„Mit den Menschen in Papua-Neuguinea unterwegs zu sein, war für uns ein Vorrecht“

Johannes und Carolin Wälde waren zusammen mit ihren fünf Kindern viele Jahre als Missionare in Papua-Neuguinea (PNG) im Einsatz. Johannes hat nach dem Abitur Schreiner gelernt, Carolin ist Bauzeichnerin. Nach ihrem ersten Einsatz als Technische Missionare in Ambunti/Sepik (2007 bis 2010) studierte Johannes Theologie und Soziale Arbeit an der IHL. Anschließend leiteten sie das Projekt „Shape Life“ in der Hafenstadt Wewak, das sich vor allem um Kinder aus sozialen Brennpunkten kümmert. Weitere Aufgaben waren die missionarische Arbeit im Gefängnis, Mitarbeiterschulung und Teamleitung. Nun sind sie zurück in Deutschland und beenden ihren Missionsdienst. Grund für uns, ihnen zum Abschluss einige Fragen zu stellen.

Nach insgesamt neun Jahren in PNG endet euer Missionsdienst. Warum?
Eigentlich hatten wir geplant, nächstes Jahr nach Deutschland zurückzukehren. Der Grund ist einfach die Schulsituation in Papua-Neuguinea. Wenn die Kinder größer werden, ist es mit Homeschooling und Fernschulmaterial einfach nicht mehr möglich. Dass wir jetzt schon zurückkommen, liegt an Corona. Wir hatten keine Lernhelferin mehr und die Post mit dem Fernschulmaterial kam nicht mehr an. Niemand konnte uns sagen, ob überhaupt dieses Jahr noch Post in Papua-Neuguinea ankommt. Das war für die Bildung unserer Kinder einfach keine Perspektive. Aber wir sind sehr froh, dass die Arbeit in Papua-Neuguinea weitergeht und wir mit Manuel und Christina Feige tolle Nachfolger haben.

Als Missionare fernab der Heimat gibt es schon eine Menge Entbehrungen. Hat sich der Einsatz gelohnt?
Auf jeden Fall. Natürlich gab es auch Entbehrungen, aber es war eine geniale Zeit. Der Abschied fiel uns sehr schwer. Nicht immer sieht man gleich die Früchte der Arbeit, aber Gott wirkt! Zum Beispiel in der Gefängnisarbeit. Einer der Häftlinge, den wir regelmäßig im Gefängnis besucht hatten, ging nach seiner Entlassung auf eine Bibelschule. Wir verlassen uns auf Gott, dass er sein Reich baut. Und das Thema Mission ist für uns noch nicht abgeschlossen. Vielleicht ziehen wir später nochmals los, wenn die Kinder erwachsen sind.

Wenn Leser dieses Interviews sich überlegen, Missionare zu werden: Wie würdet ihr sie für PNG motivieren?
Das Land ist so wunderschön und wenn man Herausforderungen sucht, ist PNG das richtige. Mit Menschen zusammenzuarbeiten, die kulturell komplett anders sind als wir, ist sehr besonders und bereichernd. Die Menschen haben ihr Herz auf der Zunge und tragen ihre Gefühle offen nach außen. Mit ihnen unterwegs gewesen zu sein, war für uns ein großes Vorrecht. Außerdem hat uns die Vielfalt im Land beeindruckt. Wir waren mit Menschen im Busch unterwegs, die wie in der Steinzeit leben und natürlich nicht lesen oder schreiben können. Gleichzeitig gibt es in den Großstädten hochgebildete Menschen. Und alle sind offen für den Glauben, man kann ganz natürlich über Jesus sprechen. PNG ist herausfordernd und spannend. Langweilig wird es nie!

Gibt es eine Person, die euch in eurer ganzen Zeit in PNG besonders beeindruckt hat?
Das ist für uns Ruben Wak. Er ist der Leiter unserer Partnermission vor Ort. Er hat in seinem Leben unglaublich viel Leid erfahren und ist trotzdem ein so treuer Missionar. Trotz allem, was er durchmachen musste, steht er fest im Glauben und weiß, was er an Jesus hat. Er ist uns zu einem großen Vorbild geworden.

