SAMBIA. Probleme bei der Arbeit möchte niemand und auch Missionare stehen immer wieder vor Herausforderungen, die sie mit viel Einsatz, Kreativität und natürlich Gottes Hilfe rasch zu lösen versuchen. Mit einem „guten“ Problem ist nun Missionarin Margit Schwemmle in Sambia konfrontiert: Im Mai startete der erste zweijährige Bibelkurs für Frauen an der „Evangelical University“ in Ndola. Margit Schwemmle unterrichtet seit 2014 an der Universität und leitet seit Juni 2016 die Studienabteilung. Dazu hatten sich 17 Frauen (14 Ehefrauen, zwei Singles und eine Witwe) angemeldet. Sie kommen aus sieben unterschiedlichen Gemeinderichtungen, haben aber alle das gleiche Anliegen: „Ich will die Bibel besser kennenlernen, damit ich andere Frauen besser helfen kann.“ Das Angebot stößt nun auf so große Nachfrage, dass bereits jetzt Anmeldungen für das nächste Jahr eintreffen. „Aber wir haben nicht genug Klassenzimmer, um alle unterzubringen“, berichtet Margit Schwemmle. Inzwischen liegen nicht nur Material zur Unterrichtsvorbereitung auf ihrem Schreibtisch, sondern auch Baupläne und Kostenvoranschläge für ein neues Gebäude auf dem Universitätsgelände in Ndola. „Wie wir das finanziell schaffen sollen, wissen wir nicht so genau, aber wir vertrauen darauf, dass Gott Möglichkeiten und Platz schafft, damit wir den Frauen einen guten Unterricht anbieten können.“

Erste Studenten aus Deutschland

Dankbar blickt Margit Schwemmle auf die Absolvierungsfeier der Universität zurück. 15 Absolventen sind nun in ganz Sambia unterwegs, manche mit einer festen Anstellung, andere noch auf der Suche nach dem Platz, an dem Gott sie mit dem, was sie gelernt haben, gebrauchen kann und will. In diesen Tagen treffen nun die ersten drei Studenten der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL) ein. Da die „Evangelical University“ inzwischen die volle Akkreditierung als private Universität erhalten hat, ist ein solcher Studentenaustausch möglich. Wann die ersten Studenten aus Sambia nach Deutschland kommen, hängt davon ab, wie viel Deutsch sie lernen. „Einfach wird es nicht, aber einer meiner Studenten will es auf jeden Fall versuchen. In welchen Bereichen wir sonst noch mit der IHL zusammenarbeiten können, muss noch geklärt werden“, sagte Margit Schwemmle.

In Sambia unterrichten Liebenzeller Missionare an verschiedenen theologischen Ausbildungsstätten. Die „Evangelical University“ befindet sich in Ndola im Herzen des „Kupfergürtel“, der Industrieregion des Landes. Sie wird von der evangelischen Allianz getragen. Die 70 Studenten kommen aus verschiedenen Gemeindeverbänden und können vier verschiedene Abschlüsse erwerben. Durch das an die Schule angegliederte Studentenwohnheim haben die Mitarbeiter viel persönlichen Kontakt zu den Studierenden.

SAMBIA. Sauberes Trinkwasser ist in vielen Ländern ein rares Gut, gerade in afrikanischen Staaten wie Sambia. Deshalb versorgt die Liebenzeller Mission unter anderem in Mushili die Menschen durch einen Brunnen mit dem lebensnotwendigen Nass. Auch der deutsche Staat schätzt den Einsatz der Missionare. Die deutsche Botschaft hat nun für eine solarbetriebene Pumpe rund 4.000 Euro gespendet, worüber sich Missionar Benjamin Wagner sehr freut. Damit werde man unabhängig von den Stromausfällen, die in dem afrikanischen Land öfter auftreten. Außerdem spare man Stromkosten ein. Die Pumpe demonstriere auch den Bauern, wie sie unabhängiger vom unsicheren und teuren Stromanbieter werden können. Sie gewährleistet, dass Wasser immer zur Verfügung steht. Mit dem rund 80 Meter tiefen Bohrloch werden zurzeit rund 5.000 Liter Wasser gefördert. Davon profitieren neben den Missionaren und den einheimischen Mitarbeitern mit deren Familien auch die Sambier in der Umgebung des Projektgeländes in Mushili. „Ich schätze, dass jeden Tag rund 30 Menschen zum Wasser holen kommen.“

