Mein Handy vibriert. Ich nehme es in die Hand und lese die verzweifelte Nachricht von Akram (Name geändert), einem Geflüchteten aus Afghanistan. Er hat nur eine Duldung erhalten, dabei hatte er so sehr auf eine Anerkennung gehofft. Meine Gedanken sind hin- und hergerissen. Akram tut mir leid, denn mit einer Duldung hat er es sehr schwer. Seine innere Zerrissenheit wird sich nicht bessern. Denn er weiß nicht, wie lange er bleiben kann. Wieder wurden seine Hoffnungen zerschlagen und er hat keine Perspektive für sein Leben hier in Deutschland.

Auf der anderen Seite denke ich: „Selbst Schuld. Warum hast du auch den Anwalt nicht bezahlt?“ So hätte er höchstwahrscheinlich eine Anerkennung als Asylberechtigter bekommen. Aber so einfach ist das dann auch wieder nicht. Akram und viele andere junge Männer, mit denen ich zu tun habe, haben den Umgang mit Geld nie gelernt. Sie schließen Verträge ab, die regelmäßige Kosten mit sich bringen. Aber sie können sie auf die Dauer nicht bezahlen. Dann kommen Mahnungsgebühren hinzu und in kürzester Zeit haben junge Männer Schulden in Höhe von 1.000 Euro. Wenn man mit 320 Euro im Monat auskommen muss, ist das eine enorme Summe. Wie soll man aus dieser Schuldenfalle je herauskommen? Immer wieder helfe ich den Männern, abgeschlossene Verträge zu kündigen und unterstütze sie im Umgang mit den Inkassofirmen.

Und dann sind da noch die Erwartungen der Verwandten im Heimatland. Plötzlich wird die Mutter krank. Man kann doch seiner eigenen Mutter die Hilfe nicht verwehren! Dann werden schnell einmal 100 Euro nach Afghanistan geschickt und am Ende bleibt kein Geld mehr übrig für Essen, Busfahrkarten oder ein neues Shampoo. Erstaunlich, dass sie es doch irgendwie schaffen, über die Runden zu kommen.

Ich nehme das Handy und spreche Akram eine Nachricht auf. Ich versuche ihm Mut zu machen. Einige Tage später ermutige ich ihn, die Hilfe einer Psychologin in Anspruch zu nehmen. Seine innere Zerrissenheit und Verzweiflung ist groß. Fünf Jahre in Deutschland – keine Arbeit, keine Perspektive, keine Familie … Auch ich bin innerlich zerrissen. Tobias Zinser

Tobias Zinser war von 2012 bis 2015 als Entwicklungshelfer in Afghanistan tätig. Seit 2016 arbeitet er unter Geflüchteten in Bad Liebenzell. Seit 2018 ist er mit seiner Frau Sarah Projektleiter des Hoffnungshauses Bad Liebenzell.

Dr. med. Esther Pflaum ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Fachärztin für Allgemeinmedizin. Seit 1984 arbeitet sie als Missionsärztin. Ihr erster längerer Einsatz führte nach Liberia/Westafrika. Auf eine Vertretungstätigkeit in Papua-Neuguinea folgte eine erneute Ausreise nach Liberia, die durch den Bürgerkrieg beendet wurde. Anschließend mehrjährige Mitarbeit am Kalene-Hospital in Sambia. Seit Juni 2005 ist Esther Pflaum in der Gynäkologie und Geburtshilfe am 130-Betten-Krankenhaus in Galmi in Niger/Westafrika tätig. In den nächsten Wochen ist sie in Deutschland und berichtet von ihrer Arbeit. Wir haben Esther Pflaum ein paar Fragen gestellt.

 

Wie ist die gesundheitliche Lage derzeit in Galmi?
Viele Leute in unserer Gegend sind sehr arm und es gibt viele Analphabeten. Wenn die Menschen krank werden, können sie es sich oft nicht leisten, ins Krankenhaus zu gehen. Deshalb kommen viele sehr spät zu uns – meistens erst, wenn sie schwer krank sind. Wenn dann jemand stirbt, sagen die Menschen „Inshallah“ – Gott hat es so gewollt. Manche fügen sich einfach in ihr Schicksal. Die Menschen arbeiten sehr hart, auch die Frauen. Oft sind sie unterernährt, die Hygiene ist mangelhaft, viele Menschen leiden unter Blutarmut. Dadurch, dass sie in keinem guten gesundheitlichen Allgemeinzustand sind, wirken sich Krankheiten dann häufig schneller und stärker aus.

