Papua-Neuguinea (PNG) ist das Land ihrer Berufung. Insgesamt 22 Jahre waren René und Elisabeth Bredow dort als Missionare im Einsatz – und das in mehreren Etappen. Denn zwischendurch war René als Missionsreferent in Deutschland und als Dozent in Bangladesch tätig. Jetzt sind sie wieder in Deutschland. Wir haben ihnen einige kurze Fragen gestellt.

Warum seid ihr nach Deutschland zurückgekehrt und habt euren Einsatz in PNG beendet?
Von vornherein war geplant, dass wir nochmals vier Jahre in PNG sind, um dort die Teamleitung zu übernehmen. Wir hatten vereinbart, dass wir mit unserem jüngsten Sohn David nach Deutschland zurückkehren, wenn er die Schule abgeschlossen hat. Nun hat David sein Abitur und wir sind wieder in Deutschland.

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Werdet ihr eines Tages nochmals nach PNG gehen?
Bis nächstes Jahr im Sommer sind wir noch im Reisedienst und berichten in Gemeinden über unsere Arbeit in PNG. Was danach kommt ist offen. Vielleicht geht es nochmals in die Mission oder wir übernehmen eine pastorale oder interkulturelle Aufgabe in Deutschland.

Gibt es eine Begegnung in eurer Zeit PNG, die euch in besonderer Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es natürlich viele, aber eine bewegt uns immer noch sehr. Nambuwei war von 1990 bis 1996 unsere Haushaltshilfe in PNG. Als sie hörte, dass wir im Juni PNG verlassen, kaufte sie sich extra ein Flugticket, um zu uns zu fliegen und uns nochmals zu sehen. Sie meinte, dass es sie sehr geprägt hatte, wie wir als Familie lebten. Sie hätte sehr viel für ihr Leben gelernt. Das hat uns natürlich gefreut. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass sie in ihrer Kindheit viel Gewalt erlebt hatte und nun eine selbstbewusste Frau ist.
Eines ihrer Kinder hat sie übrigens René genannt. Für das Rückflugticket in ihre Provinz hatte sie dann kein Geld mehr. Das haben wir dann für sie übernommen.

Was fasziniert euch an PNG?
Vieles. Besonders aber vermutlich, dass du in PNG mit jedem auf der Straße über den Glauben sprechen kannst und selbst auch ständig darauf angesprochen wirst. Im Gegensatz zu Deutschland, wo Glaube oft als Privatsache gesehen wird, ist er in PNG Teil des öffentlichen Lebens. Außerdem begeistert uns auch die Zeit, die die Leute haben. Und ihre Dankbarkeit. Sie sehen das Gute, das Gott ihnen gibt.

Der Glaube an Geister nimmt viele Menschen in PNG gefangen. Sie leben in täglicher Angst. Wie können sie davon frei werden?
Um nochmals auf Nambuwei zurückzukommen. Sie lebte mit uns auf Station und hatte oft keine Lust auf Gemüse und Obst. Wir sagten ihr dann, dass sie mehr vitaminreiches Obst essen soll, um gesund zu bleiben. Aber erst nachdem sie krank geworden war, ging sie auf unseren Rat ein. Wir freuten uns. Wir sagten zu ihr: „Schön, dass du gemerkt hast, dass dir das Obst gut tut.“ Sie sagte darauf: „Ich esse nur deshalb mehr Obst, damit mich eure Worte nicht mehr verfluchen.“ Sie war also der Meinung, dass ihr Ungehorsam gegenüber unserer „starken Worte“ ihre Krankheit hervorgerufen hätte und wollte vermeiden, dass sie wieder darauf angesprochen wird. Auch als Missionare lernt man natürlich ständig dazu. Aber das ist typisch für PNG: Wenn man unterhalb der christlichen Oberfläche in PNG kratzt, kommt oftmals ein Mix aus Christsein und alten Vorstellungen zu Tage.
Deshalb sind Schulung und Lehre notwendig. Und dann ist das ein Wachstumsprozess. Wichtig ist es, junge Mitarbeiter zu integrieren. Sie sind die Hoffnungsträger für ihr Land. Das ist zum Beispiel unser Ansatz im Projekt „Shape Life“ in Port Moresby. Wenn wir mit den Mitarbeitern Jüngerschaft leben, dann hat das viele positive Auswirkungen.

