Sie leben in Mikronesien in der Südsee. Seit elf Jahren sind Urte und Hartmut Scherer als Missionare auf der Insel Guam im Einsatz. Vorher waren sie acht Jahre in Chuuk/Mikronesien. Sie arbeiten als Dozenten und Administratoren an der Pacific Islands University. Derzeit sind sie in Deutschland. Hartmut berichtet von der Missionsarbeit und Urte pflegt ihren altgewordenen Vater. Wir haben Hartmut einige Fragen gestellt.

Du bist mit Leidenschaft Missionar. Und Du arbeitest in einer wunderschönen Umgebung. Ist „Missionar in der Südsee“ Dein Traumberuf?
Es hängt für mich nicht an der Südsee. Missionar zu sein in einem Team, in dem ich mich mit meinen Gaben einbringen kann: Das macht für mich den Unterschied.

Was sind die größten Herausforderungen für die Menschen in Mikronesien?
Eine große Herausforderung ist das Unterscheidungsvermögen. Die Menschen haben größtenteils Zugang zum Internet. Die Infos daraus bekommen sie natürlich ungefiltert. Viele müssen lernen, was wahr und gut ist und was Beziehungen und Gemeinden verdirbt. Außerdem stelle ich immer wieder eine gewisse Zufriedenheit bei den Pastoren fest. Sie haben oft wenig Sehnsucht, sich weiterzubilden. Doch genau das täte ihnen und ihren Gemeinden gut.

An der Pacific Islands University (PIU) bildet ihr junge Menschen aus, u.a. in Theologie. Aber nicht alle werden Pastoren. Geht euer Konzept trotzdem auf?
Ich sehe meine Aufgabe darin, dass junge Menschen Jesus begegnen und bei Jesus bleiben. Dass ihr Charakter durch das Studium so geformt wird, dass sie später als Nachfolger Jesu leben. Deshalb lehre ich an der PIU zum Beispiel auch „spiritual formation“, also die Frage, wie mein Leben als Nachfolger Jesu Frucht bringt – egal, in welchem Kontext.

Wenn Du das Studium an der PIU in drei Wörtern beschreiben müsstest, welche wären es?
Unsere drei Leitworte sind accessible (zugänglich), transformational (verändernd) und excellent (hervorragend). Das ist damit gemeint:
accessible: Das Studium bei uns muss bezahlbar sein. Eine College-Ausbildung auf amerikanischem Boden ist sehr teuer, das kann sich kaum ein Mikronesier leisten (Anmerkung: Guam ist ein Außengebiet der USA). Deshalb setzen wir auf geringe Studiengebühren, um den Menschen vor Ort eine Chance zu geben.
transformational: Wir wollen nicht reines Wissen vermitteln. Wir wollen die Beziehung zu Gott vertiefen und ermutigen unsere Studenten, sich in einer Gemeinde zu engagieren.
excellent: Wenn uns der Geist Gottes gegeben ist, dann gibt er uns auch die Begabung, gute Arbeit zu tun. Was uns wichtig ist: Gott gibt auch Menschen eine Chance, die schlechtere Voraussetzungen haben als andere (zum Beispiel kaum Englisch sprechen).

Welche Zukunft liegt aus Deiner Sicht vor den Menschen in Mikronesien?
Die Menschen sind von vielen Dingen betroffen, die von außen auf sie einströmen. Die Gesellschaft ist im Wandel. Die Aussicht, einen guten Job im eigenen Land zu finden, ist gering. Deshalb wandern viele Fachkräfte ab. Sie schicken dann zwar Geld zu ihren Verwandten zu Hause, aber sie fehlen ihrem Land natürlich.
Auch die klimatischen Veränderungen sind deutlich spürbar. Das Wetter ändert sich. Einiges wird dadurch schlicht zerstört. Wenn zum Beispiel durch Stürme Salzwasser auf die Pflanzen geweht wird, sterben sie ab.
Geistlich gesehen ist es so, dass die Menschen Hoffnung brauchen. Die Hoffnung, dass Jesus, der ewige König kommt. Und dass es sich lohnt, für diesen König schon heute zu leben.

