MALAWI. Sie werden diskriminiert, verfolgt und manchmal sogar getötet: Menschen mit Albinismus. In Afrika sind Tausende davon betroffen. Durch eine Pigmentstörung haben sie eine weiße Haut, die sehr empfindlich und von Hautkrebs und Ausschlägen bedroht ist. Die meisten sind auch kurzsichtig. Früher wurden Neugeborene mit fehlenden Pigmenten gleich getötet, sie galten als von bösen Geistern besessen. Heute herrscht der Aberglaube, dass sie über besondere Zauberkräfte verfügen. Deswegen werden manche ermordet, um aus ihren Körperteilen Zaubermittel und Amulette herzustellen. Alleine in Malawi wurden nach Angaben von Amnesty International von 2014 bis 2016 mindestens 18 Menschen mit Albinismus getötet. Die Regierung scheint machtlos zuzuschauen, berichtet Missionar Paul Kränzler. Hier hilft der christliche Radiosender „L“. Die Sendung „Ndife chimodzimodzi“ („Wir sind gleich“) gibt Ratschläge und Ermutigung für Betroffene. Ebenso machen die Sendungen deutlich, dass sie nicht alleine sind. Und die Botschaft an alle Afrikaner lautet: „Wir sind gleich wie ihr. Schützt uns, helft uns, dass wir ohne Angst unter euch leben können.“

Paul und Dorothe Kränzler arbeiteten von 1993 bis 2006 und seit 2016 wieder in Malawi und engagieren sich dort vor allem beim Sender „L“. Dieser sendet unter dem Motto „Let there be light“ („Es werde Licht“) seit Ende 2017 als erster Radiosender Malawis überwiegend in der Stammessprache der Yao. Diese sind vorwiegend Muslime und machen etwa zehn Prozent der fast 19 Millionen Malawier aus. Die Yao leben meist in entlegenen Dörfern, viele können nicht lesen und schreiben. Deshalb ist für sie das Radio eine wichtige Informationsquelle. Die Sendungen von Radio „L“ sind lebensnah gestaltet. Sie geben Tipps für Familie und Erziehung, Gesundheit und Ernährung sowie Glaube und Nachfolge. Und natürlich strahlt der Sender auch Nachrichten und Musik aus.

Foto: Daniel Namwini-Mana

MALAWI. Gottes Wort bewegt Menschenherzen über Monate – und wird auch von Muslimen weiterverbreitet. Das hat Missionar Johannes Urschitz in Malawi erfahren. Mit einem Schulspeisungsprogramm halfen er und seine Frau Veronika den von Hunger geplagten Schülern. Dabei stellten sie Nahrungsmittel zur Verfügung, die von den Schulen und Eltern verteilt wurden. Auch vom Hunger betroffene Familien und Senioren erhielten etwas zu essen. Außerdem konnten die Missionare auch Gottes Wort bei Andachten weitergeben. „Dieses Jahr haben wir besonders viel Offenheit erlebt und es kamen nach den Veranstaltungen gute Gespräche zustande.“ Dabei hat einer der örtlichen Häuptlinge eine Andacht, die Johannes Urschitz drei Monate zuvor gehalten hatte, fast wortwörtlich wieder gegeben. Was der Missionar gesagt hatte, habe ihn so angesprochen und bewegt, dass er das nochmals an alle weitergeben wollte. „Unglaublich, wenn ein muslimischer Häuptling eine evangelistische Botschaft weitersagt“, so Johannes Urschitz.
 
Die Liebenzeller Mission ist seit 1992 in Malawi tätig, unter anderem seit 2008 im Chilonga-Gebiet, das sich selbst für afrikanische Verhältnisse jenseits der Zivilisation befindet. Schlechte Bildung, mangelnde medizinische Versorgung und eine unzureichende Ernährungssituation prägen den Alltag. Die Liebenzeller Mission eröffnete 2011 den Kindergarten „Madalitso“ (= Segen). Im September 2013 startete die Grundschule mit zunächst 40 Schülern. Veronika und Johannes Urschitz arbeiten seit 1996 in Malawi.

