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Kinder und ältere Menschen sind von der Corona-Pandemie besonders betroffen, vor allem, wenn sie unter schwierigen sozialen Bedingungen aufwachsen wie im Reitbahnviertel in Neubrandenburg. Bei einer Arbeitslosenquote von über zwanzig Prozent müssen viele Familien mit wenig Geld auskommen.

Aber nicht nur finanzielle Not macht den Menschen hier zu schaffen. In dem sozial-missionarischen Projekt „Oase“ der Liebenzeller Mission bringen die Mitarbeitenden auf kreative Weise Gottes Liebe zu den rund 4.500 Bewohnerinnen und Bewohnern. So boten sie während der Corona-Pandemie ein „Frühstück to go“ an. Rund 25 Vesper zum Mitnehmen haben täglich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerichtet und zwischen 9 und 10:30 Uhr ausgegeben. Für einen kleinen Unkostenbeitrag von zwei Euro gab es am Küchenfenster der Oase einen Kaffee, ein bis zwei Brötchen (wobei man noch welche kostenlos nachholen konnte), eine Banane, ein Ei, Tomaten und/oder Radieschen. Alles wurde in Papiertüten eingepackt. In jede Tüte haben die Mitarbeitenden einen kleinen Input bzw. Hinweis über Jesus aufgenommen. Wer sein Frühstück geholt hatte, konnte sich – mit Abstand – zunächst auf den Vorplatz setzen. Mittlerweile können die Besucherinnen und Besucher auf dem Innenhof draußen auf den Sofas sitzen. Selbstverständlich beachtete man dabei die geltenden Hygiene-Regeln.

Das Angebot nahmen viele Mütter und Senioren dankbar an, berichtet Anna Kölbel: „Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Es war das Erste, was wieder unkompliziert Gemeinschaft ermöglicht hat.“ So gab es guten Austausch bei den Gesprächen. Die Liebenzeller Missionarin ermutigt, auch andernorts solche Aktionen anzubieten: Am besten eignet sich ein Begegnungsort wie ein Vorplatz, vorzugsweise mit Sitzmöglichkeit.

Peter Rapp ist mit seiner Familie seit 1991 in Frankreich tätig, seit 2012 arbeiten sie in Avranches. Der Liebenzeller Missionar ist auch als evangelischer Gefängnis-Seelsorger in Coutances im Einsatz. Vor Kurzem absolvierte er dazu eine staatliche Prüfung. Wir sprachen mit ihm über seine Arbeit.

Peter, wieso hast du diese Prüfung abgelegt?
Ich habe eine staatliche, universitäre Diplomprüfung absolviert, die in Frankreich seit drei Jahren von jedem Gefängnis-, Krankenhaus- und Militärseelsorger verlangt wird. Dabei lernt man unter anderem, wie der französische Staat aufgebaut ist, wie es zur 1905 festgeschriebenen Trennung von Staat und Kirche kam und wie sie geregelt ist. Außerdem werden die Rechte und Pflichten der Seelsorger vermittelt. In Frankreich erhalten die Kirchen keine staatliche Unterstützung – mit Ausnahme der Gefängnis-, Krankenhaus- und Militärseelsorge.

Wie kam es dazu, dass du dich in der Gefängnisseelsorge engagierst?
Als wir 1993 mit dem Gemeindeaufbau in Alençon in der Normandie begannen, baten mich Christen aus verschiedenen Gemeinden immer wieder, als Pastor und Seelsorger auch Angehörige und Bekannte zu besuchen, die im Untersuchungsgefängnis einsaßen. Ich merkte, dass ich keine Bedenken habe, mich in ein Gefängnis-Milieu zu begeben. Ich stellte auch fest, dass die Straffälligen offen waren für das Evangelium; ich konnte völlig frei über Gottes Liebe sprechen. Ich nahm hier einen großen Bedarf wahr. Hinzu kam, dass das Amt des evangelischen Gefängnisseelsorgers in Coutances frei wurde und ich für diese Aufgabe empfohlen wurde. Da ich seit 2008 auch die französische Staatsbürgerschaft besitze, war die Antragsphase leichter zu bewältigenmöglich. Für dieses Amt verwende inzwischen rund zehn bis 15 Prozent meiner Arbeitszeit.

Wie frei kannst du die christliche Botschaft weitergeben?
Trotz der strikten Trennung von Staat und Kirche herrscht in Frankreich für jeden absolute Religions- und Glaubensfreiheit. Das gilt auch für Gefängnisinsassen. Ich kann mit ihnen Gottesdienste feiern, christliche Schriften wie Kalender zum Lesen mitbringen und konnte für sie vor vor der Corona-Pandemie Konzerte mit christlichen Musikern organisieren. und ihnen christliche Schriften wie Kalender zum Lesen mitbringen.