Was braucht das Land am meisten?
Es ist unser Wunsch, dass die junge Generation für Jesus gewonnen werden kann. Für viele ist Glaube zur Tradition geworden. Oder es ist einfach „Fashion“. Man sieht es zum Beispiel immer wieder, dass Politiker auf Wahlplakaten schreiben „Ich bin wiedergeborener Christ.“ Ob der Glaube dann gelebt wird, ist eine andere Frage.
Außerdem wünschen wir uns, dass es nach wie vor Menschen gibt, die bereit sind, in die Dörfer zu gehen. Die Menschen im tiefen Busch fühlen sich allein gelassen. Alles ballt sich in der Stadt. In den Dörfern fehlt es an Lehrern, Krankenschwestern und auch Pastoren. Vor unserer Rückkehr nach Deutschland hatten wir bewusst mehrere Touren in den Busch gemacht. Wir wollten die Menschen ermutigen und ihnen zeigen: Ihr seid nicht vergessen!

PAPUA-NEUGUNIEA. Unter den Insassen des Gefängnisses in Wewak herrscht eine große Offenheit für das Evangelium. Von den rund 300 Gefangenen kommen rund 60 sonntags zum Gottesdienst, rund 25 jugendliche Insassen im Alter von 15 bis 21 Jahren nehmen an einem wöchentlichen Bibelstudienkreis teil. Außerdem besuchen acht Männer zurzeit die Taufklasse. Das berichtet Johannes Wälde. Seine Frau Carolin besucht zudem wöchentlich die acht weiblichen Gefangenen, um mit ihnen in der Bibel zu lesen oder zu nähen.

Dauerhaft mit Jesus Christus leben

Große Probleme bereitet den Missionaren die Gewalt unter den Gefangenen. So kann es sein, dass die Gefängnisleitung Schlägereien dadurch bestraft, dass das geplante Programm abgesagt wird. Hinzu kommt, dass sich die Gefangenen in zwei verfeindeten Lagern gegenüberstehen. Einer der Gefangenen wurde von seinen Mithäftlingen fast totgeschlagen. „Falls der Mann nun sterben sollte, könnte das noch mehr Probleme hinter sich herziehen.“ Außerdem wechseln die Insassen sehr stark, da viele in Untersuchungshaft sitzen und nur für ein paar Tage oder Wochen da sind. „Somit hat man in der Regel jede Woche neue Personen in der Gruppe“, so Johannes Wälde. Er hofft, dass die Gefangenen durch ihre Angebote Jesus Christus dauerhaft in ihr Leben aufnehmen: „Im Gefängnis sind sie recht offen, da es ihnen dort schlecht geht und der Glaube ein letzter Strohhalm bildet, an den sie sich klammern können.“ Während einige nach der Entlassung als Christen weiterleben, fallen andere in ihr altes Leben zurück.

