BAD LIEBENZELL. Es ist eine lange Reise, die der grüne Container nun vor sich hat. Am 15. April verließ er Bad Liebenzell im Nordschwarzwald. „Ende Mai, Anfang Juni wird er dann in Musenga in Sambia ankommen“, erzählt Projektkoordinatorin Bettina Heckh. Die Hilfsgüter würden in Sambia schon sehnlichst erwartet.

Randvoll wurde der Container beladen, jeder Winkel ausgenutzt. 10 Tonnen wog er beim Abtransport. Von der Hilfsbereitschaft der Menschen in Deutschland ist Bettina Heckh ganz angetan. „Es hätten uns noch mehr Menschen Hilfsgüter gespendet, aber es war einfach kein Platz mehr im Container.“ Kistenweise bekam Bettina Heckh Sport-Trikots, Fußbälle, Schuhe und Nähmaschinen geschickt. „Die Leute haben die Dinge gerne abgegeben, um den Menschen in Sambia zu helfen“, sagt Bettina Heckh. Profitieren werden davon die Menschen in Mushili, einem der ärmsten Stadtteile von ganz Sambia. Dort bieten Liebenzeller Missionare ganzheitliche Hilfe an – unter anderem mit einem Sportprogramm. Die Schuhe, Trikots und Bälle sind bei den Jugendlichen natürlich begehrt. Erst kürzlich konnte durch die Unterstützung aus Deutschland ein Basketball-Feld gebaut werden. Das erste im Stadtteil mit 60.000 Einwohnern.

Der eigentliche Grund für den Container ist aber ein Generator. „Er nimmt auch den meisten Platz ein“, sagt Bettina Heckh. Dringend gebraucht wird der Generator an der Amano-Schule. Dort leben und lernen 140 Schüler aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten zusammen – Kinder von Missionaren und sambischen Geschäftsleuten genauso wie benachteiligte Kinder, deren Freiplätze über Schulgelder und Patenschaften finanziert werden. Der alte Generator ging kaputt, nun braucht es einen Ersatz. „Zwar gewinnen wir einen Großteil des Energiebedarfs für die Amano-Schule aus Solarstrom, aber ganz ohne Generator geht es nicht. Und einen guten Generator in Afrika aufzutreiben, ist sehr schwierig.“ Da sei dann die Idee geboren worden, in den Container einige Materialien zu packen, die den Menschen in Sambia helfen. Schulhefte wurde genauso mitgeschickt wie IT-Equipment. Auch das ist in guter Qualität in Sambia schwer zu beschaffen.

Die Reise führt den Container nun über Hamburg mit dem Schiff nach Walvis Bay in Namibia, bevor er auf dem Landweg seinen Bestimmungsort erreichen soll.

Sie kennt Afrika durch und durch: Seit mehr als 20 Jahren lebt und arbeitet Margit Schwemmle auf dem afrikanischen Kontinent. Zwölf Jahre lang war sie Missionarin in Malawi, brachte Frauen das Lesen und Schreiben bei und gab ihnen die Gute Nachricht von Jesus weiter. Seit 2012 ist sie in Sambia – zunächst im abgelegenen Luangwa-Tal und anschließend als Dozentin an der Evangelical University in Ndola. Dort ist sie mittlerweile Studienleiterin. In den nächsten Wochen ist sie in Deutschland und berichtet von ihrer Arbeit in Sambia. Wir haben ihr einige Fragen gestellt.

Für afrikanische Verhältnisse ist es ungewöhnlich, dass eine Frau so eine hohe Stelle hat wie du als Studienleiterin. Wirst du dafür in Sambia eher bewundert oder belächelt?
Es gibt unterschiedliche Reaktionen. Die meisten Studenten und Mitarbeiter finden es gut und schätzen meine Arbeit. Aber es gibt schon auch Einzelne, die Probleme damit haben, weil es nicht in ihr Bild passt, dass eine Frau so eine Position innehat.

Was überrascht dich an deinen Studenten immer wieder?
Ihre Hingabe und ihr Eifer beim Studieren. Die meisten haben einen klaren Fokus und eine deutliche Berufung. Das ist stark!

