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Liebenzeller Missionare bringen Gottes Liebe zu den Menschen in alle Welt – und setzen sich aktiv für Völkerfreundschaft ein, so wie Albrecht und Annegret Hengerer in Burundi. Das Ehepaar ist seit über 30 Jahren für die Liebenzeller Mission im Einsatz, zunächst in der Gemeindegründungsarbeit in der Normandie und seit Sommer 2017 im ostafrikanischen Burundi. Sie unterstützen die einheimische Kirche durch Predigten und Schulungen sowie administrative und geistliche Begleitung. Vor seiner Ausbildung am Theologischen Seminar der Liebenzeller Mission war Albrecht als Diplom-Verwaltungswirt (FH) tätig. Annegret ist gelernte Krankenschwester.

Albrecht, wie kam es zu eurem Engagement im Deutsch-Burundischen Freundschaftsverein?
Ich bin einfaches Mitglied, werde aber immer wieder als Verwaltungsfachmann zur Beratung herangezogen, da ich in Frankreich fünf Vereine mitgegründet habe und das Rechtssystem in Burundi sehr ähnlich ist. Ich übersetzte oft für die deutschen Besucher. Annegret ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

Seit wann gibt es den Verein und wie viele Mitglieder habt ihr?
Der Verein wurde 1987 von 15 Burundiern und acht Deutschen gegründet. Es gab zehn Ehrenmitglieder, darunter vier burundische Minister und weitere Volksvertreter. Heute sind wir etwa 30 Mitglieder, Tendenz steigend. Mit dabei sind vor allem junge Menschen, die Deutsch lernen bzw. studieren oder junge Ärzte vom deutschsprachigen Ärzteverein. Dem Verein gehören auch einige Deutsche an, die hier in Entwicklungshilfe-Organisationen oder ähnlichen Einrichtungen arbeiten oder ihren Ruhestand verbringen. Mit dabei sind auch einige Burundier, die in Deutschland studiert haben und nun in ihrem Heimatland arbeiten.

Was bietet ihr als Deutsch-Burundischer Freundschaftsverein an?
Wir haben folgende Ziele: Wir wollen die Beziehungen zwischen beiden Völkern vertiefen und die freundschaftlichen Kontakte intensivieren (Es gibt bereits einige gemischte Ehen 😉 … und viele freundschaftliche Beziehungen). Wir ermöglichen auch das Kennenlernen der Kunst und der Kultur des anderen. Ebenso setzen wir uns dafür ein, dass der Austausch auf sozio-kultureller, wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und kommerzieller Ebene verstärkt wird. Dazu bieten wir Deutschunterricht zusammen mit einem Deutschlehrer der Universität an. Es gibt außerdem (Diskussions-)gruppen in deutscher Sprache – bei uns zu Hause oder im Vereinszentrum. Außerdem gibt es jährlich einen deutschen Weihnachtsgottesdienst, eine „Offene Tür“ für jedermann mit Bewirtung am Donnerstagabend und die Aktion „Wir sprechen Deutsch“ mit Schuhplattler, Bier und Sauerkraut. Dabei sind auch immer der deutsche Botschafter und Diplomaten aus anderen europäischen Ländern dabei. Und es gibt als Projekt eine deutsche Bibliothek, die rund 10.000 deutsche Romane, Sach- und Kinderbücher umfassen soll. 8.000 Bücher haben wir bereits erhalten. Dabei waren wir dankbar für die Kurzzeitmitarbeiter von „impact Move“, die uns neben ihren anderen Aufgaben auch bei der Aufnahme der Buchtitel sehr geholfen haben.

Was ist eure Motivation, in dem Verein mitzuarbeiten?
Wir schätzen den Austausch mit anderen Volksgruppen und finden das spannend. Außerdem wollen wir das Vorwärtskommen der Burundier unterstützten (Deutschlernen, Studieren in Deutschland, kulturelles Verständnis). Und schließlich: Jeder weiß, dass wir Missionare sind und so kommen wir oft dazu, über unsere Leidenschaft zu reden: Die rettende Liebe Jesu. Viele Burundier sind praktizierende Christen. Ich werde immer wieder gebeten, ein Tischgebet zu sprechen oder einen Weihnachtsgottesdienst zu gestalten. Durch die vielen unterschiedlichen Begegnungen verlassen wir letztlich unsere Komfortzone und lernen andere Menschen, Einstellungen und Überzeugungen kennen.

Was für Rückmeldungen habt ihr hinsichtlich eures Engagements erhalten?
Viele freuen sich, dass wir ohne Scheu und Vorurteile mit allen reden und versuchen, sie zu ermutigen, im Verein mitzuarbeiten. In einer spannungsgeladenen Zeit der Umstrukturierung des Vereins konnten wir helfen, dass das Freundschaftsgefühl wieder Einzug gehalten hat. Manche haben uns danach als „Engel“ bezeichnet. Annegret wollten sie aufgrund ihrer kritisch-positiven Art unbedingt wieder als Vize-Präsidentin haben.

Informationen, Bilder und Videos zum Engagement und der Arbeit von Ehepaar Hengerer finden sich auch bei Facebook (www.facebook.com/hengerer), Instagram (www.instagram.com/nitramhenger) oder auf dem Blog newsburundi.blogspot.com.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Liebenzeller Mission gehen seit über 120 Jahre in alle Welt, um Menschen Gottes Liebe zu bringen und ihnen zu dienen. Esther Stoll, die seit Februar 2021 mit ihrem Mann Manuel in der Gemeindegründungsarbeit in Burundi tätig ist, machte nun eine verblüffende und berührende Erfahrung: Sie stand unter einer Kochbananenstaude – und eine Burundierin wäscht ihr die Füße.

