DEUTSCHLAND. Mit gepackten Koffern und dem Bachelor in der Tasche brach Hannah Kaiser im Oktober auf nach Frankfurt. Dort hieß es für die gebürtige Kaiserstühlerin zunächst Fuß fassen – in einer fremden Stadt und in zwei Gemeinden. Denn Hannah begann sowohl bei der Stadtmission in Niederrad als auch in einer chinesischen Gemeinde zu arbeiten.

Der Jugend den Rücken stärken

„In vielfältige Bereiche hineinfinden und ein neues Umfeld aufbauen – das galt es zunächst zu meistern“, schildert Hannah, die gerade ihr Studium an der Internationalen Hochschule Liebenzell absolviert hatte und durch die Liebenzeller Mission Kontakt zu den beiden Gemeinden bekam. Der Einstieg fiel der Absolventin überraschend leicht. Herzlich wurde sie von den Mitgliedern aufgenommen und rasch integriert. In der chinesischen Gemeinde begann Hannah die Jugendarbeit zu leiten und neu zu beleben. „Für viele Jugendliche konnte die Gemeinde bisher kein Zuhause sein, weil sie viel stärker ‚deutsch ticken‘ als ihre Eltern.“ Das hätte zur Folge, dass einige mit Identitäts- und Zugehörigkeitsproblemen kämpften. Hannah möchte die junge Generation in ihrem Glauben stärken und ihr einen neuen Zugang zu ihrer Gemeinde verschaffen: „Ich merke, dass es vielen gut tut, eine Bezugsperson zu haben, die ihnen ihren Platz freiräumt.“ Trotz kultureller und sprachlicher Hürden fühlt sich Hannah dort am richtigen Platz.

Andere Kulturen, andere Sitten

So auch bei der Stadtmission, wo sie ebenfalls den Gemeindenachwuchs fördert. Die 23-Jährige hilft dort bei drei Kindergruppen und in der Sonntagsschule, gibt Nachhilfe sowie Gitarrenunterricht, und baut die Gebetsarbeit aus. Die verschiedenen Aufgaben machen ihr Spaß und lassen Hannah das anwenden, was sie in ihrem Studiengang „Theologie/Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext“ gelernt hat. „Zwar habe ich nicht auf alles eine Antwort, doch bekam ich viel Handwerkszeug für meine jetzigen Aufgaben mit auf den Weg.“ Auch von den Professoren und Missionaren konnte Hannah manches für sich mitnehmen: „Aus ihren Erfahrungen mit anderen Kulturen und Meinungen kann ich nun profitieren.“ Zudem habe ihr das Zusammenleben auf dem Missionsberg mit Gleichaltrigen aus verschiedenen Kontexten geholfen, einen Weitblick für andere Einstellungen zu bekommen.

Gott greift ein

Dass es neben solchen Fähigkeiten aber vor allem auf Gottes Handeln ankommt, das durfte Hannah erst kürzlich wieder erleben. Eine alleinerziehende Mutter und ihr zehnjähriger Sohn kommen regelmäßig zum Gottesdienst der Stadtmission. Der Junge ist sehr intelligent, kann seine Emotionen aber schlecht kontrollieren. Die Mutter, die seit dem Tod ihres Mannes zwei Jobs nachgeht, wirkt abgekämpft und tut sich schwer, ihren Sohn zu bändigen. Das fiel neben Hannah auch einer Kollegin auf, und die beiden fingen an, für den Jungen zu beten. Weitere aus der Gemeinde schlossen sich ihnen an. Dass viele für das Kind beteten, spürte die Mutter bald. Sogar seine Lehrerin stellte eine Veränderung fest. „Wir sind dankbar, dass Gott an dem Jungen wirkt, er gerne kommt und Jesus wirklich lieb hat“, freut sich Hannah. Er könne sich schon besser kontrollieren und höre bei den biblischen Geschichten viel aufmerksamer zu.