BAD LIEBENZELL. International ging es zu beim Nachbarschaftsfest der Hoffnungshäuser am 13. Juli in Bad Liebenzell. Länderfähnchen aus aller Welt schmückten das Gelände, es gab afrikanisches und arabisches Gebäck wie zum Beispiel Baklava und viele Gespräche zwischen Liebenzeller Alt- und Neubürgern.
„Wir machen das Nachbarschaftsfest, weil wir Brücken bauen wollen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den geflüchteten Menschen. Es ist unser Wunsch, Berührungsängste abzubauen“, sagte Tobias Zinser, der gemeinsam mit seiner Frau Sarah das Projekt in Bad Liebenzell leitet. Die Hoffnungshäuser sind ein integratives Wohnkonzept. Aktuell bilden Menschen aus sieben Nationen die Hausgemeinschaft: Afghanistan, Äthiopien, Deutschland, Irak, Pakistan, Somalia und Syrien.

Die Häuser wurden durch eine Projektpatenschaft zwischen der Liebenzeller Mission und der Hoffnungsträger Stiftung aus Leonberg möglich. Als internationale Hausgemeinschaft möchten die Bewohner den Alltag miteinander teilen und einen Beitrag zur Integration in Bad Liebenzell leisten. Das Motto des Projekts lautet „Aus Fremden werden Freunde“.

Bisher hat das Konzept die Erwartungen erfüllt. Es entstehen Freundschaften zwischen Nachbarskinder und Bewohnern der Häuser. Die meisten der Geflüchteten stehen mittlerweile in einem Arbeitsverhältnis. „Es ist sehr schön zu sehen, dass die Leute nach und nach integriert werden“, so Tobias Zinser. Anfangs hätten einige Nachbarn Bedenken gehabt, dass es durch die internationale Hausgemeinschaft in der Straße sehr laut würde. Aber eingetroffen ist das nicht. „Beschwerden gibt es so gut wie nie“, sagt Tobias Zinser.

Die Flüchtlinge leben gerne in den Hoffnungshäusern. Dort haben sie eine Anlaufstelle für Fragen und bekommen Hilfe zum Beispiel bei Bewerbungen. Natürlich finden sie durch das Projekt auch leichter Kontakt zu Deutschen. „Und auch wir können einiges von ihnen lernen: Hilfsbereitschaft, Respekt vor dem Alter und Gastfreundschaft. Man hat nie das Gefühl, dass man ungelegen kommt“, erzählt Tobias Zinser. Und auch die Liebenzeller Bürger profitieren vom Projekt: „Unsere Bewohner engagieren sich regelmäßig bei Festen und Veranstaltungen. Sie helfen fleißig mit und haben sich auch beim Stadtputz beteiligt. Es ist ihnen wichtig, ihrer neuen Heimat etwas zurückzugeben.“

Hanna Keppler, Sozialarbeiterin in den Hoffnungshäusern, blickte auf die eineinhalb Jahre Hoffnungshäuser in Bad Liebenzell zurück und berichtet aus dem Alltagsleben in den Häusern. „Wir bieten regelmäßige Bewohnerabende an. Da kochen wir gemeinsam, spielen und tauschen uns über die verschiedenen Kulturen aus.“ Manchmal werden auch Ausflüge in die Umgebung angeboten. „Gemeinsame Aktionen stärken den Zusammenhalt.“ Im Frühjahr besuchten einige der Hausbewohner gemeinsam den Ostergarten der Pforzheimer Stadtmission. „Wir leben in einem christlich geprägten Land und wollen christliche Werte vermitteln. Niemand wird dazu gezwungen. Wer aber daran Interesse hat, der ist herzlich eingeladen, mehr über den christlichen Glauben zu erfahren“, sagt Hanna Keppler.

Momentan sind die beiden Häuser in der Hindenburgstraße in Bad Liebenzell mit 52 Bewohnern voll belegt. Davon sind 33 geflüchtete Menschen, zehn deutsche Studenten und zwei Familien.