Habt ihr Sorge, dass eure Kinder jetzt in Deutschland einen „Kulturschock“ bekommen?
Ein bisschen haben sie schon einen Kulturschock bekommen. Aber er fällt bisher nicht so schlimm aus, wie wir es befürchtet haben. Sie vermissen PNG schon sehr. Es wird sicherlich immer mal wieder schwierig werden, aber wir sind zuversichtlich, dass Gott es auch in Deutschland für unsere Kinder gut machen wird.

Was werdet ihr an Papua-Neuguinea am meisten vermissen?
Die Natur, das Meer und natürlich die Menschen. Unser Leben war schon sehr abwechslungsreich. Wir haben die Freiheit geschätzt und wir haben es genossen, gemeinsam als Familie im Dienst gewesen zu sein. Unsere Kinder waren Teil der Mission. Das war sehr schön für uns.

Eure Zeit bei der Liebenzeller Mission endet jetzt. Werdet ihr Mission trotzdem weiter leben und fördern?
Wir hoffen sehr. Mission wird immer Teil von uns sein. Der Missionsgedanke wird bei uns weiterhin groß sein.

Sebastian und Katharina Proß sind seit 2016 verantwortlich für das sozial-missionarische Projekt „Shape Life“ in den sozialen Brennpunkten von Port Moresby/Papua-Neuguinea (PNG). Mehr als 500 Kinder besuchen in zehn „Settlements“ die wöchentlichen Kinderprogramme, die von rund 25 Freiwilligen geleitet werden. In den nächsten Monaten sind Sebastian und Katharina mit ihrer Tochter Nila in Deutschland und berichten von ihrer Arbeit. Wir haben ihnen einige Fragen gestellt.


In Port Moresby habt ihr viele krasse Dinge erlebt. Was hat euch am meisten schockiert?
Es ist schon sehr heftig, wenn man sieht, wie Menschen Opfer von Gewalt werden und man nichts machen kann. Innerlich will man Zivilcourage leben und einschreiten, aber das ist kulturell einfach nicht möglich und aus Sicherheitsgründen auch viel zu gefährlich. Die Hilflosigkeit, die daraus entsteht, ist schon sehr herausfordernd.


Wie kann es gelingen, dass Menschen aus dem Teufelskreis von Gewalt, Alkohol und Drogen herauskommen?
Wenn jemand die Stärke hat, sich nicht dem Gruppendruck zu beugen, ist das schon möglich. Die Lebenswelt in den Settlements (sozialen Brennpunkten) ist sehr heftig. Aber genau hier haben die Kirchen vor Ort eine riesige Möglichkeit, Menschen positiv zu prägen und zu zeigen, dass es anders gehen kann. Mitarbeiter auf diesem Weg zu begleiten und zu fördern, ist unsere Aufgabe. Wir wollen ihnen zeigen, dass man gemeinsam viel bewegen kann.


Wie motiviert ihr euch jeden Tag neu für eure Arbeit in Papua-Neuguinea?
Dass wir sehen, dass Einzelne ihr Leben verändern und den Mut aufbringen, wirklich mit Jesus zu leben. Immer wieder erleben wir solche „Durchbrüche“ bei Menschen. Das motiviert schon sehr.
Außerdem haben wir eine klare Berufung für PNG und für die Menschen dort. Wir wissen, dass unsere Gemeinde und viele Menschen hinter uns stehen – mit Gebeten und Spenden.


Was begeistert euch an eurem Einsatzland?
PNG ist ein sehr vielfältiges Land. Die Natur ist beeindruckend mit 4.000 Meter hohen Bergen und einem Südseeparadies an der Küste. Die kulturelle Vielfalt mit mehr als 1.000 Volksgruppen ist einzigartig. Und die Menschen begeistern uns, die oft bereit sind, ihr letztes Hemd für dich zu geben.


Jetzt seid ihr für einige Monate in Deutschland. Worauf freut ihr euch am meisten?
Da gibt es schon einiges: die reine Luft, frei spazieren zu gehen, Freunde, Familie und dass wir als weiße Menschen hier nicht so im Mittelpunkt stehen. Außerdem freuen wir uns sehr, anderen von PNG zu berichten.