Die Evangelical University ist seit einiger Zeit Partner-Uni der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL). Drei deutsche Studenten haben schon ein Auslandssemester in Sambia gemacht. Wann kommen die ersten sambischen Studierenden nach Deutschland?
Dass deutsche Studenten zu uns nach Sambia kommen, ist eine Bereicherung. Damit es andersherum funktioniert, braucht es komplette Kurse auf Englisch an der IHL. Sobald genügend Kurse in Englisch angeboten werden, hoffe ich, dass wir sambische Studenten nach Liebenzell schicken können. Denkbar ist natürlich auch, dass Dozenten aus Sambia als Gast-Dozenten an der IHL lehren.

Du bist seit 1998 in Afrika als Missionarin im Einsatz. Wie lebt es sich als Deutsche in Afrika?
Das kommt darauf an, wo in Afrika man ist. Viele Jahre lang lebte ich im Dorf. Dort gibt es schon einige Einschränkungen im Lebensstandard und man wird viel stärker als Ausländer wahrgenommen. Je länger man aber im Land lebt und sich mit der Kultur auseinandersetzt, umso mehr wird man akzeptiert.
Seit 2014 lebe ich in der Stadt. Dort falle ich weniger auf. Und ich habe viel mehr mit Menschen zu tun, die eine gute Bildung haben und für die es normaler ist, mit Ausländern zu tun zu haben.

SAMBIA. Mit einem Besuch beim Projekt „Mushili – Hilfe zum Leben“ würdigte die deutsche Konsulin in Sambia, Ursula Paltzer (Lusaka), die Arbeit der Liebenzeller Mission in dem afrikanischen Land. Dabei überreichte sie in Mushili ein Schild für die von der deutschen Botschaft mit 4.000 Euro finanzierte Solarpumpe. Auf dem Pumpenhäuschen wird nun auf die „German cooperation – Deutsche Zusammenarbeit“ verwiesen. Mit der solarbetriebenen Pumpe sei man nun unabhängig von den Stromausfällen, die in dem afrikanischen Land öfter auftreten, sagte Missionar Benjamin Wagner. Außerdem spare man Stromkosten ein. Mit dem rund 70 Meter tiefen Bohrloch werden zurzeit wöchentlich rund 5.000 Liter Wasser gefördert. Davon profitieren neben den Missionaren und den einheimischen Mitarbeitern mit deren Familien auch die Sambier in der Umgebung des Projektgeländes in Mushili.

Behördenvertreterin ermutigt zu weiteren Projekten

„Die Konsulin war sehr angetan von unserem Projekt, vor allem auch von unserer Bibliothek, da sie selbst gerne liest“, sagte Benjamin Wagner. Er hatte erfahren, dass die Deutsche Botschaft Projekte von gemeinnützigen Organisationen mit Geldern unterstützt, die direkt den Menschen vor Ort zugutekommen. Ursula Paltzer ermutigte die Verantwortlichen, für das kommende Jahr wieder Geld für einen gemeinnützigen Zweck zu beantragen.

Die Liebenzeller Mission gründete 2003 in Zusammenarbeit mit ihrer Partnerkirche das Projekt „Mushili – Hilfe zum Leben“. In der Stadtrandsiedlung von Ndola, mitten im „Kupfergürtel“ Sambias, leben rund 80.000 Menschen in sehr einfachen Verhältnissen. Ein Schwerpunkt bildet dabei die Ausbildung in alternativem Feldbau – „Farming God’s Way“. Die Kleinbauern lernen auf Musterfeldern, wie sie durch die Verwendung von Kompost und Mulchen den Ertrag ihrer Felder steigern und ihre Familie besser ernähren können. Gleichzeitig werden biblische Prinzipien gelehrt – zum Beispiel der Wert der Treue. Wer treu den Acker anbaut und pflegt, erzielt auch eine größere Ernte. So konnten die Bauern, die sich an dem landwirtschaftlichen Projekt beteiligen, ihre Erträge um bis zu 50 Prozent steigern. Die Liebenzeller Mission arbeitet seit 1985 in Sambia.

