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Verrückte Welt! Als wir – ein buntes Team aus Studierenden, quer durch die Jahr- und Studiengänge der IHL und ITA – am Montagmorgen um fünf Uhr in Bad Liebenzell in die Autos stiegen, wusste wohl keiner, was wirklich auf uns zukommen würde. Wir hatten uns zu dieser Missionsreise entschlossen und wussten, dass wir in einem Flüchtlingslager in Serbien mitarbeiten würden. Vor allem junge männliche Afghanen sind vor Ort. Tee ausschenken und Wäsche waschen. So viel war uns bekannt. Doch wir merkten schnell, dass alles ganz anders war als gedacht. Denn nach einer gut zwölfstündigen Autofahrt, bei der wir die Grenzen zu Österreich, Slowenien, Kroatien und schließlich Serbien überquerten, fanden wir uns am Dienstagmorgen in diesem Flüchtlingscamp wieder – in einer völlig anderen Welt.

Das Camp ist einfach nur eine umfunktionierte Autobahnraststätte mit dazu aufgeschlagenen 100-Mann-Zelten. Als wir das erste Mal hineingingen, strömten die Menschen aus allen Ecken und Enden, um uns zu sehen. Wir waren die ersten Volontäre seit längerer Zeit, und so war unser Team DIE Attraktion. Waren zu Beginn noch all die Gesichter fremd, so änderte sich dies doch schnell in den folgenden zwei Wochen.

Jeden Tag gingen wir in zwei Schichten ins Lager, um Tee auszuschenken und die Wäsche zu waschen. Doch viel mehr geschah darüber hinaus. Wir spielten verschiedene Spiele – UNO kann man übrigens locker über Stunden hinweg spielen ;), malten mit ihnen, führten Englisch-Kurse durch und sangen gemeinsam Lieder. Und obwohl sich so manches Mal die Verständigung schwierig gestaltete, konnten wir viel gemeinsam lachen und Beziehungen aufbauen. Es wurde schnell klar, dass wir es hier nicht mit irgendwelchen Fanatikern oder Gewalttätigen zu tun hatten, sondern einfach nur mit Menschen in unserem Alter: junge Männern, die das Pech hatten, in einem anderen Land geboren zu sein. Nun sind sie auf der Suche nach einem Leben fernab von Gewalt und Chaos und erhoffen sich dies in Europa.

Was hier jetzt richtig und falsch ist, diese Frage stellte sich dort oftmals nicht mehr. Wenn man diese Menschen sieht, bewegt das zuallererst das Herz. Und dieses war auch schwer, als wir am Ende der zwei Wochen wieder nach Deutschland zurückgefahren sind. An den Grenzen, die diese Männer von ihrem Traum trennen, zückten wir einfach unsere Pässe und konnten ohne Probleme passieren. So sind wir nun wieder zurück mit viel Stoff zum Nachdenken.

Wir sind froh, dass wir bei alldem auch Gottes große Hand am Wirken gesehen haben. Auch in diesem Chaos ist er lebendig und spricht. Manchmal konnten wir es deutlich sehen, vieles bleibt uns aber auch verborgen. Doch wir wollen darauf vertrauen: Er ist derjenige, der diese Welt in seiner Hand hält. Und er möchte in Beziehung zu jedem Einzelnen treten. Deswegen hoffen wir, dass diese Botschaft bei den Männern angekommen ist und sie ein Leben mit ihm beginnen.

Text: Marco Anhorn, Foto: Martin Kocher

Mein Handy vibriert. Ich nehme es in die Hand und lese die verzweifelte Nachricht von Akram (Name geändert), einem Geflüchteten aus Afghanistan. Er hat nur eine Duldung erhalten, dabei hatte er so sehr auf eine Anerkennung gehofft. Meine Gedanken sind hin- und hergerissen. Akram tut mir leid, denn mit einer Duldung hat er es sehr schwer. Seine innere Zerrissenheit wird sich nicht bessern. Denn er weiß nicht, wie lange er bleiben kann. Wieder wurden seine Hoffnungen zerschlagen und er hat keine Perspektive für sein Leben hier in Deutschland.

