Nach fast 20-jähriger Tätigkeit als Missionar in Russland wechselt Waldemar Jesse als Gemeinschaftspastor nach Illertissen und Balzheim. Wir sprachen mit ihm, wie sich die Missionsarbeit in Russland verändert hat und was ihm fehlen wird.

Waldemar, was waren deine Aufgaben in Russland?
Zuerst war ich von 2001 bis 2006 in Jekaterinburg tätig, einer Stadt mit rund 1,4 Millionen Einwohnern, um eine Gemeinde zu gründen. Danach war ich fünf Jahre in der Probstarbeit vergleichbar als Dekan engagiert. Dabei habe ich vor allem Mitarbeiter betreut und geschult. Außerdem war ich an der Gründung zweier weiterer Gemeinden beteiligt. 2012 wechselte ich nach Tscheljabinsk, das rund 1,1 Millionen Einwohner zählt und etwa 200 Kilometer von Jekaterinburg entfernt ist. Dort fand ich zwei Gemeinden mit einer langen Geschichte vor, die auch ein Kirchengebäude hatten – es fehlten aber die Mitarbeiter. Meine Hauptaufgabe bestand darin, Mitarbeiter zu finden, zu schulen und zu befähigen, dass sie eigenständig Dienste übernehmen können. Der deutschsprachigen Gemeinde gehörten rund 15 sehr ältere Personen an. Die russischsprachige umfasste etwa 30 Mitglieder unterschiedlicher Nationalitäten. Was auch fehlte, waren Kinder und Jugendliche. Wir haben uns in erster Linie auf die russischsprachige Gemeinde konzentriert, denn das war die Zukunft. Wir bauten eine Kinder-, Jugend- und Frauenarbeit und weitere Kreise auf, um die Gemeinde zu fördern und zu stärken. Am Ende kamen bis zu 80 Besucher aus allen Altersgruppen in die Gottesdienste.

Bei Russland denke ich an ein unfassbar großes Land …
Die Liebenzeller Mission arbeitet im Uralgebiet, das fünfmal größer als Deutschland ist. Dort betreuten wir zum Schluss 13 Gemeinden mit rund 700 Mitgliedern. Dabei mussten wir sehr große Entfernungen zurücklegen. Von meinem Wohnort bis zur weit entferntesten Gemeinde lagen über 600 Kilometer.

Wie hat sich die Gemeindearbeit verändert?
Die Medien haben auch hier Einzug gehalten. So ist die Gemeinde inzwischen im Internet vertreten. Menschen versuchen wir mit verändertem Liedgut zu erreichen.

Was sind die besonderen Herausforderungen, vor denen die Missionsarbeit in Russland steht?
Es sind der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern und die riesigen Entfernungen. Es fehlen auch finanzielle Mittel, da es in Russland nicht die treuen Missionsfreunde gibt, die wie in Deutschland hinter der Arbeit stehen. Außerdem gibt es viele Suchtkranke. Und auch das Interesse am Glauben, am Religiösen überhaupt nimmt ab.

Wie ist die Situation der Christen in Russland generell?
In den 19 Jahren in Russland haben wir nur zweimal Gegenwind erlebt: Zum einen bei der Gemeindegründungsarbeit in Berjosowski von Schwester Sabine Matthis. Als wir Räume eines Invalidenvereins anmieten wollten, um dort sozial und missionarisch tätig zu werden, hat der örtliche orthodoxe Priester vehement dagegen protestiert. Er warf der Leitung des Vereins vor, sie würde ihren Glauben verkaufen und sich einer Sekte öffnen. Die Verantwortlichen des Vereins widersprachen und haben dennoch die Räume an uns vermietet. Zum anderen erlebten wir Widerstand beim Bau der Kirche in Jekaterinburg. Dort hatten sich die Anwohner des Parks heftig gegen eine Ansiedlung gewehrt. Das hatte aber keine religiösen Gründe.

Und wie ist das Verhältnis zur dominierenden orthodoxen Kirche?

Natürlich hat die orthodoxe Kirche in Russland eine besondere Stellung und sie versucht auch, eine Staatskirche zu werden. Sie wird auch vom Staat finanziell unterstützt. Aber in dem Land gilt die Religionsfreiheit und als Evangelische Kirche haben wir keinen Druck erlebt. Was aber allen Religionsgemeinschaften zu schaffen machte, war das Missionsgesetz, das vor rund fünf Jahren erlassen wurde. Darin wird klar geregelt, wie die evangelistische Arbeit aussehen darf. Da gibt es gewisse Beschränkungen. Aber es gibt kein Verbot, das Evangelium zu verbreiten.