Sie war einen Tag lang bei ihrer Familie mit dabei und arbeitete gemeinsam mit ihr und ihrer Mutter barfuß auf dem Acker. „Natürlich kamen wir alle mit dreckigen Füßen heim. Sie hatte mir für den Weg noch ihre Flipflops geliehen und ist selbst barfuß gegangen.“ Als Esther Stoll sich am Ende des Tages verabschieden wollte, ging es noch ans Füßewaschen. „Und natürlich wollten sie mich erst nach Hause gehen lassen, als sie mit dem Zustand meiner Füße und Schuhe zufrieden waren.“

Die Missionarin wusch also ihre Füße und wollte ihre Schuhe wieder anziehen. Aber ihre burundische Freundin entdeckte noch Schmutz an ihren Zehennägeln. Mit dem kostbaren Wasser, das sie zuvor auf dem Kopf vom Fluss hergetragen hatte, schrubbte sie nun selbst an ihren Zehen herum: „Wir mussten beide auch darüber lachen, aber es war wirklich eindrücklich für mich. Sie war sich absolut nicht zu schade dafür, mir die Füße zu waschen.“

Esther Stolls eindrückliches Fazit: „Wir sind hierhergekommen, um den Menschen mit Gottes Liebe und Freundlichkeit zu begegnen und ihnen zu dienen. Diese Erfahrung hat mir sehr deutlich gemacht, dass es keine Einbahnstraße ist, in der nur wir die Gebenden sind. Im Gegenteil. Wir erleben hier oft, wie hilfsbereit, dienstbereit und großzügig Burundier uns gegenüber sind. Da zeigt sich für uns oft ganz viel von Gottes Wesen.“

Menschen erreicht man am besten für das Evangelium, indem man auch Gemeinden gründet. Deshalb haben die Liebenzeller Sambia-Missionare Samuel und Anke Meier zusammen mit dem Ehepaar Godfrey und Agnes Mambwe in der Hauptstadt Lusaka eine neue Arbeit gestartet.

Ehepaar Mambwe leitete viele Jahre das Fiwale Hill Bible College. Von 2014 bis 2020 war Godfrey Direktor des sambischen Gemeindeverbandes „Zambia Baptist Association“ (ZBA), mit dem die Liebenzeller Mission seit 1985 zusammenarbeitet.

Die neue Gemeinde richtet sich hauptsächlich an Familien und junge Menschen. „Zurzeit kommen etwa 60 Erwachsene und 25 Kinder zum Gottesdienst“, so Samuel Meier. Daneben gibt es Kindergottesdienste, Jüngerschaftskurse, Eheabende sowie Jugend- und Sportnachnachmittage mit Volleyball-Spielen. Die Gemeinde braucht nun unbedingt ein Kirchengebäude, denn das Gebäude, in dem sich die Besucherinnen und Besucher zurzeit treffen, wird langsam zu klein und gehört ihnen auch nicht. „Wir wünschen uns, dass wir bald anfangen können zu bauen“, sagte Samuel Meier.

Dass diese Gründungsarbeit von Anfang an in einem Tandem gestartet wurde, ist für unsere Partnerkirche absolut bemerkenswert: „Diese neue Arbeit ist insofern einzigartig, dass hier zwei Gemeindegründer unterschiedlicher Nationalität mit verschiedenen Gaben und Erfahrungen am Werk sind“, schrieb Godfrey Mambwe kürzlich in einem Projektbericht. „Ich kann bezeugen, dass wir sehr gut zusammenarbeiten. Wir sind in mancherlei Hinsicht verschieden, aber wir ergänzen uns prima durch Gottes Vorsehung. Unsere Unterschiedlichkeit wirkt sich tatsächlich zum Wohl der Arbeit aus.“

Samuel und Anke Meier leben seit September 2005 in Sambia und begannen Anfang 2020 eine Gemeindegründung in der Hauptstadt Lusaka. Zuvor arbeiteten sie als Pioniermissionare in Nabwalya und in der Teamleitung in Ndola. Vor seiner Ausbildung am Theologischen Seminar der Liebenzeller Mission war Samuel als Kfz-Mechaniker tätig. Anke ist gelernte Ergotherapeutin. Sie haben drei Kinder.

Seit Januar 2020 arbeitet Anna Marasco in der „Oase“ in Neubrandenburg, einem sozial-missionarischen Projekt der Liebenzeller Mission. Davor hat sie an der Internationalen Hochschule Liebenzell Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext studiert. Seit September ist sie mit Adriano verheiratet, der sich ehrenamtlich in der Oase einbringt. Derzeit ist Anna in Süddeutschland unterwegs, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben ihr einige Fragen gestellt.

Die Arbeit in der Oase ist vor allem Beziehungsarbeit. Was hat sich durch Corona verändert?
Das ist total typabhängig. Manche Mitarbeiter hatten stärker damit zu kämpfen, weil weniger Angebote und Programme möglich waren. Für mich war es nicht so ein Problem. Ich bin dann einfach zu Hause bei den Leuten vorbeigegangen, hab mich quasi bei ihnen eingeladen und konnte so gut Kontakte mit ihnen pflegen.

In deiner Einsatzregion haben viele Menschen gar keinen Zugang zum christlichen Glauben. Wie ist das, wenn sie von Jesus hören. Welche Fragen haben sie?
Auch das ist sehr unterschiedlich. Viele Menschen hier sind areligiös. Sie haben den Gedanken eines höheren Wesens noch nie gehabt oder noch nie gehört. Von daher stellen sie meistens keine Fragen, weil sich keine Fragen ergeben. Sie wissen oft nicht, was sie fragen sollten. Einen Sinn für Spirituelles gibt es oft nicht. Das kommt dann erst nach und nach, wenn sie immer wieder von uns Impulse hören. Viele Menschen haben hier mit Schicksalsschlägen zu kämpfen. Wenn sie Fragen stellen, dann häufig, warum Gott das zulässt.

