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GRIECHENLAND. Die Mutter und einen Bruder durch eine Bombe verloren, beim Bombardement der Schule um das Leben gerannt, mitbekommen, wie die Taliban Mütter und Babys in Krankenhäusern ermorden, in ständiger Angst auf der Flucht sein – all das haben drei Geschwister aus Afghanistan erlebt, die zwei Impactler der Liebenzeller Mission im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos kennenlernten. Die beiden Kurzeinsatzprogramm-Teilnehmer kamen zu ihnen, um Arzttermine zu vergeben. Dabei luden die Afghanen die jungen Christen zum Tee ein. Die Impactler waren tief beeindruckt von der Gastkultur und Freundlichkeit der Flüchtlinge. „Da die drei nur gebrochen Englisch und wir nur fünf Wörter Farsi sprechen konnten, kommunizierten wir mithilfe von Google Übersetzer. Nach kurzem Small Talk hatten wir ein bewegendes, tiefgehendes Gespräch.“ Die Liebenzeller Helfer erhielten erschütternde Einblicke in den Schmerz der Geflüchteten und sahen die Narben auf ihren Körpern, die von Wunden erzählen, die nie richtig verheilt waren.

Die Impactler sind dankbar, dass sie von ihrer christlichen Hoffnung berichten und auf Jesus hinweisen können. „Uns hat sehr gefreut zu sehen, was Jesus in dieser Familie schon bewirkt hatte. Sie glauben an Gott und sehen Jesus als guten Lehrer an, von dem sie lernen wollen.“ Die Impactler konnten für die Afghanen beten. Ein Teilnehmer konnte zudem mit ihnen gemeinsam in der Bibel lesen.

Was das impact-Team sonst noch bei seinem Einsatz erlebt hat, erfährst du in diesem Video.

Acht impact-Kurzzeitmitarbeiter, eine Teamleiterin und eine Studentin sind seit Anfang Juni auf Lesbos, um den Flüchtlingen dort zu helfen. Die impactler waren zuerst über die ganze Welt zerstreut, mussten aber aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig nach Deutschland zurückkehren. Doch nun geht es wieder raus – nach Moria in Griechenland ins Flüchtlingslager. Wir haben einige Eindrücke gesammelt, wie es dazu kam und was sie zu ihrem Einsatz bewegt hat:


Johannes Schurian (Celle): Ich kam aus Sambia zurück, wo ich sechs Monate lang im impact-Team mit Sambiern zusammen gelebt hatte und wir gemeinsam viel in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert waren. Dann habe ich ein paar Wochen in Deutschland im Supermarkt als Aushilfe gearbeitet, als die Anfrage der Liebenzeller Mission zum Lesbos-Einsatz kam. Ich wusste ab dem ersten Moment, dass das genau das Richtige für mich ist.


Rebecca Rosner (Lüdenscheid): Ich war mit impact in Ecuador und habe dort in verschiedenen Kinderclubs und Jugendkreisen mitgearbeitet. Als ich vorzeitig aus Südamerika zurückkam, wusste ich nichts richtig mit mir anzufangen. Jetzt freue mich sehr, dabei zu sein. Ich möchte hier helfen, weil die Flüchtlinge wirklich Hilfe benötigen und durch die Corona-Krise wenige Helfer kommen können. Ich möchte mich gerne von Jesus senden lassen und bin nun gespannt, wodurch er mich gebrauchen kann.


Manuel Pillmann (Hannkensbüttel bei Gifhorn): Ich bin hier, weil ich den Menschen auf ganz praktische Weise Gottes Liebe weitergeben und seinen Namen groß machen will.


Soraya Meyer (Rheinböllen): Predige, so oft wie möglich, aber nur wenn unbedingt nötig mit Worten – das gilt für unseren Einsatz besonders. Wir können den Menschen durch das, was wir tun, zeigen, dass Jesus sie liebt.


Johannes Schurian: Wenn ich den Ausspruch von Dietrich Bonhoeffer: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“ ernst nehme, dann gilt umso mehr, das umzusetzen, was Jesus in Matthäus 25,36 erklärt hat: Dass wir den Durstigen zu trinken geben, den Fremden einladen, die Nackten einkleiden und die Gefangenen besuchen.


Rebecca Rosner: Ich erhoffe mir von der Zeit hier in Griechenland, dass wir einen impact, also einen Unterschied machen durch unsere positive Einstellung …
Johannes Schurian: … und dann ist es egal, ob ich eine Decke austeile oder ein Zelt aufbaue.


Rebecca Rosner: In erster Linie sind wir hier, um ganz praktisch mitzuhelfen, um Hilfspakete und Essen auszuteilen, für die Menschen da zu sein.


Johannes Schurian: Und ich bin mir sicher, dass wir dadurch persönlich als auch in unserer Beziehung zu Gott extrem wachsen.


Manuel Pillmann: Wir dürfen hier Gottes unglaublichen Segen erleben und ganz praktisch an andere weitere weitergeben, getreu dem Kurzzeitprogramm-Motto: „Get an impact, make an impact“ („Segen empfangen und weitergeben”).


Ein Video über den Einsatz auf Lesbos gibt es hier.