Nun wechselst du zum 1. November zum Liebenzeller Gemeinschaftsverband nach Illertissen und Balzheim nach Franken. Was sind dort deine Aufgaben?

Ich betreue die bestehenden Gemeinden und möchte missionarisch aktiv sein, um Außenstehende zu erreichen. Durch meine Arbeit in Russland liegt mir besonders am Herzen, Mitarbeiter zu schulen und fortzubilden. Und ich wünsche mir, dass wir sozial aktiv werden, um Akzente zu setzen.

Und was wird dir von Russland fehlen?
Das sind die Menschen, die Beziehungen, die Gastfreundschaft, die unermessliche Weite des Landes. Und es sind die Freiheiten, die es so hier nicht gibt: In Deutschland ist alles geregelt.

Fast 20 Jahre war Waldemar Jesse mit seiner Frau Katharina in Russland im Auftrag der Liebenzeller Mission tätig. Zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit gehörten Gemeindegründung, Mission und Evangelisation sowie Schulung der Mitarbeiter. Durch TEE-Schulungen („Theological Education by Extension“ – außerschulische theologische Ausbildung) erhalten die Teilnehmer die Grundlagen des christlichen Glaubens vermittelt und werden zur Mitarbeit in den Gemeinden vorbereitet. Zuletzt lebte die Familie in Tscheljabinsk, rund 200 Kilometer von Jekaterinburg entfernt.

Benjamin und Debora Wagner leben mit ihren zwei Kindern seit 2016 in Sambia. Nach Abschluss des Sprach- und Kulturtrainings begann ihre Mitarbeit im Projekt „Hilfe zum Leben“ in Mushili. Seit Sommer 2017 ist Benjamin Projektverantwortlicher. Debora hält Kinderstunden in Mushili und unterrichtet benachteiligte Kinder in einem Waisenhaus.
Benjamin hat nach einer Ausbildung und Tätigkeit als Bankkaufmann die theologische Ausbildung in Bad Liebenzell absolviert. Debora ist Rechtsanwaltsfachangestellte. Beide haben ihre Berufung in den Missionsdienst bei Auslandseinsätzen in Afrika erlebt. In den nächsten Monaten sind Benjamin und Debora in Deutschland, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben ihnen einige Fragen gestellt.

 

Was liebt ihr an eurem Einsatzland Sambia besonders?
Die schönen Sonnenaufgänge, die freundlichen Menschen und ihre positive Lebenseinstellung. Obwohl viele Menschen sehr wenig zum Leben haben, sind sie extrem dankbar. Für uns ist es eine schöne Wertschätzung, dass die Menschen uns und unser Projekt gerne haben. Sie würden alles dafür tun, uns zu beschützen und uns zu helfen.
Achja, und das Wetter in Sambia lieben wir natürlich auch sehr. Auf den Wetterbericht schauen, braucht dort niemand.

 

Ihr arbeitet in Mushili, einer Stadtrandsiedlung von Ndola, der drittgrößten Stadt in Sambia. Viele Menschen dort sind sehr arm. Wie muss man sich den Alltag der Menschen vorstellen?
Strom haben die wenigsten Leute. Morgens machen sie erst einmal Feuer, um Wasser für den Tee zu kochen oder fürs Duschen zu erwärmen. Wer einen Job hat, geht zur Arbeit. Insgesamt ist es aber so, dass etwa die Hälfte der Menschen in Mushili keine Arbeit hat. Viele sind Tagelöhner, stehen an den Toren der Fabriken und hoffen, dass sie wenigstens für diesen Tag einen Job bekommen. Ihr Lohn dafür ist weniger als 5 Euro pro Tag.
Wer an der Uni studieren will, muss sehr viel Geld für die Studiengebühren aufbringen. Das können sich viele nicht leisten. Oder sie müssen einige Jahre arbeiten, um Geld fürs Studium anzusparen. Wer Geld hat, muss kulturell bedingt oft auch die Verwandten mitversorgen. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Alltag für viele ein Kampf ist, irgendwie über die Runden zu kommen. Erschwert wird ihre Situation auch durch eine Währungskrise. Die Preise haben sich in wenigen Jahren verdoppelt, die Löhne aber nicht. Und Absicherungen wie eine Arbeitslosenversicherung oder so gibt es in Sambia selbstverständlich nicht.

