Seit 50 Jahren hilft die Deutsche Fernschule mit Sitz in Wetzlar den Missionaren, ihre Kinder zu unterrichten. Rahel Gross lebt seit 2009 mit ihrer Familie in Japan. Zusammen mit ihrem Mann Andreas ist sie unter anderem in der Gemeindegründungsarbeit aktiv. Sie berichtet, wie unersetzlich ihr als Mutter von vier Kindern die Deutsche Fernschule geworden ist.

Rahel, seit wann nutzt Du die Deutsche Fernschule?
Ich habe die vergangenen vier Jahre mit dem Material der Deutschen Fernschule unterrichtet. In diesem Sommer endet für mich die Ära „Häuslicher Unterricht“, weil Elia und Malea ab September die Deutsche Schule in Yokohama besuchen werden.

Wie sieht der Unterricht praktisch aus?
Der Unterricht findet bei uns im Wohnzimmer statt. Während die zwei Kleinen spielen, sitzen die zwei Großen am Tisch und versuchen, konzentriert zu arbeiten (lacht). In der ersten und zweiten Klasse war ich noch sehr gefordert, weil ich alles vorlesen und die Aufgaben beaufsichtigen musste. Doch inzwischen muss ich nicht mehr so viel helfen – eher motivieren, weiterzuarbeiten –, sodass ich nebenher auch einmal Wäsche aufhängen, kochen oder sonst etwas im Haushalt machen kann.

Welche Unterlagen habt ihr zur Verfügung gestellt bekommen?
Wir bekommen das gesamte Unterrichtsmaterial von Deutschland zugesandt. Vor allem im Fach Sachkunde gab es neben den Arbeitsblättern auch noch einiges an zusätzlichem Material. Wir haben gemeinsam Bohnen gepflanzt, die Kinder konnten Versuche zum Thema Strom unternehmen, wir bauten gemeinsam einen funktionierenden Kran, ein Auto und eine stabile Brücke aus Streichhölzern.

Was sind eure Erfahrungen mit der Deutschen Fernschule?
Wir haben durchweg gute Erfahrungen mit der Deutschen Fernschule gemacht. Durch das komplett ausgearbeitete Programm musste ich nicht selbst auf die Suche nach passendem Unterrichtsmaterial gehen. Wir konnten den Unterricht wenn nötig flexibel gestalten und auch auf die Bedürfnisse unserer Kinder und unseren Arbeitsalltag als Missionarsfamilie eingehen. Zudem hatten wir in Deutschland eine nette Betreuungslehrerin.

Was fordert beim Fernunterricht besonders heraus?
Es fordert heraus, zu unterrichten, während gleichzeitig kleinere Geschwister ebenfalls Aufmerksamkeit benötigen. Weil ich zwei Kinder in unterschiedlichen Klassenstufen unterrichtet habe, musste oft eines warten, während ich dem anderen geholfen habe. Ich war zudem dadurch gefordert, dass manche der Aufgaben beziehungsweise Versuche (vor allem in Sachkunde) für mich kaum umsetzbar waren, weil ich immer noch zwei bis drei andere Kinder zu beschäftigen hatte. So haben wir manche Versuche nur in der Theorie besprechen können oder wir waren eben als ganze Familie unterwegs, um beispielsweise eine Verkehrszählung zu machen.

Was schätzt ihr an der Fernschule?
Wir schätzen an der Fernschule, dass sie uns ein gut ausgearbeitetes Programm zur Verfügung stellt, mit dem unsere Kinder auch für den Wechsel in eine deutsche Schule gut vorbereitet sind. Ich fand es sehr gut, dass ich durch den Fernschulunterricht viele Freiheiten hatte, das Programm an unsere jeweilige Familiensituation anzupassen. Wenn wir zum Beispiel Missionarstreffen hatten, gab es an diesem Tag einfach keine Schule. Vor dem Sommer versuchten wir immer, so viel wie möglich durchzuarbeiten, sodass wir in der schwülen und heißen Zeit nicht so viel Unterricht machen mussten. In den Arbeitsblättern ging es immer wieder auch darum, dass Gott uns Menschen liebt und dass er die Welt wunderbar geschaffen hat. Das finde ich spitze!

