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Seit 29 Jahren leben und arbeiten Hiltrud und Uwe Vogel in der Normandie in Frankreich. Sie haben die Gemeinde in Carentan gegründet, das Missionszentrum in Saint Aubin aufgebaut, und eine neue Gemeindegründung in Cherbourg begonnen. Die Leidenschaft von Uwe und Hiltrud ist immer noch sehr groß, Menschen in Frankreich (einem der atheistischsten Länder der Erde) mit dem Evangelium von Jesus Christus in Berührung zu bringen und ihnen zu helfen, ihren Glauben auf Jesus zu gründen. Wir haben ihnen ein paar Fragen gestellt.

Die Gemeinde in Carentan habt ihr in einheimische Hände gegeben. Wie läuft es jetzt in der Gemeinde, wo sie euch als Missionare nicht mehr hat?
Wir halten uns in der Gemeinde in Carentan bewusst raus, obwohl sie für uns und unsere Kinder unsere Familie und Heimat war. Aber wir wollen, dass sie nun unabhängig von uns als Missionaren ihren Weg geht. Johan und Carine, das neue Pastorenehepaar, machen das sehr gut. Sie sind sehr begabte und opferbereite Leute. Mit dem geringen Pastorengehalt in Frankreich leben sie am Existenzminimum, aber sie tun ihren Dienst mit solcher Freude und setzen sich ungeheuer ein. Es freut uns besonders, dass sie auch das Wohl der anderen Gemeinden in der Region im Blick haben.

Ihr habt Johan und Carine mal als „Glücksfall“ und „wunderbare Gebetserhörung“ bezeichnet. Warum ist es so schwierig, Franzosen zu gewinnen, die eine Gemeinde in ländlichem Umfeld gründen?
Zum einen stimmt es wirklich! Selbst im Traum hätten wir uns keine besseren Nachfolger vorstellen können. Zum anderen ist es wirklich schwierig, für ländliche Gebiete Pastoren zu finden. Dass man nicht nur in der Stadt, sondern auch in diesem Umfeld ein total erfülltes Leben in Gemeindegründung und Aufbau führen kann, können sich manche nicht vorstellen. Aber Johan und Carine haben sich darauf eingelassen, obwohl sie davor noch nie in der Normandie waren. Nach dem dreijährigen Praktikum in Carentan und ihrem Wunsch zu bleiben, war es auch die Mutter von Carine, die als Schweizerin die Liebenzeller Mission kennt und sie dazu ermutigt hat. Hier half auch der gute Ruf unseres Missionswerkes! Uns zurückzuziehen und ihnen völlig freie Hand zu lassen, hat unsere Beziehung noch verstärkt.

In Cherbourg seid ihr in einer neuen Rolle. Ihr leitet ein Team von Ehrenamtlichen in der Gemeindegründung. Welche Erfahrungen macht ihr dabei?
Alle Mitarbeiter in unserem Team stehen voll im Berufsleben, die meisten von ihnen haben sehr zeitaufwendige Jobs. Trotzdem setzen sie sich mit großem Elan ein. Zum Team gehören zwei Familien, ein Ehepaar und ein junger Mann. Wir begegnen uns alle auf Augenhöhe, das ist uns sehr wichtig. Das neutestamentliche Prinzip des Priestertums aller Gläubigen soll nicht nur ein Konzept sein, sondern verwirklicht werden. Unsere Aufgabe besteht darin, dass Team Schritt für Schritt zu begleiten. Den Sommer über waren wir unterwegs mit einer „ambulanten Kirche“ und bauten jeden Sonntag Pavillons am Strand für unseren Gottesdienst auf. Wir hoffen, dass wir irgendwann einmal Räume für die Gemeinde mieten können. Im Moment freuen wir uns an unseren interaktiven Zoom-Gottesdiensten.