MALAWI. Kein Weg ist den Liebenzeller Missionaren zu weit und zu mühsam, um Menschen die Liebe Gottes weiterzugeben. So machte sich Sebastian Pfrommer mit seinem Fahrrad über Stock, Stein und durch meterhohes Gras in Malawi auf zu einer Gemeinde. Zwischendurch waren ihm Zweifel gekommen, ob er überhaupt noch auf dem richtigen Weg ist. Aber die Mühe lohnte sich: „Das war heute ein sehr ermutigender Tag für mich, aber auch für meine Gemeinde. Vielen Dank, dass ihr uns heute besucht habt!“ Das sagte ein Pastor bei der Verabschiedung. Sebastian Pfrommer ist dankbar, dass er über die lebendige Hoffnung sprechen konnte, die Christen über den Tod hinaus haben. Das sei um so wichtiger, da für viele Malawier der Tod viel realer sei wie für die Europäer, die schließlich eine deutlich höhere Lebenserwartung haben.
 
Kindergarten ist ein großer Segen
 
Neben Besuchen von Gemeinden ist auch die Kinder-  und Jugendarbeit Cathrin und Sebastian Pfrommer wichtig. Der Kindergarten „Madalitso“, das Segen auf Chichewa bedeutet, ist ein großes Geschenk. „Oft werden Kinder vernachlässigt und für sie gibt es keine Angebote. So ist ein Kindergarten im Dorf etwas sehr Außergewöhnliches,“ so Sebastian Pfrommer. Damit die Mitarbeiter weiter ein abwechslungsreiches Programm anbieten können, vermittelte die Missionarskollegin Veronika Urschitz bei einer Mitarbeiterschulung neue Lieder und Ansätze. Cathrin Pfrommer zeigte, wie man das Gelernte spielerisch anwenden kann. Zurzeit besuchen mehr als 60 Kinder den Kindergarten.
 
Kindertage erreichen viele Kinder
 
Ein weiterer Teil der Kinder- und Jugendarbeit sind die Kindertage. Es werden wöchentliche Kidsclubs in den verschiedenen Dörfern angeboten. Kindertage sind für die Kinder besondere Höhepunkte. Dazu kommen oft Kinder, die sonst nicht mit den Kidsclubs erreicht werden. Gemeinsam singen sie Lieder, sehen ein Anspiel, das die Kinder selbst vorbereitet haben und hören Geschichten aus der Bibel.
 
Maislager verbessert Ernährungslage
 
Sebastian und Cathrin liegt mit ihrem Team auch die Verbesserung der Ernährungssituation am Herzen. „Im Moment warten unsere Nachbarn sehnsüchtig auf die Ernte ihrer angepflanzten Felder. Das bedeutet, dass viele Haushalte nicht mehr genügend zum Essen haben.“ Da die Liebenzeller Mission in Ubwenzi ein Maislager unterhält, konnte über 1.000 Haushalten geholfen werden. 
 
Die Liebenzeller Mission ist seit 1992 in Malawi tätig. Zwölf Missionare arbeiten unter Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie unterstützen landwirtschaftliche Projekte, engagieren sich im Gesundheitswesen und bohren Brunnen. Außerdem bauten sie ein theologisches-handwerkliches Ausbildungszentrum für Gemeindeverantwortliche auf und betreiben einen Radiosender. Sebastian und Cathrin Pfrommer arbeiten seit 2017 im Dorfentwicklungsprojekt Ubwenzi (dt. Freundschaft) mit.

Da wir derzeit viele Nachfragen bekommen, wie die Lage im Überschwemmungsgebiet in Malawi, Mosambik und Simbabwe ist, haben wir hier einige Informationen zusammengestellt.

Sind Liebenzeller Missionare betroffen?
Nein. Von den betroffenen drei Ländern in Südostafrika arbeiten wir nur in Malawi. In Malawi schlug der Zyklon nur ganz im Süden des Landes zu. Dort haben wir keine Mitarbeiter stationiert und auch keine Projekte mit unserer Partnerkirche. In der Region, in der unsere Missionare arbeiten, gab es „nur“ starke Regenfälle, die aber keine Schäden anrichteten.

