SAMBIA. Das Pastorenehepaar Sydney und Martha Pensulo zeigt in Mbala Kleinbauern, wie sie durch alternativen Feldbau ihre Erträge steigern können. Dabei unterstützte sie der Liebenzeller Missionar Dietmar Brunner. Er ist seit 1998 mit seiner Frau Katrin in dem afrikanischen Land tätig. „Die Zeit im 900 Kilometer entfernten Mbala war sehr anstrengend, aber auch sehr ermutigend für uns, da viele Kleinbauern begeistert von ihren positiven Erfahrungen mit dem alternativen Feldbau berichtet haben.“ Sie baten den einheimischen Pastor Sydney Pensulo, in ihr 70 Kilometer entferntes Dorf zu kommen, weil sie gehört hatten, dass er erfolgreich Kompost herstellt und so deutlich mehr erntet. Inzwischen ist in diesem Ort eine kleine Hauskirche entstanden.
 
Kleinbauern kommen auf Empfehlung in Liebenzeller Projekt
 
Auch in Mushili, wo Dietmar Brunner eigentlich eingesetzt ist, gibt es eine große Nachfrage nach landwirtschaftlichen Seminaren. Die Mitarbeiter vermitteln zum Beispiel, wie man das Wasser „erntet“, dass es im Boden gespeichert und für Pflanzen zugänglich wird sowie man den Grundwasserspiegel heben kann. Ebenso interessiert die Bauern, wie man selbst Kompost herstellt. Die Liebenzeller Mission gründete 2003 in Zusammenarbeit mit ihrer Partnerkirche das Projekt „Mushili – Hilfe zum Leben“. In der Stadtrandsiedlung von Ndola, mitten im „Kupfergürtel“ Sambias, leben rund 80.000 Menschen in sehr einfachen Verhältnissen. Ein Schwerpunkt bildet die Ausbildung in alternativem Feldbau – „Foundation for Farming“, früher „Farming God’s Way“. Die Kleinbauern lernen auf Musterfeldern, wie sie durch die Verwendung zum Beispiel von Kompost und Biokohle sowie durch Mulchen den Ertrag ihrer Felder steigern und ihre Familie besser ernähren können. Gleichzeitig werden biblische Prinzipien gelehrt – zum Beispiel der Wert der Treue. Wer treu den Acker anbaut und pflegt, erzielt auch eine größere Ernte. So konnten viele Kleinbauern, die sich an dem landwirtschaftlichen Projekt beteiligen, ihre Erträge um 50 Prozent steigern. Dabei kommen sie auf Empfehlung anderer Organisationen zur Liebenzeller Mission, berichtet Dietmar Brunner. Er ist auch in der Autowerkstatt und bei Bauprojekten tätig. Seine Frau Katrin arbeitet unter anderem in der Frauenstunde mit.

SPANIEN. Streit und Konflikte gibt es leider auch manchmal unter Christen. Dabei sind Missionare der Liebenzeller Mission auch als Schlichter gefragt. Rosita Suchalla, die seit September 2015 mit ihrem Mann Daniel in Spanien arbeitet, hat ganz konkret erfahren, wie Gott Versöhnung und gute Lösungen schenkte – auch mithilfe einer Eieruhr.

„Wir haben eine tolle Idee!“ Belén und Manuela (Namen geändert) aus unserem Hauskreis schauen uns mit leuchtenden Augen an. Belén ist eine junge Frau, alleinerziehend mit drei Kindern. Arbeitslos, täglich am Limit – finanziell wie körperlich. Sie ist krank, in Deutschland wäre sie schon längst als „arbeitsunfähig“ eingestuft worden. Ihre Wirbelsäule ist nicht belastbar, chronische Schmerzen plagen sie jeden Tag. Die Ärzte erhöhen die Schmerzmittel stetig – ohne Aussicht auf Besserung. Die Behörden fordern immer mehr Nachweise, um die ihr zustehende Hilfe hinauszuzögern. Vom Arbeitsamt erhält sich gelegentlich Jobangebote, die sie annimmt. Doch wegen der Rückenprobleme muss sie nach kurzer Zeit die Arbeit wieder abbrechen.

Ein Geschenk von Gott?