BAD LIEBENZELL / SAMBIA. Wir schicken bald einen Container mit technischem Material und Hilfsgütern nach Sambia.
Für das Sportprogramm unseres Projekts „Mushili – Hilfe zum Leben“ suchen wir noch …

BAD LIEBENZELL. Zum zwölften Mal hat die Liebenzeller Mission die Initiative „Weltweit Hoffnung schenken“ gestartet. Mit der Aktion sollen Menschen in aller Welt neue Hoffnung schöpfen. Im Blick sind besonders Menschen aus Regionen, die nicht im Fokus der Weltöffentlichkeit stehen und keine Lobby haben. Dieses Jahr steht das afrikanische Sambia im Zentrum der Initiative.

Sambia ist ein Land mit vielen jungen Menschen und großem Potenzial. Doch die hohe HIV-Rate, schlechte Bildung und Missernten machen den Menschen das Leben schwer. Ziel der Projekte der Liebenzeller Mission ist es, Menschen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. In einer Stadtrandsiedlung der Großstadt Ndola begleiten Mitarbeiter Aidsbetroffene und bieten seelsorgerliche Hilfe an. Es gibt Sportturniere für Kinder, Hausaufgabenbetreuung und eine Bücherei mit Plätzen zum Lernen. Kleinbauern bekommen praktische Tipps, wie sie ihre Erträge auf natürliche Art steigern können – zum Beispiel indem sie Kompost verwenden und den Boden feucht halten.

An einer internationalen Schule leben und lernen Kinder aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten gemeinsam. Kinder aus armen Familien und Waisen erhalten Freiplätze, die über die Schulgebühren der reicheren Kinder und durch Patenschaften finanziert werden. Hier erhalten sie eine Schulbildung auf hohem, internationalen Niveau und mit christlichen Werten. „Wir wünschen uns, dass die Schüler zu Hoffnungsträgern werden und ihr Land in den nächsten Jahren prägen und voranbringen“, sagt Projektkoordinatorin Bettina Heckh.

„In Sambia engagiert sich die Liebenzeller Mission seit mehr als 30 Jahren. Eine langfristige Zusammenarbeit mit unseren Partnern vor Ort ist uns wichtig. Nur so wird eine nachhaltige Hilfe möglich“, erklärt Bettina Heckh, die selbst mehrere Jahre in Sambia im Einsatz war.

Unterstützen kann man die Aktion nicht nur mit einer Spende, sondern auch mit aktiver Mitarbeit, sagt Bettina Heckh: „Die Initiative ereignet sich gut als Projekt für einen Weihnachtsmarkt oder als Spendenprojekt für eine Betriebsfeier“. Für Kinder hat sich die Projektkoordinatorin eine besondere Aktion ausgedacht. Kinder in Deutschland können Schulhefte gestalten und damit Kindern in Sambia eine Freude machen. „Viele Eltern in Sambia können ihre Kinder nicht oder nur unzureichend mit Schulmaterial ausstatten. Da ist die Freude natürlich groß, wenn die Kinder Schulhefte geschenkt bekommen – erst recht, wenn sie schön verziert oder mit einem Hefteinband gestaltet sind“, so Bettina Heckh. Die Hefte werden in der Zentrale der Liebenzeller Mission gesammelt und dann nach Sambia gebracht.

Weitere Informationen zu den Projekten und ein Projektvideo gibt es im Internet unter
www.weltweit-hoffnung-schenken.de oder direkt bei Bettina Heckh unter Telefon 07052 17-128 oder E-Mail gro.l1558458241lezne1558458241beil@1558458241gnunf1558458241foh1558458241. Dort können auch Materialien zu der Aktion wie Plakate, Handzettel, Fotos oder Spendendosen angefordert werden.