Kids Club macht Hoffnung für neues Projekt

Familie Wälder ist froh, dass sie für das neue Community Development Programm nun eine Kirche gefunden haben, die mit ihnen das Projekt starten will. Dabei sollen die Menschen in den Armensiedlungen lernen, sich den Problemen in der Siedlung zu stellen und selbst an einer Lösung mitzuarbeiten. „Der Grundgedanke dabei ist, dass Gott jedem Menschen Talente, Fähigkeiten und Gaben gegeben hat, die er einsetzen soll, um sich und den Menschen um ihn herum zu helfen“, sagte Johannes Wälde. Das Projekt soll vor allem von einheimischen Kirchenmitarbeitern in Zusammenarbeit mit den Menschen in den Siedlungen umgesetzt werden. Die Liebenzeller Mission will im Hintergrund die Kirchenmitarbeiter schulen und mit Rat zur Seite zu stehen. „Wir sind gespannt, was Gott mit uns und der Arbeit vorhat. Durch den Kids Club haben wir bereits einen guten Ruf bei den Menschen erworben und wir hoffen, dass sie dadurch offen für ein weiteres Projekt wie das Community Development Programm sind“, sagte Johannes Wälde. Er ist sehr dankbar, dass sich die einheimische Kirche von Gott rufen ließ, um ein Projekt dieser Art zu starten.

Die Liebenzeller Mission ist seit über 100 Jahren in Papua-Neuguinea tätig. Johannes und Carolin Wälde arbeiten seit 2015 unter Kinder und Jugendlichen und im Gefängnis.

PAPUA-NEUGUINEA. Rund die Hälfte der 400.000 Einwohner Port Moresbys leben in illegalen Siedlungen. Diebstähle, Schlägereien und Vergewaltigungen gehören in den sozialen Brennpunkten zur Tagesordnung und werden meist von Jugendlichen begangen. In diese Trostlosigkeit hinein verkündigen die Liebenzeller Missionare Katharina und Sebastian Proß Gottes Wort, damit Menschen ihren wahren Lebenssinn erkennen und Rettung in Jesus Christus finden. Dabei knüpfen sie vor allem an diejenigen in der Gesellschaft an, die die meisten Verbrechen begehen – die Jugend.

Gemeinsam mit sieben einheimischen Mitarbeitern und vielen Freiwilligen gestaltet das Ehepaar Kids Clubs in neun illegalen Stadtrandsiedlungen. Rund 500 Kinder und Jugendliche kommen dadurch mit dem Evangelium in Berührung. So auch der Nachwuchs in „Kila Kila“. Joanna, die mit ihrer Mutter und drei jüngeren Geschwistern in der Siedlung lebt, besucht seit fünf Jahren begeistert den Kids Club. Im September fragte die 16-Jährige unsere Missionare, ob sie mitarbeiten dürfte. „Wir freuten uns sehr, dass Joanna unser Team verstärken und in ihrem Umfeld von Jesus weitererzählen wollte“, berichtet Sebastian, der seit 2017 das Siedlungsprojekt „Shape Life“ („Leben formen“) verantwortet.

Seither engagiert sich Joanna nicht nur im Kids Club, sondern kommt auch jeden Samstag zu den Mitarbeiterschulungen. „Als eine der Jüngsten in unserer 25-köpfigen Runde ist Joanna – anders als für die neuguineische Kultur üblich – sehr offen. Selbstsicher diskutiert sie bei verschiedenen Themen mit“, freut sich Sebastian. Gemeinsam mit Melen, der verantwortlichen Mitarbeiterin in „Kila Kila“, hält sie derzeit Andachten und Programme zum Thema „Heilung in der Bibel“. Wie wichtig es der Schülerin ist, andere Menschen zu einem Leben mit Jesus einzuladen, zeigt sich auch in ihrer eigenen Familie. Als Melen kürzlich den Gottesdienst in „Kila Kila“ besuchte, traf sie neben Joanna auch deren Mutter und Geschwister an. Sie war überrascht, denn Joannas Familie kam lange Zeit nicht in die Kirche, obwohl sie direkt gegenüber wohnt. Später, als die Mitarbeiterin mit Joannas Mutter ins Gespräch kam, sagte diese: „Ich bin so froh, dass meine Tochter bei euch ist. Sie ist so gut in der Schule geworden, hat Spaß an der Hausarbeit und versprüht so viel Lebensfreude.“