Nun hatte Manuela eine Idee. Sie arbeitet als Reinigungskraft in einem Supermarkt. Ihre Arbeitskollegin hatte kurzer Hand gekündigt, wie so viele vor ihr. Es ist ein Job mit enormem Zeitdruck und körperlicher Belastung. Jedoch bietet er familienfreundliche Uhrzeiten und eine ganzjährige Anstellung. Zwei Vorteile, die in der Region sehr selten sind, die stark vom Tourismus lebt. So wohnen in Peñíscola im Winter rund 8.000 Menschen, im Sommer 150.000. Manuela schlug vor, zusammenzuarbeiten. Beide sehen es als ein Geschenk von Gott an. „Wir können uns die Arbeit so aufteilen, dass dein Rücken so wenig wie möglich belastet wird“, sagt Manuela.

„Sie ist eine ganz andere!“

Drei Tage später ruft Belén aufgelöst an. Ich ziehe meinen Mantel über und wir setzen uns auf eine Bank. „Manuela ist eine ganz andere!“, schießt es aus ihr heraus. „Die viele Arbeit und die wenige Zeit setzen sie dermaßen unter Druck, dass sie keine Geduld hat, die Dinge anständig zu erklären! Ich bin bereits nach drei Tagen am Ende, nervlich wie körperlich. Das habe ich so noch nie erlebt!“ Ich bete etwas ratlos um Weisheit. Was soll ich tun? Ich drehe mich um – und traue meinen Augen nicht. Da kommt tatsächlich Manuela auf uns zu. Ihr Gesicht ist voller Tränen, doch sie lacht, als sie uns sieht. „Hat Gott dich hergeschickt?“, frage ich erstaunt. „Sieht wohl ganz danach aus!“, sagt Manuela fassungslos und setzt sich auf die Bank. Dann fliegen die Fetzen, jeder hat Einwände, jeder hat gute Argumente, beide sind verletzt, enttäuscht, unterbrechen sich ständig. Eigentlich sind sie sich nur in einer Sache einig: „Wir sind Schwestern in Christus, und möchten nicht im Streit auseinandergehen.“ Doch heute ist nichts mehr zu klären. Wir treffen eine Abmachung: Montagnachmittag reden wir weiter bei einem Kaffee. Ich muss gehen, lasse die zwei auf der Bank zurück, bete, dass sie sich nicht die Haare ausreißen.

Praktische Tipps zur Kommunikation

Montag. Manuela ruft an: „Belén hat gekündigt, ohne es mir vorher zu sagen!“ Wir treffen uns trotzdem, wie abgemacht, zum Kaffee. Ich stelle bereit: Zwei Bleistifte, Papier und eine Eieruhr. Vor zwei Wochen hielt ein Ehepaar in die Gemeinde Vorträge über Kommunikation. Beide hatten die Vorträge gehört. Nun war es Zeit, das Gehörte anzuwenden. „Die ersten fünf Minuten gehören Gott. Ich lese den Tagesvers aus der Bibel. Danach darf jede in Stille aufschreiben, was sie sagen möchte, was sie denkt, oder was Jesus ihr sagt.“ Beide nehmen es sich zu Herzen. Ich bete dabei still, angespannt wartend auf die nächste Eskalation. Doch diese – bleibt aus. Belén ist als erste dran: gefasst, entschlossen, demütig redet sie. Dann ist Manuela an der Reihe. Ich stelle die Eieruhr erneut auf fünf Minuten, um Unterbrechungen zu vermeiden. Doch das ist nicht notwendig. Auch Manuela redet ruhig, gefasst, liebevoll. Keine Unterbrechungen, keine aggressiven Anschuldigungen. Wortlos schaue ich sie an. Dann sagen sie mir gemeinsam: „Wir dachten, wir hätten eine super Idee gehabt. Doch wir haben sie nicht mit Gott besprochen, und mussten hart daraus lernen.“

Gottes Güte bewundern

Wir liegen uns in den Armen, lachen, weinen, beten. Beten für die tägliche Versorgung von Belén und ihren drei Kindern. Beten für eine neue Arbeitskollegin für Manuela. Da klingelt das Telefon. Manuelas Chefin berichtet, es habe sich eine neue Arbeitskollegin gefunden. Wir schauen uns erstaunt an. Bewundern Gottes Güte. Zwei Monate sind seither vergangen. Manuelas Arbeitskollegin ist immer noch da. Und Belén hat mit Manuela gemeinsam ein gelungenes Projekt für die Gemeinde organisiert – ohne Streit, Frust und Tränen. „Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.“ Römer 14,19.