Wie ist die Lage in Malawi?
Nach Einschätzung unserer Missionare ist die Situation in Malawi ganz im Süden des Landes angespannt. Weit stärker betroffen ist allerdings Mosambik. Dort ist die Lage dramatisch. Hunderttausende Menschen sind dort obdachlos geworden, die Gefahr von Seuchen droht.

Wird die Liebenzeller Mission eine Hilfsaktion für Malawi starten?
Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschlossen, keine Hilfsaktion für Malawi zu starten. Es fehlt uns ganz im Süden des Landes die logistische Infrastruktur, da wir dort keine Projekte und Partner haben. Wir schätzen das gute Zusammenarbeiten mit anderen Missionswerken und Hilfsorganisationen. Einige von ihnen haben Mitarbeiter in den betroffenen Gebieten und haben Hilfsaktionen gestartet.

Wie kann ich den betroffenen Menschen helfen?
Bitte beten Sie für die betroffenen Menschen und bitten Sie Gott um sein Eingreifen! Wer die Hilfsaktionen finanziell unterstützen möchte, kann sich gerne an Hilfsorganisationen und Missionswerke wenden, die dort im Einsatz sind. Als Liebenzeller Mission können wir keine Spenden für die Katastrophenhilfe Zyklon Idai annehmen.

Macht die Liebenzeller Mission keine Hilfseinsätze?
Doch. Wenn Katastrophen in Regionen geschehen, in denen unsere Missionare im Einsatz sind, leisten wir regelmäßig unbürokratisch Hilfe. Aktuell beteiligen wir uns an der Wiederaufbauhilfe in Indonesien. Dort hatten Überschwemmungen in der Provinz Papua große Schäden angerichtet. Viele Menschen haben dort Angehörige verloren. Mehr Infos: https://www.meine-mission.org/liebenzeller-mission-hilft-beim-wiederaufbau-in-indonesien/

MALAWI. Die Sendungen des christlichen Radios L und Hörerclubs stoßen in Malawi auf große Resonanz. Das berichtet Paul Kränzler. Seit November 2017 ist nach fast 15 Jahren Planungszeit der Sender in Betrieb. Nun verteilt der Liebenzeller Missionar mit seinen Mitarbeitern Solarradios in einem Dorf in der Umgebung. „Wenn die Menschen einen Hörerclub gegründet haben, erhalten sie von uns 15 Radios, damit sie die Sendungen hören können.“ Das ermöglicht den Mitarbeitern auch zu fragen, welche Programminhalte besonders gut ankommen. Am beliebtesten sind immer noch die „Anruf-Sendungen“, bei denen Hörer ihre Freunde und Bekannte grüßen, so Paul Kränzler. Aber auch Bibelsendungen seien sehr beliebt.

Dankbar ist er, dass mit Frank Maluwa seit Jahresbeginn ein ausgebildeter Journalist nun den Senderchef Kondwani Chavula unterstützt. Ebenso freut sich der Liebenzeller Missionar, dass viele Spender und auch Nichtregierungsorganisationen die Arbeit unterstützen. Eine große Hilfe sind auch Firmen mit ihren Werbesendungen: „Inzwischen werden wir als wichtiger Partner wahrgenommen und erhalten viele Aufträge“, sagt Paul Kränzler. Ein Milchwerk wirbt beispielsweise für seine Produkte. Milchprodukte gehören traditionell nicht zum Speiseplan der Malawier, aber inzwischen essen doch manche gerne einen süßen Fruchtjoghurt als Snack zwischendurch oder nehmen Milch in den Tee.

