FRANKREICH. Immer seltener besucht eine ältere Dame ihre Gemeinde in Montagen. Eines Tages kommt sie gar nicht mehr. Warum, das weiß keines der acht Gemeindeglieder. Einige vermuten, es läge an den Problemen, die sie mit Einzelnen hatte. Es vergehen mehrere Wochen bis die Französin eines Sonntags überraschend wieder am Gottesdienst teilnimmt. Die Dame, die häufig nur Kritik äußerte, hat sich verändert. Sie bringt sich plötzlich positiv ein und betont immer wieder, wie wichtig es sei, gemeinsam neue Wege zu gehen, um Menschen auf die Gemeinde aufmerksam zu machen. Obwohl nach wie vor niemand weiß, wieso sie lange Zeit fernblieb, ist sich die Liebenzeller Missionarin Evelyn Theurer sicher: „Sie hat den Schatz der Gemeinde wiederentdeckt.“

FRANKREICH. Es war eine bewegende Abschiedsfeier für Familie Laffin in Coutances in der Normandie. Nach 27 Jahren Einsatz ist die Gemeinde nun so gefestigt, dass die Missionare weiterziehen können. Ab September arbeiten Norbert und Susanne Laffin in der Gemeinde in Alençon. In Coutances übernimmt ein kollegiales Leitungsteam aus „gestandenen Gemeindegliedern“ die Verantwortung, wie Norbert Laffin erzählt: „Das sind alles fähige Leute, die jetzt richtig gut mitanpacken.“ Eine evangelische Gemeinde aufzubauen in einer stark traditionell katholisch geprägten Region im laizistischen Frankreich – das war eine große Herausforderung. „Am Anfang waren die Menschen sehr misstrauisch“, erinnert sich Norbert Laffin. „Aber nach und nach ist viel Vertrauen gewachsen.“ Familie Laffin ging die Aufgabe mit viel Leidenschaft und der nötigen Portion an kreativen Ideen an. So entstand der jährliche „Gottesdienst für die Obrigkeit“, zu dem sich regelmäßig der Bürgermeister einladen ließ – gewiss keine Selbstverständlichkeit in Frankreich. Als 2005 das neue Gemeindezentrum gebaut wurde, entschied sich Norbert Laffin bewusst für ein Baugrundstück in einem Industriegebiet – zur Verwunderung der Stadtverwaltung. Doch das sollte sich auszahlen. Das Gemeindezentrum bekam genügend Parkplätze, was in der Innenstadt nicht möglich gewesen wäre. Das Gebäude wurde hell und einladend gestaltet. „Wir wollten die Menschen bewusst in einer modernen Form erreichen“, erzählt Norbert Laffin. Zur Verabschiedung am 2. Juli kamen rund 100 Personen. Auch die Presse war mit dabei und brachte einen schönen Artikel in der Zeitung. Das sprach sich auch in Alençon herum, so dass Norbert gleich einen Anruf von der dortigen Zeitung bekam: „Über ihre Begrüßung in Alençon werden wir selbstverständlich berichten!“

Seit 2012 leben Miriam und Björn Dehner in Frankreich. In den letzten beiden Jahren arbeiteten sie in Cherbourg, im Nordwesten der Normandie. Sie setzen sich besonders für Jugendliche ein. Sie zu prägen, ist ihre Leidenschaft. In den nächsten Wochen sind Björn und Miriam in Deutschland und berichten über ihre Arbeit. Danach werden sie in Frankreich eine neue Gemeindegründung beginnen. Wir haben den beiden drei kurze Fragen gestellt.

In Frankreich gilt das Prinzip der Laizität: Religion und Staat sind strikt getrennt. Was bedeutet das für die Missionsarbeit?
Eigentlich ist die Laizität etwas Positives. Denn sie gewährleistet, dass jeder seinen Glauben frei leben kann. Der Staat mischt sich nicht in Religion ein. Allerdings hat dieses Modell dazu geführt, dass Religion weniger präsent ist. Glaube ist in Frankreich sehr privat. Man redet eher darüber, was man verdient, als darüber, woran man glaubt. Die Gefahr ist einfach, dass die Laizität zur Ideologie und damit zu einer areligiösen Haltung wird. Christen fühlen sich als Minderheit. Als Gemeinde hat man den Eindruck, eingeschränkt zu sein, wie man auftritt. Und das, obwohl es viele Rechte gibt, seine Religion auszuüben. Die Evangelische Allianz Frankreichs hat deshalb ein gutes Heft herausgegeben, das aufzeigt, welche Rechte jeder Gläubige im öffentlichen Raum hat, z. B. an der Schule und an der Uni.

Ihr setzt Euch besonders für die Jugendlichen ein. Was ist euer Wunsch für die junge Generation in Frankreich?
Dass zukünftige Leiter heranwachsen! Uns ist es wichtig, dass Mitarbeiter nicht einfach nur Teerkreis machen. Es geht um Motivation und darum, Potenziale zu entdecken und zu fördern, voranzugehen und für Gott etwas zu bewirken. Wir wollen junge Menschen ermutigen, Neues zu wagen, eine Vision zu entwickeln und selbst vorwärts zu gehen. Wenn Menschen zum Glauben kommen, sich dann aber mit ihren Fähigkeiten nicht für andere Menschen und die Gemeinde einsetzen, ist das schade. Mit Jugendlichen ist das ein sehr spannender Weg, denn junge Menschen kann man gut prägen. Sie haben das Leben noch vor sich und haben viele Träume. Mit Menschen, die viel von Gott erwarten, kann man auch viel bewegen!

In den nächsten Wochen seid ihr in Deutschland, um von eurer Arbeit in Frankreich zu berichten. Auf was freut ihr euch in Deutschland am meisten und was werdet ihr an Frankreich vermissen?
(lachen) Das französische Baguette haben wir schon nach einer Woche vermisst. Aber auf Familie und Freunde in Deutschland freuen wir uns natürlich. Grundsätzlich sind wir aber sehr gerne an beiden Orten.