SPANIEN. Seit 22 Jahren sind Carolin und Theo Hertler leidenschaftlich als Missionare in Marbella tätig – einer Stadt an der Costa del Sol, die vor allem als Ferienhochburg für den Jetset bekannt ist. Dort geben sie den Menschen von Jesus Christus weiter und bauen Gemeinde. Da die beiden gerade in Deutschland sind, haben wir ihnen vier Fragen gestellt.

Ihr arbeitet in einer exklusiven Touristenstadt, in der der Jetset verkehrt. Wie erreicht man in solch einer Stadt Menschen mit dem Evangelium?

Wir selbst haben meist nur durch unsere Gemeindemitglieder Kontakt zu den Exklusivtouristen. Unser Gemeindeältester Mario hält zum Beispiel die Pools vieler Villen in Stand. Dadurch hatte er schon oft Berührungspunkte mit wohlhabenden Feriengästen und konnte einigen sogar von Jesus weitersagen. Und er ist nicht der Einzige. Die meisten Menschen, die zu uns in die Gemeinde kommen, arbeiten für diese Klasse. Viele werden jedoch schamlos ausgenutzt und bekommen Mindestlöhne. Trotz der Ausbeutung und dem täglichen Kampf ums Dasein ermutigen wir die Menschen in unserer Gemeinde, an Jesus dran zu bleiben. Nicht wenige suchen in schwierigen Situationen Halt, und es kommen ständig neue Gottesdienstbesucher.

Ihr führt seit rund 20 Jahren christliche Musicals auf. Findet diesen Sommer wieder eines statt und wie steht die Stadt dazu?

Ja, kürzlich fand unser 9-tägiges Sommermusical statt, das sich an die biblische Geschichte vom verlorenen Schaf anlehnte. Vor Jahren war es noch ein langwieriger Prozess, eine Genehmigung zu bekommen. Doch inzwischen haben wir gute Beziehungen zur Stadt, und auch der Pluralismus hat in Spanien nicht Halt gemacht. Das Land öffnete sich für vieles, das nicht traditionell katholisch war. Doch nicht alles hatte einen positiven Einfluss, und so ist es den Bürgermeistern heute wieder wichtiger, dass Werte vermittelt werden. Wenn wir also bei der Stadt anfragen, betonen wir, dass wir nicht nur professionelles Musical zum Nulltarif anbieten, sondern auch Werte und Sozialkompetenz vermitteln. Und so haben wir auch diesmal Genehmigungen bekommen.

Gab es in letzter Zeit ein besonderes Erlebnis mit Einheimischen?

In den letzten Monaten fielen uns jeden Sonntag vier bis fünf neue Gesichter im Gottesdienst auf. Einer der neuen Besucher heißt Antonio. Er ist ein Freund von Pepe, der zu uns in die Gemeinde kommt. Pepe erzählte uns einmal, dass Antonio Krebs hat und im Krankenhaus liegt. Ohne ihn zu kennen, haben wir ihn besucht. Seit drei Wochen kommt er nun zu uns in die Gemeinde, und seine Familie begleitet ihn sogar ab und zu. Das ist für uns ein großes Wunder, und wir freuen uns, dass Antonio sein Leben Jesus gegeben hat. Auch eine Brasilianerin kommt nun regelmäßig. Die 40-Jährige stieß durch eine Vision zu uns, in der Gott zu ihr sprach. Sie möchte am liebsten alle biblischen Geschichten auf einmal kennenlernen, und nimmt an all unseren Angeboten teil. Es gibt noch so viele Beispiele, von denen wir berichten könnten. Marbella gleicht einem Flughafen. Viele Menschen landen, bleiben kurz und brechen dann wieder auf. Die Herausforderung für uns besteht darin, ihnen während ihres Aufenthaltes das Evangelium weiterzusagen.

Wofür können wir beten?

Für unsere rund 15 Mitarbeiter, die oft in einem geistlichen Kampf stehen. Manche haben ungeklärte Familienverhältnisse, andere einen nichtgläubigen Partner. Für viele ist es schwer, die Balance zwischen Familie und Gemeindearbeit zu halten. Viele haben zudem massive Gesundheitsprobleme. Trotzdem erleben wir Heilungen – nicht nur körperlich. Geistlich passiert hier so viel. Bitte betet für die neuen Gottesdienstbesucher, die sich in ihrem Lebensstil oft völlig umorientieren müssen. Teilweise sind okkulte Bindungen oder Praktiken da, die aufgegeben werden sollten. Danke für alle Gebete.

SPANIEN. „Was wünschst du dir zum Geburtstag?“, fragte Pepe seine Frau Eugenia. „Ich habe nur einen Wunsch – und zwar, dass du mich zum Gemeindetag begleitest“, antwortete sie. Seit sich Eugenia zehn Jahre zuvor für die Nachfolge Jesu entschied, sehnte sie sich danach, ihren Glauben mit ihrer Familie zu teilen. Die Sorge um ihre Tochter, die durch einen Missbrauch psychisch erkrankte, die Gefängnisstrafe ihres Sohnes und das zerrüttete Verhältnis zu ihrem Mann wuchsen ihr damals über den Kopf. Sie suchte Halt – und diesen fand sie in Jesus Christus, den sie in einer Gemeinde in Marbella kennenlernte.

