Thomas und Irene Beck sind seit fast 30 Jahren in Japan vor allem in der Gemeindegründungsarbeit aktiv. Das Ehepaar mit vier fast erwachsenen Kindern ist seit 2012 in Tokaichiba im Einsatz. Thomas leitet daneben als Geschäftsführer die religiöse Körperschaft der Liebenzeller Mission in Japan, die unter anderem 16 Gemeinden und ein Freizeitheim umfasst. Wir haben uns mit ihnen unterhalten, vor welchen Herausforderungen die Missionsarbeit in dem Land steht.

Rund ein Prozent der 126 Millionen Japanerinnen und Japaner sind Christen, davon sind 680.000 evangelisch. Warum glauben so wenige an Gott?
Thomas Beck: In Japan herrscht ein ausgeprägtes Kollektivdenken. So lautet ein Sprichwort: „Der Nagel, der heraussteht, wird eingeschlagen.“ Japanerinnen und Japaner identifizieren sich sehr stark über ihre Gruppe. Der Shinto-Glaube gehört zur Nationalität und hier herauszutreten, ist aufgrund des sozialen Druckes sehr schwer. Hinzukommt, dass in Japan eine ausgeprägte Leistungsgesellschaft vorhanden ist. So muss man bereits für den Kindergarten eine Aufnahmeprüfung bestehen. Es gibt in Japan deshalb keine Freizeitindustrie wie bei uns.
Der allgegenwärtige Leistungsdruck hält viele davon ab, über das nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Zwischen 40 und 50 Jahren geraten aber viele in Lebenskrisen, hinzukommen Erziehungs- und Eheprobleme. Viele finden in diesem mittleren Lebensalter in unsere Gemeinden. Denn sie suchen nach Hilfe und fangen an, über Lebensfragen nachzudenken. Allerdings sind die Kinder der 40- bis 50-Jährigen mit unseren Angeboten so gut wie nicht zu erreichen, da sie selbst schon erwachsen sind und sie wiederum nicht mehr von ihren Eltern erreicht werden. Jede Generation muss letztlich neu mit dem Evangelium in Kontakt kommen, denn es ist in Japan noch viel schwerer, dass Eltern ihren Kindern den Glauben weitervermitteln können.

Wie erreicht ihr die Menschen in Japan?
Irene Beck: In Japan läuft viel über Beziehungen. Dabei sind wir Missionare, die wir von außen kommen, sehr stark darauf angewiesen, dass die einheimischen Christen ihre Freunde und Bekannte mit in die Gemeinde bringen.
Thomas Beck: Wenn wir eine neue Gemeinde gründen, laden wir als Erstes Japanerinnen und Japaner zu uns nach Hause ein und lesen mit ihnen die Bibel, die auch für sie als das meistgelesene Buch der Welt gilt. Aber sie wissen nicht, was darin steht. Wenn aber jemand von außen kommt, mit ihnen die Bibel liest und den Inhalt erklärt, haben sie großes Interesse daran. Denn Japanerinnen und Japaner sind sehr wissbegierig. Es interessiert sie besonders, was aus dem Westen kommt. Mit der Bibel konfrontiert zu werden, ist für sie eine große Chance, etwas bislang Unbekanntes kennenzulernen. Daneben laden wir auch in unseren Gemeinden zu Konzerten oder Vorträgen zur Kindererziehung und zu Alltagsproblemen ein.

Was leitet euch bei eurer Arbeit?
Thomas Beck: Bei unserer Gemeindegründungsarbeit sind uns drei Punkte wichtig: Dass wir betend vorbereiten, wen wir ansprechen sollen. Dazu bauen wir immer einen Unterstützerkreis an Betern auf. Hinzu kommt, dass wir mit Christen vor Ort zusammenarbeiten, die bereits über Kontakte verfügen. Wir Missionare knüpfen daran wiederum neue Kontakte. Und dann verkünden wir die Frohe Botschaft für eine Gesellschaft, die keine frohe Botschaft hat, da sie sehr anstrengend und auf Leistung ausgelegt ist. Viele Japanerinnen und Japaner leiden unter dem Druck. Das Evangelium befreit sie davon und verändert sie. Gebet, Kontakte vor Ort und das Evangelium – darauf kommt es uns letztlich an.