Mehr über Familie Proß erfahrt ihr auch in diesem Video.

Die Menschen in Port Moresby in Papua-Neuguinea leben unter einfachsten Bedingungen. Mit Planen, Brettern und Blechen werden Unterkünfte geschustert. Gewalt ist an der Tagesordnung. Es stinkt, es ist hässlich, es ist traurig und schockierend. Mitten drin leben tausende Kinder. Ihnen wollen unsere Missionare dienen. Denn wir sind der Überzeugung, dass nur Gott Leben verändern kann. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit weltweit! www.liebenzell.org/spenden

PAPUA-NEUGUINEA. Zauberei, dunkle Magie und dämonische Mächte: All das spielt in vielen Ländern, in denen Liebenzeller Missionare tätig sind, eine ganz reale und große Rolle – mit teilweisen tödlichen Folgen. Das hat Johannes Wälde neu erfahren: Bei einem Besuch eines Dorfes im Busch verstarb ein zwölfjähriger Junge an dem Tag, als die Missionare ankamen. Als Todesursache wurde Zauberei vermutet. Da die Bewohner von Papua-Neuguinea Angst vor dem Geist des Toten haben, sind Beerdigungen dort sehr wichtig. Nächtelang wird um den Verstorbenen getrauert. „Das Ganze nennt sich ‚Haus Krai‘ (Haus des Weinens). Und dabei wird nicht still und leise getrauert. Je lauter, desto besser und am besten so, dass es das ganze Dorf hört“, so Johannes Wälde.

Verzicht auf Rache

Er wurde gebeten, etwas bei der Beerdigung zu sagen. „Gott gab mir die richtigen Worte: Wir müssen die Zeit, die wir haben, nutzen, da wir nicht wissen, wann wir diese Erde verlassen müssen.“ Der Liebenzeller Missionar wurde anschließend von der Familie gebeten, sie zu besuchen. Nach intensive Gesprächen brachten sie die Zauberutensilien, die sie im Haus hatten. „Gemeinsam haben wir sie verbrannt und die Familie legte die ganze Angelegenheit in die Hände Gottes. Besonders freute mich, dass sie sich nicht auf die Suche danach machen wollten, wer den Tod des Kindes herbeigeführt hat. Das endet in der Regel mit Anschuldigungen anderer Personen und Rache an ihnen.“

Die Liebenzeller Mission ist seit über 100 Jahren in Papua-Neuguinea tätig. Johannes und Carolin Wälde arbeiten seit 2015 unter Kinder und Jugendlichen und im Gefängnis. Dabei engagieren sie sich vor allem in Armensiedlungen.

+ + + Update 16. Juli 2019: + + +

Wir sind sprachlos und überwältigt von über 300 Kondolenzbriefen an die Familie. Am 27. Juli werden wir die Worte der Anteilnahme bei der Trauerfeier für Gerhard Stamm ausgedruckt in einem Kondolenzbuch übergeben. Wenn Dein Kondolenztext mit dabei sein soll, dann solltest Du bis zum 21. Juli das Kondolenzformular nutzen.

 

+ + + Update 10. Juli 2019: + + +

Die kirchliche Beerdigung findet am Samstag, 27. Juli 2019, um 13:30 Uhr auf dem Friedhof Auhausen statt. Die anschließende Trauerfeier beginnt um 15:00 Uhr in der Hesselberghalle in Wassertrüdingen.

 

+ + + Informationsstand 04. Juli 2019: + + +

Inzwischen liegen uns Details vor: Gerhard Stamm ist nicht von einem Baum gestürzt, sondern ausgerutscht, unglücklich gefallen und an den dabei zugezogenen schweren Verletzungen kurz darauf verstorben.
Missionsdirektor Martin Auch ist mit Angehörigen von Gerhard unterwegs zu Brigitte Stamm nach Papua-Neuguinea.

Wir danken für alle anhaltende Begleitung im Gebet.

Eure Missionsleitung

 

Unter: www.liebenzell.org/gerhard-stamm finden Sie einen umfangreichen Bild- und Videorückblick auf das Leben und Wirken von Gerhard Stamm. Diese Seite wird regelmäßig um weitere aktuelle Informationen aktualisiert. Für Worte der Anteilnahme kann dort auch das Kondolenzformular verwendet werden.