Wollt ihr den Einsatz mit einer Spende unterstützen? Dann könnt ihr das über www.liebenzell.org/einsatz-lesbos tun. Wir würden uns sehr freuen. Danke für alle Unterstützung.

Von der Corona-Pandemie sind auch die Flüchtlinge und Chinesen in Deutschland betroffen. Wie sie damit umgehen, das schildern Klaus-Dieter Volz (Teamleiter Interkulturelle Teams) und Martin Kocher (Teamleiter Deutschland und Mittlerer Osten), die unter diesen Menschen arbeiten.

Klaus-Dieter, wie gehen die Chinesen hier in Deutschland mit dem Corona-Virus um?
Die Chinesen sind aufgrund der Vorgeschichte viel ängstlicher und vorsichtiger als wir – aus gutem Grund: Sie kennen aus ihrem eigenen Land, welche Folgen das Corona-Virus dort hat. In Wuhan gibt es sehr, sehr viele christliche Gemeinden und bereits Anfang Dezember war vielen klar, dass etwas nicht in Ordnung ist. Man wusste erst nicht, was das für eine Erkrankung ist. Ab Mitte Januar dann, als sich abzeichnete, dass das auch nach Deutschland kommen wird, bekamen die Chinesen hier Angst und warnten vor dem Virus. Bereits Anfang Februar kamen immer weniger in unsere Gemeinden, weil sie um die Gefährlichkeit des Virus wussten. Viele haben durch die eigene Verwandtschaft viel klarer miterlebt, was für Folgen das Virus hat.

Stimmt es, dass Chinesen in Deutschland bedroht wurden?
Ja, das ist so. So wurden einige in der S-Bahn als „Du Virusschleuder“ beschimpft. Immer wieder werden sie angeherrscht, ja Abstand zu halten. Und immer wieder hören sie: „Steck mich ja nicht an!“

„Ganze Gottesdienste werden per Livestream mit Abendmahl übertragen“

Und wie sieht eure Arbeit zurzeit aus?
Bei uns fällt gar nichts aus, sondern es läuft alles im Internet weiter. Natürlich ist alles viel umständlicher geworden. Die Chinesen sind aber sehr vertraut mit Videokonferenzen und ganze Gottesdienste werden so per Livestream übertragen, indem sich dann Interessenten zuschalten können. Nach dem Gottesdienst gibt es Kleingruppen, bei denen die Zuschauer in Fünfer-Gruppen eingeteilt werden. Abendmahl geschieht so, dass die Zuschauer zuhause vor dem Bildschirm mit ihrem Becher und Brot das Abendmahl einnehmen. Letztlich werden die Chinesen in Deutschland durch die 70 Gemeinden und Bibelkreise sehr gut betreut. Es gibt 25 bis 30 Pastoren mit chinesischem Hintergrund. So wird jeden Morgen eine digitale Andacht bereitgestellt und der Telefonkontakt ist fast rund um die Uhr möglich.

Und wie können wir reagieren?
Die Chinesen gehen konsequent nicht aus dem Haus, da sie besser als wir über das Virus Bescheid wissen. Ihr Misstrauen gegenüber allen Medien ist sehr groß, da ihnen die hohe Dunkelziffer bewusst ist. Aber wir Deutsche sind gefordert, sie nicht auszuschließen. Und wir sollten Chinesen nicht beschimpfen und Verständnis zeigen, wenn sie konsequent mit Mundschutz herumlaufen. Dafür wurden sie oft belächelt und angefeindet. Sie tun das aber aus gutem Grund und das machen nun auch immer mehr Deutsche. Ebenso ist Gebet eine große Hilfe. Wichtig ist auch die Aufklärung: Wir weisen zum Beispiel darauf hin, dass Kinder weniger gefährdet, sondern mehr die Überträger sind. Letztlich sollten wir Verständnis haben, dass die Chinesen mehr Angst haben als wir, weil sie aus einem anderen Kontext kommen.

„Flüchtlinge in dieser Zeit nicht aus den Augen verlieren“

Martin, wie erleben die Flüchtlinge, mit denen du zu tun hast, die momentane Situation?
Auch die Flüchtlinge leben in einer größeren Angst als die meisten Deutschen. Das liegt daran, weil sie ihre Familie und ihr vertrautes heimisches Unterstützerumfeld nicht haben. Dazu kommt, dass sie oft die Informationen der Behörden nicht verstehen, was ja auch vielen Deutschen schwerfällt. Und sie schnappen viele „Fake News“ auf: So glaubten viele, die Supermärkte würden schließen. Ein befreundeter Eritreer in der Nachbarschaft hat fünf Tage das Haus nicht mehr verlassen. Als ich das mitbekam, forderte ich ihn auf, auf den Balkon zu kommen und sich ein wenig mit mir zu unterhalten. Von daher ist es ganz wichtig, dass wir versuchen, immer wieder Nähe zu zeigen, natürlich bei dem gebotenen Sicherheitsabstand.

Und wie ist Lage in den Flüchtlingsunterkünften?
Die Menschen dort sind sehr auf sich alleine gestellt und diese sind ja auch für Besucher geschlossen. Auch die Betreuer halten fast nur noch telefonisch Kontakt.