Auf der anderen Seite denke ich: „Selbst Schuld. Warum hast du auch den Anwalt nicht bezahlt?“ So hätte er höchstwahrscheinlich eine Anerkennung als Asylberechtigter bekommen. Aber so einfach ist das dann auch wieder nicht. Akram und viele andere junge Männer, mit denen ich zu tun habe, haben den Umgang mit Geld nie gelernt. Sie schließen Verträge ab, die regelmäßige Kosten mit sich bringen. Aber sie können sie auf die Dauer nicht bezahlen. Dann kommen Mahnungsgebühren hinzu und in kürzester Zeit haben junge Männer Schulden in Höhe von 1.000 Euro. Wenn man mit 320 Euro im Monat auskommen muss, ist das eine enorme Summe. Wie soll man aus dieser Schuldenfalle je herauskommen? Immer wieder helfe ich den Männern, abgeschlossene Verträge zu kündigen und unterstütze sie im Umgang mit den Inkassofirmen.

Und dann sind da noch die Erwartungen der Verwandten im Heimatland. Plötzlich wird die Mutter krank. Man kann doch seiner eigenen Mutter die Hilfe nicht verwehren! Dann werden schnell einmal 100 Euro nach Afghanistan geschickt und am Ende bleibt kein Geld mehr übrig für Essen, Busfahrkarten oder ein neues Shampoo. Erstaunlich, dass sie es doch irgendwie schaffen, über die Runden zu kommen.

Ich nehme das Handy und spreche Akram eine Nachricht auf. Ich versuche ihm Mut zu machen. Einige Tage später ermutige ich ihn, die Hilfe einer Psychologin in Anspruch zu nehmen. Seine innere Zerrissenheit und Verzweiflung ist groß. Fünf Jahre in Deutschland – keine Arbeit, keine Perspektive, keine Familie … Auch ich bin innerlich zerrissen. Tobias Zinser

Tobias Zinser war von 2012 bis 2015 als Entwicklungshelfer in Afghanistan tätig. Seit 2016 arbeitet er unter Geflüchteten in Bad Liebenzell. Seit 2018 ist er mit seiner Frau Sarah Projektleiter des Hoffnungshauses Bad Liebenzell.

Valentin Schlott studiert im fünften Semester Theologie und Soziale Arbeit an der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL). Der 28-jährige Esslinger war von Ende Oktober bis Anfang Januar auf der Insel Lesbos, um dort Geflüchteten zu helfen.

Valentin, wie kam es zu deinem Einsatz?
Als 2015 die Flüchtlingswelle Deutschland erfasste, war ich von den Geschehnissen zutiefst gerührt und ich wusste, dass ich den Menschen unbedingt helfen möchte. Schon zuvor hatte ich 2011 bis 2012 ein halbes Jahr bei der Arbeiterwohlfahrt mein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, bei dem ich in Berührung zu Menschen gekommen war, die ihre Heimat verlassen mussten. Das Thema hatte mich seither nie ganz losgelassen und an den unterschiedlichsten Stellen meines Lebens eingeholt. 2016 hatte ich in Esslingen dann die Möglichkeit, in ein integratives Wohnprojekt vom Verein Hilfreich e. V. einzuziehen, bei dem ich für zwei Jahre mit Zugewanderten, schlussendlich tiefen Freunden, zusammenwohnen durfte. Die Reise nach Lesbos fiel also „nicht aus heiterem Himmel“. Die Bilder von Malta und anderen Mittelmeerinseln, von überfüllten Booten und gekenterten Schiffen haben immer wieder den Wunsch in mir entfacht, nicht nur in deutscher Geborgenheit mit anzupacken, sondern dort zu sein, wo das Leid besonders groß ist. Außerdem wollte ich auch die Menschen, meine Freunde, immer besser verstehen lernen. Und dazu gehört es, in ihr Leben einzutauchen. Das geht natürlich nur begrenzt. Aber die Situation auf Lesbos ist eine Situation, wie sie viele Flüchtlinge in Deutschland durchlaufen haben. Und wer die Flüchtlinge in Deutschland verstehen will, darf auch die Augen nicht vor Malta oder Lesbos oder ihrem Erleben noch viel früher auf ihrer Reise verschließen. Das Beste ist es, wenn man einfach selbst dorthin geht. Dazu kam der Ruf von Gott für mich.