Papua-Neuguinea (PNG) ist das Land ihrer Berufung. Insgesamt 22 Jahre waren René und Elisabeth Bredow dort als Missionare im Einsatz – und das in mehreren Etappen. Denn zwischendurch war René als Missionsreferent in Deutschland und als Dozent in Bangladesch tätig. Jetzt sind sie wieder in Deutschland. Wir haben ihnen einige kurze Fragen gestellt.

Warum seid ihr nach Deutschland zurückgekehrt und habt euren Einsatz in PNG beendet?
Von vornherein war geplant, dass wir nochmals vier Jahre in PNG sind, um dort die Teamleitung zu übernehmen. Wir hatten vereinbart, dass wir mit unserem jüngsten Sohn David nach Deutschland zurückkehren, wenn er die Schule abgeschlossen hat. Nun hat David sein Abitur und wir sind wieder in Deutschland.

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Werdet ihr eines Tages nochmals nach PNG gehen?
Bis nächstes Jahr im Sommer sind wir noch im Reisedienst und berichten in Gemeinden über unsere Arbeit in PNG. Was danach kommt ist offen. Vielleicht geht es nochmals in die Mission oder wir übernehmen eine pastorale oder interkulturelle Aufgabe in Deutschland.

Gibt es eine Begegnung in eurer Zeit PNG, die euch in besonderer Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es natürlich viele, aber eine bewegt uns immer noch sehr. Nambuwei war von 1990 bis 1996 unsere Haushaltshilfe in PNG. Als sie hörte, dass wir im Juni PNG verlassen, kaufte sie sich extra ein Flugticket, um zu uns zu fliegen und uns nochmals zu sehen. Sie meinte, dass es sie sehr geprägt hatte, wie wir als Familie lebten. Sie hätte sehr viel für ihr Leben gelernt. Das hat uns natürlich gefreut. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass sie in ihrer Kindheit viel Gewalt erlebt hatte und nun eine selbstbewusste Frau ist.
Eines ihrer Kinder hat sie übrigens René genannt. Für das Rückflugticket in ihre Provinz hatte sie dann kein Geld mehr. Das haben wir dann für sie übernommen.

Was fasziniert euch an PNG?
Vieles. Besonders aber vermutlich, dass du in PNG mit jedem auf der Straße über den Glauben sprechen kannst und selbst auch ständig darauf angesprochen wirst. Im Gegensatz zu Deutschland, wo Glaube oft als Privatsache gesehen wird, ist er in PNG Teil des öffentlichen Lebens. Außerdem begeistert uns auch die Zeit, die die Leute haben. Und ihre Dankbarkeit. Sie sehen das Gute, das Gott ihnen gibt.

Der Glaube an Geister nimmt viele Menschen in PNG gefangen. Sie leben in täglicher Angst. Wie können sie davon frei werden?
Um nochmals auf Nambuwei zurückzukommen. Sie lebte mit uns auf Station und hatte oft keine Lust auf Gemüse und Obst. Wir sagten ihr dann, dass sie mehr vitaminreiches Obst essen soll, um gesund zu bleiben. Aber erst nachdem sie krank geworden war, ging sie auf unseren Rat ein. Wir freuten uns. Wir sagten zu ihr: „Schön, dass du gemerkt hast, dass dir das Obst gut tut.“ Sie sagte darauf: „Ich esse nur deshalb mehr Obst, damit mich eure Worte nicht mehr verfluchen.“ Sie war also der Meinung, dass ihr Ungehorsam gegenüber unserer „starken Worte“ ihre Krankheit hervorgerufen hätte und wollte vermeiden, dass sie wieder darauf angesprochen wird. Auch als Missionare lernt man natürlich ständig dazu. Aber das ist typisch für PNG: Wenn man unterhalb der christlichen Oberfläche in PNG kratzt, kommt oftmals ein Mix aus Christsein und alten Vorstellungen zu Tage.
Deshalb sind Schulung und Lehre notwendig. Und dann ist das ein Wachstumsprozess. Wichtig ist es, junge Mitarbeiter zu integrieren. Sie sind die Hoffnungsträger für ihr Land. Das ist zum Beispiel unser Ansatz im Projekt „Shape Life“ in Port Moresby. Wenn wir mit den Mitarbeitern Jüngerschaft leben, dann hat das viele positive Auswirkungen.