Spendenkonto:
Liebenzeller Mission
Sparkasse Pforzheim Calw
IBAN: DE27 6665 0085 0003 3002 34
BIC: PZHSDE66
Vermerk: Spendencode 1440-37

SAMBIA. Probleme bei der Arbeit möchte niemand und auch Missionare stehen immer wieder vor Herausforderungen, die sie mit viel Einsatz, Kreativität und natürlich Gottes Hilfe rasch zu lösen versuchen. Mit einem „guten“ Problem ist nun Missionarin Margit Schwemmle in Sambia konfrontiert: Im Mai startete der erste zweijährige Bibelkurs für Frauen an der „Evangelical University“ in Ndola. Margit Schwemmle unterrichtet seit 2014 an der Universität und leitet seit Juni 2016 die Studienabteilung. Dazu hatten sich 17 Frauen (14 Ehefrauen, zwei Singles und eine Witwe) angemeldet. Sie kommen aus sieben unterschiedlichen Gemeinderichtungen, haben aber alle das gleiche Anliegen: „Ich will die Bibel besser kennenlernen, damit ich andere Frauen besser helfen kann.“ Das Angebot stößt nun auf so große Nachfrage, dass bereits jetzt Anmeldungen für das nächste Jahr eintreffen. „Aber wir haben nicht genug Klassenzimmer, um alle unterzubringen“, berichtet Margit Schwemmle. Inzwischen liegen nicht nur Material zur Unterrichtsvorbereitung auf ihrem Schreibtisch, sondern auch Baupläne und Kostenvoranschläge für ein neues Gebäude auf dem Universitätsgelände in Ndola. „Wie wir das finanziell schaffen sollen, wissen wir nicht so genau, aber wir vertrauen darauf, dass Gott Möglichkeiten und Platz schafft, damit wir den Frauen einen guten Unterricht anbieten können.“

Erste Studenten aus Deutschland

Dankbar blickt Margit Schwemmle auf die Absolvierungsfeier der Universität zurück. 15 Absolventen sind nun in ganz Sambia unterwegs, manche mit einer festen Anstellung, andere noch auf der Suche nach dem Platz, an dem Gott sie mit dem, was sie gelernt haben, gebrauchen kann und will. In diesen Tagen treffen nun die ersten drei Studenten der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL) ein. Da die „Evangelical University“ inzwischen die volle Akkreditierung als private Universität erhalten hat, ist ein solcher Studentenaustausch möglich. Wann die ersten Studenten aus Sambia nach Deutschland kommen, hängt davon ab, wie viel Deutsch sie lernen. „Einfach wird es nicht, aber einer meiner Studenten will es auf jeden Fall versuchen. In welchen Bereichen wir sonst noch mit der IHL zusammenarbeiten können, muss noch geklärt werden“, sagte Margit Schwemmle.

In Sambia unterrichten Liebenzeller Missionare an verschiedenen theologischen Ausbildungsstätten. Die „Evangelical University“ befindet sich in Ndola im Herzen des „Kupfergürtel“, der Industrieregion des Landes. Sie wird von der evangelischen Allianz getragen. Die 70 Studenten kommen aus verschiedenen Gemeindeverbänden und können vier verschiedene Abschlüsse erwerben. Durch das an die Schule angegliederte Studentenwohnheim haben die Mitarbeiter viel persönlichen Kontakt zu den Studierenden.

SAMBIA. Sauberes Trinkwasser ist in vielen Ländern ein rares Gut, gerade in afrikanischen Staaten wie Sambia. Deshalb versorgt die Liebenzeller Mission unter anderem in Mushili die Menschen durch einen Brunnen mit dem lebensnotwendigen Nass. Auch der deutsche Staat schätzt den Einsatz der Missionare. Die deutsche Botschaft hat nun für eine solarbetriebene Pumpe rund 4.000 Euro gespendet, worüber sich Missionar Benjamin Wagner sehr freut. Damit werde man unabhängig von den Stromausfällen, die in dem afrikanischen Land öfter auftreten. Außerdem spare man Stromkosten ein. Die Pumpe demonstriere auch den Bauern, wie sie unabhängiger vom unsicheren und teuren Stromanbieter werden können. Sie gewährleistet, dass Wasser immer zur Verfügung steht. Mit dem rund 80 Meter tiefen Bohrloch werden zurzeit rund 5.000 Liter Wasser gefördert. Davon profitieren neben den Missionaren und den einheimischen Mitarbeitern mit deren Familien auch die Sambier in der Umgebung des Projektgeländes in Mushili. „Ich schätze, dass jeden Tag rund 30 Menschen zum Wasser holen kommen.“