Warum gerade nach Lesbos?

Martin Kocher, Teamleiter „Mission und Integration“, hatte bereits Kontakt zu Andrea Wegener, die die operative Leitung von EuroRelief im Flüchtlingslager Kara Tepe II innehat. Zudem waren bereits Teilnehmer des Kurzeinsätze-Programms „impact“ dort und haben im Lager mitgeholfen. So hat sich eine Türe nach der anderen geöffnet und mit ein bisschen Geduld war es dann im Oktober 2020 soweit.

Was machtest du dort?
Ich bin in dem ganzen Gewimmel einer von vielen Freiwilligen, die dort eingesetzt werden, wo sie am Dringendsten gebraucht werden und wo sie angesichts ihrer Fähigkeiten gut aufgehoben sind. In der ersten Zeit bin ich einfach mitgelaufen und habe sehr unterschiedliche Dinge gemacht: Zelte abbauen, reparieren, Böden verlegen. Außerdem erhob ich Daten, indem ich von Zelt zu Zelt gelaufen bin und nach Informationen gefragt habe, die EuroRelief noch nicht vorlagen. Außerdem half ich bei Umzügen mit und machte Botengänge. Ebenso verteilte ich so genannte Tickets – wenn Menschen ein Hilfspaket von den UN bekommen, erhalten sie zunächst ein Ticket, mit dem sie dann am UN-Zelt vorbeigehen und sich das Paket abholen können. Ein gewichtiger Teil meiner Arbeit vor Ort war auch durch die Mithilfe im „Warehouse“ bestimmt, wo die vielen Hilfsgüter zusammenlaufen, organisiert und verwaltet werden. Hier haben wir zum Beispiel weit über tausend Hilfspakete zusammengestellt, die aus Wärmflasche, Socken, Unterwäsche, T-Shirts und Hose bestanden. Es war immer schön, dann auch bei der Austeilung der Hilfspakete dabei sein zu können.

Wie erlebst du die Flüchtlingslage dort?
Ein Mann kam eines Tages an einem warmen Novembertag mit einem wenige Tage oder Wochen alten Baby zu mir und bat mich, dass er doch unseren Strom vom Bauwagen, in dem unser Büro stationiert ist, verwenden dürfte, um im Wasserkocher Wasser zum Waschen des Babys heißzumachen, weil er nirgendwo sonst im Camp Strom gefunden hat. Die Menschen leben dort in Zelten von der UN und vom Roten Kreuz, teilweise auch in Großraumzelten. Jedem Bewohner stehen rund 2,5 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung, was in etwa der eigenen Schlaffläche entspricht. Wenn jemand eine Toilette aufsuchen möchte, dann öffnet er oft eines der Dixiklos und schaut angeekelt zur Seite. Dies macht er oder sie dann so oft, bis er oder sie ein Dixiklo gefunden hat, dass am wenigsten schmutzig ist. Als es noch warm war, haben viele Menschen im Meer geduscht …

Was beeindruckt, bewegt dich?
Das eben geschilderte Leid, genauso wie die Würde, mit der die Menschen das dort tragen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie meine Familie an einem solchen Ort überleben oder leben könnte. Aber eben genau solche Familien leben dort. Menschen wie du und ich. Es sind nicht Flüchtlinge, die dort leben, als wäre das eine bestimmte Art von Mensch, die darauf angepasst wäre, so zu leben. Es sind Menschen, Freunde, Menschen mit Namen. Die Kreativität ist ebenso beeindruckend, mit der die Menschen dort Duschen bauen, Kochstellen und viele andere Sachen, die das Leben dort ein bisschen einfacher und erträglicher machen. Ebenso beeindruckte mich die Gastfreundschaft und Offenheit vieler Menschen. In meinen wenigen Wochen im Flüchtlingslager wurde ich öfters zum Tee oder Essen eingeladen, als in all meinen 28 Lebensjahren in Deutschland.