Was braucht das Land am meisten?
Es ist unser Wunsch, dass die junge Generation für Jesus gewonnen werden kann. Für viele ist Glaube zur Tradition geworden. Oder es ist einfach „Fashion“. Man sieht es zum Beispiel immer wieder, dass Politiker auf Wahlplakaten schreiben „Ich bin wiedergeborener Christ.“ Ob der Glaube dann gelebt wird, ist eine andere Frage.
Außerdem wünschen wir uns, dass es nach wie vor Menschen gibt, die bereit sind, in die Dörfer zu gehen. Die Menschen im tiefen Busch fühlen sich allein gelassen. Alles ballt sich in der Stadt. In den Dörfern fehlt es an Lehrern, Krankenschwestern und auch Pastoren. Vor unserer Rückkehr nach Deutschland hatten wir bewusst mehrere Touren in den Busch gemacht. Wir wollten die Menschen ermutigen und ihnen zeigen: Ihr seid nicht vergessen!

PAPUA-NEUGUNIEA. Unter den Insassen des Gefängnisses in Wewak herrscht eine große Offenheit für das Evangelium. Von den rund 300 Gefangenen kommen rund 60 sonntags zum Gottesdienst, rund 25 jugendliche Insassen im Alter von 15 bis 21 Jahren nehmen an einem wöchentlichen Bibelstudienkreis teil. Außerdem besuchen acht Männer zurzeit die Taufklasse. Das berichtet Johannes Wälde. Seine Frau Carolin besucht zudem wöchentlich die acht weiblichen Gefangenen, um mit ihnen in der Bibel zu lesen oder zu nähen.

Dauerhaft mit Jesus Christus leben

Große Probleme bereitet den Missionaren die Gewalt unter den Gefangenen. So kann es sein, dass die Gefängnisleitung Schlägereien dadurch bestraft, dass das geplante Programm abgesagt wird. Hinzu kommt, dass sich die Gefangenen in zwei verfeindeten Lagern gegenüberstehen. Einer der Gefangenen wurde von seinen Mithäftlingen fast totgeschlagen. „Falls der Mann nun sterben sollte, könnte das noch mehr Probleme hinter sich herziehen.“ Außerdem wechseln die Insassen sehr stark, da viele in Untersuchungshaft sitzen und nur für ein paar Tage oder Wochen da sind. „Somit hat man in der Regel jede Woche neue Personen in der Gruppe“, so Johannes Wälde. Er hofft, dass die Gefangenen durch ihre Angebote Jesus Christus dauerhaft in ihr Leben aufnehmen: „Im Gefängnis sind sie recht offen, da es ihnen dort schlecht geht und der Glaube ein letzter Strohhalm bildet, an den sie sich klammern können.“ Während einige nach der Entlassung als Christen weiterleben, fallen andere in ihr altes Leben zurück.

Kids Club macht Hoffnung für neues Projekt

Familie Wälder ist froh, dass sie für das neue Community Development Programm nun eine Kirche gefunden haben, die mit ihnen das Projekt starten will. Dabei sollen die Menschen in den Armensiedlungen lernen, sich den Problemen in der Siedlung zu stellen und selbst an einer Lösung mitzuarbeiten. „Der Grundgedanke dabei ist, dass Gott jedem Menschen Talente, Fähigkeiten und Gaben gegeben hat, die er einsetzen soll, um sich und den Menschen um ihn herum zu helfen“, sagte Johannes Wälde. Das Projekt soll vor allem von einheimischen Kirchenmitarbeitern in Zusammenarbeit mit den Menschen in den Siedlungen umgesetzt werden. Die Liebenzeller Mission will im Hintergrund die Kirchenmitarbeiter schulen und mit Rat zur Seite zu stehen. „Wir sind gespannt, was Gott mit uns und der Arbeit vorhat. Durch den Kids Club haben wir bereits einen guten Ruf bei den Menschen erworben und wir hoffen, dass sie dadurch offen für ein weiteres Projekt wie das Community Development Programm sind“, sagte Johannes Wälde. Er ist sehr dankbar, dass sich die einheimische Kirche von Gott rufen ließ, um ein Projekt dieser Art zu starten.

