KANADA. Wie fühlt sich ein Mensch, wenn die Tochter eines Freundes an Krebs erkrankt? Reza kennt dieses Gefühl. Was soll er tun? In seiner Hilflosigkeit redet er zu dem, für den er sich sein ganzes Leben nie interessiert hat: nämlich zu Gott. Immer wieder betet er für das Mädchen. Es ist das erste Mal, dass sich der bekennende Atheist für den christlichen Glauben öffnet. Seither sind eineinhalb Jahre vergangen. Mittlerweile arbeitet der Iraner im Starterteam der interkulturellen Gemeindegründung in Toronto und möchte Pastor werden. Seit Juli führt er gemeinsam mit dem Liebenzeller Missionar Jörg Wacker einen Glaubensgrundkurs durch, um diesen künftig in Gruppen anzuleiten. Bei der Einheit zum Thema „Vergebung“ erlebte Reza dabei einen erneuten Durchbruch in seinem Leben als Christ: „Er erkannte, dass es ihm schwer fällt, anderen Menschen zu vergeben. Doch möchte er lernen, Vergebung zu üben, weil auch er Vergebung durch Jesus erfahren durfte“, sagt Jörg. Für den Missionar war es großartig zu sehen, dass sein Teamkollege durch diese Erkenntnis wieder einen Schritt auf seinem Weg mit Gott vorankam. Beiden wurde zudem bewusst, dass geistliches Wachstum ein nie endender Prozess ist – ganz egal, wie lange man bereits mit Jesus unterwegs ist.

FRANKREICH. Immer seltener besucht eine ältere Dame ihre Gemeinde in Montagen. Eines Tages kommt sie gar nicht mehr. Warum, das weiß keines der acht Gemeindeglieder. Einige vermuten, es läge an den Problemen, die sie mit Einzelnen hatte. Es vergehen mehrere Wochen bis die Französin eines Sonntags überraschend wieder am Gottesdienst teilnimmt. Die Dame, die häufig nur Kritik äußerte, hat sich verändert. Sie bringt sich plötzlich positiv ein und betont immer wieder, wie wichtig es sei, gemeinsam neue Wege zu gehen, um Menschen auf die Gemeinde aufmerksam zu machen. Obwohl nach wie vor niemand weiß, wieso sie lange Zeit fernblieb, ist sich die Liebenzeller Missionarin Evelyn Theurer sicher: „Sie hat den Schatz der Gemeinde wiederentdeckt.“

AUSTRALIEN. Ein junger Backpacker steht in Queensland am Straßenrand und hält ein großes Pappschild in die Höhe. Doch halt! Ist in diesem Bundesstaat das Trampen nicht verboten? Auf den zweiten Blick fällt noch etwas Seltsames auf: Anstelle seines Reiseziels ist ein groß gezeichnetes Herz mit der Inschrift „Love“ zu erkennen – „Was möchte der junge Mann damit sagen?“, fragt sich die LM-Missionarin Evelyne Breuninger, die mit dem Fahrrad unterwegs zu einer Gebetsversammlung ist. Obwohl sie den Backpacker bereits passiert hat, entschließt sie sich kurzerhand, umzukehren und ihn zu fragen, wieso er dieses Schild hochhält? „Weil Liebe das Wichtigste ist“, antwortet er. Evelyne schließt sich ihm an: „Auch für mich ist es das Wichtigste, dass Gott uns liebt.“ Zur Freude der Missionarin stimmt der junge Mann ihr sofort zu. Die beiden wechseln einige wenige Worte miteinander, dann muss Evelyne weiter. Auf der Fahrt ruft der Backpacker ihr nach: „Nimm von der Liebe, so viel du kannst und gib, so viel du hast!“ „Das mache ich“, sagt Evelyne. Dann betet sie für den jungen Mann und dankt Gott für seine bedingungslose Liebe. Auch in der anschließenden Versammlung beten die Teilnehmer für den Backpacker, den seither niemand mehr gesehen hat. „Vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen im Himmel?“, hofft Evelyne.