 

Wie setzt sich euer Projekt ein, damit Menschen auch in Mushili eine Perspektive haben?
Wir haben eine kleine Bücherei aufgebaut, die neben Romanen, Kinderbüchern und Bibeln auch viele gute Schulbücher hat. Die Schüler dürfen ihre Schulbücher in Sambia nicht mit nach Hause nehmen, was das Lernen natürlich erschwert. Jeden Tag kommen 40 oder 50 Kinder gerne zu uns zum Hausaufgaben machen und lernen. Zum Projekt gehört auch eine große Jugend- und Sportarbeit. Unser Wunsch ist es, dass junge Menschen ein gutes Freizeitangebot bekommen und Jesus kennenlernen. Deswegen fördern wir auch immer wieder Einzelne, in dem wir ihre Schulgebühren finanzieren oder sie zu Jüngerschaftskursen einladen. Was uns sehr freut: Ein Lehrer, der früher selbst an unseren Programmen teilgenommen hat, bringt sich jetzt ehrenamtlich ein. Ihm ist das Projekt sehr wichtig und er möchte etwas zurückgeben von dem, wovon er profitiert hat. Er bringt auch sein landwirtschaftliches Wissen, das er bei uns erworben hat, in seiner Schule ein und zeigt seinen Schülern zum Beispiel, wie man einen guten Gemüsegarten anlegt. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Schulung von Kleinbauern. Wir wollen ihnen zeigen, wie man auf einer kleineren Fläche mehr Ertrag erzielen kann. Und das alles auf der Grundlage von biblischen Werten.

 

Was ist euer Ansatz, dass die Hilfe nicht nur ein Strohfeuer, sondern nachhaltig ist?
70 Prozent der Menschen in Sambia leben von der Landwirtschaft oder sind als Nebenerwerb auf sie angewiesen. Aber viele arbeiten so ineffektiv, dass sie gar keinen Gewinn aus ihrer Arbeit erzielen. Sie kaufen immer mehr Dünger, damit es eine gute Ernte gibt. Die Böden werden dadurch aber immer saurer. Das wird für sie eine Spirale, aus der sie kaum mehr rauskommen. Hier setzen wir an und zeigen ihnen zum Beispiel auf Musterfeldern, wie sie durch die Verwendung von Kompost und Mulchen den Ertrag ihrer Felder steigern und ihre Familien besser ernähren können. Einer unserer Mitarbeiter besucht sie dann immer wieder, motiviert sie und gibt Tipps. Denn diese Arbeit braucht schon einen langen Atem.

 

Jetzt seid ihr in den nächsten Monaten in Deutschland. Was genießt ihr hier am meisten?
Das Essen und besonders die Qualität des Essens. Auch die Freizeitangebote für Kinder wie Spielplätze und Hallenbäder sind super. So etwas gibt es in Sambia nicht. Und wir genießen hier auch die Anonymität. In Mushili sind wir die einzigen Weißen. Da fällt man natürlich auf und wird entsprechend beobachtet. Trotzdem sind wir sehr gerne in Sambia.

 

Du willst die Arbeit von Familie Wagner mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

MALAWI. Die Corona-Pandemie eröffnet der Missionsarbeit auch ungewohnte Möglichkeiten: So bekommt der christliche Sender „Radio L“ in Malawi, der von der Liebenzeller Mission mitgetragen wird, viele Aufträge für Sondersendungen über Corona und wie man sich davor schützen kann, berichtet Missionar Paul Kränzler. Die Polizei hat zehn Sendungen gebucht, in denen sie über häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch aufklärt. Andere thematisieren die sozialen Auswirkungen, die die Schulschließungen und Arbeitslosigkeit mit sich bringen. Für eine Sendung über die in Afrika so notwendigen Nahrungsergänzungsmittel als Hilfe zur Verbesserung des Immunsystems suchen die Radiomacher noch Gesprächspartner. Moringa oder Artemisia und andere pflanzliche Mittel können, richtig eingesetzt, zur Vorbeugung dienen. Die Sondersendungen helfen mit, die missionarische Arbeit zu finanzieren. „Unter der Rubrik ‚Geistliche Programme‘ haben wir eine neue Reihe über ‚Angst überwinden‘ begonnen. Biblische Texte und Zeugnisse von Betroffenen sollen den Hörern Mut machen, Hilfe bei Gott zu suchen: nicht nur bei der Angst vor Corona, sondern auch vor Zauberei, Arbeitslosigkeit, wirtschaftlichen Nöten und Scheidung“, so Paul Kränzler.