Wie ist die Situation in eurer momentanen Gemeinde?
Thomas Beck: Wir versuchen zurzeit die Gemeinde in Tokaichiba in einheimische Hände zu übergeben und suchen dazu Leitungspersonen. Den Gottesdienst besuchen rund 40 Japanerinnen und Japaner. Begonnen haben wir mit sechs Personen. Der jüngste Besucher ist zwei Jahre alt, die älteste Besucherin 88 Jahre. Dabei erreichen wir Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Aber die Menschen, die sich bei uns haben taufen lassen, waren meist zwischen 40 und 50 Jahren alt.

Wie reagieren die Japaner auf das Evangelium?
Thomas Beck: Das Evangelium befreit vom Leistungsdruck und vom Ahnenkult, der die Japanerinnen und Japaner oft sehr bindet und ihnen unter anderem durch die Rituale sehr vieles abverlangt. Viele leiden unter Angst vor den Verstorbenen. Denn – so denken sie – man darf ja nichts falsch machen bei Beerdigungen oder gar Tabus brechen – sonst rächen sie sich als böser Geist. Jesus Christus hingegen befreit sie von dieser Angst. Sie müssen keine Lasten mehr tragen. Das ist für die Christen hier befreiend und begeistert sie.
Irene Beck: Und diese Begeisterung steckt an. So haben wir durch eine Frau aus unserer Gemeinde Kontakt zu einem Zeugen Jehovas bekommen, der ihren befreienden, fröhlichen Glauben ansteckend fand. Zuerst kam dieser Mann heimlich, öffnete sich dann aber für Jesus Christus. Unsere Gemeindemitglieder tragen ihren Glauben begeistert weiter, knüpfen neue Kontakte, die sie an uns vermitteln und sind so hervorragende Multiplikatoren.

Was war euer prägendstes Erlebnis?
Irene Beck: Als wir vor zwei Jahren sehr an unsere Belastungsgrenze stießen, schlug Thomas der Gemeinde als Jahreslosung Gottes Zusage aus 2. Mose 14,14 vor: „Ich werde für euch kämpfen und ihr werdet stille sein.“ Diese Zusage Gottes half uns, als zwei Frauen einen neuen Musik- und Singkreis starten wollten und deren Vorschlag die Gemeinde spaltete. Während die einen dafür waren, riefen andere dazu auf, Gott einfach zu vertrauen. Wir unterließen die Neugründung – und erlebten, wie sich kurz darauf sechs Menschen zur Taufe anmeldeten. Das hat mich beschämt: Gottes Stärke ist nicht von unserer Kraft, unserem Können und unseren Fähigkeiten abhängig. Wenn wir nicht mehr können, ist er erst am Anfang.
Thomas Beck: Es ist unbeschreiblich bewegend und begeisternd zu erleben, wie Gottes Wort Menschen tiefgreifend verändert. Wir haben bei unseren Gemeindegründungsarbeiten immer wieder erlebt: Es war schon alles vorbereitet, wenn es um die Fragen ging: Wie finden wir Kontakte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Wohnungen? So kam nach dem Umzug in eine neue Stadt der Milchmann an unsere Tür und fragte uns, was wir hier tun würden. Als wir ihm sagten, dass wir eine Gemeinde gründen wollen, sagte er: „Halleluja, seit fünf Jahren bete ich als Christ dafür. Ich kenne so viele und tiefe Einblicke in ihre Nöte. Ich kann euch viele vorstellen, die nur auf das Evangelium warten.“ Gott war also schon lange am Wirken und er kannte bereits die Situation, in der für uns alles noch so ungewiss war.

Was muss ein Missionar und eine Missionarin für Japan besonders mitbringen?
Thomas Beck: Ohne das Wissen um meine Berufung könnte ich meine Arbeit nicht tun. Diese Berufung steht über allem. In diesem Wissen kann ich aller Ungewissheiten begegnen, weil Gott seinen Segen geben wird. Wenn eine Berufung vorliegt, braucht es einfach den Mut, dem nachzukommen. Wir brauchen außerdem auch tiefes Verständnis für eine völlig fremde Kultur und die Fähigkeit, sich dort hineinzubegeben. In Deutschland können wir selbst bestimmen, was wir machen wollen, im Gegensatz zur japanischen Kollektiv-Gesellschaft. Außerdem sind viele Japanerinnen und Japaner konfliktscheu. Man muss bereit sein, den Japanern ein Japaner zu werden, seinen deutschen Individualismus ein Stück weit aufzugeben und versuchen zu verstehen, wie die Menschen hier denken und empfinden. Die Sprache selbst kann man mit viel Geduld erlernen.
Irene Beck: Man darf weniger der Macher sein, sondern muss Gott machen lassen. Außerdem benötigt man Ausdauer – aber die schenkt Gott mit der Berufung.