 

Du arbeitest in einem christlichen Krankenhaus. Wie geht die muslimische Mehrheit in der Region damit um?
Das Krankenhaus existiert jetzt bald 70 Jahre. Die Bevölkerung ist sehr dankbar für die medizinische Hilfe, die die Menschen bekommen. Unser Krankenhaus ist auch als Missionskrankenhaus akzeptiert und gewünscht. Es wird zum Beispiel nicht nur toleriert, sondern sogar ausdrücklich erwartet, dass wir vor einer OP mit den Patienten beten. Auch dass wir regelmäßig Andachten halten oder den Jesus-Film zeigen, wird akzeptiert.

 

Was sind derzeit für dich die größten Herausforderungen am Missionskrankenhaus in Galmi?
Das ist schon die Tatsache, dass die Menschen einfach sehr spät zu uns ins Krankenhaus kommen, manchmal einfach zu spät. Wenn sie früher kommen würden, könnten wir ihnen noch mehr helfen. Wir können leider nicht alle Leben retten, was natürlich schmerzt. Personell ist es eine Herausforderung, qualifizierte Hebammen, Ärzte und Pfleger zu finden. Wie fast überall auf der Welt ist es für viele nicht so attraktiv, in einer ländlichen Region zu arbeiten. Die meisten qualifizierten Mitarbeiter wollen lieber in der Stadt arbeiten.

 

Niger hat eine der höchsten Geburtenraten der Welt. Welche Auswirkungen hat das auf das Land und insbesondere für die Frauen?
Oft sind die Frauen geschwächt, was dann die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen bei der Geburt und die Kindersterblichkeit erhöht. Mittlerweile gibt es aber mehr und mehr Frauen, die feststellen, dass Abstände zwischen den Geburten gut und gesund sind. Aber natürlich gehören da auch die Männer dazu, das zu akzeptieren.

 

Gibt es ein Erlebnis in den letzten Wochen, das dich besonders berührt hat?
Durch Corona konnten wir zeitweise weniger Patientinnen aufnehmen. Dadurch blieb mehr Zeit, um zum Beispiel biblische Geschichten zu erzählen. Einmal las ich zwei Frauen die biblische Geschichte von der Sturmstillung Jesu in einer einfachen Version ihrer Sprache Hausa vor. Eine der Frauen hatte kein Interesse daran. Sie verließ den Raum. Die andere Frau wurde von der Geschichte sehr angesprochen. Sie hatte im Radio schon von der Bibel gehört und hat sich sehr gefreut, mehr davon zu erfahren.

Durch die Corona-Pandemie ist die Kinder- und Jugendarbeit aktuell sehr eingeschränkt. Und doch lassen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Liebenzeller Mission immer wieder kreative Angebote einfallen – wie in der „Oase“ in Neubrandenburg. Einige Mitarbeitende produzierten Videos für die Kinder. Sie stellten nun einen Fernseher ins Bürofenster und ließen nachmittags die Videos in Dauerschleife laufen, damit sich die Kinder auch auf dem Spielplatz unkompliziert die Videos von „Fischlein Rosi“ anschauen konnten, berichteten Jonathan und Melanie Nill. „Unsere Erfahrung ist aber auch: Digitale Medien können zwar eine Hilfe sein, aber der persönliche Kontakt ist und bleibt gerade auch in diesen Zeiten besonders wichtig und praktisch unersetzlich. Deshalb sind wir als Team dankbar, dass wir Menschen durch Gottesdienste, 1:1-Treffen und Streetwork erreichen können.“