Was würdest du sagen, ist das Besondere an der Oase?
Das Besondere ist, dass wir mit unserer Gemeindegründung ein Ort sind, an dem alle Menschen zusammenkommen können. Aus DDR-Zeiten waren es die Menschen gewohnt, dass Gemeinschaftsangebote für sie organisiert werden. Sie sind sehr dankbar für Orte, wo sie sich gemeinsam treffen können. Bei uns treffen sich Atheisten, Suchende, Christen. Es gibt kaum Hürden und wir wirken nicht wie eine kirchliche Institution. Jeder kann so kommen, wie er oder sie möchte.

Euer Wunsch ist es, dass aus dem sozialmissionarischen Projekt eine Gemeinde entsteht. Ist es schon so weit oder was ist der aktuelle Stand?
Ich bin davon überzeugt davon, dass wir eine Gemeinde sind. Jesus hat gesagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, da bin ich mitten unter ihnen. Wir leben Gemeinschaft, wir beten gemeinsam, lesen in der Bibel und lernen gemeinsam Jesus kennen. Von daher sind wir doch Gemeinde! Außerdem haben wir mittlerweile auch gemeindliche Strukturen gelegt. Gleichzeitig merken wir schon, dass wir in einem besonderen Milieu unterwegs sind. Gerade in Bezug auf das Thema Verlässlichkeit läuft hier einiges anders. Manche Leute muss man gefühlt regelmäßig dran erinnern, dass Gottesdienst ist, und sie persönlich immer wieder neu einladen. Die Menschen für verantwortliche Aufgaben zu gewinnen, wie z. B. für den Kindergottesdienst, ist noch schwierig. Wir brauchen schon noch Hauptamtliche, damit die Gemeinde-Angebote verlässlich laufen. Es ist ein langer Weg, Menschen zum Dienst in der Gemeinde zu befähigen und trotzdem sind wir dankbar für jeden fleißigen Mitarbeiter. Was uns sehr freut, ist das Potenzial, das wir in den Kindern und Teens sehen, die zu „Oase Kids“ kommen. Wir haben die große Hoffnung, dass sie nach und nach so in die Oase hineinwachsen, dass sie dann auch mit Jesus unterwegs sind und sich selbst in der Gemeinde einbringen.

Was begeistert dich an deinem Job und was fordert dich heraus?
Ich liebe die Arbeit mit den Menschen. Sie zu begleiten und zu unterstützen, begeistert mich. Wir wohnen hier ja in der Platte. Es ist schon cool, mit den Leuten hier Tür an Tür zu leben. Ich darf in die Welt der Menschen eintauchen, mit ihnen leben und ihnen dabei von Jesus weitersagen.
Gleichzeitig ist das auch die Herausforderung: Es ist nicht immer leicht, eine gute Balance im Nähe-Distanz-Verhältnis zu halten. Da bin ich noch am Lernen.
Manchmal schmerzt es auch zu sehen, wenn Leute wieder in alte Muster zurückfallen und ich mir so sehr wünsche, dass sie ihr Leben so gestalten, dass es gelingt. Da erinnere ich mich immer wieder selbst an den gnädigen Blick von Jesus auf mich selbst. Es gibt hier einfach eine riesige Chance, Menschen zu prägen und Gutes in ihr Leben reinzusprechen.

Was wünscht du den Menschen im Reitbahnviertel?
Ich wünsche mir natürlich, dass Jesus in ihr Leben kommt. Dass sie so vom Heiligen Geist geleitet werden, dass es ihrer Seele guttut. Heilung für seelische Belastungen ist ein großes Thema und ein großer Wunsch von uns als Team für sie. Und wenn ich was für mich wünschen darf: Dass manche Prozesse mit den Menschen vor Ort und in der Gemeinde etwas schneller gehen, auch wenn ich weiß, dass Wachstum seine Zeit braucht.

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Björn und Miriam Dehner leben seit 2012 in Frankreich und haben drei Kinder. Seit August 2018 gehören sie zu einem Gemeindegründungsteam in der südfranzösischen Stadt Montpellier. Davor arbeiteten sie in Nantes und Cherbourg im Westen Frankreichs, vor allem in der Jugendarbeit und Gemeindegründung. Derzeit sind sie in Deutschland. Wir haben Björn einige Fragen gestellt.

Welche drei Eigenschaften sind dir für eine Gemeinde wichtig?
Relevanz für die Menschen, die nicht an Jesus glauben. Liebe, denn die Liebe von Jesus für alle Menschen soll in der Gemeinde sichtbar werden. Und ein dritter Wert, der mir persönlich wichtig ist, ist Exzellenz. Wir haben einen wunderbaren Gott und ich wünsche mir, dass sich das in unserer Art Gemeinde zu gestalten widerspiegelt.

Wenn du an Montpellier denkst, dann …
… denke ich an Zuhause, an Kreativität und an dynamisches Leben. Wir fühlen uns in Montpellier sehr wohl. Gleichzeitig haben wir auch schon die Schattenseiten einer großen Stadt kennengelernt, z. B. Armut und Abhängigkeiten.