Deutscher Staat unterstützt Projekte, die allen Sambiern zugutekommen

Benjamin Wagner hatte erfahren, dass die Deutsche Botschaft Projekte von gemeinnützigen Organisationen mit Geldern unterstützt, die direkt den Menschen vor Ort zugutekommen. „Wir freuen uns sehr, dass wir bedacht wurden und dass der deutsche Staat solche Projekte fördert, denn diese Wasserpumpe hilft uns und den Menschen vor Ort enorm.“

Die Liebenzeller Mission arbeitet seit 1985 in Sambia, unter anderem in Mushili, einer Stadtrandsiedlung von Ndola mitten im „Kupfergürtel“ Sambias. Dort leben rund 80.000 Menschen in sehr einfachen Verhältnissen. In Zusammenarbeit mit der Partnerkirche entstand dort 2003 das Projekt „Dawn Trust Community Care (DTCC)“. Ein Schwerpunkt ist die Ausbildung in alternativem Feldbau – „Farming God’s Way“. Die Kleinbauern lernen auf Musterfeldern, wie sie durch die Verwendung von Kompost und Mulchen den Ertrag ihrer Felder steigern und ihre Familie besser ernähren können. Auch einige Heilpflanzen werden hier angebaut. Gleichzeitig werden biblische Prinzipien gelehrt – zum Beispiel der Wert der Treue. Wer treu den Acker anbaut und pflegt, erzielt auch eine größere Ernte. So konnten die Bauern, die sich an dem landwirtschaftlichen Projekt beteiligen, ihre Erträge um bis zu 50 Prozent steigern.

SAMBIA. Seit drei Jahren bilden die Liebenzeller Missionare Cornelia und Dr. (UNIMW) Reinhard Frey Pastoren und Gemeindemitarbeiter rund um Ndola aus. Zuvor war Reinhard als Pastor beim Liebenzeller Gemeinschaftsverband (LGV) tätig. Noch bis Ende August sind die beiden im Heimataufenthalt, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben sie getroffen und ihnen drei Fragen gestellt.

Reinhard, du reist immer mal wieder gemeinsam mit Mitarbeitern der sambischen Kirche zu Einsätzen in den Kongo, um dort Pastoren und Gemeindeleiter zu schulen. Ist das für die sambische Kirche ein erster Schritt hin in Richtung Weltmission?

Ja, der Gemeindeverband schaut zunehmend über den Tellerrand hinaus und der Missionsgedanke entwickelt sich. Bisher sind auch schon einige gute Kontakte entstanden. Vor allem in den oberen Gremien stoßen wir auf Akzeptanz. Nun ist es uns wichtig, die lokalen Kirchen mehr in die Arbeit mit reinzunehmen. Wir erzählen in verschiedenen Kirchen von unseren Seminaren und freuen uns, dass einige Gemeinden bereit sind, Geld und Naturalien für die Schulungseinsätze im Kongo zu spenden. Diese Arbeit ist natürlich spannend, denn plötzlich stehen sie vor ähnlichen Herausforderungen wie wir deutschen Missionare in Sambia: Sie verstehen die Sprache nicht und müssen lernen, wie sie mit den Bitten um Geld und Unterstützung seitens der Kongolesen umgehen.

Von 1986-2002 habt ihr schon einmal einen Missionseinsatz in Sambia absolviert. Jetzt, da ihr zum zweiten Mal da seid: Was hat sich im Land verändert?

Äußerlich hat sich sehr viel verändert. Das Land und die Menschen wirken sehr modern. Viele laufen mit ihrem Smartphone durch die Straßen. Es gibt mehr Autos, neue Gebäude und große Supermärkte, in denen es sogar Dr. Oetker Tiefkühlpizza oder Haribo-Tüten zu kaufen gibt. Doch der Schein trügt, denn die Verwurzelung im traditionellen Denken der Menschen hat sich nicht in dem Maße verändert. Entscheidungen werden weiterhin von den Älteren der Gesellschaft gefällt, die sehr auf die Einhaltung von Tabus und Werten achten – ganz gleich, ob in der Stadt oder auf dem Land. Ein Umdenken gibt es bei der jüngeren Generation. Das Wort Gottes muss vor allem zu dieser durchdringen, damit langfristige Veränderung stattfinden kann.

Was sind eure Wünsche für Sambia?