Wie können Christen helfen?
Es ist in dieser Zeit besonders wichtig, dass wir die Flüchtlinge nicht aus den Augen verlieren und schauen, wie es ihnen geht. Viele Helfer und Christen, die am Anfang dabei waren, haben sich zurückgezogen und es wäre wichtig, wenn sie sich wieder verstärkt engagierten, Nähe und Interesse zeigten und nachfragen würden, wie man helfen kann.

Martin Kocher, als Teamleiter unter anderem für die Interkulturelle Arbeit in Deutschland zuständig, besuchte Anfang Januar das Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos. Er sondierte unter anderem, wie die Liebenzeller Mission dort helfen kann.

Martin, wie kam es dazu, dass sich die Liebenzeller Mission auf Lesbos engagieren will?

Wir haben einen jungen afghanischen Mann, der vor Jahren selbst als Flüchtling nach Deutschland kam und Christ wurde, als Mitarbeiter entsendet. Darum hatte uns ein Netzwerk von Farsi-sprachigen Christen gebeten. Durch seine Sprach- und Kulturkenntnisse, aber auch durch seine feine geistliche Art mit seinen Landsleuten umzugehen, wird er vor Ort sehr geschätzt und immer wieder für weitere Einsätze angefragt. Dabei ist uns als Liebenzeller Mission aber bewusst, dass diese Arbeit nur im Netzwerk mit anderen christlichen Organisationen möglich ist. Unser Ziel ist ferner, dass sich im Lager Christen sammeln und Menschen zu Christus finden.

Wie genau sah die bisherige Hilfe aus?

Unser Mitarbeiter half zuerst praktisch mit anderen Ehrenamtlichen der christlichen Organisation EuroRelief im Camp Moria mit. Bei den Folgeeinsätzen wurde er fast nur noch in den seelsorgerlichen und geistlichen Hilfsangeboten eingesetzt. Täglich kommen mehr als 100 Afghanen und Iraner in ein Zentrum außerhalb des Lagers. Neben einem ruhigen, trockenen Platz mit einer Tasse Tee gibt es Gesprächs- und Gebetsangebote. Auch wird zu Gottesdiensten und Bibelstudium eingeladen. Nun prüfen wir, eventuell eigene Kurzzeitteams zu entsenden, die sich sowohl bei der praktischen Arbeit im Camp aber ebenso bei den geistlichen Angeboten außerhalb einbringen.

Wie ist die Situation zurzeit vor Ort?

In dem völlig überfüllten Camp selbst herrschen chaotische Zustände. Neben den 5000 Menschen innerhalb des befestigten und umzäunten Lagers haben weitere 15.000 Geflüchtete in den Olivenhainen rund herum ihre Zelte aufgeschlagen. Gleichzeitig herrscht eine große Offenheit bei vielen für den christlichen Glauben. Manche sind schon in ihren Herkunftsländern bzw. in der Türkei zum Glauben gekommen. Viele nutzen die Chance, jetzt, in der „Freiheit“ von Jesus Christus zu hören. Am meisten bewegt hat mich eine Szene am Ende eines der Gottesdienste: Die sonst so verfeindeten Afghanen und Iraner stellten sich zu einer großen Menschentraube zusammen und fingen an füreinander zu beten, sich gegenseitig zu segnen und um Vergebung zu bitten.

Wie können unsere Missionsfreunde helfen?

Indem sie sich informieren! Es gilt, nicht die Augen zu verschließen vor dem, was an den Rändern Europas passiert. Hilfreiche Informationen finden sich im Internetblog der EuroRelief-Leiterin Andrea Wegener (verlinken auf https://andreasnotizen.jimdofree.com/about/)
Außerdem bitten wir um Gebet, dass die griechische Regierung die zum Teil katastrophale Logistik in und um die Camps verbessert bzw. die Asylverfahren beschleunigt. Ebenso benötigen die Hilfsorganisationen und deren ehrenamtlichen Helfer das Gebet, besonders EuroRelief. Zudem sind unser Mitarbeiter und alle weiteren Teams von Muttersprachlern für Gebetsunterstützung dankbar. In den nächsten Wochen sind weitere Einsätze geplant. Unser Mitarbeiter wird bis 25. Januar nochmals vor Ort sein.

Wie kann man die Liebenzeller Mission noch unterstützen?

Die Kosten für die Einsätze unseres Mitarbeiters sind noch nicht komplett gedeckt. Die Entsendung von ihm nach Lesbos ist nur ein kleiner Teil der Flüchtlingsarbeit, die die Liebenzeller Mission im Rahmen der Interkulturellen Teams Deutschland wahrnimmt. Wer spenden möchte, kann dies unter www.liebenzell.org/spenden tun.

Was müssen mögliche Mitarbeiter mitbringen bzw. wohin könnten sie sich wenden?

Gläubige Muttersprachler (Farsi, Arabisch), die schon einen Reisepass besitzen, werden für weitere Kurzeinsätze (in der Regel für zwei Wochen) dringend gesucht. Bitte per E-Mail melden bei .