Was antwortest du Kritikern, die sagen, die Flüchtlinge seien selbst schuld an ihrer Lage?
Jesus hatte und hätte immer wieder tausend gute Gründe und Anlass, um zu sagen: „Valentin, du bist an deinem Unglück selbst schuld. Sieh zu, dass du dir selbst hilfst.“ Aber das hat er nie gesagt und wird er auch niemals sagen. Er hat mich gerettet. Das ist mein Bekenntnis: Aus Gnade hat mich Gott gerettet. Das ist die Gute Nachricht, die ebenso allen Menschen gilt und mit der mich Gott beauftragt, in alle Welt zu gehen. Ich stelle also die Gegenfrage an alle, die Flüchtlingen die Schuld für ihre Situation geben und ihnen damit indirekt die Hilfe entsagen: „Wenn du allein aus Gnade gerettet bist, warum verwehrst du sie dann anderen Menschen, seien es Flüchtlinge oder nicht?“ „Du bist selbst schuld“ und „Hilf dir selbst!“ – Diese Worte erinnern an den Spott, den Jesus am Kreuz über sich ergehen ließ.

Wie können Christen helfen?
Wenn jemand Flüchtlingen helfen möchte, so kann er in seiner Gemeinde oder Stadt nach Ehrenamtskreisen fragen, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind. Viele Gemeinden haben inzwischen Integrationsmanager, die die lokale Hauptamtlichen-Arbeit und Ehrenamts-Arbeit in der Flüchtlingshilfe koordinieren. Darüber hinaus gibt es viele private und kirchliche Initiativen. Und wer nach Lesbos zu EuroRelief möchte, bewirbt sich ganz einfach über das Onlineformular im Internet von EuroRelief: www.eurorelief.net. Die größte Hilfe ist bei all dem sicherlich immer – und das gilt hier auf Lesbos im Lager ebenso –, wenn wir nicht „den Flüchtling“ sehen, sondern einfach den Menschen vor uns. Zudem habe ich oft erlebt, dass ich vielen Menschen in der Flüchtlingsarbeit nicht helfen kann. Ich komme hier oft an meine Grenzen, was unter anderem an den rechtlichen Rahmenbedingungen liegt. Eine große Hilfe wäre es sicherlich, wenn sich auch in diesem Bereich mehr Menschen für die Rechtsstellung von Flüchtlingen einsetzen würden. Und selbst wenn es mir nicht immer möglich ist, den Menschen zu helfen, so ist ihnen immer geholfen, wenn sie Jesus als den erkennen, der er ist. Das können sie nur, wenn sie von ihm hören. Von ihm hören können sie nur, wenn wir von ihm erzählen. In diesem Sinne: Lasst uns einander lieben, wie Jesus uns geliebt hat. Daran wird man uns erkennen. Und darin wird uns allen geholfen.

Ausführliche Reportagen von Valentin Schlott gibt es hier: https://www.firstlife.de/hollywood-im-camp-auf-lesbos-teil-5/

Weitere Infos und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es hier: www.liebenzell.org/mission/weltweite-projekte/mission-und-integration-deutschland

Foto: Silas Zindel

Mit einem abwechslungsreichen Familiennachmittag endete das „Hoffnungscamp 2020“ am 30. August. Zwei Wochen begeisterte ein sechsköpfiges, internationales Mitarbeiterteam Kinder und Jugendliche von geflüchteten Familien. Bei zehn verschiedene Nationalitäten herrschte Leben in der Bude. Neben Spielen, Basteln und Sport hörten die Besucher jeden Tag eine Hoffnungsgeschichte aus der Bibel.

„Das ist der beste Sommer meines Lebens“, meinte ein elfjähriger kurdischer Junge. „Das muss immer weiter gehen“, wünschte sich ein afghanisches Mädchen. Die meisten der Kinder und Jugendlichen leben noch in der Gemeinschafts- bzw. Anschlussunterkunft. Für sie waren die Nachmittage etwas ganz besonders. Viele Teilnehmer hingen regelrecht wie Kletten an den Mitarbeitern. Wir beten, dass diese zwei Wochen geballte Aufmerksamkeit und Zuwendung das Leben der Kinder nachhaltig prägen.