Wir wünschen uns für die Menschen in Sambia echte Lebensveränderung. Und diese ist eben nicht nur durch die äußeren Umstände möglich, sondern allein durch Jesus, der neues Leben schenkt. Außerdem wünschen wir uns für unser Team in Sambia noch mehr junge Theologen, die die Arbeit von uns Älteren weiterführen. Es ist wichtig, den neuen Missionaren genügend Zeit zu geben, sich in die Denkweise der Einheimischen hineinzufinden, um effektiv arbeiten zu können.

Seit 2010 leben und arbeiten Frank und Julia Wittmann in Sambia. Frank ist der Verwaltungsleiter an der Amano-Schule und unterrichtet genauso wie seine Frau Julia. Sie begleitet außerdem Kurzzeitmitarbeiter und hilft beim Schuleinkauf. Vor ihrer Zeit in Sambia waren sie mit Christliche Fachkräfte International in Sierra Leone. In den nächsten Wochen sind Frank und Julia in Deutschland unterwegs, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben ihnen einige kurze Fragen gestellt.

Wenn ihr an Heimat denkt: Kommt euch Afrika oder Deutschland in den Sinn?

Ganz klar Afrika. Dort sind wir zu Hause. Wir haben auch keinen festen Wohnsitz in Deutschland, sondern sind dann immer nur bei Verwandten oder Freunden zu Besuch.

Was ist das Besondere an der Amano-Schule?

Der vielfältige Mix an sozialen Hintergründen der Kinder ist schon besonders. Genauso wie die Mischung an Mitarbeitern aus vielen Ländern. Insgesamt leben und lernen an der Amano-Schule Menschen aus 30 verschiedenen Nationen zusammen. Die Schule mit diesem hohen Bildungsniveau in einem Land wie Sambia am Laufen halten zu können, ist für mich manchmal ein Wunder. Aber uns geht es um mehr als um gute Schulbildung. Uns geht es vor allem darum, Kinder mit Jesus bekannt zu machen. Das wollen wir uns bewahren.

Welches Erlebnis mit einem Schüler oder einer Schülerin hat euch in den letzten Monaten besonders bewegt?

Ich denke an einen Schüler, bei dem es Schwierigkeiten gab. Wir mussten ihn vorübergehend suspendieren. Ich konnte zwar gut mit dem Schüler reden und wir wollten ihm unbedingt eine zweite Chance geben. Aber er sagte: „Ich komme nicht mehr zurück.“ Er hatte einfach Angst, sein Gesicht zu verlieren. Ich sagte ihm, dass es echte Größe ist, wenn er zu seinen Fehlern stehen würde und wieder kommt. Jetzt habe ich gehört, dass er tatsächlich wieder an der Schule ist. Er hat seinen Stolz überwunden und macht weiter. Das war für mich ein sehr schönes Erlebnis, auch wenn es mit einer Suspendierung begonnen hatte.

Ihr ward in Sierra Leone und seid jetzt in Sambia: Wie unterscheiden sich die beiden Länder?

Sambia ist viel größer und vom Klima viel angenehmer. Aber vor allem ist das Land nicht so gebeutelt. Sierra Leone ist ein gebeuteltes Land. Dort waren Bürgerkrieg und Verstümmelungen jahrelang an der Tagesordnung. Es ist eine traumatisierte Nation. Es gibt niemanden im Land, der nicht etwas Schlimmes erlebt hat. Sambia ist dagegen ein sehr friedliches und friedliebendes Land. Gastfreundlich sind die Menschen in beiden Ländern. Aber durch den unterschiedlichen Hintergrund äußert sich das dann natürlich auch auf unterschiedliche Weise.

Was braucht Sambia aus eurer Sicht am meisten?

Auf dem Papier nennt sich Sambia eine christliche Nation. Aber der Animismus, also der Glaube an Ahnen und Geister, ist selbst unter Christen weit verbreitet. Auch in den Kirchen wird das immer wieder vermischt. Viele Menschen leben in ständiger Angst vor Zauberei und Geistern. Wir wünschen uns, dass noch mehr Menschen Jesus als den starken und mächtigen Heiland kennenlernen. Wer erfährt, dass man in Jesus alles hat, erlebt auch, dass andere Mächte keine Wirkung mehr haben.