Die Liebenzeller Mission ist seit über 100 Jahren in Papua-Neuguinea tätig. Johannes und Carolin Wälde arbeiten seit 2015 unter Kinder und Jugendlichen und im Gefängnis.

PAPUA-NEUGUINEA. Rund die Hälfte der 400.000 Einwohner Port Moresbys leben in illegalen Siedlungen. Diebstähle, Schlägereien und Vergewaltigungen gehören in den sozialen Brennpunkten zur Tagesordnung und werden meist von Jugendlichen begangen. In diese Trostlosigkeit hinein verkündigen die Liebenzeller Missionare Katharina und Sebastian Proß Gottes Wort, damit Menschen ihren wahren Lebenssinn erkennen und Rettung in Jesus Christus finden. Dabei knüpfen sie vor allem an diejenigen in der Gesellschaft an, die die meisten Verbrechen begehen – die Jugend.

Gemeinsam mit sieben einheimischen Mitarbeitern und vielen Freiwilligen gestaltet das Ehepaar Kids Clubs in neun illegalen Stadtrandsiedlungen. Rund 500 Kinder und Jugendliche kommen dadurch mit dem Evangelium in Berührung. So auch der Nachwuchs in „Kila Kila“. Joanna, die mit ihrer Mutter und drei jüngeren Geschwistern in der Siedlung lebt, besucht seit fünf Jahren begeistert den Kids Club. Im September fragte die 16-Jährige unsere Missionare, ob sie mitarbeiten dürfte. „Wir freuten uns sehr, dass Joanna unser Team verstärken und in ihrem Umfeld von Jesus weitererzählen wollte“, berichtet Sebastian, der seit 2017 das Siedlungsprojekt „Shape Life“ („Leben formen“) verantwortet.

Seither engagiert sich Joanna nicht nur im Kids Club, sondern kommt auch jeden Samstag zu den Mitarbeiterschulungen. „Als eine der Jüngsten in unserer 25-köpfigen Runde ist Joanna – anders als für die neuguineische Kultur üblich – sehr offen. Selbstsicher diskutiert sie bei verschiedenen Themen mit“, freut sich Sebastian. Gemeinsam mit Melen, der verantwortlichen Mitarbeiterin in „Kila Kila“, hält sie derzeit Andachten und Programme zum Thema „Heilung in der Bibel“. Wie wichtig es der Schülerin ist, andere Menschen zu einem Leben mit Jesus einzuladen, zeigt sich auch in ihrer eigenen Familie. Als Melen kürzlich den Gottesdienst in „Kila Kila“ besuchte, traf sie neben Joanna auch deren Mutter und Geschwister an. Sie war überrascht, denn Joannas Familie kam lange Zeit nicht in die Kirche, obwohl sie direkt gegenüber wohnt. Später, als die Mitarbeiterin mit Joannas Mutter ins Gespräch kam, sagte diese: „Ich bin so froh, dass meine Tochter bei euch ist. Sie ist so gut in der Schule geworden, hat Spaß an der Hausarbeit und versprüht so viel Lebensfreude.“

Trotz der positiven Entwicklung gibt es in Joannas Leben auch Schattenseiten. Ihr Vater verließ die Familie für eine andere Frau und weigert sich, Joannas Schulkosten weiter zu zahlen. Hinzu kommt, dass ihre Mutter tagsüber Süßigkeiten auf dem Markt verkauft, um die Familie finanziell über Wasser zu halten. Da sie sich nicht um ihre Kinder kümmern kann, trägt Joanna Sorge für ihre Geschwister. „Trotz dieser Verantwortung und den Unklarheiten, die ihre schulische Laufbahn betreffen, ist sie weiterhin beständig und mit viel Freude in der Siedlungsarbeit dabei. Wir beten, dass sich ein Verwandter bereiterklärt, ihre Schulkosten zu tragen und dafür, dass Joanna weiterhin so treu an Jesu Seite durchs Leben geht.“