Die Corona-Pandemie erschwert die Missionsarbeit in vielen Ländern. Wie sieht es bei euch aus: Gibt es auch Chancen durch die Krise?
Wir möchten vorsichtig sein, zu vollmundig über Chancen zu sprechen. Denn dafür gibt es zu große Nöte. Nicht nur Krankheitsnöte. Unzählige Betriebe stehen kurz vor oder nach dem Konkurs. Man stelle sich nur diese Sorgen vor. Hier leiden wir mit. Aber für die Gemeinde Jesu ist die Krise auf jeden Fall auch eine Chance. An vielen Orten werden eingefahrene Gleise verlassen, Gemeinden müssen nach neuen Wegen suchen. Wir merken, dass Menschen aus den Städten die ländlichen Gegenden wieder neu entdecken. Pariser kaufen Immobilien in unserer Gegend. Und ältere Menschen beginnen neue Medien zu nutzen. Wenn Online-Gottesdienste nur konsumiert werden, ist das schade. Wenn aber Medien zu interaktivem Gemeindeleben helfen, sind Videoformate auch eine große Chance, weil oft neue Menschen dazukommen. Und schließlich ist die Freude dann umso größer, wenn man sich im echten Leben wiedersehen darf.

Wenn ihr euch eure neue Gemeinde in Cherbourg in fünf Jahren vorstellt: Wie sieht sie aus?
Wir werden in drei Jahren in Rente gehen. Wir haben deshalb jetzt schon einen französischen Teamleiter für unsere Gemeindegründung gewählt. Unser Wunsch ist es, dass wir auch im Ruhestand in Cherbourg bleiben und das tun, was wir uns in Carentan fast 30 Jahre lang gewünscht haben: Jünger Jesu, die die Gemeinde lieben, im Alltag evangelisieren und andere mitbringen. Leute, die sich nicht aufdrängen, aber die stets bereit sind, Jesus zu dienen.
Wir wünschen uns, dass die Gemeinde wächst und einen festen Platz in unserer Stadt einnimmt. Für das Team wünschen wir uns, dass es dann verstärkt wird von jemandem, der mehr Zeit hat als die Leute, die komplett im Beruf stehen. Gerade die Familien brauchen auch Zeit für sich.

Du willst die Missionsarbeit von Uwe und Hiltrud Vogel mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

SAMBIA. Trotz der Corona-Pandemie können Christen dank digitaler Möglichkeiten weltweit Kontakt halten und das Wort Gottes überwindet alle Grenzen – auch bei Trauungen. Das zeigt dieses Bild des Liebenzeller Missionars Michael Pflaum. Es entstand in seinem Haus auf dem Gelände der Amano-Schule in Sambia. Dabei ist zu sehen, wie er bei der Trauung seiner jüngsten Tochter Gabriele per Videokonferenz-Plattform Zoom die Predigt hält. Die Trauung war ursprünglich in den USA geplant, aufgrund der Reisebeschränkungen durch Corona fand sie in Japan im Wohnzimmer eines Missionars statt. Gabriele Pflaum lebt seit vier Jahren in Tokio und arbeitet im Management einer Universität. In Japan lernte sie ihren Mann kennen, der als amerikanischer Missionar dort tätig ist. Michael Pflaum konnte mit seiner Frau Bärbel wegen der Pandemie allerdings nicht nach Japan reisen. Die Familien des Brautpaares waren in den USA und in Sambia am Computer über Zoom zugeschaltet. Das Eheversprechen wurde ebenso darüber getätigt. „Leider ist die Videoübertragung noch nicht so weit entwickelt, dass jeder am Hochzeitsessen hätte teilnehmen können“, so Michael Pflaum mit einem Augenzwinkern.

Michael Pflaum leitet seit 2014 die 2004 von ihm mitbegründete Amano-Schule in Sambia. Sie zählt mittlerweile über 130 Schüler. Mittellose Waisenkinder, Kinder von Missionaren und von wohlhabenden Geschäftsleuten lernen dort Seite an Seite. Reichere Eltern ermöglichen mit den Schulgebühren, dass auch ärmere Kinder in den Genuss einer exzellenten Ausbildung kommen. Sowohl die Mitarbeiter der Einrichtung als auch die Schüler stammen aus vielen verschiedenen Ländern. Die Kinder und Jugendlichen können qualifizierte internationale Abschlüsse erwerben – vergleichbar mit der Mittleren Reife. Auf Wunsch kann auch das A-Level (eine Art Abitur) erworben werden. Immer wieder loben Schulinspektoren die hervorragende Ausbildung.