SAMBIA. Für Amano-Schüler, die im Internat leben, werden regelmäßig zwei Jugendgruppen angeboten. Dort können die Schüler von Jesus hören und miteinander ins Gespräch kommen. Für Tagesschüler gab es bisher keine Gruppe. Doch haben gerade diese oft keine Chance, neben den Andachten in der Schule mehr über Jesus zu erfahren. Denn viele von ihnen stammen aus nichtchristlichen Elternhäusern. So auch die Inderin Muskan, die sich durch eine Andacht für ein Leben mit Jesus entschied, doch von ihren Eltern verboten bekam, in die Kirche zu gehen oder an christlichen Programmen teilzunehmen.

Auch die im Januar gegründete Jugendgruppe für Tagesschüler darf die 13-Jährige bislang nicht besuchen. Diese findet montags nach der Schule statt und wird von der Liebenzeller Missionarin Katja Bachmann und ihrem amerikanischen Kollegen Jarrett Furnish geleitet. Neben einigen Spielen wird in der Jugendgruppe auf biblische Themen gehört und sich anschließend darüber ausgetauscht. Das Angebot komme gut an: „Von Beginn an hatten wir guten Zulauf. Mittlerweile hat sich eine feste Gruppe von 12-18 Schülern etabliert“, freut sich Katja. Ihr und Jarrett fiel jedoch rasch auf, dass sich die Jugendlichen in der Großgruppe nur langsam öffneten. Daher machten sie den Teilnehmern das zusätzliche Angebot einer Jüngerschaftsbegleitung, um im Glauben tiefer zu gehen und persönliche Fragen zu klären, für die in der Jugendgruppe kein Platz ist. Prompt zeigte eine sambische Schülerin Interesse. Doch wollte sie zu den Einzeltreffen noch jemanden mitbringen: Muskan, ihre indische Freundin. So konnte auch diese – ohne dass ihre Eltern davon mitbekamen – über ihren Glauben reden.

Seither treffen sie sich zu dritt einmal wöchentlich in der großen Pause. „Ich spürte schnell, dass sich die Mädchen nicht mit mir treffen wollten, weil es vielleicht cool sein könnte, Zeit mit einer Erwachsenen zu verbringen. Im Gegenteil. Sie haben beide schon eine Beziehung zu Jesus und möchten sie vertiefen“, schildert Katja. Obwohl Muskan sehr ruhig und schüchtern sei, stellt sie mutige und unverblümte Fragen, wie etwa: „Ist es denn schlecht, wenn man als Christ nicht in die Kirche geht? Meine Eltern gehen nicht und ich darf nicht. Was mache ich denn da?“ oder „Wie soll ich mit jemandem umgehen, der sagt, dass er Jesus lieb hat, aber nicht nett zu anderen Kindern ist und diese sogar mobbt?“ Katja freut sich über die ehrlichen Gedanken, die Leidenschaft der beiden Achtklässlerinnen für den christlichen Glauben und darüber, sie weiterhin begleiten zu dürfen. Auch wünscht sie sich für Muskan, dass sie fest in Jesus verankert bleibt und ihren Eltern von seiner Wahrheit weitersagen kann.

SAMBIA. Gemeindeleiter schulen und in verschiedenen Gemeinden mitarbeiten: Dafür schlägt das Herz der Liebenzeller Missionare Britta und Hans-Peter Hertler. Seit sieben Jahren leben sie im Norden des Landes und sind seit 2015 rund um die Großstadt Kasama im Einsatz. Gemeinsam mit ihren drei Kindern sind sie derzeit in Deutschland, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben Hans-Peter drei Fragen gestellt.

Wie kommen eure Kinder mit dem Wechsel von Sambia nach Deutschland zurecht?

Zunächst war ihre Freude riesig, nach Deutschland zu kommen. Sie freuten sich auf unsere Familie, deutsche Brezeln und vieles mehr. Aber jetzt, da wir seit einigen Wochen hier sind, merken unsere Kinder, dass Sambia ihr Zuhause ist. Trotzdem fanden sie alle schnell Anschluss im Kindergarten oder in der Schule und auch in der Gemeinde. Nach drei Wochen sagte unser Sohn Noah zu Britta: „Es ist unglaublich, wie viele sich bemühen, mir etwas Gutes zu tun.“ In Kasama erleben wir das oft anders. Dort müssen Kinder ruhig sein und dürfen nicht auffallen. Noahs Klassenkameraden werden zum Beispiel mit Smartphones oder Tablets ruhiggestellt. Ihre Eltern, die meist zur Oberschicht gehören, gehen oft beide arbeiten. Also kümmert sich ein Kindermädchen oder ein älteres Geschwisterkind um die Kleineren – beziehungsweise schaltet das Fernsehen an. Obwohl unsere Kinder Kasama vermissen, sehen sie auch, was Deutschland alles zu bieten hat. Es ist ein komisches „Dazwischensein“.