Nach der Brandkatastrophe im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos ist die Lage vor Ort weiterhin alarmierend. Menschen schlafen auf der Straße oder im Gebüsch, vielen fehlt es an den nötigsten Dingen. In den letzten Wochen waren mehrmals Teams und Mitarbeiter zu Hilfseinsätzen für die Geflüchteten im Lager Moria im Einsatz. Zum Zeitpunkt der Brände hatten wir aber keine Mitarbeiter vor Ort. Mit unserem Partner Eurorelief sind wir im Austausch. Wir bitten euch herzlich um euer Gebet für die betroffenen Menschen in Lesbos und für die Hilfsmaßnahmen unserer Partner. Vielen Dank für alle Fürbitte!

GRIECHENLAND. Die Mutter und einen Bruder durch eine Bombe verloren, beim Bombardement der Schule um das Leben gerannt, mitbekommen, wie die Taliban Mütter und Babys in Krankenhäusern ermorden, in ständiger Angst auf der Flucht sein – all das haben drei Geschwister aus Afghanistan erlebt, die zwei Impactler der Liebenzeller Mission im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos kennenlernten. Die beiden Kurzeinsatzprogramm-Teilnehmer kamen zu ihnen, um Arzttermine zu vergeben. Dabei luden die Afghanen die jungen Christen zum Tee ein. Die Impactler waren tief beeindruckt von der Gastkultur und Freundlichkeit der Flüchtlinge. „Da die drei nur gebrochen Englisch und wir nur fünf Wörter Farsi sprechen konnten, kommunizierten wir mithilfe von Google Übersetzer. Nach kurzem Small Talk hatten wir ein bewegendes, tiefgehendes Gespräch.“ Die Liebenzeller Helfer erhielten erschütternde Einblicke in den Schmerz der Geflüchteten und sahen die Narben auf ihren Körpern, die von Wunden erzählen, die nie richtig verheilt waren.

Die Impactler sind dankbar, dass sie von ihrer christlichen Hoffnung berichten und auf Jesus hinweisen können. „Uns hat sehr gefreut zu sehen, was Jesus in dieser Familie schon bewirkt hatte. Sie glauben an Gott und sehen Jesus als guten Lehrer an, von dem sie lernen wollen.“ Die Impactler konnten für die Afghanen beten. Ein Teilnehmer konnte zudem mit ihnen gemeinsam in der Bibel lesen.

Was das impact-Team sonst noch bei seinem Einsatz erlebt hat, erfährst du in diesem Video.

Acht impact-Kurzzeitmitarbeiter, eine Teamleiterin und eine Studentin sind seit Anfang Juni auf Lesbos, um den Flüchtlingen dort zu helfen. Die impactler waren zuerst über die ganze Welt zerstreut, mussten aber aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig nach Deutschland zurückkehren. Doch nun geht es wieder raus – nach Moria in Griechenland ins Flüchtlingslager. Wir haben einige Eindrücke gesammelt, wie es dazu kam und was sie zu ihrem Einsatz bewegt hat:


Johannes Schurian (Celle): Ich kam aus Sambia zurück, wo ich sechs Monate lang im impact-Team mit Sambiern zusammen gelebt hatte und wir gemeinsam viel in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert waren. Dann habe ich ein paar Wochen in Deutschland im Supermarkt als Aushilfe gearbeitet, als die Anfrage der Liebenzeller Mission zum Lesbos-Einsatz kam. Ich wusste ab dem ersten Moment, dass das genau das Richtige für mich ist.


Rebecca Rosner (Lüdenscheid): Ich war mit impact in Ecuador und habe dort in verschiedenen Kinderclubs und Jugendkreisen mitgearbeitet. Als ich vorzeitig aus Südamerika zurückkam, wusste ich nichts richtig mit mir anzufangen. Jetzt freue mich sehr, dabei zu sein. Ich möchte hier helfen, weil die Flüchtlinge wirklich Hilfe benötigen und durch die Corona-Krise wenige Helfer kommen können. Ich möchte mich gerne von Jesus senden lassen und bin nun gespannt, wodurch er mich gebrauchen kann.