SPANIEN. Gottes Botschaft verändert Menschen fundamental und sie lässt sich auch nicht durch die Corona-Pandemie aufhalten. Das erleben die Spanien-Missionare Carolin und Theo Hertler in Marbella. So ließen sich im November insgesamt elf Gottesdienstbesucher an zwei Sonntagen taufen. Sie sind das Resultat der Jüngerschaftskurse, die von März bis Juni über das Internet angeboten wurden. Da der Lockdown drohte, wurde die zweite Taufe um eine Woche vorgezogen. Trotz eines enormen geistlichen Kampfes konnten alle getauft werden. Dafür sind sie und die Gemeinde sehr dankbar. Cristina kam extra aus Sevilla angereist und musste dabei mehrere Genehmigungen einholen, um die Polizeikontrollen passieren zu können. Seit dem 9. November darf aufgrund der Corona-Pandemie niemand mehr sein Dorf bzw. Stadt verlassen.

Theo und Carolin Hertler sind seit 1996 in Marbella in der Gemeindegründungsarbeit tätig. Dort wurde 1998 ein Versammlungsraum eingeweiht, der als Treffpunkt für die Aktivitäten wie Kinderstunde und Gottesdienste dient. Evangelisation führen sie in die Nachbarschaft sowie in den umliegenden Orten, in denen auch Hauskreise entstanden sind. Die Gemeindebesucher kommen aus 13 verschiedenen Nationen. Die Gemeinde ist für viele Heimatlose Familienersatz. Daher werden oft gemeinsame Essen und Spielnachmittage organisiert. Einige Neugetaufte arbeiten bereits bei den im Sommer angefangenen Lebensmittelverteilungen mit, die immer mit einer Andacht begonnen werden. Dadurch kommen neue Besucher in die Gemeinde.

Chile hatte bei der Corona-Pandemie weltweit mit die strengsten Ausgangsbestimmungen. So durften viele über Monate ihre Wohnung nur zum Einkaufen für kurze Zeit verlassen. Wir sprachen mit den Liebenzeller Missionaren Andrés und Katrin Vergara, wie sie diese Zeit erlebt haben.

 

Wann habt ihr die ersten Auswirkungen der Corona-Pandemie gespürt?
Bei uns hat alles eigentlich schon im vergangenen Oktober mit den gewalttätigen Unruhen begonnen, bei denen Demonstranten sich vor allem gegen soziale Ungleichheiten wandten. Dabei kamen 26 Menschen ums Leben, rund 5.000 wurden verletzt, Zehntausende wurden verhaftet. Wir waren schon hier stark eingeschränkt und Chile hat unter der Situation sehr gelitten. Als sich in den hiesigen Sommermonaten Januar und Februar die Lage ein wenig normalisierte, kam es im März zum Ausbruch der Corona-Pandemie. Wir führen also seit über einem Jahr kein normales Leben.

 

Wie wurde euer Leben eingeschränkt?
Mitte März kam die Ausgangssperre, der Schulunterricht fiel zunächst für zwei Wochen aus. Da haben wir alle zuerst gedacht, das ginge bis Ende März bald vorüber. Denn es gab bei uns im Norden des Landes nur zwei, drei Corona-Fälle, die Hauptstadt Santiago de Chile, wo wir wohnen, wollte aber mit seinen sieben Millionen Einwohnern zunächst vorsorglich reagieren. Doch dann kam schnell die Ausgangssperre für verschiedene Stadtteile.
Pro Haushalt hatten wir eine Passnummer, mit der man einmal in der Woche für drei Stunden Einkaufen gehen konnte. Dabei benötigte man aber alleine zwei Stunden für das Anstehen. Wenn man dringend ins Krankenhaus musste, bekam man eine Sondererlaubnis. Wer Glück hatte, konnte von zu Hause aus arbeiten. Man war regelrecht eingesperrt, man durfte nicht einmal in Parks gehen. Wir haben Gott sei Dank einen Hund, und deshalb durften wir zweimal die Woche für eine halbe Stunde die Wohnung zum Spaziergehen verlassen. Da haben wir dann unsere vier und sechs Jahre alten Jungs mitgenommen. Aber auch das wurde immer mehr eingeschränkt und sehr strikt kontrolliert. Das alles ging bis Ende August so. Mit der Zeit konnte man sich in einzelnen Stadtteilen abgestuft immer freier von Montag bis Freitag unter strengen Auflagen bewegen. Manche Lokale und Restaurants konnten inzwischen wieder öffnen.

 

Und wie haben die Chilenen auf die Ausgangsbeschränkungen reagiert?
Vielen haben auf Homeoffice umgestellt. Wo das nicht möglich war, haben die Menschen ihre Arbeit verloren. Viele bekamen außerdem weniger Gehalt, weil sie kaum arbeiten konnten.