Deutscher Staat unterstützt Projekte, die allen Sambiern zugutekommen

Benjamin Wagner hatte erfahren, dass die Deutsche Botschaft Projekte von gemeinnützigen Organisationen mit Geldern unterstützt, die direkt den Menschen vor Ort zugutekommen. „Wir freuen uns sehr, dass wir bedacht wurden und dass der deutsche Staat solche Projekte fördert, denn diese Wasserpumpe hilft uns und den Menschen vor Ort enorm.“

Die Liebenzeller Mission arbeitet seit 1985 in Sambia, unter anderem in Mushili, einer Stadtrandsiedlung von Ndola mitten im „Kupfergürtel“ Sambias. Dort leben rund 80.000 Menschen in sehr einfachen Verhältnissen. In Zusammenarbeit mit der Partnerkirche entstand dort 2003 das Projekt „Dawn Trust Community Care (DTCC)“. Ein Schwerpunkt ist die Ausbildung in alternativem Feldbau – „Farming God’s Way“. Die Kleinbauern lernen auf Musterfeldern, wie sie durch die Verwendung von Kompost und Mulchen den Ertrag ihrer Felder steigern und ihre Familie besser ernähren können. Auch einige Heilpflanzen werden hier angebaut. Gleichzeitig werden biblische Prinzipien gelehrt – zum Beispiel der Wert der Treue. Wer treu den Acker anbaut und pflegt, erzielt auch eine größere Ernte. So konnten die Bauern, die sich an dem landwirtschaftlichen Projekt beteiligen, ihre Erträge um bis zu 50 Prozent steigern.

SAMBIA. Seit drei Jahren bilden die Liebenzeller Missionare Cornelia und Dr. (UNIMW) Reinhard Frey Pastoren und Gemeindemitarbeiter rund um Ndola aus. Zuvor war Reinhard als Pastor beim Liebenzeller Gemeinschaftsverband (LGV) tätig. Noch bis Ende August sind die beiden im Heimataufenthalt, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben sie getroffen und ihnen drei Fragen gestellt.

Reinhard, du reist immer mal wieder gemeinsam mit Mitarbeitern der sambischen Kirche zu Einsätzen in den Kongo, um dort Pastoren und Gemeindeleiter zu schulen. Ist das für die sambische Kirche ein erster Schritt hin in Richtung Weltmission?

Ja, der Gemeindeverband schaut zunehmend über den Tellerrand hinaus und der Missionsgedanke entwickelt sich. Bisher sind auch schon einige gute Kontakte entstanden. Vor allem in den oberen Gremien stoßen wir auf Akzeptanz. Nun ist es uns wichtig, die lokalen Kirchen mehr in die Arbeit mit reinzunehmen. Wir erzählen in verschiedenen Kirchen von unseren Seminaren und freuen uns, dass einige Gemeinden bereit sind, Geld und Naturalien für die Schulungseinsätze im Kongo zu spenden. Diese Arbeit ist natürlich spannend, denn plötzlich stehen sie vor ähnlichen Herausforderungen wie wir deutschen Missionare in Sambia: Sie verstehen die Sprache nicht und müssen lernen, wie sie mit den Bitten um Geld und Unterstützung seitens der Kongolesen umgehen.

Von 1986-2002 habt ihr schon einmal einen Missionseinsatz in Sambia absolviert. Jetzt, da ihr zum zweiten Mal da seid: Was hat sich im Land verändert?