Die Deutsche Fernschule bietet staatlich zugelassenen Fernschulunterricht für deutschsprachige Vorschul- und Grundschulkinder im Ausland an. Zu den Schülern gehören Kinder unter anderem von Entwicklungshelfern, Diplomaten, Managern und Missionaren. Die Schule befindet sich in Trägerschaft eines gemeinnützigen Vereins.

Auf ungewöhnliche Art und Weise gaben Christen in Sambia mit Liebenzellern Missionaren Gottes Liebe weiter: Sie putzen in der Hauptstadt Lusaka eine Polizeistation. In Sambia werden zwar die öffentlichen Einrichtungen vom Staat gebaut, allerdings fehlt oft das Geld zur Instandhaltung und für die Reinigung. Deswegen war die Polizei dankbar, dass die Christen ihnen danach auch neue Reinigungsmittel und Besen geschenkt haben.

An der dreistündigen Putzaktion beteiligten sich 25 Mitglieder und Besucher der Gemeinde. Sie reinigten die Böden und Oberflächen, mähten den Rasen, sammelten Müll ein und räumten den Vorplatz und die Station auf. „Die Polizisten haben sich gefreut, dass wir vorbeikamen und ihnen gedient haben“, sagte Markus Müller. In der Station gab es eine kleine Zelle, in der rund acht Männer untergebracht waren. Auch sie waren dankbar, dass die Christen putzten und sich mit ihnen unterhielten. „Am Ende durften wir für sie beten.“

Markus und Jana Müller freuen sich, dass sie über die Putzaktion die Gemeinde im praktischen Einsatz besser kennenlernen konnten. „Außerdem haben wir viel über die Kultur und Struktur im Land gelernt, auch im Öffentlichen Bereich.“ Für die Gemeinde war es bereichernd, ganz praktisch in ihrem Stadtteil dienen und so Gottes Liebe weitergeben zu können. Samuel Meier und Pastor Godfrey Mambwe haben die Aktion initiiert und koordiniert.

Es sind nun weitere solche Aktionen geplant. Denkbar ist eine Art Stadt-Putzete, in der Müll in der Umgebung aufgesammelt wird. Ebenso könnte bei einer weiteren öffentlichen Einrichtung geputzt werden. Auch soll das Sportangebot auf dem Gelände der Gemeinde ausgebaut werden. Die Gemeinde vermietet ebenfalls Räume für Gruppen aus dem Ort. So hatte zum Beispiel eine Krankenschwestern-Schule die Räume für einige Wochen gebucht, um weitere Kurse anbieten zu können. Ebenso gibt es einen Brunnen auf dem Gelände, bei dem jederzeit Menschen aus der Nachbarschaft Wasser holen können. Denn das Motto der Baptist Community Church lautet: „Wir wollen Gott ehren, indem wir Menschen zu Jüngern machen, sie zur authentischen Anbetung führen und mit Gottes Liebe Einzelpersonen, Paaren, Familien, Gemeinden und Nationen im Ausland erreichen. Unser Fundament ist das Wort Gottes und die biblische Gemeinschaft.“

Markus und Jana Müller sind seit April 2022 als Missionare in Sambia im Einsatz. Sie verstärken das Team in der Gemeindegründung in der Hauptstadt Lusaka. Markus studierte am Theologischen Seminar der Liebenzeller Mission und war als Landesjugendreferent beim Südwestdeutschen Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) tätig. Jana arbeitete bis zur Geburt ihres ersten Kindes als Sozialwirtin in der Verwaltung einer Jugendhilfeeinrichtung.

Christoph Scharf, Absolvent des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, arbeitete 20 Jahre in der Gemeindegründung in Mecklenburg-Vorpommern und wechselt nun in eine Berliner Gemeinde. Er berichtet, was seine Arbeit ausmachte.

