Sie sind ganz schön in Afrika rumgekommen und gehören zu den langjährigsten Missionaren der Liebenzeller Mission. Paul und Dorothe Kränzler waren von 1988 bis 1990 in Liberia, von 1991 bis 1992 in Guinea und von 1993 bis 2006 in Malawi. Nach einer Zeit im Gemeindedienst in Österreich reisten sie 2016 erneut nach Malawi aus. Zurzeit sind sie im Heimataufenthalt in Deutschland und berichten von ihrer Arbeit in Malawi. Wir haben ihnen drei Fragen gestellt.

Was hat sich aus eurer Sicht in den zehn Jahren in Malawi verändert?

Wir haben wahrgenommen, dass sich in dieser Zeit eine etwas stärkere Mittelschicht gebildet hat, sogenannte Young-Urban-Professionals (beruflich Qualifizierte). Diese Mittelschicht ist mit ca. 10 – 15 Prozent der Gesamtbevölkerung immer noch vergleichsweise gering. Aber es gibt zum Beispiel spürbar mehr Autos in den beiden größten Städten und auch Bildung ist gefragter.

Im Vergleich zu unserem Beginn in Malawi 1993 hat sich die Gesamtbevölkerung mehr als verdoppelt. Damals lebten in Malawi acht Millionen Menschen, heute sind es circa 17 Millionen. Bisher hatte eine malawische Frau durchschnittlich fünf Kinder. In der Mittelschicht wird eine bewusstere Familienplanung betrieben.

Bei unserem ersten Aufenthalt in Malawi war das Thema Aids auf dem Höhepunkt. Man sah vielen Menschen auf der Straße direkt an, dass sie Aids hatten, und wir waren viel auf Beerdigungen. Inzwischen kann durch Medikamente die Aids-Erkrankung im Griff gehalten werden. Aids-Infizierte haben eine höhere Lebenserwartung und es ist auch nicht mehr so erkennbar. Der Nachteil ist, dass es den Menschen weniger Sorge bereitet, sich mit Aids anstecken zu können, was ihren Umgang in diesem Bereich nicht nur positiv beeinflusst.

Der Islam ist auf dem Vormarsch. Seit den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 ist ein Selbst- und Sendungsbewusstsein der Muslime erwacht. Es sind viele Moscheen und auch große Schulen entstanden; teilweise allgemeine Schulen, teilweise Koranschulen. Der „Volksislam“ in Malawi war stark in die Gesellschaft integriert, die unterschiedlichen Religionen wurden toleriert. Der Islam, der von außen ins Land dringt, ist offensiver.

Ihr betreibt nun einen Radiosender für den Volksstamm der Yao. Welche Ziele verfolgt ihr mit diesem Sender?

Wir möchten den Yao Lebenshilfe geben mit lebensnahen Sendungen, Tipps für das tägliche Leben und Bildungs- und Erziehungsprogrammen. Außerdem möchten wir ihnen die gute Nachricht von Jesus Christus weitergeben.

Wie reagieren die Zuhörer auf dieses Programm?

Sie nehmen gerne daran teil. Sie können zum Beispiel anrufen und sich Musik wünschen oder Bekannte grüßen. Oder sie stellen Rückfragen zu unseren Themen, wie zum Beispiel über Cholera. Sie schätzen es sehr, dass wir in der Sprache der Yao senden und sie sagen: „Das muslimische Radio sendet für die Muslime. Das katholische Radio sendet für die Katholiken. Aber ihr seid für alle da. Ihr seid zwar christlich, aber ihr seid für alle da.“ Dass sie uns so offen wahrnehmen, freut uns.

Wir sind auch begeistert, zu erleben, wie Gott vieles schon lange vorbereitet und geplant hat. Zum Beispiel bei unserem Mitarbeiter Kondwani. Er ist Waise. Als er vier Jahre alt war, sind seine Eltern in kürzester Zeit gestorben. Zuerst war er bei seiner Oma, dann wurde er weiter durch die Verwandtschaft gereicht. Er hat seinen Lebenswillen nicht verloren, wollte sogar eine kombinierte Bibelschule- und Berufsausbildung machen. Um diese zu finanzieren, hat er währenddessen auch noch gearbeitet, zum Beispiel als Nachtwächter. Irgendwann hat er ein Stipendium bekommen und es wurde einfacher. Er hat TV- und Radiokommunikation studiert und abgeschlossen. Gott ließ ihn das passende Studium wählen, und dann haben wir Kontakt mit ihm bekommen. Inzwischen ist er ein sehr guter und wichtiger Mitarbeiter. Diese Maßarbeit Gottes lässt uns Staunen.