BAD LIEBENZELL. Einen umfangreichen Einblick in die weltweite Arbeit der Liebenzeller Mission bekamen die rund 120 Besucher des Forum Weltmission am vergangenen Samstag. In Workshops, Vorträgen und im persönlichen Gespräch mit den Missionaren konnten sich die Gäste über die Arbeit in den verschiedenen Einsatzländern informieren.
Zu Beginn berichteten Benedikt und Verena Tschauner von ihrem Missionseinsatz in Bangladesch. Das junge Ehepaar ist im Rahmen ihres Studiums an der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL) für anderthalb Jahre nach Bangladesch gegangen. Ein Jahr lang haben sie intensiv die Sprache gelernt und dann noch ein halbjähriges Praktikum in einem Kinderdorf absolviert. Sie hätten sehr von der langjährigen Erfahrung der anderen Missionare profitiert und einen interessanten Einblick in die praktische Arbeit der Mission bekommen, den sie jetzt durch ihr Studium weiter vertiefen möchten.
Der Missionar Simon Herrmann (Papua-Neuguinea) hielt einen Vortrag zum Thema „Die unsichtbare Welt – Leben im Spannungsfeld der Geister“. Dieses Thema sei für die meisten Europäer nur schwer greifbar und kaum real, in Papua-Neuguinea allerdings gehören Geister zum alltäglichen Leben der Menschen. Darum sei es für Missionare in solchen Ländern sehr wichtig, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und die Menschen in ihrem Denken ernst zu nehmen.
Im Workshop „Leben im Armenviertel von Port Moresby – Was den Alltag von Kindern in den sozialen Brennpunkten ausmacht“ gaben David und Annette Jarsetz einen Einblick in ihre Arbeit in der Hauptstadt von Papua-Neuguinea. Port Moresby sei zwar die modernste und am besten entwickelte Stadt des Landes, jedoch gäbe es sehr große Kontraste zwischen Arm und Reich.
Die Missionare waren in den sogenannten Settlements (Siedlungen) aktiv. In diesen sozialen Brennpunkten leben viele arme Menschen, es gibt sehr viele Kinder, die den ganzen Tag auf der Straße verbringen und nur zum Schlafen nach Hause gehen, und es liegt ein hohes Gewaltpotenzial und starker Drogen- und Alkoholkonsum unter den Einwohnern vor. Das Ehepaar berichtete, dass von den rund 100 Siedlungen in der Stadt nur etwa 20 offiziell registriert seien, alle anderen Siedlungen seien illegal aufgebaut worden und könnten jederzeit von der Stadt zwangsgeräumt werden.
Die Missionare haben für die Menschen in den Settlements das Programm „shape life“ (Leben formen) entwickelt. Vor fünf Jahren begannen sie das Projekt nur zu zweit, mittlerweile seien rund 30 einheimische Mitarbeiter dabei. Zu den Angeboten von „shape life“ gehören u. a. Kindertage, die etwa 500 Kindern ein abwechslungsreiches Nachmittagsprogramm mit Spielen, biblischer Geschichte und Musik bieten. Außerdem finden sogenannte „skill center“ statt, die den arbeitslosen Jugendlichen helfen sollen, handwerkliche Fähigkeiten zu entwickeln, um auf eigenen Beinen stehen zu können.
In einem weiteren Workshop berichteten Schwester Christa Ulmer (Japan) und Schwester Gisela Pfeffer (Spanien) von ihren zusammengerechnet 54 Jahren Missionsarbeit im Ausland.
Außerdem wurde ein Workshop für die Eltern des Programmes für weltweite Kurzeinsätze der Liebenzeller Mission („impact“) angeboten, in dem über die Erlebnisse der jungen Leute im Ausland gesprochen wurde und in dem Eltern und Mitarbeiter sich untereinander austauschen konnten.
Das Forum Weltmission wird jedes Jahr im März veranstaltet und fand dieses Jahr zum elften Mal statt. Die Liebenzeller Mission ist ein freies Werk innerhalb der evangelischen Kirche. Mit rund 230 Missionaren und Missionarinnen in 23 Ländern ist sie eine der großen, evangelischen Missionsgesellschaften in Deutschland.