PAPUA-NEUGUINEA. Fernab jeglicher Zivilisation liegt Niksek, ein kleines Buschdorf im Hunstein-Gebirge südlich des Sepiks. Es ist auf schmalen Pfaden durch den Regenwald oder mit einem Kanu über den April-Fluss zu erreichen. Dorthin machte sich die impactlerin Lea Semler, die einen Kurzeinsatz auf der pazifischen Insel absolviert, gemeinsam mit den Liebenzeller Missionaren Brigitte und Gerhard Stamm auf, um die rund 400 Bewohner durch Gottes Wort zu ermutigen. In Niksek lernte Lea schnell eine junge Frau in ihrem Alter kennen und die beiden begannen, sich in der Stammessprache „Pidgin“ auszutauschen. Dilma, die im Dorf aufwuchs, erzählte, dass sie bis zur achten Klasse in einem weit entfernten Dorf flussaufwärts zur Schule ging und sich danach für einen Job bewarb. Dann unterbrach sie ein kleiner Junge, der auf sie zu rannte und „Mama, Susu!“ („Mama, Milch!“) rief. Lea traute ihren Ohren kaum: „Ich war mir sicher, dass es sich um eine Verwechslung handelte, aber sie fing tatsächlich an, das Kind zu stillen.“ Während der Junge trank, fuhr Dilma fort. Sie erzählte, dass sie den Job nicht bekam, weil sie eine Voraussetzung nicht erfüllte: Sie war nicht getauft. Das versetzte der damals 14-Jährigen, die christlich erzogen wurde und seit klein auf Jesus im Herzen trägt, einen schweren Schlag. Sie hatte keine andere Wahl, als nach Niksek zurückzukehren. Dort heiratete sie bald einen Mann aus dem Nachbardorf und bekam mit 15 Jahren ihr erstes Kind. Nun arbeitet sie viel im Garten und zieht die Kinder groß. Natürlich wollte Dilma auch mehr über Lea erfahren und nahm sie mit auf einen Spaziergang. Ihre Kinder blieben währenddessen beim Vater: „Ich war überrascht, dass ihr Mann auf die beiden aufpasste, denn das ist alles andere als selbstverständlich in dieser Kultur“, berichtet Lea.

Die beiden 19-Jährigen gingen einen schmalen Buschpfad entlang, der in das nächste Dorf führt. Dieses liegt jedoch zwei Tagesmärsche entfernt. Lea erzählte von ihrer Familie in Deutschland, ihren Erlebnissen während ihres derzeitigen Einsatzes bei der Liebenzeller Missionarsfamilie Wälde in Wewak und ihren Studienplänen. Dilma war begeistert und sagte, dass sie gerne Sekretärin geworden wäre, nun aber nicht mehr aus dem Busch herauskomme. So wie ihr ginge es vielen jungen Frauen. Dann erreichten die beiden einen Waschplatz am Bach. Dilma zeigte Lea, wie sie ihre Kleider mit Seife bürstet und sie probierten es gemeinsam aus. Als sie fertig waren, kehrten sie ins Dorf zurück, wo einige Frauen gerade in Palmenblätter eingewickeltes Fleisch und Wurzelgemüse in einem glühenden Erdhaufen zubereiteten.

Nach dem Essen fand ein Gottesdienst statt, bei dem Gerhard die Predigt hielt. Dilma und ihr Mann kamen auch hinzu. Lea war überrascht, denn Dilma hatte ihr am Fluss erzählt, dass ihr Mann nur wenig Interesse am christlichen Glauben hat. Später, als sie Dilma darauf ansprach, erklärte diese: „Es hat viel Kraft und Zeit gekostet, ihn zu überreden, dass er mitkommt, aber es ist mir wichtig, dass er mehr über Jesus erfährt und ich bete, dass er ihn eines Tages kennenlernen wird.“ Über so viel Ausdauer und Beherztheit – im Alltag, aber auch in der Beziehung zu Jesus Christus – konnte Lea bei ihrem Besuch nur staunen.