Aaron und Ilonka Köpke leiten unser Gemeindegründungsprojekt „Oase“ in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern). Sie lieben die Menschen in ihrem Plattenbauviertel und setzen sich mit großem Engagement für sie ein. Um aus ihrer Arbeit zu berichten, waren sie einige Monate in Deutschland unterwegs. Wir haben Aaron ein paar Fragen gestellt.

Was denken die Leute in Neubrandenburg über euch, bevor sie das erste Mal in der Oase waren?
Da gibt es alle möglichen Vorstellungen. Viele denken, wir sind immer noch ein Jugendclub, weil das früher in unserem Gebäude stattfand. Manche vermuten hinter dem Namen auch ein Wellness-Angebot.

Und was, wenn sie mal da waren?
Viele kommen einfach mal auf unseren Innenhof „geschlichen“. Einige kennen das Gelände noch als Jugendtreff und finden, dass die Oase sehr schön geworden ist. Ich erkläre ihnen dann, dass wir sowohl ein Stadtteil-Treff sind und gleichzeitig eine Kirche bauen. Die meisten finden das eine gute Kombination – auch wenn sich längst nicht alle für unsere Angebote interessieren.

Was ist die größte Herausforderung für eure Arbeit?
Es ist für uns oft die Herausforderung, bei jedem einzelnen Menschen zu sehen, was gerade dran ist und den nächsten Schritt mit ihm zu gehen. Wir wollen keine überzogenen Erwartungen haben, uns aber auch nicht verzetteln, wenn Menschen gerade in einer Krise sind. Wir wollen keinen Betreuerjob übernehmen, sondern den Menschen die Freiheit geben, Probleme auch selbst zu lösen. Es ist für uns spannend, den Punkt herauszufinden, wann Menschen an echter Jüngerschaft interessiert sind. Was auch eine Herausforderung ist: Wie integrieren wir die Ehrenamtlichen für den nächsten Schritt in der Gemeindegründung, um eine geistliche Einheit zu schaffen?

Gibt es ein Erlebnis in letzter Zeit, das dich fasziniert hat?
Eine große Clique von Müttern, die sich immer auf dem Spielplatz vor der Oase getroffen haben, sind jetzt mittendrin bei uns. Wir kennen viele von ihnen schon sechs, sieben Jahre. Sie waren uns und der Oase gegenüber immer distanziert. Jetzt kommen sie zum Kinderprogramm der Oase und hören von Jesus. Das ist genial. Mit dieser Dynamik hätten wir noch vor einem Jahr nicht gerechnet.

Welche Eigenschaft schätzt du an den Menschen in Neubrandenburg besonders?
Für mich ist das schon ein gewisses „Gemeinsinn-Denken“. Zwar gestaltet sich das nicht immer in allen Ausprägungen christlicher Ethik, aber die Menschen stehen füreinander ein. Ein Beispiel: Eine Frau aus der „Mütter-Clique“ hat ein Kind mit Down-Syndrom bekommen. Sie hatte sich bewusst für das Kind entschieden. Die anderen haben super reagiert und gesagt: „Das kriegen wir hin. Wir helfen dir.“

MALAWI. Gottes Wort bewegt Menschenherzen über Monate – und wird auch von Muslimen weiterverbreitet. Das hat Missionar Johannes Urschitz in Malawi erfahren. Mit einem Schulspeisungsprogramm halfen er und seine Frau Veronika den von Hunger geplagten Schülern. Dabei stellten sie Nahrungsmittel zur Verfügung, die von den Schulen und Eltern verteilt wurden. Auch vom Hunger betroffene Familien und Senioren erhielten etwas zu essen. Außerdem konnten die Missionare auch Gottes Wort bei Andachten weitergeben. „Dieses Jahr haben wir besonders viel Offenheit erlebt und es kamen nach den Veranstaltungen gute Gespräche zustande.“ Dabei hat einer der örtlichen Häuptlinge eine Andacht, die Johannes Urschitz drei Monate zuvor gehalten hatte, fast wortwörtlich wieder gegeben. Was der Missionar gesagt hatte, habe ihn so angesprochen und bewegt, dass er das nochmals an alle weitergeben wollte. „Unglaublich, wenn ein muslimischer Häuptling eine evangelistische Botschaft weitersagt“, so Johannes Urschitz.
 