Du willst die Missionsarbeit von Thomas und Irene Beck mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

BAD LIEBENZELL / JAPAN. Zehn Jahre ist es her, dass in Japan Ausnahmezustand herrschte und die ganze Welt den Atem anhielt. Die Katastrophe am 11. März 2011 begann mit einem Erdbeben an der japanischen Pazifikküste, das den verheerenden Tsunami auslöste, in dessen Folge mehr als 22.000 Menschen ihr Leben verloren. Und er führte zu einer Unfallserie im Kernkraftwerk von Fukushima, die auch Auswirkungen in Deutschland hatte. Der Ausstieg aus der Atomenergie war eine Konsequenz der Fukushima-Krise.

Auch wenn heute durch die Corona-Pandemie eine andere Krise das Land bestimmt, sind die Folgen von „3/11“, wie der Unglückstag in Japan genannt wird, noch spürbar. „Für viele Japaner ist die Erinnerung an diesen Märztag vor zehn Jahren immer noch sehr schmerzhaft. Nicht nur für diejenigen, die um Angehörige trauerten. Das Gefühl, ein Stück weit Sicherheit verloren zu haben, hat das Land geprägt“, sagt David Jarsetz, Missionsdirektor der Liebenzeller Mission.

Sichtbar ist das immer noch im Nordosten von Japan, in der Region um die Stadt Sendai. Die Trümmer, die der Tsunami hinterlassen hat, sind zwar fast überall beseitigt. Trotzdem gibt es weiterhin Menschen, die in Übergangswohnungen oder Containersiedlungen wohnen.

Dass die Liebenzeller Mission damals schnell und unbürokratisch Hilfe leistete, sei sehr wichtig gewesen, sagt David Jarsetz: „Die Solidarität mit den Menschen in Japan war bei unseren Freunden in Deutschland sehr groß. Viele haben für die Betroffenen in Japan gebetet und die Hilfsmaßnahmen mit Spenden unterstützt.“ Mehrere Hilfsteams mit Freiwilligen aus Deutschland schickte die Liebenzeller Mission in die Tsunami-Region. Sie befreiten Häuser von Schlick und Schlamm oder schleppten Fahrzeuge aus überfluteten Reisfeldern. „Dass Ehrenamtliche extra aus Deutschland angereist sind, um zu helfen: Daran erinnern sich unsere Partner noch heute.“ Hilfe leisteten damals auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Freizeitheim der Liebenzeller Mission in Okutama, westlich von Tokio. Sie nahmen 70 Menschen aus Fukushima auf, die nur wenige Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk wohnten und wegen der radioaktiven Strahlung ihre Häuser verlassen mussten. Über mehrere Monate fanden sie in dem Freizeitheim eine vorübergehende Bleibe und wurden versorgt.

Bei der Arbeit der aktuell elf Liebenzeller Missionare in Japan ist längst wieder der Alltag eingekehrt. Schwerpunkt ihres Engagements ist die Gründung von christlichen Gemeinden – in einem Land mit etwa einem Prozent Christen. Sie zu ermutigen und zu stärken, sei eine wichtige Aufgabe, so David Jarsetz: „Die Katastrophe hat bei vielen Japanern den Glauben an die Technik beschädigt. Die Machbarkeit von materiellem Fortschritt und Sicherheit wird heute kritischer gesehen. Als Missionsorganisation ist es uns wichtig, den Menschen von der Hoffnung in Jesus Christus weiterzusagen, die über den Tod hinausgeht.“ Die Freundschaft der Liebenzeller Mission zu den Menschen in Japan werde auf jeden Fall bleiben, verspricht David Jarsetz. Seit 1927 sind Liebenzeller Missionare in Japan im Einsatz: „Freundschaft zeigt sich auch in Treue. Das wollen wir leben.“

Stefan und Lara Degler sind in diesem Jahr erstmals als Missionare nach Japan ausgereist. Dabei machten in ihrem Einsatzland eine bemerkenswerte Entdeckung um das Wesen der Religion dort. Gilt das auch für Deutschland?

