Im Himmel wird’s keine Übersetzung mehr brauchen

Eine bunte Gruppe von Menschen, Erwachsene und Kinder, sitzt und steht lächelnd in einem hellen Café mit großen Fenstern.

BAD LIEBENZELL. 450 Per­so­nen aus mehr als 20 ver­schie­de­nen Natio­nen kamen zum Fest Inter­na­tio­na­ler Gemein­den am 14. Juni nach Bad Lie­ben­zell. Der Tag stand unter dem Mot­to „Hope Bey­ond Bor­ders – Hoff­nung kennt kei­ne Grenzen.“

„Das Licht von Jesus Chris­tus scheint für jeden Men­schen, ganz unab­hän­gig von Her­kunft und Kul­tur“, sag­te Nat Wib­ber­ley, der zusam­men mit sei­ner Frau Abby die Life­point Church Stutt­gart lei­tet und mit ihr den Got­tes­dienst mode­rier­te. Das Psalm­ge­bet wur­de abwech­selnd in Deutsch, Far­si, Chi­ne­sisch, Tür­kisch und Ara­bisch gespro­chen. Das Vater­un­ser spra­chen alle gemein­sam – jeder in sei­ner Mut­ter­spra­che. „Das ist fast schon wie im Him­mel. Da wer­de ich dann aber kei­ne Über­set­zung brau­chen und alle Spra­chen ver­ste­hen“, sag­te Mar­tin Kocher, der bei der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on unter ande­rem für die Regi­on Mitt­le­rer Osten ver­ant­wort­lich ist und die Ver­an­stal­tung haupt­ver­ant­wort­lich organisierte.

Dave Jar­setz, Mis­si­ons­lei­ter der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on, sag­te in sei­ner Pre­digt im Got­tes­dienst, dass es äuße­re und inne­re Gren­zen gebe: „In der Bibel begeg­nen uns immer wie­der Men­schen, die unter­wegs waren und Gren­zen über­schrit­ten haben und die wis­sen, was es bedeu­tet, wenn man neu anfan­gen muss und dabei auch etwas ver­liert.“ Gren­zen könn­ten Spra­che, Kul­tur, ande­re Men­schen, Ver­lust, Schmerz und Ent­täu­schung sein. Man­che Men­schen wür­den den­ken, dass Gott in Pha­sen von Zwei­fel und Müdig­keit weit weg sei. „Aber du bist nicht außer­halb von Got­tes Blick. Er sieht dei­nen Schmerz und dei­ne Gren­zen.“ Fremd­sein und Hoff­nungs­lo­sig­keit sei­en nicht das Ende der Geschich­te: „Es wird nicht gleich alles gut. Aber weil Gott der Herr des Lebens und der Geschich­te ist, sprengt er Gren­zen und lässt Hoff­nung wach­sen.“ Dabei bestehe ein grund­sätz­li­cher Unter­schied zwi­schen Men­schen und Gott: „Men­schen zie­hen Gren­zen, Gott baut Wege“, so Dave Jarsetz.

Adnan Al-Masoud, Gemein­de­lei­ter und ehe­ma­li­ger Refe­rent für Aus­län­der­ar­beit beim Lie­ben­zel­ler Gemein­schafts­ver­band, erin­ner­te dar­an, dass auch Leid und Ver­fol­gung Teil des christ­li­chen Glau­bens sein kön­nen: „Wir müs­sen Chris­ti Kreuz tra­gen und bereit sein, sei­ne Lie­be wei­ter­zu­ge­ben trotz Schwie­rig­kei­ten.“ Es sei für Chris­ten wich­tig, „fest in Jesus zu blei­ben“, so Adnan al-Masoud: „Dann brin­gen wir Frucht. Gott will, dass du Teil sei­ner Fami­lie bist.“

In einer Talk­run­de sprach Mar­tin Kocher mit Abby Wib­ber­ley, Fai­sal Danish von der Inter­na­tio­nal Church Karls­ru­he und Allen Mu von der chi­ne­si­schen Gemein­de Karls­ru­he über Gren­zen in ihren Gemein­den. Für Abby Wib­ber­ley ist manch­mal die Zeit eine Gren­ze, da es in der tür­ki­schen Kul­tur wich­tig sei, viel in Bezie­hun­gen zu inves­tie­ren und Zeit mit­ein­an­der zu ver­brin­gen: „Da hät­ten wir ger­ne noch mehr Mit­ar­bei­ter.“ Allen Mu lei­tet eine der größ­ten christ­li­chen chi­ne­si­schen Gemein­den in Deutsch­land: „Wir sind eine Dia­spo­ra-Gemein­de und müs­sen ler­nen, auch unse­re eige­nen kul­tu­rel­len Gren­zen zu überwinden.“In der Inter­na­tio­nal Church Karls­ru­he, die von Fai­sal Danish gelei­tet wird, kommt fast jeder Got­tes­dienst­be­su­cher aus einem ande­ren Land. Her­aus­for­dernd sei es, wenn Men­schen nur pas­siv in die Gemein­de kom­men und sich selbst nicht ein­brin­gen wol­len. Des­halb pla­ne er immer wie­der Aktio­nen, an denen sich die Gemein­de­be­su­cher betei­li­gen können.

Mit dabei waren die­chi­ne­si­schen Gemein­den aus Karls­ru­he, Tübin­gen und Lud­wigs­burg, die tür­ki­sche Gemein­de aus Stutt­gart, die ara­bi­sche Gemein­den aus Heil­bronn und Lein­fel­den-Ech­ter­din­gen, die per­si­sche Gemein­de aus Pforz­heim, die inter­na­tio­na­len Gemein­den Bruch­sal und Karls­ru­he sowie inter­na­tio­na­le Grup­pen aus Mainz, Wei­den­bach, Her­ren­berg, Neu­bu­lach und Back­nang. Die Teil­neh­men­den konn­ten über ein digi­ta­les Über­set­zungs­an­ge­bot den Got­tes­dienst in ihrer Mut­ter­spra­che ver­fol­gen. Die Musik im Got­tes­dienst über­nahm Chris Dan­ne­berg mit Team vom inter­kul­tu­rel­len Pro­jekt „Lubu Beatz“ aus Lud­wigs­burg. Zwei jun­ge Frau­en von „Lubu Beatz“ führ­ten einen Rap auf.

Dave Jar­setz zog ein posi­ti­ves Fazit: „Die­ses Event ist für uns als Mis­si­ons­werk eine Ver­an­stal­tung, die Zukunft hat. Für mich ist die­ses Fest ein Höhe­punkt im Jahr. Men­schen aus so vie­len ver­schie­de­nen Her­künf­ten zu erle­ben, die gemein­sam Jesus Chris­tus loben, ist etwas Beson­de­res und das, was Christ­sein aus­macht. Denn Gott sprengt kul­tu­rel­len Gren­zen. Das haben wir heu­te erlebt.“