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Die Liebenzeller Missionarin Ramona Rudolph aus Fraureuth (Sachsen) war am vergangenen Freitag zu Gast beim Bürgerfest von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Park von Schloss Bellevue in Berlin. Mit dem Bürgerfest würdigt der Bundespräsident Menschen in Deutschland, die gesellschaftliche Herausforderungen angehen und sich für andere Menschen einsetzen. Der Bundespräsident bezeichnete die eingeladenen Gäste als „Helden unseres Alltags“ und dankte ihnen für die vielen Stunden, die sie sich für das Gemeinwesen einsetzen.

Ramona Rudolph, die in Ecuador arbeitet und seit Juli für ein Jahr in Deutschland ist, wurde von Mitbürgern aus ihrer Heimatstadt Fraureuth für die Teilnahme am Bürgerfest vorgeschlagen. Über die Einladung war die Missionarin sehr überrascht: „Es war für mich Überraschung und Privileg zugleich, beim Bürgerfest des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue eingeladen zu sein. Hier konnte man Menschen aus ganz Deutschland begegnen, die auch ein Herzensanliegen haben und sich auf beeindruckende Weise engagieren“, sagte Ramona Rudolph. Im Park Bellevue feierte sie zusammen mit rund 4000 eingeladenen Gästen. „Ich erlebte ein fröhliches, buntes, aber auch anspruchsvolles Programm bei kulinarischen Köstlichkeiten. Es war ein Abend zum Genießen und gerne Verweilen. Die Wertschätzung war sehr schön und ich bin beschenkt nach Hause gegangen“, beschrieb die Missionarin ihre Eindrücke.

Seit fünf Jahren arbeitet Ramona Rudolph in Ecuador unter der Quechua-Bevölkerung. Sie setzt sich vor allem für Kinder, Jugendliche und Frauen ein. Familien liegen ihr besonders am Herzen, da viele von ihnen in schwierigen Situationen seien: „Ich sah viel Zerbrach und Hoffnungslosigkeit in den Familien. Es kommt in Ecuador häufig vor, dass Männer ihre Frauen schlagen und sich kaum um die Familie kümmern. Nach der Arbeit treffen sich die Männer gerne mit ihren Freunden und geben ihr Geld für Alkohol aus. Das führt wiederum zu Geldnöten bis hin zu Schulden in den Familien.“ Zusammen mit einheimischen Mitarbeitern will sie dort der nächsten Generation eine Zukunftsperspektive geben, Beziehungen aufbauen und sie zu einem Leben mit Jesus Christus einladen. Der christliche Glaube gebe den Menschen Hoffnung: „Als die Menschen anfingen, auf Gott zu vertrauen, gab es positive Veränderungen in ihrem Leben. Einige begannen, anderen zu vergeben, weil sie persönlich Vergebung durch Jesus erfahren hatten. Andere besiegten ihre Alkoholsucht und fingen an, sich um ihre Familie zu sorgen.“ Neben der persönlichen Fürsorge und Begleitung von Familien gibt Ramona Rudolph auch Englischunterricht und Werkunterricht an Schulen.

Noch bis Sommer nächstes Jahr wird Ramona Rudolph in Deutschland sein und über ihre Arbeit berichten.

Gemeinsam mit acht Geschwistern ist sie in Offenburg aufgewachsen, seit September 2014 studiert die 24-Jährige „Theologie/ Soziale Arbeit im Interkulturellen Kontext“ an der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL): Anna-Sophie durchlebte in den vergangenen drei Jahren einige Höhen und Tiefen, doch gerade die schweren Momente stärkten ihr Vertrauen in Gott. Wir haben der Studentin zwei Fragen gestellt.

Du kennst das Leben in einer Großfamilie. Durch die Studien- und Lebensgemeinschaft (SLG) lebst du auch auf dem Missionsberg mit vielen Menschen zusammen. Wie wirkt sich die Gemeinschaft auf dein geistliches Leben aus?