Vor Kurzem habt ihr einen Online-Glaubenskurs begonnen. Wie war der Start?
Der Start war echt gut. Das ist schon spannend. Eigentlich lebt so ein Alphakurs ja von der Begegnung und persönlichen Treffen. Trotz der Distanz durch das Online-Format sind einige dabeigeblieben, die auch echt motiviert sind. Wir sind froh, dass wir so dann trotz Ausgangssperre den Glaubenskurs machen konnten. Aber wir freuen uns natürlich darauf, wenn wir hoffentlich bald in den Präsenzmodus gehen können.

Was wünscht du dir für eure Gemeindegründung in den nächsten Monaten?
Dass vieles, von dem, was wir begonnen, erhalten bleibt und wir neue Dynamiken integrieren können. Denn ein richtiges „Gemeindeprogramm“ hatten wir coronabedingt bisher noch nicht. Ich würde mir schon wünschen, dass viele von den Menschen, die jetzt online dabei waren, dann auch in die Gemeinde kommen. Letztendlich ist es mir aber egal, in welche Gemeinde die Menschen gehen. Ich wünsche mir nur, dass sie echte Hoffnung in Jesus finden.

Gibt es ein Erlebnis in den letzten Wochen, das dich besonders bewegt hat?
Eine Freundin von uns, die auch beim Online-Glaubenskurs dabei ist, trifft sich zum Bibellesen mit Miri. Zu ihrem Vater hatte sie seit längerer Zeit keinen Kontakt mehr, weil sie sich verstritten hatten. Nun haben sie sich das erste Mal seit zehn Jahren versöhnt, weil sie jetzt Halt in ihrem gefundenen Glauben hat und Gott zu ihr redet. Glaube bewegt und verändert. Das zu erleben, begeistert mich.

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Michael und Tina Eckstein leben seit gut 13 Jahren mit ihren Kindern in Frankreich. Sie haben die Menschen in ihr Herz geschlossen und lieben es, ihnen von Jesus weiterzusagen. In Saint-Lô bauen sie eine Gemeinde auf. Michael ist außerdem Teamleiter der Liebenzeller Missionare in Frankreich. In den nächsten Wochen sind sie in Deutschland unterwegs, um von ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben Michael einige Fragen gestellt.

Was bedeutet für dich Heimat?
Für mich persönlich ist das der Ort, wo meine Familie ist und wo ich mich am richtigen Platz hingestellt sehe. Beziehungen spielen dabei eine wichtige Rolle, denn sie steigern das Lebensgefühl. Man ist dann zu Hause, wenn man weiß, wo man hingehen kann. Neulich musste ich in einem Computerladen etwas besorgen. Meine Tochter war dabei und sagte im Anschluss: „Papa, wenn man euch so reden hört, könnte man meinen, ihr seid Kumpels!“ Die Leute zu kennen, ist echt wertvoll. Für unsere Kinder ist schon eher Frankreich ihre Heimat. Mein Eindruck ist: Wenn die Eltern das Leben zwischen den Kulturen bejahen und auch beide Kulturen pflegen, finden die Kinder ein Zuhause. Dann ist ihnen keine Kultur komplett fremd.

Bitte vervollständigt den Satz: Für unsere Gemeinde ist uns wichtig …
… dass sich die Menschen mit ihr identifizieren und bereit sind, sich einzubringen, zu lernen und füreinander da zu sein. Gemeinde macht aus, dass Menschen einen Blick und ein Herz für die Aufgaben der Gemeinde haben. Gott gebraucht die Gemeinde für seine weltweite Mission, sie soll Licht in der Welt sein und auf ihn hinweisen.

Wie stellt ihr euch eure Gemeinde in fünf Jahren vor?
Gerade durchlaufen wir einen Gemeindeberatungsprozess. Das ist sehr spannend und herausfordernd. Es ist geplant, dass wir als Missionare weiterziehen, um an einem anderen Ort eine Gemeinde zu gründen und zu bauen. Für unsere jetzige Gemeinde wird das schon eine Herausforderung.
Mein Wunsch für die Gemeinde in fünf Jahren ist, dass die Menschen in der Gemeinde im Glauben wachsen und auch in der Mitarbeit. Aus Identifikation soll Engagement werden – mit einem Verantwortlichen-Kreis, der nach vorne blickt und eine Vision für die Gemeinde hat. Dass die Gemeinde zahlenmäßig wächst, ist natürlich auch ein Wunsch. Ich würde es so bezeichnen: gesundes Wachstum – geistlich und zahlenmäßig.

Ihr lebt und arbeitet als Deutsche in Frankreich. Fühlt ihr euch immer willkommen oder gibt es manchmal auch Vorbehalte der Menschen vor Ort?
Wir haben das Vorrecht, zu einem Zeitpunkt nach Frankreich gekommen zu sein, an dem das kaum mehr ein Thema ist. Die Kinder von früheren Missionaren mussten sich z. B. in der Schule immer wieder kritische Rückmeldungen zu ihrer Herkunft anhören. Wir persönlich haben das nicht erlebt. Ohnehin ist die deutsch-französische Freundschaft in den letzten Jahren stark gewachsen.

Gibt es ein Erlebnis in den letzten Wochen, das euch besonders bewegt hat?
Was mich sehr freut: Wir haben Menschen in der Gemeinde, die sehr herausfordernde Zeiten erleben, aber immer treu beten. Vielen ist das Gebet in den letzten Monaten neu wichtig geworden. Besonders denke ich an ein älteres Ehepaar, bei dem sich vieles um sich selbst gedreht hat. Heute geht ihr Blick über sich selbst hinaus und sie sprechen von „unserer Gemeinde“. Es hat sich nicht nur ihr Vokabular, sondern auch ihre Einstellung geändert.