Die Liebenzeller Mission ist seit 1992 in Malawi tätig, unter anderem seit 2008 im Chilonga-Gebiet, das sich selbst für afrikanische Verhältnisse jenseits der Zivilisation befindet. Schlechte Bildung, mangelnde medizinische Versorgung und eine unzureichende Ernährungssituation prägen den Alltag. Die Liebenzeller Mission eröffnete 2011 den Kindergarten „Madalitso“ (= Segen). Im September 2013 startete die Grundschule mit zunächst 40 Schülern. Veronika und Johannes Urschitz arbeiten seit 1996 in Malawi.

ECUADOR. Gott gibt unseren Missionaren immer wieder gute Ideen, wie sie ganz praktisch und oft überraschend unkonventionell helfen können. Das hat Ramona Rudolph eindrücklich erfahren – beim Schuldenabbau mithilfe eines Schweines.
 
„Wie soll ich je meine Schulden loswerden?“, fragte Camila (Name geändert) verzweifelt. Ihr Ehemann hatte sie wegen einer anderen Frau verlassen; nun musste sie sich alleine mit ihren drei Kindern durchschlagen. Sie arbeitete hart, um den gigantischen Schuldenberg abzubezahlen, der ihr geblieben war. Dennoch schien er kaum abzunehmen. Was kann man als Missionarin in so einer Situation sagen und tun? Gerade hier konnte ich mich an Gott wenden. Camila hatte schwer gearbeitet und sich auf ihre eigene Weisheit und Kraft verlassen. Doch ohne Gottes Eingreifen schien es unmöglich, den Schuldenberg zu bezwingen! Ich ermutigte sie: „Der Weg aus den Schulden ist nicht immer leicht, doch du bist nicht allein mit dieser Last. Wir als Gemeinde werden dir helfen, diesen abzubauen.“
Wir kauften ein Schwein, ließen es im Ofen backen, kochten Mais und Kartoffeln, verkauften Essensmarken an Freunde und Bekannte. Und dann lieferten wir die gutgefüllten Teller aus. Mit großem Erfolg: Zwar ist der Schuldenberg noch nicht ganz abbezahlt, aber wir konnten bereits einen beträchtlichen Teil an die Bank zurückzahlen.
 
Gott gibt Trost und Halt – auch bei Schulden
 
Camila kommt seit einem Jahr regelmäßig in unseren Bibelhauskreis. Sie hat mit Erstaunen erlebt, wie Gott geholfen hatte! In ihrer ausweglosen Situation hatte sie erfahren, dass sie nicht alleine ist. Durch unsere konkrete Unterstützung konnte Delia sehen, dass Gott Gebet erhört. Dadurch hat sich ihr Gottesbild positiv verändert. Sie entdeckte, dass Er der Herr ist und in ihre Alltagssituation eingreifen kann. Ihre Schulden sind noch nicht ganz verschwunden, aber sie findet nun Halt und Trost in Gott. In dieser herausfordernden Situation lernte Delia einen Wesenszug von Gott kennen, der ihr bisher unbekannt war. Dankbar über diesen Hoffnungsschimmer, schickt sie ihre ältesten Kinder Justin und Noemi nun freitags in unseren Kinderkreis. Die Kinder nimmt die Trennung ihrer Eltern sehr mit. Camila möchte, dass auch ihre Kinder durch Gottes Wort getröstet werden und ihm näher kommen.
 
Die Liebenzeller Mission ist seit 1989 in Ecuador tätig. Die Missionare betreuen Patenschaftsprogramme und Studenten, gründen Gemeinden und schulen einheimische christliche Mitarbeiter. Ramona Rudolph arbeitet seit 2012 unter Kindern, Jugendlichen und Frauen in verschiedenen Quichua-Dörfern.