Paul und Dorothe Kränzler arbeiteten von 1993 bis 2006 und seit 2016 wieder in Malawi und engagieren sich dort vor allem beim Sender L. Dieser sendet unter dem Motto „Let there be light“ („Es werde Licht“) seit Ende 2017 als erster Radiosender Malawis überwiegend in der Stammessprache der Yao. Diese sind vorwiegend Muslime und machen etwa zehn Prozent der fast 19 Millionen Malawier aus. Die Yao leben meist in entlegenen Dörfern, viele können nicht lesen und schreiben. Deshalb ist für sie das Radio eine wichtige Informationsquelle. Die Sendungen von Radio L sind lebensnah gestaltet. Sie geben Tipps für Familie und Erziehung, Gesundheit und Ernährung sowie Glaube und Nachfolge. Und natürlich strahlt der Sender auch Nachrichten und Musik aus. Der 30 Meter hohe Sendemast hat eine Reichweite von rund 100 Kilometer und sendet selbst bis nach Mosambik. Eine Photovoltaikanlage sorgt bei fast täglichen Stromausfällen für einen reibungslosen Sendebetrieb. Mit den Sendungen unterstützen die Mitarbeiter des Radios die Missionare in der Region.

MALAWI. „Die ganze Nacht wurde gesungen, getanzt und gebetet.“ Das erlebte Missionar Tobias Müller bei einer Evangelisation in Malawi, bei der er zwei Predigten hielt. Dabei fanden viele Malawier zum Glauben. Bei der Veranstaltung erlebten die Organisatoren auch eine Gebetserhörung, als es zu Beginn regnete: „Wir haben alle gebetet, dass der Regen bald aufhört und der Boden schnell abtrocknet, damit die Veranstaltung nicht in Wasser fällt. Gott sei Dank verlief alles bestens, die Veranstaltung konnte mit etwas Verspätung stattfinden“, so Tobias Müller. Die Evangelisation begann am Freitag und endete am Sonntag mit einem gemeinsamen Gottesdienst. „Darüber hinaus wurden Unterstände mit Planen, Gras und Bäumen gebaut – ein Schutz vor Sonne und Regen“, berichtet der Missionar. Auch der Ortsvorsteher nahm an der Veranstaltung teil. Er eröffnete die Evangelisation mit einem Grußwort. „Es ist sehr wichtig, die Ortsvorsteher als ‚Besitzer des Dorfes‘ – wie man das in der Landessprache Chichewa sagt – einzuladen und sie von Veranstaltungen jeder Art, die im Ort stattfinden, wissen zu lassen“, erzählt Tobias Müller. Er verwies in seinen Predigten darauf, dass Jesus seinen Nachfolgern ewiges Leben schenkt. Deshalb lohne es sich, ein Leben mit Jesus zu beginnen und wie sein Jünger Petrus ein Menschenfischer zu sein. Denn es gebe noch viele Menschen, die Jesus nicht kennen würden. Auch für Essen war gesorgt.

„Uns hat diese Einheit und die Gemeinschaft sehr imponiert. Menschen haben sich neu auf Jesus eingelassen oder ihrer Beziehung zu ihm wurde neu entfacht.“ Die Gemeinde plant nun auf Anregung des Missionars einen Jüngerschaftskurs, damit „im übertragenen Sinne nicht nur Bäume gepflanzt, sondern auch bewässert werden“, so Tobias Müller: „Wir freuen uns, am Reich Gottes in Malawi mitarbeiten zu können.“

Die Liebenzeller Mission ist seit 1992 in Malawi tätig. Zwölf Missionare arbeiten unter Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie unterstützen landwirtschaftliche Projekte, engagieren sich im Gesundheitswesen und bohren Brunnen. Außerdem bauten sie ein theologisches-handwerkliches Ausbildungszentrum für Gemeindeverantwortliche auf und betreiben einen Radiosender. Tobias und Sarah Müller arbeiten seit 2011 in dem Land, seit 2018 wohnen sie in Zomba. Dort sind sie für die Schulungsarbeit der Pastoren der einheimischen Partnerkirche zuständig. Außerdem betreuen sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurzzeiteinsatzprogramms „impact“ der Liebenzeller Mission in Malawi.