Auch die SLG ist ein Stück weit eine große Familie für mich. Geistlich durfte ich vor allem durch Zeugnisse meiner Kommilitonen, Andachten oder auch durch enge Freundschaften wachsen. Da wir hier nicht nur gemeinsam studieren, sondern auch zusammen wohnen, kennen wir uns alle sehr gut und bekommen viel voneinander mit. Erlebt jemand etwas Gutes, freuen wir uns gemeinsam. Andersrum hören wir einander zu und beten miteinander, wenn es jemandem schlecht geht. Auch diese Momente haben schon viel zu meinem geistlichen Wachstum beigetragen. Obwohl die Gemeinschaft auf dem Missionsberg viele Vorteile hat, fordert sie mich auch ab und zu heraus, da ich kaum Privatsphäre habe. Dennoch schätze ich sie sehr, da ich gemeinsam mit meinen Geschwistern im Glauben wachsen kann und gute Freunde fürs Leben gefunden habe. Ich bin dankbar, dass wir alle – egal wie unterschiedlich wir auch sind – eine große Gemeinsamkeit haben, nämlich Jesus Christus, der uns verbindet.

Erinnerst du dich an ein besonderes Erlebnis mit Gott während deines Studiums?

Es gab eine Zeit, in der mir der Lernstoff über den Kopf gewachsen ist und mich private Dinge beschäftigt haben. Weil ich nicht weiter wusste, fing ich an, mir bewusst mehr Zeit für Jesus zu nehmen, um in seiner Gegenwart aufzutanken. Ich stand also jeden Morgen eine Stunde früher auf, um Bibel zu lesen und anschließend mit Jesus spazieren zu gehen. Dabei brachte ich all meine Gedanken, Bitten und meinen Dank vor ihn. Wie wichtig es ist, Jesus bewusst in den Mittelpunkt meines Lebens zu rücken, wurde mir während dieser Zeit neu bewusst. Jeden Morgen durfte ich erleben, wie er mir Kraft und gute Gedanken für den Tag geschenkt hat. Bis heute gehen wir spazieren und ich genieße es immer wieder aufs Neue, seine Gegenwart in der Stille zu spüren. Natürlich heißt das nicht, dass nach jedem Spaziergang alles wieder gut ist, aber ich weiß, Gott hilft mir Schritt für Schritt durch alle schweren Zeiten hindurch und gemeinsam mit ihm kann ich alles schaffen. Durch die Spaziergänge bekam auch das Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“ eine ganz neue Bedeutung für mich. In der heutigen Zeit, wo vieles stressig und hektisch ist, ist es mir wichtig geworden, Gottes Gegenwart so oft es geht in der Stille zu suchen. Jesus selbst hat sich einen ruhigen Ort gesucht, um zu beten.

JAPAN. Mit jeder Menge Gemeindeflyern und liebevoll verpackten Hefezöpfen im Gepäck stehen zwei Studentinnen der Internationalen Hochschule Bad Liebenzell (IHL) an einem Montagnachmittag vor dem Gemeindehaus in Chikusei. Rund 200 japanische Oberstufenschüler kreuzen nach Schulschluss ihren Weg. Herzlich gehen die deutschen Studentinnen auf die jungen Menschen zu und laden sie zu einem evangelistischen Nachmittag in die Gemeinde ein. 100 Flyer sind es, die die IHL-Studentinnen verteilen können – ganz zur Freude der 20-köpfigen Gemeinde, die seit Längerem auf mehr Gemeindenachwuchs hofft: „Nach der Verteilaktion waren wir glücklich und haben Gott gedankt, dass er uns Mut und Gelingen geschenkt hat“, sagt Schwester Priscilla Kunz, die die Studentinnen während ihres Missionspraktikums in Japan begleitet hat.

Am darauffolgenden Sonntag war es dann soweit. Alle waren gespannt, wie viele Schüler der Einladung folgen würden. Das Ergebnis war jedoch ernüchternd: „Es kam kein einziger Oberstufenschüler. Das war enttäuschend, doch sagten wir uns, dass Gott trotzdem etwas Gutes aus der Verteilaktion entstehen lassen kann“, berichtet Schwester Priscilla. Und so wurde auch der ansprechend gestaltete Nachmittag doch noch zu einem vollen Erfolg, denn neben den Gemeindegliedern kamen auch fünf Interessierte von außerhalb, die von der Flyeraktion mitbekommen haben und laut Schwester Priscilla noch keine Christen waren. Neben dem gemeinsamen Backen und Basteln wurden einige von ihnen vor allem durch die Andacht einer der deutschen Gaststudentinnen angesprochen, die über Gottes Treue in ihrem Leben berichtete: „Eine Frau war von dem Glaubenszeugnis so berührt, dass sie anfing, zu weinen“, erzählt Schwester Priscilla. An diesem Tag sei den Gemeindegliedern wieder bewusst geworden, wie wichtig jeder Einzelne ist, der zu Jesus findet.