4200 Besucher beim Pfingstmissionsfest der Liebenzeller Mission im Nordschwarzwald
Rückblick, Fotos, Audio- und Videoimpressionen unter:
www.liebenzell.org/pmf

„Wenn Menschen mit anderer Hautfarbe, politischer Einstellung oder religiöser Überzeugung verachtet und verfolgt werden, sagen wir kompromisslos Nein.“ Das sagte Pfarrer Johannes Luithle beim Pfingstmissionsfest der Liebenzeller Mission, zum dem rund 4200 Besucher nach Bad Liebenzell (Nordschwarzwald) kamen.

In Politik und Wirtschaft müssten Kompromisse gesucht und gefunden werden. „Und dennoch gibt es politische und gesellschaftliche Entwicklungen, die wir nicht einfach nur hinnehmen können“, sagte der Direktor des Missionswerks. „Aus diesem Grund haben wir uns als Missionsleitung mit einer Kippa fotografieren lassen und dieses Bild veröffentlicht. Antisemitismus in jeder Hinsicht können und wollen wir nicht dulden.“ Johannes Luithle berichtete auch von den Kindermissionsfesten, zu denen rund 6.100 Besucher kamen, sowie vom Teenagermissionstreffen mit 2.200 Teilnehmern.

Dennis Wadley, Leiter des amerikanischen Zweigs der LM, predigte über das Motto des Missionsfestes: „Kompromisslos“. Er wandte sich gegen falsche Vorstellungen des christlichen Glaubens: „Es sind nicht unsere Verdienste, die uns retten, sondern der Glaube an Jesus Christus und seine Gnade.“ Wer das erkannt habe, lebe einen kompromisslosen Glauben. Dennis Wadley ermutigte die Zuhörer, sich als „Miterben“ von Jesus Christus zu fühlen. „Wir sind Gottes Meisterstück. Er umarmt uns als seine Kinder.“

Mitarbeiter der Liebenzeller Mission aus dem Mittleren Osten berichteten von ihren Erfahrungen. Die Lage für die wenigen Christen in der arabischen Welt sei herausfordernd. „Sie können nicht in Kirchen gehen und es gibt viel Misstrauen zwischen Christen und Muslimen. Auch müssen die meisten Muslime, die Christen geworden sind, ihren Glauben vor ihrer Familie verstecken, sonst befinden sie sich in Lebensgefahr.“ Von einem ähnlichen Schicksal berichtete auch Faith Mussa aus dem afrikanischen Malawi. Sein Vater war Muslim. Nachdem er Christ geworden war, wurde er von seiner Familie verbannt und enteignet. Faith Mussa ist heute der bekannteste Sänger seines Landes. Beim Pfingstmissionsfest begeisterte er die Besucher mit seinen Liedern und seinem authentischen Lebensbericht.

Martin Auch, als Missionsdirektor verantwortlich für die weltweite Arbeit der Liebenzeller Mission, erinnerte an das erste Pfingstfest vor rund 2000 Jahren, der „Geburtsstunde der Gemeinde Jesu“. Diese Gemeinde sei von ihrer ersten Stunde an multikulturell gewesen. „Auf den Aspekt, verschiedene Menschen in Jesus zu verbinden, wollen wir in unseren Gemeindegründungen neu achten.“

Die Oberin der Liebenzeller Schwesternschaft, Johanna Hägele, gab einen Einblick in das Leben der Missionsschwestern. Von den 116 Schwestern sind die meisten im Ruhestand. „Doch ihre Berufung geht weiter und sie füllen als Licht und Salz und Segen ihren Platz aus.“ So zog zum Beispiel eine Schwester mit fast 70 Jahren von Süddeutschland nach Mecklenburg-Vorpommern, um dort die missionarische Arbeit zu unterstützen.