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Thomas und Irene Beck sind seit fast 30 Jahren in Japan vor allem in der Gemeindegründungsarbeit aktiv. Das Ehepaar mit vier fast erwachsenen Kindern ist seit 2012 in Tokaichiba im Einsatz. Thomas leitet daneben als Geschäftsführer die religiöse Körperschaft der Liebenzeller Mission in Japan, die unter anderem 16 Gemeinden und ein Freizeitheim umfasst. Wir haben uns mit ihnen unterhalten, vor welchen Herausforderungen die Missionsarbeit in dem Land steht.

Rund ein Prozent der 126 Millionen Japanerinnen und Japaner sind Christen, davon sind 680.000 evangelisch. Warum glauben so wenige an Gott?
Thomas Beck: In Japan herrscht ein ausgeprägtes Kollektivdenken. So lautet ein Sprichwort: „Der Nagel, der heraussteht, wird eingeschlagen.“ Japanerinnen und Japaner identifizieren sich sehr stark über ihre Gruppe. Der Shinto-Glaube gehört zur Nationalität und hier herauszutreten, ist aufgrund des sozialen Druckes sehr schwer. Hinzukommt, dass in Japan eine ausgeprägte Leistungsgesellschaft vorhanden ist. So muss man bereits für den Kindergarten eine Aufnahmeprüfung bestehen. Es gibt in Japan deshalb keine Freizeitindustrie wie bei uns.
Der allgegenwärtige Leistungsdruck hält viele davon ab, über das nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Zwischen 40 und 50 Jahren geraten aber viele in Lebenskrisen, hinzukommen Erziehungs- und Eheprobleme. Viele finden in diesem mittleren Lebensalter in unsere Gemeinden. Denn sie suchen nach Hilfe und fangen an, über Lebensfragen nachzudenken. Allerdings sind die Kinder der 40- bis 50-Jährigen mit unseren Angeboten so gut wie nicht zu erreichen, da sie selbst schon erwachsen sind und sie wiederum nicht mehr von ihren Eltern erreicht werden. Jede Generation muss letztlich neu mit dem Evangelium in Kontakt kommen, denn es ist in Japan noch viel schwerer, dass Eltern ihren Kindern den Glauben weitervermitteln können.

Wie erreicht ihr die Menschen in Japan?
Irene Beck: In Japan läuft viel über Beziehungen. Dabei sind wir Missionare, die wir von außen kommen, sehr stark darauf angewiesen, dass die einheimischen Christen ihre Freunde und Bekannte mit in die Gemeinde bringen.
Thomas Beck: Wenn wir eine neue Gemeinde gründen, laden wir als Erstes Japanerinnen und Japaner zu uns nach Hause ein und lesen mit ihnen die Bibel, die auch für sie als das meistgelesene Buch der Welt gilt. Aber sie wissen nicht, was darin steht. Wenn aber jemand von außen kommt, mit ihnen die Bibel liest und den Inhalt erklärt, haben sie großes Interesse daran. Denn Japanerinnen und Japaner sind sehr wissbegierig. Es interessiert sie besonders, was aus dem Westen kommt. Mit der Bibel konfrontiert zu werden, ist für sie eine große Chance, etwas bislang Unbekanntes kennenzulernen. Daneben laden wir auch in unseren Gemeinden zu Konzerten oder Vorträgen zur Kindererziehung und zu Alltagsproblemen ein.

Was leitet euch bei eurer Arbeit?
Thomas Beck: Bei unserer Gemeindegründungsarbeit sind uns drei Punkte wichtig: Dass wir betend vorbereiten, wen wir ansprechen sollen. Dazu bauen wir immer einen Unterstützerkreis an Betern auf. Hinzu kommt, dass wir mit Christen vor Ort zusammenarbeiten, die bereits über Kontakte verfügen. Wir Missionare knüpfen daran wiederum neue Kontakte. Und dann verkünden wir die Frohe Botschaft für eine Gesellschaft, die keine frohe Botschaft hat, da sie sehr anstrengend und auf Leistung ausgelegt ist. Viele Japanerinnen und Japaner leiden unter dem Druck. Das Evangelium befreit sie davon und verändert sie. Gebet, Kontakte vor Ort und das Evangelium – darauf kommt es uns letztlich an.

Wie ist die Situation in eurer momentanen Gemeinde?
Thomas Beck: Wir versuchen zurzeit die Gemeinde in Tokaichiba in einheimische Hände zu übergeben und suchen dazu Leitungspersonen. Den Gottesdienst besuchen rund 40 Japanerinnen und Japaner. Begonnen haben wir mit sechs Personen. Der jüngste Besucher ist zwei Jahre alt, die älteste Besucherin 88 Jahre. Dabei erreichen wir Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Aber die Menschen, die sich bei uns haben taufen lassen, waren meist zwischen 40 und 50 Jahren alt.

Wie reagieren die Japaner auf das Evangelium?
Thomas Beck: Das Evangelium befreit vom Leistungsdruck und vom Ahnenkult, der die Japanerinnen und Japaner oft sehr bindet und ihnen unter anderem durch die Rituale sehr vieles abverlangt. Viele leiden unter Angst vor den Verstorbenen. Denn – so denken sie – man darf ja nichts falsch machen bei Beerdigungen oder gar Tabus brechen – sonst rächen sie sich als böser Geist. Jesus Christus hingegen befreit sie von dieser Angst. Sie müssen keine Lasten mehr tragen. Das ist für die Christen hier befreiend und begeistert sie.
Irene Beck: Und diese Begeisterung steckt an. So haben wir durch eine Frau aus unserer Gemeinde Kontakt zu einem Zeugen Jehovas bekommen, der ihren befreienden, fröhlichen Glauben ansteckend fand. Zuerst kam dieser Mann heimlich, öffnete sich dann aber für Jesus Christus. Unsere Gemeindemitglieder tragen ihren Glauben begeistert weiter, knüpfen neue Kontakte, die sie an uns vermitteln und sind so hervorragende Multiplikatoren.