Manuel Pillmann (Hannkensbüttel bei Gifhorn): Ich bin hier, weil ich den Menschen auf ganz praktische Weise Gottes Liebe weitergeben und seinen Namen groß machen will.


Soraya Meyer (Rheinböllen): Predige, so oft wie möglich, aber nur wenn unbedingt nötig mit Worten – das gilt für unseren Einsatz besonders. Wir können den Menschen durch das, was wir tun, zeigen, dass Jesus sie liebt.


Johannes Schurian: Wenn ich den Ausspruch von Dietrich Bonhoeffer: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“ ernst nehme, dann gilt umso mehr, das umzusetzen, was Jesus in Matthäus 25,36 erklärt hat: Dass wir den Durstigen zu trinken geben, den Fremden einladen, die Nackten einkleiden und die Gefangenen besuchen.


Rebecca Rosner: Ich erhoffe mir von der Zeit hier in Griechenland, dass wir einen impact, also einen Unterschied machen durch unsere positive Einstellung …
Johannes Schurian: … und dann ist es egal, ob ich eine Decke austeile oder ein Zelt aufbaue.


Rebecca Rosner: In erster Linie sind wir hier, um ganz praktisch mitzuhelfen, um Hilfspakete und Essen auszuteilen, für die Menschen da zu sein.


Johannes Schurian: Und ich bin mir sicher, dass wir dadurch persönlich als auch in unserer Beziehung zu Gott extrem wachsen.


Manuel Pillmann: Wir dürfen hier Gottes unglaublichen Segen erleben und ganz praktisch an andere weitere weitergeben, getreu dem Kurzzeitprogramm-Motto: „Get an impact, make an impact“ („Segen empfangen und weitergeben”).


Ein Video über den Einsatz auf Lesbos gibt es hier.


Wollt ihr den Einsatz mit einer Spende unterstützen? Dann könnt ihr das über www.liebenzell.org/einsatz-lesbos tun. Wir würden uns sehr freuen. Danke für alle Unterstützung.

Von der Corona-Pandemie sind auch die Flüchtlinge und Chinesen in Deutschland betroffen. Wie sie damit umgehen, das schildern Klaus-Dieter Volz (Teamleiter Interkulturelle Teams) und Martin Kocher (Teamleiter Deutschland und Mittlerer Osten), die unter diesen Menschen arbeiten.

Klaus-Dieter, wie gehen die Chinesen hier in Deutschland mit dem Corona-Virus um?
Die Chinesen sind aufgrund der Vorgeschichte viel ängstlicher und vorsichtiger als wir – aus gutem Grund: Sie kennen aus ihrem eigenen Land, welche Folgen das Corona-Virus dort hat. In Wuhan gibt es sehr, sehr viele christliche Gemeinden und bereits Anfang Dezember war vielen klar, dass etwas nicht in Ordnung ist. Man wusste erst nicht, was das für eine Erkrankung ist. Ab Mitte Januar dann, als sich abzeichnete, dass das auch nach Deutschland kommen wird, bekamen die Chinesen hier Angst und warnten vor dem Virus. Bereits Anfang Februar kamen immer weniger in unsere Gemeinden, weil sie um die Gefährlichkeit des Virus wussten. Viele haben durch die eigene Verwandtschaft viel klarer miterlebt, was für Folgen das Virus hat.