Die engagierte Arbeit von Radio L. in Malawi trägt immer mehr Früchte: So erreichte die Mitarbeiter um Missionar Paul Kränzler die Bitte einer Hörergruppe, einen Bibelgesprächskreis in ihrem Dorf zu beginnen. Daraufhin traf sich der Liebenzeller Missionar mit der örtlichen Stammesführerin. In Malawi gibt es viele Frauen, die die Häuptlingsrolle innehaben. „Sie hat gleich zugestimmt und uns alle Freiheiten eingeräumt. Seit November fahren wir mittwochs in dieses Dorf, um den Frauen (bis jetzt hat sich kein Mann dazu getraut) biblische Geschichten zu erzählen und zu erklären.“ Dabei verwenden die Mitarbeiter die Hörbibel in Chiyao. In der Kultur wurde Geschichte in Form von Geschichten weitergegeben, denn es gab keine Schrift. Selbst diejenigen, die in die Schule gingen, verstehen mehr, wenn sie eine Geschichte hören, als wenn sie sie selber lesen. Seit Januar ist eine weitere Gruppe dazugekommen. „Freitags fahren wir nach Mitanga, um mit den Interessierten unter anderem über die Schöpfungsgeschichte, den Ursprung der Ehe, die erste Vielehe, die Versuchung von Adam und Eva mit den anschließenden Folgen zu diskutieren. Dass solche Gruppen entstehen, war unser Wunsch von Anfang an.“

 

Radio L. sendet unter dem Motto „Let there be light“ („Es werde Licht“) seit Ende 2017 als erster Radiosender Malawis überwiegend in der Stammessprache der Yao. Diese sind vorwiegend Muslime und machen etwa zehn Prozent der fast 19 Millionen Malawier aus. Die Yao leben meist in entlegenen Dörfern, viele können nicht lesen und schreiben. Deshalb ist für sie das Radio eine wichtige Informationsquelle. Die Sendungen von Radio L. sind lebensnah gestaltet. Sie geben Tipps für Familie und Erziehung, Gesundheit und Ernährung sowie Glaube und Nachfolge. Und natürlich strahlt der Sender auch Nachrichten und Musik aus.

BAD LIEBENZELL / JAPAN. Zehn Jahre ist es her, dass in Japan Ausnahmezustand herrschte und die ganze Welt den Atem anhielt. Die Katastrophe am 11. März 2011 begann mit einem Erdbeben an der japanischen Pazifikküste, das den verheerenden Tsunami auslöste, in dessen Folge mehr als 22.000 Menschen ihr Leben verloren. Und er führte zu einer Unfallserie im Kernkraftwerk von Fukushima, die auch Auswirkungen in Deutschland hatte. Der Ausstieg aus der Atomenergie war eine Konsequenz der Fukushima-Krise.

Auch wenn heute durch die Corona-Pandemie eine andere Krise das Land bestimmt, sind die Folgen von „3/11“, wie der Unglückstag in Japan genannt wird, noch spürbar. „Für viele Japaner ist die Erinnerung an diesen Märztag vor zehn Jahren immer noch sehr schmerzhaft. Nicht nur für diejenigen, die um Angehörige trauerten. Das Gefühl, ein Stück weit Sicherheit verloren zu haben, hat das Land geprägt“, sagt David Jarsetz, Missionsdirektor der Liebenzeller Mission.

Sichtbar ist das immer noch im Nordosten von Japan, in der Region um die Stadt Sendai. Die Trümmer, die der Tsunami hinterlassen hat, sind zwar fast überall beseitigt. Trotzdem gibt es weiterhin Menschen, die in Übergangswohnungen oder Containersiedlungen wohnen.

Dass die Liebenzeller Mission damals schnell und unbürokratisch Hilfe leistete, sei sehr wichtig gewesen, sagt David Jarsetz: „Die Solidarität mit den Menschen in Japan war bei unseren Freunden in Deutschland sehr groß. Viele haben für die Betroffenen in Japan gebetet und die Hilfsmaßnahmen mit Spenden unterstützt.“ Mehrere Hilfsteams mit Freiwilligen aus Deutschland schickte die Liebenzeller Mission in die Tsunami-Region. Sie befreiten Häuser von Schlick und Schlamm oder schleppten Fahrzeuge aus überfluteten Reisfeldern. „Dass Ehrenamtliche extra aus Deutschland angereist sind, um zu helfen: Daran erinnern sich unsere Partner noch heute.“ Hilfe leisteten damals auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Freizeitheim der Liebenzeller Mission in Okutama, westlich von Tokio. Sie nahmen 70 Menschen aus Fukushima auf, die nur wenige Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk wohnten und wegen der radioaktiven Strahlung ihre Häuser verlassen mussten. Über mehrere Monate fanden sie in dem Freizeitheim eine vorübergehende Bleibe und wurden versorgt.