Mirjam Berger lebt seit fast zehn Jahren mit ihrem Mann Joachim und ihren drei Kindern in Malawi. Dort leiteten sie das theologisch-handwerkliche Ausbildungszentrum „Chisomo“. Seit Sommer ist das Chisomo-Zentrum in einheimischen Händen. Familie Berger ist nun ein Jahr in Deutschland im Heimataufenthalt, um von ihrer Arbeit in Malawi zu berichten. Wir haben Mirjam ein paar Fragen gestellt über ihr Leben in Afrika.

Wie können wir uns deinen Alltag vorstellen? Beschreibe für uns bitte einen typischen Arbeitstag.
Um 5:15 Uhr stehen wir auf und machen gemeinsam Stille Zeit. Um 6 Uhr wecken wir die Kinder, richten uns und frühstücken. Danach geht’s für die Kids in Schule und Kindergarten und für Joachim zur Andacht für die Mitarbeiter. Da gehe ich meistens mit. Kaum bin ich zurück am Haus, kommen dann auch schon die ersten Menschen bei mir vorbei und bitten um Hilfe. Vor allem Kranke kommen, um Wunden zu versorgen oder mit der Bitte, sie ins Krankenhaus zu bringen. Nachbarn wollen Obst und Gemüse verkaufen. Danach habe ich Zeit für den Haushalt. Die Zeit zwischen 8 und 10 Uhr muss ich gut nutzen, denn das sind die einzigen zwei Stunden am Tag, wo wir Strom haben. Das nutze ich z. B. zum Waschen, Bügeln oder auch um einige Büro-Arbeiten zu erledigen.
Nach dem Mittagessen bleibt Zeit für die Kinder oder um Besuche zu machen. Mittwochs ist Frauenkreis und am Freitag ist Kids Club. Es ist also immer was los.
Um 17 Uhr geht’s für die Kinder in die Badewanne und nach dem Abendessen dann ins Bett. Wir gehen meisten auch schon um 21 Uhr ins Bett, schließlich stehen wir ja auch früh auf.

Wie sieht es mit Emanzipation in Malawi aus: Kocht da auch mal der Mann und macht die Wäsche oder ist das ein kulturelles „No-Go“?
Wenn die Frau zu Hause ist, macht der Mann nichts. Da sind die Rollen schon klar verteilt. Die Frau ist für Kinder und Haushalt zuständig. Die Aufgabe des Mannes ist es, Geld nach Hause zu bringen.
Es gibt einige wenige Männer, die auch Wäsche waschen. Dann aber nur ihre eigene und nicht die der ganzen Familie.

Hast du eine enge malawische Freundin oder leben deine besten Freundinnen alle in Deutschland?
Ich habe schon Freundinnen und Bekannte in Malawi, aber ein tiefer Austausch ist meistens schwierig. Vieles, was mich bewegt, können sie nicht verstehen. Das Leben im Dorf in Malawi ist so anders im Vergleich zum Leben in Deutschland. Manches braucht aber auch einfach Zeit. In den letzten zwei Jahren sind schon etwas tiefere Beziehungen entstanden.

Als Deutsche im afrikanischen Dorf: Bist du da für viele manchmal „Mama für alles“?
In manchen Dingen schon. Die Menschen beobachten viel und kommen auf einen zu, wenn sie Hilfe benötigen. Aber es ist schon so, dass wir unseren „Status“ im Dorf erarbeiten mussten. Je länger wir im Dorf lebten, desto mehr kamen die Menschen auf uns zu. Besonders seit wir Kinder haben. Denn davor galten wir mehr als „Mädchen und Bub“.

Was vermisst du an Deutschland am meisten?
Familienfeste, Freunde treffen und mich mit ihnen austauschen, Bummeln oder Kaffeetrinken gehen, Frischkäse, deutsches Brot und Döner.

Wie kann man dir eine Freude machen (in Afrika)?
Also man darf mir gerne Päckchen schicken, zum Beispiel mit Haselnüssen, Mandeln, deutscher Schokolade oder anderen Backzutaten. Denn das ist in Malawi schwer zu bekommen.