Prof. Dr. Volker Gäckle, Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell, berichtete von den aktuellen Bewerberzahlen für die Hochschule und die Interkulturelle Theologische Akademie. 117 Menschen hätten sich für einen der Studiengänge beworben, elf weitere für die neu geschaffene Weiterbildung „Gemeindeentwicklung“. Gäckle sagte, dass er sich über diese Zahlen freue. „Wir werden aber leider nicht alle Bewerber aufnehmen können.“

Beim Missionsfest konnten die Besucher aus mehr als 20 verschiedenen Parallel-Angeboten auswählen. Aktivangebote wie Bogenschießen oder Sushi-Workshop gehörten genauso dazu wie theologische Vorträge oder „World Wide Worship“ – Musik mit Missionaren aus aller Welt. Für Kinder und Teenager wurde jeweils ein extra Programm angeboten.

Die Liebenzeller Mission ist mit rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 23 Ländern eine der großen evangelischen Missionsorganisationen in Deutschland. Zweimal im Jahr veranstaltet sie Missionsfeste für Freunde und Interessierte. Das nächste Missionsfest ist am 8. September 2019.

ECUADOR. Gott kann eine Konferenz auch mit äußerst widrigen Bedingungen wie giftigen Raupen und Schlammlawinen nutzen, damit Besucher seine frohe Botschaft kennenlernen. Das hat Missionar Kevin Bruce in Ecuador erlebt. Bei der 22. jährlichen Konferenz für Awa-Indianer berührte er beim Aufbau des großen Versammlungszeltes versehentlich eine giftige Raupe, sodass er stundenlang unter heftigen Schmerzen an der Hand litt: „Ich hatte den Eindruck, als würde ich feurige Kohlen in meiner Hand halten. Der Schmerz strahlte durch die Knochen bis in meine Schulter aus.“ So konnten die Mitarbeiter die Konferenz nur mit einem eindringlichen inneren Hilfeschrei zu Gott beginnen. Und er half auf vielerlei Weise: So konnte Paulino beispielsweise, obwohl er unter einer schweren Erkältung litt, mit seinen Bildern, die die Kreuzigung und Auferstehung plastisch illustrierten, den Awa-Indianern eindrücklich das Evangelium weitergeben.
 
Gottes Hilfe ganz konkret erfahren
 
Der sintflutartigen Regen aufgrund der Regenzeit führte in der improvisierten Kirche zu einem schlammigen Durcheinander. Mitarbeiter fegten jeden Morgen mit viel Mühe und großem Einsatz die Besprechungsräume, wischten die Bänke ab und entfernten den rutschigen Schlamm von Veranda. Rückblickend ist Kevin Bruce dankbar, Gottes Hilfe konkret bei allen Herausforderungen erlebt zu haben: „Wir wurden gesegnet, indem wir unseren auferstandenen Erlöser mit unseren Awa-Freunden feierten. Wir beten, dass viele die Osterbotschaft aufgrund dieser gemeinsamen Zeit besser verstehen.“
 
Kevin und Kathy Bruce sind ausgesandt vom amerikanischen Zweig der Liebenzeller Mission und arbeiten seit 1995 in Ecuador unter Awa-Indianern. Sie bieten Kurse für Analphabeten an, halfen mit, das Alte Testament zu übersetzen und schulen einheimische Christen.

Sie wohnen am anderen Ende der Erde und sorgen dafür, dass Menschen auch in den abgelegensten Gebieten der Welt von Jesus hören und medizinische Versorgung bekommen. Markus und Evelyne Breuninger sind Liebenzeller Missionare in Australien und unterstützen unsere Partnerorganisation MAF Flugdienst. In den nächsten Wochen sind sie in Deutschland unterwegs, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben ihnen ein paar kurze Fragen gestellt.

1. Ihr stammt aus Deutschland. Ihr habt in Botswana und Sambia gelebt und wohnt jetzt in Australien. Wo fühlt Ihr Euch zu Hause?

Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Wir Eltern haben eindeutig eine deutsche Heimat, in der wir aufgewachsen sind und in die wir immer wieder gerne zurückkommen. Allerdings merken wir dabei, dass wir nicht mehr wirklich hierher gehören.
Unsere Kinder sind Deutsche und wurden von uns natürlich deutsch geprägt. Aber sie kennen Deutschland kaum. Da sie in Botswana und Sambia aufgewachsen sind, ist ihnen das Leben dort vertraut und sie fühlen sich dort wohl. Doch gehören sie dort trotzdem nicht richtig dazu.
In Australien begannen wir dann nochmals in einer für uns alle ganz neuen Kultur.
Vielleicht fühlen wir uns nirgends so ganz und gar zu Hause – aber gleichzeitig auch überall; nämlich da, wo wir uns als die Personen, die wir sind, angenommen fühlen.