Bei der Arbeit der aktuell elf Liebenzeller Missionare in Japan ist längst wieder der Alltag eingekehrt. Schwerpunkt ihres Engagements ist die Gründung von christlichen Gemeinden – in einem Land mit etwa einem Prozent Christen. Sie zu ermutigen und zu stärken, sei eine wichtige Aufgabe, so David Jarsetz: „Die Katastrophe hat bei vielen Japanern den Glauben an die Technik beschädigt. Die Machbarkeit von materiellem Fortschritt und Sicherheit wird heute kritischer gesehen. Als Missionsorganisation ist es uns wichtig, den Menschen von der Hoffnung in Jesus Christus weiterzusagen, die über den Tod hinausgeht.“ Die Freundschaft der Liebenzeller Mission zu den Menschen in Japan werde auf jeden Fall bleiben, verspricht David Jarsetz. Seit 1927 sind Liebenzeller Missionare in Japan im Einsatz: „Freundschaft zeigt sich auch in Treue. Das wollen wir leben.“

Die Corona-Pandemie hat auch in Russland dazu geführt, dass keine Gottesdienste und andere Gemeindeveranstaltungen mehr stattfanden ­– und doch sind in dieser Zeit ganz neue, einzigartige Angebote entstanden: So konnte über die Videokonferenz-Plattform Zoom Gottesdienste online gefeiert werden, berichtet Schwester Sabine Matthis: „Sogar die älteren Gemeindeglieder lernten damit umzugehen.“ Damit konnte die Gemeinde in Berjosowski erreicht, die vakanten Gemeinden in Polewskoj und Nishni Tagil mitbetreut und das Gemeindeleben aufrechterhalten werden. Inzwischen dürfen wieder Gottesdienste unter Beachtung der Hygienevorschriften angeboten werden und das Gemeindeleben kommt so langsam wieder in Gang. „Allerdings haben wir die Übertragung der Gottesdienste beibehalten und damit können die vakanten Gemeinden dabei sein.“ Gleichzeitig hat sich auch eine Gebetsgruppe per Zoom gebildet. „Im Ural sind wir einige Hundert Kilometer voneinander entfernt. Doch jetzt haben wir die Möglichkeit, voneinander zu hören und mit- und füreinander zu beten. Eine neue Form, die uns durch Jesus eröffnet wurde.“

Schwester Sabine Matthis ist seit 2006 in Russland tätig. Neben verschiedenen Veranstaltungen werden „TEE“-Kurse (außerschulische theologische Ausbildung) vor Ort und per Internet angeboten.

Die Liebenzeller Mission unterstützt nicht nur die eigenen, rund 230 Missionare, sondern weltweit auch über 70 einheimische Mitarbeiterinnen und Missionare. So werden beispielsweise in Bangladesch seit über 20 Jahren Dozenten, Verwaltungsmitarbeiter und vor allem Evangelisten mitfinanziert. Zurzeit sind es rund 15, sagte Missionar Samuel Strauß.

Rund zehn Evangelisten erhalten in Bangladesch einen monatlichen Gehaltszuschuss der Liebenzeller Mission. Dabei arbeitet die Liebenzeller Mission eng und vertrauensvoll mit dem einheimischen Partnerverband „Bangladesch Baptist Church Sangha“ (BBCS) zusammen. In jedem seiner zehn Kirchenbezirke ist ein Evangelist eingesetzt. Diese sind überwiegend aus der „Außerschulischen theologischen Ausbildung (TEE)“ hervorgegangen. Das Programm wurde entwickelt, da vielen Gemeinden das Geld fehlt, um junge Menschen an theologischen Einrichtungen studieren zu lassen. Dabei bearbeitet der Student eine bestimmte Anzahl von Lektionen zu Hause und trifft sich dann mit seinem Mentor. Er geht mit dem Schüler den Lernstoff durch und bespricht mit ihm Gemeindeangelegenheiten. Eine weitere Stärke dieser Art von Ausbildung ist, dass sie im gewohnten Umfeld mit allen Herausforderungen des Alltags geschieht. Die Liebenzeller Missionare helfen auch in der pastoralen und theologischen Ausbildung. Die unterstützten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bangladesch bewährten sich in der Gemeindearbeit und „haben ein Herz für Jesus und die Menschen“, sagte Samuel Strauß.
Wer welche finanzielle Unterstützung erhält, stimmt die Liebenzeller Mission mit dem einheimischen Partnerverband sehr eng ab. Das Geld, insgesamt rund 7.000 Euro jährlich, geht an BBCS. Er verteilt die Mittel an seine Mitarbeiter weiter. Dabei legen diese monatlich per Dienstbericht unter anderem Rechenschaft über die Verwendung der Gelder ab. Der Partnerverband ist bestrebt, seine Mitarbeiter selbst zu finanzieren und ist da in den vergangenen Jahren große Schritte weitergekommen, sagte Samuel Strauß. Da jeder Pastor für bis zu sechs Gemeinden verantwortlich ist, muss jeder unterstützte Evangelist auch pastorale Dienste mitübernehmen. Viele haben dabei eine Ausbildung an der christlichen Hochschule „College of Christian Theology“ absolviert, an dem unter anderem ein Liebenzeller Missionar unterrichtet.