„Radio L“ sendet unter dem Motto „Let there be light“ („Es werde Licht“) seit Ende 2017 als erster Radiosender Malawis überwiegend in der Stammessprache der Yao. Diese sind vorwiegend Muslime und machen etwa zehn Prozent der fast 19 Millionen Malawier aus. Die Yao leben meist in entlegenen Dörfern, viele können nicht lesen und schreiben. Deshalb ist für sie das Radio eine wichtige Informationsquelle. Die Sendungen von „Radio L“ sind lebensnah gestaltet. Sie geben Tipps für Familie und Erziehung, Gesundheit und Ernährung sowie Glaube und Nachfolge. Und natürlich strahlt der Sender auch Nachrichten und Musik aus.

Seit 2016 engagiert sich Jörg Wacker in der Gemeindegründungsarbeit in Toronto-Willowdale. Toronto gilt als die multikulturellste Stadt der Welt. Auch die Gemeinde in Willowdale ist sehr interkulturell. Noch bis Ende Oktober ist Jörg in Deutschland, um über seine Arbeit zu berichten. Wir haben ihm einige Fragen gestellt.
Was ist für dich das Faszinierende an Toronto?
Auf jeden Fall das Multikulturelle. Es gibt in Toronto keine Mehrheit, nur Minderheiten. Das finde ich extrem spannend und das bestimmt die Atmosphäre der Stadt.
Wie kam es, dass ihr bei der Gemeindegründung in Willowdale einen Fokus auf Einwanderer gelegt habt?
Die Gemeinde war ursprünglich deutschstämmig, aber die deutschen Einwanderer wurden immer weniger. Die Vision war dann, die Gemeinde durch die Menschen zu prägen, die sie umgeben. Unser Fokus liegt auf Menschen, die noch nicht mit Jesus erreicht sind. 50 Prozent der Menschen in Toronto sind nicht in Kanada geboren. Gemeindearbeit geht hier nur interkulturell.
Welche Fragen haben die Einwanderer an dich als Pastor?
Ich sitze mit ihnen im selben Boot, denn ich bin ja auch ein Einwanderer. Viele fragen sich: Wie kann ich hierbleiben? Wie gelingt es, dass ein fremdes Land für mich Heimat wird? Das sind ganz ähnliche Fragen, die ich selbst habe. Und natürlich fragen sie auch, was Christsein ausmacht. Denn die meisten haben keinen christlichen Hintergrund, sondern einen atheistischen, muslimischen oder hinduistischen.
Kommt es durch die unterschiedlichen Nationalitäten auch immer mal wieder zu Spannungen in der Gemeinde?
Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede, aber bei uns in der Gemeinde genießen wir das. Ich weiß aber schon auch von Gemeinden, in denen es zu Spannungen kommt. Das gehört dazu. Da bei uns die Gemeinde von vornherein interkulturell angelegt war, wissen alle, woran sie sind.
Was hast du gelernt von Menschen anderer Herkunft?
Auf jeden Fall wertzuschätzen, wie wichtig Beziehungen sind. Wir Deutschen wollen immer effizient arbeiten. Im Ausland merke ich, wie deutsch ich bin. Zu lernen, was es mit Menschen macht, wenn man sich Zeit für sie nimmt, ist eine wertvolle Erfahrung. Viele hier sind sehr gastfreundlich. Da kann ich einiges von ihnen lernen. Der Mensch ist ihnen immer wichtiger als alles andere.
Du willst die Arbeit von Jörg Wacker mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun: www.liebenzell.org/spenden-wacker