2. Wie sieht Eure Arbeit konkret aus?

Markus arbeitet im Auftrag der LM bei MAF in Mareeba. Der Hangar dort ist die Zentrale für alle Wartungs- und Reparaturarbeiten an den MAF-Flugzeugen im asiatischen und südpazifischen Bereich.
Das bedeutet, dass Markus als Teil eines Mechaniker-Teams Flugzeuge repariert. Diese sind vor allem in Papua-Neuguinea, Nord-Australien, Ost-Timor und an der MAF-Flugschule eingesetzt.
An fünf Tagen in der Woche arbeitet er von 7:30 bis 17 Uhr an, in, unter und auf diesen Flugzeugen. Dabei ist immer volle Konzentration gefordert, damit keine Fehler unterlaufen, die unter Umständen fatale Folgen haben können.
Evelyne ist Hausfrau und knüpft gerne Kontakte mit Menschen, die ihr im Alltag begegnen.

3. Gibt es ein Erlebnis in den vergangenen Monaten, das Euch besonders bewegt?

Als wir letztes Jahr anfingen, unseren zweieinhalb-monatigen Aufenthalt in Deutschland zu planen, konnten wir uns nicht vorstellen, wie das mit den Menschen gehen könnte, für die wir Verantwortung übernommen hatten.
Evelyne machte mit einer Japanerin und einer Aboriginee jeweils Bibelstudium. Mark hielt sich fast täglich bei uns auf, weil er alleine nicht zurechtkam. Und ein altes Ehepaar brauchte immer mehr Hilfe, weil die Frau immer vergesslicher und der Mann pflegebedürftig wurde. Wie sollte das nur werden?
Kurz vor unserer Abreise stellten wir mit Staunen fest, dass Gott alles geregelt hatte:
Die Japanerin war weggezogen, die Aboriginee vorübergehend auch. Mark war in einem sozialen Pflegeprogramm aufgenommen worden. Der alte Mann war im Frieden gestorben und seine Frau bei lieben Freunden in guten Händen!
Wir können wieder einmal sehen, dass Gott die Fäden in der Hand hält! Er gebraucht uns, aber auch andere Menschen, für sein Ziel. Wir sind abkömmlich – er nicht!

SAMBIA. Ungewöhnliche Wege gehen Liebenzeller Missionare in Sambia, um Jugendliche zum Nachdenken über den Glauben und zum reflektierten Diskutieren darüber anzuregen: in dem sie einen Buchclub gründen. Seit Februar treffen sich sechs Jugendliche und drei Mitarbeiter in Mushili. Jeder Teilnehmer hat die sambische Novelle „Quills of Desires“ erhalten und liest bis zum nächsten Treffen daraus ein Kapitel. Abwechselnd bereitet sich ein Mitarbeiter etwas intensiver vor und leitet die Diskussionsrunden über Kultur, Religion und Alltägliches. Überrascht sind die Mitarbeiter, dass so viele Jugendliche Interesse am regelmäßigen Lesen und Austausch haben – und das, obwohl in Sambia keine klassische Lesekultur herrscht.
 
Neue Familie in Afrika gefunden
 
Ins Leben gerufen hat der Buchclub Tamara Geiser. Sie studiert seit 2016 Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext an der Internationalen Hochschule Liebenzell und absolvierte ein Auslandssemester in Sambia. „Mein Herz brennt für Mission und für Afrika. Deshalb freute ich mich, einen Einblick in die sambische Kultur, Soziale Arbeit im afrikanischen Kontext und in das Missionarsleben zu bekommen.“ Dabei gefiel ihr besonders, dass sie bei ihrem Aufenthalt in Sambia sowohl Theologie als auch Soziale Arbeit miteinander kombinieren konnte. „Ein Praktikum im Ausland ist eine tolle Erfahrung und man lernt nicht nur für seinen künftigen Beruf, sondern für sein Leben“, so Tamara Geiser. Man benötige zwar Zeit, in einer völlig neuen und fremden Kultur anzukommen und seinen Platz zu finden – aber es lohne sich, dran zu bleiben: „Sambia ist ein Land der Beziehungen und diese brauchen Zeit. Aber wenn Freundschaften entstehen, hat man eine neue Familie inmitten von Afrika gefunden.“
 