Trotz der positiven Entwicklung gibt es in Joannas Leben auch Schattenseiten. Ihr Vater verließ die Familie für eine andere Frau und weigert sich, Joannas Schulkosten weiter zu zahlen. Hinzu kommt, dass ihre Mutter tagsüber Süßigkeiten auf dem Markt verkauft, um die Familie finanziell über Wasser zu halten. Da sie sich nicht um ihre Kinder kümmern kann, trägt Joanna Sorge für ihre Geschwister. „Trotz dieser Verantwortung und den Unklarheiten, die ihre schulische Laufbahn betreffen, ist sie weiterhin beständig und mit viel Freude in der Siedlungsarbeit dabei. Wir beten, dass sich ein Verwandter bereiterklärt, ihre Schulkosten zu tragen und dafür, dass Joanna weiterhin so treu an Jesu Seite durchs Leben geht.“

PAPUA-NEUGUINEA. Fernab jeglicher Zivilisation liegt Niksek, ein kleines Buschdorf im Hunstein-Gebirge südlich des Sepiks. Es ist auf schmalen Pfaden durch den Regenwald oder mit einem Kanu über den April-Fluss zu erreichen. Dorthin machte sich die impactlerin Lea Semler, die einen Kurzeinsatz auf der pazifischen Insel absolviert, gemeinsam mit den Liebenzeller Missionaren Brigitte und Gerhard Stamm auf, um die rund 400 Bewohner durch Gottes Wort zu ermutigen. In Niksek lernte Lea schnell eine junge Frau in ihrem Alter kennen und die beiden begannen, sich in der Stammessprache „Pidgin“ auszutauschen. Dilma, die im Dorf aufwuchs, erzählte, dass sie bis zur achten Klasse in einem weit entfernten Dorf flussaufwärts zur Schule ging und sich danach für einen Job bewarb. Dann unterbrach sie ein kleiner Junge, der auf sie zu rannte und „Mama, Susu!“ („Mama, Milch!“) rief. Lea traute ihren Ohren kaum: „Ich war mir sicher, dass es sich um eine Verwechslung handelte, aber sie fing tatsächlich an, das Kind zu stillen.“ Während der Junge trank, fuhr Dilma fort. Sie erzählte, dass sie den Job nicht bekam, weil sie eine Voraussetzung nicht erfüllte: Sie war nicht getauft. Das versetzte der damals 14-Jährigen, die christlich erzogen wurde und seit klein auf Jesus im Herzen trägt, einen schweren Schlag. Sie hatte keine andere Wahl, als nach Niksek zurückzukehren. Dort heiratete sie bald einen Mann aus dem Nachbardorf und bekam mit 15 Jahren ihr erstes Kind. Nun arbeitet sie viel im Garten und zieht die Kinder groß. Natürlich wollte Dilma auch mehr über Lea erfahren und nahm sie mit auf einen Spaziergang. Ihre Kinder blieben währenddessen beim Vater: „Ich war überrascht, dass ihr Mann auf die beiden aufpasste, denn das ist alles andere als selbstverständlich in dieser Kultur“, berichtet Lea.

Die beiden 19-Jährigen gingen einen schmalen Buschpfad entlang, der in das nächste Dorf führt. Dieses liegt jedoch zwei Tagesmärsche entfernt. Lea erzählte von ihrer Familie in Deutschland, ihren Erlebnissen während ihres derzeitigen Einsatzes bei der Liebenzeller Missionarsfamilie Wälde in Wewak und ihren Studienplänen. Dilma war begeistert und sagte, dass sie gerne Sekretärin geworden wäre, nun aber nicht mehr aus dem Busch herauskomme. So wie ihr ginge es vielen jungen Frauen. Dann erreichten die beiden einen Waschplatz am Bach. Dilma zeigte Lea, wie sie ihre Kleider mit Seife bürstet und sie probierten es gemeinsam aus. Als sie fertig waren, kehrten sie ins Dorf zurück, wo einige Frauen gerade in Palmenblätter eingewickeltes Fleisch und Wurzelgemüse in einem glühenden Erdhaufen zubereiteten.