Mit wem hast du es im Gefängnis zu tun?
Ich begegne Menschen aus vielen Nationen und Gesellschaftsschichten. Darunter sind Diebe, Räuber, Drogenkonsumenten und -händler, Sittenverbrecher und Mörder. Aktuell betreue ich einen Mann, der vor Kurzem wegen Mord zu 28 Jahren Gefängnis Haft verurteilt wurde. In seiner Haft hat er sich völlig verzweifelt für Jesus geöffnet und einen Schritt zu ihm gemacht. Er liest jeden Tag in einem christlichen Kalender und sucht das Gespräch mit dem Gefängnisseelsorger.

Was bewegt dich als Gefängnisseelsorger besonders?
Nicht jeder sieht sich zur Gefängnisseelsorge geeignet. Es braucht einen besonderen Auftrag, sich in dieses Milieu zu begeben, ich brauche einen Draht für solche Menschen. Aber ich sehe auf der anderen Seite einen enormen Bedarf. Seit der Corona-Pandemie bin ich verstärkt in der Telefonseelsorge für Gefangene tätig, die die protestantische Kirche eingerichtet hat. Aus ganz Frankreich rufen viele Gefangene an. Man merkt, dass diese Insassen, darunter auch etliche Christen, dieses Angebot dringend benötigen. Viele sind völlig verzweifelt und haben Selbstmordgedanken. Viele greifen im Gefängnis nach der Bibel und möchten wissen, wie sie mit Gott leben und im Glauben wachsen können. Ich kann nur dazu ermutigen, sich auch in Deutschland in dieser Arbeit zu engagieren, die Menschen warten darauf.

Was ist dir besonders unvergesslich?
Die Begegnung mit dem Mörder mit der langen Haftstrafe geht mir sehr nahe. Als ich ihm vor drei Jahren zum ersten Mal begegnet bin, hat er nur geheult. Eine Sekunde – und das Leben erhält eine ganz andere Wendung. „Hätte ich mich nur in dieser einen Sekunde beherrscht …“, sagte er immer wieder. Und doch sehe ich auch, wie das Pflänzlein des Glaubens langsam bei ihm aufgeht, wie Gott Raum in seinem Leben gewinnt. Er hat noch keine Entscheidung für Jesus getroffen, ist aber offen für Gottes Wort. Er erlebt, wie sich Dinge in seinem Leben durch das Lesen in der Bibel verändert haben. Und er scheut sich nicht, andere Gefangene zum Gottesdienst einzuladen und an sie christliche Kalender weiterzugeben. Das ist eine tolle Sache. Auch ein Sittenverbrecher freut sich immer wieder riesig über meine Besuche. Dabei möchte er jedes Mal, dass ich mit ihm die Bibel lese und bete. Er schreibt wunderbare Gedichte, die ich auch schon im Gottesdienst unserer Gemeinde vorgelesen haben. Was für ein reicher Schatz: Da hat ein Mensch große Schuld auf sich geladen – und ist doch Jesus nahegekommen.

SPANIEN. Gottes Botschaft verändert Menschen fundamental und sie lässt sich auch nicht durch die Corona-Pandemie aufhalten. Das erleben die Spanien-Missionare Carolin und Theo Hertler in Marbella. So ließen sich im November insgesamt elf Gottesdienstbesucher an zwei Sonntagen taufen. Sie sind das Resultat der Jüngerschaftskurse, die von März bis Juni über das Internet angeboten wurden. Da der Lockdown drohte, wurde die zweite Taufe um eine Woche vorgezogen. Trotz eines enormen geistlichen Kampfes konnten alle getauft werden. Dafür sind sie und die Gemeinde sehr dankbar. Cristina kam extra aus Sevilla angereist und musste dabei mehrere Genehmigungen einholen, um die Polizeikontrollen passieren zu können. Seit dem 9. November darf aufgrund der Corona-Pandemie niemand mehr sein Dorf bzw. Stadt verlassen.

Theo und Carolin Hertler sind seit 1996 in Marbella in der Gemeindegründungsarbeit tätig. Dort wurde 1998 ein Versammlungsraum eingeweiht, der als Treffpunkt für die Aktivitäten wie Kinderstunde und Gottesdienste dient. Evangelisation führen sie in die Nachbarschaft sowie in den umliegenden Orten, in denen auch Hauskreise entstanden sind. Die Gemeindebesucher kommen aus 13 verschiedenen Nationen. Die Gemeinde ist für viele Heimatlose Familienersatz. Daher werden oft gemeinsame Essen und Spielnachmittage organisiert. Einige Neugetaufte arbeiten bereits bei den im Sommer angefangenen Lebensmittelverteilungen mit, die immer mit einer Andacht begonnen werden. Dadurch kommen neue Besucher in die Gemeinde.