Und wie sah eure Arbeit aus?
Die Schulungsarbeit haben wir schnell digital auf Videokonferenzen umgestellt. Der Unterricht konnte so zweimal die Woche stattfinden. Fünf Wochen lang haben wir wöchentlich dreistündige Schulungen für Missionsarbeit angeboten. Die digitale Infrastruktur hier in Chile hat das möglich gemacht, ebenso der Schulunterricht. Wir entschieden uns für Videokonferenzen, da die Chilenen sehr beziehungsorientiert sind und man sich über diese Plattform auch austauschen und alle Teilnehmer sehen kann.

 

Wie hat sich Corona auf die Psyche der Chilenen ausgewirkt?
Unter den Beschränkungen haben vor allem die gelitten, die alleine leben. Die Jugendlichen kamen damit besser zurecht; sie haben sich mit anderen zusammen getan. Laut einer aktuellen Statistik haben 60 Prozent der Chilenen durch Corona psychisch gelitten, sie fühlen sich alleine und die Depressionserkrankungen sind deutlich gestiegen. Viele sind finanziell stark unter Druck gekommen. Viele konnten sich aber zehn Prozent ihrer Rente auszahlen lassen, das entlastete ein wenig deren finanzielle Situation. Aber es gab vermehrt Überfälle sogar auch auf arme Leute, die Brot einkaufen gingen.

 

Wie ging es euch als Familie?
In Chile sind die Kinder den ganzen Tag in der Schule. Viele haben es am Anfang genossen, mit der Familie zusammen sein zu können. Das wurde dann aber vielen schnell zu viel. Denn für die meisten Familien war es eine riesige Herausforderung, nun die Kinder ständig zu Hause zu haben und sie beschäftigen zu müssen. Hier sind viele an ihre Grenzen gestoßen und die häusliche Gewalt hat schnell drastisch zugenommen. Wir haben als Familie ganz stark gemerkt, wie viele für uns gebeten haben. Wir haben auch schnell eine Routine entwickelt und einen strukturierten Tagesablauf umgesetzt. Wir sind ebenso dankbar, dass wir weiterhin unser Gehalt bekamen, während andere aus der Gemeinde Schwierigkeiten hatten, ihre Miete bezahlen zu können oder Schulden machen mussten. Andrés hat beim Einkaufen immer wieder versucht, für unsere Kinder Highlights wie Nutella mitzubringen, um diese Zeit ein wenig für sie verträglicher zu machen.

 

Und wie geht es euch heute?
Wir sind froh, dass bei uns nun der Frühling kommt und wir im kleinen Garten die Sonne genießen können. Aber für die Kinder war es eine große Umstellung, dass sie wieder ins Freie gehen konnten. Sie waren so lange hier drinnen und immer wieder mussten wir ihnen sagen, dass sie nicht raus dürfen. Sie hatten am Anfang regelrecht Angst davor, nun wieder ins Freie zu gehen, weil es für sie nach so langer Zeit ungewohnt war und sie die Unruhen im vergangenen Jahr mitbekamen. Dort hatten sie das Vertrauen in die Polizei und das Militär verloren. Immer wieder fragten sie bange nach, ob wir auch alle Ausweispapiere dabeihaben.

 

Andrés und Katrin Vergara leben mit ihren beiden Kindern seit Juli 2017 in Chile. Sie bereiten junge Südamerikaner auf den Missionsdienst vor. Dazu unterrichtet Andrés an Bibelschulen, und er leitet das einjährige Ausbildungsprogramm von „ProVisión“ in Santiago de Chile. Vor seinem B. A.-Theologiestudium in Bad Liebenzell arbeitete Andrés in seiner chilenischen Heimat als Buchhalter. Katrin kommt aus Nagold und ist Bankfachwirtin.

