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Wenn Gott einen anderen Plan hat

FRANKREICH. „Herr, jetzt bist du am Zug“, sprach die Liebenzeller Missionarin Evelyn Theurer zu Gott. Sie zog ihre Winterjacke an, schloss die Haustür hinter sich zu und machte sich auf den Weg ins Krankenhaus. Dort wollte sie in die Patientenzimmer gehen und das Evangelium weitergeben. Den Eindruck, das zu tun, bekam Evelyn, als sie kürzlich in einer Gemeinde in Alençon darüber predigte, sich auf den Weg zu machen. Auch das Gebet einer afrikanischen Frau bekräftigte sie, loszuziehen.

„Obwohl mich dies viel Überwindung kostete, wollte ich Gott gehorsam sein“, sagt Evelyn. Auf dem Weg kam sie an einem Laden vorbei. Plötzlich hatte sie das Gefühl, sie müsse dort hineingehen. Die Ladenbesitzer, ein französisches Ehepaar, kennt Evelyn aus dem Ökumenischen Bibelkreis. Sie betreiben das Geschäft gemeinsam, doch an diesem Tag traf Evelyn nur den Mann an. Dieser erzählte traurig, dass sich seine Frau am Vortag das Handgelenk gebrochen habe und sechs Wochen ausfalle. Evelyn war froh, dass sie ihrem Gefühl nachging und dadurch früh von dem Unfall erfuhr: „So konnte ich bereits mehrfach mit der Frau telefonieren und dem Ehepaar unter die Arme greifen.“ Mit Dank erfüllt sagte die Frau später bei einem Besuch: „Evelyn, du bringst Licht in meine Dunkelheit.“

Vom Laden aus ging es weiter Richtung Krankenhaus. „Ich fragte im Stationszimmer, ob ich Patienten besuchen dürfte? Vor allem ältere Menschen freuen sich sicher, in der Weihnachtszeit nicht alleine zu sein.“ Doch die Stationsschwester reagierte abweisend. Evelyn hatte keine Chance, in die Zimmer zu gelangen und ging enttäuscht hinaus. In der Fußgängerzone traf sie auf eine weitere Dame aus dem Ökumenischen Bibelkreis. Auch deren Stimmung war getrübt. Sie warte auf ein Geschenk, das sicher nicht mehr pünktlich zu Weihnachten ankomme. Überzeugt sagte Evelyn: „Gott kann dieses Wunder tun – er kann alles.“ Noch am selben Abend erreichte Evelyn die Nachricht, dass das Geschenk tatsächlich ankam. „Ich sagte der Frau, dass Gott dieses Wunder tun kann, und er tat es“, freut sich die Missionarin. Auch wenn ihre geplanten Besuche nicht zustande kamen, hatte sie zwei besondere Begegnungen an diesem Tag: „Vielleicht geht es einfach darum, sich auf den Weg zu machen – das warme Zuhause zu verlassen und loszuziehen.“