Menschen in Russland von Jesus zu erzählen und seine Liebe weiterzugeben. Das sind Wunsch, Aufgabe und Ziel von Waldemar und Katharina Jesse. Seit 18 Jahren leben und arbeiten sie in der Region Ural, in den letzten Jahren in Tscheljabinsk. In den nächsten Monaten sind sie in Deutschland und berichten von ihrer Arbeit. Wir haben Waldemar einige Fragen gestellt.

Russland hat bei vielen Menschen in Deutschland kein sonderlich gutes Image. Was würdest du ihnen sagen, was dich am Land begeistert?
In erster Linie sind es die Menschen, die sehr offenherzig und gastfreundlich sind. Es wird viele überraschen: Aber in Russland gibt es viele Freiheiten, die man sonst nicht so kennt, zum Beispiel kann man überall angeln gehen und braucht keine Erlaubnis dazu. Die Weite und Vielfalt in der Natur begeistert mich ebenfalls.

Welche Rolle spielt der Glaube im Alltag der Menschen in Russland?
Leider spielt der Glaube oft keine große Rolle. Viele Menschen wissen kaum etwas über Christus. Es gibt zwar ethische Normen, die aber vom Glauben getrennt gesehen werden. In Russland gibt es viele „Namenschristen“, aber nur sehr wenige, die tief in ihrem Glauben verwurzelt sind. Viele gehen zwar in die Kirche, aber im Alltag ist ihnen der Glaube nicht wichtig.

Was wünschst du dir für die Christen im Land?
Ich wünsche mir, dass sie authentisch ihren Glauben leben. Dass sie in der Lage sind, auch theologisch für ihren Glauben zu argumentieren. Und ich wünsche ihnen mehr Mut zu Mission und Evangelisation, denn da sind sie sehr zurückhaltend.

Welche Begegnung hat euch in den letzten Monaten am meisten bewegt?
Vor einiger Zeit wurde ich zu einem Runden Tisch an die Uni in Tscheljabinsk eingeladen. Es ging um das Thema „Jugend und Toleranz“. Ich hatte ehrlich gesagt gar keine Lust, da hinzugehen. Aber ich habe zu Gott gesagt: „Wenn du die Tür öffnest, kann ich auch dort Menschen für dich erreichen.“ Zu der Veranstaltung kamen 150 junge Leute. Auf dem Podium saßen neben mir ein orthodoxer Geistlicher, ein römisch-katholischer Priester und ein muslimischer Imam. Ich war als Vertreter der Evangelischen eingeladen und wurde dann gefragt, wie die evangelische Kirche mit Toleranz umgeht. Meine Antwort war: „Gott toleriert dich so, wie du bist. Er nimmt dich mit all deinen Schwächen an. Wenn du seine Liebe zu dir verstehst, wird er dich verändern.“ Daraufhin fragte mich der junge Mann: „Wie kann ich erkennen, dass Gott mich liebt?“ Ich konnte ihm dann das Evangelium erklären, dass es der größte Beweis von Liebe ist, wenn jemand sein Leben für einen anderen gibt. Ich sagte ihm, dass er an Jesus sieht, wie sehr Gott ihn liebt.
Diese Chance, an der Uni von Jesus weiterzusagen, hat mich sehr berührt – besonders, weil ich mir von der Veranstaltung nicht viel versprochen hatte.

Bitte betet mit uns und unseren Missionaren vor Ort für Ecuador. Die Situation im Land ist weiter angespannt. Bitte betet dafür, dass die Lage nicht eskaliert und um Weisheit für alle Entscheidungsträger im Land. Unseren Missionaren geht es gut. Sie haben sich mit genügend Lebensmitteln eingedeckt. Allerdings können sie ihre Einsatzorte derzeit nicht verlassen. Danke für alle Unterstützung im Gebet.

ECUADOR. Familiengeheimisse haben oft fatale Auswirkungen. Das haben Rainer und Katharina Kröger erfahren. Sie wurden in ein „Top Secret“-Geheimnis „eingeweiht“: Regelmäßig sucht eine Familie einen Zauberer auf oder holt ihn ins Haus, um sie vor möglichen Flüchen zu befreien. Denn nach Überzeugung der Eltern hat jedes Problem seine Ursache in der Zauberei bzw. in einem Fluch, den Nachbarn, Verwandte oder jemand anderes auf die Familie legt. Das führe zu Kopfschmerzen, Schwangerschaften im Teenager-Alter oder Missbrauch durch den Vater. Immer sei eine Verwünschung bzw. Fluch schuld. „Durch diese Sichtweise kann man selbstgefällig jegliche persönliche Verantwortung von sich weisen. Es gilt einzig, sich von den Flüchen befreien zu lassen“, so die Liebenzeller Missionare. Der Dienst der Zauberer wird dabei teuer bezahlt. So verlangte einer für die „Befreiung“ von einem Fluch neben den bereits gezahlten 400 Dollar noch weitere 300, weil der Fluch angeblich sehr stark sei. Die Gesamtsumme entspricht zwei Monatsgehältern. Aber über diese Dinge dürfe man unter keinen Umständen reden.