Die Liebenzeller Mission ist seit 1974 in Bangladesch aktiv. Zusammen mit ihren einheimischen Partnern will sie den Einwohnern Hoffnung vermitteln. So sind unter anderem Kliniken und Waisenhäuser entstanden. Als eine ihrer Hauptaufgaben unterstützen die Missionare die christlichen Gemeinden. Sie schulen, ermutigen und motivieren Gemeindeglieder, damit sie ein Leben als bewusste Christen in einer Minderheitensituation führen können.

Liebenzeller Missionare besuchen bei ihren Heimataufenthalten gerne auch Hauskreise. Während der Corona-Pandemie ist das aber nicht möglich. Aber man kann die Liebenzeller Mitarbeiter sehr gut in Online-Hauskreise zuschalten. Wie das geht, berichtet Ruth Krämer. Sie ist Familien- und Pastorenfrau und ist mit ihrem Mann Reinhard seit 2012 in der Süddeutschen Gemeinschaft Ulm tätig.

Wie kam es dazu, dass die Liebenzeller Missionare Benjamin und Debora Wagner bei euch in einem Online-Hauskreis aus ihrer Arbeit berichteten?
Im „Geschwisterrundbrief“ der Liebenzeller Mission wurde dazu ermutigt, Missionare auch in Online-Hauskreise einzuladen. Ich fand das eine sehr gute Idee – auch, um ein wenig Abwechslung in unser Hauskreis-Programm zu bringen. Daraufhin nahm ich Kontakt mit Renate Anderson auf, die die Reisedienste der Missionare von Bad Liebenzell aus koordiniert. Über sie haben wir immer wieder Mitarbeiter der Liebenzeller Mission zu uns nach Ulm in Gottesdienste eingeladen, damit sie von ihrer Arbeit berichten. Gemeinsam überlegten wir, welcher Missionar für unseren Online-Hauskreis in Frage kommen könnte und wir entschieden uns dann für Familie Wagner.

Wie lief der Hauskreis dann genau ab?
Wir luden unsere zehn Hauskreisler im Alter von 45 bis 60 Jahren – Singles und Paare –, per E-Mail zu diesem besonderen Hauskreis wie gewohnt um 20 Uhr ein. Wir treffen uns wöchentlich und seit dem Corona-Lockdown online. Dazu versandten wir den „Steckbrief“ von Familie Wagner, in dem sie sich und ihre Arbeit kurz vorstellen. Im Vorfeld hatte ich auch mit Benjamin Wagner den Ablauf abgesprochen. Für den Abend nutzten wir die Videokonferenz-Plattform „Zoom“. Der Abend lief dann wie gewohnt ab: Wir tauschten uns erst wie immer aus und berichteten, wie es uns so geht und was uns bewegt. Dass da die Liebenzeller Missionare auch schon dabei waren und sich daran beteiligten, war besonders schön. Wir waren nämlich erst unsicher, ob es nicht merkwürdig ist, wenn „Fremde“ bei dieser doch sehr vertraulichen Austauschrunde dabei sind. Aber das war bei Familie Wagner überhaupt nicht der Fall. Es war im Gegenteil total nett, dass Debora und Benjamin Wagner zu zweit am PC dabei waren und sich am persönlichen Austausch beteiligten. Nach einem Gebet von mir stellten sie dann mit einer Präsentation ihre Arbeit vor. Beim Projekt „Hilfe zum Leben“ in Mushili wird unter anderem der alternative Feldbau vermittelt. Die Kleinbauern lernen auf Musterfeldern, wie sie durch die Verwendung von Kompost und Mulchen den Ertrag ihrer Felder steigern und ihre Familie besser ernähren können. Seit Sommer 2017 ist Benjamin Projektverantwortlicher. Debora hält Kinderstunden und unterrichtet benachteiligte Kinder in einem Waisenhaus. Die Präsentation konnten alle an ihren Bildschirmen verfolgen. Gut war, dass Debora und Benjamin sich bei den Erläuterungen der Folien abwechselten und so jeweils aus ihrer Sicht von ihrer Missionsarbeit berichteten. Danach konnten noch Fragen gestellt werden, wovon lebhaft Gebrauch gemacht wurde.