 

Du willst die Missionsarbeit von Katrin und Andrés Vergara unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

MALAWI. Die Corona-Pandemie eröffnet der Missionsarbeit auch ungewohnte Möglichkeiten: So bekommt der christliche Sender „Radio L“ in Malawi, der von der Liebenzeller Mission mitgetragen wird, viele Aufträge für Sondersendungen über Corona und wie man sich davor schützen kann, berichtet Missionar Paul Kränzler. Die Polizei hat zehn Sendungen gebucht, in denen sie über häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch aufklärt. Andere thematisieren die sozialen Auswirkungen, die die Schulschließungen und Arbeitslosigkeit mit sich bringen. Für eine Sendung über die in Afrika so notwendigen Nahrungsergänzungsmittel als Hilfe zur Verbesserung des Immunsystems suchen die Radiomacher noch Gesprächspartner. Moringa oder Artemisia und andere pflanzliche Mittel können, richtig eingesetzt, zur Vorbeugung dienen. Die Sondersendungen helfen mit, die missionarische Arbeit zu finanzieren. „Unter der Rubrik ‚Geistliche Programme‘ haben wir eine neue Reihe über ‚Angst überwinden‘ begonnen. Biblische Texte und Zeugnisse von Betroffenen sollen den Hörern Mut machen, Hilfe bei Gott zu suchen: nicht nur bei der Angst vor Corona, sondern auch vor Zauberei, Arbeitslosigkeit, wirtschaftlichen Nöten und Scheidung“, so Paul Kränzler.

„Radio L“ sendet unter dem Motto „Let there be light“ („Es werde Licht“) seit Ende 2017 als erster Radiosender Malawis überwiegend in der Stammessprache der Yao. Diese sind vorwiegend Muslime und machen etwa zehn Prozent der fast 19 Millionen Malawier aus. Die Yao leben meist in entlegenen Dörfern, viele können nicht lesen und schreiben. Deshalb ist für sie das Radio eine wichtige Informationsquelle. Die Sendungen von „Radio L“ sind lebensnah gestaltet. Sie geben Tipps für Familie und Erziehung, Gesundheit und Ernährung sowie Glaube und Nachfolge. Und natürlich strahlt der Sender auch Nachrichten und Musik aus.

Als Liebenzeller Mission profitieren wir sehr von unseren Langzeitmissionaren. Missionsarbeit könnte nicht funktionieren ohne Menschen, die sich Jahrzehnte in ihrem Einsatzland investieren. Norbert und Susanne Laffin leben und arbeiten seit mehr als 30 Jahren in der Normandie in Frankreich. In Coutances haben sie eine Gemeinde gegründet und sind nun seit 2017 in Alençon im Einsatz. Bis Anfang Oktober ist Norbert noch in Deutschland und berichtet von der Missionsarbeit in der Normandie. Wir haben ihm einige Fragen gestellt.
Wie gehen die Menschen in der Normandie mit den Corona-Einschränkungen um: Sind sie ganz gelassen oder sehr genervt?
Während der ersten Welle der Pandemie wurde eine wochenlange Ausgangssperre verhängt. Die Leute hatten schon große Angst. Sie haben sich sehr an die gesetzlichen Maßnahmen gehalten, selbstverständlich auch die Gemeinden. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres gab es gerade bei den jüngeren Leuten wieder Treffen und Studentenpartys. Die Sorge vor einer starken zweiten Welle ist schon da, wenngleich die Infektionszahlen in der Normandie im Frankreichvergleich eher niedrig sind.
Eure Gemeinde plant, ein eigenes Gemeindehaus zu kaufen. Was ist der aktuelle Stand und was sind die Herausforderungen?
Es war eine echte Zitterpartie, ob unser Makler eine Bank finden würde, die uns den benötigten Kredit bewilligen würde. Dann kam eine dritte Absage. Doch wenn Gott eine Tür schließt, öffnet er ein Fenster! Unser einheimischer Gemeindeverband war bereit, sein Darlehen „aufzustocken“, und wir erhielten Unterstützung von weiteren französischen Gemeinden und Freunden. Nun ist es endlich soweit, dass wir den Kaufvertrag unterzeichnen können. Reparatur- und Umbauarbeiten sind dann für das kommende Jahr geplant.
Welches Erlebnis der vergangenen Monate hat euch besonders bewegt?
Durch die Corona-Zeit ist die Gemeinde zusammengewachsen, obwohl wir uns nicht treffen konnten. Es gab einige Leute, die mir gesagt haben, dass sie nun mehr Zeit zum Bibellesen hatten. Bei den Gebetstreffen per Telefonkonferenz hatten wir dreimal so viele Teilnehmer als sonst. Das war schon bewegend.
Da zum Ende des letzten Schuljahrs einige Menschen aus unserer Gemeinde weggezogen sind, haben wir um neue Menschen in der Gemeinde gebeten. Letzten Samstag lud ein neues Ehepaar die Gemeindeglieder und ihre Nachbarn in ihr neues Zuhause ein. Die Frau, eine Ärztin, ist aus Burundi und kennt einige der Liebenzeller Missionare dort. Ihr Mann hat Erfahrungen in der Jugendarbeit. Sie wollen sich auch in der Gemeinde engagieren! Genauso freuen wir uns über zwei Teenager, die vor einigen Jahren losen Kontakt zu uns hatten und unsere Gemeinde nun wieder über das Internet gefunden haben. Dass sie gleich in den Gottesdienst kamen, grenzte an ein Wunder.
Was wünschst du den Menschen in deiner Gemeinde?
Ich möchte die Gemeindeglieder gerne schulen und motivieren, dass sie ihren Nachbarn, Freunden, und Kollegen von ihrem Glauben erzählen. Sie sind unsere Multiplikatoren. Ihnen dabei helfen zu können, das wünsche ich mir.
Du willst die Missionsarbeit von Norbert und Susanne Laffin mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun: www.liebenzell.org/spenden-laffin