„Mein Nachbar beschuldigt mich des Mordes!“

Ebenso schockierte die Missionare die Aussage eines Freundes: „Mein Nachbar beschuldigt mich des Mordes!“ Der Familienvater war an Krebs gestorben. Nun behaupte die Familie, ihr Nachbar habe den Mann durch Zauberei getötet. Beim Erzählen wirkte ihr Freund sehr besorgt, denn er muss mit Rache der Nachbarn rechnen. „Uns wird bei diesen Geschichten wieder neu bewusst, wie sehr die Menschen hier die befreiende Kraft Jesu nötig haben! Ohne Jesus leben sie in der Dunkelheit, schleppen Angst und Hass mit sich herum und mühen sich verzweifelt ab“, kommentieren Rainer und Katharina Kröger. „Wir dürfen hier die freimachende Botschaft von Jesus weitergeben.“

Die Liebenzeller Mission ist seit 1989 in Ecuador tätig. Die Missionare betreuen Patenschaftsprogramme und Studenten, gründen Gemeinden und schulen einheimische christliche Mitarbeiter. Rainer und Katharina Kröger arbeiten seit 2006 in der Provinzhauptstadt Ibarra und bieten unter anderem Glaubenskurse an, leiten Hauskreise und unterrichten an einer Bibelschule.

BAD LIEBENZELL. „Heartbeat“ – unter diesem Motto startet die Liebenzeller Mission am Donnerstag, 24. Oktober, um 19:30 Uhr im Missions- und Schulungszentrum eine neue, innovative Gottesdienst-Reihe für Leib, Geist, und Seele. Das Angebot wendet sich sowohl an Christen als auch an Interessierte, die dem Glauben kritisch gegenüberstehen und sich auf Fragen des Glaubens einlassen möchten, erklärte der Direktor der Liebenzeller Mission, Pfarrer Johannes Luithle.
Der Clou an den bislang fünf geplanten Donnerstag-Abenden: Jeder Besucher kann den Gottesdienst wie ein geistliches Büfett zusammenstellen: Nach einem abwechslungsreichen Startimpuls können die Gäste das Gehörte in unterschiedlichen Gesprächsgruppen vertiefen. Parallel dazu kann man sich auch kreativ mit dem Gehörten auseinandersetzen, mit anderen singen, Gott anbeten oder das Abendmahl feiern. Ebenso können Besucherinnen und Besucher für sich beten oder sich segnen lassen. „Somit kann sich jeder das aussuchen, was einem an dem Abend guttut, was ihm auf dem Herzen liegt und ihn bewegt“, so Luithle. Die rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möchten mit Worten, Musik und Erfahrungen eine herzliche Atmosphäre schaffen. Jeder soll so Gottesdienst feiern können, wie es zu ihm passt. „Heartbeat“ lädt dazu ein, den Herzschlag Gottes zu hören und den eigenen Rhythmus zu finden. Aber auch der Austausch und das leibliche Wohl kommen nicht zu kurz: In einem Bistro werden bis 22 Uhr Getränke und kleine Spezialitäten angeboten. So können alle ihre Freunde mitbringen und miteinander ins Gespräch kommen.

Bislang stehen folgende Donnerstag-Termine und Themen jeweils um 19:30 Uhr im Missions- und Schulungszentrum fest: 24. Oktober 2019: #dankbar; 21. November 2019: #erneuerbar; 23. Januar 2020: #verwundbar; 20. Februar 2020: #wunderbar und 26. März 2020: #veränderbar.

