BERLIN. Mit Hashtags wie „I’m yours“ (Ich gehöre dir) oder „child of god“ (Gottes Kind) versieht eine 15-Jährige gerne ihre Fotos auf der Internetplattform Instagram. Dabei spielte Gott lange Zeit keine Rolle in ihrem Leben. Jesus? Wer sollte das sein? Halt? Ein Fremdwort für die Berlinerin. Ihren leiblichen Vater lernte sie nie kennen. Vor zwei Jahren besuchte die Jugendliche dann ein Sommercamp, bei dem sie in die Junge Kirche Berlin  (JKB) eingeladen wurde. Sie entschloss sich, hinzugehen, und lernte dort Jesus kennen und lieben. Als Zeichen, dass sie nicht mehr ohne ihn leben möchte, ließ sie sich im Juni von den Liebenzeller Mitarbeitern Jana Kontermann und Nathanael Bader taufen, und erhielt so, wie es auf ihrem T-Shirt abgedruckt stand, ein „neues Leben“.

Und sie war nicht alleine. Zehn weitere aus dem Kiez, darunter sieben Jugendliche und drei Erwachsene, ließen sich an dem Tag taufen. Und das Beste: Obwohl die meisten die einzigen Christen in ihrer Familie sind, kamen viele Angehörige. „Da einige Besucher noch nie von Jesus gehört oder einen Gottesdienst miterlebt hatten, entschied ich mich, über die Basics des christlichen Glaubens zu predigen“, erzählt Jana. Dass sie auf nichts aufbauen konnte, bestätigte ihr beispielsweise auch der Anruf einer Mutter, die kurz vor der Taufe wissen wollte, wie solch ein Event gefeiert wird, da ihr Sohn der einzige in der Familie sei, der was mit Jesus zu tun hätte. Über das Interesse freute sich Jana sehr. Und tatsächlich kam die gesamte Familie des Jungen – auch wenn sie sich in zwei Lager spaltete, da die Eltern geschieden waren. „Durch das große Picknick im Anschluss fiel das aber nicht auf. Auch, dass mancher Täufling nur wenige Angehörige dabei hatte, blieb unbemerkt. An dem Tag waren wir eine große Gemeinschaft, sozusagen eine Familie“, freut sich Jana. Auch bei den Täuflingen gab es keine Unterschiede, denn sie trugen alle das gleiche Shirt mit der Aufschrift „Mein neues Leben“.

Bewegend sei vor allem gewesen, als die Jugendlichen vor den rund 200 Besuchern darüber sprachen, wieso sie sich taufen lassen. Ein 16-Jähriger hatte beispielsweise einige Monate zuvor von Gott geträumt. An der Taufe erzählte er, dass er nun mutig mit Jesus leben möchte – und das, obwohl er wusste, dass sich die Begeisterung seiner Eltern dabei in Grenzen hielt. „Sie wollten zum Beispiel nicht, dass er einen Glaubenskurs macht. Aber Gott wirkt an der Familie, denn der Sohn entschied sich trotzdem für die Taufe, und seine Eltern waren sogar dabei.“ Aber nicht immer läuft es so wie in seinem Fall, denn viele der Jugendlichen aus dem Kiez haben schwere Rückschläge erlebt. So auch ein Berliner, der seinen Vater verlor. Er selbst leidet oft unter Migräne und kämpft sich durch den Schulalltag. Kurz vor der Taufe entschied er sich, noch zu warten, da ihn viele Fragen beschäftigten. „Es ist gut, dass er so ehrlich zu sich war. Denn es ist keine Entscheidung, die man mal eben fällt“, findet Jana. Wenige Tage vor der Taufe dann der nächste Einschnitt: Der Jugendliche und seine Mutter hatten einen schweren Autounfall, bei dem sie jedoch trotz eines Totalschadens unverletzt blieben. Als er zu Hause dann das lange zuvor bestellte Taufshirt auspackte, sagte er: „Ja, Mama, es stimmt, ich habe ein neues Leben bekommen.“ Jana freut sich, dass er weiter in die JKB kommt und nicht von Jesus ablässt. „Generell bin ich sehr dankbar dafür, wie unsere Jugendlichen auf Jesus vertrauen, und sich vor ihren Familien zu ihm bekennen.“ Sie wünscht sich, dass jeder von ihnen seinen Platz in der Gemeinde findet, wo er Fragen stellen und seine Gaben entfalten kann. Auch hofft sie, dass sich das Bekenntnis der jungen Menschen auf ihre Familien auswirkt, und auch sie anfangen, an Jesus zu glauben.