Äußerlich hat sich sehr viel verändert. Das Land und die Menschen wirken sehr modern. Viele laufen mit ihrem Smartphone durch die Straßen. Es gibt mehr Autos, neue Gebäude und große Supermärkte, in denen es sogar Dr. Oetker Tiefkühlpizza oder Haribo-Tüten zu kaufen gibt. Doch der Schein trügt, denn die Verwurzelung im traditionellen Denken der Menschen hat sich nicht in dem Maße verändert. Entscheidungen werden weiterhin von den Älteren der Gesellschaft gefällt, die sehr auf die Einhaltung von Tabus und Werten achten – ganz gleich, ob in der Stadt oder auf dem Land. Ein Umdenken gibt es bei der jüngeren Generation. Das Wort Gottes muss vor allem zu dieser durchdringen, damit langfristige Veränderung stattfinden kann.

Was sind eure Wünsche für Sambia?

Wir wünschen uns für die Menschen in Sambia echte Lebensveränderung. Und diese ist eben nicht nur durch die äußeren Umstände möglich, sondern allein durch Jesus, der neues Leben schenkt. Außerdem wünschen wir uns für unser Team in Sambia noch mehr junge Theologen, die die Arbeit von uns Älteren weiterführen. Es ist wichtig, den neuen Missionaren genügend Zeit zu geben, sich in die Denkweise der Einheimischen hineinzufinden, um effektiv arbeiten zu können.

Seit 2010 leben und arbeiten Frank und Julia Wittmann in Sambia. Frank ist der Verwaltungsleiter an der Amano-Schule und unterrichtet genauso wie seine Frau Julia. Sie begleitet außerdem Kurzzeitmitarbeiter und hilft beim Schuleinkauf. Vor ihrer Zeit in Sambia waren sie mit Christliche Fachkräfte International in Sierra Leone. In den nächsten Wochen sind Frank und Julia in Deutschland unterwegs, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben ihnen einige kurze Fragen gestellt.

Wenn ihr an Heimat denkt: Kommt euch Afrika oder Deutschland in den Sinn?

Ganz klar Afrika. Dort sind wir zu Hause. Wir haben auch keinen festen Wohnsitz in Deutschland, sondern sind dann immer nur bei Verwandten oder Freunden zu Besuch.

Was ist das Besondere an der Amano-Schule?

Der vielfältige Mix an sozialen Hintergründen der Kinder ist schon besonders. Genauso wie die Mischung an Mitarbeitern aus vielen Ländern. Insgesamt leben und lernen an der Amano-Schule Menschen aus 30 verschiedenen Nationen zusammen. Die Schule mit diesem hohen Bildungsniveau in einem Land wie Sambia am Laufen halten zu können, ist für mich manchmal ein Wunder. Aber uns geht es um mehr als um gute Schulbildung. Uns geht es vor allem darum, Kinder mit Jesus bekannt zu machen. Das wollen wir uns bewahren.

Welches Erlebnis mit einem Schüler oder einer Schülerin hat euch in den letzten Monaten besonders bewegt?

Ich denke an einen Schüler, bei dem es Schwierigkeiten gab. Wir mussten ihn vorübergehend suspendieren. Ich konnte zwar gut mit dem Schüler reden und wir wollten ihm unbedingt eine zweite Chance geben. Aber er sagte: „Ich komme nicht mehr zurück.“ Er hatte einfach Angst, sein Gesicht zu verlieren. Ich sagte ihm, dass es echte Größe ist, wenn er zu seinen Fehlern stehen würde und wieder kommt. Jetzt habe ich gehört, dass er tatsächlich wieder an der Schule ist. Er hat seinen Stolz überwunden und macht weiter. Das war für mich ein sehr schönes Erlebnis, auch wenn es mit einer Suspendierung begonnen hatte.

Ihr ward in Sierra Leone und seid jetzt in Sambia: Wie unterscheiden sich die beiden Länder?

Sambia ist viel größer und vom Klima viel angenehmer. Aber vor allem ist das Land nicht so gebeutelt. Sierra Leone ist ein gebeuteltes Land. Dort waren Bürgerkrieg und Verstümmelungen jahrelang an der Tagesordnung. Es ist eine traumatisierte Nation. Es gibt niemanden im Land, der nicht etwas Schlimmes erlebt hat. Sambia ist dagegen ein sehr friedliches und friedliebendes Land. Gastfreundlich sind die Menschen in beiden Ländern. Aber durch den unterschiedlichen Hintergrund äußert sich das dann natürlich auch auf unterschiedliche Weise.

