ÖSTERREICH. “Du spinnst, du stellst dich gegen unsere Traditionen!”, sagte ein Afghane fassungslos zu seinem älteren Bruder, weil dieser angefangen hatte, die Bibel zu lesen und seiner muslimischen Familie erklärte, dass das Christentum die Wahrheit sei. Er wurde verstoßen. Sein Bruder aber hatte Mitleid und verhalf ihm zur Flucht. Beim Abschied erklärte der Flüchtende, wo er im Haus eine Bibel versteckt hatte: “Wenn du zurückkommst, lies darin und prüfe, ob ich wirklich verrückt bin oder, ob es die Wahrheit ist!” Dann trennten sich ihre Wege.

Der 27-Jährige fand die Bibel und begann, darin zu lesen. Nach einer Weile erkannte er: Jesus ist Gottes Sohn. Ihm wollte er folgen. Als sein Schwiegervater das herausfand, forderte er seine Tochter auf, sich von ihrem Mann zu trennen. Sie aber sagte, dass sie ihren Mann liebe und bei ihm bleibe – egal welcher Religion er folge. Weil das Ehepaar daraufhin bedroht wurde, floh es in den Iran. Dort wurden sie diskriminiert, sodass sie nach der Geburt ihres ersten Kindes weiter in die Türkei flüchteten. In dem Land ging es ihnen besser. Mit Gelegenheitsjobs konnte der Mann für seine Familie sorgen und bald kam das zweite Kind zur Welt. Nach der Geburt plagten die junge Mutter starke Rückenschmerzen und sie konnte wochenlang nicht mehr aufstehen. Zu dieser Zeit lernte ihr Mann einen Missionar kennen, der für die Frau betete. Drei Tage später waren die Schmerzen verschwunden. Für das Ehepaar war das ein Wunder Gottes und sie ließen sich taufen.

Im Zuge der Flüchtlingswelle kam die Familie dann nach Österreich. Dort lebten sie in einer Flüchtlingsunterkunft bei Graz. Als die anderen Bewohner erfuhren, dass sie Christen sind, durfte die afghanische Familie weder den Kühlschrank, noch die Küche mit anderen teilen. In dieser schwierigen Zeit fand die Familie Anschluss an eine christliche Gemeinde. Dort lernten sie die Liebenzeller Missionare Renate und Siegfried Seitz kennen, die ihnen bald von einem Wohnprojekt für christliche Geflüchtete berichteten. Als zweite Familie zogen sie dort ein. “Seitdem helfen sie beim internationalen Begegnungscafé im Haus und haben ein großes Anliegen, anderen Menschen von Jesus Christus weiterzusagen”, freut sich Siegfried. Vor allem die verschüchterte junge Frau sei aufgeblüht. Sie gehe nun offen auf andere zu und trage kein Kopftuch mehr.

Ein Höhepunkt war für die Missionare die vergangene Weihnachtsfeier: “Über 120 Geflüchtete kamen. Zwei Drittel waren Muslime. Bei der Feier erzählte der Afghane von seinen Erlebnissen mit Jesus Christus. Wir können nur staunen, wie Gott an der Familie gewirkt hat und hoffen, dass sie die Herzen von vielen weiteren Menschen berühren und zur Wahrheit führen können.”

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