Als Liebenzeller Mission profitieren wir sehr von unseren Langzeitmissionaren. Missionsarbeit könnte nicht funktionieren ohne Menschen, die sich Jahrzehnte in ihrem Einsatzland investieren. Norbert und Susanne Laffin leben und arbeiten seit mehr als 30 Jahren in der Normandie in Frankreich. In Coutances haben sie eine Gemeinde gegründet und sind nun seit 2017 in Alençon im Einsatz. Bis Anfang Oktober ist Norbert noch in Deutschland und berichtet von der Missionsarbeit in der Normandie. Wir haben ihm einige Fragen gestellt.
Wie gehen die Menschen in der Normandie mit den Corona-Einschränkungen um: Sind sie ganz gelassen oder sehr genervt?
Während der ersten Welle der Pandemie wurde eine wochenlange Ausgangssperre verhängt. Die Leute hatten schon große Angst. Sie haben sich sehr an die gesetzlichen Maßnahmen gehalten, selbstverständlich auch die Gemeinden. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres gab es gerade bei den jüngeren Leuten wieder Treffen und Studentenpartys. Die Sorge vor einer starken zweiten Welle ist schon da, wenngleich die Infektionszahlen in der Normandie im Frankreichvergleich eher niedrig sind.
Eure Gemeinde plant, ein eigenes Gemeindehaus zu kaufen. Was ist der aktuelle Stand und was sind die Herausforderungen?
Es war eine echte Zitterpartie, ob unser Makler eine Bank finden würde, die uns den benötigten Kredit bewilligen würde. Dann kam eine dritte Absage. Doch wenn Gott eine Tür schließt, öffnet er ein Fenster! Unser einheimischer Gemeindeverband war bereit, sein Darlehen „aufzustocken“, und wir erhielten Unterstützung von weiteren französischen Gemeinden und Freunden. Nun ist es endlich soweit, dass wir den Kaufvertrag unterzeichnen können. Reparatur- und Umbauarbeiten sind dann für das kommende Jahr geplant.
Welches Erlebnis der vergangenen Monate hat euch besonders bewegt?
Durch die Corona-Zeit ist die Gemeinde zusammengewachsen, obwohl wir uns nicht treffen konnten. Es gab einige Leute, die mir gesagt haben, dass sie nun mehr Zeit zum Bibellesen hatten. Bei den Gebetstreffen per Telefonkonferenz hatten wir dreimal so viele Teilnehmer als sonst. Das war schon bewegend.
Da zum Ende des letzten Schuljahrs einige Menschen aus unserer Gemeinde weggezogen sind, haben wir um neue Menschen in der Gemeinde gebeten. Letzten Samstag lud ein neues Ehepaar die Gemeindeglieder und ihre Nachbarn in ihr neues Zuhause ein. Die Frau, eine Ärztin, ist aus Burundi und kennt einige der Liebenzeller Missionare dort. Ihr Mann hat Erfahrungen in der Jugendarbeit. Sie wollen sich auch in der Gemeinde engagieren! Genauso freuen wir uns über zwei Teenager, die vor einigen Jahren losen Kontakt zu uns hatten und unsere Gemeinde nun wieder über das Internet gefunden haben. Dass sie gleich in den Gottesdienst kamen, grenzte an ein Wunder.
Was wünschst du den Menschen in deiner Gemeinde?
Ich möchte die Gemeindeglieder gerne schulen und motivieren, dass sie ihren Nachbarn, Freunden, und Kollegen von ihrem Glauben erzählen. Sie sind unsere Multiplikatoren. Ihnen dabei helfen zu können, das wünsche ich mir.
Du willst die Missionsarbeit von Norbert und Susanne Laffin mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun: www.liebenzell.org/spenden-laffin

Stefan und Lara Degler sind in diesem Jahr erstmals als Missionare nach Japan ausgereist. Dabei machten in ihrem Einsatzland eine bemerkenswerte Entdeckung um das Wesen der Religion dort. Gilt das auch für Deutschland?