Nach dem Essen fand ein Gottesdienst statt, bei dem Gerhard die Predigt hielt. Dilma und ihr Mann kamen auch hinzu. Lea war überrascht, denn Dilma hatte ihr am Fluss erzählt, dass ihr Mann nur wenig Interesse am christlichen Glauben hat. Später, als sie Dilma darauf ansprach, erklärte diese: „Es hat viel Kraft und Zeit gekostet, ihn zu überreden, dass er mitkommt, aber es ist mir wichtig, dass er mehr über Jesus erfährt und ich bete, dass er ihn eines Tages kennenlernen wird.“ Über so viel Ausdauer und Beherztheit – im Alltag, aber auch in der Beziehung zu Jesus Christus – konnte Lea bei ihrem Besuch nur staunen.

PAPUA-NEUGUINEA. Nach drei Monaten auf hoher See fiel im Sommer 1914 der Anker vor Manus. Die Liebenzeller Missionare Friedrich Doepke und Hermann Kraft waren am Ziel ihrer Reise. Hier also wollten sie das Evangelium verkünden. Viel wussten sie nicht über die mit Urwald bedeckte Vulkaninsel, außer: „Dort herrscht die Menschenfresserei“, wie Friedrich Doepke in seinen Aufzeichnungen festhielt. Vom Hafen aus fuhren sie mit einem Kanu die Küste entlang.

Wo die beiden auch anlegten, signalisierten ihnen die Insulaner, dass sie nicht willkommen waren. Sie fuhren weiter und entdeckten erneut eine günstige Stelle für eine Missionsstation: „Dieser Platz sah genauso aus, wie ich ihn kurz vorher im Traum hatte sehen dürfen“, schrieb Friedrich Doepke. An Land trafen sie auf einige Männer, die mit Speeren bewaffnet waren. Durch Handzeichen versuchten die Missionare, mit ihnen zu kommunizieren. Überraschend bekamen sie das gewünschte Land. Unter neugierigen Blicken machten sich Friedrich Doepke und Hermann Kraft an den Aufbau der Station. Obwohl sie einen schweren Rückschlag durch einen Brand erlebten, waren die Aufbauarbeiten viel einfacher als der innere Aufbau – die Arbeit an den Seelen der Menschen. Nur langsam konnten die Missionare die Sprache der Einheimischen erforschen. Es dauerte lange, bis diese Vertrauen schöpften und ihre Kinder in die Schule der beiden Deutschen schickten. Dafür verlangten die Familien ein Geschenk. So auch, wenn die Missionare Kranke pflegten: Sie forderten eine Entlohnung, selbst wenn ihnen geholfen wurde. „Es brauchte viel Gnade und Liebe“, notierte der Missionar. Auch sie selbst wurden häufig von Malaria und Schwarzfieber heimgesucht. Nach sechs Jahren musste Hermann Kraft die Insel krankheitsbedingt verlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich kein einziger Insulaner für Jesus Christus entschieden.

Zwei Jahre später kam Maria Imberger, die Verlobte Friedrich Doepkes, auf die Insel. Sie heirateten und führten die Missionsarbeit auf Manus gemeinsam fort. Ein weiteres Jahr verging, bis ein lang erhofftes Wunder geschah: Polokes ließ sich als erster Einheimischer taufen. Mit ihm an seiner Seite zog Friedrich Doepke fortan durch den Busch, um auch Menschen in bisher unerreichten Dörfern die gute Botschaft von Jesus Christus zu bringen. Nach und nach entstanden in den Inselbezirken viele Kirchen, und es brauchte weitere Missionare auf Manus.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, verkündeten dort neben Friedrich und Maria Doepke auch die ungarische Missionsschwester Mária Molnár sowie Familie Julius und Leni Gareis das Evangelium. Bald besetzten die Japaner Manus und verbreiteten Angst und Schrecken. Sie ließen die Insulaner Zwangsarbeiten verrichten und beorderten alle anwesenden Liebenzeller Missionare im März 1943 auf das Kriegsschiff „Akikaze“. Dort wurden sie am 17. März mit rund 60 weiteren Europäern erschossen. Der kleine Erich Gareis wurde, wie die anderen Kinder, ins Meer geworfen. Die Wirren des Krieges setzten dem Leben der Missionare ein Ende – nicht aber der Missionsarbeit in Papua-Neuguinea.