Wie hat sich die Corona-Pandemie mit den zahlreichen Reisebeschränkungen auf das Kurzeinsatzprogramm „impact“ der Liebenzeller Mission ausgewirkt? Dazu haben wir Stephan Trick befragt. Der Gemeindepädagoge leitet seit 2011 den Arbeitszweig. Viele junge Erwachsene nehmen jährlich an den „impact“-Einsätzen teil und unterstützen somit die Arbeit von unterschiedlichen Projekten.

Stephan, wie viele junge Menschen sind zurzeit wie geplant in ihren Einsatzländern?
Im Normalfall wären jetzt Ende September 55 impactler für einen Jahreseinsatz in ihren Einsatzländern. Aktuell sind vier junge Menschen in Sambia an der Amano-Schule und zwei junge Erwachsene in Frankreich. Die anderen warten auf die Buchung der Flüge und ihr Visum. Bislang mussten wir Chile komplett absagen, eine Ausreise nach Ecuador und die USA ist wohl erst frühestens im Januar oder Februar möglich. Die neun jungen Erwachsenen, die für Ecuador vorgesehen waren, absolvieren bis Anfang Dezember zur Überbrückung ein Sonderprogramm in Bad Liebenzell. Die vier ursprünglich für die USA geplanten impactler reisen für ein Jüngerschaftsprogramm bis Januar nach Japan, falls es ein Visum dafür gibt. Anfang Februar soll es dann in die USA weitergehen, wenn sich bis dahin die Situation verbessert.

Wo sollten die impactler alles eingesetzt werden?
25 waren für Kanada, vier für die USA am Sitz der Liebenzeller Mission in Schooleys Mountain vorgesehen. In Frankreich sollen neben den bisherigen zwei weitere zwei impactler folgen. Für Burundi sind zwei Lernhelfer vorgesehen, zwei wollen Anfang Oktober nach Malawi, um in der Verwaltung und als technische Mitarbeiter zu helfen. Nach Sambia sollen ebenfalls in den nächsten Wochen drei weitere impactler an unsere Amano-Schule ausreisen. Dazu kommen sechs junge Erwachsene, die in Japan in unserem Schülerheim wohnen und in dem Land eingesetzt werden sollen.

Woher kommen die impactler?
Die jungen Menschen kommen aus ganz Deutschland, vor allem aus Baden-Württemberg und Bayern. Sie sind zwischen 18 (dem Mindestalter) und 24 Jahre alt. Der klassische impactler ist Abiturient, der vor seinem Studium noch einen Auslandseinsatz unternehmen möchte. Einige haben aber auch eine Ausbildung oder ein Studium erfolgreich absolviert, andere bereits in einem Beruf voll gearbeitet. Und ich freue mich, dass eine Österreicherin und eine Schweizerin unser Kurzzeiteinsatzprogramm absolvieren.

Welchen geistlichen Hintergrund haben sie?
Die impactler kommen aus unterschiedlichen Kirchen und Gemeinschaften: Landeskirche, Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC), Freikirchen wie Baptisten und Freie evangelische Gemeinden. Viele finden uns über die Internetseite. Am meisten kommen sie über Empfehlungen von ehemaligen impactlern und Freunden, die die Liebenzeller Mission kennen.