In Japan gibt es unzählig viele Getränkeautomaten, die gekühlte und warme Getränke anbieten. Man findet sie in nahezu an jeder Straßenecke auch in den entlegensten Orten auf dem Land. Laut Statistik kommt in Japan ein solcher Automat auf 23 Menschen. Beinahe überall und zu jeder Zeit kann man also gegen ein bisschen Kleingeld aus einem großen Angebot das persönliche Wunschgetränk wählen und genießen. Das ist praktisch, total hilfreich und vor allem: Es funktioniert!
Diese Automaten erinnern uns an das Verständnis von Religion in Japan: Genauso wie die Automaten funktionieren und gegen ein kleines „Opfer“ das gewünschte Produkt ausgeben, soll auch Religion funktionieren. Gebete, das Kaufen eines Glücksbringers im Tempel, Ahnenverehrung und bestimmte Rituale müssen umgesetzt werden, um damit die Gunst eines Gottes zu erhalten. Besonders auffallend ist, dass diese religiösen Rituale vor allem dann praktiziert werden, wenn man unter Nöten und Problemen leidet.
Im Japanischen gibt es dafür eine Redewendung: „kurushii toki no kamidanomi“ („Sich in schwierigen Zeiten an Gott wenden“). Diese Redewendung beschreibt sehr gut den Grundgedanken japanischer Religion: Der praktische Nutzen der Religion ist das zentrale Element.

Der Gott der Bibel ist anders!

Darum sind die Rituale praktisch orientiert. Es geht dabei weniger darum, wer dieser Gott ist, den es gut zu stimmen gilt, oder was sein Wesen ist und wie er sich dem Menschen vorstellt. Vielmehr geht es lediglich darum, ein Ritual durchzuführen, das einen Nutzen bringen soll. Darum wissen viele Japaner auch nichts oder nur sehr wenig über die Gottheit, die sie im Schrein anbeten. Götter werden oft lediglich nach ihrer Funktion beschrieben bzw. für wen oder was sie „zuständig“ sind. Das Wesen der Gottheit gegenüber seiner Aufgabe und Funktion tritt dabei in den Hintergrund. Rituale sind wichtiger als Dogmen. Das spiegelt sich leider auch in vielen zwischenmenschlichen Beziehungen hier in Japan wider. Die Aufgabe und Funktion einer Person erscheint oft wichtiger, als die Person selbst.
Dabei entdecken wir vor allem eins: Der Gott der Bibel ist anders! In der Heiligen Schrift stellt sich Gott vor. Er bleibt nicht unbekannt, sondern will unter den Menschen wohnen und mit ihnen Gemeinschaft haben. Durch Jesus, der auf die Erde kam und uns Menschen gleich wurde, erkennen wir, wie Gott ist. Gott ist also nicht unbekannt. Ihm geht es nicht um Rituale, sondern um eine Beziehung mit ihm: weil Gott an jedem Einzelnen interessiert ist. Und nein, Gott ist kein Wunschautomat, und oft erleben auch wir als Christen nicht nur Schönes! Aber wir wissen um einen Gott, der mit uns gemeinsam durch die Höhen und Tiefen des Lebens geht, der uns versteht, uns kennt, uns beisteht und es gut mit uns meint. Und obendrein schenkt er uns eine Perspektive über dieses Leben hinaus, die so viel größer und weiter ist!

JAPAN. Auf dem Sterbebett zu Jesus gefunden: Der 92-jährige Mann eines Gemeindemitglieds in Chikusei wurde im Dezember aufgrund seiner großen körperlichen Schwäche ins Krankenhaus eingewiesen. Der größte Wunsch seiner Frau war schon über viele Jahre, dass ihr Mann doch noch zum Glauben findet. In ihrem Haus fand monatlich ein kleiner Hauskreis statt, den Schwester Gretel Ruoff und dann Schwester Priscilla Kunz verantwortet haben. „Auf dem Krankenlager hat er seinen Glauben an Jesus bekannt und mit einer kleinen Gruppe von sieben Familien- und Gemeindegliedern konnten wir im Krankenhaus das Wunder seiner Taufe feiern. Anfang Februar rief Gott ihn heim“, sagten Missionarsehepaar Susanne und Peter Schlotz. Zu seiner Beerdigung kamen über 100 Trauergäste. Viele waren das erste Mal in einer christlichen Kirche. Durch Trauerpredigt, Lieder und Gebete konnten alle klar von der Hoffnung in Jesus hören. Die Kinder und besonders die Schwiegertochter des älteren Mannes waren sehr angesprochen und wir hoffen und bitten, dass auch sie den Weg zu Gott finden.

