doch er wurde bislang nicht mitgetragen. Sie hofft, in mir eine Verbündete gefunden zu haben. Das freut mich. Es ist so viel Positives vorhanden, dass ich in dem Wechsel vor allem die Chancen sehe.