Heute, 75 Jahre später, ist die Evangelische Kirche von Manus selbstständig. Auch die 1987 entstandene Bibelschule (BTC) soll im Juni 2018 in die Hände Einheimischer übergehen.

Der Film „Aufbruch ins Unbekannte“ nimmt Sie hinein in die Höhen und Tiefen der Pioniermission in Manus. Und in das Leben von Friedrich Doepke. Bestellen Sie die DVD (Spieldauer: 50 Min.) zum Sonderpreis von 8 € unter Telefon 07052 17-296.

Hintergrundinfos, Trailer und Bestellung: www.aufbruch-ins-unbekannte.de

PAPUA-NEUGUINEA. Spät am Abend geriet der Australier David in eine Verkehrskontrolle. Ein Polizist fragte ihn: “Wo kommen Sie her?” Dabei hielt er seine Hand leicht geöffnet zum Fenster herein. David ahnte, was der Mann wollte: Er forderte Geld. “Heute vor 500 Jahren hat Martin Luther die Reformation angestoßen. Ich war im Bibelkreis und wir haben den Luther-Film angeschaut”, gab David Auskunft. Der Polizist hielt kurz inne, dann sagte er: “Ich heiße Martin und bin Lutheraner. Wissen Sie was, fahren Sie mal weiter!”

Einige Tage später erzählte David den Liebenzeller Missionaren Elisabeth und René Bredow von seinem Erlebnis. Bei ihnen war er an jenem Tag zu Gast im Bibelkreis. Mit breitem Grinsen sagte David abschließend: “Martin Luther hat mich ‚gerettet'.” Den Film zeigten die Missionare auch in einer Pastorenschulung. Einzelne kamen später auf das Ehepaar zu und baten sie, den Film in ihren Siedlungen zu zeigen – nicht in den Kirchen, sondern nachts auf freien Plätzen. “Wir wollten es wagen, auch wenn es den Film nur auf Englisch und nicht in der Handelssprache Pidgin gibt”, sagt René.

Sie besuchten zwei Siedlungen, in denen Hunderte Menschen in eng aneinander gereihten Blechhütten leben. “Fremde trauen sich normal nicht in diese unsicheren Gebiete – schon gar nicht nachts”, schildert René. Doch wurden er und Elisabeth vom jeweiligen Pastor begleitet. Beide Male kamen neugierige Kinder angelaufen, die der Pastor dann losschickte, um den Filmeabend anzukündigen. Rund 300 Menschen kamen zu den Vorstellungen. Obwohl der Großteil kein Englisch verstand, blieben alle sitzen: “Wir haben den Film an wichtigen Stellen angehalten und übersetzt. Auch erklärten wir Begriffe wie ‚Ablasshandel' oder ‚Fürstentum'”, berichtet der Missionar. Einmal fing es an zu regnen, doch kein Zuschauer verließ seinen Platz. Viele faszinierte Luthers Mut – so auch einige junge Männer, die beim Auf- und Abbau der Leinwand halfen, und hinterher staunten, dass sich Luther bedingungslos für die Wahrheit einsetzte. “Das ist es, was zählt: Dass wir diesem Beispiel folgen und unser ganzes Leben für die Wahrheit – für Jesus Christus – einsetzen.”