In Japan gibt es unzählig viele Getränkeautomaten, die gekühlte und warme Getränke anbieten. Man findet sie in nahezu an jeder Straßenecke auch in den entlegensten Orten auf dem Land. Laut Statistik kommt in Japan ein solcher Automat auf 23 Menschen. Beinahe überall und zu jeder Zeit kann man also gegen ein bisschen Kleingeld aus einem großen Angebot das persönliche Wunschgetränk wählen und genießen. Das ist praktisch, total hilfreich und vor allem: Es funktioniert!
Diese Automaten erinnern uns an das Verständnis von Religion in Japan: Genauso wie die Automaten funktionieren und gegen ein kleines „Opfer“ das gewünschte Produkt ausgeben, soll auch Religion funktionieren. Gebete, das Kaufen eines Glücksbringers im Tempel, Ahnenverehrung und bestimmte Rituale müssen umgesetzt werden, um damit die Gunst eines Gottes zu erhalten. Besonders auffallend ist, dass diese religiösen Rituale vor allem dann praktiziert werden, wenn man unter Nöten und Problemen leidet.
Im Japanischen gibt es dafür eine Redewendung: „kurushii toki no kamidanomi“ („Sich in schwierigen Zeiten an Gott wenden“). Diese Redewendung beschreibt sehr gut den Grundgedanken japanischer Religion: Der praktische Nutzen der Religion ist das zentrale Element.

Der Gott der Bibel ist anders!

Darum sind die Rituale praktisch orientiert. Es geht dabei weniger darum, wer dieser Gott ist, den es gut zu stimmen gilt, oder was sein Wesen ist und wie er sich dem Menschen vorstellt. Vielmehr geht es lediglich darum, ein Ritual durchzuführen, das einen Nutzen bringen soll. Darum wissen viele Japaner auch nichts oder nur sehr wenig über die Gottheit, die sie im Schrein anbeten. Götter werden oft lediglich nach ihrer Funktion beschrieben bzw. für wen oder was sie „zuständig“ sind. Das Wesen der Gottheit gegenüber seiner Aufgabe und Funktion tritt dabei in den Hintergrund. Rituale sind wichtiger als Dogmen. Das spiegelt sich leider auch in vielen zwischenmenschlichen Beziehungen hier in Japan wider. Die Aufgabe und Funktion einer Person erscheint oft wichtiger, als die Person selbst.
Dabei entdecken wir vor allem eins: Der Gott der Bibel ist anders! In der Heiligen Schrift stellt sich Gott vor. Er bleibt nicht unbekannt, sondern will unter den Menschen wohnen und mit ihnen Gemeinschaft haben. Durch Jesus, der auf die Erde kam und uns Menschen gleich wurde, erkennen wir, wie Gott ist. Gott ist also nicht unbekannt. Ihm geht es nicht um Rituale, sondern um eine Beziehung mit ihm: weil Gott an jedem Einzelnen interessiert ist. Und nein, Gott ist kein Wunschautomat, und oft erleben auch wir als Christen nicht nur Schönes! Aber wir wissen um einen Gott, der mit uns gemeinsam durch die Höhen und Tiefen des Lebens geht, der uns versteht, uns kennt, uns beisteht und es gut mit uns meint. Und obendrein schenkt er uns eine Perspektive über dieses Leben hinaus, die so viel größer und weiter ist!