Die Gemeinde möchte zudem weiterhin dafür beten, Kontakt zu den Oberstufenschülern zu bekommen und plant, gemeinsam mit einer japanischen Jugendorganisation um die Weihnachtszeit erneut eine Verteilaktion zu starten.

BAD LIEBENZELL. Als Kind reißt ihn eine starke Strömung mit, in Kabul entgeht er nur knapp einem Raketenangriff und bei einem Attentat auf eine christliche Schule in Pakistan bleiben er und seine Mitschüler verschont – Benjamin durfte schon oft erleben, wie Gott ihn in der Not bewahrt. Als Missionarskind größtenteils in Süd- und Zentralasien aufgewachsen, führte ihn sein Weg mit 23 Jahren an die Interkulturelle Theologische Akademie (ITA) nach Bad Liebenzell. Er verrät uns, wie es dazu kam und wie ihn Leben und Studium auf dem Missionsberg geprägt haben.

Das Thema „Mission“ wurde Benjamin bereits in die Wiege gelegt: „Schon als Kind hatte ich das Anliegen, Menschen vom Glauben an Jesus zu erzählen“, sagt der heute 26-Jährige. Ebenso träumte er davon, Missionsarzt zu werden. Als er mit 18 Jahren von Pakistan nach Deutschland zurückkam und gerade sein Abitur in der Tasche hatte, begann er zwar kein Medizinstudium, dafür eine Ausbildung zum Krankenpfleger in Stuttgart. „Die Arbeit dort machte mir viel Spaß, aber der Wunsch, Menschen für Jesus zu begeistern, war größer.“ Er fühlte sich von Gott berufen, für einen Missionseinsatz nach Kambodscha zu reisen. Zwei Jahre arbeitete er in verschiedenen Slums und erzählte den Menschen die gute Botschaft von Jesus Christus.

Mit der Frage im Gepäck, wie es für ihn nach Kambodscha weitergehen sollte, flog Benjamin nach seiner ersten Einsatzhälfte für einen kurzen Aufenthalt zurück nach Deutschland. Während dieser Zeit erzählte ihm seine Mutter von den Studienmöglichkeiten in Bad Liebenzell. Diese Stadt war ihm ein Begriff, hat Benjamin doch während seiner Ausbildung die Biografie von Ernst Vatter gelesen. Er entschied sich kurzerhand, den Missionsberg als Gasthörer zu besuchen: „Vor allem das interkulturelle Konzept der ITA mit dem Auslandssemester in Kanada sprach mich Weltenbummler sofort an.“ Es dauerte nicht lange, da bekam Benjamin nach seinem zweiten Einsatzjahr die Zusage für sein Studium an der ITA.

„Nach meiner Zeit in Kambodscha freute ich mich besonders auf das Zusammenleben mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten“, erzählt er. Heute weiß Benjamin, dass die Gemeinschaft mit seinen Glaubensgeschwistern maßgeblich zu seinem geistlichen Wachstum beigetragen hat. Und so wuchs er nicht nur an den gemeinsamen Predigtdiensten und der Wohngemeinschaft auf dem Missionsberg, sondern er lernte auch seine persönlichen Grenzen kennen: „Meinen Tiefpunkt erlebte ich in Toronto – gerade in der Stadt, auf die ich mich so gefreut hatte“, erzählt er. Drei Monate lang plagten ihn starke Kopfschmerzen und er fühlte sich schwach. Die Ärzte waren ratlos. Niedergeschlagen saß der Student eines Tages in einem kleinen Park und rief: „Gott, ich kann nicht mehr!“ Gottes Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Zurück in Bad Liebenzell wurde Benjamin vom damaligen Leiter der Studien- und Lebensgemeinschaft, Klaus-Dieter Mauer, angesprochen, ob er eine Brille bräuchte. Es stellte sich heraus, dass er tatsächlich eine Brille benötigte und, dass diese ein wichtiger Schritt hin zur Lösung seiner Beschwerden war: „Es ist wunderbar, wie Gott durch den Kommentar von Klaus-Dieter geführt hat“, freut sich Benjamin. Einmal mehr erlebte er, dass Gott die Fäden seines Lebens in der Hand hält.