BAD LIEBENZELL. Weltmission heute lebt vom gemeinsamen Lernen, wo Erfahrungen, gelungene Konzepte und auch Rückschläge offen ausgetauscht werden und wir gemeinsam beten, sowie Gott um Wegweisung bitten. Die Liebenzeller Mission ist mit einem Reichtum an internationalen Partnerschaften beschenkt und so nutzten wir die Gelegenheit, anlässlich des Direktorenwechsels, uns über praktische Missionsfragen auszutauschen. Wer in Partnerschaften unterwegs sein möchte, muss Lernender sein – als Liebenzeller Mission wollen wir auf diesem Weg bleiben und dadurch wachsen.

PAPUA-NEUGUINEA. „Morgen ist Heiligabend und in diesem Lager leben Christen, die nicht auf den Weihnachtsgottesdienst verzichten sollten“, sagt der Liebenzeller Missionar Simon Herrmann zu dem Verwalter eines Flüchtlingslagers in Lorengau am Telefon. Es ist nicht sein erster Versuch, eine Genehmigung zu bekommen, damit er die geflüchteten Männer besuchen darf. Sie alle riskierten einst ihr Leben, als sie mit Booten über den Pazifik flohen, um in Australien die Chance auf ein besseres Leben zu bekommen. Da sie dort aber nicht willkommen waren, wurden sie auf die Insel Manus verfrachtet.

Schon lange leben sie dort in Flüchtlingsunterkünften, die normalerweise niemand besuchen darf. Diesmal erlebt Simon jedoch eine Überraschung: „Ich habe nichts dagegen, wenn ihr am ersten Weihnachtsfeiertag kommt, um einen Gottesdienst zu gestalten“, sagt der Verwalter am Telefon. Simon freut sich und macht sich an die Vorbereitungen. Am nächsten Tag bekommt seine Familie Besuch von drei sri-lankischen Geflüchteten. Simons Frau Yvonne hat seit einiger Zeit Kontakt zu diesen. Sie sind der Einladung gerne gefolgt, gemeinsam mit der Missionarsfamilie Heiligabend zu verbringen. Seit fast fünf Jahren leben die drei Männer nun auf Manus – ohne eine Perspektive für ihre Zukunft. Zunächst lesen sie gemeinsam die Weihnachtsgeschichte und essen zu Abend. Danach besuchen sie den Gottesdienst. Zwar ist einer der Männer kein Christ, doch er entschließt sich, mitzukommen. Überraschend verabschiedet er sich später mit dem Wunsch „God bless you“ (Gott segne euch).

Am nächsten Morgen machen sich Simon, Yvonne, deren drei Kinder und zwei Kurzzeitmitarbeiterinnen auf den Weg in das sieben Kilometer entfernte Flüchtlingslager. „Dort spielten wir zwischen den Wohncontainern Trompete, um die Männer auf uns aufmerksam zu machen“, erzählt Simon. Nach kurzer Zeit folgen rund 20 Männer den Klängen. Viele bringen Stühle und Betten mit, auf die sie sich setzen. Auch einige Aufseher und Wärter kommen hinzu. „Ich predigte über Freude, die Gott uns Menschen schenkt, selbst wenn die äußeren Umstände schwierig sind“, sagt der Missionar. Später erzählt er den Männern von einer syrischen Frau, die während ihrer Flucht zum Glauben an Jesus Christus kam und dadurch Freude in ihrer bedrohlichen Situation fand. Dankbar für den Besuch beschenken die Männer ihre Gäste anschließend mit Keksen und Äpfeln. „Ich hoffe, dass dieser Vormittag nicht nur abwechslungsreich für sie war, sondern vor allem Hoffnung und Licht in ihre Situation gebracht hat“, wünscht sich Simon.

In der mehr als hundertjährigen Geschichte der Liebenzeller Missionsarbeit in Papua-Neuguinea (PNG) sind sie die Missionare, die am längsten vor Ort waren: Bernd und Irmgard Mortsiefer. 33 Jahre lang lebten und arbeiteten sie am anderen Ende der Erde. Von der Weltöffentlichkeit scheint Papua-Neuguinea oft vergessen zu sein. Gott hat die Menschen aber nicht vergessen. Das weiterzugeben, war Bernd und Irmgard Mortsiefer wichtig. Jetzt sind sie nach Deutschland zurückgekehrt. Wir haben Bernd drei kurze Fragen gestellt.