Seit fast 100 Jahren sind Liebenzeller Missionare in der Kanto-Ebene um Tokio tätig, um die frohe Botschaft von Jesus Christus zu den über 43 Millionen Menschen im weiteren Umfeld Tokios zu bringen. Mit weniger als einem Prozent Christen ist Japan die größte vom Evangelium noch unerreichte Volksgruppe der Welt. Die Gemeindegründungs- bzw. Gemeindeaufbauarbeit bilden den Schwerpunkt der Missionsarbeit in Japan. In den vergangenen 60 Jahren sind rund 50 solcher Gemeinden entstanden. Peter und Susanne Schlotz arbeiten seit 1992 in Japan, seit 2012 waren sie bis zur aktuellen Pfarrersberufung in der Gemeindearbeit in Chikusei tätig. Dort leben rund 80 Kilometer nördlich von Tokio mehr als 100.000 Einwohner. Unterstützt wurden sie von Schwester Priscilla Kunz, die seit 1995 in Japan ist und seit 2017 ebenfalls in der Gemeindeaufbauarbeit in Chikusei engagiert ist.

JAPAN. Japanische Männer, die mit Begeisterung schwäbische Maultaschen und Salat zubereiten: Das erlebte Missionar Thomas Beck. Er lud zu einem Männerabend mit gemeinsamen Kochen ein, der großen Anklang fand. Elf Männer kamen.

Dabei berichtete ein Gast aus der Gemeinde „Hikari no Ko“ aus seinem Leben und wie er durch das Zeugnis seiner Frau zum Glauben an Jesus Christus fand. „Das war uns besonders wichtig, weil drei Männer dabei waren, deren Frauen bereits im Glauben stehen, sie aber noch keine Entscheidung für Jesus Christus getroffen haben“, so Thomas Beck. Die Männer hatten viel Freude und das gemeinsame Gespräch so ganz ohne die Frauen hat allen gut gefallen: „Die Gäste haben gerne aus ihrem Alltag und aus ihrem Leben berichtet.“ Nun plant Thomas Beck weitere Treffen und er hofft, dass die Männer dadurch noch mehr in die Gemeinschaft hineinwachsen und sich auch gegenseitig austauschen.

Die Liebenzeller Mission ist seit fast 100 Jahren mit ihren Mitarbeitern im Ballungszentrum in und um Tokio tätig, um die frohe Botschaft von Jesus Christen zu den über 30 Millionen Menschen im Großraum Tokio zu bringen. In den vergangenen 60 Jahren sind rund 50 solcher Gemeinden entstanden.

JAPAN. Das Schülerheim in Nakamachidai bei Tokio befindet sich in einer Umbruchphase. Das berichtet Missionar Thomas Beck. Ab Sommer wird die Arbeit vorübergehend pausieren, da zurzeit keine Missionarskinder mehr dort wohnen. Nun prüfen die Verantwortlichen, wie die Arbeit weitergehen soll.
Das jetzige Schülerheim wurde 2010 neu gebaut. Das Gelände liegt gegenüber eines Spielplatzes und in der Nähe eines Parks. Das erste Schülerheim wurde bereits 1964 in Kugahara errichtet, 1974 siedelte man nach Nakanoshima/Kawasaki bzw. 2010 nach Nakamachidai über. Ins Leben gerufen wurde das Schülerheim von der Liebenzeller Mission; getragen wurde es zusammen mit der Allianz Mission und der Marburger Mission, die ebenfalls ihre Kinder dorthin sandte. Zwischenzeitlich besuchten bis zu 20 Schülerinnen und Schüler im Alter von 6 bis 18 Jahren die Einrichtung.

Schülerheim bereitete Missionarskinder auf die Rückkehr nach Deutschland vor

Das Schülerheim wurde bewusst christlich geführt. Es bot fast 200 Kindern – davon rund 160 aus Missionarsfamilien – eine Heimat, die die 1905 gegründete Deutsche Schule in Tokio besuchten und aufgrund der Entfernung nicht zuhause wohnen konnten. Die Mitarbeiter des Schülerheims versuchten, den Kindern im kulturellen Umfeld Ostasiens gerecht zu werden und ihnen auch in Japan die europäische und deutsche Lebensart nahe zu bringen. Damit sollten sie sich bei einer Rückkehr ihrer Eltern nach Deutschland und später als Erwachsene besser zurechtfinden können. „Die Kinder sollten zur Selbstständigkeit im praktischen, sozialen, schulischen und geistlichen Bereich erzogen werden. Das sollte in einer familiären Atmosphäre geschehen, in der sich die Kinder positiv entwickeln konnten“, sagte Thomas Beck. Er ist zusammen mit seiner Frau Irene seit 1992 in Japan tätig. Sie fungierten in den letzten zwei Jahren übergangsweise als Hauseltern, neben ihren sonstigen Aufgaben in der Gemeinde in Tokaichiba und der Geschäftsführung der Liebenzeller Mission Japan. Viele Jahre boten die Mitarbeiter der Liebenzeller Mission in dem Schülerheim unter anderem auch einen Teenkreis, eine Jungschar und Kinderstunden an. Diese wurden sehr gerne von anderen deutschen Schülern besucht, deren Eltern als Diplomaten oder in deutschen Unternehmen arbeiteten. Allerdings musste man dieses Angebot einstellen, da es keine Mitarbeiter mehr im Schülerheim gab.