Stimmt es, dass Chinesen in Deutschland bedroht wurden?
Ja, das ist so. So wurden einige in der S-Bahn als „Du Virusschleuder“ beschimpft. Immer wieder werden sie angeherrscht, ja Abstand zu halten. Und immer wieder hören sie: „Steck mich ja nicht an!“

„Ganze Gottesdienste werden per Livestream mit Abendmahl übertragen“

Und wie sieht eure Arbeit zurzeit aus?
Bei uns fällt gar nichts aus, sondern es läuft alles im Internet weiter. Natürlich ist alles viel umständlicher geworden. Die Chinesen sind aber sehr vertraut mit Videokonferenzen und ganze Gottesdienste werden so per Livestream übertragen, indem sich dann Interessenten zuschalten können. Nach dem Gottesdienst gibt es Kleingruppen, bei denen die Zuschauer in Fünfer-Gruppen eingeteilt werden. Abendmahl geschieht so, dass die Zuschauer zuhause vor dem Bildschirm mit ihrem Becher und Brot das Abendmahl einnehmen. Letztlich werden die Chinesen in Deutschland durch die 70 Gemeinden und Bibelkreise sehr gut betreut. Es gibt 25 bis 30 Pastoren mit chinesischem Hintergrund. So wird jeden Morgen eine digitale Andacht bereitgestellt und der Telefonkontakt ist fast rund um die Uhr möglich.

Und wie können wir reagieren?
Die Chinesen gehen konsequent nicht aus dem Haus, da sie besser als wir über das Virus Bescheid wissen. Ihr Misstrauen gegenüber allen Medien ist sehr groß, da ihnen die hohe Dunkelziffer bewusst ist. Aber wir Deutsche sind gefordert, sie nicht auszuschließen. Und wir sollten Chinesen nicht beschimpfen und Verständnis zeigen, wenn sie konsequent mit Mundschutz herumlaufen. Dafür wurden sie oft belächelt und angefeindet. Sie tun das aber aus gutem Grund und das machen nun auch immer mehr Deutsche. Ebenso ist Gebet eine große Hilfe. Wichtig ist auch die Aufklärung: Wir weisen zum Beispiel darauf hin, dass Kinder weniger gefährdet, sondern mehr die Überträger sind. Letztlich sollten wir Verständnis haben, dass die Chinesen mehr Angst haben als wir, weil sie aus einem anderen Kontext kommen.

„Flüchtlinge in dieser Zeit nicht aus den Augen verlieren“

Martin, wie erleben die Flüchtlinge, mit denen du zu tun hast, die momentane Situation?
Auch die Flüchtlinge leben in einer größeren Angst als die meisten Deutschen. Das liegt daran, weil sie ihre Familie und ihr vertrautes heimisches Unterstützerumfeld nicht haben. Dazu kommt, dass sie oft die Informationen der Behörden nicht verstehen, was ja auch vielen Deutschen schwerfällt. Und sie schnappen viele „Fake News“ auf: So glaubten viele, die Supermärkte würden schließen. Ein befreundeter Eritreer in der Nachbarschaft hat fünf Tage das Haus nicht mehr verlassen. Als ich das mitbekam, forderte ich ihn auf, auf den Balkon zu kommen und sich ein wenig mit mir zu unterhalten. Von daher ist es ganz wichtig, dass wir versuchen, immer wieder Nähe zu zeigen, natürlich bei dem gebotenen Sicherheitsabstand.

Und wie ist Lage in den Flüchtlingsunterkünften?
Die Menschen dort sind sehr auf sich alleine gestellt und diese sind ja auch für Besucher geschlossen. Auch die Betreuer halten fast nur noch telefonisch Kontakt.

Wie können Christen helfen?
Es ist in dieser Zeit besonders wichtig, dass wir die Flüchtlinge nicht aus den Augen verlieren und schauen, wie es ihnen geht. Viele Helfer und Christen, die am Anfang dabei waren, haben sich zurückgezogen und es wäre wichtig, wenn sie sich wieder verstärkt engagierten, Nähe und Interesse zeigten und nachfragen würden, wie man helfen kann.

Martin Kocher, als Teamleiter unter anderem für die Interkulturelle Arbeit in Deutschland zuständig, besuchte Anfang Januar das Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos. Er sondierte unter anderem, wie die Liebenzeller Mission dort helfen kann.

Martin, wie kam es dazu, dass sich die Liebenzeller Mission auf Lesbos engagieren will?