Wer bei der Gottesdienst-Reihe mitarbeiten möchte, ist herzlich eingeladen: Interessierte können sich im Catering, „Wortteam“, bei der musikalischen Gestaltung, Kreativteam, bei der Technik und beim Aufbau einbringen. Als Ansprechpartner steht dazu bereit: Gemeinschaftspastor Andreas Brecht, Telefon: 07052 17-7309, E-Mail: gro.l1571467261lezne1571467261beil@1571467261thcer1571467261b.sae1571467261rdna1571467261.

Seit einem halben Jahr sind wir dabei unsere Liebenzeller Vision 2025 mit Leben zu füllen. Ein konkreter Schritt ist die Eröffnung unseres 24-Stunden-Bethauses im Missionshaus.
Immer wieder gab es in den letzten Jahren Gebetsnächte und Angebote zum Mitbeten. Jetzt soll endlich ein Bethaus für alle rund um die Uhr zugänglich sein. Zum 120-jährigen Geburtstag der Liebenzeller Mission am 13. November wollen wir im Vorfeld zum 120-Stunden-Gebet einladen. Und das sieht so aus:
Ab dem 8. November kann man zu jeder vollen Stunde in die Gebetsräume kommen. In jeder Stunde werden Ereignisse aus einem bestimmten Jahr aufgegriffen. Also in der ersten Stunde danken wir Gott für die Gründung 1899. In der fünften Stunde erinnern wir uns an den Umzug nach Bad Liebenzell im Jahre 1903 usw. Wir schauen aber nicht nur zurück, sondern nehmen Bezug auf aktuelle Themen, die uns heute wichtig sind. Eine Übersicht der Gebetsthemen un den Zeitplan findest du im PDF “120 Stunden Gebet”.

Alle sind herzlich eingeladen eine Stunde oder auch mehr im Missionshaus mitzubeten. Wir freuen uns auf dich!

ECUADOR. Ob krank oder gesund, jung oder alt: Gott kümmert sich um das Geringste und Verlorenste. Das haben Kathy und Kevin Bruce im Blick auf Aurelio in Ecuador eindrücklich erfahren. Er floh vor zwanzig Jahren mit seiner Familie aus Kolumbien vor Guerillakämpfern nach Ecuador. Dankbar für die Ruhe der ecuadorianischen Berge ließen sie auf einem abgelegenen Berghang in der Nähe des Flusses San Francisco nieder. Dort pflanzten sie Kochbananen und Mais an, bauten sich aus Holzbrettern ein Haus und schickten ihre älteren Kinder zum Lernen in die Schule nach Palmira. Dann ereilte sie ein tragisches Unglück: Zwei ihrer jungen Töchter ertranken bei einer Sturzflut im Fluss. In seiner großen Trauer öffnete sich Aurelio gegenüber Gott. Er erklärte öffentlich, dass er nun mit Jesus Christus leben wolle. Leider entfernte er sich nach einiger Zeit aber immer mehr vom christlichen Glauben und fiel in sein altes Leben zurück.

Zum Sterben in einem dunklen Hinterzimmer

Genau vor zwei Jahren hörten die Awa-Christen Gloria und Guillermo von Aurelios Krankheit. Sie fanden ihn schwer krank in einem dunklen Hinterzimmer. „Er wird sterben. Er hat seit Wochen nichts gegessen“, erklärte die Familie. Auf Drängen der beiden Christen brachte die Familie Aurelio zum Arzt und sein Magengeschwür konnte geheilt werden, das ihm viele Woche nicht ermöglicht hatte, zu essen. Gleichzeitig stellten die Ärzte fest, dass Aurelios Nieren durch die lange Austrocknung geschädigt waren. Daraufhin brachten Kathy und Kevin Bruce Aurelio ins Krankenhaus. Dort war auf einer Nierendialyse-Station bereits ein Bett für ihn reserviert. Allerdings verließen Aurelio und seine Familie das Krankenhaus, da sie den Sinn der Behandlung mit den Dialysegeräten nicht verstanden.
Doch die Missionare schafften es mit den einheimischen Christen, Aurelio von der Behandlung zu überzeugen. Seit zwei Jahren reist er dreimal pro Woche zur Dialyse nach Ibarra. Leider sind seine Nieren (noch) nicht geheilt. Aurelio ist arm und kann jetzt nicht mehr arbeiten. Während die Dialysebehandlungen kostenlos sind, hat er Mühe, die Busfahrt in die Stadt bezahlen zu können. Die Missionare und Christen unterstützen ihn finanziell und lassen seiner Familie oft eine Tasche mit Lebensmitteln zukommen. Darüber ist er sehr dankbar.