Die Liebenzeller Mission ist seit fast 100 Jahren mit ihren Mitarbeitern im Ballungszentrum in und um Tokio tätig, um die frohe Botschaft von Jesus Christen zu den über 30 Millionen Menschen im Großraum Tokio zu bringen. In den vergangenen 60 Jahren sind rund 50 solcher Gemeinden entstanden.

Seit fast zehn Jahren sind Rahel und Adreas Gross als Missionar in Japan im Einsatz. Ihr Herz schlägt dafür, Menschen von Jesus Christus weiterzusagen. In den nächsten Monaten sind sie in Deutschland unterwegs, um aus ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben ihnen ein paar Fragen gestellt.

Japaner gelten als sehr fleißig und diszipliniert. Wirkt sich das auch auf das Gemeindeleben aus?
Die Disziplin der Japaner färbt natürlich auch auf ihren Alltag ab. Sie würden niemals Zeit „totschlagen“. Alle, die in die Gemeinde kommen, bringen sich ein. Jeder kommt jeden Sonntag in den Gottesdienst, und wenn man mal nicht kann, meldet man sich beim Pastor ab. Dann muss man aber schon richtig krank sein oder einen ganz wichtigen Termin haben. Manche müssen aber auch sonntags arbeiten, deshalb werden in vielen Gemeinden auch Abendgottesdienste angeboten. Veranstaltungen für Kinder können nur mittwochs stattfinden, weil da die Schule früher aus ist.
Unsere Seniorin in der Gemeinde hatte mit ihren 91 Jahren oft ein schlechtes Gewissen, weil sie nirgends im Dienstplan stand. Deshalb freut sie sich sehr, dass sie jetzt jeden Sonntag das Gemeinde-Infoblatt falten darf.

Das Schwierige an der Disziplin ist, dass sich viele Japaner mit spontanen Aktionen zum Beispiel im Gottesdienst schwertun. Bei Neuem fühlen sie sich schnell unwohl. Man sollte sich möglichst genau an das Programm halten. Wenn man durch einen Gottesdienst führt, ist man übrigens nicht der „Moderator“ sondern der „Zeremonienmeister“.

Was ist die größte Herausforderung für eure Arbeit?
Außer der Sprache? Die Vorbereitung der Dienste und Predigten brauchen viel Zeit.
Ansonsten ist es sehr schwer, mit anderen, zum Beispiel den Nachbarn, in Kontakt zu kommen, wenn man keine Gemeinsamkeit mit ihnen hat. Freunde findet man meistens in Gruppen und Kreisen, wo man die selben Interessen teilt. Sei es in der Deutschklasse oder beim Hula-Tanz-Workshop. Tiefere Freundschaften, wie wir sie verstehen, sind dagegen nicht so häufig.
Es ist auch eher schwierig, Persönliches von den Menschen in der Gemeinde zu erfahren. Sie wollen sich nicht aufdrängen. Deshalb ist es auch nicht einfach, Hausbesuche zu machen.

Gibt es ein Erlebnis in der letzten Zeit, das euch bewegt hat?
Unsere Verabschiedung in Ome war sehr bewegend. Jeder aus der Gemeinde sollte etwas sagen, was er an uns schätzt oder was ihm von uns hängengeblieben ist. Da hörten wir viele Dinge, die uns vorher nicht bewusst waren. Manche erinnerten sich noch an Predigten, die schon lange zurücklagen. Anderen waren wir ein Vorbild in alltäglichen Dingen – ohne es zu wissen. Darüber haben wir uns sehr gefreut, und das war eine große Ermutigung für uns. Wir dachten dann allerdings auch: Schade, dass wir das jetzt erst erfahren. Manchmal wären solche Ermutigungen auch zwischendurch mal hilfreich gewesen …

Welche Eigenschaft schätzt ihr an den Menschen in Japan besonders?
Besonders schätzen wir ihre Höflichkeit und Wertschätzung. Sie freuen sich immer, wenn man kommt – und das ist nicht nur aufgesetzt. Es ist eine Grundeinstellung. Sie sind immer dankbar. Man bekommt immer das Gefühl: Du bist toll! Auch im Supermarkt oder auf dem Amt – alle sind superfreundlich.
Natürlich gibt es auch eine aufgesetzte Freundlichkeit, aber die ist eher selten.
In der Gemeinde ist es selbstverständlich, dass neue Leute begrüßt werden und sich die Neuen kurz vorstellen. Hier gibt es keine Anonymität, und jeder freut sich riesig über ein neues Gesicht.