Was braucht Sambia aus eurer Sicht am meisten?

Auf dem Papier nennt sich Sambia eine christliche Nation. Aber der Animismus, also der Glaube an Ahnen und Geister, ist selbst unter Christen weit verbreitet. Auch in den Kirchen wird das immer wieder vermischt. Viele Menschen leben in ständiger Angst vor Zauberei und Geistern. Wir wünschen uns, dass noch mehr Menschen Jesus als den starken und mächtigen Heiland kennenlernen. Wer erfährt, dass man in Jesus alles hat, erlebt auch, dass andere Mächte keine Wirkung mehr haben.

SAMBIA. Für Amano-Schüler, die im Internat leben, werden regelmäßig zwei Jugendgruppen angeboten. Dort können die Schüler von Jesus hören und miteinander ins Gespräch kommen. Für Tagesschüler gab es bisher keine Gruppe. Doch haben gerade diese oft keine Chance, neben den Andachten in der Schule mehr über Jesus zu erfahren. Denn viele von ihnen stammen aus nichtchristlichen Elternhäusern. So auch die Inderin Muskan, die sich durch eine Andacht für ein Leben mit Jesus entschied, doch von ihren Eltern verboten bekam, in die Kirche zu gehen oder an christlichen Programmen teilzunehmen.

Auch die im Januar gegründete Jugendgruppe für Tagesschüler darf die 13-Jährige bislang nicht besuchen. Diese findet montags nach der Schule statt und wird von der Liebenzeller Missionarin Katja Bachmann und ihrem amerikanischen Kollegen Jarrett Furnish geleitet. Neben einigen Spielen wird in der Jugendgruppe auf biblische Themen gehört und sich anschließend darüber ausgetauscht. Das Angebot komme gut an: „Von Beginn an hatten wir guten Zulauf. Mittlerweile hat sich eine feste Gruppe von 12-18 Schülern etabliert“, freut sich Katja. Ihr und Jarrett fiel jedoch rasch auf, dass sich die Jugendlichen in der Großgruppe nur langsam öffneten. Daher machten sie den Teilnehmern das zusätzliche Angebot einer Jüngerschaftsbegleitung, um im Glauben tiefer zu gehen und persönliche Fragen zu klären, für die in der Jugendgruppe kein Platz ist. Prompt zeigte eine sambische Schülerin Interesse. Doch wollte sie zu den Einzeltreffen noch jemanden mitbringen: Muskan, ihre indische Freundin. So konnte auch diese – ohne dass ihre Eltern davon mitbekamen – über ihren Glauben reden.

Seither treffen sie sich zu dritt einmal wöchentlich in der großen Pause. „Ich spürte schnell, dass sich die Mädchen nicht mit mir treffen wollten, weil es vielleicht cool sein könnte, Zeit mit einer Erwachsenen zu verbringen. Im Gegenteil. Sie haben beide schon eine Beziehung zu Jesus und möchten sie vertiefen“, schildert Katja. Obwohl Muskan sehr ruhig und schüchtern sei, stellt sie mutige und unverblümte Fragen, wie etwa: „Ist es denn schlecht, wenn man als Christ nicht in die Kirche geht? Meine Eltern gehen nicht und ich darf nicht. Was mache ich denn da?“ oder „Wie soll ich mit jemandem umgehen, der sagt, dass er Jesus lieb hat, aber nicht nett zu anderen Kindern ist und diese sogar mobbt?“ Katja freut sich über die ehrlichen Gedanken, die Leidenschaft der beiden Achtklässlerinnen für den christlichen Glauben und darüber, sie weiterhin begleiten zu dürfen. Auch wünscht sie sich für Muskan, dass sie fest in Jesus verankert bleibt und ihren Eltern von seiner Wahrheit weitersagen kann.