Nun kann er jeden Woche Gottes Wort hören

Die Missionare sind sehr dankbar, dass nun in seinem Ort die Kirche ein Gebäude errichten konnte. Jetzt kann Aurelio jeden Sonntag das Wort Gottes hören. „Aurelio jeden Tag in der Kirchenbank zu sehen erinnert uns daran, wie Gott dem Leben dieses armen Awa-Bergmannes großen Wert gab, selbst als er in diesem Hinterzimmer lag und erwartete, zu sterben. Gott beschloss, Aurelios Leben zu bewahren, damit er von der Hoffnung hören konnte, die Gott in seinem Sohn Jesus bietet, denn jedes Leben zählt – jedes einzelne!“

Kathy Bruce arbeitet mit ihrem Mann Kevin seit 1995 in Ecuador unter Awa-Indianern. Sie bieten Kurse für Analphabeten an, halfen mit, das Alte Testament zu übersetzen und schulen einheimische Christen.

Sie lieben Afrika und die Menschen in Sambia. Und sie setzen sich mit viel Leidenschaft dafür ein, dass viele in ihrem Einsatzland persönlich mit Jesus Christus leben: Samuel und Anke Meier. Seit 14 Jahren arbeiten sie in Sambia. Viele Jahre lebten sie im abgeschiedenen Luangwa-Tal und gründeten dort eine Gemeinde. Danach waren sie Teamleiter der Liebenzeller Missionare in Sambia. In den nächsten Wochen sind sie in Deutschland, bevor sie bald ein neues Projekt in Lusaka beginnen. Wir haben Samuel einige Fragen gestellt.

Sambia sagt von sich selbst, dass es ein christliches Land ist. Für wie christlich hältst du es?
Ich halte das Land schon für ziemlich christlich – zumindest nach außen. Es gibt viele Gottesdienste, man hört fromme Lieder sogar im Supermarkt, im Bus predigen immer wieder Leute. Wo auch immer man hingeht, wird man mit dem Christentum konfrontiert. Das ist das, was man vordergründig sieht. Aber die Korruption ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen, was kein gutes Zeichen für Christsein ist. Außerdem macht das Wohlstandsevangelium viel kaputt. (Anmerkung: Die Irrlehre, dass Wohlstand der sichtbare Beweis für Gottes Segen sei. Diese Lehre geht davon aus, dass arme oder kranke Menschen zu wenig beten, glauben, spenden.) Im Land gibt es eine große Menge an selbsternannten christlichen Aposteln, die unter dem christlichen Deckmantel viel Geld für Heilungen abkassieren. In Wahrheit ist das Land also viel weniger christlich, als es auf den ersten Blick erscheint.

Was sind die größten Herausforderungen für Sambia?
Staaten aus Asien investieren viel in Sambia. Aber sie versuchen, so viel wie möglich an den Menschen vorbei aus dem Land zu schaffen. Praktisch ist es eine Ausbeutung der Menschen und Bodenschätze. Eine Misswirtschaft hat außerdem dazu geführt, dass das Land quasi pleite ist. Die Arbeitslosigkeit steigt.

Was begeistert dich an den Menschen dort?
Die Menschen leben oft in großer Armut und unter vielen Zwängen. Trotzdem sind sie fröhlich und oft sehr gelassen. Das begeistert mich. Auch in ihrem Vertrauen zu Gott sind mir viele ein Vorbild geworden. Obwohl sie scheinbar größere Nöte haben wie ich, sind sie oft zuversichtlicher. Und ihren Humor mag ich auch.

Warum startet ihr eine Gemeindegründung in der Hauptstadt Lusaka?
Es war schon länger der Wunsch unserer Partnerkirche, auch in der Hauptstadt mit einer Gemeinde präsent zu sein, die für die Menschen relevant ist. Viele Gemeinden in Sambia sind „stehengeblieben“, Jüngere und Familien kommen kaum. Wir wollen einen Anlaufpunkt schaffen für Studenten, die keine Gemeinde finden, in die sie sich einbringen können. In Sambia gibt es zum Beispiel oft als einzige Jugendprogramme Chöre. Wem das Singen nicht so viel Freude macht, hat dann Pech gehabt.
Unser Wunsch ist, dass die neue Gemeinde als Vorbild dient für andere Gemeinden im Land und sie motiviert werden, wieder die junge Generation zu erreichen.