Was war euer prägendstes Erlebnis?
Irene Beck: Als wir vor zwei Jahren sehr an unsere Belastungsgrenze stießen, schlug Thomas der Gemeinde als Jahreslosung Gottes Zusage aus 2. Mose 14,14 vor: „Ich werde für euch kämpfen und ihr werdet stille sein.“ Diese Zusage Gottes half uns, als zwei Frauen einen neuen Musik- und Singkreis starten wollten und deren Vorschlag die Gemeinde spaltete. Während die einen dafür waren, riefen andere dazu auf, Gott einfach zu vertrauen. Wir unterließen die Neugründung – und erlebten, wie sich kurz darauf sechs Menschen zur Taufe anmeldeten. Das hat mich beschämt: Gottes Stärke ist nicht von unserer Kraft, unserem Können und unseren Fähigkeiten abhängig. Wenn wir nicht mehr können, ist er erst am Anfang.
Thomas Beck: Es ist unbeschreiblich bewegend und begeisternd zu erleben, wie Gottes Wort Menschen tiefgreifend verändert. Wir haben bei unseren Gemeindegründungsarbeiten immer wieder erlebt: Es war schon alles vorbereitet, wenn es um die Fragen ging: Wie finden wir Kontakte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Wohnungen? So kam nach dem Umzug in eine neue Stadt der Milchmann an unsere Tür und fragte uns, was wir hier tun würden. Als wir ihm sagten, dass wir eine Gemeinde gründen wollen, sagte er: „Halleluja, seit fünf Jahren bete ich als Christ dafür. Ich kenne so viele und tiefe Einblicke in ihre Nöte. Ich kann euch viele vorstellen, die nur auf das Evangelium warten.“ Gott war also schon lange am Wirken und er kannte bereits die Situation, in der für uns alles noch so ungewiss war.

Was muss ein Missionar und eine Missionarin für Japan besonders mitbringen?
Thomas Beck: Ohne das Wissen um meine Berufung könnte ich meine Arbeit nicht tun. Diese Berufung steht über allem. In diesem Wissen kann ich aller Ungewissheiten begegnen, weil Gott seinen Segen geben wird. Wenn eine Berufung vorliegt, braucht es einfach den Mut, dem nachzukommen. Wir brauchen außerdem auch tiefes Verständnis für eine völlig fremde Kultur und die Fähigkeit, sich dort hineinzubegeben. In Deutschland können wir selbst bestimmen, was wir machen wollen, im Gegensatz zur japanischen Kollektiv-Gesellschaft. Außerdem sind viele Japanerinnen und Japaner konfliktscheu. Man muss bereit sein, den Japanern ein Japaner zu werden, seinen deutschen Individualismus ein Stück weit aufzugeben und versuchen zu verstehen, wie die Menschen hier denken und empfinden. Die Sprache selbst kann man mit viel Geduld erlernen.
Irene Beck: Man darf weniger der Macher sein, sondern muss Gott machen lassen. Außerdem benötigt man Ausdauer – aber die schenkt Gott mit der Berufung.

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Dr. (UNIMW) Reinhard und Cornelia Frey sind nach 13 Jahren Gemeindedienst in Deutschland im Herbst 2015 nach Sambia zurückgekehrt. Dort waren sie schon von 1986 bis 2002 in der Gemeinde- und Schulungsarbeit tätig gewesen.
Reinhard arbeitet nun in der Gemeindeleiterschulung in Sambia und dem benachbarten Kongo. Cornelia bringt sich in Frauenstunden und in einer Bibelschule ein. Zurzeit sind Cornelia und Reinhard im Heimataufenthalt in Deutschland und berichten von ihrer Arbeit in Sambia. Wir haben ihnen einige Fragen gestellt.

Wenn ihr eure erste Zeit in Sambia und euren jetzigen Einsatz vergleicht: Wie hat sich die Missionsarbeit verändert?
Damals waren wir als Liebenzeller Mission neu in Sambia. Zusammen mit unserer Partnerkirche sollten wir neue Gemeinden im Norden gründen. Gemeindegründung war das Thema. Heute stehen die Schulungen im Vordergrund. Die Gemeindearbeit können viele Einheimischen selbst gut machen. Aber sie sind dankbar, wenn es Schulungen mit fundiertem theologischen Hintergrund gibt.

Warum ist Missionsarbeit in Sambia nach wie vor wichtig?
Es gibt genug Kirchen, aber viel Vermischung zwischen Tradition und Christentum. Die Bibel wirklich biblisch zu betrachten – damit tun sich die Menschen in Sambia oft schwer. Deshalb ist es so wichtig, dass Einheimische und Missionare eng zusammenarbeiten. Wie können wir die Themen des Lebens biblisch und kulturell betrachten? Es ist wichtig, die Kultur der Menschen ernst zu nehmen und zu achten. Gleichzeitig müssen wir auch klar benennen, wenn Dinge nicht biblisch sind. In Sambia ist zum Beispiel der Glaube an Zauberei und Geister stark verbreitet, auch Christen sind oft darin verstrickt. Da sagen wir schon klar, dass man als Christ die Ahnen nicht anbeten soll. Aber wir bemühen uns, das den Menschen in einer guten Art zu sagen und sie mitzunehmen. Ganz bewusst wollen wir die einheimischen Mitarbeiter stärken, ermutigen und lehren, damit sie bewusst im Alltag mit Jesus leben.