Wir wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Bewerberzahlen aus?
Bislang hatte das Virus kaum Einfluss auf die Bewerberzahler, da wir bereits im März vor dem Ausbruch der Pandemie fast alle Stellen besetzt hatten.
Wie sich die Pandemie auswirkt, sehen wir erst im nächsten Jahr. Mittlerweile sind schon 20 Bewerbungen für den nächsten Sommer bei uns eingegangen. Ende Oktober startet die neue Bewerberauswahl für das nächste Jahr.

Und wie gehen die impactler mit der Situation um?
Mit den vorgesehenen impactler, die auf die Ausreise warten, halten wir engen Kontakt und informieren sie permanent. Viele sind auch im Austausch mit den Missionaren, die sie eigentlich unterstützen sollten. Sie warten auf den Start der gebuchten Flüge. Der Start ist letztlich davon abhängig, ob die Flughäfen in den Einsatzländern offen sind und wir damit einen Flug bekommen und die Bewerber ein Visum erhalten. 45 unserer impactler absolvieren einen staatlich geregelten internationalen Freiwilligendienst. Dabei gibt es klare Vorgaben und da ist entscheidend, was die Bundesregierung sagt. Wir stehen im engen, ständigen Austausch mit dem zuständigen Familien-Ministerium, mit unseren Missionaren vor Ort und den Gesundheitsbehörden.

Mitten im Kampf gegen das Coronavirus ist Bangladesch vom heftigsten Wirbelsturm der vergangenen zwanzig Jahre getroffen worden. Der Zyklon „Amphan“ traf mit Windgeschwindigkeit von bis zu 185 km/h in der Grenzregion von Indien und Bangladesch auf das Festland. Dabei richtete der Sturm mit Starkregen vor allem im Süden des Landes verheerende Schäden an. Das erklärte die Partnerkirche der Liebenzeller Mission, die „Bangladesh Baptist Church Sangha“. Auch viele Kirchen und Schulen wurden überflutet und deren Dächer abgedeckt. Insgesamt sind nach Berichten von Medien und Hilfsorganisationen in Bangladesch und Indien etwa zehn Millionen Menschen von den Auswirkungen betroffen. Rund 100 Einwohner kamen ums Leben, eine halbe Million Familien haben ihr Zuhause verloren. Viele stehen vor dem Nichts und brauchen dringend Hilfe. Ihr ganzes Hab und Gut wurde zerstört, Felder wurden vernichtet oder vom Salzwasser überschwemmt, Bäume ausgerissen, ganze Viertel überflutet, Straßen unpassierbar, Stromleitungen gekappt. Dabei erschwerten die ersten gemeldeten Corona-Infektionen die Evakuierung zusätzlich. Nicht wenige zögerten, wegen der Corona-Gefahr in die überfüllten Notunterkünfte umzuziehen, wo an Abstandhalten nicht zu denken war. Die Freunde und Partner in Bangladesch sind für alle Gebete dankbar.

Die Liebenzeller Mission ist seit 1974 in Bangladesch aktiv. Zusammen mit ihren einheimischen Partnern will sie den Einwohnern Hoffnung vermitteln. So sind unter anderem Kliniken und Waisenhäuser entstanden.

Von der Corona-Pandemie sind auch die Flüchtlinge und Chinesen in Deutschland betroffen. Wie sie damit umgehen, das schildern Klaus-Dieter Volz (Teamleiter Interkulturelle Teams) und Martin Kocher (Teamleiter Deutschland und Mittlerer Osten), die unter diesen Menschen arbeiten.

Klaus-Dieter, wie gehen die Chinesen hier in Deutschland mit dem Corona-Virus um?
Die Chinesen sind aufgrund der Vorgeschichte viel ängstlicher und vorsichtiger als wir – aus gutem Grund: Sie kennen aus ihrem eigenen Land, welche Folgen das Corona-Virus dort hat. In Wuhan gibt es sehr, sehr viele christliche Gemeinden und bereits Anfang Dezember war vielen klar, dass etwas nicht in Ordnung ist. Man wusste erst nicht, was das für eine Erkrankung ist. Ab Mitte Januar dann, als sich abzeichnete, dass das auch nach Deutschland kommen wird, bekamen die Chinesen hier Angst und warnten vor dem Virus. Bereits Anfang Februar kamen immer weniger in unsere Gemeinden, weil sie um die Gefährlichkeit des Virus wussten. Viele haben durch die eigene Verwandtschaft viel klarer miterlebt, was für Folgen das Virus hat.