Seit seinem Studienbeginn wurde Benjamin vor allem ein Bibelvers wichtig, der ihn bis heute begleitet und trägt. Er steht in Jeremia 17, 7-8: Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte. Wann immer sich der Lernstoff ballte oder die Zeit fehlte, sich intensiv auf die Jugendarbeit oder Predigtdienste vorzubereiten, gab dieser Vers ihm Zuversicht: „Ich bin dankbar, dass meine Aufgabe nicht die Frucht ist, sondern, fest in Jesus verankert zu bleiben.“ Damit ihm das gelingt, hat Benjamin gelernt, sich Freiräume für seine persönliche Zeit mit Gott zu schaffen: „Die Stille Zeit am Morgen und bei Spaziergängen ist mir sehr wichtig, um aufzutanken. Auch lobe ich Gott gerne mit Liedern und spiele dazu Gitarre“, erzählt er. Solche festen Rituale und Zeiten möchte sich der ITA-Absolvent beibehalten, auch wenn er sein Studium nun abgeschlossen hat und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Am letzten Wochenende hat er seine Frau Rebecca geheiratet. Gemeinsam mit ihr wird er für ein Jahr nach Korntal ziehen, um wieder als Krankenpfleger zu arbeiten und sich mit Rebecca in der Evangelischen Brüdergemeinde zu engagieren. Korntal wird voraussichtlich nur eine Zwischenstation sein. In Zukunft können sich die beiden eine internationale Gemeindearbeit oder einen Missionseinsatz vorstellen. „Durch das Studium in Bad Liebenzell fühlen wir uns gut ausgerüstet für den Dienst. Wir sind gespannt, was unser fürsorgender Vater für uns bereithält.“

BURUNDI. Mit Mitte zwanzig gelten Menschen in Europa längst als erwachsen. In Afrika ist das anders: Wer in diesem Alter unverheiratet und kinderlos ist, hat in der afrikanischen Gesellschaft noch lange keine Stimme. In dieser Lebensphase hungern viele junge Menschen nach Orientierung und Vorbildern. So auch in einer Gemeinde in Kinindo: „Ihr dürft machen was, wo, wie lange und welche Themen ihr wollt, aber bitte macht etwas mit unseren Jugendlichen“, bittet der Pastor der Gemeinde die LM-Missionare Tabea und Alex Biskup, die noch bis vor vier Jahren den Gemeindenachwuchs dort betreuten. Nach ihnen habe sich niemand mehr gefunden, der die Arbeit fortführen konnte.

Obwohl Freizeiten in Burundi nicht auf der Tagesordnung stehen, organisierten die Missionare für rund 50 Jugendliche ein Wochenende in Buta: „Unsere Bibelarbeit dort drehte sich vor allem um Timotheus. Einerseits, weil er in Paulus ein Vorbild fand, an dem er sich orientieren konnte, andererseits, weil er trotz seines jungen Alters viel bewegte“, sagt Alex Biskup. Nicht nur das Leben des Timotheus, auch der zentrale Bibelvers der Freizeit, in 1. Timotheus 4,12, sollte die Jugendlichen ermutigen: „Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit“ – Ein Vers, der für die jungen Menschen Zuspruch und Anspruch zugleich sein sollte. Auch identitätsstiftende Fragen wie „Wer bin ich und wie sieht mich Gott?“ wurden während der Bibelarbeit anhand von Psalm 139 beantwortet. Ebenso wie das Programm wurde auch der Ort der Freizeit nicht zufällig ausgewählt: „Vor 20 Jahren gab es an der Schule in Buta ein großes Massaker“, erzählt der LM-Missionar. 40 junge Menschen wurden ermordet, weil sie zusammenhielten und sich nicht in ihre ethnischen Gruppen aufteilen wollten. Die Jugendgruppe aus Kinindo erlebte in Buta, wohin Gewalt führen kann und wie wichtig Vergebung ist: „Buta ist ein Ort der Versöhnung. Trotz allem haben die Menschen dort gelernt, zu vergeben“, sagt Alex Biskup.