MALAWI. Eine Jugendkonferenz mit Sebastian und Cathrin Pfrommer in Malawi hat sowohl die 85 Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren als auch die Missionare sehr bereichert: „Jetzt müssen wir das, was wir am Wochenende gehört haben, unbedingt unseren Leuten im Dorf weitererzählen“, sagte ein Jugendlicher am Ende der viertägigen Konferenz. Er besuchte die Jugendarbeit, kannte aber Jesus bislang noch nicht persönlich. Pfrommers berichteten bei der Freizeit, die zum ersten Mal stattfand, von ihren Erfahrungen in der Jugendarbeit. Außerdem konnten sie die Teenager ihrer Jugendgruppe besser kennenlernen und viel Zeit mit ihnen verbringen. Die Jugendlichen spielten neben den Bibelarbeiten zum Thema „Jüngerschaft“ zusammen Fußball und unternahmen einen Ausflug zum Malawisee. „Vor allem hat uns bewegt wie viele, die Jesus noch nicht kennen, immer wieder bei den christlichen Liedern aufgestanden sind und lautstark mitgesungen haben.“

Die Liebenzeller Mission ist seit 1992 in Malawi tätig. Zwölf Missionare arbeiten unter Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie unterstützen landwirtschaftliche Projekte, engagieren sich im Gesundheitswesen und bohren Brunnen. Außerdem bauten sie ein theologisches-handwerkliches Ausbildungszentrum für Gemeindeverantwortliche auf und betreiben einen Radiosender. Sebastian und Cathrin Pfrommer arbeiten seit 2017 im Dorfentwicklungsprojekt Ubwenzi (dt. Freundschaft) mit.

MALAWI. Einen großen Zulauf verzeichnen der Kindergarten und die Schule der Liebenzeller Mission im Chilonga-Gebiet in Malawi: Voraussichtlich 62 Kinder werden künftig im Kindergarten betreut; 240 Schüler in den Klassen 1 bis 6 starten ins neue Schuljahr, teilen die Missionare Veronika und Johannes Urschitz mit. Für die Schule mussten noch drei neue Lehrer gefunden und angestellt werden. Nach mehreren Gesprächen und Tagen Probeunterricht waren die Missionare sehr dankbar, dass sie drei neue Lehrer für das kommende Schuljahr unter Vertrag nehmen konnten. „Leider hat uns im August die Nachricht erreicht, dass zwei der neuen Lehrer, obwohl sie bereits die Verträge unterschrieben hatten, vom Bildungsministerium Platzzuteilungen bei staatlichen Schulen bekommen haben und dort zusagen möchten. Zusätzlich hat ein langjähriger Lehrer auf Ende September gekündigt, da er eine Weiterbildung im theologischen Bereich absolvieren möchte. Wir sind sehr dankbar, dass wir alle drei Plätze gerade noch rechtzeitig vor Schulbeginn am 10. September neu besetzen konnten.

Bausteine für neues Lehrerhaus reichen nicht aus

Für den Schulausbau war ein dringend benötigtes Lehrerhaus geplant, das nach Möglichkeit zum Schulbeginn Anfang September zur Verfügung stehen sollte. Es musste Baumaterial besorgt, der Grundriss vermessen, ein Bauteam zusammengestellt und Absprachen getroffen werden, um möglichst schnell mit dem Bau beginnen zu können. Inzwischen ist das Lehrerhaus halb fertig. „Wir haben nun keine Bauziegel mehr, da im vergangenen Jahr keine Ziegel hergestellt wurden und die Bausteine von 2016 nun aufgebraucht sind.“ Auch wenn jetzt die Dorfbevölkerung mit der Produktion der von neuen Ziegeln begonnen hat, wird das Lehrerhaus nicht bis zum Schulbeginn fertig. Nun sollen Häuser für zwei neue Lehrer im Dorf gemietet werden. Ein geeignetes Haus konnte inzwischen gefunden werden, für den zweiten Lehrer sind die Missionare noch auf der Suche nach einem passenden Haus.