„Viele Jahre haben wir in der Gemeinde mit Eugenia für Pepe und die vier erwachsenen Kinder gebetet“, sagt die Liebenzeller Missionarin Carolin Hertler. Nie habe die Spanierin die Hoffnung aufgegeben, dass auch ihre Familie zum Glauben findet. Ihr Durchhaltevermögen wurde belohnt, denn ihr Geburtstagswunsch öffnete überraschend Türen: Pepe, der zehn Jahre lang nichts von der Gemeinde wissen wollte, willigte ein und begleitete seine Frau zum Gemeindetag. Dort sprach ihn Gottes Wort so sehr an, dass ihm bewusst wurde, wie viele falsche Entscheidungen er in seinem Leben getroffen hatte. Jahrelang lebte er an seiner Familie vorbei, denn anstatt Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern zu verbringen, besuchte er abends nach der Arbeit lieber eine Bar. Nach dem Gottesdienst spürte Pepe, dass er etwas ändern musste. Fortan begleitete er Eugenia in die Gemeinde. Sein Hunger nach dem Wort Gottes wurde mit der Zeit immer größer, sodass er sich entschied, gemeinsam mit unserem Missionar Theo Hertler einen Jüngerschaftskurs durchzuführen. Diesen Sommer ließ sich Pepe von Theo im spanischen Meer taufen. „Sein Leben lang war er ‚blind‘ und Gott öffnete ihm die Augen. So etwas kann kein Mensch vollbringen – das ist einfach ein Wunder“, sind sich Carolin und Theo sicher. Von einem Macho ist Pepe zu einem Kind Gottes geworden.

Momentan wird Pepe in seinem Glauben stark herausgefordert. Seine psychisch kranke Tochter ist wieder in klinischer Behandlung und Eugenia leidet unter Fibromyalgie, einer Nervenkrankheit, die zeitweise starke Glieder- und Muskelschmerzen hervorruft. Die Familie braucht weiterhin viel Gebet.

SPANIEN. Sechs Monate ist es her, dass Danis Großmutter beerdigt wurde. Nun folgt der nächste schwere Verlust in der Familie des 30-jährigen Spaniers: sein Großvater ist verstorben. In seiner Trauer denkt Dani an viele schöne Erlebnisse mit seinen Großeltern zurück. Immer wieder beschäftigt ihn dabei jedoch die Frage, wo sie nach ihrem Tod wohl hingegangen sind?

Am Tag der Beerdigung ruft Dani seinen Freund Daniel Köhler an und fragt: „Hast du Zeit für ein Bier?“ Der Liebenzeller Missionar weiß um den Verlust und lädt Dani noch am selben Abend zu sich nach Hause ein. Die beiden reden – über Danis Großeltern, den Tod, aber auch den Glauben. „Daniel, meinst du, Petrus hat ihnen die Tür zum Himmel geöffnet?“, fragt Dani. Beide seien schließlich streng katholisch gewesen. „Es geht nicht darum, einer Religion anzugehören, sondern eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus zu haben. Nur durch ihn können wir gerettet werden“, antwortet Daniel und fügt einen Bibelvers aus dem Johannes-Evangelium an: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh. 3,16) Mit diesem Vers möchte Daniel seinem Freund nahebringen, dass nicht wir Menschen über Leben und Tod entscheiden, sondern Gott. Das offene Gespräch tat Dani gut. Auch für Daniel ist der Abend trotz des traurigen Anlasses etwas Besonderes: „Ich freue mich, dass sich Dani mit elementaren Glaubensfragen beschäftigt und hungrig nach Antworten ist.“ Auch habe der Abend die Freundschaft der beiden stärker vertieft und Daniel ist gespannt, was Gott noch in Danis Leben bewirken wird.

SPANIEN. Die Liebenzeller Missionare Theo und Carolin Hertler konnten vor einigen Wochen live bei einer Olivenernte dabei sein. Der Reifeprozess der Oliven wurde für sie dabei zu einem anschaulichen Sinnbild für Gottes Wirken an seiner Gemeinde: Der Weg bis zur Ernte ist manchmal mühsam, erfordert Geduld und ähnlich, wie die Olivenbäume  beschnitten werden, so formt Gott auch den Charakter seiner Kinder. Doch am Tag der Ernte ist die Freude groß.
In ihrer Arbeit erleben Theo und Carolin Hertler, wie Gott an vielen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wirkt, auch wenn vielleicht nicht immer gleich die Früchte sichtbar werden: So konnten sie zuletzt beispielsweise auf erlebnispädagogische Weise für die Jugendlichen den Weg als Christ nachzeichnen. Gemeinsam mit der Jugendgruppe bestiegen sie einen 90 Meter hohen Felsen, bei dem die Jugendlichen oben angekommen mit einem Schild „Herzlich Willkommen im Himmel“ empfangen wurden.
Ob beim „Abseilen im Wasserfall“ im Quellgebiet des Rio Grande beim „Vater-Sohn-Abenteuer“, bei der Schulevangelisation mit 300 Kindern, den Kinderstunden am Strand oder mitten in der Stadt hören die verschiedensten Menschen von Gottes Liebe und dem Abenteuer, das ein Leben mit ihm bedeutet. So erlebt die Gemeinde in Marbella beides: Reifezeit und Ernte.