Christoph, was hast Du in Mecklenburg-Vorpommern gemacht?
Ich verlasse nach 20 Jahren Mecklenburg-Vorpommern. Zunächst war ich acht Jahre in Schwerin tätig und nun zwölf Jahre in Bad Doberan unmittelbar an der Ostsee gelegen. In dem Städtchen mit knapp 13.000 Einwohnern gab es seit 1978 ein Freizeitheim des Mecklenburgischen Gemeinschaftsverbandes mit Vollversorgung und Hauseltern. Als 2007 der große G8-Gipfel im Stadtteil Heiligendamm stattfand, überlegte man, das Haus zu verkaufen und im benachbarten Kühlungsborn ein neues Freizeitheim zu bauen, was sich Gott sei Dank zerschlug. Zeitgleich kam der Gedanke auf, hier in Bad Doberan eine Gemeinde zu bauen. Dazu wurden wir angefragt. Wir haben mit einem kleinen Team angefangen, das sich wöchentlich traf und überlegten, wie wir eine Gemeinde gründen können. Wir schulten Mitarbeiter und beteten vor allem sehr viel. Gerade das Gebet legte die Grundlage, dass eine Gemeinde gewachsen ist. Dabei halfen uns auch die Willow-Creek-Kongresse und Impulse: „Die Ortsgemeinde ist die Hoffnung der Welt.“ Oder: „Was würde dieser Stadt fehlen, wenn es uns als Gemeinde ‚Haus Gottesfrieden‘ nicht mehr geben würde?“ Wir fragen uns immer wieder: „Was wollen wir sein?“ Unsere Antwort: Wir wollten in dem areligiösen Kontext Jesus bekannt machen. Ferner wollten wir für die Menschen da sein und ihnen etwas geben, das sie vermissen würden, wenn es uns nicht mehr gebe. Und daraus ist eben eine Gemeinde gewachsen.

Wie viele Mitarbeiter wart ihr im Schnitt?
Wir hatten bis zu 16 Mitarbeiter in der Spitze. Wir hatten zeitweise bis zu drei Kindergottesdienstgruppen. Wir hatten auch ein super Musik-Team. Zu Ostern boten wir mehrere Jahre Lobpreis-Abende an. Bis zur Corona-Pandemie zählten wir bis 70 Gottesdienstbesucher. Für unseren Ort und für den Mecklenburgischen Gemeinschaftsverband waren wir eine relativ große Gemeinde. Dabei waren rund ein Drittel der Besucherinnen und Besucher gar keine Christen, sondern schlicht Menschen, die sich einfach nur bei uns wohlgefühlt haben. Unsere Gottesdienste finden immer um 15 Uhr statt, da wir noch bis 2015 ein Freizeitheim für Selbstversorger waren, deshalb konnten wir keine früheren Gottesdienste anbieten. Und das haben wir dann auch bewusst so beibehalten. Alle zwei Wochen boten wir Kaffee und Kuchen an und viele sind dann erst nach 18 Uhr gegangen. So hatte ich mir immer Gemeinde vorgestellt, bei der wir füreinander beteten. Mit der Corona-Pandemie hat sich die Gemeinde komplett verändert. So sind viele in andere Gemeinden abgewandert, die größere Räume hatten und ihre Gottesdienste daher nicht auf Online-Angebote umstellen mussten. Hinzu kamen massive Eheprobleme bei Gemeindemitgliedern. Außerdem wechselten einige Mitarbeiter die Gemeinde. Leider ist die Gemeinde aus diesem „Winterschlaf“ noch nicht ganz aufgewacht. Wenn wir heute 20 bis 25 Gottesdienstbesucher sind, sind wir schon glücklich.