Gibt es eine Begegnung in eurer Zeit PNG, die euch in besonderer Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es natürlich viele. Aber die erste Begegnung mit Matthew Top ist mir besonders in Erinnerung. Mit wenig Ausbildung, nur einem T-Shirt und einer Hose kam er an der Bibelschule auf der Insel Manus an. Als Buschmann aus dem Sepia-Gebiet war er nicht angesehen. Aber er fühlte sich von Gott berufen. Und Gott hat diese Berufung bestätigt. Matthew lernte viel, war sehr engagiert und hielt das Studium durch. Heute leitet er die Bibelschule in Manus. Und dann denke ich an die vielen Begegnungen mit Flüchtlingen in den letzten Monaten. Sie machten sich überwiegend aus dem Mittleren Osten auf den Weg nach Australien, wurden abgefangen und in Lager auf Manus gebracht. Ich wurde gebeten, diesen Menschen kulturelle Orientierung zu bieten. Gott schenkte es, dass viele der Flüchtlinge Interesse am christlichen Glauben hatten. Einige ließen sich taufen. Über Internet und Handy bin ich immer noch mit manchen verbunden.

Der Glaube an Geister prägt das Leben der Menschen in PNG. Wie können Menschen hier „Befreiung“ erleben?
In Deutschland kann man sich das kaum vorstellen, aber noch heute werden in PNG zum Beispiel Frauen verbrannt, weil sie für Hexen gehalten werden. Menschen aus dieser Not herauszuholen, geschieht meistens nicht ad hoc. Es ist wie beim Alkohol, die wenigsten werden sofort trocken. Viele gehen hier einen Weg mit Stufen. Letztendlich ist es eine tief geistliche Sache. Nur wo die Kraft des Heiligen Geistes der alten Kraft entgegensteht, kann Veränderung geschehen.

Jetzt seid Ihr seit einigen Wochen in Deutschland. Habt Ihr schon Heimweh nach PNG?
Wenn man 33 Jahre in einem Land lebt, ist schon ein bisschen Wehmut dabei. Aber wir sind froh über das ausgezeichnete Gesundheitssystem in Deutschland und genießen die hohen Standards hier. In Neuguinea hatten wir ja viele Jahre ohne elektrisches Licht gelebt. Mit vielen Menschen vor Ort sind wir über Internet und Handy verbunden. Es ist schon ein bisschen verrückt: Manche haben nur ein Hemd, aber ein Smartphone hat fast jeder. Mit den Menschen in Kontakt zu sein, ist uns wichtig. Denn eines muss ich sagen: Während unserer Zeit in Papua-Neuguinea haben wir mindestens so viel von den Menschen gelernt, wie wir ihnen geben konnten.

PAPUA-NEUGUINEA. Mit einer kleinen Gruppe von Strafgefangenen konnte Johannes Wälde, der als Liebenzeller Missionar in Papua-Neuguinea arbeitet, eine Bibelstunde im Gefängnis durchführen. Drei der Teilnehmer suchten danach noch das Gespräch mit ihm, erzählten von ihrer Vergangenheit und schließlich auch von ihren Ängsten vor der Zukunft: „Alle drei werden im nächsten halben Jahr entlassen und wissen nicht genau, wie es weitergehen soll. Sie waren nun jahrelang im Gefängnis und haben etwas Angst vor der Freiheit und dem Zurückkehren in ihr Heimatdorf“, schrieb Johannes Wälde. Trotz aller Ängste sind die Männer gewiss, dass sie nicht alleine zurück in ihre Dörfer gehen müssen: Gott wird ihr Begleiter sein und ihnen in dieser schwierigen Lebenssituation helfen.