PAPUA-NEUGUINEA. Nach drei Monaten auf hoher See fiel im Sommer 1914 der Anker vor Manus. Die Liebenzeller Missionare Friedrich Doepke und Hermann Kraft waren am Ziel ihrer Reise. Hier also wollten sie das Evangelium verkünden. Viel wussten sie nicht über die mit Urwald bedeckte Vulkaninsel, außer: „Dort herrscht die Menschenfresserei“, wie Friedrich Doepke in seinen Aufzeichnungen festhielt. Vom Hafen aus fuhren sie mit einem Kanu die Küste entlang.

Wo die beiden auch anlegten, signalisierten ihnen die Insulaner, dass sie nicht willkommen waren. Sie fuhren weiter und entdeckten erneut eine günstige Stelle für eine Missionsstation: „Dieser Platz sah genauso aus, wie ich ihn kurz vorher im Traum hatte sehen dürfen“, schrieb Friedrich Doepke. An Land trafen sie auf einige Männer, die mit Speeren bewaffnet waren. Durch Handzeichen versuchten die Missionare, mit ihnen zu kommunizieren. Überraschend bekamen sie das gewünschte Land. Unter neugierigen Blicken machten sich Friedrich Doepke und Hermann Kraft an den Aufbau der Station. Obwohl sie einen schweren Rückschlag durch einen Brand erlebten, waren die Aufbauarbeiten viel einfacher als der innere Aufbau – die Arbeit an den Seelen der Menschen. Nur langsam konnten die Missionare die Sprache der Einheimischen erforschen. Es dauerte lange, bis diese Vertrauen schöpften und ihre Kinder in die Schule der beiden Deutschen schickten. Dafür verlangten die Familien ein Geschenk. So auch, wenn die Missionare Kranke pflegten: Sie forderten eine Entlohnung, selbst wenn ihnen geholfen wurde. „Es brauchte viel Gnade und Liebe“, notierte der Missionar. Auch sie selbst wurden häufig von Malaria und Schwarzfieber heimgesucht. Nach sechs Jahren musste Hermann Kraft die Insel krankheitsbedingt verlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich kein einziger Insulaner für Jesus Christus entschieden.

Zwei Jahre später kam Maria Imberger, die Verlobte Friedrich Doepkes, auf die Insel. Sie heirateten und führten die Missionsarbeit auf Manus gemeinsam fort. Ein weiteres Jahr verging, bis ein lang erhofftes Wunder geschah: Polokes ließ sich als erster Einheimischer taufen. Mit ihm an seiner Seite zog Friedrich Doepke fortan durch den Busch, um auch Menschen in bisher unerreichten Dörfern die gute Botschaft von Jesus Christus zu bringen. Nach und nach entstanden in den Inselbezirken viele Kirchen, und es brauchte weitere Missionare auf Manus.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, verkündeten dort neben Friedrich und Maria Doepke auch die ungarische Missionsschwester Mária Molnár sowie Familie Julius und Leni Gareis das Evangelium. Bald besetzten die Japaner Manus und verbreiteten Angst und Schrecken. Sie ließen die Insulaner Zwangsarbeiten verrichten und beorderten alle anwesenden Liebenzeller Missionare im März 1943 auf das Kriegsschiff „Akikaze“. Dort wurden sie am 17. März mit rund 60 weiteren Europäern erschossen. Der kleine Erich Gareis wurde, wie die anderen Kinder, ins Meer geworfen. Die Wirren des Krieges setzten dem Leben der Missionare ein Ende – nicht aber der Missionsarbeit in Papua-Neuguinea.

Heute, 75 Jahre später, ist die Evangelische Kirche von Manus selbstständig. Auch die 1987 entstandene Bibelschule (BTC) soll im Juni 2018 in die Hände Einheimischer übergehen.

Der Film „Aufbruch ins Unbekannte“ nimmt Sie hinein in die Höhen und Tiefen der Pioniermission in Manus. Und in das Leben von Friedrich Doepke. Bestellen Sie die DVD (Spieldauer: 50 Min.) zum Sonderpreis von 8 € unter Telefon 07052 17-296.

Hintergrundinfos, Trailer und Bestellung: www.aufbruch-ins-unbekannte.de