Reinhard, dein Schwerpunkt ist die Schulung von Gemeindeleitern. Was begeistert dich dabei und was fordert dich heraus?
Den Menschen einfach die Bibel nahezubringen: Das mache ich gerne. Die Bibel im Kontext ihrer Kultur zu betrachten, ist die große Herausforderung. Dass wir schon so viele Jahre in Sambia arbeiten, hilft da natürlich. Trotzdem brauchen wir immer auch das Feedback der Menschen dort, ob unsere Schulungen die kulturellen Aspekte richtig berücksichtigen.

Zu Schulungen fährst du auch regelmäßig über die Grenze in den Kongo. In den Nachrichten hört man immer wieder von Krieg und Rebellenangriffen. Wie ist die Lage derzeit?
Die Region im Norden ist sehr instabil und gefährlich. Der südliche Kongo an der Grenze zu Sambia ist quasi ein abgegrenztes Land. Die ganze Versorgung dieser Region läuft über Sambia. Von daher ist es normalerweise kein Problem, in den südlichen Kongo zu reisen. Mir kommt der Kongo oft so vor wie Sambia vor 30 Jahren. Die Menschen leben dort sehr einfach. Leider ist die Korruption extrem hoch.
Theologische Schulungen für die Pastoren im Kongo sind sehr wichtig. Bei einer der vergangenen Schulungen habe ich erfahren, dass von 40 Gemeindeleitern ein einziger eine theologische Ausbildung hatte. Die Leute sind sehr dankbar für die Schulungsangebote. Unser Wunsch ist es, dass unsere sambische Partnerkirche selbst Missionare in den Kongo schickt. Mit der Finanzierung tun sie sich noch schwer. Aber wir ermutigen sie dazu immer wieder, denn wir wollen, dass der Missionsgedanke bei ihnen selbst gestärkt wird.

Cornelia, du setzt dich besonders für die Frauen ein. Was beeindruckt dich an den Frauen in Sambia?
Ich habe eine große Hochachtung vor den Frauen, die oft schwierige Lebensumstände zu bewältigen haben. Sie arbeiten sehr hart zu Hause, werden aber kaum respektiert. Vor Kurzem unterhielt ich mich mit einer Frau, die als Zweitfrau ihrer älteren Schwester „zugeschoben“ wurde, weil die keine Kinder bekommen kann. Eigentlich leidet sie unter der Situation, lobt aber trotzdem Gott und ist für vieles dankbar. Das beeindruckt mich sehr.

Was ist dein Herzensanliegen oder Wunsch für die Frauen?
Die Frauen stehen unter einem riesigem Druck, besonders von der Verwandtschaft bzw. Großfamilie. Wenn eine Frau zum Beispiel krank ist, muss sie trotzdem weiterarbeiten. Sonst würde sie zu hören bekommen, dass sie faul sei. Sambia ist eine Männergesellschaft. Der Druck auf die Frauen ist enorm. Die Männer können oft machen, was sie wollen. Dass zum Beispiel Männer fremdgehen, wird gesellschaftlich weitgehend toleriert. Das geht leider bis in die Kirchen hinein. Wenn eine Frau fremdgeht, wird sofort die Scheidung gefordert. Ein anderes Beispiel: Wenn eine Familie zu Besuch zu den Eltern des Mannes kommt, dann ist es traditionell üblich, dass der Mann am Tisch mit seinen Eltern sitzt. Die Frau muss mit den Kindern entweder in der Küche essen oder am ganz anderen Ende des Raumes. Einer unserer Mitarbeiter hat sich dem widersetzt und seine Frau und Kinder an den gemeinsamen Tisch geholt. Die Reaktion seiner Eltern war heftig. Es hat zehn Jahre gedauert, bis seine Eltern begriffen haben, dass ihr Sohn ihnen nichts Böses antun will, sondern einfach nur seine eigene Familie wertschätzt und respektiert.
Oft sehen die Frauen keinen Weg, aus diesem „System“ auszubrechen oder dagegen anzugehen. Dass sie frei werden von diesem Druck und ihre Freiheit in Jesus finden, das wünsche ich ihnen sehr. Deshalb gebe ich ihnen gerne weiter, dass sie auf Jesus vertrauen können, der auch in Krankheit oder Tod das Sagen hat. Und ich ermutige sie, mit ihren Männern zu reden und gemeinsam Wege zu finden.

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Aaron und Ilonka Köpke leben mit ihren drei Kindern in Neubrandenburg. Mit dem Team der „Oase im Reitbahnviertel“ gründen sie eine Gemeinde mit Leuten aus dem Viertel für das Viertel. Aaron ist seit 2012 Sozialarbeiter in der Oase, seit April 2018 leitet er das Oase-Team. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Warum ist euer Projekt eine Oase für die Leute in eurem Viertel?
Eine Oase ist wichtig in Wüsten-Zeiten, wenn das Leben viel von einem fordert, ein Quellort für neue Kraft. Eine Oase ist ein Ort der Gemeinschaft. Menschen schätzen Gemeinschaft. Das versuchen wir zu leben.

Wie ist die Situation der Kinder und Jugendlichen bei euch derzeit: Trifft Corona sie mehr als Kinder in anderen Vierteln oder Gegenden?
Ein großer Anteil unserer Kinder und Jugendlichen ist bei Bildung ohnehin schon benachteiligt. Durch Corona hat sich die Lage noch verschlechtert. Da muss man schauen, dass sie den Anschluss nicht verlieren. Durch die Wohnverhältnisse sind die Kinder bei gutem Wetter derzeit viel draußen. Das ist ihre „Überlebensstrategie“.