Wie lange dauerte der Hauskreis insgesamt?
Wir waren mit Benjamin und Debora Wagner gut eineinhalb Stunden zusammen. Es war schlicht spannend, was sie erzählten. Ich fand es erstaunlich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer so lange dabei waren, schließlich sitzen viele zurzeit täglich mehrere Stunden vor dem PC bei der Arbeit und manche bekommen bei langen Sitzungen am Computer Kopfschmerzen. Unsere Hauskreisler hatten aber so viele Fragen und wollten fast nicht aufhören.

Wie fällt dein Fazit aus?
Unser Online-Hauskreis war so gut, dass wir uns vorstellen können, noch andere Missionare einzuladen. Viele sagten mir hinterher, dass sie den Abend richtig gut fanden. Das hat mich besonders gefreut, da viele in unserem Hauskreis sehr gut die Liebenzeller Mission kennen. Eine Teilnehmerin äußerte sich daher im Vorfeld skeptisch, ob sie an diesem Abend viel Neues von einem Missionar erfahren würde. Und gerade sie sagte mir danach, dass sie den Abend so interessant und abwechslungsreich fand. Schön war auch, dass viele sagten, dass sie auch für die Missionsarbeit spenden wollen. Wir empfahlen ihnen, einfach etwas an die Liebenzeller Mission zu überweisen.

Übrigens: Neben Benjamin und Debora Wagner lassen sich auch die Liebenzeller Missionare Albrecht Hengerer (Burundi) und Sebastian Proß (Papua-Neuguinea) sehr gerne in Online-Hauskreise einladen. Anfragen dazu können an Renate Anderson, Telefon: 07052 17–7108, E‑Mail: gerichtet werden. Sie berät Interessierte auch, welcher Missionar am besten zu einer Hauskreis-Gruppe passt.

Klaus-Dieter und Erika Volz waren von 1993 bis 2009 Missionare in Taiwan und arbeiten seit 2009 unter Chinesen in Deutschland. Klaus-Dieter leitete viele Jahre die Interkulturellen Teams der Liebenzeller Mission und ist jetzt Teil des Teams „Mission und Integration”. Wir haben Erika und Klaus-Dieter einige Fragen gestellt.

Wie ist aktuell die Lage für Christen in China: Von Religionsfreiheit kann nach wie vor keine Rede sein?
Man muss das differenziert sehen. Viele der unterdrückenden Maßnahmen richten sich nicht explizit gegen Christen, sondern gegen die gesamte Bevölkerung. Es gibt eigentlich zwei Grundsätze, die die Regierung einfordert und gegen die man nicht verstoßen sollte: Erstens: Keine negativen Äußerungen über die Regierung. Zweitens: Nicht in Massen treffen. Wer das berücksichtigt, kann relativ offen Jesus verkündigen. Aber natürlich muss jedem bewusst sein, dass es in China keine Meinungsfreiheit gibt und Überwachung allgegenwärtig ist. Da sind die Kirchen nicht ausgenommen. Viele Chinesen sehen die Überwachung aber gar nicht so negativ. Sie sind so geprägt, dass sie das oft als Schutz und Sicherheit empfinden.
Was die Corona-Pandemie angeht: Da sind die Christen in China selbstverständlich genauso von den strengen Maßnahmen der Behörden betroffen wie alle anderen Menschen in China. Chatgruppen und digitale Gebetstreffen haben dazu geführt, dass mehr Leute an christlichen Angeboten teilgenommen haben. Viele Menschen waren vom Lockdown genervt und haben sich daher recht leicht zu digitalen Treffen einladen lassen. Ein Pastor aus Wuhan hatte einen bewegenden Brief an die Christen in China geschrieben. Er forderte sie auf, zuerst ihre eigene Hoffnung zu stärken, dann aber die Hoffnung durch Jesus in ganz China rauszutragen. Dieser Brief hatte eine enorme Wirkung.