MALAWI. Menschen in Afrika sehnen sich nach der Bibel und lassen sich das viel kosten. Das hat der Malawi-Missionar Sebastian Pfrommer bei einem Dorfbesuch bei einem muslimischen Häuptling erfahren. Dieser sagte in einem Gespräch, wie gerne er eine Bibel hätte. Ob er denn das Geld dafür habe, schließlich kostet eine Bibel so viel, wie eine Familie im Monat für Lebensmittel benötigt, fragte Sebastian Pfrommer zurück. Denn die Liebenzeller Mission verschenkt keine Bibeln, um sicherzugehen, dass sie auch gelesen werden. Nur das, was etwas kostet, hat für die Menschen einen Wert. Auf einmal verschwand der Häuptling in seinem Haus und kam keine zwei Minuten später überraschend mit dem Geld zurück: „Jetzt kannst du mir eine Bibel besorgen!“ Beim nächsten Besuch lasen der Missionar und der Häuptling dann gemeinsam darin. „Es war ein bewegender Moment, einen muslimischen Häuptling in der Bibel lesen zu sehen. Aber er las und las und hörte gar nicht mehr auf. Seine Augen leuchteten und so saßen wir eine ganze Stunde zusammen“, so Sebastian Pfrommer. Es sei unfassbar, wie Jesus so einen kleinen spontanen Besuch in einen unglaublichen Moment verwandelte.

Die Liebenzeller Mission ist seit 1992 in Malawi tätig. Zwölf Missionare arbeiten unter Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie unterstützen landwirtschaftliche Projekte, engagieren sich im Gesundheitswesen und bohren Brunnen. Außerdem bauten sie ein theologisches-handwerkliches Ausbildungszentrum für Gemeindeverantwortliche auf und betreiben einen Radiosender. Sebastian und Cathrin Pfrommer arbeiten seit 2017 im Dorfentwicklungsprojekt Ubwenzi (deutsch: Freundschaft)-Projekt mit.

RUSSLAND. Konfirmanden sind in Deutschland der Regel etwa 14 Jahren alt. Anders in Russland: Dort haben sich in der Gemeinde von Schwester Sabine Matthis in Berjosowski vier Erwachsene nun nach dem Ende des ersten „TEE“-Kurses (außerschulische theologische Ausbildung) konfirmieren lassen. „Mit diesem Programm möchten wir in der Zukunft die Mitarbeiter in Russland zurüsten zum Dienst“, so Sabine Matthis. „Die Konfirmation war ein sehr schönes Ereignis für die Gemeinde und es gibt bereits weitere Anfragen.“ In dem „TEE“-Kurs bekommen die Teilnehmer die Grundlagen des christlichen Glaubens vermittelt. Dabei arbeiten sie die Lektionen zu Hause durch und tauschen sich dann mit Schwester Sabine Matthis und den anderen Kursteilnehmern über den Lernstoff aus. Somit wird er selbstständig erarbeitet und im Gespräch vertieft. Die Liebenzeller Mission hat mit diesem Programm unter anderem in Bangladesch sehr gute Erfahrungen gemacht. TEE ist ein Schulungsprojekt für die Gemeinden und eine gute Möglichkeit, qualifizierte theologische Mitarbeiter heranzubilden. Der ehemalige Bangladesch-Missionar Waldemar Lies leitet und unterstützt den Aufbau dieses TEE Schulungskonzeptes. Dazu reist er zu Seminaren nach Russland.

Schwester Sabine Matthis ist seit 2006 in Russland tätig, seit 2009 in der Gemeindegründungsarbeit in Berjosowski. Die Stadt zählt über 50.000 Einwohner und liegt am Ostrand des Mittleren Urals, rund zwölf Kilometer nordöstlich von Jekaterinburg. Jeden Sonntag wird ein Gottesdienst angeboten, den die Liebenzeller Missionarin zusammen mit Mitarbeitern aus der Gemeinde gestaltet. Im Rahmen des „TEE“-Kurses wird es auch ein Programm zur Predigtvorbereitung geben, damit Gemeindemitglieder künftig selbst predigen können.