Welche Herausforderungen erlebt ihr in der Missionsarbeit rund um Kasama?

Die größte Herausforderung ist es, nachhaltige Veränderung zu erreichen. Obwohl die Liebenzeller Mission seit über 30 Jahren von Kasama aus im Norden des Landes arbeitet, habe ich oft den Eindruck, dass wir noch Grundlagenarbeit leisten müssen. Viele Menschen werden geprägt und leben ihren Glauben leidenschaftlich, doch ist es weiterhin eine große Herausforderung, dass es zu dauerhaften Veränderungen kommt. Nichtsdestotrotz bereitet es mir viel Freude, Kontakte zu Einheimischen aufzubauen, und sie in ihrem Glauben und im Alltag zu unterstützen. Stelle ich bei Einzelnen dann eine positive Veränderung fest, ist es mir ein großes Anliegen, ihnen den Rücken zu stärken. Denn viele von ihnen schwimmen in ihrem oft nichtchristlichen Umfeld gegen den Strom und sind froh über jeden, der an ihrer Seite steht. Das Zeugnis dieser sambischen Christen ist dann für ihre Mitmenschen meist viel eindrücklicher und wertvoller, weil es ihnen kein Ausländer, sondern einer von ihnen bringt.

Gibt es ein Erlebnis mit Einheimischen, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Kurz vor unserer Reise nach Deutschland haben wir unser Haus gesäubert. Dabei brachte ich einige Abfälle zu den Mülltonnen am Marktplatz. Als ich die Müllbeutel gerade in den Container werfen wollte, schaute mich ein alter Mann an, der in der Tonne saß und sich vom Abfall ernährte. Mir ist die Armut und die Not der Menschen in Sambia zwar bewusst, und ich verschließe meine Augen nicht davor, sondern versuche den Menschen in meinem Umfeld langfristig zu helfen, aber dieses Bild der äußeren Not – das auch auf eine innere Not hinweist – hat mich wie ein Faustschlag getroffen. Wir als Christen haben einen doppelten Auftrag, diesen Menschen zu helfen.

SAMBIA. Es herrscht Regenzeit im Land. Gerade im Norden regnet es von Oktober bis April viel und heftig. So auch an jenem Samstag, an dem die Liebenzeller Missionare Carmen und Manuel Sept gemeinsam mit ihrer sambischen Gastgeberfamilie im Haus saßen. Sie beteten für besseres Wetter, denn Manuel und der Gemeindeälteste Mulenga wollten am nächsten Tag eine 30 Kilometer entfernte Gemeinde besuchen. Da nur eine schlechte Straße dorthin führte, entschlossen sich die beiden, mit dem Fahrrad zu fahren.

Am nächsten Morgen gab es Grund zur Freude: “Wir baten Gott um gutes Wetter und er schenkte es. Kein Tropfen kam vom Himmel herab und die Sonne schien”, berichtet Manuel. Und so ging es für ihn und Mulenga drei Stunden über Stock und Stein durch die sambische Buschlandschaft. Als die beiden das kleine Dorf erreichten, wurden sie von den Bewohnern freudig empfangen. Bald darauf begann der Gottesdienst, bei dem Mulenga eine Bibelarbeit hielt und Manuel predigte. Rund 60 Kinder und Erwachsene kamen und hörten aufmerksam zu. Manuel war begeistert: “Obwohl die Dorfbewohner abgeschirmt von der Zivilisation in kleinen Lehmhütten ohne Strom und fließendes Wasser leben, ist es vielen wichtig, ihren Alltag mit Jesus zu leben.”