Ihr Herzschlag ist: Menschen mit der guten Botschaft von Jesus Christus bekannt zu machen. Das tut Evelyn Theurer in La Roche-sur-Yon in Frankreich. Damit noch mehr Menschen erreicht werden können, investiert sie viel Zeit in Besuche und in Begleitung von Mitarbeitenden, um sie zu fördern, zu schulen und zu ermutigen. Was sie in ihrer interkulturellen Gemeinde erlebt und wie dort der Alltag mit Corona aussieht, erzählt sie in diesem Interview. Bis Ende September ist Evelyn noch in Deutschland und berichtet von ihrer Arbeit in Frankreich.
Nach einigen Jahren als Missionarin in der Normandie bist Du jetzt in der Vendée im Einsatz. Wo liegt diese Region denn und was ist dort anders als in der Normandie?
Die Vendée liegt grob gesagt zwischen Nantes und Bordeaux. Die Region ist touristischer als die Normandie. Die Menschen haben eine andere Mentalität. Sie sind stark von der französischen Geschichte geprägt und sehr traditionell. Interessant ist, dass viele Ausländer in der Region leben.
Du arbeitest in einer sehr interkulturellen Gemeinde mit. Inwiefern sind die verschiedenen Kulturen bereichernd und wo liegen die Herausforderungen?
Ich empfinde die Menschen aus verschiedenen Ländern als große Bereicherung. Bei uns in der Gemeinde sind sie immer wieder der Anstoß dafür, Traditionen und Abläufe zu hinterfragen. Wie gestalten wir unsere Gottesdienste, damit sie für verschiedene Menschen einladend sind? Welche Ausdrucksformen für Gebet gibt es bei uns?
Insgesamt bringen die meisten Ausländer eine große Dankbarkeit mit. Ihnen ist es wichtig, ihre Dankbarkeit gegenüber Gott an ihn zurückzugeben – auch wenn sie oft nur sehr wenige Mittel haben.
Herausfordernd sind manchmal das andere Zeitgefühl. Termine einzuhalten, ist nicht immer allen wichtig. Neulich wurde ich von einer Person dreimal versetzt. Aber damit komme ich schon meist klar. Da ich in Frankreich selbst Ausländerin bin, habe ich bei anderen Ausländern manchmal einen „Bonus“, sie gehen offener mit mir um. Vielleicht habe ich auch ein anderes Sensorium für ihre Themen und Fragen entwickelt, weil mir manches ganz ähnlich geht.
Schön finde ich, dass mittlerweile mehrere Menschen mit nicht-französischem Hintergrund bei uns im Leitungskreis integriert sind. Ich hoffe, dass die traditionellen Franzosen da mitgehen können. Ich jedenfalls freue mich darüber.
Wie sieht euer Corona-Gemeindealltag aus?
Derzeit steigen die Infektionszahlen wieder, gleichzeitig finden Gottesdienste wieder im Präsenzmodus statt. Wobei normalerweise 150 Personen kommen und derzeit nur etwa 60. Kleingruppen und Hauskreise sind aktuell auf maximal zehn Personen limitiert. Leider sind Kinder in der Gemeinde momentan ganz ausgeklinkt. Das beschäftigt mich sehr. Kinder sind die Hauptleidtragenden der Corona-Krise. Ältere Gemeindeglieder versuchen wir, verstärkt zu besuchen.
Man muss aber sagen, dass Corona auch die Herausforderungen unserer Gemeinde aufgedeckt hat. Wir haben festgestellt, dass ein Teil unserer Gemeindeglieder sich gar nicht so wirklich kennt. Daran wollen wir nun arbeiten.
Gibt es ein Erlebnis in den vergangenen Monaten, das dich besonders bewegt hat?
Nach zehn Wochen Lockdown konnte ich wieder einen Gemeindebesuch bei einer Familie machen. Als sich der zweijährige Sohn gleich voller Vertrauen auf meinen Schoß gesetzt hat, obwohl wir uns so lange nicht gesehen hatten, hat mich das wirklich sehr bewegt.
Du willst die Missionsarbeit von Evelyn Theurer mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun: www.liebenzell.org/spenden-theurer

Wie hat sich die Corona-Pandemie mit den zahlreichen Reisebeschränkungen auf das Kurzeinsatzprogramm „impact“ der Liebenzeller Mission ausgewirkt? Dazu haben wir Stephan Trick befragt. Der Gemeindepädagoge leitet seit 2011 den Arbeitszweig. Viele junge Erwachsene nehmen jährlich an den „impact“-Einsätzen teil und unterstützen somit die Arbeit von unterschiedlichen Projekten.

Stephan, wie viele junge Menschen sind zurzeit wie geplant in ihren Einsatzländern?
Im Normalfall wären jetzt Ende September 55 impactler für einen Jahreseinsatz in ihren Einsatzländern. Aktuell sind vier junge Menschen in Sambia an der Amano-Schule und zwei junge Erwachsene in Frankreich. Die anderen warten auf die Buchung der Flüge und ihr Visum. Bislang mussten wir Chile komplett absagen, eine Ausreise nach Ecuador und die USA ist wohl erst frühestens im Januar oder Februar möglich. Die neun jungen Erwachsenen, die für Ecuador vorgesehen waren, absolvieren bis Anfang Dezember zur Überbrückung ein Sonderprogramm in Bad Liebenzell. Die vier ursprünglich für die USA geplanten impactler reisen für ein Jüngerschaftsprogramm bis Januar nach Japan, falls es ein Visum dafür gibt. Anfang Februar soll es dann in die USA weitergehen, wenn sich bis dahin die Situation verbessert.