Was waren Deine Höhepunkte in Deiner Arbeit?
Wir haben uns an allen Festen beteiligt. So haben wir bei einer Kulturnacht unser Haus geöffnet. Beim Kinderfest haben wir Spiele angeboten, die Kinderzentrale der Liebenzeller Mission unterstützte uns dabei. Auch auf dem Weihnachtsmarkt waren wir mit einem Stand vertreten, ich durfte sogar auf der Bühne moderieren. Und wir organisierten Luther-Feste, beim letzten 2019 kamen fast 300 Menschen zu uns. Dabei gab es viele mittelalterliche Stände mit Handwerkskunst, Bogenschießen und Kostümwettbewerben. Wir wollten der Stadt auch immer Möglichkeiten geben zu feiern. Dem regelrechten Halloween-Wahn am 31. Oktober wollten wir angstfreie Zonen entgegensetzen. Dazu kamen Missionsvorträge, Freiluftgottesdienste und das von Willow Creek inspirierte „Abenteuerland“ für Kinder. Wir versuchten so oft wie möglich präsent zu sein. Und das würdigte der Bürgermeister auch bei meinem Abschied. Dabei bedankte er sich dafür, dass wir uns so sehr in und für die Stadt engagiert haben. Wir wollten auffallen und Menschen ganz klar auf Jesus hinweisen. Wir machten deutlich, dass unser Haus nicht nur „Gottesfrieden“ heißt, sondern dass man ihn hier auch findet. Das war unser Ziel und unsere Aufgabe.

Was hat Dich geprägt?
Bei meiner Einsegnung 2002 im Missionszelt überreichte mir der damalige Direktor Pfarrer Hanspeter Wolfsberger, der ein großer Befürworter der Missionsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern und mein persönlicher Seelsorger war, mit einem Lächeln den Bibelspruch aus Jesaja 41,13: „Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!“ Dieser Vers ist mir tatsächlich ein Programm geworden für mein bisheriges Leben: Ich konnte, egal, wo ich auch hingegangen bin oder es mir manchmal gar nicht vorstellen konnte, erleben, wie Gott meine rechte Hand fasst, auch die meiner Familie. Diese helfende Hand habe ich immer wieder erlebt. Die Gemeindearbeit hier war ein Familienprojekt! Die Gottesdienstbesucher lobten wiederholt, dass wir uns mit unseren fünf Kindern in die Gemeindearbeit eingebracht haben: Zum Beispiel im Technikteam, in der Kinder- und Jugendarbeit oder bei der Musik. Und ich freue mich, dass unsere Tochter Pia seit Ende August mit dem impact-Team an der Amano-Schule in Sambia für ein Jahr den Dienst in der Liebenzeller Mission fortführt, nachdem ich dort nun aufhöre.

Du wechselst nun in die Landeskirchliche Gemeinschaft nach Berlin-Spandau. Was ist dort Deine Aufgabe?
Bereits vor drei Jahren vereinbarte ich mit der Liebenzeller Mission, dass ich 2022 nach dem Ausbildungsabschluss einer unserer Töchter als Multiplikator und Botschafter für die Missionsarbeit in eine Gemeindearbeit wechsle und Platz mache für die nächste Generation im Gemeindegründungsteam. Die Landeskirchliche Gemeinschaft in Berlin-Spandau, meine Heimatgemeinde, die mich vor 25 Jahren in die Ausbildung nach Bad Liebenzell ausgesandt hat, fragte mich mehrfach an, ob ich nicht als Pastor zu ihnen wechseln könnte. Dort gab es seit ihrer Gründung vor über 60 Jahren stets Prediger aus Liebenzell.

Was nimmst Du aus Bad Doberan und Mecklenburg-Vorpommern mit?
Ich nehme die Begeisterung und das Wissen mit, dass Gemeindebau auch in schwierigen Gebieten möglich ist, wo es sehr viel Atheismus gibt. Ich bin dabei weniger der klassische Gemeindegründer als vielmehr Gemeindebeleber. Es gibt in Berlin Überlegungen, ein Ausbildungskonzept für „Zeltmacher“ zu entwickeln, Menschen also theologisch zu schulen, die weiter in ihrem Beruf arbeiten und bewusst in Gegenden ziehen, in denen sich Gemeinden keinen hauptberuflichen Pastoren leisten können.

Wie bleibt die Beziehung zur Liebenzeller Mission bestehen?
Ich bleibe Liebenzeller! Das ist meine Heimat. Wir werden mit der Jungen Kirche Berlin-Treptow, einem Gemeindegründungsprojekt der Liebenzeller Mission, ein regionales Missionsfest planen. Ich werde auf jeden Fall der Liebenzeller Mission treu bleiben, auch wenn ich nun in einer Gemeinde innerhalb des Gemeinschaftsverbandes Berlin-Brandenburg arbeite. Wo die Liebenzeller Mission auftaucht, bin ich dabei. Ich bin sehr dankbar für alle Unterstützer und Beter, die uns in diesen 20 Jahren unterstützt haben.