Stimmt es, dass Chinesen in Deutschland bedroht wurden?
Ja, das ist so. So wurden einige in der S-Bahn als „Du Virusschleuder“ beschimpft. Immer wieder werden sie angeherrscht, ja Abstand zu halten. Und immer wieder hören sie: „Steck mich ja nicht an!“

„Ganze Gottesdienste werden per Livestream mit Abendmahl übertragen“

Und wie sieht eure Arbeit zurzeit aus?
Bei uns fällt gar nichts aus, sondern es läuft alles im Internet weiter. Natürlich ist alles viel umständlicher geworden. Die Chinesen sind aber sehr vertraut mit Videokonferenzen und ganze Gottesdienste werden so per Livestream übertragen, indem sich dann Interessenten zuschalten können. Nach dem Gottesdienst gibt es Kleingruppen, bei denen die Zuschauer in Fünfer-Gruppen eingeteilt werden. Abendmahl geschieht so, dass die Zuschauer zuhause vor dem Bildschirm mit ihrem Becher und Brot das Abendmahl einnehmen. Letztlich werden die Chinesen in Deutschland durch die 70 Gemeinden und Bibelkreise sehr gut betreut. Es gibt 25 bis 30 Pastoren mit chinesischem Hintergrund. So wird jeden Morgen eine digitale Andacht bereitgestellt und der Telefonkontakt ist fast rund um die Uhr möglich.

Und wie können wir reagieren?
Die Chinesen gehen konsequent nicht aus dem Haus, da sie besser als wir über das Virus Bescheid wissen. Ihr Misstrauen gegenüber allen Medien ist sehr groß, da ihnen die hohe Dunkelziffer bewusst ist. Aber wir Deutsche sind gefordert, sie nicht auszuschließen. Und wir sollten Chinesen nicht beschimpfen und Verständnis zeigen, wenn sie konsequent mit Mundschutz herumlaufen. Dafür wurden sie oft belächelt und angefeindet. Sie tun das aber aus gutem Grund und das machen nun auch immer mehr Deutsche. Ebenso ist Gebet eine große Hilfe. Wichtig ist auch die Aufklärung: Wir weisen zum Beispiel darauf hin, dass Kinder weniger gefährdet, sondern mehr die Überträger sind. Letztlich sollten wir Verständnis haben, dass die Chinesen mehr Angst haben als wir, weil sie aus einem anderen Kontext kommen.

„Flüchtlinge in dieser Zeit nicht aus den Augen verlieren“

Martin, wie erleben die Flüchtlinge, mit denen du zu tun hast, die momentane Situation?
Auch die Flüchtlinge leben in einer größeren Angst als die meisten Deutschen. Das liegt daran, weil sie ihre Familie und ihr vertrautes heimisches Unterstützerumfeld nicht haben. Dazu kommt, dass sie oft die Informationen der Behörden nicht verstehen, was ja auch vielen Deutschen schwerfällt. Und sie schnappen viele „Fake News“ auf: So glaubten viele, die Supermärkte würden schließen. Ein befreundeter Eritreer in der Nachbarschaft hat fünf Tage das Haus nicht mehr verlassen. Als ich das mitbekam, forderte ich ihn auf, auf den Balkon zu kommen und sich ein wenig mit mir zu unterhalten. Von daher ist es ganz wichtig, dass wir versuchen, immer wieder Nähe zu zeigen, natürlich bei dem gebotenen Sicherheitsabstand.

Und wie ist Lage in den Flüchtlingsunterkünften?
Die Menschen dort sind sehr auf sich alleine gestellt und diese sind ja auch für Besucher geschlossen. Auch die Betreuer halten fast nur noch telefonisch Kontakt.

Wie können Christen helfen?
Es ist in dieser Zeit besonders wichtig, dass wir die Flüchtlinge nicht aus den Augen verlieren und schauen, wie es ihnen geht. Viele Helfer und Christen, die am Anfang dabei waren, haben sich zurückgezogen und es wäre wichtig, wenn sie sich wieder verstärkt engagierten, Nähe und Interesse zeigten und nachfragen würden, wie man helfen kann.