„Wir brauchen euch wegen eurer Bibelfestigkeit“

Eine vierköpfige Familie, die draußen vor einer Hecke für ein Foto posiert.

Manu­el und Esther Stoll stu­dier­ten an der Inter­na­tio­na­len Hoch­schu­le Lie­ben­zell Theo­lo­gie. Seit 2021 sind sie in der Gemein­de­ent­wick­lungsgs­ar­beit in Burun­di enga­giert. Außer­dem sind sie Team­lei­ter der Lie­ben­zel­ler Mis­sio­na­re in dem Land. Noch bis Janu­ar sind sie in Deutsch­land und berich­ten von ihrer Arbeit. Wir haben ihnen eini­ge Fra­gen gestellt.

Seit 2021 lebt ihr in Burun­di. Was hat euch in die­ser Zeit am meis­ten überrascht?
Uns hat über­rascht, wie unwahr­schein­lich offen die Men­schen dort Aus­län­dern gegen­über sind. Wenn ich als Frem­der auf der Stra­ße unter­wegs bin, behan­deln mich vie­le, als wäre ich ihr per­sön­li­cher Gast. Es fühlt sich so an, wie das burun­di­sche Volk Gast­ge­ber für uns ist.

Was liebt ihr inzwi­schen an Burun­di ganz besonders?
Ganz klar die Men­schen – ihre Herz­lich­keit, ihre Offen­heit und Zuge­wandt­heit. Außer­dem fas­zi­niert uns die Inten­si­tät und Lei­den­schaft, mit der sie ihren Glau­ben leben. Natür­lich lie­ben wir auch das Wet­ter dort. Wir haben jetzt fünf Jah­re lang im Som­mer gelebt. Das war schon eine schö­ne Sache.

Was sind für euch die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen in Burun­di? Und was sind für die Men­schen die größ­ten Herausforderungen?
Was für uns und für die Men­schen dort alle gilt: Das all­täg­li­che Leben zu bewäl­ti­gen, ist auf­wen­dig und anstren­gend. Ich brau­che viel mehr Zeit, an einen Punkt zu kom­men, an dem ich dann mei­ne Arbeit machen kann. Ein Bei­spiel: Der­zeit reg­net es in Burun­di kaum. Wenn der Regen fehlt, kön­nen die Was­ser­tur­bi­nen kei­nen Strom pro­du­zie­ren. Wenn der Strom fehlt, gibt es kein Lei­tungs­was­ser, weil kein Strom für die Pum­pen da ist. Der All­tag hängt oft von äuße­ren Gege­ben­hei­ten ab. Auch wenn unser All­tag oft auch beschwer­lich ist, haben wir ver­hält­nis­mä­ßig ein kom­for­ta­ble­res Leben als vie­le ande­re Menschen.
Auf der sozia­len Ebe­ne ist es so, dass die Men­schen in gro­ßer Angst leben. Angst vor der Zukunft, vor der eige­nen Regie­rung, vor Krank­heit, Arbeits­lo­sig­keit, vor bösen Geis­tern. Aus christ­li­cher Sicht ist es ein gro­ßes Pro­blem, dass es in Burun­di vie­le Irr­leh­ren gibt. Dadurch dass weni­ge Men­schen in der Bibel lesen, ver­trau­en sie oft blind dar­auf, was der Pas­tor sagt. Und lei­der gibt es immer wie­der Sek­ten, die das aus­nut­zen, mani­pu­la­tiv vor­ge­hen und noch mehr Angst schüren.
Das Land selbst lei­det unter hoher Arbeits­lo­sig­keit. Burun­di hat eine unglaub­lich jun­ge Bevöl­ke­rung. Vie­le sind gut gebil­det. Aber 80 Pro­zent der Uni­ver­si­täts-Absol­ven­ten wer­den arbeits­los. Es gibt kaum eine Wirt­schaft im Land. Des­we­gen wol­len vie­le jun­ge Men­schen das Land ver­las­sen. Lei­der ist es so, dass die ein­fluss­rei­chen Posi­tio­nen in Poli­tik, Gesell­schaft und auch in den Gemein­den von Älte­ren besetzt sind. Es wird von oben nach unten entschieden.

Ihr seid in der Gemein­de­grün­dung und ‑ent­wick­lung in Bujum­bu­ra im Ein­satz. Könnt ihr von einem Men­schen erzäh­len, des­sen Leben durch den Glau­ben sicht­bar ver­än­dert wurde?
Ich bin begeis­tert vom Leben von Gil­bert. Er hat­te sei­ne Eltern ver­lo­ren und ist bei Pfle­ge­el­tern auf­ge­wach­sen. Heu­te wohnt er mit sei­nem Bru­der in der Stadt. Gil­bert bringt sich mit vol­ler Lei­den­schaft in der Sport­evan­ge­li­sa­ti­on ein. Mit sei­nen 24 Jah­ren ist er im Glau­ben viel wei­ter als man­che, die dop­pelt so alt sind wie er. Gott gebraucht ihn, damit Men­schen zum Glau­ben kom­men. Gil­bert bewegt das The­ma Vater­lo­sig­keit, da er das selbst erlebt hat. Das betrifft vie­le Men­schen in Burun­di. Aus sei­ner Geschich­te her­aus hat er ein beson­de­res Herz für Jugend­li­che, die das auch erle­ben mussten.

Ihr wünscht euch drin­gend neue Mis­sio­na­re für Burun­di. War­um wer­den sie gebraucht und was müs­sen sie mitbringen?
Inter­es­san­ter­wei­se wer­de ich ihn Deutsch­land häu­fig gefragt, war­um es in Burun­di mehr Mis­sio­na­re braucht. In Burun­di wur­de ich das noch nie gefragt. Ich habe aber Burun­dier gefragt und das war ihre Ant­wort: „Wir brau­chen euch Mis­sio­na­re vor allem für die theo­lo­gi­sche Bil­dung und Bibel­fes­tig­keit, die in Euro­pa über Jahr­hun­der­te gewach­sen ist. Außer­dem habt ihr viel Erfah­rung in der Gemein­de­grün­dung, die uns oft fehlt.“ Ich wür­de noch ergän­zen: Da wir als Aus­län­der außer­halb des sozia­len Gefü­ges ste­hen, sind wir sehr ver­trau­ens­vol­le Per­so­nen. Die Burun­dier kön­nen sich bei uns in der Seel­sor­ge manch­mal bes­ser öff­nen als bei ihren Landsleuten.
Falls irgend­wann der Tag kommt, an dem wir als Mis­sio­na­re nicht mehr gebraucht wer­den, gehen wir fro­hen Her­zens. Aber aktu­ell hören wir von den Burun­di­ern, dass sie uns drin­gend brauchen.
Was müs­sen neue Mis­sio­na­re mit­brin­gen? Eine gute theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung, Lie­be zu Jesus, viel Geduld und einen Schuss Lei­dens­fä­hig­keit für das Leben in einem her­aus­for­dern­den Land.

Du willst die Mis­si­ons­ar­beit von Manu­el und Esther mit einer Spen­de unter­stüt­zen? Dann kannst du das über die­sen Link tun.