Seit 18 Jahren arbeiten Markus und Regine Gommel in Toronto. Seit einigen Jahren sind sie von der Liebenzeller Mission Kanada ausgesandt für die Arbeit unter asiatischen Einwanderern. In den nächsten Wochen sind sie in Deutschland und berichten von ihrer Arbeit. Wir haben Regine und Markus ein paar Fragen gestellt.

Wie lebt es sich als Schwaben in Kanada?
In Toronto kann man richtig schwäbisch leben. Da muss man auch sparen und gebrauchte Sachen kaufen. Second-Hand-Läden gibt es sehr viele. Als Schwabe kann man es in Toronto gut aushalten.

Ihr habt ein großes Herz für Menschen aus Asien. Warum?
(Regine): Markus hatte schon bevor wir uns kennenlernten den Wunsch, nach Bangladesch zu gehen, um Menschen zu einem Leben mit Jesus einzuladen. Er wollte gerne in einem Land arbeiten, in dem viele Muslime leben. Wir waren dann zwei Jahre in Bangladesch und haben die Bengalen in dieser Zeit sehr liebgewonnen. Bei mir hat es etwas länger gedauert als bei Markus, aber heute haben wir sie beide sehr ins Herz geschlossen. Dass wir heute unter Bengalen in Toronto arbeiten, passt da natürlich sehr gut.

In Toronto ladet ihr Menschen aus Asien zu euch ein und erzählt ihnen von Jesus Christus. Nehmt ihr eine Offenheit bei ihnen für den christlichen Glauben wahr?
Für Glaubensgespräche sind sie sehr offen. Gespräche über Gott gibt es ständig. Oft herrscht aber bei ihnen die Meinung vor, dass Muslime und Christen an denselben Gott glauben. Oder sie erzählen ihre Sicht auf Jesus. Unsere wollen sie nicht immer hören. Das gelingt aber besser, wenn Freundschaften entstehen. Und für Freundschaften sind sie sehr offen, Freundschaften finden sie toll. Wir sind daran, hinter den Vorhang der Religiosität zu blicken. Schön ist es, dass Muslime in aller Regel gerne für sich beten lassen – gerade auch von uns Christen.

Was sind die Herausforderungen in eurer Arbeit?
Für die meisten Menschen stehen materielle Nöte an erster Stelle. Die Familien haben große Nöte, es gibt viele Ehekrisen und finanzielle Probleme. Die Menschen erhoffen sich oft Lösungen von uns. Wir möchten sehr gerne helfen, stoßen aber schnell an Grenzen. Allerdings sehen wir nicht nur die materiellen Nöte, sondern auch die geistlichen – und die Zusammenhänge, die es zwischen beiden Bereichen gibt.

Derzeit seid ihr Deutschland. Was vermisst ihr am meisten, wenn ihr in Kanada seid?
Eigentlich vermissen wir wenig. Außer natürlich Familie, Freunde und unsere Gemeinde. Die Begegnungen in Deutschland nehmen wir oft intensiver wahr. Es ist schön, in eine vertraute Umgebung wieder einzutauchen. Wir können hier Begegnungen haben, in denen wir einfach „sein“ können, ohne selbst immer geben zu müssen. Wobei wir wirklich sagen können, dass wir auch sehr viel von den Menschen zurückbekommen. Oft werden wir zum Dank bekocht. Man muss also auch bereit sein, selbst etwas zu empfangen. Dann entsteht ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen.

Du willst die Missionsarbeit von Regine und Markus Gommel mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Manuel und Christina Feige bringen seit 2018 in den Armensiedlungen von Wewak (Papua-Neuguinea) Menschen am Rande der Gesellschaft Gottes Liebe nahe. Sie studierten zuvor an der Internationalen Hochschule Liebenzell Theologie bzw. Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext. In Papua-Neuguinea schulen sie Gemeinden in der sozialmissionarischen Arbeit, erteilen Religionsunterricht, besuchen Gefängnisinsassen und unterstützen Gemeinden in der Kinder- und Jugendarbeit. Die nächsten Monate sind sie in Deutschland, um über ihre Arbeit zu berichten. Wir haben ihnen ein paar Fragen gestellt.