Schätzungen sprechen von rund 100 Millionen Christen in China. Haltet ihr das für realistisch?
Das kommt vermutlich schon hin. Man spricht von 8 bis 10 Prozent Christen in China. Sicherlich gibt es in China mehr Christen als in Deutschland.

Ihr bietet Bibelkreise für chinesische Studierende an und engagiert euch in der chinesischen Gemeinde in Karlsruhe. Wie bekommt ihr Kontakt zu den Menschen?
Durch die Corona-Maßnahmen sind wir derzeit in Vielem eingeschränkt. Dass wir in chinesischen Restaurants evangelistische Verteilschriften an die Angestellten weitergeben, ist derzeit zum Beispiel nicht möglich. Aber das meiste geht ohnehin über Kontakte zu anderen Chinesen in Deutschland. Chinesische Christen laden ihre Freunde ein. Feste sind bei Chinesen besonders beliebt: Weihnachten, das chinesische Neujahrsfest etc.: Da lassen sich Chinesen gerne in die Gemeinden einladen. Sie kommen da auch ganz unvoreingenommen. Und wenn es ein gutes chinesisches Essen gibt, dann sind sie natürlich besonders gerne dabei.
Die chinesischen Gemeinden bieten zum Semesterbeginn auch Kulturabende über Deutschland an. Und da sprechen wir dann auch gerne über unseren Glauben.

Gibt es etwas, was Chinesen am christlichen Glauben besonders überrascht?
Die Offenheit und Hilfsbereitschaft von Christen beeindruckt sie. Chinesen sind sehr familienorientiert. Man hilft sich eigentlich nur innerhalb der Familie. Wenn es jemanden gibt, der sich darüber hinaus engagiert und ihnen hilft, dann freuen sie sich sehr darüber.
Was sie auch überrascht: Viele Chinesen verknüpfen Kultur und Religion. Sie wollen die deutsche Kultur kennenlernen, da gehört Religion für sie selbstverständlich dazu. Irgendwann stellen sie fest, dass Jesus Christus etwas mit einem persönlich zu tun hat. Damit hätten sie nicht gerechnet. Klar, nicht alle machen dann den Schritt im Glauben. Aber wir freuen uns über jede Einzelne und jeden Einzelnen.

Du willst die Missionsarbeit von Klaus-Dieter und Erika mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Hoher Besuch bei Radio L.: Gospel Kazako, Minister für Information und Kommunikation in Malawi, hat Radio L. besucht und spontan bei einer Sendung mitgewirkt. Der Politiker stammt aus einem christlichen Elternhaus und ist gelernter Journalist. Der Besuch verlief sehr locker und der Politiker zeigte großes Interesse an der Radioarbeit. So bat er darum, ob er live im Radio sprechen könne. Gerne kam man diesem Wunsch nach, auch weil es gerade sehr gut in das aktuelle Programm passte. Und so gestaltete er eine halbe Stunde zusammen mit einheimischen Mitarbeitern die Sendung und erzählte ebenso sehr persönlich von sich. Die Hörer fanden es sehr interessant und auch erstaunlich, dass der Minister live auf Radio L. zu hören war.

 

Radio L. sendet unter dem Motto „Let there be light“ („Es werde Licht“) seit Ende 2017 als erster Radiosender Malawis überwiegend in der Stammessprache der Yao. Diese sind vorwiegend Muslime und machen etwa zehn Prozent der fast 19 Millionen Malawier aus. Die Yao leben meist in entlegenen Dörfern, viele können nicht lesen und schreiben. Deshalb ist für sie das Radio eine wichtige Informationsquelle. Die Sendungen von Radio L. sind lebensnah gestaltet. Sie geben Tipps für Familie und Erziehung, Gesundheit und Ernährung sowie Glaube und Nachfolge. Und natürlich strahlt der Sender auch Nachrichten und Musik aus.