Im Anschluss an den Gottesdienst besuchten die beiden ein junges Ehepaar im Dorf. Justin, ein 30-Jähriger Sambier, erlitt vor kurzem einen schweren Schlaganfall. “Da er seither weder laufen noch eigenständig sitzen kann, liegt er die meiste Zeit im Bett”, schildert Manuel. Dennoch lächelte er, denn er freute sich über den Besuch der beiden Männer und ihre ermutigenden Worte. Sie überreichten Justin eine Hörbibel auf einem solarbetriebenen MP3-Player und beteten für ihn und seine Frau. Dann brachen sie wieder auf, um vor Sonnenuntergang zurück in Mpika zu sein. Nach ihrer Rückkehr waren sich Manuel und Mulenga sicher: “Wir werden weitere abgelegene Dörfer besuchen, um noch mehr Menschen durch Gottes Wort zu ermutigen. In wenigen Tagen machen wir uns wieder mit dem Rad auf den Weg.”

SAMBIA. Sogenannte „Callboys“ sind Männer, die an Straßenecken stehen und die Werbetrommel für Minibusse rühren. Schreiend geben sie Fahrtrichtungen an und werben um Mitfahrer. In der Gesellschaft haben sie einen schlechten Ruf: Als „böse Jungs“ und „Trunkenbolde“ werden sie von vielen Sambiern bezeichnet. Das wenige Geld, das sie verdienen, fließt oft direkt in Alkohol. Bereits tagsüber ist ein Großteil der Männer betrunken und fällt durch negatives Verhalten auf.

„Als Jesus auf der Erde lebte, hat er sich um ‚Sünder und Zöllner‘ vornehmlich gekümmert – diejenigen Typen, mit denen eigentlich niemand zu tun haben will“, sagt der Liebenzeller Missionar Benjamin Wagner, der seit Juli das sozial-missionarische Projekt „Dawn Trust Community Care“ (DTCC) verantwortet. Er und sein Team sehen die Not bei den vielen jungen Männern, die von der Straße kommen und in das Minibusgeschäft hineinrutschen. Die Dawn-Trust-Mitarbeiter verstehen es als ihren Auftrag, den „Minibus-Callboys“ die gute Nachricht von der Liebe Gottes weiterzugeben. „Alle zwei Monate laden wir die Männer zu uns auf das Gelände ein, wo zunächst Fußball gespielt wird. Danach sitzen wir zusammen in der Grasdachhalle und ein Mitarbeiter oder eingeladener Redner teilt mit ihnen das Evangelium“, erzählt Benjamin. Zuletzt ging es um Matthäus 24. Sepiso, der Vorsitzende von DTCC, forderte die 30 Männer heraus: „Wenn Jesus wiederkommt, wird er euch entweder erkennen – oder auch nicht, weil ihr keine Entscheidung für ihn getroffen habt.“ Wie dies geschehen kann, erklärte er den jungen Männern eindrücklich. Ein anschließendes Mittagessen rundet die Vormittage ab und bietet Raum für Gespräche. „Es ist gut, Zeit mit den Männern zu verbringen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie angenommen sind“, sagt Benjamin.

An Weihnachten haben er und seine Frau Debora den Männern Bananen gebracht. Das Ehepaar nutzte diese Begegnung, um den Männern zu erklären, was Weihnachten bedeutet, und mit ihnen zu beten. Obwohl viele Männer freudig nach der nächsten Einladung fragten und kleine Veränderungen sichtbar werden, trugen einige wieder Alkohol bei sich. „Es ist schwer für sie, ihr Leben umzukrempeln. Das kann nur Gott bewirken. Wir beten, dass er an ihnen arbeitet und sie verändert.“

SAMBIA. Acht Jahren lebten Sabine und Johannes Schaber mit ihren drei Kindern in Fiwale, südlich der Großstadt Ndola. Dort bildeten sie an der Bibelschule „Fiwale Hill“ Pastoren aus. Zuvor waren sie vier Jahre in der Gemeinde-, Bibel- und Jugendarbeit in Papua-Neuguinea tätig. Seit April ist die Familie im Heimataufenthalt und berichtet von ihrer Arbeit. Wir haben Johannes drei Fragen gestellt:

Du hast viele Jahre an der Bibelschule unterrichtet. Was meinst du, warum ist die theologische Ausbildung für Menschen in Sambia so wichtig?