Papua-Neuguinea wird oft als „Land of the Unexpected” (Land des Unerwarteten) bezeichnet. Was hättet ihr in eurem Einsatzland nicht erwartet?
Bei uns ist kein Tag wie der andere. Wir erlebten in unseren ersten vier Jahren extrem viele Wechsel: bei einheimischen Mitarbeitern, Missionaren, Zuständigen in der Partnerkirche.

In Papua-Neuguinea bekennen sich fast alle Einwohner zum christlichen Glauben. Aber der Alltag ist geprägt von großer Gewalt, Alkohol- und Drogenmissbrauch. Wie passt das zusammen?
Neulich sagte mir ein Mitarbeiter: „Wir sollten aufhören, uns als christliches Land zu bezeichnen. Denn wir beschämen den christlichen Glauben.“ Besonders viele in der älteren Generation finden es völlig in Ordnung, im Geisterglauben zu leben und sonntags in den christlichen Gottesdienst zu gehen. Der Glaube wirkt sich oft nicht im Alltag aus. Jüngere sind häufiger der Meinung, dass zusammenpassen sollte, was man sagt und lebt. Von ihnen hören wir manchmal Sätze wie: „Ihr wollt alle Christen sein und bestiehlt euch nachts.“ Dafür haben dann mehr und mehr kein Verständnis.

Was tut ihr, um die Menschen aus der Gewaltspirale herauszuholen?
Wir bringen Menschen zusammen, bauen Beziehungen auf. Wenn Menschen sich kennen, vertrauen sie sich eher und Gewalt geht zurück. Wir konnten ein Netzwerk in der Kinder- und Jugendarbeit aufbauen. Allein, dass wir so eine Arbeit machen, macht einen Unterschied. Es gibt sonst keine solche Arbeit. Kinder und Jugendliche sind meistens völlig auf sich alleingestellt. Es freut uns, wenn Gemeinden aktiviert werden und bei den Programmen mitmachen. Wenn Jugendliche gut in eine aktive Jugendarbeit integriert sind, haben sie oft weniger soziale Probleme.

Was motiviert euch jeden Tag neu?
Die Hoffnung, dass Gott mehr machen kann als wir sehen. Wir sind dankbar, dass wir bei Kindern, Jugendlichen und Gemeinden Veränderungen sehen. Wenn Leute mitarbeiten, denen früher alles egal war, dann ist das schon bewegend. Oder wenn wir ehemaligen Häftlingen, die wir im Gefängnis besuchten, begegnen und sie nicht mehr straffällig sind. Leider sieht man die Veränderungen aber nicht überall so.

Von Deutschland aus gesehen arbeitet ihr am Ende der Welt. Reizt das euch eher oder macht es euch das Leben manchmal auch schwer?
Wenn wir an die medizinische Versorgung denken, an fehlende Betreuungsangebote für Kinder, an die Distanz zu den Verwandten, dann ist das manchmal schon doof. Aber die Entfernung hilft uns auch, uns ganz auf unseren Einsatz zu konzentrieren. Und wir haben Papua-Neuguinea auch bewusst zu unserem Zuhause gemacht.

Du willst die Missionsarbeit von Christina und Manuel Feige mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

„Liebe geht durch den Magen – die beste Botschaft der Welt aber auch.“ Das bewiesen die Mitarbeiter der Jungen Kirche Berlin-Treptow um Dirk Farr beim „Kitchen Switchen“. Die Idee dabei: Entweder ist jemand Gastgeber, kocht den Hauptgang und stellt sein Esszimmer für die Gäste zur Verfügung. Dafür kommen Vorspeise und Nachspeise direkt nach Hause.
Oder: Als Gast kocht man mit dem Teampartner Vorspeise oder Nachspeise und bringt sie mit. Zu jedem Gang kommen so zwei Gästeteams in eine Küche und reisen danach zur nächsten Küche weiter. So isst man an diesem Abend drei Gänge in drei verschiedenen Küchen mit unterschiedlichen Gästen.