Er und sein Team wünschen sich, dass die Teilnehmer etwas für ihr Leben mitnehmen konnten: „Wir haben hungrige Jugendliche erlebt. Wie sie ihren Glauben leben, Gott mit Hingabe ehren und im Lobpreis ihren Dank zum Ausdruck bringen, hat uns sehr bewegt. Wir hoffen, dass sie das nicht tun, um die Anerkennung anderer zu bekommen, sondern, um ihren Glauben auf einem festen Fundament zu gründen.“

BAD DOBERAN. Zum 18. Mal gab es das Abenteuerland für Kinder in Bad Doberan. Vor der Sommerpause ging es um die Josia-Geschichte aus der Bibel. Viereinhalb Stunden gab es ein spannendes Programm, natürlich auch mit jeder Menge Action und Spaß. Christoph Scharf, Mitarbeiter der Liebenzeller Mission und Pastor der Gemeinde in Bad Doberan freute sich, dass dieses Mal sogar Gäste aus einem anderen Bundesland mit dabei waren: „Zwei Kinder aus Hessen, die mit ihrer Mutter zurzeit in Kühlungsborn auf einer Mutter-Kind-Kur sind, kamen auch zum Programm. Die Mutter hatte uns per E-Mail angeschrieben, dass sie auf der Suche nach ‚Gemeindeanschluss’ während ihrer Zeit in der Kur sind. Eine Familie aus unserer Gemeinde hat extra einen Fahrdienst organisiert, damit die Gäste auch am Sonntag zum Gottesdienst kommen konnten.“ Beim Abenteuerland waren natürlich viele Kinder aus Bad Doberan und Umgebung dabei. Jetzt ist Abenteuerland-Sommerpause, im September geht’s dann weiter.

RUSSLAND. Eine russische Ärztin ist tief berührt von dem, was sie kürzlich in ihrem Behandlungszimmer erlebt hat: „Viele erkältete Kinder kamen zu mir und sagten, dass sie sicherlich kein zweites Mal behandelt werden müssen, denn sie wollen dafür beten, dass sie gesund werden und sie glauben fest daran.“ Dieses große Gottvertrauen auf einer christlichen Sommerfreizeit im Ural beeindruckte die Ärztin sehr. Wie jedes Jahr wurde das Sommerlager von den LM-Missionaren Katharina und Waldemar Jesse organisiert. 49 Kinder und Jugendliche haben daran teilgenommen. Darunter nicht nur der eigene Gemeindenachwuchs, sondern auch Freunde von außerhalb, die noch nie von Jesus gehört haben. Umso größer war die Verantwortung der Mitarbeiter, den Teilnehmern die gute Nachricht von Jesus Christus weiterzugeben. Damit die Kinder Zugang zum Thema „Auf den Spuren Luthers“ bekamen, kombinierten die Mitarbeiter Sport und Spiel mit geistlichen Impulsen. „Uns fiel auf, dass viele der Kinder die Bibel mit Martin Luther verbinden. Umso mehr haben sie sich gefreut, als wir Bibeln verteilt haben“, erzählt Waldemar Jesse. Neben Volleyball, Basteln und Schwimmen im See kamen daher vor allem die täglichen Bibelarbeiten gut bei den Teilnehmern an. Auch haben sich die Mitarbeiter viel Zeit dafür genommen, mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen und für sie zu beten. Dass ihre Arbeit Frucht trägt, hat besonders die Reaktion eines Kindes gezeigt, das beim Stehlen erwischt wurde: „In einem Gespräch mit uns Mitarbeitern gestand das Kind, was es getan hatte und bat Jesus um Vergebung. Das war ergreifend“, erinnert sich Waldemar Jesse. Um die Teilnehmer auch über die Freizeit hinaus dabei zu unterstützen, im Glauben zu wachsen, möchte die Gemeinde den Kontakt zu ihnen halten. Daher haben die Mitarbeiter eine Gruppe in den sozialen Netzwerken erstellt und ein Freizeitnachtreffen im Herbst geplant. Natürlich wünschen sie sich auch, dass viele Teilnehmer die Kinder- und Jugendveranstaltungen der Gemeinde besuchen.