Da die Gemeinde in Sambia wächst und viele Menschen zur Kirche gehen, braucht es ausgebildete Pastoren und Ehrenamtliche, die mitarbeiten. Unser Gemeindeverband hat beispielsweise rund 160 Gemeinden und nur ein Drittel verfügt über einen eigenen Pastor. Hinzu kommen theologische Herausforderungen. Viele aktive Sekten wie etwa die Zeugen Jehovas werben um Mitglieder. Auch selbsternannte Propheten versprechen den Menschen Reichtum und Glück, dabei sind es häufig nur sie selbst, die reich werden. Ich denke, das biblische Gebot in 2. Timotheus 2,2: „Gib die Botschaft, die du von mir gehört hast und deren Wahrheit dir von vielen Zeugen bestätigt wurde, an vertrauenswürdige und zuverlässige Menschen weiter, die ebenfalls fähig sind, andere zu lehren“ ist ein wichtiger und nie endender Auftrag an uns, Mitarbeiter zu schulen. Es braucht vor allem afrikanische Christen, die die Bibel so auslegen, dass sie im afrikanischen Kontext Sinn macht.

Wie wird es mit der Bibelschule weitergehen?

Die Bibelschule wird fortgeführt. Ziel ist es, dass sie verstärkt in die Hände Einheimischer übergeht und diese selbstständig Verantwortung übernehmen. Es ist jedoch schwierig, geeignetes Personal für die Schule zu finden, da viele Menschen nicht aufs Land nach Fiwale ziehen möchten. Gleichzeitig ist es sehr wichtig, dass die einheimischen Lehrer bald Verstärkung bekommen und ein neuer Bibelschulleiter gefunden wird.

Was sind deine Wünsche für Sambia?

Das Land verfügt im Vergleich zu europäischen Ländern über weniger Ressourcen und medizinische Möglichkeiten. Doch gerade deshalb erlebe ich bei Sambiern häufig ein starkes, nahezu kindliches Gottvertrauen. Beispielsweise betete ein Ehepaar viele Jahre für ein eigenes Kind. Nach 13 Jahren schenkte Gott ihnen tatsächlich eine Tochter. Ich wünsche mir für Sambia, dass dieses Vertrauen nicht nachlässt und viele Menschen weiterhin offen für das Evangelium bleiben. Auch ist es mein Wunsch, dass die politische und wirtschaftliche Situation des Landes stabil bleibt und vorhandene Ressourcen so genutzt werden, dass das Land vorwärts gebracht wird.

SAMBIA. „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“ – das besagt ein afrikanisches Sprichwort. Doch was, wenn ein Kind in Ndola, der drittgrößten Stadt Sambias, aufwächst und seine Eltern es sich selbst überlassen oder versterben? „Ohne eine Familie sind Kinder in Afrika arm dran – sie sind auf familiären Zusammenhalt angewiesen“, sagt die LM-Missionarin Cornelia Frey. In Ndola gibt es viele Waisenhäuser, in die Jugendamt und Polizei nicht nur Vollwaisen vermitteln, sondern auch Kinder, deren Mütter in der Psychiatrie sind oder sich nicht mehr um sie kümmern können. „Wir möchten diesen Kindern das Gefühl geben, dass es Menschen gibt, denen sie nicht egal sind, und ihnen vor allem zeigen, dass sie von Gott gewollt und geliebt sind“, sagt Cornelia. Als es in der Frauenstunde von Dawn Trust kürzlich um das Thema ging, sich um andere zu sorgen, beschlossen Cornelia und die anderen Frauen, dies praktisch umzusetzen und verwaiste und verstoßene Kinder zu besuchen: „Wir haben uns für ein kleines Waisenhaus entschieden, das nur wenig Unterstützung bekommt“, erzählt die Missionarin. Zu zwölft machten sich die Frauen mit ein paar Geschenken auf den Weg. Als sie ankamen, sei die Freude bei den Kindern und Betreuern groß gewesen. Es wurden Lieder gesungen und Nancy, eine Mitarbeiterin der Frauengruppe, erzählte den zehn Kindern vom Richter Jephthah aus der Bibel. Dieser sei zwar von seinen Brüdern verstoßen worden, doch Gott sorgte für ihn. Durch diese Geschichte machte sie den Kindern Mut, dass Gott auch sie nicht vergisst. Neben den Kindern wurden auch die Betreuerinnen bedacht: „ Wir ermutigten sie, sich auf Gott zu verlassen, der auch für sie sorgt und ihnen durch seinen Heiligen Geist täglich neue Kraft, Weisheit und Liebe für die Kinder schenken kann“, sagt Cornelia. Dass das nicht ihr letzter Besuch im Waisenhaus war, da ist sich die Frauengruppe sicher.