Ziel war es, Menschen in der Gemeinde unkompliziert kennenzulernen, so der Liebenzeller Mitarbeiter. Die Idee hatten die Mitarbeitenden der Jungen Kirche Berlin-Treptow in einer anderen Gemeinde aufgeschnappt und in den vergangenen Jahren immer weiter verfeinert. Entscheidend ist nicht die Größe der Gesamtgruppe, sondern die Gelegenheit, dass man bis zu zwölf Menschen ein wenig besser kennenlernt – und sie einen.

Und die Aktion kam sehr gut an; rund 40 Personen nahmen daran teil. „Besonders nach der langen Corona-Zeit war es wunderbar. Die Teilnehmenden haben es genossen, sie haben andere kennengelernt oder ihre Freundschaft vertieft“, sagte Dirk Farr. Im Anschluss fand eine ausgelassene After-Dinner-Party in den Gemeinderäumen statt.
Dirk Farr empfiehlt, die Aktion einfach einmal auszuprobieren: „Gastfreundschaft und miteinander Essen war bereits bei Jesus ein Herzöffner. Besonders für diesen Sommer und Herbst kann das ein richtig großer Booster für die Gemeinschaft werden.“ Ein „Handbuch“ mit allen organisatorischen Details, Hinweisen zu gutem Team-Matching und allem, was man für den Abend braucht, kann man direkt bei Dirk Farr erhalten.

Dirk und Angelika Farr sowie Nikolai Bolanz starteten 2007 das Gemeindegründungsprojekt Junge Kirche Berlin-Treptow. Im Filmpalast Astra feiern die Besucher die wöchentlichen Gottesdienste: Bunt, ein bisschen laut und immer nah an Jesus und dem Alltag der Besucher dran. Parallel erleben Kinder die auf sie zugeschnittene Kinderkirche. Unter der Woche gibt es Angebote für Teenager, Kleingruppen und Schulungen, die helfen, den Glauben mutig zu leben und ihn lebendig in den Großstadtalltag zu transportieren.

Wie eine Missionarin während des Ramadans auf Trinken verzichtete – und so die Herzen der Musliminnen gewann

Claudia Bolanz lebt mit ihrem Mann Nick und ihren beiden Kindern Luca und Joy seit Sommer 2018 in Montpellier/Südfrankreich, um dort zusammen in einem Team eine Gemeinde zu gründen. Dabei machte sie während des muslimischen Fastenmonats Ramadans eine wichtige Erfahrung, als sie sich solidarisch zeigte:

Seit 30 Minuten schallt die orientalische Musik mit hämmerndem Bass durch den maroden Lautsprecher. In der Sporthalle sind rund zwanzig Frauen, alle mit marokkanischem oder algerischem Hintergrund – und ich mittendrin. Wir tanzen wie die Wilden, die allermeisten haben ihr Kopftuch vorher abgelegt, der Schweiß steht uns auf der Stirn.
Mein Blick fällt sehnsüchtig auf meine einsam an der Wand stehende Wasserflasche. Vor Anstrengung und Schwitzen lechzen alle Frauen nach Wasser – aber wir befinden uns gerade mitten im muslimischen Fastenmonat Ramadan.

Bis zum Sonnenuntergang vergehen noch ein paar Stunden. Wahrscheinlich aus Rücksicht zu mir ruft die Trainerin nach einer gefühlten Ewigkeit: „Trinkpause!“ Aber ich entscheide mich ganz spontan dazu, meine Flasche trotz meines riesigen Durstes nicht anzurühren. Inzwischen kennen mich die Frauen mit Namen und wissen genau, warum ich hier mit meiner Familie in Montpellier lebe. Ich bin hier die einzige Christin. Sie wertschätzen mich, weil ich mich offen zu meinem Glauben bekenne. Wir hatten seit Schuljahresbeginn bereits mehrere intensive Gespräche über unterschiedliche Glaubensthemen.