Wir haben einen jungen afghanischen Mann, der vor Jahren selbst als Flüchtling nach Deutschland kam und Christ wurde, als Mitarbeiter entsendet. Darum hatte uns ein Netzwerk von Farsi-sprachigen Christen gebeten. Durch seine Sprach- und Kulturkenntnisse, aber auch durch seine feine geistliche Art, mit seinen Landsleuten umzugehen, wird er vor Ort sehr geschätzt und immer wieder für weitere Einsätze angefragt. Dabei ist uns als Liebenzeller Mission aber bewusst, dass diese Arbeit nur im Netzwerk mit anderen christlichen Organisationen möglich ist. Unser Ziel ist ferner, dass sich im Lager Christen sammeln und Menschen zu Christus finden.

Wie genau sah die bisherige Hilfe aus?

Unser Mitarbeiter half zuerst praktisch mit anderen Ehrenamtlichen der christlichen Organisation EuroRelief im Camp Moria mit. Bei den Folgeeinsätzen wurde er fast nur noch in den seelsorgerlichen und geistlichen Hilfsangeboten eingesetzt. Täglich kommen mehr als 100 Afghanen und Iraner in ein Zentrum außerhalb des Lagers. Neben einem ruhigen, trockenen Platz mit einer Tasse Tee gibt es Gesprächs- und Gebetsangebote. Auch wird zu Gottesdiensten und Bibelstudium eingeladen. Nun prüfen wir, eventuell eigene Kurzzeitteams zu entsenden, die sich sowohl bei der praktischen Arbeit im Camp aber ebenso bei den geistlichen Angeboten außerhalb einbringen.

Wie ist die Situation zurzeit vor Ort?

In dem völlig überfüllten Camp selbst herrschen chaotische Zustände. Neben den 5000 Menschen innerhalb des befestigten und umzäunten Lagers haben weitere 15.000 Geflüchtete in den Olivenhainen rund herum ihre Zelte aufgeschlagen. Gleichzeitig herrscht eine große Offenheit bei vielen für den christlichen Glauben. Manche sind schon in ihren Herkunftsländern bzw. in der Türkei zum Glauben gekommen. Viele nutzen die Chance, jetzt, in der „Freiheit“ von Jesus Christus zu hören. Am meisten bewegt hat mich eine Szene am Ende eines der Gottesdienste: Die sonst so verfeindeten Afghanen und Iraner stellten sich zu einer großen Menschentraube zusammen und fingen an füreinander zu beten, sich gegenseitig zu segnen und um Vergebung zu bitten.

Wie können unsere Missionsfreunde helfen?

Indem sie sich informieren! Es gilt, nicht die Augen zu verschließen vor dem, was an den Rändern Europas passiert. Hilfreiche Informationen finden sich im Internetblog der EuroRelief-Leiterin Andrea Wegener (verlinken auf https://andreasnotizen.jimdofree.com/about/)
Außerdem bitten wir um Gebet, dass die griechische Regierung die zum Teil katastrophale Logistik in und um die Camps verbessert bzw. die Asylverfahren beschleunigt. Ebenso benötigen die Hilfsorganisationen und deren ehrenamtlichen Helfer das Gebet, besonders EuroRelief. Zudem sind unser Mitarbeiter und alle weiteren Teams von Muttersprachlern für Gebetsunterstützung dankbar. In den nächsten Wochen sind weitere Einsätze geplant. Unser Mitarbeiter wird bis 25. Januar nochmals vor Ort sein.

Wie kann man die Liebenzeller Mission noch unterstützen?

Die Kosten für die Einsätze unseres Mitarbeiters sind noch nicht komplett gedeckt. Die Entsendung von ihm nach Lesbos ist nur ein kleiner Teil der Flüchtlingsarbeit, die die Liebenzeller Mission im Rahmen der Interkulturellen Teams Deutschland wahrnimmt. Wer spenden möchte, kann dies unter www.liebenzell.org/spenden tun.

Was müssen mögliche Mitarbeiter mitbringen bzw. wohin könnten sie sich wenden?

Gläubige Muttersprachler (Farsi, Arabisch), die schon einen Reisepass besitzen, werden für weitere Kurzeinsätze (in der Regel für zwei Wochen) dringend gesucht. Bitte per E-Mail melden bei .