Wo sollten die impactler alles eingesetzt werden?
25 waren für Kanada, vier für die USA am Sitz der Liebenzeller Mission in Schooleys Mountain vorgesehen. In Frankreich sollen neben den bisherigen zwei weitere zwei impactler folgen. Für Burundi sind zwei Lernhelfer vorgesehen, zwei wollen Anfang Oktober nach Malawi, um in der Verwaltung und als technische Mitarbeiter zu helfen. Nach Sambia sollen ebenfalls in den nächsten Wochen drei weitere impactler an unsere Amano-Schule ausreisen. Dazu kommen sechs junge Erwachsene, die in Japan in unserem Schülerheim wohnen und in dem Land eingesetzt werden sollen.

Woher kommen die impactler?
Die jungen Menschen kommen aus ganz Deutschland, vor allem aus Baden-Württemberg und Bayern. Sie sind zwischen 18 (dem Mindestalter) und 24 Jahre alt. Der klassische impactler ist Abiturient, der vor seinem Studium noch einen Auslandseinsatz unternehmen möchte. Einige haben aber auch eine Ausbildung oder ein Studium erfolgreich absolviert, andere bereits in einem Beruf voll gearbeitet. Und ich freue mich, dass eine Österreicherin und eine Schweizerin unser Kurzzeiteinsatzprogramm absolvieren.

Welchen geistlichen Hintergrund haben sie?
Die impactler kommen aus unterschiedlichen Kirchen und Gemeinschaften: Landeskirche, Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC), Freikirchen wie Baptisten und Freie evangelische Gemeinden. Viele finden uns über die Internetseite. Am meisten kommen sie über Empfehlungen von ehemaligen impactlern und Freunden, die die Liebenzeller Mission kennen.

Wir wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Bewerberzahlen aus?
Bislang hatte das Virus kaum Einfluss auf die Bewerberzahler, da wir bereits im März vor dem Ausbruch der Pandemie fast alle Stellen besetzt hatten.
Wie sich die Pandemie auswirkt, sehen wir erst im nächsten Jahr. Mittlerweile sind schon 20 Bewerbungen für den nächsten Sommer bei uns eingegangen. Ende Oktober startet die neue Bewerberauswahl für das nächste Jahr.

Und wie gehen die impactler mit der Situation um?
Mit den vorgesehenen impactler, die auf die Ausreise warten, halten wir engen Kontakt und informieren sie permanent. Viele sind auch im Austausch mit den Missionaren, die sie eigentlich unterstützen sollten. Sie warten auf den Start der gebuchten Flüge. Der Start ist letztlich davon abhängig, ob die Flughäfen in den Einsatzländern offen sind und wir damit einen Flug bekommen und die Bewerber ein Visum erhalten. 45 unserer impactler absolvieren einen staatlich geregelten internationalen Freiwilligendienst. Dabei gibt es klare Vorgaben und da ist entscheidend, was die Bundesregierung sagt. Wir stehen im engen, ständigen Austausch mit dem zuständigen Familien-Ministerium, mit unseren Missionaren vor Ort und den Gesundheitsbehörden.

Darüber freuen wir uns sehr: Zum 1. September haben 13 neue Missionare bei uns begonnen – 4 Paare und 5 Singles. Ihre geplanten Einsatzländer reichen von Deutschland, über Spanien bis nach Malawi und Ecuador. Wir wünschen allen Neuen einen super Start. Seid gesegnet und werdet ein Segen für viele Menschen weltweit!

Mit einem abwechslungsreichen Familiennachmittag endete das „Hoffnungscamp 2020“ am 30. August. Zwei Wochen begeisterte ein sechsköpfiges, internationales Mitarbeiterteam Kinder und Jugendliche von geflüchteten Familien. Bei zehn verschiedene Nationalitäten herrschte Leben in der Bude. Neben Spielen, Basteln und Sport hörten die Besucher jeden Tag eine Hoffnungsgeschichte aus der Bibel.

„Das ist der beste Sommer meines Lebens“, meinte ein elfjähriger kurdischer Junge. „Das muss immer weiter gehen“, wünschte sich ein afghanisches Mädchen. Die meisten der Kinder und Jugendlichen leben noch in der Gemeinschafts- bzw. Anschlussunterkunft. Für sie waren die Nachmittage etwas ganz besonders. Viele Teilnehmer hingen regelrecht wie Kletten an den Mitarbeitern. Wir beten, dass diese zwei Wochen geballte Aufmerksamkeit und Zuwendung das Leben der Kinder nachhaltig prägen.