Kurzerhand rufe ich in die Runde, um den dröhnenden Lautsprecher zu übertönen: „Ich trinke auch nichts, wenn ihr nichts trinkt!“ Aus allen Richtungen klatschen mir meine Freundinnen Beifall und ich höre anerkennende Zurufe. Um Beifall zu bekommen, habe ich das nicht gemacht. Das war mir im Gegenteil eher ein wenig peinlich. Ich wollte mich durch diese Geste einfach mit ihnen solidarisieren und zeigen, dass ich ihr Fasten wertschätze, denn wir Christen kennen Fastenzeiten ja schließlich auch.

Zur nächsten Sportstunde bringe ich meine Wasserflasche erst gar nicht mehr mit. Stattdessen fragt mich die Trainerin zu Beginn des Sportkurses, ob es bei uns Christen denn nicht auch ein Fasten gäbe. Das war für mich die Gelegenheit, einen kurzen Impuls zum Thema „christliches Fasten“ weiterzugeben. Alle paar Tage verschicke ich in unsere gemeinsame Whatsapp-Gruppe den Musliminnen ermutigende Impulse, damit die Frauen diese für sie herausfordernde Zeit gut durchhalten und – wer weiß – vielleicht dabei auch Jesus ein Stückchen näher kennen und lieben lernen.

Nachtrag: Am Tag des Fastenbrechens waren wir gerade von unserem Deutschlandurlaub auf dem Rückweg nach Montpellier. Ich nutze die Zeit auf dem Beifahrersitz, um den Frauen auf Arabisch und auf Französisch zu diesem Tag des Fastenendes zu gratulieren. Eine Freundin fragte daraufhin, wann wir denn wieder zurück seien. Kurze Zeit nach unserer Ankunft schickte sie ihren Sohn vorbei, um uns einen ganzen Karton voll mit leckeren selbst gebackenen arabischen Süßigkeiten vorbeizubringen. Diese Geste hat mich sehr berührt und zeigt mir – über Glaubensunterschiede hinweg – unsere freundschaftliche Verbundenheit.

Das konnten viele Ugander zunächst nicht fassen: Statt seinen wohlverdienten Ruhestand als pensionierter Erzbischof der anglikanischen Kirche von Uganda in der Hauptstadt, in der alles verfügbar ist, zu genießen, entschließt sich Henry Luke Orombi, wieder in seine alte Heimat aufs Land unter einfachen Bedingungen zu ziehen, weil er dort mehr gebraucht wird. Acht Jahre stand er an der Spitze der Kirche, der heute rund elf Millionen Christen angehören. Er wollte sein Herz ganz der Verkündigung des Evangeliums national und international zu widmen.

Seine Landsleute wollten zuerst gar nicht glauben, dass ihm dieser Umzug ernst war, weil vor ihm noch niemand, der es einmal in die Hauptstadt geschafft hatte, wieder in die tiefe Provinz zurückgekommen ist. Doch Orombi setzte seinen Entschluss in die Tat um und ist nun Mentor für Pastoren und Schlüsselpersonen seiner Provinz; dazu Redner im ganzen Land. Auf dem Gebetsberg am Victoriasee hält er Wochenenden für Leitende aus Politik und Wirtschaft. „Unsere Welt braucht Menschen wie den pensionierten Erzbischof Orombi, die Jesus in ihrem Alltag nachfolgen – auch wenn es nicht ihr Traumplatz ist“, sagte Missionar Martin Auch. Er schätzt an ihm, geistliche Wahrheiten mutig zu sagen und dazu zu stehen. Ebenso zeichne ihn seine Nahbarkeit aus und seinen immer noch frischen Herzschlag für Jesus sowie seine Weisheit und große Erfahrung.

Der ehemalige Missionsdirektor Martin Auch entschloss sich mit 59 Jahren, nochmals in die Missionsarbeit zurückzukehren. Er sondiert zurzeit mit seiner Frau Tabea neue Arbeitsmöglichkeiten der Liebenzeller Mission. „Bei unseren vielen Treffen und Besuchen von Leitungsverantwortlichen, Gemeinden und Projekten stellen wir immer zuerst Fragen, statt mit eigenen Vorschlägen zu kommen. Unser Grundsatz ist: Wir kommen als Lernende und als Hörende.“