JAPAN. Ein ungewöhnliches Konzert stieß in Chikusei auf positive Resonanz bei nicht zuletzt vielen kirchenfernen Besuchern: Auf Einladung der Kirche Chikusei, in der Missionarsehepaar Peter und Susanne Schlotz und Schwester Priscilla Kunz arbeiten, spielten Yuzo Narumiya (Saxophon) und Junichiro Suematsu (Klavier) zur Freude von über 50 Gästen. Dabei stellte bei einem Jazz-Café Narumiya die Entstehungsgeschichte der Musikstücke vor. Er berichtete auch, warum er Christ ist. Da es in Japan sehr schwer ist, seinen Lebensunterhalt als christlicher Musiker zu verdienen, arbeitet er jetzt als Koch an einer Bibelschule. Suematsu ist seit einigen Jahren Besitzer eines Secondhandladens. „Als kleine ländliche Gemeinde haben wir um 50 Teilnehmer gebetet und Gott hat dies erhört“, sagte Schlotz. Er freut sich, dass acht Besucher darunter waren, die zum ersten Mal in der Kirche waren und viele mit nur sehr losem Kontakten zur Gemeinde. Besonders gefreut hat ihn, dass vier Nachbarn da waren, darunter zwei zum ersten Mal. „Wir wurden von Gott positiv überrascht und ermutigt. Für unsere Kirchengemeinde gab diese Veranstaltung wieder neuen Mut und Energie für die evangelistische Arbeit.“

Besucher loben Atmosphäre und vergeben Bestnoten

Die entspannte und formlose Atmosphäre haben viele als sehr wohltuend empfunden, berichtet Peter Schlotz weiter. Auch die Musikqualität und die gute Verköstigung zu günstigen Preisen wurden gelobt. In einer Umfrage nach dem Konzert vergaben alle Besucher beste Bewertungen. Um den neuen Kontakten nachzugehen, will die Gemeinde im kommenden Jahr wieder ein Konzert im Café-Stil anbieten. Nun hofft Peter Schlotz, dass zum „Open Christmas Day“ Anfang Dezember bei vielen Stationen und Aktionen wie Café, Plätzchenbacken für Kinder, Basteln, Zauberkünsten, Weihnachtssingen und Diashow viele Kirchenfremde den Schritt in die Gemeinde wagen.

Seit fast 100 Jahren sind Liebenzeller Missionare im Ballungszentrum in und um Tokio tätig, um die frohe Botschaft von Jesus Christen zu den über 30 Millionen Menschen im Großraum Tokio zu bringen. Kinder- und Jugendarbeit, Sprach- und Bibelklassen sowie Kreativworkshops bilden Schwerpunkte neben der pastoral-seelsorgerlichen Missionsarbeit unter Erwachsenen. In den vergangenen 60 Jahren sind rund 50 solcher Gemeinden entstanden. Peter Schlotz arbeitet mit seiner Frau Susanne seit 1992 in Japan, seit 2012 sind sie in der Gemeindearbeit in Chikusei tätig. Dort leben rund 80 Kilometer nördlich von Tokio mehr als 100.000 Einwohner. Unterstützt werden sie von Schwester Priscilla Kunz, die seit 1995 in Japan ist und seit 2017 ebenfalls in der Gemeindeaufbauarbeit in Chikusei tätig ist.

JAPAN. In der Gemeinde in Chikusei gibt es großen Grund zur Freude: Ende Januar konnte erstmals ein Jugendkreis gestartet werden, den fünf Jugendliche besuchen. Und das, obwohl noch bis Anfang Dezember jahrelang nur die beiden Brüder Takeru und Homare die Jugend der Gemeinde bildeten.

„Nach einem Gemeindeaufbauseminar im letzten Jahr kam bei vielen Mitgliedern der Wunsch auf, verstärkt junge Menschen erreichen zu wollen“, berichtet der Liebenzeller Missionar Peter Schlotz, der die Gemeinde mit seiner Frau Susanne betreut. Eine Flyeraktion vor Oberschulen sollte dabei Abhilfe schaffen. Nachdem das Ehepaar und einige Gemeindemitglieder rund 1000 Flyer an Oberschüler verteilt hatten, blickten sie einer evangelistischen Jugendveranstaltung erwartungsvoll entgegen. Doch diese sorgte für Ernüchterung: Kein Einziger Schüler ist der Einladung gefolgt.