Die Liebenzeller Mission ist seit 1992 in Malawi tätig, unter anderem im Chilonga-Gebiet, das sich selbst für afrikanische Verhältnisse jenseits der Zivilisation befindet. Schlechte Bildung, mangelnde medizinische Versorgung und eine unzureichende Ernährungssituation prägen den Alltag. Die Liebenzeller Mission eröffnete 2011 den Kindergarten „Madalitso“ (= Segen). Im September 2013 startete die Grundschule mit zunächst 40 Schülern. Veronika und Johannes Urschitz arbeiten seit 1996 in Malawi.

MALAWI. Nach elf Jahren am Chisomo-Zentrum und weiteren elf Jahren im pastoralen Dienst in Zomba haben die Liebenzeller Missionare Cornelia und Michael Volz gemeinsam mit ihren beiden Töchtern ihre Zelte in Malawi abgebrochen und sind nach Deutschland zurückgekehrt. Bis Ende des Jahres werden sie noch im Reisedienst sein, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben sie getroffen und ihnen vier Fragen gestellt.

Welche Vorteile brachte die Zusammenarbeit in einem internationalen Team mit sich?

Es gab Jahre, da waren wir ein bunt gemischtes Team von Missionaren aus Holland, Österreich, Deutschland, Schweiz und Papua-Neuguinea. Da Englisch für uns alle nur die Zweitsprache war, gab es einige Hürden zu meistern und man hat oft die Fehler anderer übernommen. Seit diesem Jahr verstärkt die Kanadierin Katiana König das Team und dafür sind wir sehr dankbar, denn Englisch ist ihre Muttersprache. Sie verbessert uns und wir alle können uns an sie anlehnen. Das ist ganz wichtig – gerade in einem multikulturellen Team. Denn wenn im Team oder in Gemeinden schwierige Themen besprochen werden müssen und es bei der Sprache hapert, sind Missverständnisse oft vorprogrammiert. Das ist mit Kati im Team nun anders und ein echter Vorteil.

Welches Erlebnis mit Einheimischen hat euch in letzter Zeit besonders bewegt?

Da denken wir sofort an einen Pastor, der auch in Zomba lebt. Er hat die Bibelschule „Evangelical Baptist Bible College“ (EBBC) initiiert, an der ich (Michael) einige Jahre als Gastlehrer unterrichtet habe. Als wir uns kürzlich verabschiedeten, ist uns nochmal klargeworden, welch gute Freundschaft sich zwischen uns im Laufe der Jahre entwickelt hat. Er sprach dabei nochmal seinen schweren Motorradunfall an, und sagte, wie dankbar er war, dass ich ihn damals am Unfallabend gemeinsam mit zwei Medizinstudentinnen, die bei uns ein Praktikum absolvierten, in dem 90 Kilometer entfernten Krankenhaus besuchte, in das er eingeliefert wurde. Da es dort nur einen anwesenden Arzt gab, der sich zunächst um den Unfallgegner kümmerte, war er sehr froh, dass eine der Studentinnen seine Kopfwunde versorgen und nähen konnte.

Was braucht Malawi am dringendsten?

Ein Amerikaner hat mal gesagt, dass Malawi evangelisiert ist, aber der Glaube der Menschen nur einen Zoll tief ist. Und damit hat er Recht. Malawi ist oberflächlich betrachtet ein sehr christlich geprägtes Land. Zwei Drittel der Bevölkerung sind Christen. Viele tanzen, singen, jubeln und sagen, dass sie Gottes Kinder sind. Aber wenn es im Alltag darum geht, ihren Glauben zu leben, tun sich viele schwer. Korruption ist im Geschäfts- und Behördenalltag gang und gäbe im Land. Es braucht daher mehr Christen, die ihr Christsein auch im Alltag umsetzen.

Was werdet ihr besonders vermissen?

Natürlich die Sonne. Wir genießen es gerade heimlich, wenn es hier vielen zu heiß ist. Und wir vermissen die Menschen – besonders aus unserer internationalen Community in Zomba. In Malawi hatten wir zwar keine Verwandten, dafür aber viele gute Freunde. Und die fehlen uns natürlich sehr.