Euer Ziel ist, dass aus der Oase eine Gemeinde entsteht: Wie ist der aktuelle Stand oder fühlt ihr euch bereits als Gemeinde?
Gottesdienste konnten auch während Corona weitgehend stattfinden. 25 Personen gehören zu unserer Kerngruppe, die regelmäßig zu Abendandachten und Kleingruppen kommen. Zu unseren offenen Programmen wie Frühstücksangeboten kamen auch Menschen, die kein Interesse an der Gemeinde haben. Sie bleiben jetzt eher weg, da diese Angebote derzeit wegen der Coronamaßnahmen nicht stattfinden können.
Der nächste Schritt für uns ist, Leitungsstrukturen zu schaffen, die so partizipativ sind, dass Leute aus dem Viertel integriert sind. Zum Beispiel durch kleine Teams, in denen die Menschen Verantwortung übernehmen können. Aber Zeit wird das natürlich benötigen.

Was begeistert dich an deinem Job und was fordert dich heraus?
Mich begeistert, dass wir das Reitbahnviertel als Heimat und Zuhause sehen. Wir haben das Gefühl, dass wir wirklich angekommen sind. Wir kennen viele Menschen und sind gut vernetzt. Die Nähe zueinander in so einem Wohngebiet erleben wir als sehr positiv.
Herausfordernd finde ich, dass ich mein inneres Bild von Gemeinde nicht auf sie projiziere. Die Gemeinde soll so werden, dass sie für das Viertel passt. Die Gefahr besteht immer, dass wir etwas gestalten, was unseren eigenen Vorstellungen entspricht. Wir haben eine Berufung und eine große Leidenschaft für unsere Arbeit. Aber nicht alles passt automatisch, wie wir es uns so überlegen.
Für uns wird die zweite Generation an Menschen in der Gemeinde spannend. Ihre Chance, ihr Leben mit Jesus zu gehen, ist viel größer als bei der ersten Generation, die komplett atheistisch aufgewachsen ist.

Was sind deine Wünsche für die Menschen im Reitbahnviertel?
Dass sie die Oase als Stadtteiltreff kennenlernen und erfahren, was Gemeinde bedeuten kann. Für diejenigen, die bereits zu uns in die Gemeinde kommen, wünsche ich mir, dass sie füreinander da sind und treu zusammenhalten.

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Lisa Kimpel ist in Nordhessen aufgewachsen und hat nach dem Abitur die Interkulturelle Theologische Akademie (ITA) in Bad Liebenzell absolviert. Seit Januar 2017 lebt sie in Frankreich. Nach dem Sprachstudium im Großraum Paris arbeitete sie in der Gemeinde in Alençon/Normandie mit. Seit Mitte 2018 gehört sie mit den Familien Bolanz und Dehner zum Gemeindegründerteam in der südfranzösischen Stadt Montpellier. In den nächsten Wochen ist Lisa in Deutschland und berichtet von ihrer Arbeit. Wir haben ihr einige Fragen gestellt.

Gemeinden zu gründen, lebt von Beziehungen. Wie geht das in der Corona- und Lockdown-Zeit?
Sich mit einer größeren Gruppe zu treffen, ging seit über einem Jahr sehr wenig. Aber einzelne Personen zu treffen, war und ist weitgehend möglich. An Einzelnen dranzubleiben, sehen wir auch als unsere Aufgabe. Wir können immer noch Gemeinde leben, derzeit eben in anderer Form. Wir spüren aber schon, dass die Sehnsucht nach echter Gemeinschaft bei den Menschen sehr stark ist.

Seit Mitte 2018 lebst du in Montpellier. Fühlst du dich dort wohl oder sogar zu Hause?
Für mich ist zu Hause, wo ich Beziehungen habe. In Montpellier leben viele junge Leute. Ich habe nette Menschen kennengelernt und seine super WG-Mitbewohnerin. Auch viele Nachbarn kenne ich mittlerweile besser. Die Stadt und die Gegend mag ich sehr. In Montpellier lebe ich nun länger als an jedem anderen Ort, seit ich von daheim ausgezogen bin.

Was magst du an den Menschen in Südfrankreich?
Die Offenheit der Menschen, man kommt leicht mit ihnen ins Gespräch. Und gerade in Montpellier gibt es eine große Vielfalt an Menschen und Kulturen, was ich sehr bereichernd finde.

Wie sehen die nächsten Schritte bei euch in der Gemeindegründung aus?
Gerade startet ein Online-Glaubenskurs. Einige haben sich bereits angemeldet, was mich sehr freut. Einmal im Monat feiern wir Gottesdienst – im Wohnzimmer oder im Park. Wir bieten regelmäßig gemeinschaftliche Aktionen an. Aber es geht uns nicht darum, nur Programme anzubieten. Wir wollen offen sein, Menschen spontan und flexibel zu treffen, um gerade auch Nicht-Christen in die Gemeinschaft mit reinzunehmen.

Gibt es ein Erlebnis in den letzten Wochen, das dich besonders bewegt hat?
Meine WG-Mitbewohnerin hat mir erzählt, dass eine Nachbarin, die bisher immer recht distanziert zu uns war, vor Kurzem eine Nacht in meinem Zimmer übernachtet hat, da sie Probleme in ihrer Wohnung hatte. Sie war sehr offen und fragte viel über unseren Glauben nach. Andere Nachbarn wollen den Glaubenskurs ausprobieren. Wenn Menschen, die bisher nichts mit Glauben am Hut hatten, erste Schritte Richtung Gott gehen, dann ist das sehr bewegend.

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