Die Liebenzeller Mission gründete 2003 in Zusammenarbeit mit ihrer Partnerkirche das Projekt „Mushili – Hilfe zum Leben“. In der Stadtrandsiedlung von Ndola, mitten im „Kupfergürtel“ Sambias, leben rund 80.000 Menschen in sehr einfachen Verhältnissen. Ein Schwerpunkt bildet dabei die Ausbildung in alternativem Feldbau – „Farming God’s Way“. Die Kleinbauern lernen auf Musterfeldern, wie sie durch die Verwendung von Kompost und Mulchen den Ertrag ihrer Felder steigern und ihre Familie besser ernähren können. Die Liebenzeller Mission arbeitet seit 1985 in Sambia.

Ohne Missionare, die sich Jahrzehnte in ihrem Einsatzland investieren, könnte Missionsarbeit nicht funktionieren. Als Liebenzeller Mission profitieren wir sehr von unseren Langzeitmissionaren. Wie zum Beispiel von Norbert und Susanne Laffin. Sie leben und arbeiten seit 29 Jahren in der Normandie in Frankreich. In Coutances haben sie eine Gemeinde gegründet und sind nun seit 2017 in Alençon im Einsatz. Ihre Leidenschaft für die Menschen im Land ihrer Berufung ist immer noch sehr groß. In den nächsten Wochen ist Norbert zusammen mit Tochter Anna-Lena in Deutschland, um über seine Arbeit zu berichten. Wir haben ihm einige Fragen gestellt.

Bei euch in der Gemeinde sind auch immer wieder Kurzzeitmitarbeiter von „impact“ im Einsatz. Wie machen sie sich?
impactler sind toll! Sie sind eine echte Verstärkung. Ich stelle in Frankreich immer wieder fest: Je jünger die Leute sind, desto weniger wissen sie über den christlichen Glauben. Aber auch desto weniger voreingenommen sind sie. Gerade die impactler kommen mit jungen Menschen gut ins Gespräch. Natürlich müssen wir auch in sie investieren, aber das machen wir gerne!

Was ist die größte Herausforderung für Mission in der Normandie?
Es gibt in der Normandie und in Frankreich insgesamt wenige Christen, die ihren Glauben praktizieren. Es gibt viel mehr offene Türen als wir nutzen können. Wir sind zu wenige Mitarbeiter, um allen Möglichkeiten nachzukommen, die sich bieten. Und gerade auf dem Land merken wir: Es dauert lange, bis Beziehungen gewachsen und Vertrauen aufgebaut ist.

Eure Tochter Debora studiert an der Interkulturellen Theologischen Akademie (ITA) in Bad Liebenzell, eure anderen Kinder bringen sich in der Arbeit vor Ort ein. Bist du froh, dass auch eure Kinder so motiviert für Mission im Einsatz sind?
Das ist für uns ein großes Geschenk. Eigentlich sind unsere Kinder für die Missionsarbeit unverzichtbar. Sie setzen sich alle gerne ein. In der Gemeinde können sie sich auch gut entfalten. Es ist fast so, wie wenn wir in einem Team arbeiten würden. Und besonders schön ist auch, dass sie viele Kontakte zu Menschen außerhalb unserer Gemeinde haben und mit ihnen ins Gespräch über Jesus kommen.

Welche Eigenschaft schätzt ihr an den Menschen in Frankreich besonders?
Man nimmt sich Zeit, nicht nur beim Essen. Auch bei Behördengängen ist nach anfänglichem Misstrauen die Bereitschaft zur Hilfe bezeichnend. Was unsere Gemeinde angeht: Da geht es sehr herzlich zu. Das schätzen wir, und natürlich neue Besucher, sehr.