FRANKREICH. Viele Jahre war die Gemeinde in Avranches auf der Suche nach größeren Räumen. Vor zwei Jahren wurde sie dann fündig, und vor wenigen Tagen fand der erste Gottesdienst im neuen Gemeindehaus statt. Ein großer Grund zur Freude für die 40 Gemeindemitglieder und die Liebenzeller Missionare Sigrun und Peter Rapp, die die Gemeinde seit sechs Jahren betreuen.

„Der erste Gottesdienst war von großen Emotionen geprägt. Vor allem auch, weil viele Menschen dabei waren, die vor 23 Jahren die Geburtsstunde der Gemeinde miterlebt hatten“, berichtet Peter. Insgesamt 200 Quadratmeter bietet das neue Gebäude. Genug Platz also für einen großen Gottesdienstsaal, Kinder- und Jugendräume oder auch einen Eingangsbereich mit Stehküche. Schon zu Beginn des Gottesdienstes war spürbar, dass sich etwas verändert hatte. Die Jugend breitete sich mit ihren Instrumenten begeistert im Raum aus, während sie den Lobpreis musikalisch leitete. Und nicht nur die Band entfaltete sich: „In unserer Gemeinde gibt es viele Afrikaner, die auf einmal anfingen, zu tanzen und dadurch andere Besucher mitrissen“, erzählt Peter. Nach dem Lobpreis gab es dann eine Zeit des Austausches und des Gebets, bevor Peter die Predigt hielt.

Überraschend war der Besuch eines jungen Mannes, der erstmals am Gottesdienst teilnahm. Seine Eltern besuchen schon seit einiger Zeit die Gemeinde, doch mit ihnen hatte er sich zerstritten. „Er hat kaum christlichen Hintergrund und ist in der Stadt eher dafür bekannt, dass er viel Alkohol trinkt und in falschen Kreisen verkehrt“, erzählt Peter. Umso größer war die Freude über den Besuch des 23-Jährigen, der beim Aufräumen im Anschluss an den Gottesdienst sogar freiwillig Hand anlegte und fragte, was er noch Gutes tun könne? „Er hat auch schon tolle Ideen, wie wir das Außengelände gestalten können“, freut sich Peter. Der junge Franzose verstehe zwar einiges noch nicht, fühle sich aber angenommen und sagte, er komme nun jeden Sonntag. Darüber freut sich die Gemeinde sehr, und sie beten, dass er den Kontakt halten kann und sich nicht weiter von seinem Umfeld zu Dummheiten hinreißen lässt.

Dankbar sind Sigrun und Peter auch dafür, dass sich durch das neue Gebäude das Denken einiger Gemeindemitglieder verändert hat: „Zuvor fielen uns als Ehepaar alle Aufgaben zu. Nun sehen viele, dass es Unterstützung und Verantwortliche in verschiedenen Bereichen braucht.“ Der wachsende Zusammenhalt sei schon jetzt spürbar. Vier Mütter helfen nun im Kinderclub mit und ein junger Mann investiert sich stark in die Jugendarbeit. Ziel der Missionare ist es, dass die Gemeinde in wenigen Jahren auf eigenen Füßen steht. Und diesem sind sie durch die räumlichen Veränderungen wieder ein Stück nähergekommen. Auch wünschen sie sich, dass die Gemeinde weiter wächst und sich gute Kontakte im neuen Viertel ergeben.