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Die Corona-Pandemie hat auch in Russland dazu geführt, dass keine Gottesdienste und andere Gemeindeveranstaltungen mehr stattfanden ­– und doch sind in dieser Zeit ganz neue, einzigartige Angebote entstanden: So konnte über die Videokonferenz-Plattform Zoom Gottesdienste online gefeiert werden, berichtet Schwester Sabine Matthis: „Sogar die älteren Gemeindeglieder lernten damit umzugehen.“ Damit konnte die Gemeinde in Berjosowski erreicht, die vakanten Gemeinden in Polewskoj und Nishni Tagil mitbetreut und das Gemeindeleben aufrechterhalten werden. Inzwischen dürfen wieder Gottesdienste unter Beachtung der Hygienevorschriften angeboten werden und das Gemeindeleben kommt so langsam wieder in Gang. „Allerdings haben wir die Übertragung der Gottesdienste beibehalten und damit können die vakanten Gemeinden dabei sein.“ Gleichzeitig hat sich auch eine Gebetsgruppe per Zoom gebildet. „Im Ural sind wir einige Hundert Kilometer voneinander entfernt. Doch jetzt haben wir die Möglichkeit, voneinander zu hören und mit- und füreinander zu beten. Eine neue Form, die uns durch Jesus eröffnet wurde.“

Schwester Sabine Matthis ist seit 2006 in Russland tätig. Neben verschiedenen Veranstaltungen werden „TEE“-Kurse (außerschulische theologische Ausbildung) vor Ort und per Internet angeboten.

Liebenzeller Missionare besuchen bei ihren Heimataufenthalten gerne auch Hauskreise. Während der Corona-Pandemie ist das aber nicht möglich. Aber man kann die Liebenzeller Mitarbeiter sehr gut in Online-Hauskreise zuschalten. Wie das geht, berichtet Ruth Krämer. Sie ist Familien- und Pastorenfrau und ist mit ihrem Mann Reinhard seit 2012 in der Süddeutschen Gemeinschaft Ulm tätig.

Wie kam es dazu, dass die Liebenzeller Missionare Benjamin und Debora Wagner bei euch in einem Online-Hauskreis aus ihrer Arbeit berichteten?
Im „Geschwisterrundbrief“ der Liebenzeller Mission wurde dazu ermutigt, Missionare auch in Online-Hauskreise einzuladen. Ich fand das eine sehr gute Idee – auch, um ein wenig Abwechslung in unser Hauskreis-Programm zu bringen. Daraufhin nahm ich Kontakt mit Renate Anderson auf, die die Reisedienste der Missionare von Bad Liebenzell aus koordiniert. Über sie haben wir immer wieder Mitarbeiter der Liebenzeller Mission zu uns nach Ulm in Gottesdienste eingeladen, damit sie von ihrer Arbeit berichten. Gemeinsam überlegten wir, welcher Missionar für unseren Online-Hauskreis in Frage kommen könnte und wir entschieden uns dann für Familie Wagner.

Wie lief der Hauskreis dann genau ab?
Wir luden unsere zehn Hauskreisler im Alter von 45 bis 60 Jahren – Singles und Paare –, per E-Mail zu diesem besonderen Hauskreis wie gewohnt um 20 Uhr ein. Wir treffen uns wöchentlich und seit dem Corona-Lockdown online. Dazu versandten wir den „Steckbrief“ von Familie Wagner, in dem sie sich und ihre Arbeit kurz vorstellen. Im Vorfeld hatte ich auch mit Benjamin Wagner den Ablauf abgesprochen. Für den Abend nutzten wir die Videokonferenz-Plattform „Zoom“. Der Abend lief dann wie gewohnt ab: Wir tauschten uns erst wie immer aus und berichteten, wie es uns so geht und was uns bewegt. Dass da die Liebenzeller Missionare auch schon dabei waren und sich daran beteiligten, war besonders schön. Wir waren nämlich erst unsicher, ob es nicht merkwürdig ist, wenn „Fremde“ bei dieser doch sehr vertraulichen Austauschrunde dabei sind. Aber das war bei Familie Wagner überhaupt nicht der Fall. Es war im Gegenteil total nett, dass Debora und Benjamin Wagner zu zweit am PC dabei waren und sich am persönlichen Austausch beteiligten. Nach einem Gebet von mir stellten sie dann mit einer Präsentation ihre Arbeit vor. Beim Projekt „Hilfe zum Leben“ in Mushili wird unter anderem der alternative Feldbau vermittelt. Die Kleinbauern lernen auf Musterfeldern, wie sie durch die Verwendung von Kompost und Mulchen den Ertrag ihrer Felder steigern und ihre Familie besser ernähren können. Seit Sommer 2017 ist Benjamin Projektverantwortlicher. Debora hält Kinderstunden und unterrichtet benachteiligte Kinder in einem Waisenhaus. Die Präsentation konnten alle an ihren Bildschirmen verfolgen. Gut war, dass Debora und Benjamin sich bei den Erläuterungen der Folien abwechselten und so jeweils aus ihrer Sicht von ihrer Missionsarbeit berichteten. Danach konnten noch Fragen gestellt werden, wovon lebhaft Gebrauch gemacht wurde.