Im Dezember stieß dann überraschend eine Japanerin mit drei Kindern, darunter zwei Jugendlichen, zur Gemeinde. Obwohl die Teenagergeschwister mit dem christlichen Glauben kaum etwas anfangen konnten, zeigten sie ihrer Mutter Gehorsam. „Wir sind hier auf dem Land, und umso weiter man in Japan aufs Land kommt, desto stärker ist die Familienstruktur“, erklärt Peter. Doch gibt es auch das umgekehrte Beispiel. Am „Tag der offenen Tür“ zu Weihnachten besuchten zwei Jugendliche erstmals die Gemeinde in Chikusei. Sie zeigten großes Interesse und wollten wiederkommen, doch erfuhren sie starken Gegenwind durch ihre japanisch-buddhistisch geprägten Familien. Einer der beiden kommt überraschend weiterhin, dem anderen wurde es strikt verboten. So wie ihm geht es auch einem Freund von Homare, der den Jugendkreis gerne besuchen wollen würde.

Auf Gegenwind stößt Takeru in seiner Familie nicht, da sie gemeinsam seit sechs Jahren die Gemeinde besuchen. „Dafür wird der 14-Jährige in der Schule gemobbt und ist sonntags im Jugendkreis oft erschöpft, weil japanische Mittel- und Oberschüler auch am Wochenende durchgehend Pflichtkurse haben“, berichtet Peter. So wie Takeru geht es auch den anderen Jugendlichen. Dennoch sind Susanne und Peter dankbar, dass die meisten von ihnen trotzdem regelmäßig zum Jugendkreis kommen, um mehr über Jesus zu erfahren. Dass die Arbeit mit den Jugendlichen Früchte trägt, zeigte sich mitunter an Ostern, wo Takeru ein bewegendes und ermutigendes Zeugnis vor der Gemeinde ablegte und sich taufen ließ.

JAPAN. Ein neuer Stadtteil, ein neues Zuhause und ein neues Umfeld: Leicht fiel einem 10-jährigen japanischen Mädchen der Neuanfang in Ome nicht. Ihr Vater hat Krebs und möchte keinem zur Last fallen. Ihre Mutter ist als LKW-Fahrerin viel unterwegs, um die Familie zu versorgen. In der Nachbarschaft kennt die Grundschülerin noch niemanden und fühlt sich oft einsam. Die Mutter hat Jesus lieb und sucht nach einer Gemeinde, wo sie und ihre Tochter hingehen können. Sie wird fündig: Vier Gehminuten entfernt gibt es eine kleine christliche Kirche. Dort gehen sie hin.

Sofort findet das Mädchen Anschluss an die Kinder der Gemeinde. Anders als ihre Tochter ist die Frau zunächst verschlossen. Beim anschließenden Kaffeetrinken stellt sie sich weit abseits. Unsere Missionarin Rahel Gross, deren Mann Andreas die 15-köpfige Gemeinde leitet, geht auf die Frau zu und die beiden kommen ins Gespräch. Sie unterhalten sich über die japanische Kultur, aber auch über ihren christlichen Glauben. Von da an taut die Mutter immer mehr auf und spricht die nächsten Male auch mit einigen anderen Frauen. Wenige Wochen später geht die 45-Jährige auf Andreas zu. Sie erzählt ihm, als dem zuständigen Pastor, von ihrem krebskranken Mann und Problemen bei ihrer Arbeit. Andreas ist ergriffen und betet für die Familie.

Am Weihnachtsgottesdienst geht die Frau dann überraschend nach vorn und erzählt voller Freude, dass bei ihrem Mann der Krebs auf wundersame Weise geheilt ist. Über diese Nachricht freuen sich alle – ebenso, wie über den darauffolgenden Besuch des Mannes, der seit Januar regelmäßig mit in den Gottesdienst kommt. Zum Kaffeetrinken bleibt er aber nie. „Vielleicht fühlt er sich verpflichtet mitzukommen, weil wir für ihn gebetet haben. Vielleicht macht er es aber auch aus freien Stücken und ist sehr verschlossen. Was auch sein Beweggrund sein mag – wir freuen uns, dass er dabei ist und glauben daran, dass Jesu Botschaft in ihm arbeitet. Wir beten weiterhin für die Familie“, sagt Rahel.