Wie lange dauerte der Hauskreis insgesamt?
Wir waren mit Benjamin und Debora Wagner gut eineinhalb Stunden zusammen. Es war schlicht spannend, was sie erzählten. Ich fand es erstaunlich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer so lange dabei waren, schließlich sitzen viele zurzeit täglich mehrere Stunden vor dem PC bei der Arbeit und manche bekommen bei langen Sitzungen am Computer Kopfschmerzen. Unsere Hauskreisler hatten aber so viele Fragen und wollten fast nicht aufhören.

Wie fällt dein Fazit aus?
Unser Online-Hauskreis war so gut, dass wir uns vorstellen können, noch andere Missionare einzuladen. Viele sagten mir hinterher, dass sie den Abend richtig gut fanden. Das hat mich besonders gefreut, da viele in unserem Hauskreis sehr gut die Liebenzeller Mission kennen. Eine Teilnehmerin äußerte sich daher im Vorfeld skeptisch, ob sie an diesem Abend viel Neues von einem Missionar erfahren würde. Und gerade sie sagte mir danach, dass sie den Abend so interessant und abwechslungsreich fand. Schön war auch, dass viele sagten, dass sie auch für die Missionsarbeit spenden wollen. Wir empfahlen ihnen, einfach etwas an die Liebenzeller Mission zu überweisen.

Übrigens: Neben Benjamin und Debora Wagner lassen sich auch die Liebenzeller Missionare Albrecht Hengerer (Burundi) und Sebastian Proß (Papua-Neuguinea) sehr gerne in Online-Hauskreise einladen. Anfragen dazu können an Renate Anderson, Telefon: 07052 17–7108, E‑Mail: gerichtet werden. Sie berät Interessierte auch, welcher Missionar am besten zu einer Hauskreis-Gruppe passt.

SAMBIA. Trotz der Corona-Pandemie können Christen dank digitaler Möglichkeiten weltweit Kontakt halten und das Wort Gottes überwindet alle Grenzen – auch bei Trauungen. Das zeigt dieses Bild des Liebenzeller Missionars Michael Pflaum. Es entstand in seinem Haus auf dem Gelände der Amano-Schule in Sambia. Dabei ist zu sehen, wie er bei der Trauung seiner jüngsten Tochter Gabriele per Videokonferenz-Plattform Zoom die Predigt hält. Die Trauung war ursprünglich in den USA geplant, aufgrund der Reisebeschränkungen durch Corona fand sie in Japan im Wohnzimmer eines Missionars statt. Gabriele Pflaum lebt seit vier Jahren in Tokio und arbeitet im Management einer Universität. In Japan lernte sie ihren Mann kennen, der als amerikanischer Missionar dort tätig ist. Michael Pflaum konnte mit seiner Frau Bärbel wegen der Pandemie allerdings nicht nach Japan reisen. Die Familien des Brautpaares waren in den USA und in Sambia am Computer über Zoom zugeschaltet. Das Eheversprechen wurde ebenso darüber getätigt. „Leider ist die Videoübertragung noch nicht so weit entwickelt, dass jeder am Hochzeitsessen hätte teilnehmen können“, so Michael Pflaum mit einem Augenzwinkern.

Michael Pflaum leitet seit 2014 die 2004 von ihm mitbegründete Amano-Schule in Sambia. Sie zählt mittlerweile über 130 Schüler. Mittellose Waisenkinder, Kinder von Missionaren und von wohlhabenden Geschäftsleuten lernen dort Seite an Seite. Reichere Eltern ermöglichen mit den Schulgebühren, dass auch ärmere Kinder in den Genuss einer exzellenten Ausbildung kommen. Sowohl die Mitarbeiter der Einrichtung als auch die Schüler stammen aus vielen verschiedenen Ländern. Die Kinder und Jugendlichen können qualifizierte internationale Abschlüsse erwerben – vergleichbar mit der Mittleren Reife. Auf Wunsch kann auch das A-Level (eine Art Abitur) erworben werden. Immer wieder loben Schulinspektoren die hervorragende Ausbildung.